Nr. 13 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (Seneral-Auzriger für Gberheffen)Donnerstag, 16. Zannar 1930
Die HaagerFour"md Amerika.
Nachdem Amerika den Versailler Vertrag einschließlich des Dölkerbundpaktes a b - gelehnt hatte, ging der Kamps drüben ein Jahrzehnt um die Beteiligung am Haager Schiedsgericht. Dies war sozusagen eine Minimal - Forderung der amerikanischen Dölkerbundsanhänger und das Maximalangebot der Völkerbundsgegner.
Auch das Haager Schiedsgericht ist einWerk W i l s o n s , denn es ist ein integrierender Bestandteil des Völkerbundspaktes, dessen 14. Artikel lautet: „Der Bat wird mit der ... Errichtung eines ständigen Internationalen Gerichtshofes betraut... Dieser Gerichtshof besindet über alle ihm von den Parteien unterbreiteten Streitfragen. Er erstattet ferner gutachtliche Äußerungen über jede ihm vom Rate oder Bundesversammlung vorgelegte Streitfrage oder sonstige Angelegenheit."
Schließlich haben sich in Amerika die Stimmen durchgeseht, die wenigstens eine Beteiligung an diesen Internationalen Gerichtshof befürworten. Man kann freilich mit ebenso gutem Grunde sagen, daß sich die Stimmen derjenigen durchsetzen, welche die Airerkennung des Haager Gerichtshofes verweigern wollten. Denn,- wie wir gleich sehen werden, die Vorbehalte und Bedingungen, welche Amerika an den Beitritt knüpft (und die ihm bewilligt wurden), machen die Beteiligung illusorisch.
Das Haager Schiedsgericht ist nicht zu verwechseln mit den schon vor dem Kriege begründeten internationalen Schiedsgerichten; der „ständige internationale Gerichtshof" ist vielmehr eine Institution des Völkerbundes, der ihn auch besoldet. Sein Statut ist vom Völkerbund entworfen und angenommen. Die Haager „Cour" soll der oberste Gerichtshof der Welt sein bzw. werden. Kläger und Bekkagte können nur Staaten sein. Die Klage- fache wird entweder von einem Staat direkt beim Gerichtshof (der im Haager Friedenspalast in Permanenz tagt) anhängig gemacht oder aber der Hof wird vom Dölkerbundsrot aufgefordert, ciit Gutachten zu erstatten, welches der Entscheidung des Dölkerbundsrates zugrunde liegen soll. Das Gericht hat also zwei Funktionen, eine rechtsprechende und eine begutachtende.
Die rechtsprechende Funktion ist zahlreichen Beschränkungen unterworfen. Zunächst sind nur die Staaten prozeßfähig, wenn sie Mitglieder des Völkerbundes sind. Durch den Beitritt der Vereinigten Staaten zum Gerichtshof wird davon eine bedeutsame Ausnahme gemacht, denn die Vereinigten Staaten weigern sich ja nach wie vor, dem Völkerbünde beizutreten. Da der Völkerbund weder das Recht noch die Macht hat, die Entscheidung seines Gerichtshofes Widerstrebenden aufzuzwingen, entwarf man einen neuen Vertrag, in dem sich die Länder verpflichten, die Entscheidung des Gerichtshofes zu achten und anzuerkennen. Dieser Sondervertrag ist die sogenannte Fakulta- t i v k l a u s e l. Der Beitritt zu der Fakultativklausel ist nicht so freudig und allgemein gewesen, wie es wohl der Völkerbund erwartet hat. Etwas mehr als die Hälfte der Völkerbundsländer sind beigetreten, darunter Deutschland, Frankreich, England, Tschecho-Slowakei, Indien, Neuseeland. Südafrika, Peru, Kanada. Irland. Aber man würde sich irren, nähme man an, daß alle diese Länder sich nun willig diesem obersten Gerichtshöfe der Welt unterwerfen wollen. Keineswegs. Fast alle haben ihrerseits Vorbehalte gemacht. Frankreich will keine solchen Streitsachen vor die „Cour" gebracht sehen, welche durch andere Schiedsverfahren zu erledigen seien. Eine typisch französische Klausel dazu bestimmt, unliebsamen Entscheidungen aus dem Wege zu gehen. England nimmt von der Gerichtspraxis ausdrücklich alle Streitigkeiten innerhalb des englischen Weltreiches aus. Ka-
Begegnung mit „Mademoiselle Docteur“. Von Gerdvon Buggenhagen,Vitimeister a. O., im Kriege Gruppen-Ilachr.-Kommandeur. Das Dunkel, das während des Krieges die Spionage, die Tätigkeit der Agenten des geheimen Erkundungs- und Nachrichtendienstes verschleierte. ist seitdem nur ganz allmählich und langsam gelichtet worden. Wie vorsichtig und mißtrauisch, dem besten Freunde gegenüber strenges Schweigen bewahrend, arbeitete ein jeder, der vor oder hinter den gegnerischen Fronten mit dem Erkennen der Bewegungen, der Absichten und der Haltung des Kriegsfeindes beauftragt war und nur gerüchtweise, märchenhaft, ließ sich gelegentlich etwas über die Tätigkeit dieser stillen Helden vernehmen.
Nun ist H. R. B e r n d o r f f den Spuren dieser seltsamen Gestalten nachgegangen. Beim Lesen seines Buches „Spionage!" (Verlag Dieck & Co., Stuttgart) schlägt das aufgeregte Herz. Ich muß es ehrlich gestehen — im besonderen ein jeder, der wie ich im Nachrichtendienst tätig war, wird kaum geglaubt, vielleicht auch nicht gehofft haben, daß dabei gerade das Schicksal der größten deutschen Spionin jemals mit solcher Klarheit und Aufrichtigkeit in die Oeffentlichkeit gestellt werden konnte. Ich meine die Kapitel des Buches, die die Erlebnisse und das Wirken der „Mademoiselle docteur“ erzählen.
Es ist damals, während des Krieges, vielen unbekannt gewesen, und diese werden es auch heute noch nicht wissen, daß es neben den amtlichen militärischen Stellen noch Nachrichten- bureaus gab, die einzelnen Kommandobehörden des Heeres nicht direkt unterstanden, sondern die vielmehr von anderer Seite eingerichtet und unterhalten wurden. Selbstverständlich fanden die Nachrichten, die von diesen Bureaus aus erkundet und in ihnen gesammelt wurden, schnellstens ihren Weg zu den zuständigen Militärs, die die Meldungen kombinierten und „auswerteten". Auch die politischen Funktionäre des Reiches wurden von den Nachrichtenbureaus orientiert. So kam z. B. die Nachricht von dem bevorstehenden Eintritt Italiens in den Krieg zuerst von einem derartigen Bureau, und diese Meldung wurde nicht durch einen Offizier des Generalstabes, sondern durch einen Abgeordneten dem Kaiser übergeb,^r. Später wurden vor allem die Daten über die Kriegsvorbereitungen der Amerikaner und die jeweiligen Stärken ihrer
nada kann also sich mit keiner Klage gegen England an den Haag wenden. Die größten Vorbehalte aber hat nun Amerika für sich in Anspruch genommen. Es sind die sogenannten fünf Reserven Washingtons. Zunächst verlangt Amerika das gleiche Recht wie die Völkerbunds- Mitglieder. sich an der Wahl der Richter zu beteiligen, welche alle neun Jahre stattfindet (nächstens wieder 1930). Das kann man verstehen. Bedenklicher ist schon, daß sich Amerika ein Vetorecht gegen jede künftige Statutenänderung des Internationalen Gerichtshofes vorbehält. Der gefährlichste und weitgehendste Vorbehalt Amerikas betrifft aber die Gutachtertätigkeit des Internationalen Gerichtshofes. Hier werden amerikanische Interessensphären abgegrenzt. Man geht so weit, es Amerika zu überiassen, was es als eine Interessensphäre betrachtet. Washington will ein Vetorecht besitzen (und hat es erhalten), über alle gutachtlichen Aeußerungen des Haager Gerichtshofes, welch ediese Interessensphären seiner Ansicht nach berührt. Praktisch wird es also dem Hofe nur möglich sein, ein Gutachten bezüglich Süd-, Mittel- oder Nordamerika abzugeben, wenn es den Vereinigten Staaten gefällt.
Der Gerichtshof besteht nach dem Beitritt Amerikas aus 15 hauptamtlichen Richtern. Ihr Iahresgehalt beträgt 35 000 Gulden. Die Präsidentschaft wechselt. Augenblicklich ist ein Italiener (Anzilotti) Präsident. Die berühmtesten
Cirtscheidungen des Hofes betreffen Oberschlesien. Die deutsche Klage um die Stickstoffwerke von Chorzow wurde vom Internationalen Gerichtshof für Deutschland entschieden. Eine interessante Entscheidung des Hofes war auch die über den Dampfer Wistibledon. Dieser Dampfer war 1921 mit Munition von Frankreich nach Polen unterwegs, das damals im Kriege mit Rußland lag. Deutschland verbot die Durchfahrt durch den Kieler Kanal. Die durch den ilnitoeg verursachten Mehrkosten wurden Gegen - stand einer Schadensersahllage gegen Deutschland, das denn auch verurteilt worden ist.
ilmfangreid) ist auch die G u t a ch t e r t ä t i g - leit des Völkerbundes. 2m Gutachterverfahren wurde z. B. ein englisch-französischer Streit um die Staatsangehörigteit in Tunis und Marokko gegen Frankreich entschieden. Auf Ansuchen des Völkerbundsrates hat auch der Haager Gerichtshof mehrere Gutachten über die Behandlung der Deutschen in Polen erstattet. Diese fielen zwar meistens für Deutschland aus, was den Deutschen in der Praxis bisher freilich wenig nützte. Der Beitritt Amerikas zu dem Internationalen Gerichtshof im Haag wird die Autorität des Hofes heben. Es dürfte auch insofern wohltätig wirken, als Amerika dadurch an europäische Fragen mehr als vorher interessiert wird. Amerika selbst jedoch geht dadurch kaum eine Verpflichtung ein, dazu sind seine Vorbehalte zu groß.
Allmacht des Aberglaubens.
polierte Gallensteine aegen Bienenstich. — Roch immer Hexenfurcht, Amuleiikuli und mittelalterliche Kurpfuscherei. — Aquamarin gegen Zahnschmerzen, Holzbrettchen gegen Tollwut.
Von Or. Martin Künzel.
Auf der Dresdener Hygiene-Ausstellung im Jahre 1911 war an manchen Sonntagen der Andrang so groß, daß der Zutritt polizeilich gesperrt werden mußte. Namentlich zwei Abteilungen waren stets von Schaulustigen überfüllt: die Abteilung „Der Mensch" und die Historische Abteilung, in der ihr Leiter Dr. N e u st ä t t e r etwa 20 000 sehr lehrreiche Schaustücke aus Museen und Privatsammlungen zusammengetragen hatte. Besonders aufschlußreich war die Untergruppe „Aberglauben in der Heilkunde“, und daher hat sich die Leitung dec demnächst wieder in Dresden stattfindenden Hygiene-Ausstcl.ung entschlossen, unter der Leitung Dr. Reustätters nochmals eine solche medizinisch-kulturhistorische Abteilung einrichten zu lassen. Sie wird Wohl auch diesmal sehr ausgiebig mit Schaustücken medizinischen Aberglaubens bedacht werden, da ja die Sammler auf diese Weise Gelegenheit erhalten, ihre Prunkstücke einer großen Olienge vorzuführen. Auch deutsche Museen werden sicherlich keine Bedenken tragen, selbst Unifa nach Dresden zu verleihen. Es wird nämlich eine soziale Tat von größtem Wert sein, wenn dem deutschen Volk einmal mit aller Eindringlichkeit vor Augen geführt wird, daß noch heute vielfach der finsterste Aberglaube herrscht.
Dor einem Jahr erregte in Amerika ein Hexenpro zeß das größte Aussehen. Ein Mann hatte einen anderen ermordet, da er diesen für einen großen Zauberer hielt, der ihn behext haben sollte. Aber man braucht gar nicht so weit zu gehen, um Fälle mittelalterlicher Zauberfurcht in unseren Tagen kennenzulernen. Vor kurzem behauptete eine Frau in einem Prozeß, ihr Mann sei von anderen Hausbewohnern behext worden und diese Zauberei habe seinen Tod herbeigeführt. Eine zu Rat gezogene gegnerische Hexe grub denn auch aus der Erde die angeblich von den Beklagten ge
brauchten Werkzeuge aus; wahrscheinlich hatte sie sie vorher selbst an der betreffenden Stelle vergraben. Wir haben aber leider kein Recht, über diesen Wahn zu lachen, denn die meisten Menschen, einschließlich der „Aufgeklärten", sind ebenfalls nicht frei von Aberglauben, mag er auch in milderen Formen auftreten. Wer wagt es, am Freitag zu heiraten oder umzuziehen oder zu 13 Personen am Tisch zu sitzen? Besonders in der ersten Zeit nach dem Krieg überfluteten Aberglauben und Mystik die Welt. In den großen Bibliotheken werden Bücher über mystische Themen öfter als früher „vermißt" — ein Beweis für den großen Anklang, den sie finden. Ein anderes Beispiel für die Herrschaft des Aberglaubens in unserer Zeit: die Zeppelinwerften werden vor jedem Flug der Luftschiffe mit zahllosen unglückverheißenden astrologischen Prophezeiungen bombardiert!
Angeheuer groß ist das Material, das über den Aberglauben in der Heilkunde von emsigen Forschern zusammengetragen worden ist. Der Hamburger Augenarzt Dr. S. Seligmann, der darüber dickleibige Bände geschrieben hatte, besaß ein eigenes Museum „wundertätiger" Gegenstände; die Sammlung ist nach seinem Tod an das Hamburger Museum übergegangen. In Budapest ist eine kleinere Ausstellung solcher Dinge zu sehen. Auch die Sammlung des Hofrats Pachinger in Linz ist wegen ihrer Amulette berühmt. Es ist kein Wunder, daß die Aerzte soviel „Werkzeuge des Aberglaubens und des Un- sinns" zusammentragen, denn in weitesten Kreisen des Volkes sind solche Gegenstände noch heute in Gebrauch. In Posen wurde eine Frau beobachtet, die während des Gottesdienstes Ziegelmehl von den Mauern der Kirche kratzte, um es daheim dem erkrankten Vieh einzugeben. An vielen Orten werden Ausscheidungen eines Kranken zusammen mit denen eines Gesunden vergraben; darüber wird Pflanzensamen gesät, und man glaubt dann,
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Transporte durch Agenten festgestellt, die im Ausland verteilt waren. Eine der prominentesten Vertreterinnen dieses Geheimdienstes war „Mademoiselle docteur“.
Was war das für ein seltsam-unwirkliches Wesen? Sie hieß Annemarie Lesser und war die Tochter eines gutbürgerlichen Hau'es in Berlin. Durch ein Liebesverhältnis mit einem Offizier der Gardekavallerie kam sie auf diese Wege. H. R. Berndorfs ist ihren Spuren als gewissenhafter Reporter und ehemaliger Offizier nachgegangen und erzählt nun von ihrem Leben und Wirken. Das klingt ja aber alles wie Phantasterei! And doch ist es. klare Wahrheit, was da über diese wunderbare Frau gesagt wird.
Ich selbst habe „Mademoiselle docteur“ einmal gesprochen. Es war an einem trüben Herbsttag 1915, als ich ihr Bureau in der Königgräher Straße zu Berlin betrat. In meinem Abschnitt an der Westfront waren als erste die damals neuartigen Abhörstationen eingefeht worden, mit denen man die Telephongespräche des Gegners in dec Kampfstellung aufnehmen konnte. Dadurch hatte der gesamte Nachrichtendienst an der Front eine außerordentliche Bereicherung erfahren. Nun waren auf diese Weise Bewegungen des Gegners bekannt geworden und, als ich mich ii\ anderweitiger dienstlicher Mission in Berlin befand, wies man mich nach dem genannten Bureau und sagte mir, daß ich dort mit „Mademoiselle docteur“ darüber sprechen könnte.
So saß ich ihr gegenüber und ich muß sagen, ich war von ihrer Erscheinung so fasziniert, daß es mir nicht ganz leicht wurde, dienstlich und sachlich zu bleiben. Sie war sehr schön; klein, zart, zierlich, den überintelligenten Kopf umrahmt von tiefschwarzem Haar, doch das Packendste waren ihre großen, dunklen Augen, mit denen sie durch einen hindurchzublicken schien. Es war mir oft so, als ob sie gar nicht auf das hörte, was ich sagte, und doch waren ihre Entgegnungen, denen kaum eine ilebedegitng vorausging, von verblüffender Klarheit. Ich erfuhr manches von ihren Erlebnissen und fann nun sagen, daß es dem Autor der „Spionage!" gelungen ist, diese geheimnisvolle Persönlichkeit und chre phantastischen Fahrten mit Wirklichkeitstreue festzulegen.
Was „Mademoiselle docteur“ einen hohen Rang in Der Geschichte der Spionage verliehen hat, war, daß sie sich selbst immer wieder in die Löwenhöhlen wagte, trotz aller schweren Gefahren, deren sie sich wohl bewußt war. So hat sie im Herzen des Gegners gehorcht und geforscht. Dabei handelte sie nicht um des Geldes willen, sondern Vaterlandsliebe und eine wilde,
unbezähmbare Leidenschaft für Abenteuer trieb sie zu ihrem Spiel auf Leben und Tod.
Heute lebt sie in der Schweiz im Berner Oberland in einer Irrenanstalt. Ihr Leib ist zu einer Ruine verfallen. Der überwache Geist, ihr scharfer Verstand ist totmüde und stumpf geworden, unheilbar und unfähig, das einfachste Ding der Welt zu erfassen. In Annemarie Lesser glimmt nur noch der letzte Funke eines heißen Feuers, das im Leben als „Mademoiselle docteur“ sich selbst verzehrte.
Kleine Geschichten.
Von Sigismund von 2Rai>ecfi.
Der Professor: „Herr Kandidat, wer hat „Hamlet" geschrieben?" Der Kandidat: „Ich nicht, Herr Professor."
Am Abend speist der Professor bei Bekannten. Er erzählt seiner Nachbarin zur Rechten von dieser Antwort des Kandidaten. Die Nachbarin zur Rechten: „And er war es also nicht?"
Leise trauemD wendet sich Der Professor an seine Nachbarin zur Linken und erzählt ihr die Geschichte und auch die Bemerkung der Nachbarin.
Die Nachbarin zur Linken: „And er war's dabei doch, ja?"
Nach dem Diner wankt der Professor stöhnend zu der Dame des Hauses und berichtet von der Frage samt allen Antworten.
Die Dame des Hauses (träumerisch): „Also wird man es nie herausbekommen, wer's gewesen ist ..."
Der arme Professor verläßt erschüttert das Haus. Zugleich mit einem von den Gästen, einem Engländer. Der Professor kann nicht umhin, diesem zu erzählen, daß er auf die Examensfrage „Wer hat Hamlet geschrieben?", die Antwort „Ich nicht" erhalten, daß dann die eine Nachbarin „And er war es also nicht?", die andere aber „And er war's dabei doch, ja?" auägcrufen, und daß endlich die Dame des Hauses daraufhin entschieden habe: „Also wird man es nie herausbekommen, wer's gewesen ist ..."
Der Engländer: „Augenscheinlich".
In einer schottischen Sonntagsschule hat der Pastor soeben von Jakobs Traum erzählt, und wendet sich jetzt an die Kinder:
„Hat jemand irgendeine Frage zu stellen?"
Da steht ein kleiner Junge auf und sagt: „Herr Pastor, die Engel haben doch Flügel mit Federn. Na, und wenn sie Flügel haben, wozu
daß der Gesunde die Krankheit an sich ziehen werde. Will man im Havelland wissen, ob ein Kranker am Leben bleibt, so mißt man an drei aufeinanderfolgenden Tagen seinen Rücken. Wird er kürzer, so soll der Kranke sterben. 3n Ostpreußen nimmt man das Maß des Kranken mit einem Faden, den man einem Toten ins Grab legt. In der Mark und in Westpreußen verwendet man gegen die Tollwut sog. Tollhölzer, Holzbrettchcn, die mit uralten Zauberformeln beschrieben sind Die Kaschuben schreiben Magenschmerzen einem froschartigen Wesen mit langen Armen zu, das sich im Magen,an- klammert. Im Braunschweigischen kennt man noch heute den „Hochvater" und die „Hochmutter"; das sind Deckelschalen der Turboschnecke, die in Braunschweig früher sogar in Apotheken zu haben waren, und die gegen alle Krankheiten helfen sollen. Heute findet man sie noch in Oesterreich in Form von Ringen und Busennadeln al3 Heilmittel.
Für besonders heilkräftig hielt man zu allen Zeiten die Edelsteine; es gibt nach den Krankheiten geordnete Verzeichnisse, aus Denen Abergläubische ablesen, welchen Stein man im Einzelfall verwenden soll. Achate werden, fein gemahlen, als Gegengift gegen Schlangenbisse in Wein getrunken; die Mohanunedaner trinken geriebenen Achat in Apfelsaft gegen Fieberwahn; jeder der diesen Stein bei sich trägt, soll gegen Ansteckungen gefeit sein. Der Amethyst führt seinen griechischen Namen von der ihm zugeschriebenen Eigenschaft, vor Trunkenheit zu schützen, auch soll er Neuralgien und Nervenleiden heilen, wenn man damit leicht über die Stirne streicht. Leidet man an Zahnschmerzen, an Magen- oder Leberleiden, so legt man sich eine Kette von Aquamarinen um den Hals; gegen entzündete Augen verwenden viele Leute kugelrunde Rheinkiesel, die in einem Säckchen auf der Brust getragen werden. Der Blutstein, eine Eisenverbindung, verführte durch seine Farbe zu Dem Gedanken, er könne Blutungen stillen, wenn man ihn auf Wunden legt. Er wurde sogar noch im Burenkrieg von den Buren benützt. Ein Malachit - in Herzform soll die Geburtswehen erleichtern, der Granat gegen Fieber und Pest helfen; den Karneol benützt man in China gegen Verdauungsstörungen, das Katzenauge genannte Quarz gegen Asthma, und Korallenpulver „muß" bei inneren Leiden mit Wasser getrunken werden. In Indien stehen die Bezoarsteine, Abscheidungen aus Dem Darm Der Bezoarziege, hoch im Ansehen und im Preis. Aehnliche Steinbildungen des menschlichen Körpers, Harn-, Gallen- und Nierensteine, die einen Durchmesser von etwa zwei Zentimeter haben, werden fein poliert und als Schutzmittel gegen Bisse und Stiche von Skorpionen, Bienen, Spinnen und.Schlangen, in manchen Familien von Generation za Generation vererbt. Sie „verlieren" ihre Kraft — die sie nie besessen haben —, wenn sie um schnödes Geld verschachert werden. Andere „heilkräftige" Mineralien sind die Adlersteine. hohle Toneisensteine mit klappernden Einschlüssen, sowie die Krebssteine oder Krebsaugen, Kalkablagerungen von den Seitenwänden des Krebsmagens. Ein solcher in einen Ring gefaßter Krebsstein gehört übrigens seit Joachim II. zum preußischen Kronschatz.
Für die Krankheitsheilung sind nach überliefertem Aberglauben auch Farben nicht bedeutungslos. Alte Frauen behaupten, daß roter Flanell, um die Lenden gelegt, den Hexenschuß besser heile als weißer. Heute noch tragen in England Frauen beim Stillen blaue Fäden um den Hals, um vorn Kind das Fieber fernzu- halten. In Westindien soll ein Streifen roten Stoffes, um den Hals gewickelt, vor Keuchhusten bewahren; gegen Nasenbluten will man sich durch einen mit neun Knoten versehenen Strang roter Seide schützen. — Arn verderblichsten wirkt sich der Aberglaube aus, wenn er zu geschäftlichen Zwecken mißbraucht wird. Schließlich ist ja das ganze Kurpfuschertum zum größten Teil auf
war dann die Leiter von der Erde zum Himmel aufgestellt, daß sie Darauf klettern mußten? Sie konnten doch fliegen 1"
Der Pastor ist perplex, will aber die Klasse nichts merken lassen, und sagt darum:
„Brav, mein Junge, das ist eine sehr gute Frage. Nun, Kinder, ich will euch nachdenken lassen. Wer als erster Die Frage beantwortet, kriegt einen Schilling."
Es waren Kinder armer Leute. Ein Schilling war eine unermeßliche Summe. Alles dachte angestrengt nach. Endlich hebt ein noch kleiner Junge die Hand.
„Nun, meine Junge," fragt Der Pastor, „warum brauchten sie Die Leiter?"
„Herr Pastor, Engel haben wohl Flügel mit Federn... Aber um diese Zeit mauserten sie gerade..."
Ob er den Schilling bekommen hat, weih ich nicht.
Hochschulnachnchien.
Professor Dr. Karl Friedrich Bonhoeffer in Berlin hat Den Ruf auf Den Lehrstuhl Der physikalischen Chemie in Frankfurt a. M. als Nachfolger von Prof. R. Lorenz angenommen, hingegen Die Berufung nach Zürich abgelehnt. — Professor D. Ernst Kohlmeyer inBres - lau hat Den an ihn ergangenen Ruf auf Den Lehrstuhl Der Kirchengeschichte an Der Aniver- sität Halle als Nachfolger des Geheimen Kon- sistorialrates Johannes Ficker angenommen. — Der ordentlichen Professor Dr. Günther Iach- mann in Köln ist ein Lehrstuhl für klassische Philologie an der Aniversität Leipzig angeboten worden. — Der ordentliche Professor für Vermessungswesen an Der Technischen Hochschule in Stuttgart, Dr. O. von Gruber ist auf sein Ansuchen aus Dem Württembergischen Staatsdienst entlassen worden und wird in den Dienst der Firma Zeih (Jena), zurücktreten; zu seinem Nachfolger auf dem Stuttgarter Lehrstuhl ist Der Privatdozent Dr.-Ing. Leo Fritz von Der Technischen Hochschule in Hannover berufen worden. —
Die naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Frankfurt a. M. hat Professor Dr. phil. Paul Duden ehrenhalber Titel und Würde eines Doktors der Naturwissenschaften verliehen für seine Verdienste um die entscheidende Förderung der Chemie in wissenschaftlicher, technischer und organisatorischer Hinsicht. — Der Ordinarius Der alten Geschichte an der Universität Halle Dr. Wilhelm Weber hat einen Ruf nach Tübingen erhalten.


