Ausgabe 
15.12.1930
 
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Es ist zwar bis an die Zähne gerüstet, es kann jederzeit Krieg nach allen Fronten führen, es kann aber nicht den Starrkrampf der internationalen Wirtschaft lösen. 3m Gegenteil, die internationale Wirtschafts­krise hat auch die Wirtschaft Frankreichs ersaht, die für ihre gesamte Ausfuhr auf kauf­kräftige Auslandmärkte angewiesen ist.

Hat Steeg Aussichten?

Wird Briand der Außenpolitik neue Impulse geben?

Paris. 15. Dez. (ERB.) Das Kabinett Steeg ist eine Minderheitsregierung. Wenn ihm auch von der Fraktion der L i n k s r e p u b (i t a > n e r fünf Minister angehören, so kann es doch nicht mit sämtlichen Stimmen dieser Partei rechnen, so­lange es ihm nicht gelingt, den Widerstand Tardieus zu brechen. Im Senat hat das Ka­binett nichts zu befürchten, da cs dort über die absolute Mehrheit verfügt, besonders, da sich ein Mann wie C h 6 r o n , der lange Zeit Vorsitzender der Fraktion Poincarös war, sich bcreitgesunden hat, in das Kabinett einzutrcten. L o u ch e u r dürste als Handelsminister wenigstens den Versuch machen, den Gedanken einer europäischen Union dadurch zu fördern, daß er ihm, wenn irgend mög­lich, eine wirtschaftliche Grundlage schafft, lieber die Lebensfähigkeit dieses Ministeriums schon jetzt etwas zu sagen, wäre verfrüht, aber immerhin darf man betonen, daß die letzten acht Tage der Ministerkrise viele Parlamentarier davon überzeugt haben, daß die Diktatur der Parteien ein Ver­hängnis für die i n n e r p o l i ti s che Ent­wicklung ist.

Vom deutschen Standpunkt aus gesehen darf das Kabinett Steeg begrüßt werden. Es war ein offenes Geheimnis, daß Außenminister Briand im Kabinett Tardieu bei der Fortentwick­lung feiner Verständigungspolitik und bei der.Auf­rollung der Frage der Schaffung einer europäischen Union auf Widerstände gestoßen ist. Mit diesen Wiederständen hat er jetzt nicht mehr zu rechnen. Briand kann, wenn er wünscht, mit diesem Kabinett eine mutige Handlung dadurch vollziehen, daß er die Stockung, die in der deutsch­französischen Verständigung festzustellen ist, besei­tigt. Es sind also mit dem Kabinett Steeg wohl Hoffnungen dafür vorhanden, daß die Persönlichkeit Briands sich st ä r k e r zur Geltung bringen wird, als dies unter der Herrschaft Tardieus in den letzten Monaten möglich war.

Scharfe Kampfansage der poincare- presse.

Paris, 13. Dez. (WTB.) Das Kabinett Steeg wird vomTemps" und dem3oumat des De- bats", als eine zweite Auflage des im Februar gebildeten radikalen Eintags-Kabinetts Chautemps betrachtet und abgelehnt. Beide Blätter erklären, die Regierung sei dazu verurteilt, von der Linker st ühung der So­zialisten zu leben. Der ..Temps" avpelliert an die Opposition, die jetzt Führer wie Tardieu, Maginot und Paul Reynaud zu den ihren zählen Ernte, die Werte zu verteidigen auf denen die Sicherheit Frankreichs und die Ordnung beruhten. DasJournal des Debats" erflärt, das Kabinett Steeg müsse sobald wie mög­lich wieder gestürzt werden. Es habe nur einen Zweck: es sei gebildet worden, um die Radikalen wieder zur Regierung zu bringen. Rach der sogenannten Liquidierung des Krieges versuche man, die nationale Mehrheit und jede nationale Politik zu liquidieren.Intransigeant" erklärt, durch die Bildung des Kabinetts Steeg fei die Krise keineswegs beschworen, sondern sie Dauere an.

F igaro" erklärt: Die Zukunft Frankreichs würde sich traurig an taffen, wenn man nicht die Gewißheit hätte, daß die Mehrheit bald die Ofsensive wieder aufnehmen und dieses Links - kabinett zertrümmern wird, das sich mit List in die poincaristische Kammer von 1928 «ingeschlichen hat.Avenir' schreibt: Die Manöver der Radikalen werden ihnen nicht die Anerkennung der Mehrheitsparteien bringen. Jedenfalls muh man auf Kämpfe gefaßt sein. Der Senat wollte den Frieden. Er hat sich getäuscht.3 ourna l" schreibt: Auf den ersten Blick handelt es sich um ein Linkskabinett, das nicht ohne Unterstützung der So­zi a l i st e n wird bestehen können. Die Mitarbeit weniger Persönlichkeiten der Mittelgruppe wird nicht genügen, dem Kabinett den Charakter einer wirklichen Konzentration zu geben. Die Mehrheit, auf die es sich stützen wird, dürfte äußerst gering und zweifelhaft sein, wenigstens für den Anfang. Das erste Zusam­mentreffen mit der Kammer dürfte hart Jein. L' Ord re" sagt: Steeg ist unmöglich. Das republikanische Frankreich hat es nicht ver­dient, ihn an der Spitze der Regierung zu sehen. Die Regierung wird immer verfänglicher.

Räumung des Saargebiets von den Nahnschuhttuppen.

Unfreundliches Echo in 4. aris.

Paris, 13. Dez. (WTD.) Die belgisch-fran­zösischen Bahnschutztruppen haben am Freitag das Saargebiet verlassen. Dazu schreibt das Echo de Paris: Ein Kapitel Rach- kriegssaargcschichte hat seinen Abschluß gefunden. Mehr als ein Franzose hat gestern im Saargebiet Herzbeklemmungen gehabt.

DerFigaro" erklärt: Leichten Herzens hat Briand am 12. September seine Zustimmung zu ?>cm Anträge Dr. Curtius' gegeben. Man stand am Vorabend der deutschen Wahlen und unser Außenminister hoffte, daß diese Kon­zession neben so vielen anderen, die bereits ge­macht worden waren, Deutschlands Dank nach sich ziehen würde. Es war ein 3rrtum m e h r, der zu all denen sich anfügte, die bereits früher begangen worden waren. Man weiß, wie Deutschland uns antwortete.

DasOeuvre" erwartet nicht, daß durch den Abzug der französisch-belgischen Truppen die französisch-deutschen, seit Monaten unterbrochenen Saarverhandlungen, irgendwie berührt werden könnten oder daß der Kernpunkt des Saarpro­blems darunter leiden würde. Da für jeden ob «k- tiv Denkenden das Ergebnis der Ab­stimmung keinem Zweifel unterliege, würde es sicher im 3ntevesse Frankreichs liegen, nichtbisl935zuwarten.umrnit Deuffch- land über den Rückkauf der Saargruben zu ver­handeln und um, wenn möglich, die Grundlagen einer deutsch-franz fischen Zusammenarbeit Im Saargebiet zu legen. ES sei richtig, daß die ersten mit Deutschland angeknüpften Verhandlungen ent-

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Unmöglichkeit weiterer Preissenkungen bei wachsenden Gestehungskosten.

Stettin. 14. Dez. >WTD.) Die Industrie, und Handelskammer Stettin erklärt: Die Fest­stellungen über die Möglichkeiten von Preis- senktrngen der hauptsächlichsten Gegenstände des täglichen Bedarfes sind nunmehr zu Ende ge­führt und von der Industrie- und Handels­kammer, der Landwirtschaftskammer und der Handwerkskammer dem Regierungspräsidenten mitgeteilt worden. 3n nahezu ollen Ar­tikeln sind die Preise seit dem Herbst erheb- lich gesunken, und es hat sich bei den Be­sprechungen mit den einzelnen 3nteress«nverban- den gezeigt, daß allseitig Verständnis für dte heutige Rotlage und auch der ernste Wtlle vor- Händen ist, auf der Linie der Verbilligung b t s an die äußerste Grenze zu gehen. Wei­tere Preisreduktionen sind icdoch ab­hängig von einer Senkung der Ge­stehungskosten, in erster Linie Steuern, Soziallasten, Mieten, Löhne, Strom- und Gaspreise, Frachten, Gebühren usw. Auf Grund der vorgenommenen Erhebungen empfehlen die amtlichen Vertretungen der Wirt­schaft, nunmehr auch, soweit wie möglich, die so schwer bedrohte Wirtschaft darin zu unter­stützen, daß mit dem Ankauf des not­wendigen Bedarfes nicht weiter zu­rückgehalten wird. Die Wirischaftskam- mem rechnen daher auch in dieser Hinsicht mit der verständnisvollen Einsicht aller Kreise.

Oie Lage in der Textilbranche

Stuttgart, 14. Dez (WTD.) 3m württern- bergischen Wirtschastsministerium fand eine Be­sprechung mit den Vertretern der Textilindustrie und des Textilhan­dels über die Preissenkung bei den Lexiilwa en statt. Die Vertreter der verschiedener Zweige der Textilindustrie wie des Groß» und Einzelhandels gaben ihrer ernsten Besorgnis über die gegenwärtige Zurückhaltung der Käufer schäft Ausdruck, denn dem Rückgang des Llmsatzcs könne d i e H ö he d^r LI n k 0 st en nicht angepaßt werden, zumal durch die Preisherabsetzungen an den Lägrrn erhebliche Verluste entstanden seien. Es bestehe die Ge­fahr, daß, wenn sich ter Lims atz nicht bessere, die Verkaufspreise wieder erhöht werden müßten. Bei dieser Sachlage hat das Wirt­schaf t s m i n i st e r i u m an die Käuferfchaft die

dringende Bitte gerichtet, gerade jetzt mit ihren Einkäufen nicht zurückzuhal- ten, sondern ihren Bedarf in gewohn­ter Weise zu decken.

O-e Gemeindebiersteuer.

Eine Entschliessung des Lettischen Braucrbundes.

Berlin, 13. Dez. (TU.) In der Mitgliederver­sammlung des Deutschen Brauerbundes nahmen die Vertreter des gesamten deutschen Brau­gewerbes eine Entschließung an, in der der Be­stürzung über die in der zweiten Notverordnung vom 1. Dezember völlig überraschend getroffene Neuregelung der Gemeindebiersteuer Ausdruck gegeben wird. Die Gcsamtbelastung des Bieres durch die dreimalige Erhöhung des letzten Jahres auf 22 Mark je Hektoliter mache mehr als der Brauereiverkaufspreis vor dem Kriege aus, der rd. 20 Mark je Hektoliter betrug. Die neueste Steuererhöhung treffe das Braugewerbe in einem Augenblick, in welchem der B i e r a b f a tz bereits auf Grund der vorangegangenen Steuer­erhöhungen in erschreckendem Maße rückläufig sei. Der Absatzrückgang habe in den Gebieten, wo Wein und Obstwein, die bekanntlich steuerfrei feien, in Konkurrenz mit dem Bier träten, ein geradezu katastrophales Ausmaß angenommen. Gegenüber einer reinen Biersteuerlast von 22 Mark je Hekto­liter betrage die Gesamtsumme der im letzten Jahr von den Aktienbrauereien gezahlten Dividen­den noch nicht 2 Mark je Hektoliter (57 Millionen Mark Dividenden auf 30 Millionen Hektoliter Bier- erzeugung der Aktienbrauereien), also nicht einmal den elften Teil der reinen Biersteuerbelastung. Die unverständliche Steuerpolitik der Reichsregierung müsse dazu führen, daß sich Gemeinde- und Reichsbiersteuer gegenseitig Konkur­renz machten mit dem Ergebnis, daß nicht nur das Mehraufkommen durch den Absatzrückgang völ­lig aufgezehrt, sondern auch das Braugewerbe, einer der wichtigsten Abnehmer der heimischen Land­wirtschaft, und mit ihm das Gastwirts- geroerbe auf das nachhaltigste in ihren Existenz­grundlagen erschüttert werden. Das deutsche Brau­gewerbe sehe sich daher gezwungen, an die Ge­meinden die ernste und dringende Mahnung zu richten, die Gemeindbiersteuer nicht über das bis­herige Maß hinaus zu erhöhen.

täuschten. Deshalb solle aber nicht gleich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden. Freilich sei es Sache Deutschlands, uns Angebote zu machen, wenn es die Wiederaufnahme der Verhandlungen wünscht.

youngrevifion und privaischu den.

Bedeutsame Ausführungen des Reichs- bankpräsidenten Dr. Luther.

Paris, 14. Dez. (TLI. Funkspruch.) DieReue Pariser Zeitung", das in der französischen Haupt­stadt in deutscher Sprache erscheinende Organ, veröffentlicht einen Artikel des Reichsbankpräsi- danten Dr. Luther, in dem Luther sich mit den Tributen und der wirtschaftlichen Zukunft Deutsch­lands befaßt. Zunächst gibt Luther seiner Lieber­zeugung über die Festigkeit der deut­schen Währung Ausdruck. Die sieten 3ahre alte Reichsmark hat die sieben wahrlich nicht fetten 3ahre durchgehalten und sie wird noch vieie Male sieten 3ahre durchhalten. Ein im 3n- nern starkes Deutschland habe auch jetzt noch Erfolgsaussichten im außenpolitischen Rin­gen. Mit Rachdruck müsse deutscherseits darauf hingewiesen Werder«, daß zum Poungplan auch die von den anderen zu erfül­lenden Voraussetzungen gehörten. Die Reparationen feien auf die Dauer nur er­füllbar, wenn Deutschland genügend Aus­fuhrmärkte habe. Auch die Ka pi talhOr­tung, zu der heute besonders Frank­reich neige, müsse vermieden wer­den. Auch die leidenschaftlichen Vorkämpfer einer Revision seien sich darüber klar, dah alle Pri­vat s ch u l d e n bedingungslos und rechtzeitig bezahlt werden müßten. Was auch aus den Erörterungen über das Moratorium oder die Revision werden möge, Deutschland werde feine priva'en Sch udverpf lich tungen ordnungsmäßig erfüllen. Je deutlicher Deutschland seine Llnter- schrift unter den Poungplan als bindend aner­kenne, um so wirkungsvoller könne es von den Vertragspartnern fordern, was ihnen ver­tragsmäßig obliege.

Nationalsozialisten und Zentrum.

Gegen den nationalsozialistischen Vor- sitzenden des Acchtsausfchusses

Berlin, 13.Dez. (VDZ.) Der Rechtsausschuh des Reichstages trat am Samstag unter dem Vorsitz des Abg. Dr. Frank II (Rat.-Soz.) zusammen.

Vor Eintritt in die Tagesordnung erhob Abg. Dr. Bockius (Z.) gegen die Fortführung ter Geschäfte des Vorsitzenden' durch den Abg. Dr. Frank Einspruch. Frank habe im Plenum ge­sagt, das Zentrum mißbrauche den Glauben für seine sch-muhigen poli­tischen Geschäfte. Er beantrage, den Aus­schuß zu vertagen und über den Widerspruch des Zentrums im Aeltestenrat zu verhandeln, um eine Entscheidung darüber herbeizuführen, ob Der Vorsitzende eines Ausschusses durch die Mehrheit dieses Ausschusses a b g e f e tz t wer­den könne.

Abg. Dr. M a r u m (Soz.) wies darauf hin, daß es üblich sei, dem Vertagungswunsch einer großen Partei stattzugeben.

Abg. K a rpenstei n (Rat.-Soz.) bestritt, daß eine Beleidigung der Zentrumsmitglieter vorliege.

2lbg.Rupp (Rat.-Soz.) erklärte, die gesamte nationalsozialistische Fraktion halte die beanstan­dete Aeußerung des Abg. Dr. Frank für r i ch t l g, da das Zentrum tatsächlich den Glauben miß­brauche.

Abg. Dr. Hanemann (Dn.) betonte, dah die umstrittene Frage nicht die sachliche Arbeit des Ausschusses beeinträchtigen dürfe, und verlangte, daß ter AuSschuh zunächst die Tagesordnung

erledige und dann die weitere Regelung dem Ältestenrat überlasse.

3n der Abstimmung wurde ein* national­sozialistischer Antrag, über den Zentrumsantrag zur Tagesordnung überzugehen, mit 12 gegen 12 Stimmen, also bei Stimmengleichheit, abgelehnt. Der Antrag des Zentrums, den Ausschuß zu vertagen und die Frage des Vorsitzes dem Aeltestenrat zu überweisen, wurde mit 13 gegen 11 Stimmen angenommen. Für den Zentrumsantrag stimmten außer den Antragstellern die Sozialdemokraten, die Staats- Partei und der Christlich-Soziale Volksdienst, gegen den Antrag die Rationalsozialisten, die Drnitschnationalen, die Kommunisten und das Landvolk, während sich die Deutsche Volkspartei und die Wirtschaftspartei ter Stimme enthielten.

Kleine politische Nachrichten.

In dem Tarifftreit bei der Reichsbahn wegen der Arbeitszeit ist von dem Vorsitzenden der Schlichter­kammer, Vortragenden Rat Dr. Völckers, ein Schiedsspruch verkündet worden, der die Herab­setzung der Arbeitszeit auf 48 Stunden wöchentlich für verschiedene große Gruppen von Reichsbahn­arbeitern vorsieht. Insbesondere kommen die Bahn- Unterhaltungsarbeiter und die Arbeiter der Aus­besserungswerkstätten in Betracht. Von dieser Regelung werden etwa 180 000 Arbeiter erfaßt. Wegen weiterer Gruppen von Arbeitern hält die Schlichterkammer weitere Nachrüfu-igen für erfor­derlich.

Dem Beschluß des Allgemeinen Verbandes ter Deutschen Bankangestellten, eine Urab­stimmung über den gefällten Schiedsspruch vorzu­nehmen, sind sämtlich am Tarifvertrag beteiligten Angestelltenorganisationen beigetreten. Zunächst stimmen am Mittwoch die Angestellten ter Ber­liner Großbanken ab.

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Die beiden nationalsozialistischen Blätter, das Frankfurter V 0 l k s b I n 11" und die in Wiesbaden erscheinendeRheinwach t", die erst kürzlich nach einem vierwöchigen Verbot wieder erschienen sind, sind durch den Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau wegen Verstoßes gegen §5 Absatz 1 des Republikschutzgesetzes mit Wirkung vom 15. d. M. ab erneut auf die Dauer von vier Wochen verboten worden.

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Vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte gelangte die Privatklage zur Verhandlung, die ter Reichs­tagsabgeordnete Hugenberg gegen den Re­dakteur desVorwärts", Dr. Kurt Geyer, an­gestrengt hat. Anlaß zu dieser Klage bot ein Artikel mit der LieberschriftHugenbergs Schande". Der Artikel beschäftigte sich mit den Vorgängen bei ter Ostbank. Hugenberg wurde ter Vorwurf gemacht, daß er Spargelder von kleinen Leuten in Ostpreußen gesammelt und diese für die politischen Zwecke des Hugenberg-Presse- konzerns verwendet habe. Der Angeklagte wurde wegen Beleidigung zu 5 0 0 Mark Geld­strafe und zur Tragung der Kosten des Ver­fahrens verurteilt. Das Urteil ist einmal im Vorwärts" auf Kosten des Angeklagten zu ver­öffentlichen.

Aus aller Welt.

Der Siemens-Ring für Professor Junkers.

Am Geburtstage des Elektroindustriellen Werner v. Siemens erfolgte in Berlin in fest­licher Sitzung die Liebergabe des Siemensringes, der alle drei Jahre einmal verliehen wird, an Prof. Dr. Hugo 3 u n k e r s. Der Siemens­ring dient zur Auszeichirung von Personen, die sich hervorragende und allgemein anerkannte Ver­dienste um die Technik in Verbindung mit ter Wissenschaft erworben haben, wobei für die Aus­zeichnung nicht das Amt, die Stellung oder der Rang, sondern nut die persönliche

ßeiftung maßgebend ist. Bisher wurde der Ring an Geheimrat v. Linde, Freiherr Auer von Welsbach, Karl Bosch und Oskar v. M i l l e r verliehen. Der für Pros. 3un ker- bestimmte kunstvoll ausgeführte Ring wird in einer Kassette überreicht, die aus einem Derg- kristall besteht.

Theaterstandal in Nürnberg.

Im Nürnberger Apollotheater kam es gegen Schluß der Aufführung der RevueLiebe mich" zu einem bisher in Nürnberg noch nicht erlebten Theatertumult. Wie auf ein Kommando begannen etwa 300 bis 400 im Zuschauerraum verteilte Theaterbesucher einen ohrenbetäubenden Lärm. Stinkbomben, faule Eier, Aschenbecher und andere Wurfgegenstände wurden auf die Bühne ge­schleudert und zum Entsetzen der Darsteller-und Zu- schauer eine Menge weißer Mäuse los- getanen. Sei ber Aufregung erlitt eine der Dar­stellerinnen einen Nervenfchok. Die Polizei, die be­reits verstärkt im Theater anwesend war, räumte den Saal, wobei sie wiederholt vom Gummi­knüppel Gebrauch machen mußte. Sieben Personen wurden festgenommen. Die Revue zeigt unter an­derem Darstellerinnen der verschiede­nen Länder in Prunktrachten. Um von vornher­ein Zwischenfälle auszuschließen, hatte die Theater­direktion die französische Vertreterin nicht aufmarschieren lassen. Die deutsche Darstelle­rin sollte die wirtschaftliche Not Deutschlands zeigend in einem schlichten Gewand auftreten, das dann später mit einem aus den Gewändern der übrigen Darstellerinnen zusammengesetzten Prunk­gewand vertauscht werden sollte. Doch schon beim ersten Auftreten der deutschen Darstellerin tarn es zu derartigen Kundgebungen, daß die Vorstellung abgebrochen werden mußte.

Blutige Zusammenstöße in Rheydt.

Am Samstagabend kam es in einer national- sozialistischen Versammlung in Rheydt zu schwe- ren Zusammen st ößen zwischen^ Ra- tionalsozialisten und Kommunisten, die di« Versammlung störten. Die Gegner schlu­gen mit Stühlen und Biergläsern aufeinander ein. Ein Ration al^ozialist wurde durch Messer­stiche schwer verletzt. Die Polizei, die die Ver­sammlung auflöste und den Saal .räumte, ver­haftet« teei Kommunisten. Rach der Versamm­lung zogen di« Rationalsozialisten und die Kom­munisten in geschlossenen Zügen nach Mün­chen-Gladbach. Gegen 23 Llhr kamen vier Führer ter Gladbacher Rationalsozialisten nach Rheydt. Si« kehrten in das Versammlungslokal «in, wo es wieder zu Streitigleiten kam. Diese wurden auf der Straße fortgesetzt. 3n der Dah­lener Straße gab bann, wie der Polizeibericht berichtet, einer der Gladbacher Rationalsvzia- listen vier Schüsse ab. Ein 26jähriger Kom­munist wurde durch einen Herzschuß getötet. Bald darauf wurden die vier Rationalsvzialisten. darunter der Bruder des Reichstagsabgeordneten Dr. Goebbels, verhaftet. Der Rationalsozia- list, der die Revolverschüsse abgefeuert hat, gibt an, In Rv twehr gehandelt zu haben.

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Wettervoraussage.

Runmehr ist es an ter Südseite ter Zsland­störung zur Bildung eines flachen Teilwirtels gekommen, der heuä morgen über Rordfrank» reich und Belgien lag. Bei seinem Vorüberzug wird unser Wetter durch ihn beeinflußt, zu­mal an seiner Rückseite meist nordwestliche bis nördliche Winde wehen. Somit dürften kältere, maritime Lustmassen nach dem Festlande be­fördert werden, durch die die Temperaturen einen Rückgang erfahren. Das Wetter nimmt einen veränderlichen Charakter an und vereinzelt treten Schauer auf, die teils als Schnee nieter- gehen. An der Rordwestküst« Ir.ands sind ater bereits Anzeichen für das Herannahen einer neuen Warmluftwelle vorhanden, so daß später wieder Milderung in Aussicht steht.

AussichtensürDienstag: Wechselnde Be­wölkung mit vorübergehendem Aufklaren, kälter, ver­einzelte Regen- oder Schneeschauer.

Aussichten für Mittwoch: Wieder lieber- gang zu Witterungsumschlag und etwas milderem Wetter wahrscheinlich.

Lufttemperaturen. Am 14. Dezember: mittags 4,1 Grad Celsius, abends 1,7 Grad; am 15. Dezember: morgens 2,7 Grad. Maxi­mum 4,5 Grad, Minimum 1,1 Grad. Erd - temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 14. Dezember: abends 1 Grad: am 15. Dezember: morgens 0,8 Grad Celsium.Niederschläge: 0,7 Millimeter.

Amtliche Dintersportnachrlchken.

V0 gelsb erg, Hohe r0 d sk 0Pf:IGrak» Celsius, Retel, 11 Zentimeter Pappschnee: Sport­möglichkeit noch vorhanden. Herchenhalner Höhe: 0 Grad, Rotel, 10 Zentimeter Papp­schnee: Sportmöglichrelt für Dkl und Rodeln gut.