Ausgabe 
15.1.1930
 
Einzelbild herunterladen

res 2ahr verlängert hat, erregt im Saar­gebiet bei den politischen Kreisen einiges Aufsehen. Allerdings ist das formale Recht des Völker­bunds innerhalb des Rahmens seines Machloereichs nicht bestritten und es erscheint bei dem Heu- tigen Stand der Ding« auch w e n i g w a h r s ch c, n- lich, daß noch im Lause dieses Jahres eine Be­reinigung der Saarsrage im Sinne völ­liger politischer und wirtschaftlicher Rückgliede- rung ins Reich vollzogen werden kann. Frankreich geht ersichtlich daraus aus, sein« in Versailles fest- g«setzten Rechte bis aus das äußerste aus- zu nutzen, insbesondere vertritt die französische Regierung sogar durch den Mund Briands die Auf­fassung, als ob die gegenwärtigen Verhandlungen ausschließlich wirtschaftlicher und nicht politischer Natur seien; wahrend un Saargebiet stets entspreet)end einem Ausspruch Str« pmanns angenommen worden ist, daß auch die Ver­handlungen zur Festlegung des Uoungplanes nute r der Voraussetzung einer Einigung in der Saarfrage abgeschlossen würden. Bei den Franzosen wird es immer deutlicher, daß vor allein der f r a ii z ö s i s ch e M o n t a n k a p i 1 a l i s m u s seine Rechte aus dem Pachtvertrag mit der Interna­tionalen Saarkommission ausrecht erhalten möchte, um auch nllch nach der Rückkehr der S a a r g r u b e n in deutschen Staatsbesitz im V a r n d t, das heißt, im besten noch unerschlossenen Kohlenrevier des Saargebietes feinen Raub­bau f o r l s e tz e n zu können.

Hessens Sparprogramm.

Die Beamicnvcrlrclcr beim Ltaaispräsidenten.

Darmstadt, 14. Jan. (Wolff.) Die geplanten Maßnahmen für einen Abbau auch innerhalb des Bcamtenapparates des hessischen Staates gaben dem geschästssührenden Ausschuß des f) e f f i- schen Beamte nbun des Veranlassung, bei Staatspräsident Dr. Adelung vorzuspre- chcn. Der Unterredung wohnte als Vertreter des Fi- ngnzministers /Ninisterialdircktor Dr. Schäfer bei. Staatspräsident Adelung gab dem Bedauern der Gesamtregierung Ausdruck, daß Abboumaßnah­men bei allen veanitenkategorien in Hessen finanzpolitisch notwendig ge­worden seien und daher non allen getragen werden mühten. Die Beamtenoerfrefer wurden gebeten, der Regierung zu sagen, tu o und iv i c noch ihrer Mei­nung noch besser gespart werden könne. Die Regierung werde diese Vorschläge eingehend prüfen und soweit als möglich in ihrem Sparprogramm be­rücksichtigen. lieber das Sparprogramm werde die Regierung jedoch vor Ende Januar den veamtenorganisatiene.'i insar motorisch ke in c Kenntnis geben können.

Ausweriungsfragen im Hessischen Landtag.

Aus dem (Scsctzgcbuttgsausschutz.

WHP. Darmstadt. 14. Ian. Der Gesetz» gebungsausschuß des Hessischen Landtags be­faßte sich zunächst mit einem Antrag der Volks - rechtspartei vom 8. Dezember 1927. in dem eine Abänderung der Durchführung der Aufwcr- tungsvorschriften für Spargut­haben in Hessen verlangt wird. Der Antrag­steller Dr. Best gab eine eingehende Begrün­dung, die bestehenden Bestimmungen in Hessen stünden mit den reichsgesetzlichrn Bestimmungen in Widerspruch Die übrigen Parteien lehnten den QI"trog ab, weil sie der Ansicht waren, daß die hessische Verordnung vom 27. Oktober 1926 Rechtskraft habe Der Regierungsvertreter er­klärte, wenn das hessische Innenministerium das Recht habe, einzelnen Sparkassen gegenüber eine höhere Aufwertung zu bestimmen, so stehe das nicht in Widerspruch mit dem Reichsgesetz. Der Antrag wird schließlich nach einer längeren Aussprache gegen die Stimme des Antragstellers a b g e I e h n t, wenn auch im Ausschuß zum Aus­druck kam. über einzelne' Fragen des Gesetzent­wurfs könne diskutiert werden. Gleichfalls a b- aelehnt wird ein Antrag Dr. Best, der einen höheren Zinssatz für die Aufwer­tungsguthaben der Sparkossen- gl ü u b i g c r von 3 auf 5 Proz verlangt. Die ^Regierung erklärte, wenn man dem Antrag Nach­kommen würde, dann sei eine Höhr: prozen­tuale Auswertung in dem bisherigen Blaße un­möglich. Für den QIntrag stimmten die Deutsche Dolkspartei und der Bauernbund. Ein noch weitergehender Antrag d:r Kommunisten wegen der Auswertung der Sparlassenguthaben wird gegen zwei Stimmen obgelehnt. Einstimmig a n- genommen wird folgende Resolution Schrei­ber (Dem.):

Die Regierung wird ersucht, auf die hessischen genossenschaftlichen Sparkassen und sonstigen nicht aufwertungspflichtigen Kre­ditinstitute einzuwirken, um diese frei­willig zu einer Ausschüttung der ihnen aus der Auswertungsgesetzgebung zugeflvssenen DermögenSmasse an ihre Markeinleger zu ver­anlassen. da nur so der Rechtsmoral und dem Rechtsempfinden Genüge geleistet werden kann."

Rach Erledigung einer Reihe von Eingaben auf dem Gebiete der Justizverwaltung gab eine Eingabe des KreisamtS Büdingen Gelegenheit zu einer längeren Aussprache über die Frage der Haftbarkeit der Gerichts­vollzieher bei vorkommenden Unregelmäßig­keiten. Dos Kreisamt verlangt eine Aenderung deS Artilels 79 des Ausführungsgesetzes zum B.G.D. Die Regierung erklärte, daß nach den derzeitigen reichsgesehlichen und landesrechüichen Bestimmungen und den vorliegenden Urteilen eine Haftpflicht des Staates für Derfehlungen von Gerichtsvollziehern nicht bestehe. Die Regierung habe bereits angeordnet. daß die beamteten Ge­richtsvollzieher eine Kaution von 4000 Mk. zu leisten haben. Da es sich in dem ungezogenen Fall um keinen angestellten Beamten handele sei auch eine Befriedigung der Geschädigten nicht möglich. Der Ausschuß erklärte die Eingabe des Kreisamtes Büdingen durch die Olntwort der Re- gierung für erledigt, ersuchte aber die Regie­rung, gleichzeitig im DerordnungSweoe die von den Gerichtsvollziehern zu leistende Kaution zu erhöhen.

Gegen die kommunistische Hetze.

Berlin, 14.3an. (WB.) Der Polizei­präsident teilt mit: Die Bezirksleitung der KPD. in Berlin und die ihr nahestehenden Or­ganisationen haben ihre Anhänger zu einer

Landgemeinden und Finanzreform.

Gieuerrcformvorschläge 0r. Gerekes.

Berlin, 14. Ian (TU.s Der Hauptvorstand des Deutschen Landgemeindetages beriet über bic Finanzreform. Der Präsident des Deutschen Landgemeindetages. Dr. Gereke, Pressel. be­tonte. daß die R e a l ste u e r - S e n k u n g s - a f t i o n der Reichsregierung nicht a u s K o - st en der Landgemeinden erfolgen dürfe, da diese bekanntlich auf der Ansgabeseite ihres Haushalts jetzt schon über 90 v. H zwangs­läufige Qlusgaben hätten. QBcnn man heute das Finonzprogramm der Reichsregierung kritisch würdigen wolle, dann müsse man sich darüber klar sein, daß nach dem Wechsel im Aeichsfinanzministerium nur noch mit Bru ch- teilen der geplanten Steuersenkungen praktisch gerechnet werden könne, weil die Kräfte, die zum Sturz von Hilferding und Popih führten, eine Lage geschaffen hatten, die die Durchführung des Finanzvrogramms in seinen wesentlichen Teilen nicht mehr ermögliche. Wenn die Haushalte des Reiches, der Länder und der Ge­meinden selbst bei sparsamster Ausgabenwirt- schost richtig ausbalanciert werden sollen, dann würden sich neben der notwendigen Senkungs­aktion für die Realsteuerpslichtigen bestimmte StencrerböHungen auf der anderen Seite nicht vermeiden lassen. Die allgemeine Ll in- sah st euer könnte man von 0,75 auf 1 v. H erhöhen, unter gleichzeitiger Beseitigung aller noch bestehenden Umsatzsteuer-Privilegien. Da­

durch würde sich eine sehr erhebliche und sichere Mehreinnahme ergeben. Ebenso könnte ohne starke wirtschaftlich Gefahr das Aufkommen a u s de r K r a f t f a h r ze u g st e uer durch eine Llmgestaltung dieser Steuer nach Maßgabe der tatsächlich gefahrenen Kilometerzahl oder des verbrauchten Brennstofses ganz erhebliche Mehr­einnahmen bringen, die zur Entlastung der Weqebaupflichtigen vertoenbet werden mußten. Der Gedanke, die Reichssteueranteile aus Einkommen - und Körperschafts- st e u e r den Ländern und Gemeinden zu kür­zen. erscheine solange vom Standpunkt der Landgemeinden aus völlig unannehmbar, solange nickt ein wirklich vollwertiger Ersatz für diese Kürzungen gegeben wird. Das Zü­sch l a g s r e ch t zur Einkommensteuer etwa als solchen Ersatz airzusehen. sei für die Landgemein­den u n m ö g l i ch. Je stärker die Landgemeinden den Gedanken der Einführung eines Zuschlags­rechtes zur Einkommensteuer ablehnen und je mehr aus sozialen Gründen der ergebet sich zu einer weiteren der Finanzlage der Land­gemeinden allerdings stark abtra , .-»en Er­höhung des steuerfreien Existenzminimums noch entschließen sollte, um so tragbarer erscheint die Einführung eines beweglichen Fak­tors für die Gemeinden in Gestalt der von der Reichsregierung in Aussicht genommenen Q3er* waltungskvstenbeiträge (Kopfsteuer).

Die Arbeiten des Völkerbunösrats.

Der Kelloggpakt. - Der Zollwaffe,rstillstand. Die Agrarkrisis.

Genf, 14. Jan (WB> Mit Rücksicht auf die Rückreise des englischen Außenministers sind auch heute zwei Sitzungen des Bolkerbundsrates an- beraumt worden. Der Rat beschloß zur Prüfung der durch den Beitritt aller Völkerbundsstaaten zum Kellogg°Pakt notwendig gewordenen Abänderungen des Bölterbundspaktes ein Ju­ri st enkomitee einzusehen. Henderson unterstrich die Rotwendigkeit der Angleichung des Bol­le r b u n d s p a k 1 e s . der bekanntlich in gewis­sen Fällen den Krieg noch ertaubt, an d i e K r i e g s ä ch t ii n g des Kellogg-Pakts. Durch Herausnahme des Rechtes zur Kriegfüh­rung werde des Bölkerbundspakt. der für Eng­land immer die fundamentale Grundlage zur Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit und zur Aufrechterhaltung des Friedens bleibe, nicht abgeschwächt, sondern gerade in seiner Wirksamkeit zur Beilegung internationaler Kon- siilie gestärkt to?rbcn.

Briand betonte, daß die dem Bvlkerdunds- pokt innewohnende Wirksamkeit durch das wieder­holte erfolgreiche Eingreifen des Völkerbunds- rates bei drohenden Aonslikten erwiesen sei. Er sprach sich für eine sehr breit ange­legte gründliche Prüfung der Frage aus, wobei auch die vom Sicherheitskomitee be­handelten Fragen übet die Mittel zur Kriegs­verhütung ins Auge gefaßt werden sollten. Staatssekretär von Schubert stimmte der von Briand angeregten Prüfung auf breitester Grund­lage zu und erinnerte daran, daß Deutschland dem Sicherheitskomitee seinerzeit besondere Vorschläge zur Verstärkung der gegenwärtig vorhandenen kciegSverhütenden Maßnahmen un­terbreitet bat.

Sodann legte Staatssekretär von Schubert eine Reihe von Berichten über die wirtschaftlichen Arbeiten des Völkerbundes vor. aus denen vor allem zu erwähnen ist, daß auf seinen Vorschlag die Zollwaffenstillstandskonferenz

auf den 17. Februar dieses Jahres nach Genf cinberufen worden ist. Zum Präsidenten dieser Konferenz wurde der frühere dänische Außen­minister Graf von M o l t ke bestellt. Der Zweck des Zollwaffenftillstandes ist, die Einleitung einer planmäßigen Aktion zur Erleichterimg der inter­nationalen Wirtschaftsbeziehungen und teilweisen Riederlegung der Zollschranken und sonstigen Hindernisse, worüber vor Ende deS Zollwaffenftillstandes eine allgemeine internatio­nale diplomatische Konferenz Kvllektivver­trage abzuschließen haben wird.

Zu dem umfangreichen wirtschaftlichen Berichts­material. das der Völkerbundsrat auf deutschen Vorschlag genehmigt hat, gehört auch der Tätig­keitsbericht des Wirtschaftsausschusses. Er befaßt sich eingehend mit der in der vorigen Woche ab­geschlossenen ersten internationalen Zusammen­kunft landwirtschaftlicher Sachver­ständiger. Als wesentlich für die Behebung der Weltagrarkrise fei die R o t w e n d i g k e i t der genossenschaftlichen Organisie­rung von Produktion und Verbrauch erkannt worden, die zunächst auf dem Bin­nen m a r k t der einzelnen Länder durchgeführt und später auf den internationalen landwirt­schaftlichen Produktenmarkt erstreckt werden müsse. Die rationelle Organisierung der einzelnen Bin­nenmärkte sei von grundlegender Bedeutung für die Erfolge der weiteren Arbeiten. Außerdem wird die Erleichterung des landwirt­schaftlichen Kreditwesens empfohlen.In bezug auf die Weltkohle nkrise wird mit Genugtuung auf die in verschiedenen Ländern eingeleitete straffere Organisierung der Kohlen« wirtschaft hingewiesen. Die Ansichten über eine internationale Kohlenverstän'oigung gingen jedoch immer noch viel zu weit auseinander, als daß ihre Organisierung und Durchführung ins Auge gefaßt werden könnte.

Massendemonstration am Mittwoch, dem 15. Januar, um 18 ilbr auf gerufen. Im Hinblick aus die in dem Aufruf anqcfünbiglcn ®c- walttat« n gegen Andersdenkende ist mit Gegenkundgebungen und mit ernsten Zusam­menstößen zu rechnen. Es besteht also eine u n - mittelbare Gefahr für die öffent­liche Sicherheit. Der Polizeipräsident hat daher für Mittwoch. 15. Januar 1930, alle Versammlungen unter freiem Himmel einschließ­lich aller Llmzüge verboten.

Oie Berliner Kinanzknsis.

Tas Disziplinär verfahren gegen Bötz.

Berlin, 14. Ian. (Priv.-Tel.) Obwohl die Staatsaufsicht übet d i e Reichs- Hauptstadt seit einigen Tagen eingestellt wor­den ist, und somit die finanzielle Selbständigkeit der Reichshauptstadt wieder hergestellt wurde, hat sich in ihrer Finanzwirtschaft noch immer nichts gebessert, und die Situation ist nach wie vor besorgniserregend. Rach dem augenblicklichen Stand des Rachtragshaushaltes kommen nach allen Ionglietkimsten der Finanzsachverständigen an Mehreinnahmen gegenüber einem Defizit von fast 70 Millionen nur 13,75 Millionen heraus. Es bleiben also immer noch 56,25 Millionen u n - gedeckt. Es ist infolgedessen nicht ausgeschlossen, wie es hier und da bereits angedeutet worden ist, daß die G a s - . Wasser- und Strom­preise erneut erhöht werden. Allerdings denkt man dabei nur an eine vorübergehende Er- |obung, um auf diese Weise daß Defizit abzu-

Wann daS Disziplinarverfahren ge­gen den in die Sklarekafsare verwickelten Ober­bürgermeister Dr. Böß zum Mschluß kommen wird, ist im Augenblick noch immer nicht zu übersehen. Rach den jüngsten authentischen Er- Klärungen läuft gegen Böß immer neues Ma­terial zusammen, das immer wieder neue Erhe­bungen notwendig macht Es wird sich infolge­dessen nach dem augenblicklichen Stand der Dinge auch nicht vermeiden lassen, daß die Beur­laubung des Berliner Sladtoberhauptes. die in den nächsten Tagen abläuft, auf einige Wo- <ben verlängert wird. Eine Eickscheidung des Oberpräsidenten ist in diesen Tagen zu erwarten.

Inzwischen munkelt man davon, daß zwischen dem Oberbürgermeister und dem Magistrat unter der Hand Verhandlungen gepflogen werden, die ernen Verzicht des bisherigen Oberbürger- Leisters auf sein Amt zum Ziele Hadem mit ber Maßgabe, daß Böß sich mit einem Te,l seiner sonst zuständigen Pen- fron zufriedengeben soll. Diese Gerüchte,

die bisher nur in einigen Kreisen weitergetragen wurden, haben sich zu einer so bestimmten Form verdichtet, daß es unmöglich ist. länger daran vorüberzugehen. Sollte der Berliner Magistrat wirklich etwas derartiges beabsichtigen, so würde dadurch der fatale Eindruck hervorgerufen, als bemühe man sich, darum die ganze Geschichte möglichst fang- und klanglos aus der Welt zu schaffen. Ein solches Vorgehen Ware um so un­verständlicher, als der Berliner Magstrat ein brennendes Interesse daran yaben müßte, rest­lose Klarheit über alle schwebenden Korrup- tionSaffären zu schaffen. Es besteht überhaupt die Gefahr, daß schließlich nur ein paar unter­geordnete Beamte wegen passiver Bestechung zu harten Gefängnisstrafen verurteilt werden, wäh­rend dieHauptakteure dieses Korruptions­skandals, die ehrenwerten Herren S k l a r e k, sich hinter irgend einer Krankheit oder hinter dem § 51 verschanzen und schließlich Bewährungsfrist betommen. Der betrübende AuSgang des Falles 'Barmat sollte zu denken geben.

AeuttaWerung der Kanalzone.

Ein brilischcr Antrag für die Flotten-- konfcrcnz?

London. 14. Jan. (TLl.)Daily Telegraph" berichtet, daß die britische Regierung zum ersten Male im Jahre 1925 vor Abschluß der Loearno- berträge die Frage einer internationalen Garantie für b i e Unverletzbarkeit des englischen Kanals aufwarf. Damals sei die holländische Regierung son­diert worden, habe aber die Zeit für nicht fortgeschritten genug gehalten, um zu­sammen mit Deutschland, Frankreich und Belgien die Garantie für die verlangte Llnverlehbarkeit des Kanals zu übernehmen. Es bestehe jetzt kein Grund mehr, warum diese Frage von englischer Seite nicht wieder ernsthaft zur Sprache gebracht werden sollte.

Im übrigen wird festgestellt, daß die britische Antwort auf das französische Flottenmemvran- dum nur sehr geringe Kommentare auslöse. Ir­gendwelche ernsteren Einwände dagegen werden nicht erhoben. Rur auf amerikanischer Seite wer­den nunmehr gewisse Bedenken gegen die kürzlich vom Erster Lord der Admiralität vertretene An­sicht geltend gemacht, daß die Abmachungen der Londoner Flottenkonferenz auf fünf Jahre beschränkt werden sollten. Amerika strebe demgegenüber Dereiybarungen für winde st ens 15 bis 20 Jahre an. 77 Mitglieder des Par­laments, die sämtlich, mit Ausnahme eines Libera­len, der Arbeiterpartei angeboren, haben eine Erklärung unterzeichnet, die der Seekonserenz die

Abschaffung der Panzerschiffe U nb der Schiffe non wehr al» 10000 Ton­nen empfiehlt. Die Erklärung fügt hinzu, daß, wenn eine Minderheit unter den Großmächten den Vorschlag einer Abschaffung nicht annehmcn wurde, Großbritannien sich an die Spitze der Bewegung stellen unb keine Kriegsschiffe über 10 000 Tonnen bauen sollte.

Die Türkei spart.

Rigorose Einschränkung der Nuslandkäufe. Ein Verspiel für Deutschland.

Konstantinopel, 14. Jan. (Tel.-Un.) Die Richtlinien des türkifchen Finanzministers für die Unterbindung der'Auslandskäufe sind soeben bekannt­geworden. Danach darf feine staatliche oder kom­munale Stelle im Ausland Einkäufe tätigen, die den Ankauf von Devisen erforderlich ma- chcn wurde. Alle staatlichen und fommunnlen Stel­len müssen ihlxn Bedarf aus heimischen Er­zeugnissen decken, d. h. solchen, die selbst in ihren einzelnen Teilen aus türkischen Erzeugnissen bestehen. Zum Beispiel soll bei der Einrichtung von Bureaus fein Linoleum mehr verwandt wer­den, sondern man soll den Boden mit türki-schcn Teppichen belegen. Ganz unerläßlicl-er Bedarf, der sich im Wert unter 5000 Türkpfund hält, kann beim Finanzminister beantragt werden. Amtliche Telegramme nach dem Ausland sollen möglichst eingeschränkt und der Briefoerkehr vorgezogen werden. Es dürfen keine Beamte zu Stu» dienzwecken ins Ausland gesandt wer­den. Freiwerdende Posten im Ausland sollen vor­erst nicht neu besetzt werden, vielmehr sott der nächst niedrige Beamte vorläufig den Dienst ner- sehen. Für den Bezug eiserner Bahnschwetten er­scheint noch eine besonder« Verordnung. Man will versuchen, eine türkische Jnprägnierungsanstalt für hölzerne Eisenbahnschwellen zu gründen.

Diese Vorschriften find so scharf, daß sie im Aus­land sehr leicht den Eindruck erwecken können, als ob es mit den türkischen Finanzen sehr schlecht stände.' Dieser Eindruck wird noch verstärkt wer­den, wenn man hört, daß die türkische Regierung die Prämien für di e heimische Indu­strie im letzten Jahre erheblichhcrabgesctzt hat.

SerSchuh der a'llerenAngesteltten

Berlin. 15. Ian. I Priv.-Tel.) Der Deutsch- nationale Handlungsgehilfenverbond bat in Ver­folg seiner Eingabe an die Reichsregierung vom 20. Dezember 1929 seine Vorschläge zur Wie­derunterbringung der stellenlosen alteren Angestellten in Form eines Ge­setzentwurfes am 13. Januar dem Herrn ReichS- arbeitSminister unterbreitet. Dieser Vorschlag sieht vor, daß unter bestimmten Voraussetzungen den Betrieben eine Verpflichtung zur Einstel­lung von älteren Angestellten auferlegt werden kann. Im Zusammenhang damit bat der D. H. V dem Reichsarbeitsminister folgende .Maßnahmen als dringend erforderlich bezeichnet: 1. Gesetz­liche Vorschriften zur Einschränkung der Zahl der Doppelverdiener, wobei u.a. daran gedacht ist, daß erwerbstätigen Ruhestandsbeamten und Wartegeld- e m p f ä n g e r n ein angemessener Teil ihres Rebeneintommenß auf die Pension bzw. das Wartegeld angerechnet wird. 2. Verlän­gerung der Kündigungsfrist zugunsten der Angestellten, die nach mehr als zwölf Jahren Tätigkeit in einem Betrieb entlassen werden. 3. Abgangsentschädi­gungen an gekündigte Angestellte gestaffelt nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit. 4. VerstarkterSchutzder Angestellten bei Betriebsstillegungen.

Oie Wetterlage.

en

uat

p-fiDer

2ZZ

^0

----£

Dienstaa, f^annarJSSOj* aw!s' ftüa 7.1- -

8Jr<

ThOf5t3Vn-^n'

©woiKtmos 0ntHtr.Q naro ccuetxt. ® woikiq, oteetn RrtfPa » Sehnte a Graupeln. - nehcl KOfrfitip-.f^wino/jiit^o, it* «Khter o$i «lässige- sodioawest q stormsener norävtst Oie Piene fiieaen nut Cem winoc. Ole oeitien Stationen stenenflen Zah­len gehen <jie Temperatur an. Ole Linien verbinden Orte mit flleKhcn w< Mreresniveau umoererhoeten Lailtdrutk

Wettervoraussage.

2m Grcnzbereich zwischen dem südöstlichen Hoch­druckgebiet und dem nördlichen Tief hat sich ausgebrcitet und das anor­male Wetter verursacht. Die Riorgentemperaturen erreichten dabei Werte, wie sie im Frühjahr zu erwarten sind. Westdeutschland hatte heute Tem­peraturen von über 10 Grad. Mit dem Abtlachen und mit der weiteren Verlagerung der nördlichen Störung geht die Bewöllung mehr zurück und auch die Riederschläge lassen nach. Des wetteren schwindet allmählich die Warmluftzufuhr, so daß "le Temperaturen langsam zurückgehen.

Wettervoraussage für Donners- k n g: Leicht wolkiges Wetter, mild, jedoch etwas kühler, meist trocken.

Lufttemperaturen am 14. Januar: mittags 10,4 ®rab Celsius, abends 9 (Srab; am 15. Januar: mor gens 8 Grad. Maximum 10,7 Grad, Minimum 6.6 (Braö Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Januar, abends 5 Grad: am 15. Januar: mor­gens 4,6 Grad Celsius. Niederschlag 0,9 mm. «-onnenscheindouer zwei Stunden.