Auf der Suche nach einer Mehrheit.
Brüning und das Zentrum verhandeln mit den Sozialdemokraten. — Oer Preis für die Stimmenthaltung.
Vertin, 15. Juli. (TU.) Die Verhandlungen des Kabinetts zwecks Herbeiführung einer parlamenta- rischen Mehrheit für das Deckungsprogramm haben am Dienstag eine neue Wendung genommen. Das Zentrum hat die Verhandlungen mit den Sozialdemokraten ausgenommen. Bereits am Dicnstagnachmittaa während einer von den Sozialdemokraten vorgeschlagencn Verhand- lungspause im Plenum fand eine inoffizielle Fühlungnahme mit den Sozialdemokraten statt, die jedoch konkrete Ergebnisse nicht erbrachte. Am Dienstagabend fand dann eine Unterredung zwischen dem Zentrumsabgeordneten Esser und den Sozialdemokraten Müller -Franken und Dr. Breit» scheid statt.
hierbei wurden die Fragen erörtert, ob und in welcher Form die Sozialdemokraten bereit wären, der Regierung eine parlamentarische Mehrheit durch Stimmenthaltung zu sichern.
Der Unterredung wohnte auch Reichskanzler 'Brüning als Gast bei. Im Anschluß daran fand eine Besprechung mit den Parteiführern der hinter der Regierung stehenden Parteien statt, in der diese über die Unterhandlungen mit den Sozialdemokraten unterrichtet wurden. Die Bcsprechun- gen wurden am Spätabend außerhalb des Reichstages fortgesetzt. — Für Mittwochvormittag sind Verhandlungen der Parteiführer in Anwesenheit der sozialdemokrmischen Verhandlungsiührer geplant. — In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß hierbei erörtert werden wird, ab und in welchem Umfange man den Sozialdemokraten Konzessionen dafür machen kann, daß sie der Regierung zu einer parlamentarischen Mehrheit verhelfen und ihr dadurch die Anwendung des Artikels 48 ersparen. Auf die sozialdemokratische Reichstaassraktion wird übrigens auch von preußischer Seite her im Sinne eines Kom promisses eingewirkt. Sicherem Vernehmen nach hat der preußische Ministervräsident Braun bereits am Dienstagrnittaa persönlich eingegriffen und versucht, die sozialdemokratische Reichstagsfrak- tion zu stärkerer Nachgiebigkeit gegenüber der Reichsreyierung zu bewegen. Erwogen wird neuerdings übrigens auch, entgegen allen ursprünglichen Dementis eine Verbindung zwischen der
Steuervorlage und dem Agrarprogramm des Kabinetts herzustellen.
Unbestätigten Gerüchten nach soll weiter erwogen werden, dle Stimmenthaltung der Sozialdemokraten in der dritten Lesung der Deckungvvorlagen dadurch zu gewinnen, daß die Kopfsteuer, die von den Sozialdemokraten besonders scharf bekämpft wird, eine Modifizierung in der Form erfährt, daß sie g e st a f s e l t wird. Außerdem soll geplant sein, daß der § 163 des Arbeitvlosenversicherungv gesehes, der die unbegrenzte Darlehnspflicht de, Reiches für die Arbeitslosenversicherung vorsieht, wiederhergestellt wird. Endlich sollen die Sozialdemokraten noch gewisse Lr- höhungenbeidenLinkommenstcuer. Zuschlägen verlangen und die Zustimmung der Regierungsparteien zum Pensionskiir- zungsgeseh.
Die Aussichten für das Zustandekommen einer Einigung zwischen Regierungsparteien und Sozialdemokratie werden von den ‘Berliner Blättern im allgemeinen nicht g ü n st i g beurteilt, da verschiedene sozialdemokratische Forderungen für die Deutsche Volkspartei und die W i r t sch a f t s p a r t e i unannehstl- bar seien. Es wird daher doch für möglich gehalten, daß die Notwendigkeit der Anwendung des Artikels 48 nur einen kurzen Aufschub erfährt. Der „Vorwärts" begrüßt die Einleitung der Verhandlungen, die nur schwer m Gang kommen, und bemerkt, die Sozialdemokratie werde ihre Vemühungen, der Vorlage die Giftzähne „auszubrechen", nicht aufgeben, so lange noch eine letzte Aussicht auf Erfolg besteht. Man hört, daß diese Wendung in deutsch- nationalen Kreisen eine Verwirrungher- oorgerufen hat. die selbst höchst ungern sehen würden, wenn die Osthilfe und das Deckungsprogramm mit den Sozialdemokraten gemacht würden. Auch nach dieser Richtung hin sind bis zur Stunde noch nicht alle Möglichkeiten erschöpft. Vis morgen mittag kann also -noch manche Wendung eintreten.
Sie deulscheAntwort ausdssVriand-MimrMdm
Besserung dieser politischen Lage würden davon abhängen, daß die Grundsätze der vollen Gleichberechtigung, der gleichen Sicherheit für alle, zur Anwendung kämen. Wo bestehende Verhältnisse diesen Grundsätzen widersprächen, müßten wirksame Mittel für ihre Aendcrung aefmrden werden.
3n dem Abschnitt der Antwort, der sich mit den wirtschaftlichen Fragen befaßt, heißt cä: Sine engere Zusammenarbeit auf diesem Gebiet sollte nicht von der Schaffulnfg größerer Sicherheit abhängig gemacht werden. Die Untersuchung der europäifchen Wirtschaftsnot wird von der Krise der Landwirtschaft und der Absahnvt der Industrie ausgehen und Mittel und Wege suchen müssen, um größere Marktgebiete zu gewinnen, um den Austausch der Güter in Europa zu erleichtern.
Die deutsche Regierung hält ev für angebracht, die Bemühungen um die Erleichterung der europäischen 7Birtfd)afl, insbesondere der europäischen
Zollpolitik, fortzusehen.
Regierungsmaßnahmen allein könnten dem notleidenden Europa nicht Helsen. Auf weiten Gebieten werde die Wirtschaft selbst eingreifen müssen. Sach.- der Regierungen werde es fein, ihre gemeinschaftliche Wirtschaftspolitik mit dem freien Spiel der Kräfte in Einklang zu
Paris, 15. Juli. (WTB.) Botschafter von Hoesch hat sich um 15 Uhr nach dem Quai d'Orsay begeben, um dem Außenminister Briand die Antwort der Reichsregierung auf das Memorandum über die föderative Organisierung Europas zu überreichen. In der Antwort wird unter Hinweis auf die Spannungen und Gegensätze, die Europa belasten, die Anregung, das europäische Problem zu erörtern, mit Genugtuung begrüßt. Kein Land empfinde die Mängel der Struktur Europas stärker als Deutschland, kein Land habe an deren Beseitigung ein höheres Interesse. Die deutsche Regierung werde bereitwilligst an der Lösung des Problems mitarbeiten und stelle sich für eine eingehende Beratung während der Völkerbunds- lagung im Herbst zur Verfügung.
Da, Endziel sehe sie darin, eine wirkliche Befriedung Europa, herbeizusühreu, die nur aus den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Gleichheit beruhen könne.
Spitzen gegen andere Länder oder Kontinente ebenso wie der Ausschluß europäischer Richtmitglieder des Völkerbundes, wie Rußland und Türkei, seien zu vermeiden. Die Reichsregierung stimme der französischen Regierung darin durchaus zu, daß die Rottage Europas ihre Ursachen in hohem Maße in seiner gegenwärtigen politischen Gestaltung habe. Alle Versuche einer
Gießener Giadttheater.
Lacha Guitry: „Wir wollen träumen . .
Dieser Tage war in einer Zeitung folgende Notiz zu lesen: die Vereinigung französischer Reseroeosfi- ziere habe einen jährlichen Preis von 5000 Franken für eine Dichtung gestiftet, welche am besten geeignet sei, die Liebe zur Armee zu wecken oder zu erhalten. Man mag über den — politischen — Sinn dieser Stiftung denken, wie man will: literarisch ersprießlicher schiene uns ein Preis für einen neuen, einen wirklich originellen Lustspielstofs. Genauer gesagt: für ein Lustspiel — mal zur Abwechslung — ohne Dreieck und ohne Ehebruch.
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Der Titel, im vorliegenden Falle, ist nicht besonders glücklicb und außerdem irreführend: von Traum keine Rede. Leider: damit ist schon, selbst ohne Freud, ein dankbares Thema verpaßt worden, das zwar auch nicht neu wäre, dem man aber wohl noch allerlei abgewinnen könnte, sogar fürs Theater.
Also fein Traum, sondern nackte Tatsachen. Wenig Romantik, viel Sachlichkeit. Sehr zeitgemäß. Es ist ein ungemein offenherziges Stück: cs nimmt nicht das kleinste Blättchen vor den Mund.
Wundern muß man sich, mit welcher Hingabe und Ausdauer die Pariser Literaten ihr einziges Thema hin- und herwälzen. Immer noch einmal und noch und noch. Wo sich doch schon seit einiger Helt herausgestellt hat, daß man sämtliche möglichen Lösungen sozusagen geometrisch konstruieren und jedenfalls ohne Schwierigkeiten an den Fingern herzählen kann. Zwischen drei Personen gibt es eben beim besten Willen nicht mehr.
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3m ganzen kann man bei dieser Kategorie von Stücken zwei Richtungen unterscheiden, vor einigen Jahren war die ehrbare ober die moralische dran: da triumphierte zuletzt der angestammte Ehemann.
Gegenwärtig ist die frivole Richtung wieder bc- liebt: da ist der „andere" obenauf. Bei O u i t r y kann man die Richtung schon am Personenvei- zeichuis erkennen: da steht: „Er" — „Sie" -- „Der Gatte". In den guten Zeiten hieß es: „Er" — „Sie" — „Der Freund". Das ist ein Unterschied.
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Die eigentliche Pointe kommt hier vor der Lösung. Sie besteht darin, daß der Ehegatte ebenfalls (und auf den gleichen Zeitraum bezogen) ein schlechtes
Gewissen hat. Daß er in seiner Not auch noch am andern Morgen zu „Ihm" rennt, ist schon nicht mehr Komödie, sondern beinahe Schwank, lieber- dies ist damit die Hauptspannung erheblich gelockert.
Es kommt aber noch — ganz wider die Regel — ein vierter Akt, eben wegen der eigentlichen Lösung (mit der sich ja schon Goethe seinerzeit, in der „Stella", so abgequält hat). Um diesen Akt ist aber das Ganze zu lang. Außerdem wechselt hier Guitry ein wenig den Ton: besinnt sich auf die Komödie: wird romantisch;, läßt einen großen, gefühlvollen, lyrischen Abschiedsmonolog vorlesen. Abschied? Also doch? Halb und halb: die berühmte Zwischenlösung, auf die man — in der Literatur und im Leben — auch schon früher verfallen ist.
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Was bleibt noch zu sagen? Daß die Uebersetzung von Bruno Frank stammt. Und daß wieder einmal fein und amüsant gespielt wurde. Man macht, soweit das bis jetzt beurteilt werden kann, sehr gutes Theater in dieser Sommerspielzeit. Es sollte sich herumsprechen und zum Besuch animieren, der gestern wieder einigermaßen zu wünschen übrig liefe.
Sehr gutes Theater: diesmal unter der szenischen Leitung von Hans Hais, der eine geschickt poin fierte, flüssige und abgerundete Ausführung hcraus- brachte.
„(Er" ist lannert; eine Mordsrolle, besonders im zweiten Akt, den er — mit Hilfe des Telephons — fast ganz allein macht. Er spielt auf Tod und Leben und mit unmittelbarer Wirkung. Hier und im ersten Akt hat er darstellerisch alle Trümpfe in der Hand, der dritte ist textlich schwächer, und im vierten wird der große Monolog von der Partnerin bestritten: von Maria Koch, die hier einmal den kühlen und ironischen Salondamenton ganz ab legen und naiv und sentimentalisch auf einmal sein darf. Eine tüchtige Leistung.
Hais hatte außer der Spielleitung noch den bedauernswerten Gatten und kam mithin darstellerisch ein bißchen zu kurz; seine kleine Szene im ersten Akt, die das Abenteuer eröffnet, bleibt einem aber in angenehmer (Erinnerung; sie schien fürwahr dem Leben abgelauscht. —
Dem Publikum gefiel die leichtfertige Liebesgeschichte ausnehmend. Es wurde herzhaft geklatscht.
hth.
bringen. Militärische Gesichtspunkte dürften bei wirtschaftlichen Fragen nicht in den Vordergrund gesetzt werden. Alle Gesichtspunkte müßten in Betracht gezogen werden, die sich aus der besonderen Lage einzelner Länder, namentlich aus ihrer finanziellen Gesamtbelastung ergeben.
Bezüglich der organisatorischen Fragen stimmt die deutsche Regierung der Auffassung zu, daß der Völkerbund unter den europäischen Bestrebungen nicht leiden darf.
Rian werde ernstlich, auch bei grundsätzlicher Uebcreinftiinmung in der Sorge um den Völkerbund bezweifeln müssen, ob die Schaffung besonderer europäiscyer Organe dieser Sorge Rechnung trage.
Die deutsche Regierung, so heißt es am Schluß der Antwort, sieht die nächste Aufgabe darin, zunächst einmal einen lleberblid über die Materien der europäischen Gemeinschaftsarbeit zu gewinnen. Sie hofft auf wertvolle Anregungen bei der Zusammenkunft in Genf im September, zu der auch die europäischen Richtmitglieder des Völkerbundes und die nichteuropäischen Staaten Zutritt haben sollten. Sie behält sich für diese Zusammenkunft Erläuterungen und Ergänzungen ihrer eigenen Ausführungen vor.
Oie Aufnahme in Paris.
Paris, 16. Juli. (WTB. Funkspruch.) Soweit die Morgenpresse sich mit der deutschen Antwortnote auf das Driandsche Memorandum beschäftigt, läßt sich ein deutlich erkennbarer Gegensatz zwischen den Kommentaren der rechtsgerichteten Presse, die eine Gefahr in der deutschen Antwort erblickt, und der gemäßigten Presse feststellen, die die Antwort als ausreichende Dispositionsgrundlage betrachtet. „Petit Parisien" meint, die deutsche Antwortnote sei viel zufriedenstellender, als sie gewisse Berliner Meldungen hätten, voraussehen lassen. Das „Petit Journal" bezeichnet die deutsche Antwort als ein ernst zu nehmendes, in gemäßigten, vorsichtigen Wendungen abgefaßtes Dokument, das man mit der größten Aufmerksamkeit prüfen müsse. „Oeuvre" stellt nach einem Hinweis auf den Grundsatz der Gleichberechtigung aller Ansprüche aus Sicherheit die Frage, ob Frankreich etwa nach 1871 auf dem Berliner Kongreß "andere Ansprüche geltend gemacht habe. „Volonte" ist der Meinung, daß die in Ton und Inhalt versöhnliche deutsche Antwort die allgemeine Friedensströmung nur verstärken könne. Auch „Matin" sieht in der Antwort eine grundsätzliche Annahme und ein Angebot positiver Mitarbeit.
Ganz anders urteilen die nationalistischen Blätter „Echo de Paris" schreibt: Die deutsche Regierung habe natürlich wieder die Gelegenheit benutzen müssen, um die Revision der Friedensverträge zu verlangen. Mussolini und sogar gewisse Franzosen seien ihr darin mit gutem Beispiel vorangegangen. ..Wohin führt uns Briand?", so fragt das Blatt. — „Journal" vertritt den Standpunkt, daß die Auffassung der Reichsregierung von der europäischen Föderation sehr verschieden sei von der Briands und sehr verschieden auch von der der Kleinen Entente und Polen. — Auch „Journöe Industrielle" befürchtet, daß Deutschland auch seine kühne Auslegung Des Briandschen Memorandums als Argument für die Abänderung des Status von Europa benutzen könne. — „Figaro" meint, die deutsche Antwort habe nur den einen Zweck, die Revision der Friedensverträge zu verlangen. Das fei deutlich zwischen den Zeilen zu lesen „L'Ordre" liest in der deutschen Antwort die Auswirkungen der Rheinlandräumung.
Ergebnislose Ministerpräsidenienwahl in Sachsen.
Dresden, 15. Juli. (WTB.) In der Land- tagssitzung stand die Wahl des Ministerpräsidenten auf der Tagesordnung. Vorgeschlagen waren Dr. Krug von Ridda (dcutschnatl.), Reichstagsabgeordneter Lipinski (Soz.) und Landtagsabgeordneter Renner (Kom.). An der
Bon Sherlock Holmes' Geburt, Leben und Ende.
Der Meisterdetektiv Sherlock Holmes, mit dem der dahingefchiedene LonanDoyle eine neue Gattung der Detektivgefchichle begründete, hat zwei literarische und einen „natürlichen" Vater. Die Detektivgestalten, die die beiden größten Meister der Kriminalgefchichte vor Doyle, PoeundGaboriau, gefchasten, der fcharssinnige aber tatenlose Denker und der kühne Erforscher aller Dunkelheilen, sie wurden von ihm zu einem Wesen vereinigt, für das ihm sein Lehrer an der Uninerfität Edinburgh, Dr. Josef Bell, als Vorbild diente. Von Bell erhielt Holmes die Habichtsnase, das scharf geschnittene Profil und die durchdringenden Augen, von ihnr die schnelle Kombinationsgabe, die durch erstaunliche Fest- stellungen überraschte. Bell ging davon aus, daß die wichtigste Eigenschaft, die der Arzt besitzen müsse, Beobachtungsgabe fei, und er glaubte, daß man diese Fähigkeit durch beständige Schlüße aus kleinsten Einzelheiten zu Leber Vollendung ausbilden könne. Aus dem Gesicht, der Kleidung, aus sonst nicht beobachteten Dingen osienbart en sich ihm Menfchenschick- säte und ganzeGefchichten ConanDoylehatfeldsteine Fülle von Beispielen dieser Kunst des Dr. Bell erzählt, die er zur Grundlage seiner Sherlock-Holmes-Ge- schichten machte. „Ich war Assistent in Dr. Bells Sprechstunde", erzählte er, ..und muhte ihm die Patienten vorstellen. Fall 1 kommt herein; „Ich sehe, daß Sie an Trunksucht leiden", sagt Bell zu ihm. „Sie haben da eine Flasche in der Innentasche Ihres Rocks. Werfen Sie die sofort weg!" Ein anderer Fall. „Schuhflicker, wie ich sehe." Er hatte an der Innenseite der Beinkleider an den Knieen dieAbschabungen erkannt, die das vom Schuhflicker benutzte Instrument hervorrust.Aus den besonderen Schwielen der Hände wußte er anzugeben, ob es sich um einen Schmied oder Schlosser oder Schieferdecker handelte. Einem Mann tagte er sofort, als er ins Zimmer trat: „Sie sind-Sotdat, und zwar Unteroffizier gewefen und dienten in Bermuda." Auf den militärifchen Stand fchloß er daraus, daß der Mann im Zimmer zunächst den Hut aufbehielt, sich alfo wie eine Ordonnanz benahm, die beim Vorgesetzten erscheint; der befehlende Gesichtsausdruck zusammen mit dem Alter liefe auf einen Unteroffizier fchliefeen, und der Haut- ausschlag an seiner Stirn verriet eine Krankheit, die nur in Bermuda vorkommt." Die ersten Sherlock- Holmes-Geschichten, die in den beiden kleinenBüchern „Eine Studie in Scharlach" und „Das Zeichen der Vier" 1887 und 1889 erschienen, fanden wenig Beachtung. Erst als er 1891 mit der Kurzgefchichte „EinSkandalinDöhmen" im Strand-Magazine
Wahl nahmen 96 Abgeordnete teil Es erhielten Dr. Krug von Ridda 45 Stimmen, Lipinski 32, Renner 13 Stimmen, Minister a. D. Dr. Külz 3, Staatsminister Dr. Richter 2 Stimmen und Landtagsabgeordneter Lasse (DolkSnat. Reichs- berg.) eine Stimme. Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hat, ist damit die Wahl ergebnislos verlaufen.
Der Reichspräsident im Spiegel des Auslands.
Rom, 15. Juli. (Tsl.-Tln.) Die Rheinland- reife des Reichspräsidenten nimmt im ,,Gior- nale d'Italia" General Baldini, früherer Pressechef des italienischen Kriegsministerimns zum Anlaß einer außerordentlich shmpachischen Würdigung der Persönlichkeit Hindenburgs. Bal- dini sagt u. a., Hindenburg verkörpere das deutsche Vaterland, nicht nur wegen seiner obersten Stellung, sondern weil er der Mann der $ reu e ohne Einschränkung sei, der seinen ganzen Wert im Kriege und seine ganze Weisheit im Frieden bewiesen habe. Rach einem ausführlichen Lebensbild des Feldmarschalls fährt der General fort: Die Rheinländer werden dem Reichspräsidenten den Empfang bereiten, der einem männlichen Volke entspricht, das die sehr harte, doppelte Probe eines unglücklichen Krieges und einer fremden militärischen Besatzungbestanden hat. Jeder in Deutschland fühlt und weiß, daß Hindenburg der Bannerträger der Erneuerung ist, und jeder weiß und fühlt, daß weder ein Deutscher noch ein Ausländer wirklich hoffen könnte, daß Hinden-' bürg sich dazu hergäbe, die Ausdehnungskraft des seiner Führung anvertrauten Volkes zusammenzupressen und es zum Rutzen anderer Vorherrschaften, zu einer Schwäche der Geister und der Waffen zu erniedrigen, wodurch es im Strudel des internationalen Wettbewerbs nicht mehr fähig sein würde zur gerechten Wiedereroberung der Zukunft.
Ein rheinische' (Stimme zum Hindenburgbries.
Köln, 15. Juli. (TA.) Die „Kölnische Zeitung" knüpft an den Brief Hindenburgs hinsichtlich seiner Absage zur Teilnahme an den Befreiungsfeiern in Koblenz, Trier, Aachen und Wiesbaden folgenden Kommentar:
Die gesamte deutsche Oeffentlichkeit. insonderheit aber das Rheinland, wird die Absage des Reichspräsidenten aufs tiefste bedauern. Wir haben der Verhängung des Stahlhelmverbots von vornherein mit Bedenken gegenübergefian'oen und feine Aufhebung nach Abzug der fremden Besatzung als einen selbstverständlichenAkt der Loyalität erwartet. Die Intransigenz der preußischen Regierung, hinter der wieder hauptsächlich die Sozialdemokratie steht, ist weder politisch noch psychologisch verständlich. Daß das deutsche Volk aber selbst in der Befreiungsstunde des Rheinlandes der Welt wieder einmal das beschämende Schauspiel innerer Zerrissenheit bietet, ist das Riederdrückendste an der ganzen Angelegenheit. Wir möchten deshalb, wenn es vielleicht auch schon zu spät scheint, doch noch an die preußische Regierung appellieren und ihr Sie sofortige Aufhebung des Verbots nahelegen, dann würde sich sicherlich auch der Reichspräsident noch zu einer Aenderung seines Beschlusses entschließen können. Cs kommt jetzt nicht auf Prestigefragen an, sondern darauf, der Welt ein einiges Deutschland zu zeigen.
Oie Zurückziehung
-er Thüringer Gchulgebete.
Weimar, 15. Juli. (WTB.) In politischen Kreisen verlautet, daß die thüringischen Schulgebete, die durch das Urteil des Staatsgerichtshofes vom 11. Juli als verfassungswidrig erklärt wurden, dadurch aufgehoben werden sollen, daß
hervortrat, fand das Publikum Gefallen an dieser Figur und verlangte nun immer neue Holmes-Geschichten, die schließlich auf 56 angewachsen waren. Aber Dohle selbst, der unterdessen in verschiedenen Romanen eine andere Art der Dichtung gepflegt und sich immer mehr vom Diesseits zum Jenseits hin entwickelt halte, faßte eines Tages einen kühnen Entschluß und ließ seinen Sherlock Holmes, der sich für ihn zu einem wahren Quälgeist entwickelt hatte, sterben. Eine nicht endenwollende Flut von entrüsteten Briesen lohnte ihm diese Tat. Man verlangte die Wiederauferstehung, wenn auch nicht stets in so entschiedenem Ton wie eine Dame, die ihr Schreiben mit der Anrede begann: „Sie Riesenrindvieh!" Erst 1927 hat sich Doyle entschlossen, seinen Holmes zu neuem Leben zu erwecken, aber es war nur ein Schattenleben, das er in diesen letzten Geschichten führte.
Oie greise nach Meißen.
Am Wilhelmplah in Dresden hält ein Auto; Er- kennungsnummer: Preußen.
Der Herrenfahrer fragt einen Vorübergehenden:
„Bitte, wie fahre ich am besten? Ich möchte nach Meißen I"
„Wo wolln Se hin?"
„Rach MeifeenI"
„Ach nee! Rach Meißen wolln Se?"
„Ja, nach Meißen!"
„Ru sagnSemal: waswollnSedenninMeißen?" „Ich hab' dort zu tun.“
„So? Ach, woll geschäfdlich — oder briwahd?" „Beides."
„Sofo, nu ja; das machd sich immer gans gud, so das Angenehme inibn Ridzlichn vrbindn. Da Hamm Se woll Vrwandschafd barte?"
-Auch; aber ich möchte gern wissen, wie ich am besten fahre, nach Meißen!
„Ach so, nadierlich, freilich! Wenn mr so gar nich Befcheed weeß, das is Sie immer enne dumme Sache, freilich- Aber los is Sie in Meißen gar nifchd, das sag' 'ch Sie glei vorneweg! 's is schade ums Ben- dsin, wenn Se Hinfahrn. Ich hab' Sie nämlich enne Schwäfdr in Meißen, enne vrheirade. Das heeßd: was ihr Mann iS, das is Sie ungefähr ä närrschr Zwiggl! Der weeß ooch nich, was ’r will. Egalford was anderfch! Ra, meine Schwäfdr hädde ooch än andern gegrichd; so ä hibfcheö Mädl, wie Sie das war. Aber wie Sie ähmd de jungn Mädl sin . .
„Tuut tuut!" hupt wütend das Auto und wetzt los- —
„So-nu fährd der grabe falsch rum! Zu was ’r mich da erschd gefragb hadd!" L. W.


