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Nr. 164 Erste? Blatt
180. Jahrgang
Mittwoch, 16. Juli 1930
Ersch«int täglich,außer Sonntags und Feiertags.
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Die Illustrierte Gießener Familienblätter
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SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friedr. With. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen.
an den preußischen Vesreiungsseiern ab.
Ein Briefwechsel mit dem preußischen Ministerpräsidenten über das Gtahthelmverbot in Rheinland-Westfalen.
Verhandlungen mit der Gtahlhelrnleitung. — Möglichkeiten für die Aufhebung des Verbots.
Berlin, 15. Juli. (WTB.) Der Herr Reichspräsident hat, wie schon kurz mitgeteilt, seine Teilnahme an den Befreiungsfeiern in Koblenz, Trier und Aachen sowie in Wiesbaden abgesagt und diese Absage in folgendem Schreiben an den preußischen Herrn Ministerprä- s identen begründet:
„Sehr geehrter Herr Minislerprasidenll
Ihre Einladung zur Teilnahme an der Befreiungsfeier der preußischen Slaalsregierung in Koblenz am 22. Juli habe ich schon in meinem Schreiben vom 1. Juli angenommen. Meine Zusage erfolgte unter der Voraussetzung, daß das verbot des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, in Rheinland und Westfalen, das ich, wie Sie wissen, nach eingehender Prüfung des Tatbestandes als unberechtigt und dem Sinne des Gesetzes zuwiderlaufend bezeichnen muß, bis dahin aufgehoben sei und auch dieser verband der alten Soldaten an den Besrelungsselern teilnehmen könne. Sie haben zwar die Aufhebung dieses Verbotes, für die sich auch die Reichsregierung inzwischen verwandt hat, wiederholt in Aussicht g e st e l l t, trotz wiederholten Erinnerns sie aber bisher nicht verfügt. Statt dessen hat der preußische Minister des Innern in seinem dem Herrn Reichskanzler abschriftlich übermittelten Schreiben vorn 14. Juli 1930 dem Stahlhelm für die wiederzulasfung in Rheinland und Westfalen B e - bingungen gestellt, aus deren verlangen und Formulierung ich entnehmen muß, daß Sie und bas preußische Staatsmlnifterlum meinem von der Reidjsregierung unterstützten Wunsche nicht zu entsprechen gesonnen sind. Damit schließen Sie ben Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, von der Teilnahme an den Rheinlandbefreiungsfeiern aus unb machen es den in dieser Organisation vereinigten alten Frontkämpfern unmöglich, in gc- schlostener Formation mich zu begrüßen, während alle anderen verbände bei allen Veranstaltungen, die aus Anlaß der Räumung ftatffinben, ; ugelassen sind und in großer Zahl auftreten. Diese ungleichmäßige Behandlung ist für mich un- trfräglid).
Ich kann es mit meiner verfassungsmäßigen Pflicht zur Ueberparleilichkell nicht vereinbaren, an Befreiungsfeiern teilzunehmen, von denen e i n Teil von Staatsbürgern durch ein — nach meiner Auffassung nicht begründetes — verbot dieser Organisation ausgeschlossen ist. Ich habe mich daher zu meinem Bedauern entschließen müssen, meine Ihnen unter dem 5. Juli erteilte Zusage zur Teilnahme an der preußischen Befreiungsfeier in Koblenz rückgängig zu machen: aus dem gleichen Grunde habe ich auch meine in Verbindung mit der Reise nach Koblenz geplanten Besuche in Trier, Aachen unb wiesbaben abgesagt unb solange verschoben, als die vorerwähnten Gründe bestehen.
Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung (Ge;.:) von hindenburg."
Die Reise des Herrn Reichspräsidenten nach Speyer und der Pfalz sowie nach Mainz wird planmäßig stattfinden. Der Herr Reichspräsident wird von Mainz am Sonntag, 20. Juli, abends unmittelbar nach Ber- lin zurückkehrcn
Oie Antwort Brauns.
3n dem Antwortschreiben des preußischen Mi° nisterpräsidenten heißt es:
„Hochverehrter Herr Reichspräsident!
Um Ihrem Wunsche. Herr Reichspräsident, auf Wiederzulassung des Stahlhelms in den Provinzen Rheinland und Westfalen entgegenzu- kommen, hat der Herr preußische Minister des Innern mit meinem Einverständnis dem Bundesamt des Stahlhelms gegenüber mit Schreiben vom 14. Juli 1930 die Wiederzulassung der in diesen Provinzen aufgelösten (Kruppen dieser Vereinigung in Aussicht ge st eilt, wenn ihm von der Dundesleiwng des Stahlhelms dinde nde Zusicherungen für eine künftige. den bestehenden Gesehen nicht zuwider- laufende Betätigung gegeben würden. Zu einer solchen Forderung bestand Veranlassung, da an der Ernsthaftigkeit' der Dersiche- lungen des Stahlhelms auf Grund seiner bisherigen Haltung berechtigte Zweifel gehegt werden mußten, die nur durch besondere Zusagen der verantwortlichen Bundesführer beseitigt werden können. Eine Antwort des Stahlhelms auf das Schreiben des Herrn preußischen Ministers des Innern ist jedoch b i s - her nicht cingegangen.
Ich wäre nach wie vor bereit, die Reugründung des Stahlhelms für die in Rede ste^nden Gebiete zuzulassen, falls ich die Ernsthaftigkeit der vom Stahlhelm gegebenen Zusicherungen anzunehmen in der Lage wäre und infolgedessen Die Gesetzmäßigkeit seines zukünftigen Verhaltens als gewährleistet betrachten könnte. Dies wäre möglich, tocim der Stahlhelm die von ihnn geforderte Erklärung, die lediglich der geltenden Gesetzeslage entspricht, abgäbe und damit
Lage sei, den Wortlaut der ihr vorgclegten I erschöpft, sie hat noch nicht einmal die starken Erklärung zu unterzeichnen; insbesondere könne Kräfte der größten Partei des Hauses, der sie den Punkt 1 nicht anerkennen. Hinsichtlich * Sozialdemokratie, in Anspruch genommen Wir des Punktes 2 wolle sie sich an ihre früheren I haben wahrhaftig nicht nötig, uns anzubiedern; Erklärungen, in denen sie bereits eine Enthal- > aber in dieser ernsten Stunde müssen zimperliche
von sich aus das Hindernis, das Ihrer Meinung nach Ihrer Teilnahme an den Befreiungsfeiern entgegensteht, aus dem Wege räumte.
Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen wird, die Bedenken, die sich Ihrer Reise in das Rheinland entgegengestellt haben, noch zu beheben, und daß es der Bevölkerung des preußischen Gebietes vergönnt sein wird, doch noch Sie, sehr geehrter Herr Reichspräsident, bei den DefreiungsseiernObegrüßen zu können.
Mit dem Ausdruck meiner besonderen Verehrung
Ihr sehr ergebener
(gez.) Braun.
Aussichtsreche Verhandlungen mit dem Stahlhelm.
Berlin, 15. Juli. (ERD.) Ministerpräsident Dr. Braun hat der Presse das Schreiben mitgeteilt, das. gestern an den Stahlhelm abgesandt worden war. In dem Schreiben forderte er die beiden Führer der Stahlhelmlei- tung zur Unterzeichnung einer Erklärung auf, die folgende Zusagen enthielt: 1. Richt mehr bestreiten zu wollen, daß das Verbot aus Rechtsgrundlagen beruhe, 2. die Versicherung, sich in Zukunft der Abhaltung jeglicher militärischer Hebungen zu enthalten, upd 3. die Gewährleistung dafür, bah an die Spitze der Landesverbände solche Personen gestellt würden, die sich strikte an die Vereinbarungen halten würden.
Das Antwortschreiben der Stahlhelmleitung traf erst heute nachmittag ein. Die BundeS- leitung teilt darin mit, daß sie nicht in der
Berlin, 15. Juli. (DDZ.) Auf der Tagesordnung der Dienstagsitzung des Reichstages stand die zweite Beratung der Deckungsvorlage. Dazu ist von den Kommunisten ein Mißtrauens- antrag gegen das Reichskabinett eingegangen.
Reichskanzler Or. Brüning
erklärt, das Volk verlange eine schnelle Entscheidung und keine weiteren Reden, lieber dem Volke liege ein dumpfer Druck, ein Gefühl der Unsicherheit, das ungeheuer hemmend und belastend wirkt für die Wiederankurbelung der gesamten Wirtschaft. Das Volk hat im Lande ein sehr starkes Verständnis dafür, daß die Regierung vor einer ungeheuer schwierigen Aufgabe steht. Es handelt sich nicht um eine vorübergehende konjunkturelle Depression, sondern um einen völligen Strukturwandel der Wirtschaft, eine Preisrevolution auf allen Gebieten der Wirtschaft. Wir haben keinen Grund zu einem schrankenlosen Pessimismus, denn für Die besondere Struktur der deutschen Wirtschaft bedeutet die Preissenkung keinen Abstieg, sondern den Beginn des Wiederaufstiegs. Wenn die Reichsregierung nicht alle Maßnahmen ergriffe, um diesen Wiederaufstieg zu ermöglichen, dann hätte sie ihre Pflicht gröblich verletzt.
Die Voraussetzung für die Durchführung aller dieser Maßnahmen, auch für die Durchführung der von der Regierung vorgeschlagenen weiteren Reformen ist aber, daß vorher das Defizit des Reichset a,ts gedeckt wird. Dazu gibt es keine anderen Möglichkeiten mehr als die von der Regierung vorgeschlagenen. Wir können keine Osthilfe gewcchren, wir können die Arbeitslosenversicherung nicht sanieren, toenn das Defizit nicht gedeckt ist. (Lebhafte Zustimmung.) Was wir jetzt machen, ist nichts weiter als A u f - räumunggarbeit. Diese Arteit ist notwendig, wenn wir im Herbst zu der großen Reform unserer Finanzen lammen wollen, die vor allem eine wesentliche Senkung der Ausgaben auf allen Gebieten bringen soll. (Rufe links: „Auf Kosten der Arbeiter!")
Mir kommen nicht weiter, wenn jedes Jahr von wechselnden Mehrheiten die Grundgedanken der Finanzpolitik geändert werden. Dir brauchen eine Politik auf lange Sicht nach einheitlichen Plänen. Demokratie und Parlamentarismus werden am besten gesichert, wenn das Parlament auch den Mut zu unpopulären Maßnahmen hat..Sollte es nicht möglich fein, durch das Parlament die Deckung zu beschließen, das muß ich gleich in dieser Stunde erklären, so wird die Reichsregierung im Interesse der ve- mokratte von allen verfassungsmäßigen Mitteln Gebrauch machen, die notwendig sind zur Abdeckung des Defizits des Reichshaushaltr.
tung von allen militärischen Hebungen zugesagt habe, halten. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, gibt die konziliante Form dieser Antwort der preußischen Staatsregierung die Möglichkeit, mit dem Stahlhelm in Verhandlungen über die in dem erwähnten Schreiben aufgestellten Bedingungen einzutreten.
Demokratisches „Befremden"
Ter NeichtzkanUer deckt den Hindcnburgbrief.
Berlin, 15. Juli. (DDH.) Aus der demokratischen Reichstaasfraktion wird mitgcteilt, daß das Schreiben des Reichspräsidenten an den Ministerpräsidenten Braun schweres Befremden her- oorrief. Der Reichsfinanzminister wurde alsbald in die Fraktionssitzuna berufen und ging von da aus unmittelbar zum Reichskanzler, um ihn um Aufklärung zu ersuchen. Die Abgeordneten Koch (Weser) und Meyer sind beauftragt worden, eine persönliche Rücksprache mit dem Reichskanzler herbei- zuführen. Der Reichskanzler hat dabei zum Ausdruck gebracht, daß es sich bei diesem Brief um eine private Meinungsäußerung handle, auf die die Reichsregierung keinen Einfluß habe. Rach der Verfassung bedürfen nur Verfügungen und Verordnungen der Gegenzeichnung des Reichskanzlers. Bei dem Brief handelt es sich aber nicht um einen staatsrechtlichen Akt.
Oie Aussprache.
Abg. Meyer (Dem.): In der schweren Lage, in der sich durch die ungeheure Arbeitslosigkeit die deutschen Finanzen befinden, versagt sich die demokratische Fraktion nicht der Pflicht, der Finanznot abzuhelfen. Sie verkennt aber nicht, daß diese Hilfe wirksam nicht allein durch Ausfertigung neuer oder Erhöhung alter Steuern geleistet werden kann, sondern daß damit eine Herabsetzung des öf- fentlichen Bedarfs und damit eine Entlastung und (Belebung der Wirtschaft mit dem Ziele der Verminderung der Arbeitslosigkeit verbunden sein muh. Würde es sich um die Deckungsvorlage allein handeln, so würden wir heute uns zu deren Annahme nicht entschließen können. Wir betrachten das ganze Cesetzgebungswerk als eine Teilreform, die unverzüglich weiterzuführen ist, vor allem durch die Sanierung der Gemeindefinanzen und durch die endliche Vereinfachung u n d De r b i n d u n g de s Verwaltungsaufbaues.
Abg. Keil (Eoz.): Die sozialdemokratische Fraktion hat sachliche Vorschläge gemacht, um die Finanzen auf die Dauer zu sanieren. In dieser Beziehung sind die Deckungsoorschläge der Regierung schon rein fummenmäfjig unzulänglich. Wir fordern größte Ersparnisse im Etat, aber nicht auf Kosten der unschuldigen Opfer der planlosen kapitalistischen Wirtschaftsform. Weil damit aber allein die dauernde Sanierung der Finanzen nicht möglich ist, schlagen wir einen 1 Oprozentigen Zuschlag zur Einkommensteuer mit angemessener Freigrenze vor. Dieser auf ein Jahr beschränkte Zuschlag ist weit gerechter als die unsoziale Kopfsteuer, die der ärmste Proletarier bezahlen müßte. Bei der Reichshilfe verlangen wir eine einschränkende Umschreibung der Angestellten, eine Heraufsetzung der Freigrenze und die Berechnung der Reichshilfe nach der Lohnsteuer. Die Aufsichtsratstantiemen müssen mit herangezogen werden. Die schwersten Bedenken haben wir um die Ledigensteuer. Die Bürgersteuer ist in der vorgeschlagenen Form für uns unannehmbar. Das Allerbedenklichste ist die Verknüpfung der Deckungsvvrlage mit Angriffen auf die Sozialversicherung.
Wir müssen Auskunft verlangen, wie die Regierung ihre Vorlage durchsetzen will. Wenn wir bei der Abstimmung über den Artikel 1 uns der Stimme enthalten werden, so geschieht es nut zu dem Zweck, den anderen Parteien eine Ueberlegungspause zu geben. Die entscheidende Abstimmung wird bei den materiellen Teilen des Gesetzes erfolgen. Wenn sie die Gestalt behalten, die sie augenblicklich haben, so ist die sozialdemokrattsche Fraktion entschlossen, sie abzulehnen. Wir warnen den Reichskanzler vor dem Versuch, etwa den Artikel 48 mißbrauchen zu wollen. Die Regierung hat ja noch gar nicht alle verfassungsmäßigen Mittel
Erwägungen der Taktik zurücktteten. Wollen die bürgerlichen Parteien den Vertretern der Arbeiterschaft keinen Platz in der Regierung zu- billigen, dann muß die in der Minderheit bleibende Regierung zurücktreten. Kann keine neue Regierung mehr Halt finden, dann muß das Volk zur Entscheidung aufgerufen werden durch Auflösung des Reichstags und durch Reuwahlen.
Abg. Dr. Oberfohren (Dntl.) gibt folgende Erklärung ab: Die deutschnational'' Reichstagsfraktion ist der Auffassung, daß keine irgendwie wesentliche Aenderung der Situation seit der Beratung der Deckungsvorlage in erster Lesung eingetreten ist. Die Fraktion der Deutsch- nationalen Vvlkspartei ist daher entschlossen, auf dem Inhalt der Erklärung zu beharren, die sie bei der Beratung der Deckungsvorlage in erster Lesung abgegeben hat.
Abg. Dr. Föhr (Z.) stimmt der Deckungsvorlage zu. Sie verlange. Opfer von allen Volksschichten. Diese Opfer seien aber nottoen- dig, um das Defizit in der Reichskasse zu decken und so den Weg frei zu machen für eine dauernde Reform des Finanzwesens, für eine Sicherung der Sozialversicherung und für die Maßnahmen, mit denen die Wirtschaft wieder belebt und der Arbeitslosigkeit gesteuert werden soll.
Abg. Dr. Scholz (D. V.) erklärt, die ursprüngliche Deckungsvorlage der Regierung habe bei der Deutschen Volkspartei lebhafte Bedenken erregt, besonders wegen der einseitigen Belastung eines Berufsstandes und wegen der Erhöhung der Einkommensteuer. Die Fraktion wünsche vor allem eine Senkung der Ausgaben und eine Wiedererweckung der finanziellen Selbstverantwortlich- keit der Gemeinden. Die in dieser Richtung gestellten Forderungen seien wenigstens teilweise erfüllt worden. Die Vvlkspartei stimme der neuen Deckungsvorlage zu, um dieser Regierung in der jetzigen Zeit der Rot die Möglichkeit zur Durchführung der notwendigen Reformen zu geben.
Die Abgeordneten Mo11ath (WP.), Leicht (DDP.), von Lindeiner-Wildau (Ehr.- Rat.), D ö b r i ch (Chr.-Rat. BP.) und Dr. B e st (DRP.) stimmen der Deckungsvorlage zu.
Art. 1 wurde bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten gegen die Stimmen der Dem.ch- nationalen, Kommunisten und Rationalsozialisten angenommen. Weiterberatung Mittwoch.
Die Novelle zur Arbei slosenversicherung im Ausschuß angenommen.
Berlin, 15. Juli. (Vdz.) Der sozialpolitische Ausschuß des Reichstags führte die erste Beratung der Rovelle zum Arbeitsloseiwersiche- rungsgesetz zu Ende. Bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten and Deutschnationalen wurde die Beitragserhöhung auf 4l/t Proz. angenommen. Mit den Stimmen der Deutsch- nationalen und gegen die Stimmen der Sozialdemokraten wurde dem Antrag der Regierungsparteien entsprechend beschlossen, daß vom 1. April 1931 ab der Höch st betrag der Darlehen für die Arbeitslosenversicherung nach § 163 jeweils im Haushaltsgesetz festgesetzt wird. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten wurde weiter eine Entschließung angenommen, in der die Regierung ersucht wird, die Möglichkeiten grundsätzlicher Umgestaltungen in der Aroeitslosenvenicherung zu prüfen. Dabei sollen insbesondere die Qlnträge Schneider, Berlin (Dem.) und Thiel (D. Dp.) gewürdigt werden, die die Einrichtung von Gefahrenklassen und die Zulassung von Ersatzkassen der Angestellten fordern.
Das pensioustürzungsgefeh.
Annahme im Hausßaiisausschu
Berlin, 15. Juli. (DDZ.) Der Haushalts- ausschuh des Reichstages beschäftigte sich mit dem Pensionstürzungsgesetz. Das Gesetz wurde angenommen mit der vorn Zentrum beantragten Aenderung, daß nicht das gesamte Einkommen. sondern nur das versteuerbare Arbeitseinkommen für die Pensionskürzung angerechnet werden soll. Das Gesetz wurde dahin ergänzt, daß es auch fü r Sie Reichsminister gelten und sinngemäß angewandt werden soll auf die Beamten von Reichsbahn unb Reichsba n k, der L ä n» der und Gemeinden. Es wird also das Ruhegehalt um die Hälfte des Betrages gekürzt, um den das Arbeitseinkommen den Betrag von 6000 Mark jährlich übersteigt. Das gilt auch sinngemäß für Offizierspensionen. Das Gesetz soll am 1. Oktober 1930 in Kraft treten. Es wurde auch der Pensionshöchstbetrag von 12 000 Mark jährlich, wie sie der sozialdemokratische Initiativentwurf vorschreibt, gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der Deutschen Vvlkspartei in erster Lesung vom Ausschuß genehmigt.
Fällt heute die Entscheidung über die Deckungsvorlage?
Oer Artikel 1 gegen die Oeutschnationalen bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten angenommen.


