Prüfung deS bei der Ausstellung vorgeführten -Tiermaterials zum Zwecke der Prämiierung. Gewähr zu leisten hat der Geflügel- und Vogel- zuchtverein Gießen *nd Umgebung als Veranstalter des LInternehmens. 10 der namhaftesten Preisrichter, sowie drei besondere Preisrichter-Obmänner für das Richteramt ge- Wonnen. Anfragen wegen der Landesausstellung sind an deren Leiter Franz Funk Gießen, Bergwerk zu richten.
Ooppeljubiläum einer Vogelsberg-Gemeinde.
4- O b e r - S ch m i t t e n, 14. Noo. Unser Dorf kann in diesem Jahre ein Doppeljubiläum begehen: die Zweihundertjahrfeier der Volksschule und die Dreihundertjahrseier der hei- mischen Papierindustrie. Am 4. November 1730 wurde Johann Henrich Götz aus Eichelsdorf
für % Gulden Schulgeld für jedes Kind und täglich eine Mahlzeit im „Wandeltisch" Winter sch ul- meisIer zu Ober-Schmitten, dessen Kinder bis dahin die Schule des Kirchdorfes Eichelsdorf besuchten wo sie noch bis 1820 sommers eingeschult waren.' Um 1630 erstand aus dem der Wirtschaftskrise des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts zum Opfer gefallenen Eisenhammer die erste Ober-Schmittener Papiermühle, die heutige Staffelsche Papierfabrik. Die Papiermühle ging zwar in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, der sich erst im Herbste 1634 in unserer Gegend empfindlicher fühlbar machte, unter, wurde aber kurz nach dem Kriege wieder in Betrieb gesetzt. Die obere (heute Moufangsche) Fabrik wurde erst um 1700 gegründet. Den beiden Papierfabriken hat Ober-Schmitten seine im Vogelsberg beispiellose Entwicklung zu verdanken: sie allein ermöglichen es, daß auf einer Feldmark mit nur 840 Morgen Ackerland und Wiesen über 500 Menschen fiedeln können.
SJlXfport
Amtlicher Terminkalender
für Sonntag, den 16. November.
Die Verbanbsspiele im Bezirk Hefs-m-Hannover (Süd) bringen am Schluß der Vorrunde noch folgende Begegnungen: FC. Ockershaufen — Germania Fulda: Spielverein Kassel — VfB. Gießen: Hermannia Kassel — Sport Kassel.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
Die Ligamannschaft ist morgen verbandsspielfrei. Die Rückrunde beginnt erst am 30. Rovember. 1900 hat nun für den 16. Rovember den VfB. Weidenau a. d. Sieg zu einem Gesellschastsrückspiel nach Gießen verpflichlet. Das Vorspiel in Weidenau endete nach einem interessanten Verlauf mit einem knappen 2:3-Sieg des damaligen Gastgebers. Der VfB. Weidenau gehört seit Jahren zur westdeutschen Oberliga und ist in Gießen kein Reuliiw. Die Mannschaft versteht es durch wuchtigen Kampfstil, große Schnelligkeit und scharfen Torschuß, den Gegner zur Hergabe seines ganzen Könnens zu veranlassen. Zu den Hauptkräften dieser Elf zählt man die drei Gebrüder Katz, von denen sich der älteste bis vor kurzem als Studierender an der Universität Gießen, mit Ersolg in der Ligamannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen betätigte. Die Dlauweihen werden den Gästen aus dem Si^erland höchstwahrscheinlich in der stärksten Aufstellung gegenübertreten.
Die Ligareserve trägt ein Gesellschaft. Slpiel in Hermannstein bei Wetzlar aus. Sie muß sich weit mehr anstrengen, wie am vergangenen Sonntag, wenn sie erfolgreich sein will. Hermannsteins erste Mannschaft führt ungeschlagen in der zweiten Gauklasse der Gruppe Wetzlar mit einem Torverhältnis von 41:4, erzielt in fünf Spielen. Für die Gießener müßte das. eine eindruckvolle Mah- nung fein.
Die drifte Mannschaft der Spielvereinigung fährt voraussichtlich zu einem Geftllschaftsipiel nach Großen-Duseck, um mit der dortigen zweiten Mannschaft die Kräfte zu messen. Ein Sieg der Gießener liegt im Bereich der Möglichkeit. Allerdings, der Platz hat seine Tücken.
Die vierte Mannschaft 1900s bringt vormittags auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe ein Der- bandsw'ederholungsspiel gegen Daubringens zweite Elf zum Austrag. Die erste Begegnung sah D^lubringen als tnappcn 2:1-Eieger. Es besteht die Möglichkeit, daß die Gaste abermals als Sieger vom Platz gehen.
Die erste Jugend ist immer noch spielfrei. Die zweite Jugend hat vormittags auf dem 1900- Spvrtplatz die gleiche Mannschaft des VfB. zum
Gegner. Anschließend spielt die dritte Jugend gegen die erste Jugend von Watzenborn-Steinberg. Die erste Schülermannschaft unternimmt eine Reise zum Wetzlarer Sportverein, um mit den dortigen Schülern die Kräfte zu messen.
VfB. Gießen.
Die Ligamannschaft trägt am Sonntag das achte Verbandsspiel aus und beendet damit die Vorrunde. Sie muß wiederum nach Kassel, wo sie Gegner der Liga des Spielvereins ist. Vor Beginn der Serie räumte man der Platzelf auf Grund ihrer überaus günstigen Gesellschaftsspielergebnisse die meisten Chancen für die Gruppenmeisterschaft ein. Sie schnitt dann jedoch in den Punktspielen überraschend schlecht ab. Die DfB.- Elf hat in den letzten Spielen ebenfalls stark enttäuscht. Was in erster Linie nottut, ist, daß die Elf den nötigen Kampfgeist und Siegeswillen aufbringt.
Handball der Sp.-Vg. 1900.
Am Sonntag tragen 1900s erste und zweite Handballmannschaft Freundschaftsspiele aus. Die erste Elf empfängt vor dem Ligatreffen die erste Mannschaft des Tv. Wieseck, die zweite Garnitur weilt auswärts. Gastgeber ist der ebenfalls der ADT. angehörige Tv. Burkhardsfelden, der den Gießenern mit seiner ersten Mannschaft gegenübertritt. Was den Ausgang der beiden Treffen angeht, so wird man auch hier die Erfahrung machen können, daß sich die Spielkultur der ADT.-Bereine in letzter Zeit beachtlich gehoben hat und daß sie ernstzunehmende Gegner ab- geben. Falls die Spielvereinigungsleute sich in ihrer seitherigen Form präsentieren, sollte jedoch in Gießen ein knapper Sieg und in Burkhardsfelden ein Unentschieden zu erringen sein.
Handball im Gau Hessen (O.T.)
Mto. Gießen — Tv. weßlarRiedergirmes.
Am Sonntag kommt auf dem Mtv.»Sportplätze das wichtigste und wohl aud) für die Meisterschaft in der zweiten Gaugruppe entscheidende Der- bandsspiel zum Austrag. Die ersten Mannschaften der beiden Tabellenersten, des Turnvereins Weh- lar°Riedergirmes und des Gießener Männerturnvereins, stehen sich gegenüber. Der Ausgang dieses Entscheidungsspieles steht — das Vorspiel endete unentschieden 7:7 — völlig offen.
Die zweite Mannschaft des Männerturnvereins empfängt ebenfalls auf eigenem Platze die gleiche Mannschaft des Turn- und Sportvereins Butzbach.
To. 1846 Gießen I — Grohen-Vufeck I.
Im Verbandsspiel steht die 1. Mannschaft der 1. Elf des Tv. Großen-Buseck am Sonntag
Oer Dreizehnte.
Vornan von Anny von panhuys.
Copyright 1929 by Verlag Rechthold. Braunschweig
3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
.Ich habe mich doch noch gar nicht besinnen können", stotterte Primo, und er fühlte den Schlag seines Herzens ganz eigenartig, wie den Schmerz, den der bloßgelegte Rerv eines Zahnes verursacht.
„Sie haben sich wohl nicht besinnen können? Dann tun Sie es aber jetzt, denn ich muß Sie allerlei Wichtiges fragen", war die Antwort, „ilnb da Sie den roten Lappen so lange anbehalten haben, können Sie ihn meinetwegen auch weiter anbehalten, es ist das wahrscheinlich sogar notwendig."
Er ging voraus in das Bureau, winkte einem kleinen, dürftigen Kerlchen mit kalten, schwarzen Froschaugen. Der hüpfte förmlich herbei, und nun im Bureau warf der Kommissar Primo Duero ein Reh von Fragen über, in dem er bald herum- zappelte wie ein armer, gefangener Fisch. Mehr und mehr fühlte er, wie sich die Maschen des Rehes um ihn herum zusammenzogen.
Er wehrte sich wie verzweifelt.
„Das ist doch alles Tollheit I" brauste er auf. „Wenn Ihnen der Schuhmann meldete, die Portern will mich gegen fünf Uhr in die Wohnung haben gehen sehen, muß die Frau betrunken gewesen sein. Mir hat sie ja dasselbe gesagt. Ich kann doch aber nachweisen, ich bin mit den Leuten unseres Geschäftes auf dem Korso gewesen. Um acht Uhr fino wir mit dem Wagen zurückae- kommen, und da sagte mir die Portern, mein Vater mache nicht auf, und ich wäre hier gewesen. Ach, was weiß ich, was noch für Unsinn."
Der Kommissar wiegte den Kopf bedächtig hin und her.
„Sie sollen mit Ihrem Vater nicht allzu gut gestanden haben. Die Portern meint, er hätte Sin stets unterdrückt." —
Cs klang lauernd.
Primo Duero dachte: Wieviel mochte die Por- tera schon in dem Augenblick zusammengeschwatzt haben, den sie vielleicht vor der Tür mfit dem Kommissar geredet.
Ein paar Sekunden später stand die Portern selbst im Bureau, schrie in einer Art von heiligem Eifer den Kommissar an: „Sennor, ich habe Don Primo gesehen. Kurz vor Fünf ist er in die Wohnung gegangen. Ich kenne doch feine Gestalt!"
Sie wollte weitereifern, doch der Kommissar sagte verweisend: „Warten Sie meine Fragen ab, antworten Sie nur darauf."
Es war, als schnitte er den Redesaden der erregten Frau wie mit einem scharfen Messer ab.
Primos Gesicht brannte.
„Herr Kommissar, es ist unmenschlich, was ich jetzt erdulden muß durch diese leichtfertige Schwätzerin, die nicht weiß, was sie redet. Wie ich mit meinem Vater stand, ist meine Privatangelegenheit. Vater hat es mir aber nie an etwas fehlen lassen, und wenn er kein weicher Charakter war, so hatte ich ihn doch lieb." Er zitterte arm ganzen Leib. „Seit ich ihn so wiederfand, bin ich mir dessen erst so recht bewußt geworden. Herr Kommissar, diese Frau bringt mich in den schrecklichsten Verdacht den ich mir nur vorzustellen vermag, ich bitte Sie dringend, mein Alibi zu erproben. Die anderen Angestellten unseres Geschäftes können und werden mir bezeugen, daß niemand von unS während der Korsofahrt das Auto verlassen hat. Außer, daß wir fünfzehn Minuten vor einer Bar Rast machten. Und in den fünfzehn Minuten tarnt ich doch unmöglich den Weg vom Paseo de Gracia bis hierher und wieder zurück gemacht haben. Außerdem haben mich alle dort gesehen, während der Zeit, wie ich mich mit, unserer Verkäuferin Sennorita Eva Hirtberg unterhielt."
Der Kommissar sann nach, sagte ein wenig freundlicher: „Es wird alles nachgeprüft werden. Sehen Sie sich, wenn Sie wollen. Er entließ die Portera vorläufig und rief einem Schutzmann nebenan zu: „Die Sennorita soll kommen."
Gleich daraus trat Montserrat ein. Sie war totenbleich und doppelt start wirkte die Blässe im Gegensatz zu dem schwarzen Samtmantel, den sie trug. Sie war schlank und groß, und ihre Augen hatten einen verstörten, wirren Ausdruck. Sie war noch genau so gekleidet, wie sie vom Ausgang gekommen, und sie zog jetzt den kleinen schwarzen Filzhut vom Kopf, dessen glänzendes Haar knabenhast glatt über der schönen, geraden Stirn zurückgebürstet war.
Das Gesicht war schmal und die Augen tiefdunkel. Sie zitterte stark und stöhnte: „Quälen Sie n.ich nicht zu sehr, ich weih ja doch nichts, gar nichts. Ich kam ja erst, als die Schutzleute schon hier waren."
Der Kommissar schob ihr einen Stuhl hin. „Ruhig, Sennorita, nehmen Sie sich zusammen. Vielleicht können Sie doch etwas dazu beitragen, den Mörder zu entdecken. Vor allem, in welchem Verhältnis stehen Sie zu dem Toten? Sie sind die Tochter, nicht wahr?"
„Rein, seine Richte", quälte Montserrat hervor. „Ich bin Waise und er hat sich meiner an» genommen. Ich führe den Haushalt und ich —
auf dem Universitätssportplatz gegenüber. Beide Mannschaften dürften wirklich bemüht sein, die Punkte an sich zu reihen, denn Buseck will seine Spitzenstellung festigen, die Einheimischen aber wollen die Schlappen der letzten Sonntage wett- mochen.
Die 2. Mannschaft hat Grohen-Busecks 2. Mannschaft im Freundschaftsspiel zu Gast. Wenn die 1846er in der vorgesehenen Aufstellung antreten, werden sie kaum zu schlagen fein.
Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Zum letzten Serienspiel muh Gießen II am kommenden Sonntag nach Treis, um gegen die dortige erste Mannschaft anzutreten. Gießen wird sich sehr um Sieg und Punkte bemühen müssen.
Wieseck erfüllt mit drei Mannschaften eine Rückspielverpflichtung in Vilbel. Die Vorspiele, die auf beachtlicher Höhe standen, konnte Wieseck auf eigenem Platze olle für sich entscheiden. In den kommenden Spielen dürfte die erste Mannschaft aber wenig Siegesaussichten haben, da sE-lM viel Ersatz antreten muß. Die Ib und 1. JuMwmannschaft dagegen dürften nicht ohne SiegesMtzsichten die Fahrt unternehmen.
Handball.
Wiesecks Handballelf erfüllt eine Rückspielverpflichtung in Friedberg. Gegner ist die erste Elf der Sportabteilung Schwarzrotgold. Im Vorspiel siegte Wieseck mit 9:2 Toren. Im kommenden Spiel, das die Mannschaft mit Ersatz bestreiten muß, dürfte ihnen trotzdem der Sieg nicht zu nehmen sein.
Spiele der „Deutschen Zugendkrast".
Bezirk TBetterau.
In der ^-Klasse fand nur eine Begegnung statt, und zwar empfing Ober-Wöllstadt die Abteilung Ilbenstadt. Trotzdem Ilbenstadt nur mit 10 Mann antreten konnte und ein weiterer Spieler wegen Verletzung ausscheiden muhte, konnte die Mannschaft doch ein Unentschieden, 2:2, erringen.
In der 8-Klasse fändert drei Begegnungen statt. Ober-Wöllstadt empfing Gießen. Ober- Wöllstadt mit nur 10 Mann im Spielfeld mußte sich Gießen mit 5:2 beugen. Rieder-Mörlen war in Ober-Mörlen zu Gast. Ober-Mörlen war überlegen und konnte seinen Rachbam mit 8:2 geschlagen nach Hause schicken. Friedberg war zu seinem letzten Spiel in der Vorrunde nach Rockenberg gefahren und wußte auch hier mit 8:0 zu siegen.
Berliner Eishockeysieg in England.
Die zu Trainingszwecken in England weilende verstärkte Eishockeymannschaft des Berliner Schlittschuhklubs trug am Donnerstag in Brighton bei London ihr erstes Wettspiel gegen eine englische Kombination aus. Trotz der geringen Vorbereitungszeit konnten die Berliner ihr Debüt erfolgreich gestalten. Rach ausgeglichenem Kampf blieb der BSC. knapp mit 3:2 siegreich. Das erste Spieldrift:! endete torlos, dann kam Berlin durch Kummetz im zweiten Spielabschnitt zum ersten Treffer, während das letzte Drittel jede Partei zweimal erfolgreich sah. — In der englischen Sieben wirkte auch der in Berlin bestens bekannte Kanadier Sex ton mit. " —•
Deutsche Fliegerin zum Langstreckenflug gestartet.
Die bekannte deutsche Fliegerin Marga von Etzdorf startete am Freitagvormittag in Tempelhof mtt einer „Junkers Junior" zu einem Alleinflug, der sie über Würzburg, Basel, Lyon,, Aimes, Barcelona, Malaga, Agadir, Teneriffa. Oran, Tunis, Ttipolis nach Sizilien führen wird. Von dort aus will die unternehmungslustige deutsche Fliegerin vermutlich über Wien nach Berlin zurückkehren. Frl. v. Etzdorf, die vor einiger Zeit bereits einen Flug nach Konstantinopel unternommen hatte, will die Strecke in etwa drei Wochen bewältigen.
Deutsches Turnfest
Die Vorbereitungen zum 15. Deutschen Turnfest in Stuttgart werden in Bälde mit Tatkraft in Angriff genommen werden. Der Hauptausschuh der DT. hat der endgültigen Uebertragung des Deutschen Turnfestes nach Stuttgart einmütig zugestimmt, und die Fachwarte der DT. waren selbst in Stuttgart, um an Ort und Stelle von dem Stande der Vorbereitungen Kenntnis zu nehmen. Das Fest selbst soll 1933 stattfinden. Voraussichtlich dürfte es zu einer Riesenkundgebung der DT. für die deutsche Turnsache werden und alle Vorgänger noch an Umfang weit übertreffen. Waren beim letzten Deutschen Turnfest in Köln 1928 über 200 000 Turner und Turnerinnen zur Stelle, so rechnet man beim Stuttgarter Turnfest noch mit wesentlich mehr Teilnehmern.
Stuttgart selbst ist wie geschaffen für das Fest, versteht man es doch, in Stuttgart Gäste aufs beste zu empfangen. Auch die Unterbringung^» frage scheint sehr gut geregelt zu sein, denn das Deutsche Turnfest ist nicht etwa eine sie nicht berührende Verkehrsangelegenheit für die Stuttgarter und den Schwaben, sondern eine schwäbische, an der das ganze Volk ohne Unterschied religiöser oder parteipolitischer Einstellung beteiligt ist.
Auch die technischen Vorbereitungen für das Fest selbst sind im besten Werden. Auf dem Cannstatter Wasen wird eine riesenhafte Anlage geschaffen, die allen Erfordernissen eines Datschen Turnfestes entspricht. Man hat einen Platz von 65 Hektar Größe zur Verfügung gestellt. Dieser wird entsprechend den Bedürfnissen des Festes ausgebaut werden: insgesamt können 180 000 Zuschauer untergebracht werden, und die
1933 in Stuttgart
gleichzeitige ^Betätigung von 75 000 aktiven Turnern und Turnerinnen soll ermöglicht werden.
Bei diesen Anlagen können alle Uebungsarten, die die Deutsche Turnerschaft »pflegt, zu ihrem Rechte kommen. Rur die Schwimmwettkämpfe müssen im 1200 Meter entfernten Untertürkheimer Stadion ausgettagen werden. Eine Anfahrtstrahe ist bereits im Bau, die den gewaltigen Verkehr regeln wird. Auch ist die Anlage ausreichender Straßenbahnlinien in Aussicht genommen. Auch die Reichsbahn errichtete auf der Cannstatt-Seite einen Festbahnhof „Stadion". Ebenso ist für einen Kraftwagenpark für 3000 Wagen Sorge getragen.
Jür die gewaltigen Massenvorführungen der allgemeinen Freiübungen steht eine Festwiese im Ausmaß von 330X410 m zur Verfügung.
Diese kann von einem 200x400 Meter großen Aufstellungsplatz aus durch sechs Tunnels betreten werden.
Damit sind die Vorbedingungen für das gute Gelingen des Turnfestes in jeder Beziehung ge» schäften. Wie wir hören, sollen schon in »den nächsten Wochen die Platzanlagen in Angriff genommen werden. Die Stuttgarter Turner selbst werden in Kürze die Festausschüsse bilden, die die Vorarbeiten zu erledigen haben. Wie groß die Begeisterung in ihren Reihen ist, geht wohl am besten aus der Tatsache hervor, daß sie bereits über 600 000 Mk. als Grundstock für einen etwaigen Unterschuß aufgebracht haben. So kann man dem 15. Deutschen Turnfest im Jahre 1933 mit größten Erwartungen entgegen« sehen, wenn die wirtschaftliche Lage sich einigermaßen günftig gestalten wird.
Sie preßte die Hand aufs Herz und schluchzte fassungslos auf. „Es ist ja nicht möglich. Lieber, guter Gott, es ist nicht möglich. Wer konnte ihn denn töten? Er hat doch niemand etwas getan."
Ströme von Tränen ergossen sich über ihre Wangen. Montserrat Duero war zunächst nicht mehr vernehmungsfähig, aber sie blieb im Bureau.
Der Kommissar ging an den Geldschrank, dessen Tür nur angelehnt war und rief Primo Duero herbei. „Wissen Sie, was sich in dem Kassenschrank befand, so daß sich feststellen läßt, ob was fehlt?"
Primo fuhr sich mit der Hand über die schmerzende Stirn. „Ich glaube es genau zu wissen."
Das Telephon klingelte. Der Kommissar nqhm den Hörer ab.
„Hallo, hier Bureau Juwelier Duero!" Er lauschte.
Eine markante Stimme antwortete: „Hier Hotel Ritz, Marques de Palma. Ja, sagen Sie nur, Sennor Duevo, was soll denn das heißen? Sie wußten genau, daß ich heute kommen würde, um die blauen Brillanten abzuholen. Run war ich aber schon zweimal umsonst bei Ihnen! Ihr Geschäft war geschlossen und niemand in Ihrer Wohnung, um mir zu sagen, wann Sie zurück- kommen. Meine Frau möchte den Schmuck heule im Liceo tragen. Ich hinterließ bei Ihrer Portern, Sie mähten mich im Hotel anrufen. Ich bitte, mir sofort den Schmuck zu senden, da er, wie Sie wissen, schon vor acht Tagen durch Dank- übcrweisung bezahlt wurde."
Der Kommissar sann flüchtig nach, dann hörte Primo das rauhe Organ sagen: „Hier am Apparat ist nicht der Juwelier Duero, sondern Kriminalkommissar Duxeda. Jose Duero ist heute nachmittag erschossen worden, und ich muß Sie bitten, Sennor Marques, sich mit dem Schmuck zu gedulden, bis erst einmal die Untersuchung abgeschlossen ist. Ich werde Sie sogar mit ein paar Fragen belästigen müssen, weil Sie heute nachmittag, respektive gegen Abend, hier im Hause gewesen sind, und die kleinste, anscheinende Nebensächlichkeit oft schon zur Entdeckung eines Mörders geführt hat."
Der Kommissar wollte noch etwas hinzufügen, als ihn ein entsetzter Ausruf aus dem Munde Primo Dueros förmlich vom Telephon weg- rih. „Ja, was haben Sie denn?" fragte er kopfschüttelnd den jetzt am weit offenen Kassenschrank Stehenden, der auf eine Stelle darin stierte.
Primo riß mit nervösen Fingern an den roten Pluderhosen herum.
„Das ©tut, in dem die blauen Brillanten gewesen, ist fort. Dort stand es, ich weih es genau. Heine Rechte hob sich und deutete in ein Fach.
„Ich selbst mußte sie heute mittag dort aufheben, Vater stand dabei neben mir.“
„Vielleicht hat Ihr Vater den Schmuck inzwischen wo anders aufgehoben!" sagte der Kommissar.
In dem Moment klopfte es. Ein Schutzmann erschien. „Die Schachtel lag draußen halb unter dem Toten."
Er hielt dem Kommissar ein dunkelgrüne-, schmales Samtetui entgegen. Aber Primo Duero riß es ihm aus der Hand und öffnete es mit heftig zitternden Händen.
» „Leer!" murmelte er, und das elegante ©tut entfiel ihm. Wie ein Hauch setzte er hinzu: „In dem Kästchen befanden sich die blauen Brillanten des Marquies de Palma. Er kaufte sie von meinem Vater für fast eine Diertelmillion Peseten und lieh sie als Anhänger für die Mar- quesa fassen. Vater kaufte sie von einem indischen Fürsten. Es waren seltene Steine. Fast taubeneigrohe Brillanten mit bläulichem Schimmer."
Er wankte zu einem Stuhl und stützte den schmerzenden, von Gedanken wirbelnden Kopf in die Hände. x
Wer ermordete seinen Vater, wer stahl die blauen Brillanten?
Montserrat wimmerte leise vor sich hin.
Er erhob sich schwerfällig.
„Arme Montserrat", er legte ihr die Hand auf die Schulter.
Doch im seiden Augenblick schon schleuderte sie die Hand fort mit allen Zeichen des Entsetzens. „Rühr mich nicht an, du, ehe du dich klar und rein gewaschen hast von dem schrecklichen Verdacht."
Dcr Kommissar blickte von einem zum anderen, sagte dann langsam: „Sie werden sich für die Rächt nach einem Heim um sehen müssen, Sennorita, denn die Wohnung und das Geschäft werden zunächst, solange die Untersuchung dauert, von der Polizei beschlagnahmt werden. Sie, Sennor Duero, muh ich leider verhaften."
Primo war keiner Antwort fähig, nur seine Schultern zogen sich zusammen, als hätte man ihnen eine unerträglich schwere Bürde aufgepackt. Er stand mit zusammengebisienen Zähnen und wie ein Schluchzen drängte es sich In ihm hoch.
Das war das Ende vom Rosenmontag, das war das Ende dieses halben Faschingstages. Dein Aschermittwoch begann schon heute.
Er warf Montserrat einen langen Mick zu. Kein Vorwurf war darin, keine Anklage, nur grenzenlose Trauer, weil sie ihn einer so furchtbaren Tat für fähig hielt.
Er sank in sich zusammen, wahrlich, sein Aschermittwoch begann.
(Fortsetzung folgt.)


