Ausgabe 
15.1.1930
 
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Aus -er Provinzialhaupistadt.

Gießen, den 15.3amiar 1930.

Wärme.

3n einer fröhlichen Stunde der Geselligkeit wcrr's. 3a. die Fröhlichkeit schlug zuweilen in hohen Wellen empor. daß sie sich schon der Aus­gelassenheit näherte, aber einer Ausgelassenheit, die sich trotzdem der Grenzen wohlbewußt war. 3n dieser Stunde war es. daß mir ein Wort ent­gegenflog. das mich nachdenklich machte, so daß ich mich zwingen muhte, der weiteren Llnterhal- tung zu folgen, um nicht mit allzu ernstem Ge­sicht ein Störenfried der Gesellschaft zu werden. Und das Wort ging mir nach, gab mich nicht wieder frei. 3m Grunde war cs sogar ein ganz einfaches Wort, ein Gedanke, der schon oft in Worte gekleidet wurde, aber wohl nicht oft genug zum Ausdruck kommen kann.

..WaS der Mensch vor allem braucht." hatte eine Frau mit lächelndem Munde gesagt,ist Wärme." Es bezog sich auf Wärme im land­läufigen Sinn: aber wie cs gesprochen war. konnte cs auch viel, größere Bedeutung haben. Für mich hatte es diese Bedeutung.

Wärme! Keine Frage, sie ist es vor allem, die wir brauchen Wärme, die so vielem von heute fehlt! HerzenSwärme. Bichl nur. daß wir sie nicht besitzen. Selbst wenn wir sie besitzen, unter­drücken w'r sic. weil wir glauben, daß es besser ist, sich nicht mit dem Herzen an Dinge und Men­schen zu verlieren. Immer ist es uns, als ob uns etwas zurückhielte, wir selbst zu fein.

Da ist eine Besonderheit auf unferm Wege, ein rotgoldener Sonnenuntergang. Bur keine Worte darüber, die von unserer Freude daran künden konnten. Irgend eine blasierte Bemerkung darüber, das ist schon eher möglich. Irgend eine Kleinigkeit erweckt unsere Freude. Schon wollen wir den Mund offnen zu einem Ausdruck unserer Freude, zu einem warmen Danke: aber wir halten ihn geschlossen, wir sprechen nur ein paar nichts­sagende Worte, des Dankes vielleicht, der kühl läßt und gleichgültig. In irgend einer Stunde möchten wir uns an den Weggenossen lehnen, seine Hand streicheln, ihm freundlich, liebend ins Auge schauen. Aber wir unterlassen cs. Es könnten vielleicht Verpflichtungen daraus er­wachsen, cs könnte fein, daß sich der andere auf diese Gefühlsäußerung beruft in einer Stunde, in der uns die Erinnerung daran unwillkommen wäre.

11 nb doch verlangen wir alle im innersten Wesen nach Wärme, febnen uns in Stunden danach, die ehrlicher sind zu un8 als wir selbst.

Vieles kann zerbrechen, vieles abstumpsen, vieles zur stummen Gleichgültigkeit werden, waö schön und wertvoll werden konnte, wenn wir cs verstanden hätten, ihm mit Wärme zu be­gegnen. Viele Ehen und Freundschaften kranken daran, viele Menschen gehen einsam und unbe­friedigt durchs Leben und warten nur auf ein wenig Wärme, das noch lange nicht verpflichten und verbinden muh. So .manches Zerbrochene ließe sich wieder heilen, wenn man ein wenig Herzenswärme dafür aufbrächie, ein wenig ver­nünftiges Denken dazuftellte, das Schwierigkeiten zu überwinden vermag.

Aber ... Und ich muß an die lachende Frau denken, die das Wort gesprochen hatte, an ihren Blick, als ich ihre Worte wiederholte. Sie war erschrocken von ihrem Worte und errötete, wandte sich ab. Auch sie wollte nicht in ihr Herz schauen lassen und hatte doch mit diesem Worte ein Stück ihres Lebens enthüllt, das auch nach Her-- zcnswärme verlangte und sie nicht sand.

0.8.

Äerkehrswerbende Arbeitsgemeinschaft für das Lahnial.

In einer Sitzung in Marburg, an der neben den Vertretern anderer Städte an der Lahn auch Beigeordneter Dr. Hamm und Verwaltungs- fctcetär Maus von der Gießener Stadtver­waltung teilnahmen, wurde eine Arbeitsge­meinschaft der an der Lahn liegen­de n Städte zur Hebung des Frem- dcnverkchrs im Lahntal gegründet. Die Arbeitsgemeinschaft wird alljährlich in drei Versammlungen über die Verkehrsfragen ver­handeln, und zwar soll im Frühjahr die Vor­bereitung für die Verkehrswerbung, im Sommer eine Ergänzung derselben und im Herbst eine Betrachtung des Ergebnisses mit den für das kommende Jahr in Betracht kommenden Ver­kehrsfragen behandelt werden. Die gesamte Vor­bereitung soll in der Art getroffen werden, daß der Verkehrsverband für die Lahn, Sitz Limburg, die Sammelinsertion und das Falt­blatt, das Derk.'hrsamt in Marburg die Äoften- verteilung und die Anschaffung der Reliefkarte für das Lahntal, Gießen die Fragen der Eisen­bahn bearbeitet. Der Autover^hr und die Fra­gen der Landstraßen sollen durch ein noch näher zu bestimmendes Verkehrsamt einer Lahnstadt behandelt werden. 3n diesem Jahr soll eine ver­stärkte Derkehrswerbung einfetzen.

Daten für Donnerstag. 16. Januar.

1838: der Philosoph Franz Brentano in Marien­berg bei Boppard geboren; 1901: der Maler Arnold Böckliu in Fiesole gestorben.

Genoffenschafis-Tagung in Gießen.

Der hessische landwirtschaftlichc Genosscnschaftsverband Darmstadt veranstaltete gestern vormittag in Gießen bei vollbesetztem Hause im Eaf6 Leib eine große GenossenschaftStagung. Aus allen Tei­len Oberhessens waren über 300 Teilnehmer er­schienen. Die Verhandlungen wurden von Der- bandsdirektor Berg, Darmstadt, geleitet. Unter ben Ehrengästen befanden sich u a. Direktor Dr. Schmidt, Darmstadt, von der Zentralgcnossen- schast, Generalsekretär Dr. Strub, Darmstadt, Dr. Pfaff, Gießen, vom Universitäts-Versuchs­gut Hardthos. Gießen, Obcrrevisor Hartmann. Gießen, Landwirtschastzßschuldirektor T r aut- rn a n n , Grünberg. Oondwirtschaftsschuldircktor Dr. Lehr, Lich, Landtagsabg Fenchel. Ober» Hörgern und Dr. Winkler-Kremer von der Zentrolgenossenschaftsbank in Darmstadt.

«Aach kurzen Degrüßungsworten des Direktors Berg sprach dieser über die Lage der Genossen­schaften im Reiche.

Anschließend sprach Direktor Dr. Schmidt von der Zentralgenvssenschast. Schlechte Tenden­zen im In- und Ausland hätten die Geschälte im abgelaufenen Jahre sehr deprimiert. Besonders könnte man eine Überproduktion beim Roggen beobachten. Zollmaßnahmen mühten hier rasch eingreifen. Um die Weizenprcisc auf ihrer jetzigen Höhe halten zu können, sei die Beibehaltung des Vermahlungszwanges nötig. Das neue Bezugs- geschäst, die Erfassung des Tafelobstes, habe bis jetzt ungünstige Erfolge gezeitigt. Die Ursachen seien in der Hauptsache, daß in Hessen zu viele Sorten angebaut würden. Es müsse eine möglichst einheitliche Sorte angebaut werden. Das Kel - t c r o b st g e s ch ä f t sei erfreulicherweise besser gewesen, etwa 85 000 Zentner hätten hier erfaßt werden können. Der Redner behandelt alsdann das Kartoffelgeschäft, das im abgelau­fenen Jahre sehr schlecht gewesen sei. Beim Ab­sa tz g e s ch ä f t seien große Preisrückgänge ein­getreten. Der Sämerei markt hätte niedrige Preise. Das Kohlengcschäft sei ganz gut gewesen, das Maschinengeschäft liege da­gegen noch sehr im Argen und bedürfe großer Mithilfe der einzelnen Genossenschaften. Zum Schlüsse kam Redner auf die A u ß e n st ä n d e de« Verbandes zu sprechen, die auf 8 Millionen Mark angewachsen seien. Der Umsatz im Jahre I

1928 habe rund 21 Millionen Mark betragen und sei im Jahre 1929 auf rund 22 Millionen Mark gestiegen Der Hauptgewinn würde etwa 200 000 Mark betragen. Die eigenen Reserven des Ver­bandes betragen 2 Millionen Mark.

Generalsekretär Dr. Strub behandelte hieraus das Warengeschäst. Der wachsenden Ver­schuldung, hervoracrufen durch die krisenhafte Entwicklung, müsse energisch cntgcgcngetrctcn werden. Bezüglich der Milchabsatzorga­nisation forderte der Redner zu einer ge­schlossenen Front der Landwirte auf, um bei der Preisbildung mitwirken zu können. Die Be­zahlung der Milch müsse nach dem Fettgehalt und nicht nach der Literzahl angeffrebt werden. Als Ziel gelte hierhochwertige Molkereibutter und -Milch" herzustellen, damit die Ausland­konkurrenz ausgeschaltet werden könne. Auf dem Gebiete der Gier Verwertung müsse noch sehr viel Erziehungsarbeit geleistet werden, um einwandfreie Ware dem Markte zu liefern. Sor- tierhtrfe im Cierwesen und Durchleuchten der Eier würden zur Hebung des Absatzes in erster Linie beitragen. Die Eierverwertungszentrale Frankfurt a M . der auch Oberhessen ungegliedert ist. habe 1929 nicht genügend Ware gehabt, die Rachfrage sei hier größer als das Angebot ge­wesen. Redner verlangte die Kennzeichnung des Auslandeies. Auch aus dem Gebiete der Vieh- Verwertung müsse nvch viele Arbeit geleistet werden.

Heber das genossenschaftliche Geld­geschäft referierte alsdann Dr. Winkler von der Zerrtralgenossenschaftsbank. Dieses Geschäft erfordere als Voraussetzung Liquidität und Si­cherheit. Leider sei hier die Liquidität zugunsten der Sicherheit stark vernachlässigt worben. Den Genossenschaften empfiehlt der Redner bei der Auswahl ihrer Scheckkunden und in der Gewäh­rung von Krediten größte Vorsicht

Eine rege Ausspr ache schloß sich an. Rech­ner Becker <Kesselbach) gab dem Wunsche Aus­druck, daß die Anregungen fruchtbringend in den einzelnen Genossenschaften wirken möchten.

Das Schlußwort sprach Direktor Berg. Rur freudige, hingebende Mitarbeit könne über die schwierige Lage im neuen Jahre hinweghelfen. Rechner Becker schloß mit Dankes Worten an Direktor Berg, an die Verbands lei tung und an die Versammelten die Tagung.

Autoverkehr

und Landstraßen-Ltnterhaliung.

Von einem Landarzt in Oberhessen erhalten wir folgende Zuschrift:

Die Straßenverhältnisse in Oberhessen haben sich im letzten Jahre gebessert. Besonders die großen Durchgangs- sog. O-Straßcn sind strecken­weise sehr gefördert worden. Zum Beispiel ist das Stück Ranstadt-Staden, das im letzten Sommer von der Westdeutschen Straßenbaugeselk- schaft mit einer Teer - Makadam - Decke versehen wurde, für den Autofahrer ein wahres Labsal, besonders für den, der das ganze Straßenelend nach dem Kriege hier besonders tief hat auskosten dürfen. Vorausgesetzt, daß die Haltbarkeit mit dem Kleinpflaster, das ja bis jetzt immer das zuverlässigste war, konkurrieren kann, wäre dem Teerverfahren durchaus der Vorzug zu geben. Die Kraftfahrzeugsteuer, die ja leider immer noch nach dem Inhalt der Zylinder berechnet wird, hat dem Staate, hier der Provinz, die Mittel gegeben, etwas wirklich Ordentliches zu schaffen.

Da nun aber bis jetzt nur die O-Strahen an dem Segen teilhatten, befinden sich die kleine­ren Verbindungs st raßen in einem be­trübenden, zum Teil ganz schlimmen Zu­stand. Hierfür find fo gut wie gar feine Mittel vorhanden. Alles was geschieht, ist, daß die Straßenwärter hier und da spitze Steine ous- streuen, über die man hinüber muß, kiloweise Gummi einbüßend. Dabei ist das Bittere, daß gerade die Leute, die mit ihren Fahrzeugen von Ort zu Ort fahren müssen, kleine Geschäfts­leute. Landärzte ufw., die einen großen Teil der Steuer aufbringen, und zwar nach der gleichen Berechnung wie die in Luxuswagen die großen Strecken befahrenden Großkapitalisten, von den geschaffenen Verbefserungen nicht viel haben. Darin liegt eine große Ungerechtigkeit. Man nehme nur einmal den Landarzt als Beispiel. Er muß zu jeder Tages- und Nachtzeit dahin eilen, wohin er gerufen wird, ohne Rücksicht auf Löcher und scharfkantigen Schotter. Er wird auch manchmal ein rasches Tempo einschlagen müssen, auch da, wo man eigentlich gar nicht schnell fahren kann. Steigungen und Kurven find natür­lich auch viel schlimincr. wie auf den Haupt­straßen, die Ueberfichtlichkeit schlechter kurz er wird an Betriebsstoff, Gummi, Verschleiß viel mehr anszuwenden haben, als der beneidenswerte Luxusfahrer. Und bei alledem muß er die gleiche Steuerlast tragen.

Hier muß die Gerechtigkeit, die ja die Zierde und Stärke des Staates ist, eingreifen und muß Erleichterungen schaffen, fo daß Leistung und Gegenleistung nach Billigkeit ausgeglichen werden. Oder es muß eben

dafür geforgt werden, daß auch die Straßen zweiter Ordnung besser werden. Selbst­verständlich ist kein Geld dafür da. Run, dann darf eben nicht alles auf die Hauptstraßen drauf­gehen, sondern ein entsprechender Anteil für die geringeren Verbindungen zurückbchalten werden. Es muß bei unserer vorgeschrittenen Technik Möglichkeiten geben, wie man auch ein kleines Rebensträhchen, aus dem aber gerade so wichtige, oft dringendere Fahrten stattfinden, wie auf großen Strecken, mit wenig Kosten befahrbar machen kann. Damit, daß man ein Paar Wackersteine hinwirft, ist es wirklich nicht getan, die eisernen Reifen der Pferdefuhrwerke kommen ohne Schaden hinüber, aber gerade die Autos, mit denen sich kleine Kaufleute und Landärzte ihr Brot verdienen, müssen jämmerlich notleiden und dabei noch ge­rade so hohe Steuer aufbringen, wie wenn sie auf spiegelglatter Chaussee sanft einhersurrten.

Bornotizen.

Tageskale nderfürMittwoch: Stadt­theater:Der Geisterzug", 20 bis 22 Uhr. Vor­träge anläßlich des Lehrganges fürAuslands' deickfchtum und Schule", 20 Uhr, Aula der Univer­sität. Volkshochschule: GoethesFaust", 20 Uhr, Universität. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ,Linls der Isar rechts der Spree" undKamerad Slag". Aftoria-Lichtspiele:Der rätselhafte Klub" und Flucht vor Blond".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Mittwoch, 15. Januar, findet die erste Wiederholung desGeisterzuges", Spiel in drei Akten des amerikanischen Autors Arnold Nidley, statt (Regie Peter Fafsott). Die Premiere desGeisterzuges" brachte dem Theater einen vollen, wohlverdienten Erfolg.

** D i e Sommerfcrien 19 3 0. Das Mini­sterium für Kultus- und Bildungswesen empfiehlt in einem Rundschreiben nn die Direktionen der Höhe­ren Schulen und an die Stadt- und Kreisschulämter, möglichst den 5. Juli al? Beginn der Sommerferien 1930 zu nehmen. In Orten mit höheren Schulen könne davon abgewichen werden, wenn zwischen Volksschule und höherer Schule eine Dereinbanmg zustande kommt.

** Die Einfuhr von Trockenfleisch nach Hessen gesperrt. Mit Wirkung vom gestrigen Tage an ist die Einfuhr von getrockne­tem Fleisch aus dem Ausland nach Hessen ver­boten. Zuwiderhandlungen werden bestraft.

** Die Erste Reichskurzschriftge- sellschaftGabelsberger" und Da­me nabtcilung e. D. Gießen hielt dieser Dage ihre ordentliche Generalversammlung ab.

AuS dem Dc-rivakttrngSberichk Wer da# 3a$r 1929 ist zu ersehen, daß der Qkrcin innerhalb de« 3ahrcs weiter bedeutende Fortschritte und glän­zende Leistungen erzielt hat. Es wurden drei An­fänger-. drei Fortbildungs-, drei Redeschrift-, drei Praktiker- und sechs Diktatkurse zur Durch­führung gebracht mit einer GefamtteilNeh- merzahl von 553. An Wettschreiben fanden statt? ein Dcrbandswettschrciben. ein Dezirkswettfchvei- ben. ein Vereinswcttschrcibcn und ein Bundes- Femwettfchreiben. An sämtlichen Wettkämpfen beteiligten sich Mitglieder des Vereins und formten folgende Preise erringen: a) Schnell­schreiben. 60 bis 260 Silben: 44 erste und Ehren­preise. 109 erste Preise, 34 zweite Preise, 10 dritte Preise: h) Schön- und Richtigschreiben: 4 erste und Ehrenpreise. 6 erste Preise, 12 zweite Preise, 7 dritte Preise: insgesamt 226 Preise. Die Handelskcnnmerprüfung (150 bis 200 Silben) legten acht Mitglieder mit Erfolg ab. Der Mitgliederbestand hat eine Zunahme von 28 Per­sonen zu verzeichnen. Bei der VorstandSwcchl wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder 1. Vorsitzender Alex Karnbach. 2. Vorsitzender Andr. Merle. Rechner K. Heß 1.Schrift­führer Fritz Rispel, 2. Schriftführer Georg Wahl. ZcitungSwart Frl. Ottilie Tresor Bibliothekar Heirrrich Graf wiedergewählt.

Giraßenkrawalle in Worms.

Ern Demonstrant getötet, 6 Polizeibeamie verletzt.

WSR. Worms, 14. 3an. Gestern nachmittag fand hier wiederum eine von den Kommu­nisten cinbcrufene Erwerbslosenver- sammlung statt. Etwa 500 Personen zogen im Anschluß daran in kleinen Gruppen nach dem Marktplatz, obwohl ein Umzug polizeilich verboten war. Hier hielt der preußische ßand- tag«abgeordnete Müller abermals eine Hetz­rede, nachdem auch in der Versammlung gegen die Polizei in ausgiebiger 'Weise gehetzt worben war. Da eine öffentliche Veranstaltung verboten war, schritt die Polizei ein, um die Leute ab­zudrängen. Der Landtagsabgeordnete Müller forderte, als die Polizeibeamten zur Säuberung des Platzes und der Straßen schritten, öffent­lich zum Wider st and gegen die Poli­zei auf. 3m Laufe der ©äuberungSaftton, bei der mancher mit dem Gummiknüppel Bekannt­schaft machen mußte, wurden sechs Personen zwangsgcstellt, gegen die ein Verfahren wegen Landfriedensbruchs eingeleitet wird. Während der Krawalle und nach der Säuberung lag der Geschäftsverkehr in den angren?- zenden Straßen bis zum allgemeinen AuSein- andergehen der Massen vollkommen brach.

Für heute war eine Wiederholung der Demon­stration angefündigt. Da Zuzug auswär­tiger Kommunisten festgcstcllt wurde, wurde heute nachmittag eine Hundertschaft der Darmstädter Schutzpolizei nach Worms abkommandiert. Unmittelbar nach ihrem Eintreffen nahm sie eine Säubcrungsaktion ter bereits von den Demonstranten stark be­setzten Platze und Straßen vor. Gegen abend kam es zu einem traurigen Zwischenfall, als bei einer neuerlichen Straßenräumung am sogenann­ten Mainzer Tor Schüsse auf die Polizei abgegeben wurden, durch die ein Beamter einen Beinschuß erhielt. Das Feuer wurde darauf erwidert. Ein junger Mann, dessen Personalien noch nicht festgestellt werden konnten, erhielt einen Kopfschuß, ter den sofortigen Tod zur Folge hatte.

Nach einer Meldung der Telegraphen-Union sind bei den Krawallen auch fünf Polizeibeamte durch Steinwürfc am Kopfe verletzt worden. Unter den Verhafteten befindet sich der kommunistische preußische Landtagsabgeordnetc Müller, der die Demonstranten immer wieder gegen die Polizei aufwiegelte. Wie groß die Zahl der Verletzten auf feiten der Kommunisten ist, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, da deren Verletzte sofort weggetragen wurden. Die Polizeiverstärkung aus Darmstadt verbleibt bis auf weiteres in Worms.

Berliner Börse.

Berlin, 15. Jan. (WTB. Funkspruch.) Nachdem es gestern abend in Frankfurt sehr fest war, und die Kurse bei lebhaftem Geschäft weitere mehrprozentige Gewinne erzielen konnten, ist die Stimmung auch im heutigen Frühverkehr als freündlich zu bezeichnen, zumal man den Zwischenfall im Haag als erledigt onsieht. Geschäft konnte sich zwar bisher noch nicht entwickeln, man hofft aber auf neue Kausorders, auch dürfte die Börse selbst noch Deckungsbedürfnis haben. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,92, London gegen Mailand 92,98 zu 93,01, London gegen Spanien zirka 36,70 zu 36,80, London gegen Kabcl 4,8675 zu 4,8680, London gegen Berlin 20,3825 und Kabel gegen Berlin 4,1865 zu 4,1870.

Aus dem Amtsverkündigurrgsblatt.

* Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 4 vom 14. Januar enthält eine Bekanntmachung über die Feldbereinigung Lintenstruth.

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