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Dan! Ihrer rednerischen Lieberlegenhelt, kurz Ihrer Unölbibualltät, aber nicht grundsätzlich, nicht aus Gehorsam gegenüber Dem .Kaiser. Die Parlamentarier sind unter Eurer Durchlaucht Au frech geworden, und Die sind seit lange Deiner Majestät etwas zu groß geworden, hochverehrte Durchlaucht."

Wir schüttelten uns die Hände, er gerührt, ich sehr höflich. Während der Zug in die Kieler Bahnhofshalle einfuhr. sagte mir Dalentini, er habe Die Frage meiner Nachfolge mit mir nicht berühren können, da der Kaiser sich Vorbehalte, darüber Atlerhöchstselbst mit mir zu sprechen. Lächelnd und mit leiser Stimme fügte er hinzu:MontS habe ich ihm ausgeredet, und zwar ohne besondere Mühe. Linser Alleranädig- fter Herr hat zuweilen komische Einfälle."

Dor unS lag die Kieler Föhrde, diese Königin der Östseebuchten. Wie immer, wenn der Kaiser für die Kieler Woche in Kiel wellte, lag der Hasen voll Kriegsschisse. Ein gewaltiges Panzerschisf drängte sich neben daS andere. 3d) sah nachdenklich auf diese mächtige Flotte.Es ist gerade zwölf Jahre her", äußerte ich,aus den Monat, auf den Tag, das) ich am 26.2unt 1897 in Kiel an Bord derHohenzollern" mit der Leitung der auswärtigen Geschäfte betraut wurhe." Dalentini war zu pfiffig, um nicht zu erraten, waS ich nicht auSsprechen wollte, aber innerlich empfand.Eure Durchlaucht", meinte er mit einer gewissen Feierlichkeit,können sich heute, am 26. Juni 1909, mit berechtigtem Stolz sagen, das) diese herrliche Flotte, die seit Ihrer damaligen Audienz bei unserem Allergnädigsten Herrn ohne Zusammenstoß mit England empor- wuchs. Eurer Durchlaucht hohes Verdienst ist, der Sie den Bau ermöglichten, gleichzeitig den Frieden erhielten, unser wirtschaftliches Wachs­tum förderten, unsere politische Machtstellung wahrten." Wir fd)ü>t teilen unS nochmals die Hand. Inzwischen hatte sich der Lhef des Marinekabinetts, Admiral v. Müller, genähert, der mich an Bord derHohenzollern" bringen sollte. Er war in besorgter Stimmung. Als langjähriger Adjutant des Prinzen Heinrich wisse er. daß man am englischen wie am russischen Hofe unserem Allergnädigsten Herrn im Grunde nickt traue, weil man ihn sür unberechenbar halte, ihn auch nicht möge, weil er durch fein präpotenteS Wesen und seinen Mangel an Takt nicht nur den fürstlichen Damen, sondern auch den Männern an beiden Höfen auf die Nerven gehe. Eure Durchlaucht werden unS sehr sehlen", wie­derholte er mehrmals.

Kriedeushaie.

Don unserem römischen L.-Korrespondenten.

Nom. Ende Oktober.

Pescicanl oder Haifische nennt der Italiener treffend die Kriegsgewinnler. Es gibt aber auch Friedenshaie, wie man jetzt liest.

Wir meinen damit d i e Tschechen. Jenen Staat", jenen ausgemachten historischen Ana­chronismus, der von dem gerissenen Taschen­spieler, welcher auf den Namen Denefch hört, den Weisen von DcrsailleS wie eine wertvolle Internationale Münzen angedreht wurde, die sich hinterher als gefälscht erwieS. Ohne histo­rische Grundlagen, ohne nationale Kennzeichen, ohne wirtschaftlichen Zusammenhalt, wurde die Tschechoslowakei zu ihrer geographisch so ver­rückten Form und Gestalt lediglich deshalb zu- sammengeknetet, um die Nolle eines deutschfeindlichen HauSknechteS zu spielen, Der jetzt neuen Herren Dienen muh, tote srliher Den Habsburgers.

Dieser Staat und dieses Volk glaubt seit eini­gen Wochen päpstlicher als der Papst, das heißt deutschfeindlicher als fein Brot­geber sein zu müssen. Er brüllt zwar:Herr hin Ich!" aber nur in der Hoffnung, sich das selber elnreDen zu können, und speit seine ganze hundertjährige Dalle und die Gemein­heit feiner Geschichte auf Nom und Die Italiener.

Wir werden gewiß keine Zeit damit verlieren, Dielen Lumpen Die Ausdrücke und Schimpfereien zurückzugeben, mit Denen sie unS beehren, indem fle unS blutdürstige Hyänen, Nachfolger NeroS,

Neue Romane.

Meinhardt, Bctzncr, Schmückte.

De r Sohn des IrrbühlS." Roman von Karl Nein Hardt. Den gefallenen Söh­nen meiner Heimat. 368 Seiten, geh. 4 Mk., Ganzleinen 5,50 Mk. Gießen 1930, Emil Roth (Nr. 451.) Ein heute noch Unbekannter, ein DoUSfchuIlehrer, der stolz Darauf ist, bisher nur Im DogelSberg gewirkt zu haben, wirft In Die Flut Der trotz aller Nöte fich mehrenden Neu­erscheinungen ein Heimatbuch, daS man mit stän­dig wachsender Spannung liest und befriedigt aus Der Hand legt, um sich lange danach noch mit dem Geschick der plastisch dargestellten Men­schen unserer Heimat zu beschäftigen.

Karl Reinhardt, 1895 In Hungen geboren, leitet feine dichterische Begabung als ein Erbteil vom Vater her, er liebt seine Heimat glühend und sÜhlt sich nur wohl, wenn Berge, Wald und Wasser um ihn sind. Sein Erstlingswerk, einen Lehrerroman, betrachtet er selbst fein schärfster Kritiker trotz des äußeren Erfolges nur gls einen Versuch. Seine Sehnsucht, sich einmal ganz ausschreiben zu können, wäre wohl früher in Erfüllung gegangen, wenn er feine Be­rufung nicht eher und mehr auf dem Gebiete der Malerei gesehen hätte.

Der Morgen stieg in das Tal hernieder, sah mit verschlafenen Augen in Den Spiegel Der Hor- loff und reckte sich über Den Bergen." Der Schau- piatz Der Handlung des ersten Teils steht vor unserem geistigen Auge: Feld und Wald an Der Horloff, die alte Säule im Grasser Wäld­chen, Die Reste des Limes im Feldheimer Wald die Hünengräber draußen in der Hubbach, der Stollen des stillgelegten Eisensteinbergtoerks. Es ist die Heimat einer gesunden, kraftvollen, über- schäumenden Ingend, die dort vor dem Kriege auswächst. Mit ihren Spielen, ihren Idealen ihrer rücksichtslosen Ehrlichkeit im Lieben und Hassen werden wir bekannt und vertraut Man sühlt Schritt auf Tritt, immer wieder gepackt oft erschüttert, die starke Verwurzelung dieser jungen Menschen in der geliebten Heimaterde. Gesunde, aufrechte, ehrliche Menschen find e« die dort In natürlich-menschlicher Haltung Die Welt ihrer Liebe und Freundschaft und Treue fich feibft zu zimmern bemüht find. In den beiden Lagern herrscht, ganz nach Indianerart, einiger Kriegszustand. Spannend und auf regen b sind die Kämpfe, in Denen Annemarie Oberhofs aus der

Parfümierte Darbaren usw. nennen, wir be- schränken unS daraus, diesen unglücklichen Ba­zillenträger, FriedenSbaien und Ausbeutern einer zufälligen historischen Lage ins Gedächtnis zu rufen, daß der Tag Der Abrechnung wie auf wirtschaftlichem, so auch auf politischem Gebiete kommenwird. Dann mag die Tschecho­slowakei. der es am grünen Tisch geglückt ist, unverhältnismäßige Profite zu erfingern und sich widerrechtlich Land und Leute anzueignen, gewiß sein, daß ihre Kassenbücher revi­diert werden, genau und unerbittlich eine Revision, die. das wissen wir heute schon, un­weigerlich mit der Konkurserklärung ab­schließen und die L ö s d) u n g Der Firma Tschechoslowakische Republik" wegen unfähiger Geschäftsführung nach sich ziehen totrD.

So steht daS Wort für Wort im Oktoberheft der römischen MonatsschriftA n t i c u r o p a Die sich gleichzeitig in einem anderen Artikel heftig gegen Die in Versailles vollzogene Bal­kanisierung Europas wendet. Ein rauher Ton, der etwas von den Genfer Kathederdiskus­sionen abweicht, dafür aber um so erfrischender die wahre n Beziehungen zwischen den Völ­kern enthüllt, die auf den Banketten die bekannten Bandeimmer enger und enger knüpfen", i D i e Zeiten ändexn sich eben und mit ihnen die Freundschaften. Wer denkt heute noch Daran, daß Der italienische Widerstand am Piave, Der nach römischer Auf­fassung Den Weltkrieg entschieD, nur durch Die tschechischen Lieberläufer ermög­licht wurde, Die alles verrieten, sogar Den ge­

nauen Zeitpunkt der Wiederaufnahme der öster­reichischen Offensive, so daß die Stürmenden so­fort in das metergerecht eingestellte und sekunden- richtig losprallcnde Abwehrfeuer gerieten? Wer spricht noch Daision, daß eine tschechische Division an derSvitzeder italienischenTrup- p en marschierte, Die zurSchlacht von Vittorio Veneto" vorgingen? Lind Die Italiener klagen, Daß ihre Todfeinde, Die Serben, ganz ver­gessen haben, wie ihr Heer von Der italienischen Flotte aufgefischt und gerettet wurde. Von den Liebenswürdigkeiten, Die sich Die lateinischen Sd)western täglich zuflüstern, ganz zu schweigen. Wo ist sie geblieben, Die Entente cordiale.

Gießener Kunsthandwerk im Dresdener Zwinger.

Unter Den im Dresdener Zwinger seit 1730 un- iergebrachten Kunstwerken befindet sich eine astronomische Uhr von etwa 1,20 Meter Saus vergoldetem Messing mit 8 Zlsfer-

:rn und einem Himmelsglobus. T'le Uhr zeigt außer Der mittleren Slernzelt Den Lauf Der Planeten Merkur, Venus, Mars, Iupiter und Saturn und deS Mondes, sowie einen immler- währenden Kalender. Die Uhr wurde unter Lei­tung des Landgrasen Wilhelm 1. von Hessen fün Den Kurfürst August 1. in Den Jahren 1563 bis 1567 von Dem Marburger Lichtkämmerer Hans Bucher erbaut und 1568 nach DresDen gebracht. Gekrönt ist das Werk von einem Him­melsglobus von etwa 25 Zentimeter Durchmesser.

S0 Lahre deutsche Volkstumsarbeii.

Eine würdige Feier in der Aula der Universität.

ES hätte nid)t Dem Sinne des Vereins für daS Deutschtum im Auslände entspro­chen, wenn auS Anlaß seines 50jährigen Be­stehens große Veranstaltungen in Szene gesetzt worden wären. Die schlichte Feier, die am Don­nerstagabend in Der Aula Der Universität von Der hiesigen Ortsgruppe des VDA. veranstaltet wurde, war der Ausdruck cincS ernsten Willens zu tatkräftiger Arbeit für eine gute Sache. Die Veranstaltung war gut besucht, Daß Publikum folgte mit großer Aufmerksamkeit Den Darbietun­gen.

Der Chor deS GesangvereinsHeiter­keit" fang zur Eröffnung zwei Lieder, zuerst Die Kapelle", Uhlands Gedicht in der Ver­tonung von Kreutzer. Der Chor schöpfte Den ©tim» mungSgehalt deS Liedchens völlig aus. Frisch und lebendig klang Dann DaS lebensbejahende Sch es- felliedWohlauf die Luft geht frisch und rein . Den Liedern "folgte DaS Streichquartett Nr. 14 von Haydn, gute deutsche Hausmusik, sehr sorg­fältig toieDetgegeben vom Streichquartett Schattier (die Herren W. Dchättler, Ploch, Jost und Schneider).

Schließlid) hielt Universitäts-Proscssvr Dr. Theodor Mayer die Festrede. Er griff weit zurück in die Geschichte, erinnerte an die ersten Abwanderungen nach dem Osten vor 1000 Jahren, schilderte Die wertvolle Kultur­arbeit Der Deutschen Auswanderer, Die in fast allen Ländern des OstcnS Die treibeirden Kräfte kultureller Entwicklung gewesen sind. Mit um­fassender Sachkenntnis sprach der Redner, der lange Zelt in Prag lebte, über Böhmen, über Die Tschechei und über das wechsclvolle Spiel Der nationalen Kräfte zwischen Der slawischen und deut­schen Bevölkerung jenes Landes im Lause Der Jahrhunderte. Der Redner sprach von der indirek­ten und kaum gewollten Arbeit der Deutschen im Sinne Der tschechischen nationalen Wiedergeburt während des 19. Jahrhunderts, von den Krisen zwischen dem habsburgischen Oesterreich und Böh­men und Der Trennung Deutschöfterreichs von Deutschland unter Metternichs Ginfluß. Durch Die auS Den Vorgängen von 1866 resultierende sortschreltende Entnationalisierung Der Deulsch- bsterreicher wurde in Oesterreich eine volksnatio­nale Bewegung wach, Die schließlich zur Grün­

dung des Deutschen Schulvereins führte. Im Jahre 1881 wurde schließlich in Berlin eine Ortsgruppe und Zentrale des Deutschen Schul- vereinS gegründet, die sd)ließlich zum Ausgangs­punkt der heutigen Bewegung filr das Deutsch­tum im Auslande wurde. Welter kam der Redner nod) auf Die gegenwärtige Lage zu sprechen, wies darauf hin, Daß durch eine durchgreifende Grenzneurcgelung (soweit sie überhaupt möglich wäre) von den 45 Millionen Ausländsdeutschen 25 Millionen wieder Dem Mutterlande zugeführt werden konnten: er erinnerte an die schmählich mit Füßen getretenen Rechte der Deutschen Min­derheiten in vielen Gebieten des OftenS und an Die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen seitens des Mutterlandes, und betonte, daß das Volks­tum über Die Idee des Staates zu stellen fei, dessen (des Staates) Aufgabe es wäre, das Volkstum in erster Linie zu schützen. Als die Hauptaufgabe des Vereins für das Deutschtum im Auslände sei zu bctradjten: Den Ausländs­deutschen deutsche Kultur und Fortschritt zu ver­mitteln und so das Bewußtsein ihrer Zugehörig­keit zum Mutterlande zu festigen. Mit der Mah­nung, über den Parteilram Die Lebensnotwendig- feiten unseres Volkstums nicht zu vergessen, schloß Der Redner seinen aufmerksam und mit viel Beifall auf genommenen Vortrag.

Den Höhepunkt des Abends in künstlerischer Hinsicht stellten Die Darbietungen des Orchester- Vereins Dar. Das Orchester brachte un/Ler Dr. Temesvarhs Stabführung Die Ouvertüre zuEuryanthe" von C. M. v. Weber zur Auf­führung. Unter Der klar und zielbewußt neui» schaffenden Hand des Dirigenten hielt Die le­bendige vielfarbige Ouvertüre die Zuhörer in Dann und vermittelte besonders in dem Schluß von hinreißendem Feuer ein schönes Erlebnis. Ganz anders, nicht weniger gut jedoch, war Der Strauß'schc WalzerG'schichten aus Dem Wiener Wald", weit hinausgehoben über die Eigenart Der Tanzweise durch Die hervorragende Inter­pretation. Das Orchester folgte auch hier Den Intuitionen des Dirigenten, und seine genialische Musikalität schuf auch bei Den Zuhörern die Resonanz, Die Den überaus herzlichen Beifall auszulösen vermochte.

einen Seite mit ihrem geliebten Bruder Rolf und zwei Schulkameraden steht, auf Der anderen Seite Eberhard Heimsöth, der ebenbürtige Gegenspieler, in einer versteckten Höhle im Jrrbühl haust. In jugendlichem ilebermut wird aus dem Spiel ost bitterer Ernst, aber Annemarie sucht mit Geduld und Selbstbeherrschung Die Achtung Eberhards zurückzuerobern, nachdem sie Die Folgen eines unglücklichen Schusses ihres Bruders auf sich genommen hat. Ihr Haß schlägt in starke, reine Liebe um. LoSgecissen von Der Scholle, wird sie von bitterem Heimweh und verzehrender Sehn­sucht ergriffen, von einem heißen Verlangen nad) Den Stätten der Jugend und nach Eberhard. Auch Gießen ist öfters In die Fäden Der Hand­lung hineingewoben.

Taufrisch und köstlich, voll herben Erdgeruchs find Die Schilderungen der heimatlichen Natur. Heber Diese selige Jugendzeit brausen bald die Stürme Des Lebens dahin. Wie ein Wetterstrahl bricht der Weltkrieg über diese jungen Menschen dahin. Gewaltiges Geschehen rollt nun in fesseln­der, mitreißender Form vor unserem Auge, durch unsere Seele dahin, In so lebendiger unmittel­barer Greisbarleit, daß man dies alles mit­erlebt. Hier im Triumphgebrüll des Todes zeigt eS sich, wie das, was in heimatlicher Erde ge­wachsen war, sich Im Kampf um Heimat und Mensch bewährt, and) Dann, als alle Romantik unD jeglicher Begeisterungsschwung verschwunden waren. Der Krieg nicht mehr mit Qlbentcuer- unD Heldendrang lockte. Ergreifend wirkt Die Freundschaft zwischen Eberhard und Hermann Pohl, Dem er aus Dem Totenhof von Gouzeau- court Drei Säckchen heiliger Heimaterde mit inS Grab gibt und dann im Irrbüyi eine Stcingruppe errichtet. Aber Eberhard muß den Keich des Lei­dens biS zur Neige trinken. Er, der sich nun vor der Heimat fürchtet, gerät in russische Gefangen­schaft und wird jahrelang am Kältepol der Erde lebendig begraben. Lange nachdem Ruß­land seine Kriegsgefangenen sreiließ, kehrt er unter unsäglichen Mühen in die Heimat zurück, ohne ein Lächeln für die Menschen, die ihm be­geistert zum Empfang entgegenfabren. Im Rau­schen des tiefen, dunklen Irrbühls, am Herzen Der Heimat, In hoher, heiliger Liebe findet er Genesung von Qual und Not und Leid.

Wer Das Bud) in die Hand nimmt, der kommt nicht loS davon, bleibt im Banne dieses eigentlich ganzunmodernen" Romans, Der nicht, wie heute oft Üblich, mit schwüler Erotik und brutaler Serualität auftoarlet, Aber gerade in Diesem Mangel' sehen wir seine Starke, seinen hohen Wert. Die bodenständigen Charaktere sind scharf

herauSgemeißelt. Ost sind es keine bequemen Naturen, aber es steckt viel gesunde Volkskraft und ein gesunder Geist in ihnen. Die Kriegsschil- dcrungen sind plastisch und außerordentlich span­nend: Die Szene auf dem LlebungsselDe des DtoßlruppkurfuS, den Kamps des Minentoerfer- truppS konnte nur gestalten, wer selbst dabei war. So wie Reinhardt es schildert, war das Leben da draußen, und wir verstehen, Daß Hei­mat und Etappe nicht immer das rechte Ver­ständnis für das Scelenleben deS Frontkriegers haben konnten.

Wir sind überzeugt, daß dieser Roman voll Spannung und Reinheit, ausgezeichnet durch eine anschauliche, bilderreiche Sprache, feinen Weg gehen wird. Herausgewachsen aus Dem harten Dasaltboden unserer vberhessischen Heimat, sehen wir in ihm das schlichte, eindrucksvolle Ehrenmal Der Heimat für ihre gefallenen Söhne und freuen uns, daß Der heimische Verlag Emil Roth in einer Zeit innerer und äußerer Not dieses Denk­mal hat aufrichlen helfen! Wir stehen nicht an, diesem wertvollen Heimatbuch mit seiner zu Her­zen gehenden Innerlichkeit ein ehrliches Glückauf! mit auf Den Weg zu geben und es vielen jungen und alten Volksgenossen als Weihnachtsgabe zu empfehlen. Georg Blngel.

A n t o n Betzner: D i e G e b u n D c n e n. Roman. 276 Seiten 8". Brosch. 3,30, Leinen 5.50. Da den-Baden 1930, Merlin-Verlag (413). Ich halte Anton 'Betzner für einen wirtlichen Dichter, aber auch sein zweiter RomanDie Gebundenen" geht nicht über eine Talentprobe hinaus. Die Stimmung Der Arbeiter, Der kleinen Leute in ihrem Kamps gegen Die oberen Schickten ist vor- züglid) wiedergegeben, aus den vorgeführten Sze­nen heraus spürt man das Erlösungsbedürsnis unserer Zeit. Llnter Den Gestalten Der bürger­lichen Gesellschaft, die der Dichter auf Den Plan treten läßt, vermißt man Die organisatorischen Kräfte, allen fehlt Die entschiedene Lebenstüchtig­keit, alle sind sie dekadentem Pessimismus Ver­salien. Die Skala erotischer Gefühle, die psycho­logischen Probleme, die ausgerollt tverden, wirken sich in pathologischer Steigerung aus. Der Dichter begeht den Fehler, daß er Phantasie und Empfin­dung ins Maßlose übergehen läßt. Die Haus ftigur des Romans, der Pfarrer Karl Sann, endet mit seinen Erregungszuständen, den krankhaften Stö­rungen seiner Willenshandlungen zuletzt Im Irrenhaus. Man kann die leidenschaftliche Ge­bärde dcS Dichters anerkennen und man muß doch sagen, daß Dem Roman daS künstlerische Ingre­diens fehlt. Auch aus Kontrasten ergibt sich Die Möglichkeit, eine einheitliche Welt auf$u bauen.

Dieses ganz au« Silber getriebene und mit herv* ließen Gravierungen versehene Kunstwerk wurde um 1565 in Gießen von Dem Schultheißen und Goldschmied Hermann Diepel angefertigt Die Lihr ist das Glanzstück der ganzen Im Zwin­ger au-gestellten Sammlung.

Aus Oer Provinzialhauptstadt.

Gießen, Den 15. November 1930.

Wer Hilst mit?

Lin Ruf an alle Wander- und Heimatfreunde.

Wir haben in unseren Spalten unterWan­dern und Reisen" wiederholt darauf hingewiefen. daß Die Besteigung des Turmes auf Dem Altenberg bei Hohensolms, von Dem man eine prachtvolle Rundschau genoß, wegen seines baufälligen Zustandes überaus gefährlich sei. Gleichzeitig gaben wir der Ditte Raum, Daß die zustänDige Verwaltung sich zur Wieder­herstellung des Baues verstehen möge. Diese An­regung ist erfreulicherweise auf fruchtbaren Boden gefallen. Llnter dem Vorsitz von Lehrer Lang hat sich in Hohensolms, der o<*hr Berg am nächstgelegenen Ortschaft, ein De r keh rs - verein gebildet, der es sich zur vornehmsten Aufgabe gemacht hat, den herrlichen Aus­sichtspunkt wanderfrohen Natur- sreundenwieder zugänglich zu machen. Da jedoch der junge Verein naturgemäß nur über bescheidene Mittel versügt, wäre es sehr er­wünscht, wenn sich Wanderfreunde, vor allem Heimat- und Wandervereine, bereitfinDen wür­den, auch ihr Scherflein zum Wiederaufbau bei­zutragen. Der DHC. Gießen und der Dünsberg- berein sind bereits mit gutem Beispiel boran­gegangen. Die Ausgabe wird durch die sich wieder erschließende Aussicht reichlid) belohnt!

Eine für Natur- und Waldliebhaber ebenfalls erfreuliche Nachricht ist, daß dieDicke Eiche" bei Bubenrod, die ein Alter von nahezu taufend Iahren hat und die Dem Verfall nahe­stand, nunmehr wieder instandgeseht wird. Der zuständige Kommissar für Natur­denkmalpflege hat im hörigen Monat die Eiche besichtigt und als notwendige Arbeiten Aus» betonieren, Binden, Stützen und Verankern be­stimmt. In dankenswerter Weise hat sich Die Gemeinde Waldgirmes, in Deren Gemeinde» wald Der Daum steht, dieser-Arbeit unterzogen. Auch hier ist die Gemeindekasse Waldgirmes für die Liebersendung von Geldspenden, selbst für die bescheidenste Gabe, zu den immerhin erheblichen ilnloftcn (etwa 700 Mark), öanlbar. So besteht die Hoffnung, daß das altehrwürdige Natur­denkmal auch späteren Geschlechtern als Zeuge einer längst vergangenen Zeit erhalten bleibt. Dritter berusskundlicher Dortragsabend.

Man schreibt uns: Im Dritten berufskund- 11ch en Vortragsabend von der Berufs­beratung deS Arbeitsamts Gießen wurden Dia Berufe Kaufmann, Konditor, Schlosser, Maler und Weißbinder behandelt.

Herr Niederhausen, Gießen, schilderte zunächst die verschiedenen Tätigkeiten, Die im kauf­männischen Leben verlangt werden. Er wies be­sonders auf Die starke Heberfüllung in Dicfami Berufszweig hin und betonte, daß nur wirklich. befähigte junge Leute Aussicht haben, in Die- fern Berufe, Der heute von Der Jugend noch allzu stark bevorzugt werde, vorwärtszukommen.

Herr Huber, Gießen, der in Vertretung von Herrn QImenD das Referat über den Beruf des Konditors übernommen hatte, gab ein anschau­liches Berufsbild. Ec betonte, der Beruf des Konditors fei schwer und arbeitsreich. Verlangt werde dabei vor allem Fleiß, Sauberkeit, Schön­heitssinn und zeichnerische Begabung. Tätigkeit im Ausland und In den verschiedenen Teilen des Inlandes sei zur Weiterbildung erforderlich unD gebe gute Möglichkeiten für weiteren Aufstieg im Beruf.

Den Beruf des Schlossers behandelte Obermei- fter Krailing , Gießen. Der Redner führte aus, daß nur gesunde, kräftige, geistig bewegliche Jungens iit diesem vielseitigen Berufe vorwärts- kommen könnten. Zwar habe der technische Fort-

Wie sagt Nietzsche:Lernen wir besser uns freuen, so verlernen wir am besten, anderen wehe zu tun und Wehes auszudenken." Ich hoffe. Daß der Dichter Anton Dehner dazu gelangt, Die Welt unter allen möglichen Welten nicht als Die schlech­teste anzusehen. A. B.

Georg Schmückle: Engel Hiltens­perger. Der Roman eines deutschen Aufrüh­rers. Verlag Strecker und Schröder, Stuttgart. (402). Die mächtige Gestalt des Engelbert Hil- tensperger, Mönch und ehemaliger Feldpfaff des FrundSperg und Waffenmeister des herrischen Fürchabts von Kempten, ist so eng mit Der Ge­schichte jener Zeit verflochten, Daß wir ein groß­artiges Gemälde dieser schicksalsreichen Jahr- hundertwende erhalten. Lim die Not der geknech­teten Dauern ging es damals, aber auch um die Zukunft des durch Zwietracht zerrissenen deutschen Volkes. Als Fürsten, Ritter unD Geist­liche, auf eigenen Vorteil bedacht, immer mehr am Mark des Reiches zehrten, das Volk ge­schunden, der Kaiser machtlos wurde, Da flammte bei den Vesten der Nation Die Empörung auf. Da träumt Der Engel Hiltensperger den schönen Traum von des Reiches Macht und Herrlich­keit und weiht dieser großen Sache sein kämpf- erfülltes Dasein, um am Ende feines Lebens doch erfahren zu müssen, Daß Der ewige Fluch Der Deutschen Zwietracht fein Werk zuschcurden gemacht hat. An Der Wende Des Deutschen Schick­sals steht Luthers riesige Gestalt: wie er Die Schlacht ums reine Gotteswort gewann, die ums Herz des armen Bauenr verlor. So wurde die kostbare Stunde versäumt, ein einiges Volk aus Den Deutschen zu Ichweißen. Llnwiederbringlich für viele Jahrhunderte Dahin, vernichtet für lange Zeit ist Die Hoffnung, um Die ein Hutten, Der treue Gefährte unD Verbündete Des Hil­tensperger, in heißer Liebe entbrannte. ES ist das Erschütternde an diesem Buche: mi-tzrrerleben, wie die Besten, Denen kein Einsatz zu hoch ist, ihr Ziel zu erreichen, am Ende mit blutendem Herzen vor der Vernichtung ihrer Hoffnungen stehen. UnD das ist Das Erhebende und Gewal­tige: dieser unbesiegbare Glaube unD Wille, trotz aller Not und Verzweiflung weiter an Der Zukunft Des Reiches zu bauen. Der Roman, in Dein die gairze Sehnsucht, Not und Leidenschaft einer aufgewühlten Zeit zusammengeballt ist, redet eine eindringliche Sprache. Doppelt ein­dringlich In unseren Tagen, denn Die Not und Zwietracht deutscher Vergangenheit ist, In an­derer Gestalt, die Not und Zwietracht deutscher Gegenwart.