Nr. 14 Erstes Blatt
180. Jahrgang
Freitag, 17. Januar 1950
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Die Sozialdemokratie fordert Beseitigung Schachts.
Ein Beschluß des Zr aktionsvorstands in Anwesenheit des Reichskanzlers. - Oer Kampf um die Unabhängigkeit der Reichsbank.
Berlin, 16.Jan. (VDZ.) Der Vorstand der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion beschäftigte sich am Donnerstagnachmittag mit der Lage, die durch das Auftreten des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht im Haag entstanden ist. Es herrschte volle Einmütigkeit darüber, daß eine Rebenregie, rung der Reichsbank, wie sie von Dr. Schacht durch mißbräuchliche Ausnutzung der Un- abhängigkelt dieses Instituts etabliert worden ist, nicht ertragen werden kann. Der Fraktions- vorstand erwartet vom Reichskabinett, daß es sich nach der Rückkehr der deutschen Delegation aus dem Haag mit der Frage beschäftigen wird, wie sie durch Aenderung des Reichsbankge- fehes die Freiheit der deutschen Gesetzgebung in bezug auf die Personalfragen der Reichs- b a n k ausreichend erweitert werden kann. — Mit der systematischen Drosselung der Kredite für die Gemeinden und der dadurch ständig wachsenden Beschäftigungslosigkeit wird sich in den nächsten Tagen eine kombinierte Sitzung der Vorstände der Partei, der sozialdemokratischen Reichstagssraktion und des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes befassen. An der Sitzung des Fraktionsvorstandes nahmen auch der Reichskanzler und der Reichsarbeitsminister Wisfell teil.
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Die Stellungnahme des Vorstandes der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zu dem Auftreten des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht im Haag versieht der „Vorwärts" mit einem langen Kommentar, in dem es u. a. heißt: Dr. Schacht muß weg. Das ist mehr als ein Parteiinteresse der Sozialdemokratie, das ist ein Lebensinteresse der Deutschen Republik. Wichtiger noch als die Person Schachts ist die Garantie, daß sich ein „Fall Schacht" in der Geschichte des Deutschen Reiches nicht wiederholt. Das Reich wird feinen haushalt in Ordnung bringen. Wir werden auch die absolute Autonomie der Reichsbankpolitik nicht nur nicht bekämpfen, sondern nach allen Kräften fördern. Aber wir werden dafür kämpfen, daß in den Personen, die die Reichsbankpolitik zu führen haben, keine Nebenregierung mehr erwächst. — Der „21 b e n d", die Spätausgabe des „Vorwärts" schreibt: Die Sozialdemokratische Partei hat gefordert, daß im Haag die international garantierte Unabsetzbarkeit des Reichsbankpräsidenten durch eine entsprechende Aenderung des Neichsbankstatuts beseitigt werde. Eine solche Aenderung des Reichsbankstatuts wäre nur auf eine deutsche Anregung hin möglich, sie wäre dann aber auch so gut wie gesichert gewesen. Jndeß muß festgestellt werden, daß die Sozialdemokratische Partei mit ihrer Forderung nicht durchgedrungen ist. Erreicht wurde nur, daß die Möglichkeiten zu einer künftigen Aenderung des Reichsbankstatuts erleichtert werden sollen.
Oie bürgerliche presse.
Wo bleibt dieAbwehrfrout dcsBürgertums?
Berlin, 17. San. (Funkspruch. TU.) Der Beschluß des Borstandes der sozialdemokratischen Deichstagsfraktion wird von einer Deihe Berliner Blätter besprochen. Von allen wird als bedeutsam hervorgehoben, daß Deichskanzler Müller und Dekchsarbeitsminister Wissell an der Sitzung teilgenommen haben. Die „Germa- n i a" hält es nicht nur für einen Fehler, sondern aus währungspolitischen Gründen geradezu für gefährlich, das Amt des Reichsbankpräsidenten zu politisieren. Die „Dorfen-Zeitung" sagt, die ostentative Beteiligung des Reichskanzlers und des Reichsarbeitsministers an der sozialdemokratischen Vorstandssihung sei nur geeignet, die Bedeutung dieses Vorstoßes zu unterstreichen. Seine politisch-parlamentarischen Folgen müßten zu einer Regierungskrise führen, falls der Reichsfinanzminister Moldenhauer zu seiner Haager Erklärung stehe, wonach er sein Verbleiben im Amte von der Unversehrtheit der Autonomie der Reichsbank abhängig machen will.
Davon abgesehen, sei es für alle kreise der Wirtschaft einfach unvorstellbar, daß die Deutsche Volkspartei in den bevorstehenden, nicht nur für Dr. Schacht, sondern für das gesamte Bürgertum entscheidungsschweren parlamentarischen Kämpfen den Reichsbankpräsidenten im S t i cf) e* lassen könnte.
Die Konsequenzen, die gezogen werden müßten und mit denen nicht lange gezaudert werden dürfe, ergäben sich wohl von selbst: Sofortige Einberufung der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei und sofortige Beantwortung des sozialdemokratischen Beschlusses durch einen entsprechenden Gegenbeschluh.
Die „D. A. Z." erklärt: Die Untergrabung der Kreditwürdigkeit, die Berliner Tariferhöhungen und die Feierschichten bei den Verkehrsunter
nehmungen und anderswo sind Sklarek-Fol- gen und darüber hinaus Auswirkungen lange unbestraft betriebener öffentlicher Mißwirtschaft, die die S. P. D. durch Steinwürfe gegen die Reichsbank, die an alle dem unbeteiligt ist, zu verschleiern und gleichzeitig — indem sie den Kopf Schachts ordert — zu verewigen sucht. Eine An- astung der Unabhängigkeit der Reichsbank wäre ür den Reichsfinanzminister die Kabinettsfrage gewesen, und man kann nur hoffen, daß/ damit das letzte Wort gesprochen ist. Die „D. A. Z." weift weiter daraus hin, daß die Meldung über die 1 e x Sch acht (wonach u. a. die Amtsperiode des jetzigen Reichsbankpräsidenten mit der Satzungsänderung der Reichsbank als beendet erklärt werden soll) in Berlin großes Aufsehen erregt habe. Für das Gesetz sei bereits der Ausdruck „S n f l a t i o n s g e s e h" geprägt worden. Dach Ansicht dieses Blattes sind die Beratungen des sozialdemokratischen Fraktionsvorstandes a l s
Frankreich fordert Sperrfrist
Haag, 16. San. (WTB.) Die Verhandlungen über die Mobilisierungsfrage sind auch im Laufe der heutigen Vormittagssitzung der sechs Mächte, die gegen 13 ilfjr holländischer Zeit zu Ende ging, nicht zu einem Abschluß gekommen. Eine gewisse Annäherung liegt insofern vor, als von deutscher Seite das Zugeständnis angeboten worden ist, während der Zeit vom 31. Sanuar 1930 bis 1. April 1931 keine Reichsanleihe im Auslande aufzulegen unter der Voraussetzung, daß für den Bedarf der Reichsbahn und R e i ch s p o st an Anleihemitteln in der Zwischenzeit ausreichende Vorkehrungen getroffen werden. Alm die dahingehenden Fragen zu klären, sind der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellfchaft, Dr. Dorpmüller, und Reichspostminister Schätze! nach dem Haag gebeten worden. Mit Rücksicht auf ihre Zuziehung ist die nächste Sitzung der sechs Mächte zur Weiterbehandlung der Mobilisierungsfrage auf morgen nachmittag 5 älhr festgesetzt worden.
Entsprechend einem Vorschläge des Reichsfinanzministers Dr. Moldenhauer wird in der Zwischenzeit heute nachmittag mit den Bankexperten, insbesondere mit dem amerikanischen Vorsitzenden des Organisationskomitees für die B. S. Z. Reynolds, Fühlung genommen, um über die praktischen Fragen der Anleihebegebung zu verhandeln. Dabei handelt es sich um die erste Tranche in Höhe von voraussichtlich 800 Millionen Mark und um die von der Gegenseite, insbesondere von dem französischen Sachverständigen L e v e r v e, anerkannten Anleihe-Bedürfnisses der Re''/Zbahn und der Reichspost in Höhe von etwa 500 Millionen Mark.
Dabei ist festzustellen, daß die Frage der Kreuger-Anleihe nicht mehr zur Diskussion steht, da die deutschen Argumente, wonach diese in keiner Weise die Erfüllung der französischen Emissionswünsche beeinträchtigen kann, offenbar durchgegriffen haben. Das Verhandlungskapitel „Liquidation der Vergangenheit" steht zunächst noch offen, da die Mobilisierungsfrage, die von vornherein für Frank-
Große Meinungsverschiedenheiten.
Keine einheitliche Auffassung im Zentrum.
Köln, 16.Ian. (WB.) Die „Köln. Volks- gcitun g", das größte rheinische Zentrumsblatt, erhält von einer maßgebenden Persönlichkeit einen bedeutsamen Kommentar zu der im Haag erzielten Lösung der Sanktionsfrage, in dem es u. a. heißt: Das Vertrauen hat über das Mißtrauen gesiegt. Die neue Regelung schaltet in Artikel 4 des Schlußprotokolls einerseits die Reparationskommission aus, die durch ihren Verfehlungsbeschluß nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages den Gläubigern Freilauf für Reparationssanktionen gegeben hat. Es spielen vielmehr ausschließlich die Organismen, die der Poungplan selbst geschaffen oder neu bestätigt hat. Für den Fall, daß der Haager Gerichtshof die Zerreißung des Poungplanes durch eine deutsche Regierung bejaht, haben sich die Gläubigerregierungen d i e Handlungsfreiheit vorbehalten, die sich für sie nach dem internationalen Recht ergeben würde. Die deutschen Vertreter haben ihrerseits für einen solchen Fall es als berechtigt erklärt, daß die Gläubigerregierungen ihre Handlungsfreiheit wiedergewinnen. Das ist nichtdieHandlungs- freiheit des Versailler Vertrages, sondern die des allgemeinen Völkerrechts, das gegenüber einem Fall der erwähnten
Einleitung der Regierungskrise anzusehen.
Konflikt zwischen Zentrum und Reichs- arbeitsminister.
Berlin, 16. San. (Privat.) Unter dem Titel „Fort mit Lügen" hatte Reichsarbeitsminister W i s s e l l (Soz.) in einem Berliner Blatt die gegenwärtige strafrechtliche Behandlung der Abtreibung als unhaltbar bezeichnet. Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat in dieser öffentlichen Erklärung Wissells, die unter Angabe seiner Stellung als Reichsarbeitsmini st er erfolgt ist, ein ungewöhnliches Borgehen und eine Kritik an anders eingestellten Koalitions- Parteien erblickt. Der Vorsitzende der Reichstagsfraktion des Zentrums, Dr. Brüning, ist deshalb heute beimDeichskanzler in dieser Angelegenheit vorstellig geworden.
für deutsche Auslandanleihen.
reich eine entscheidende war, zunächst im Vordergründe steht.
Der Kamps gehl um die Sperrfrist. Frankreich will der deutschen Regierung den Zugang zum Internationalen Kapitalmarkt für eine m ö g - lichsi lange Zeit versperren, um auf diese Weise die Unterbringung der deutschen Zah - lungsbonds auf den Internationalen Kapitalmarkt ungestört durchführen zu können. Die deutsche Regierung lehnt mit dem Hinweis auf die wirtschaftliche Lage und die Bedürfnisse des Staatshaushaltes, eine derartige Sperrfrist jedenfalls für längere Zeit grundsätzlich ab. Es wird als ausgeschlossen bezeichnet, daß die deutsche Regierung sich für längere Zeit verpflichtet, keinerlei Auslandanleihen aufzunehmen, da nach der Lage des Staatshaushaltes die Möglichkeit einer Heranziehung des internationalen Kapitalmarktes unbedingt frei bleiben muß.
Ungeregelt ist zur Zeit noch die Moratoriumsfrage. Hier steht die juristische Formel des Voungplans im scharfen Gegensatz zu den wirtschaftlichen Dotwendigkeiten. Die Bestimmungen des Voungplans erfordern, daß nach Ablauf des Moratoriums Deutschland die auf gelaufenen Zahlungen nachzahle. Hiermit würde Deutschland nicht nur die laufende Zahlung, sondern auch die aufgelaufene Zah- l un g auferlegt und damit die Wirkung des Moratoriums vernichtet werden, während der wirtschaftliche Zweck des Moratoriums darin 'besteht, Deutschland in einem Augenblick wirtschaftlicher Dotlage zu unterstützen. Aus dieser Sachlage heraus versucht man mm einen Ausweg dadurch zu finden, daß der beratende Sonderausschuß des llZoungplanes, der bekanntlich als die „erste Snstanz" im Falle eines deutschen Moratoriums anzusprechen ist, bei der Rückzahlung der durch das Moratorium aufgelaufenen Zahlungen die Wirtschaftslage Deutschlands berücksichtigen muh. Die Verhandlungen über die Moratoriumsfrage sind aber noch in der Schwebe.
Art unter gewissen Voraussetzungen Repressalien kennt. Deutschland hat n'i ch t e t w a i m v o r- a u 5 solche Einzelmaßnahmen als rechts mäßig anerkannt, vielmehr müssen die Gläubiger, wenn sie von ihrer Handlungsfreiheit Gebrauch machen, jede Einzelmaßnahme besonders rechtfertigen, insbesondere auch nach der Richtung hin, daß diese Maßnahmen mit dem V ö l kerbundspakt, dem Locarnopakt und dem Kelloggpakt vereinbar sind. Der positive Gehalt der neuen Regelung läßt sich am besten in dem Satz ausdrücken, der auch in der Regelung figuriert, daß Deutschlands Wort die Garantie für die Ausführung seiner Verpflichtung gibt. Diese der Fassung des deutsch-amerikanischen Reparationsabkommens praktisch gleichwertige Feststellung zeigt, daß hier eine wichtige Rehabilitie-
. , r u n g Deutschlands gelungen ist. Und vom deutschen Rheinland ist das Wiederbesetzungsrecht des Artikels 430 des Versailler Vertrages endgültig abgewandt.
Die „Germania", das Berliner Zentrumsorgan, ist keineswegs so optimistisch, sondern äußert sogar sehr schwere Bedenken. Es sagt u. a.: Wir kennen die Grenzen der politischen Möglichkeiten ganz genau, und wir wissen auch, welchen großen Schwierigkeiten die deutsche Delegation gegenübergestanden hat. Je mehr man in die Ergebnisse eindringt, um so mehr muß zum Bewußtsein
Die Mobilisierung der deuischen Reparationszahlungen.
Sie Auslegung der Sankiionsformel.
kommen, daß der aus den Haager Verhandlungen hervorgegangene Poungplan sich vom Pariser Poungplan recht erheblich unterscheidet. Es wird nach der Rückkehr der deutschen Delegation notwendig sein, daß wir uns ganz ernsthaft und gewissenhaft mit der neuen Gestaltung des Poungplans auseinandersetzen, und daß wir die politische Entscheidung, die wir zu fällen haben, a u fi )a 5 f o r g f a 11 i g ft e bedenken und abwägen. Denn daß der Poungplan an sich außerordent- l i ch schwer durchführbar erscheint, und daß er das deutsche Volk darüber hinaus mit schweren moralischen Hemmungen belastet, ist allen klar. Was jedenfalls über die Einigungsformel bekanntgeworden ist, gibt z u aller stärk st en Bedenken Anlaß. Wir halten uns für verpflichtet, dies ohne Rückhalt auszusprechen. Es spielt dabei keine Rolle mehr, ob cs überhaupt geschickt gewesen ist, die Sanktionsfrage zu debattieren, da ja der Poungplan f e I b ft eigene Verfahrungs arten vorfah. Nachdem das jetzt aber geschehen ist, muß leider festgestellt werden, daß rein wirtschaftliche Fragen doch wieder mit militärischen Methoden verknüpft worden sind. Es wird zwar in das vorgesehene Verfahren der Haager Gerichtshof eingeschaltet: aber bann, wenn der Haager Gerichtshof zu Gunsten der Gegenseite entschieden hat, wird den Gläubigern die volle Handlungsfreiheit eingeräumt. Was uns am allerbedenklichsten stimmt, ist der Umstand, daß diese Handlungsfreiheit für jede ©läubigerregie- rung gelten soll, daß also jeder Macht ein* zeln das Recht einer Sondermaßnahme eingeräumt wird und die Mächte nicht mehr geschlossen zu erscheinen brauchen. Wir wollen mit unserem endgültigen Urteil bis zur Rückkehr der deutschen Delegation warten, um festzustellen, was sie uns zu sagen hat. Es erscheint uns jedenfalls eine ganz eindeutige offizielle Interpretation, die nach unserer Auffassung schriftlich nieder- zu le gen wäre, notwendig, uni uns vor Auslegungen zu schützen, die wir keinesfalls anerkennen könnten.
Oie Gondersanktionen.
Die Auffassung der Wilhclmstratze.
Berlin, 16. San. (Privat.) Es ist davon gesprochen worden, daß der Reichsminister für di« besetzten Gebiete, Dr. Wirth, in der gestrigen Sitzung der sechs einladenden Mächte im Haag bei der französisch-englischen Meinungsversch'.«- denheit über die Anrufung des Snternationalen Gerichtshofes im Falle einer Zerreißung des Voung-Plans sich auf den französischen Standpunkt gestellt habe, daß es einer Gegenmacht einzeln freistehen müsse, sich in diesem Falle an die internationale Haager Stell« zu wenden. Der englische Schahkanzler Snowden habe daraus seinen Einspruch gegen di« französische Auffassung zurückgezogen. Sn Berliner politischen Kreisen ist man der Meinung, daß die Ansicht Dr. Wirths so auszulegen sei, daß wir kein Snteresse daran haben können, das Bündel der im Versailler Vertrage zusammengeschlossenen Mächte für alle Zukunft zu - sammenzuhalten. Daß Snowden seinen Einspruch zurückgezogen habe, wird in politischen Kreisen nicht bestätigt. Aber es ist, wie sich aus den Texten der im Haag getroffenen Abmachungen ergibt, in ihnen eine Bestimmung enthalten, nach der die Mächte einzeln vorgehen können.
Vorbereitung für die Schlußsihung der Konferenz.
Die Unterschrift der an den ungelösten Ostrcparalionen beteiligten Staaten.
Haag, 16. San. (WTB.) Die sechs einladenden Mächte werden morgen früh 10 llfjr zu eines Sitzung zusammentreten, um den von den Suristen heute aufgestellten Entwurf des Schlußprotokolls für die im Ausschuß für deutsch« Reparationen behandelten Fragen zu überprüfen. Es ist ferner vereinbart worden, daß am Samstagmorgen die sechs einladenden Mächte zusammen mit den kleineren Mäch ten zusammentreten, so daß die für Samstag in Aussicht genommene Schlußsitzung der Konferenz noch am selben Dachmittag stattfinden kann. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß eine abschließende Erklärung des Ausschusses für deutsche Reparationen, also einschließlich der geladenen Mächte, bis dahin zu erlangen ist. Letzteres ist zweifelhaft, weil der bekannte Snter- essenzusammenhang zwischen der Regelung der eigenen Reparationssragen der Ost - Mächte und der deutschen Reparationsregelung für diese Mächtegruppe besteht, und weil fi« unter sich über die Ostreparationen sich offensichtlich nicht einigen können. Für diesen Fall war bereits in dem Brüsseler Protokoll der Suristen vorgesehen und hier zwischen den sechs einladenden Mächten verabredet worden, daß deren Unterschrift allein für die Ratifikation und die Sngangsehung des Haager Abkommens genügen wird.
Auf Vorschlag des Vorsitzenden des Ausschusses für Ostreparationen, Louch eur, scheint nun aber eine Kompromißlösung gefunden zu sein, die dahin geht, daß die fünf im Ausschuß für Ostrcparationen vertretenen einladenden Mächte, also England, Frankreich, Stallen, Sa- Pan und Belgien (Deutschland ist bekanntlich in diesem Ausschuß nicht vertreten), den Staaten der Kleinen Entente die schriftliche Versicherung geben, daß sie die osteuropäischen Angelegenheiten, soweit sie die finanzielle Abwicklung des Voung-PlaneS


