aus dem Kreise Gießen
Raddruck verboten.
12 Fortsetzung.
wenig wäre aller-
Aberglauben aufgebaut, ob es sich nun um Biochemie, Chiropraktik, sidcrisches Pendel. Gesundbeten oder sonst ein angebliches Hellverfahren handelt. In Deutschland zählt man einschließlich der Kräuterhändler etwa 35 000 Kurpfuscher, ein Beweis für die ungeheure Verbreitung des Aberglaubens!
Mann dazu sagen würde." ..Teuerste Frau von Wildhofen, Sie sollten
freundlichen Lächeln verzogen, ruhten ihre Augen so scharf und forschend auf dem jungen Mädchen, daß sie dadurch einen unangenehmen, lauernden
Frau von Wildhofen zögerte noch ein mit der Antwort. Auf diese Weise
Der Traum w GM.
Roman von E. Lovett und M. v. Weißenthurn.
Copyright by Marie Brügmann, München.
Ausdruck gewannen.
„Oh, fahren Sie mit uns, Fräulein Horteri" rief sie dann nach kurzem Zögern in sühlich- freundlichcm Tone. ..Bitte, Frau von Wildhofen, lassen Sie Ihre Richte mit von der Partie fein; das kleine Ding Hal sicher gern ein Vergnügen. Auch würde sich Sabine sehr freuen, eine Altersgenossin an ihrer Seite zu haben. Ich werde alle beide unter meine Fittiche nehmen."
Tante Hanna sah ganz geheimnisvoll aus und sagte mit Nachdruck:
„Wer weih, warum! Dein guter Onkel hat stets seine triftigen Gründe für das, was er sagt."
Doris errötete ein wenig, kaum wußte sie warum, und machte sich dann mit Eifer an die Zeitungslektüre.
Sie sah wirklich in der Hellen Morgenbeleuchtung recht blaß aus, die kleine Doris! Ihre sonst so frischen Farben waren verblichen und um ihre Augen zogen sich dunkle Schatten. Hatte sie ' doch auch sehr schlecht geschlafen, in Gedanken an die sich vorbereitenden Ereignisse, in die sie so ganz gegen ihren Willen hineingezogen wurde. Sie wußte nicht, ob sie recht oder unrecht getan hatte, des Rechtsanwalts Bitte zurückzuweisen: dagegen sah sie bei ruhiger Llcbcrlegung ein, daß er von seinem Standpunkt aus nicht anders handeln konnte, als die Wahrheit aufdecken. Mußte er doch als ehrlicher Freund Kurt vor dem bewahren, was er ein großes Unglück nannte. Aber war es denn wirklich eins? Kann es jemals für einen Mann ein Unglück sein, das Mädchen zu heiraten, das er innig liebt, wenn dieses ihm auch Treue und aufrichtige Liebe entgegenbringt?
Während ihr Verstand dem Rechtsanwalt beistimmte, flüsterte ihr das Herz ganz andere Dinge zu, und sie gehörte nun einmal zu jenen Frauen - Gott möge sie dafür segnen —, die immer nur den Eingebungen ihres Herzens folgen.
Wenn Sabine ihn nun aus eigenem Antrieb auszugebcn vermöchte, statt ihn zu sich herunterzuziehen, ja, was für ein edles Wesen wäre sie dann! So dachte die kleine, rechtliche Doris. Sie hätte es ohne Besinnen getan: ob aber Sabine sich dazu verstehen würde, das blieb eine ungelöste Frage.
Der Morgen nach der Gesellschaft hatte unruhig begonnen. Aach dem sehr zeitig eingenommenen Frühstück, an dem die Damen natürlich noch nicht teilgenommen hatten, waren die Herren sofort zur Jagd aufgebrochen. Gleich nach ihrer Entfernung war Doris in die Vorratsräume gerufen worden. Dann hatte sie das Dessert für die Tafel bereitgestellt und Blumen und Früchte arrangiert, bevor sie sich zu ihrer Tante begab, der ihr blasses, übernächtigtes Aussehen auffiel.
Das junge Mädchen war jetzt bei der Ausübung ihrer Pflichten und hatte einige Mühe, ihre Gedanken zu sammeln. Wenn der Rechtsanwalt sich nun doch nicht enthalten konnte.
Pächters fahren, in dem man frühstücken will. Ich fürchte, daß in dem kleinen Wagen kein Platz fein wird."
„Oh, könnte man an Stelle des Dogcarts nicht einen größeren Wagen nehmen, der uns alle vier, Sic. Fräulein Horter und uns beide nebst den Frühstuckstörben au^nehmen würde?" fragte Frau von Rechten in flehentlichem Ton.
„Oh, was mich betrifft, kann ich gar nicht daran denken, mitzufahren: ich würde mich bei dem Wetter zu Tode erkälten!" wehrte Frau von Wildhofen ab. „Auch würde man so bei uns nie handeln. Ich weiß wirklich nicht, was mein
Aufträge geben kann."
Frau von Rechten hüpfte förmlich von Freude wie ein junges Mädchen und klatschte vergnügt in die Hände: Doris aber dagegen nahm die ihr gewährte Erlaubnis ihrer Tante ziemlich gleichmütig hin. Sie war bei ihrer Ditte einer plötzlichen Eingebung gefolgt, und als sie eine Stunde später im Wagen sah, die beiden Damen ihr gegenüber und die hochaufgetürmten Frühstückskörbe neben sich, konnte sie sich gar keine Rechenschaft darüber geben, warum sie plötzlich den Wunsch gehegt hatte, mitzufahren. War es etwa ein dunkler Verdacht, daß Frau von Rechten bei dieser Fahrt irgendeine geheime Absicht aussühren wollte? Eine innere Stimme schien sie zu mahnen, diese Frau nicht gänzlich ihren schlimmen Plänen unbeaufsichtigt zu überlassen.
Der Weg war lang und die Kälte wurde empfindlich. Die drei Insassinnen des Wagens waren ziemlich schweigsam, und Doris hatte Muhe genug, die Züge ihrer Begleiterinnen verstohlen zu beobachten. Frau von Rechten sah erregt aus, dabei lag es wie ein heimlicher Triumph auf ihren Zügen: Sabine aber schien keineswegs in froher Stimmung zu sein. Soviel lieh sich wenigstens erkennen, daß sie nicht den Anlaß zu dieser Fahrt gegeben hatte. Dies geschah viet eher gegen ihren" Willen, denn sie sah gedrückt und kummervoll aus.
Endlich erreichte man das HauS des Pächters, wo das Frühstück eingenommen werden sollte. Dort herrschte bereits reges Leben, und alles war beschästigt. in den: größten Zimmer des Hauses, das für diesen Zweck ganz ausgeräumt und mit Tannegrün geschmückt worden war, die Vorbereitungen für das Mahl zu treffen. Alle Hände rührten sich jetzt, um die mitgebrachten Korbe ihres Inhalts zu entleeren, und auch Doris legte mit Hand an beim Auspacken der Gläser und anderer zerbrechlicher Dinge.
(Fortsetzung Hflt)
vor wenigen Monaten auf ein 75jahriges Bestehen zurückblicken konnte, stammt noch aus kur- hessischer Zeit. Als Aauheim 1854 zur Stadt erhoben wurde, fand gleichzeitig die Verlegung des Gerichts von dem kurhessischen Amtsorte Dorheim nach hier statt. Das Amtsgericht blieb neben Friedberg auch bestehen, als Aauheim 1866 Hessen-Darmstadt zugeteilt wurde. Wohl trug man sich damals in. Darmstadt auch mit Abbaugedanken. Aber eine nach der neuen Landeshauptstadt gesandte Abordnung, die den Willen einer Bürgerversammlung übermittelte, wußte die Regierung davon zu überzeugen, daß für die besonderen Verhältnisse der aufstrebenden Bade- stadt das Verbleiben der Justizbehörde notwendig sei. Heute sind die Verhältnisse nicht anders. Die starke Frequenz des Bades hat den Amtsverkehr der Kurgäste und Saisonangestellten mit den Gerichtsbehörden im Gegenteil ganz erheblich vermehrt. Und es ist nicht Kirchtumspolitik, wenn der Kenner der besonderen hiesigen Verhältnisse, trotz ollem Verständnis für die Aot- wendigkeit der geplanten Derwaltungsreform. für die Erhaltung des Amtsgerichts in der Weltbade st adt neben dem der nahen Kreisstadt eintritt.
ziellen Lage der Stadt genügt es zu bemerken, daß diese in den letzten Jahren eine angespannte, aber immerhin keine ungünstige war. Unser Hauptstreben muh in Zukunft sein, vor allem die Zinslasten und Ausgaben zu senken, um auf diese Weise den städtischen Haushalt zu entlasten. Ich verspreche Ihnen, solange ich die Geschäfte der Stadt Grünberg zu führen habe, in jeder Beziehung meine Schuldigkeit weiterhin zu tun und darf hierbei hoffentlich auf Ihre allseitige Unterstützung voll und ganz rechnen. Dabei möchte ich eine Bitte an Sie richten, jede persönliche Schärfe zu vermeiden, denn einer gedeihlichen Zusammenarbeit kann diese in keiner Weise förderlich sein. Lassen Sie uns unsere gemeinsame Tätigkeit jetzt aufnehmen in dem einen Gedanken, zu wirten Hand in Hand für die Stadt Grünberg." Von einer Seite wurde angeregt, die Sitze so zu regeln, daß die von jeder Liste Gewählten beieinander kämen, da aber Widerspruch erfolgte und man jeden parteipolitischen Zuschnitt des Gemeinderates vermieden wissen wollte, einigte man sich darauf, es bei dem alten Zustande zu belassen, so daß die Sitze nach der Reihenfolge, wie sie die Wahl ergab, verteilt wurden. Es wurden hierauf die einzelnen Kommissionen gebildet: 1. Beleuchtung. Straßen und Gelände, 2. Faselvieh, 3. Holzverkauf. 4. Finanzen, 5. Märkte. 6. Feuerlöschwesen, 7. Wasserwerk, 8. Wohlfahrt. 9. Schulvorstand, 10. Friedhof. Die Besetzung erfolgte im allgemeinen nach den Vorschlägen des Beigeordneten, als Kontrolleur wurde Herr Zinßer bestimmt. — Beratungsgegenstände wies die Tagesordnung nur wenige auf. H. a. ist zu erwähnen. daß beschlossen wurde, bei den Brenn- holzver st eigerungen, wie bei den Holiver käusen auf dem Submissionswege die staatlichenDedingungen gelten zu lassen.
Rückblick in Watzenborn-Steinberg.
Watzenborn-Steinberg. 14. Ian. Einen kurzen Rückblick auf die von der seitherigen Gemeindevertretung in den letzten vier Jahren geleistete Arbeit zu werfen, erscheint jetzt angebracht. 3n der Zusammensetzung des Gemeinderats trat durch den Tod des langjährigen verdienten Mitgliedes Fabrikant Ldw. Haas ein Wechsel ein. An seine Stelle trat Weißbinder Gg. Burger II. In den letzten vier Jahren wurden insgesamt 113 Sitzungen
ihren Vetter Kurt heute auf der Jagd vor der ihm drohenden Gefahr — wie er sich ausgedrückt hatte — zu warnen?
Aber nein! Hagenau hatte geäußert, er wolle in keiner Weise eingreifen, solange er ein Gast im Schlosse sei, und Doris schenkte seinen Worten Glauben. Es war überhaupt erstaunlich, wieviel Vertrauen sie zu diesem Manne hegte, trotz der kurzen Bekanntschaft und ihren verschiedenen Ansichten.
In dem Augenblick, als Doris die Zeitung zu- sammenlegte, kam Frau von Rechten in das Zimmer „geflattert". Der Ausdruck bezeichnete am besten die übertrieben jugendliche und zugleich erregte Art ihres Eintritts. In sichtbarer Hast, mit lebhaft glänzenden Augen schwebte sie daher, mit den weißen Händen unruhig gestikulierend. Auch die verschiedenen Bänder und Schleifen an ihrem Morgengewand befanden sich in flatternder Betvegung, als sie auf Frau von Wildhofen zusteuerte.
„Ach, liebste, teuerste Frau von Wildhofen, dürfen wir — können wir — ist es gestattet, Sie um etwas ganz Besonderes $u bitten? Werden Sie einwilligen? Werden Sie uns die außerordentliche Freude bereiten und — “
„Worein soll ich willigen?" fragte Tante Hanna, ganz verblüfft über diesen stürmischen Lieberfall. „Wenn ich irgend etwas für Sie tun kann, so sprechen Sie sich bitte aus!"
„Oh, es ist eigentlich nur eine Kleinigkeit, meine beste Frau von Wildhofen! Meine Tochter ist nur zu zaghaft, Sie selbst darum zu bitten. Sie hat nämlich noch nie in ihrem Leben — kaum werden Sie es glauben — einem Iagdfrühstück beigewohnt. Lleberall, wo wir, hier oder im Auslande, auf Landgütern zu Besuch waren, war es bei größeren Jagden Sitte, daß die Damen dcn Jägern das Frühstück in den Wald brachten und bann daran teilnahmen."
„Ich habe, das mehr als einmal mitgemacht: meine Sabine aber, das arme Kind, hatte stets das Llnglück, daran verhindert zu sein. Einmal war sie erkältet, ein anderes Mal hatte sie einen verstauchten Fuß, und ein drittes Mal hielt sie eine heftige Migräne im Hause zurück. Mit einem Wort: sie ist nie dazu gekommen, das kennenzulernen und hätte deshalb so große Lust, heute hinauszufahren. Den Jägern soll doch das Frühstück gebracht werden, wie wir hören. Sabine war nie so glücklich, einem solchen Picknick einmal beiwohnen zu können."
Frau von Wildhofen, deren Gewohnheiten und Grundsätze so fest standen wie ungefähr die Fixsterne am Firmament, geriet bei den Worten ihres Gastes in Verlegenheit.
„Ich muß gestehen, Frau von Rechten, daß ich wirklich nich! weih, was ich Ihnen erwidern soll", tagte sic zögernd. „Mein Mann arrangiert derartige Sachen stets allein, so auch heute. Der Diener soll mit dem Dogcart bis zum Hause des
aogehalten. (1925: 24, 192«.: 29, 19^o: 29, 1929. 31.) In diesen wurde über 856 Punkte (235, 173, 209. 239) beschlossen. Hinzukommen noch die zahlreichen Sitzungen der einzelnen Ausschüsse. Aus der Derwaltungstätigkeit seien nur die hauptsächlichsten Angelegenheiten erwähnt: Durch Gewährung von Daudarlehen und Hebern ahme von Bürgschaften seitens der Gemeinde konnte die Bautätigkeit ganz erheblich gefordert werden. Lieber die überaus rege Bautätigkeit m unserer Gemeinde wurde bereits wiederholt ausführlich berichtet. Sie muß, wie auch in den davorliegenden Wahlperioden, als ein besonderes Verdienst unserer Gemeindevertretung angesehen werden. Schiller- und Gvethsstrahe wurden neu eröffnet, chauffiert, die Wasserleitung und die Kanalisation verlegt, ebenso erfolgte die Chaussierung der Kirchstraße. Die Gartenstraße und Müllergasse konnten mit Kleinschlag her- gestellt werden. Die Borngasse wurde durch Geländeerwerb nach der Fahrtgasse durchgeführt. . Die .Umbenennung von Straßen erfolgte, ebenso die Anschaffung von Straßen- und Hausschildern. Die Einrichtung einer K o ch s ch u l e und Einführung des hauswirtschaftlichen Linker richt s wurde ermöglicht. In den Beginn der Sitzungsperiode fiel die Llebergabe der bereinigten FeldgemarkungOber st einberg. Die Feldbereinigungsarbeiten der Gemeinde selbst waren in vollem Gange. Die Gemeinde erwarb 5 Morgen fiskalisches Gelände, welches bei der Bereinigung als Gartenland für Landlose zur Unterteilung kam. Bei der Feld- brreinigung erhielt die Gemeinde rund fünfzig baureife Grundstücke und Gelände für einen neuen Friedhof. Durch Gewinnung von Steinen bei der Durchführung der Bereinigung konnten rund 600 Kubikmeter Kleinfchlag für die Orts- Kräften hergestellt werden. Aach Durchführung der Bereinigung wurden von der Gemeinde fünfzig Kirschbäump und 320 Obftbäume gepflanzt, die eigner Baumschule entnommen werden konnten. Insgesamt gelangten in den letzten zwei Jahren 670 Bäume zur Anpflanzung. Lim die Wasserknappheit in der trockenen Jahreszeit zu unterbinden, erfolgte die Fassung einer neuen Quelle und die Erbauung einer Pumpstation mit Motorenbetrieb zur Ergänzung bei anhaltender Trockenheit. Die Wasserleitung in der Bahnhosstraße wurde um 120 Mtr^. verlängert. Die Verlängerung des RohrkanalsI im Pmiz kam teilweise zur Durchführung. Ein vielumstrittener Punkt war die Lösung der Sportplatzfrage. Die Autolinie ©am« bach—Gießen wurde von der Gemeinde mit ins Leben gerufen und der Betrieb gefördert. Gegen die Schließung der Oberhessischen Werkst ä 1 t e nahm die Gemeindevertretung Stellung. Die Gründung der Freiw. Feuerwehr fand die Genehmigung der Gemeindevertretung, wie auch die Einkleidung. Eine fahrbare Feuerwehrleiter wurde beschafft. In der Schule wurde eine Volks- und Schülerbadeanstalt eingerichtet und die Schule gleichzeitig mit Dampfheizung versehen. Die Verstärkung des elektrischen Lichtnetzes machte die Errichtung einer zweiten Transformatoren st ation erforderlich. Die Strafte nach der Station Schiffenberg erhielt einige elektrische Richtungslampen. Die Ge- Heimrat-Sommer-Stiftuna fand ihre Annahme. Durch mit dem Fiskus abgeschlossene Verträge wurde das 'Befahren und Passieren der Waldwege neu geregelt. Ende vorigen Jahres erwarb die Gemeinde das Anwesen Der Witwe Müller. Ludwigstraße 22. zum Preise von 13 000 Mk., um die Bureauräume der Gemeindeverwaltung, die seither in unzulänglicher Weise untergebracht waren, dorthin zu verlegen. Aach innerer Instandsetzung, kleineren Llmänderungen und Anlage einer Warmwasserheizung ist das Haus seit einigen Tagen seiner Bestimmung übergeben. Einem schon lang bestandenen dringenden Bedürfnis ist durch den Erwerb dieses Hauses Rechnung getragen. Dieser
kurze Rückblick ist wohl der beste BewerS dafür» welche überaus rege und vielseitige Tätigkeit die ©emeinbcDertrehmg in den letzten vier Jahren zum Wohle und im Interesse der Weiterentwicklung der Gemeinde geleistet hat.
Oberheffen.
Von einem Lastauto überfahren ° und getötet.
Q] Lollar, 15.Jan. lleberfahren und auf der Stelle getötet wurde heute gegen 13 Uhr in der mittleren Hauptstraße durch einen Lieferwagen aus Großen-Linden der 66 Jahre alte Werkmeister Friedrich Deibel non hier. Der bedauernswerte Mann befand sich auf dem Wege von feiner in der Dcmbringer Straße gelegenen Wohnung zu seiner Arbeitsstelle bei den Buderusschen Eisenwerken, während der Lieferwagen auf der Fahrt von Gießen in Richtung Marburg war und gerade die scharfe, unübersichtliche Straßenbiegung durchfahren hatte. Die Sckuldfrage unterliegt zur Zeit der polizeilichen Ermittlung.
Landkreis Gießen.
XKlein» Linden, 15. Jan. Am Sonntag hielt der hiesige Kriegerverein im Saale der Wirtschaft „Zur Burg" seine ordentliche Generalversammlung ab. Der erste Vorsitzende, Kaufmann Fr. Schimmel, gab einleitend einen Lieberblick über das verflossene Vereinsjahr und gedachte dabei auch der in diesem Jahve verstorbenen Kameraden. Der Rechner Pb. I u N g erstattete den Kassenbericht. Die Iahresrechnung wurde von den Rechnungsprüfern als einwandfrei bezeichnet und darauf dem Rechner von der Versammlung Entlastung erteilt. Bei dem Militärkonzert, das am 1. Februar auf Veranlassung des Vereins hier stattfindet, soll den hier wohnenden Kriegerwitwen das Eintrittsgeld erlassen werden. Weiter wurde u. a. beschlossen, an dem diesjährigen 40. Stiftungsfest des hiesigen Gesangvereins „Arion" teilzunehmcn. Der Krieger-, verein beabsichtigt, im Jahre 1931 sein 50jähriges Bestehen zu feiern. Vorbesprechungen finden pes- wegen statt. Am Schlüsse der Versammlung wurden zwei Kameraden neu ausgenommen, wodurch die Zahl der Vereinsmitalieder auf über 100 anwächst. Mit dem Liede „Ich hatt' einen Kameraden" wurde die Versammlung geschlossen. — Am vorigen Sonntag konnte Frau Marie Weigel Wwe., geb. Jung, ihren 8 0. Geburtstag begehen. Die hochbetagte Frau erfreut sich noch guter geistiger Regsamkeit. Ihre sämtlich noch lebenden fünf Geschwister stellen zusammen ein Lebensalter von 310 Jahren dar. so daß alle sechs Geschwister insgesamt 390 Jahre repräsentieren.
* Leihgestern, 14.Jan. Am Samstag veranstaltete der Gesangverein ,,©intracht" im Vereinslokal „Zur Krone" einen Llnterhal- tungsabend. Der Vorsitzende, Herr Seipp, begrüßte die zahlreich Erschienenen und richtete in warmen Worten an sie die Mahnung, dem Gesangverein „Eintracht" auch weiterhin die Treue zu halten. Dann richtete er herzliche Worte des Dankes an den Dirigenten, Chormeister D a u t h, der keine Mühe und kein Opfer gescheut hat, den Verein in seltener Treue zu fördern. Der erste Teil des Abends wurde ausgefüllt von musikalischen Darbietungen, ausgeführt von Mitglieder des Orchestervereins Gießen, Frau D a u t h und dem Gesangverein „Eintracht" , unter der bewährten Leitung seines Chormeisters Dauth. Alle Mitwirkenden trugen ihr Bestes zum Gelingen deS Abends bei. Die guten Leistungen des Vereins verdienten volle Anerkennung. Aach dem musikalischen Teil kam der Humor zu Wort in einem Schwank, gespielt von einigen Damen und Herren, die durch ihr lebendiges und frisches Spiel alle Anwesenden in heitere Stimmung versetzten. Tanz beschloß den wohl- gelungenen Abend.
Austakt in Grünberg.
Grünberg, 14. Ian. Zu der ersten Sit- zung des neuen Gemeinderates unter dem Vorsitz des Beigeordneten Keller waren sämtliche 12 Gemeinderatsmitglieder erschienen. Der Beigeordnete verpflichtete zunächst die neu in den Gemeinderat eintretenden 7 Mitglieder Wilhelm Schmidt. Angestellter: Aikolaus Kröhle. Gewerbelehrer: August Seyvold, Studienrat: Carl Repp, Fabrikant: Schmidt IV., • Steinhauer: Christian B n ck, Landwirt: Heinrich Stock. Weber, während die seither dem Gemeinderat schon angehorenden fünf Herren auf ihre früher erfolgte Verpflichtung hingewiesen wurden. Es sind dies die Herren Heinrich Schmidt H., Schlossermeister: Karl Böß. Landwirt und Metzgermeister: Ludwig Zinßer. Wagner meister: Ernst Schell Haas, Bahnassistent: Julius Von-Ei ff. Spenglermeister. In einer kurzen Ansprache führte der Beigeordnete etwa folgendes aus: „Durch das Vertrauen der Wählerschaft sind Sie berufen, während der nächsten vier Jahre über die Geschicke dieser Stadt zu beraten und für ihre Bewohner mit zu sorgen. Mit der Würde übernehmen Sie auch die Bürde, und letztere wird manchmal nicht ganz leicht fein. Es werden Ihnen Fragen zur Entscheidung vorgelegt werden, bei denen Ihnen Herz und Gefühl v^lleicht etwas ganz anderes zuflüstcrn möchten, als der Geist. Letzterer soll nur eine Richtung kennen, welche in diesem Saal allen noch nach uns kommenden Vertretern maßgebend sein soll, nämlich die „Tue recht und scheue niemand", denn bei Ihren Entscheidungen soll in erster Linie das Wohl und Wehe der Gemeinde maßgebend fein. Daß wir, trotz allem äußeren Scheine, ein armes Volk geworden sind, daß unsere Wirtschaftslage sehr trübe ist, und sich mehr oder weniger auch bei dem Gemeinwesen bemerkbar macht, ist wohl hinreichend bekannt, und daß eine nachhaltige Besserung bald eintreten wird, ist wohl kaum mit Bestimmtheit anzunehmen. Aus diesem Grunde ist die Frage aufzuwerfen: „Welche Aufgaben erwachsen daraus einer vorausschauenden und vorsichtig disponierenden Stadtverwaltung nebst dem ©emeinberat?“ Die Antwort darauf lautet kurz:Spars am mit allenMitteln haushalten und Ausgaben, für die keine Deckung vorhanden sind, zu unterlassen! Zur sinan-
Lim das Bad-Rauheimer Amtsgericht.
<LBad-Nauheim, 15.Jan. Die Meldungen, die von einem geplanten Abbau des hiesigen Amtsgerichts sprechen, gründen sich aut Gerüchte, die allerdings hier im Llinlaus waren und sind. Don einem diesbezüglichen Vorschlag des Sparkommissars wurde schon in der Oeffentlichkeit und Presse gesprochen, als me ersten Aachrichten von Sparmaftnahmen ourch- sickerten. Bestimmtes über eine Verlegung des Amtsgerichts ist jedoch nicht bekannt. Eingeweihte Kreise wollen feit den letzten Tagen sogar wissen, daft ein Abbau nicht erfolge und die geschichtlichen und beachtlichen wirtschaftlichen Gründe, die für einen Gerichtssltz in Bad-Aau- heim sprechen, trotz der Aähe des Amtsgerichts der Kreisstadt Friedberg, die verdiente Berücksichtigung fänden. Das hiesige Amtsgericht, das
noch letzthin, als wir bei einer Familie auf dem Lande weilten: „Ich rechne bestimmt darauf, gnädige Frau, daß Sie uns diesmal Ihre reizende Tochter — der Schmeichler! — mit hinaus zum Picknick bringen.“ Doch der böse Zufall wollte es wieder nicht: denn das war damals, als sie sich so stark erkältet hatte. Ich führe dies nur als Beispiel an; denn warum sollten Sie und Ihr -Herr Gemahl nicht in dieser Hinsicht einmal etwas nachahmen? In bezug auf Besitz und herrschaftliche Einrichtungen sind Sie doch fast allen überlegen.“
Die gute, harmlose Frau von Wildhofen war nicht unempfindlich gegen Schmeicheleien, und die hocharistokratischen Aamen, die Frau von Rechten so geläufig von den Lippen flössen, blieben nicht ohne Eindruck. Warum sollten Ihres Gatten Jagden nicht in derselben Weise betrieben werden wie die anderer Grundbesitzer?
„Ich weiß kaum, wie ich Ihnen noch länger widerstehen soll, meine liebe Frau von Rechten", entgegnete sie auf den Wortschwall der letzteren. „Allerdings kann ich nicht daran denken. bei diesem Wetter solange zu fahren. Aber wenn Sie und Ihr Töchterchen nun einmal fo große Lust haben — dann in Gottes Aamen. Ick will das Auto anstatt des Dogcarts bestellen.'
„Ach. tausend Dank, teuerste, beste Frau von Wildhofen! Wie gut und freundlich von Ihnen! Wie entzückt wird Sabine fein und wie herrlich wird sie sich amüsieren!"
„Tante Hanna", lieft sich plötzlich Doris vernehmen. „erlaubst du. daß ich mit hinauSfahre? Es wird Platz im Wagen für mich fein!“
„Du willst mitfahren, Doris? Ja. warum denn in aller Welt?"
Frau von Rechten war auf ihrem Wege zur Tür ftebengeMieben. Die drehte sich langfam um, unv während ihre Lippen sich zu einem
zurückbleioen. Beim General von Herbst, Graf Wartcnbcrg, Ministerialrat von Bantern und fo weiter begeben sich die Damen während der Jagden stets hinaus, um mit den Herren zu frühstücken; ja, viele nehmen auch direkt an dem Treiben teil. Der gute Graf Warten berg sagte
ot-u„ vv„. ... ........ Doris dem Rechtsanwalt nahegebracht —
wirklich nicht so absichtlich hinter Ihrer 3eiU JüngS — und das war es ja. was der Onkel
- - " ’ ~ wünschte. Von diesem Gesichtspurckt aus entschloß
sie sich denn auch schnell zu der Antwort: „Gut, Doris, du kannst die Damen begleiten! Geh und läute dem Diener, damit ich die nötigen


