Mittwoch, 15. Januar MO
180. Jahrgang
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Die Beteiligung der Reichsbank gesichert.
Verständigung mit Schacht. - Oer Veichsbankpräsident fügt sich einem gesetzlichen Zwange und sagt die loyale Mitarbeit der Reichsbank an der Internationalen Zahlungsbank zu.
Schachts Vorstoß.
Der Haß, mit dem vor allem die fozialdemo- kratische Presse den Reichsbankpräsidenten deshalb verfolgt, weil er nach ausgiebigen Beweisen der völligen Unfähigkeit Hil.crdrngs diesen Sckmd, ling der Reichsfinanzen beseitigen half, hat leider dazu geführt, den Vorstoß Dr. Schachts mi Haaa in gehässiger Weise zu entstellen. Es 'st de^alb notwendig, darauf zu verweisen, daß der Bries Dr. Schachts an deii Präsidenten Reynolds k e m Schuß aus dem Rebel ist, sondern die sachliche Antwort auf eine sachliche Anfrage. Der Brief Schachts ist vom 3 0. D e z e m b e r datiert, um diese Zeit auch wenigstens inhaltlich der Reichsregierung bekannt geworden, so daß es wirklich nicht die Schuld des Reichsbankpräsidenten ist, wenn irgendeine Regierungsstelle sich überrumpelt fühlt. Die deutsche Vertretung im Haag gehört wenigstens nicht zu diesen Stellen, die sich haben überrumpeln lassen, denn es ist dem Reichsftnanzm imster, Professor Moldenhauer, sofort gelungen eine Einigung mit Dr. Schacht herbeizufuhren. Daß diese Einigung z unächft formeller R a tu r ist, ist weniger wichtig als die L/atsachs, daß die ganze Aufregung in Berlin entstanden und zu durchsichtigen in ne Apolitischen Z w e ck e n -auägetoeitet worden ist.
Jedenfalls muh die Rumpfregierung in Berlin am 14. Januar nicht mehr ein- noch ausgewuht haben, sonst hätte sie nicht Entschlüsse fassen und Anregungen stattgeben können, die sich weder mit dem Poungplan noch mit dem Statut der Internationalen Bank sachlich decken. Es ist un- rnöglich, für die Reichsbank,' wie es die Rumps- regierung in Berlin verkündete, einen Ers ah cinzuschieben, denn weder die Großbanken noch viel weniger die Preußische Seehandlung sind berufen und geeignet, die deutsche Zentralnotenbank zu ersetzen. Daß nur die Rotenbanken der sieben beteiligten Länder in den Derwal- tungsrat der Internationalen Dank berufen werben sollen, ergibt sich aus dem Aufgabenkreis der Bank, zu dem auch die Sicherung und die Festigung der internationalen Wechsel- kursc gehört. Run ist darauf zu verweisen, daß die Statiiten der Internationalen Bank berücksichtigen, daß, sofern der Präsident einer der beteiligten Rotenbankcn dem Verwaltungsrat nicht angehören kann, zwar ein Ersatzmann zu bestellen ist dieser aber von dem Präsidenten der Zentralbank, der sich nicht wählen lassen will, bestätigt sein muh. Das ist aber etwas ganz anderes als der Ersah der Reichsbank selbst durch eine private Bankengruppe oder durch eine abhängige Staatsbank.
Der Reichsbankpräsident hat in seinem Brief die Beteiligung der Reichsbank an der Internationalen Bank abgelehnt, weil nach seiner begründeten Auffassung der Youngplan durch die Bepackung mit neu«n Lasten finanziell n n d w i r t s ch a f t l i ch n i ch t m e h r a u s f u h r - bar sei. Das ist keine Quertreiberei, sondern zeugt vielmehr von dem hohen Verantwortungsgefühl des Reichsbankpräsidenten, der als solcher nicht von einer sehr wandelbaren ParlamentsmehrlM bestellt ist sondern die Ausgabe hat, die (3 r u n b ( a g e n und die Sicherheit de r b e u t s ch e n W ä h - r u n g zu überwachen. Von dieser Warle sieht sich sehr vieles anders an, als von der eines parlamentarischen Ministers, der damit auch noch nicht den Befähigungsnachweis zu erbringen braucht, daß ihm die Probleme der internationalen Währungspolitik geläufig sind. Wer aber den Reichsbankpräsidenten deshalb weil er seine Pflicht als unabhängiger Leiter der unabhängigen Zentralnotenbank getan hat, der Reichsregierung botmäßig machen will, verwechselt Ursache und Wirkung. Das Reichsbankstatut kann nicht einseitig von Reichsregierung und Parlament geändert werden, denn, was wir leider immer wieder vergessen, Dawes- plan und Poungplan haben die deutsche Finanz- Hoheit, wozu auch die Reichsbank gehört, in entscheidender Weise erschüttert.
Um den Reichsbankpräsidenten zu einem nur ausführenden Organ der Reichsregierung zu machen, find ganz andere Maßnahmen erforderlich als nur ein Beschluß politischer Parteien. Tatsächlich ist die Abneigung der Sozialdemokratischen Partei gegen Dr. Schacht in der Hauptsache nur dadurch entstanden, weil Schacht die B e r a t u n g s st e l l e für Auslandanleihen maßgebend beeinflußt. Daß aber Auslandanleihen nicht unbegrenzt hereinströmen können und werden, sofern ein sozialistischer Reichsfinanzminister dies für notwendig hält, das sollten schließlich auch die Führer der deutschen Sozialdemokratie wissen. Und damit der Hetze gegen Dr. Schacht Einhalt gebieten, die dem deutschen Kredit im Auslande empfindlichen Schaden zufügen muß.
Dr. Schacht hat sich nach der Aussprache mit Aeichssinanzminister Moldenhauer bereit erklärt, sich für die Beteiligung der Reichsbank an der Internationalen Bank eiirzusehen, wenn dies im Haager Protokoll ausdrücklich fest- gelegt wird. Das ist keine Unterwerfung, denn der Reichsbankpräsident trägt nicht die Verantwortung für Beschlüsse und ihre Folgen, zu deren Ausführung er gesetzlich verpflichtet ist. Mit Energie muß aber den Versuchen abgewehrt
werden, die Kritik der französischen undenglischenPressean dem Vorstoß des Reichsbankpräsidenten zum Rachteil der deutschen Politik auszunützen. Die Dinge sind ohnedies nicht so verlaufen, als daß wir Ursache haben, besonders damit zufrieden zu sein. Wenn aber die Gläubiger die Entdeckung machen, daß es genügt, eine immer noch maßgebende deutsche Per- önlichkeit, hie amtlich an der Ausführung des Boungplanes in hervorragender Weise beteiligt ist, mit gehässigen Angriffen zu überhäufen, um eine weitere Nachgiebigkeit Deutschlands zu erzwingen, so ist nicht abzusehen, auf welch eine gefährliche Bahn wir uns damit begeben.
Als Snowden im September im Haag hartnäckig und unnachgiebig eine Erhöhung der englischen Tributrate forderte, wurde er von der g e - amten englischen Presse ohne jede Rück- icht auf die Parteistellung kräftig unter- tützt. Wenn ein deutscher Staatsmann etwas Aehnliches unternimmt, so wird er dafür aus parteipolitischen Gründen von einem Teil der deutschen Presse mit Schimpf und Schande überhäuft. Kein Wunder, daß der Weg der deutschen Verhandlungen auch ein Weg der Niederlagen ist.
Oie Einigung mit Schacht.
Eine Verlautbarung der deutschen Delegation.
Berlin, 14. Jan. (IBB.) Die deutsche Delegation im Haag hat. wie gestern schon kurz gemeldet, folgendes Kommunique ausgegeben: Die deutsche Delegation wird in der Mlttwochslhung die erforderlichen Schritte tun, um die Beteiligung der Reichsbank an der Bank für internationalen Zahlungsausgleich und die Mitwirkung der Reichsbank bei den Ausgaben der Bank für den internationalen Zahlungsausgleich gesetzlich zu gewährleisten. Me wir weiter hören, hat der Reichsbankpräsident in einer Besprechung mit Reichs- flnan,Minister Moldenhauer erklärt, sich selbstverständlich für diesen Fall den daraus sich ergeben- den Verpflichtungen n i ch t z u e n t z i e h e n. Damit ist die Mitwirkung der Reichsbank gesichert. In einer sich anschließenden Besprechung des Reichsbankpräsidenten mit sämtlichen vier deutschen Delegierten wurde die U e b e r e i n f( i m - m u n g auf vorstehender Grundlage fest- gestellt.
Zu den Vorgängen, die mit dein Schachtzwischen- fall im Zusammenhang stehen, erfahren wir, daß nach dem ersten versuch einer Lösung der Schwierigkeiten durch Zuziehung einer anderen Bankengruppe als Ersah die Frage der g e - schlichen Regelung heute vormittag aufgeworfen worden ist mit dem Ziele, die Reichsbank zu der Beteiligung an der B. 3.3- heranzuzichen. Daraufhin ist Reichsbankpräfident Dr. Schacht von der Delegation die Frage vorgelegt worden, ob er unter gesetzlichem Zwang bereit sei, an der Durchführung der der Reichsbank zugedachten Aufgaben mitzuarbeiten. Er gab die klare, unmißverständliche Antwort, daß er sich selbstverständlich dem Gesetz fügen und loyal mitarbeiten werde. Dann ist dieser gesetzliche Schritt vorbereitet worden, und nachdem er heule abend juristisch abgeschlossen sein wird, wird er morgen den Mächten in Form eines Vorschlages zugeleilel werden. Die Durchführung ist so gedacht, daß im Schlußprotokoll der Haager Konferenz fe st gelegt wird, daß die Reichsbank die erwähnten Funktionen übernimmt. Ob auch im Reichsbankgeseh ein Zusatz oder eine Veränderung notwendig wird, ist zur Zeit noch nicht geklärt; doch würde man die Beschränkung auf das Schlußprotokoll vorziehen, um nicht den Eindruck einer ad hoc geschaffenen Maßnahme zu erwecken, die in dem dauernd gedachten Gesetz für die Reichsbank verankert wäre. Man nimmt an, daß die Vorschläge der Delegation von der Gegenseite angenommen werden, nachdem der Präsident der Konferenz offiziell von ihnen in Kenntnis gesetzt worden ist. 3m Falle des Erfolges würde von dec Heranziehung einer Erfahgruppe abgesehen und Dr. Schacht weiter im Organisationsausschuß tätig bleiben können; es wird daher morgen auch festgesiellt werden, ob der Ausschuß bereit ist, unter diesen Voraussetzungen und in dieser Form feine Arbeit fortzusehen. Selbstverständlich ist ein vielfacher Meinungsaustausch über diese Fragen mehr oder weniger formlos vor sich gegangen, wobei alle möglichen v e r m u l u n g e n in die Oeffenllich- keit gedrungen sind. Eine Aenderung des vankgesehes, wie sie in solchen Vermutungen erwähnt worden ist, insbesondere mit Bezug auf den Paragraph 6, Bestellung des Reichvbankdirektoriums und des Reichsbankpräsidenten, ist nicht beabsichtigt. Weiter ist jedoch zu betonen, daß es sich bei den vorstehend geschilderten Ereignissen des heu
tigen vormittags nicht etwa um einen vertrag der Reichsregierung mit dem Reichsbankpräsidenten, sondern um einen Beschluß des M i - nislerrates handelt, dem eine Anfrage an den Reichsbankpräsidenten über sein beabsichtigtes Verhalten folgte.
Schachts Brief an Reynolds.
Kein Eingriff in dieHaagerBerhandlungcn.
Berlin, 14.Ian. (VDZ.) Unser Sonderberichterstatter im Haag hatte Gelegenheit, mit dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht über feinen Standpunkt und die gestrigen Vorgänge zu sprechen, wobei die- er unterstrich, daß der den Vorgängen zugrunde liegende Brief an Reynolds bereits 14 Tage alt war, also unmöglich als ein Eingriff in die Haager Verhandlungen oder als deren Behinderung empfunden werden könne. Es sei lediglich der Ausdruck seiner persönlichen
Berlin, 14. Ian. (Funkspruch.) Zur Beilegung der Krise im Haag und der Verständigung mit Dr. Schacht schreibt die „Germania", Schachts Rachgeben habe auf einen Schlag die Konferenzatmosphäre wieder erhellt. Es bleibe aber der bittere Rachgeschmack eines Konfliktes, der mit mehr gutem Willen auf beiden Seiten hätte vermieden werden können. Die „D. A. Z." verzeichnet ein Gerücht aus Kreisen der französischen Delegation, daß sich T a r d i e u nach seiner Rückkehr keineswegs mit der Erledigung des Falles Schacht zusriedengeben werde. Er könne keine „loyale“ Mitwirkung der Reichsbank darin sehen, wenn das Institut sich nur einem gesetzlichen Zwang füge. Angesichts dieses Gerüchtes tritt das Blatt für eine wirkliche Beilegung der Differenzen zwischen Dr. Schacht und der Reichsregierung ein. — Die „Deutsche Tageszeitung" spricht die Erwartung aus, daß Dr. Schacht die immer noch im Hintergrund spukende Politisierung der Reichsbank unter keinen Umständen mitmachen werde. Die völligellnabhängigkeit unseres Zentral- notenbanlshstems bietet die einzige Abwehr gegen die Wirtschafts- und Währungssabotageversuche der radikalen Linken.
Die „Börsen-Zeitung" stellt fest, daß der Reichsbankpräsident den von der deutschen Delegation gemachten Vorschlag nicht gebilligt, sondern ihn lediglich als einen „Zwangsakt", dem er sich nicht entziehen kann, hingenommen habe. Wenn auch die jetzige „Lösung" nicht als ein voller Erfolg des Reichsbankpräsidenten an- gesprochen werden könne, so sei sie aber auf der anderen Seite noch viel weniger ein „Sieg" der Regierung oder der parteipolitischen Gegner Dr. Schachts, deren Hauptziel, Herrn Schacht durch eine Aenderung des Reichsbankgesetzes zum Rücktritt zu zwingen, jedenfalls nicht erreicht sei. Bei dem Kompromiß, um das es sich handele, habe die Regierung zweifellos wesentlich mehr nachgeben müssen, als Dr. Schacht. — Der „Lokal-Anzeiger" sagt, die letzte Möglichkeit, wenigstens den ursprünglichen Poungplan wiederherzustellen, sei am Dienstag von der deutschen Delegation preisgegeben worden.
Die „Dossische Zeitung" schreibt, die Schachtkrise der Haager Konferenz sei äußerlich beigelegt, es sei aber fraglich, ob nicht Schacht bei Gelegenheit seinen Bedenken wieder Luft machen werde. Deshalb fei eine Klärung notwendig. Schacht müsse sich entscheiden für ferne Privatmoral oder für diejenige Moral, die die Reichsregierung für den einzig gangbaren politischen Weg halte. — Der „Vorwär t s" stellt fest, daß es als Ergebnis des Kampfes keine Sieger, fonbern nur Besiegte gebe. Die Autorität des Reiches habe vor den versammelten Staatsmännern der Welt einen empfindlichen Stoß erlitten. Das sozialdenwkratische Zentralorgan erhebt dann auf feiner Titelseite in großer Aufmachung die Forderung: „Fort mit Schacht!" Das Blatt nennt die Präsidentschaft des Herrn Schacht einen furchtbaren Schaden für die Wirtschaft und einen unerträglichen Zustand für den Staat. „Gerade das Theater, das Herr Schacht am Montag im Haag aufführte, hat einen neuen unwiderleglichen Beweis dafür geliefert, daß Schacht ein unmöglicher Reichsbankpräsident ist, und daß et verschwinden muh. Ihn weiter schalten lassen wie bisher, heißt die Verfassung entfeelen, den demokratischen Staat entmachten, dem internationalen Finanzkapital die Herrschaft überlassen. Weil wir das nicht wollen, darum fort mit Schacht! So denken heute in Deutschland Millionen gewerkschaftlich organisierter 2lr-beiter, Millionen Wähler der sozialdemokratischen Partei, Millionen überzeugte Republikaner. Eine Volksbewegung ist im Gange. Wer in Deutschland oder im Ausland Politik treibt, wird gut tun, mit bitter Tatsache zu rechnen."
Ueberzeugung mit Bezug auf die Grundlagen der Verstänbigung gewesen, die er für notwendig gehalten habe. Wie weit die politischen Möglichkeiten zu ihrer Durchsetzung reichten, gehöre weder zu den Kompetenzen des Reichsbankpräfiden- tcn, noch zu denen des Sachverständigen. Der Brief habe mit seiner Aktion als Sachverständiger, wie sie in dem bekannten Dezember- memorandum niedergelegt sei, nicht unmittelbar zu tun; die Tatsache, daß dieser Sachver- R gleichzeitig Reichsbankpräsident sei, habe für irteilung der sachlichen Grundlagen, die für bas Schreiben des Reichsbankdirektoriums bestimmend waren, höchstens insofern Bedeutung gehabt, als er persönlich zugleich der Sachverständige und der Präsident der Reichsbank sei. Das Schreiben des Reichsbankpräsidenten ist, wie erneut festgestellt wird, von dem Direktorium der Reichs- dank gebilligt worden und trägt auch die Unterschrift des Vizepräsidenten der Reichsbank.
pariser Hetze gegen Schacht.
Paris, 15. Jan. (WTB. Funkspruch.) „Echo de Paris" schreibt: Für den Augenblick verlaufe alles so, als ob Dr. Schacht seineStellungbchal- t e n und das Statut der Bank keine Abänderungen erfahren solle. Der Reichsbankpräsident benehme sich keineswegs wie ein Mann, der eine Kränkung erfahren habe. Er empfange bie Journalisten wie ein Regierungschef. Er werde sich bei der ersten günstigen Gelegenheit wieder in die Arena begeben. In vielen Kreisen nehme man an, baß Tarbleu unter Berufung auf ben Vorfall vom Montag festere Garantien fordern werde. — „Petit Parisi en" schreibt, bas ganze beutsche Währungssystem hänge von der Reichsbank ab, und ber ganze Youngplan beruhe auf dem Beistand dieses Instituts. Es sei unerläßlich, daß an der Spitze der Reichsbank ein Mann stehe, der aufrichtig für Frieden und Versöhnung eintrete. — „Quotidien" führt aus, einRatio n a l i st, w i e D r. Schacht (der Reichsbank- Präsident gehörte bekanntlich bis vor kurzem der Demokratischen Partei an. D. Red.), der ein Feind des Poungplanes fei, dürfe nicht auf einem Posten geduldet werben, auf dem er den Poungplan und die Hoffnungen auf eine endgültige Regelung zunichte machen könne.
Britische Kritik.
London, 15. Ian. (WTB. Funkspruch.) Die Blätter beschäftigen sich weiter mit dem Zwischenfall im Haag. , Financial Rews" spricht von einer völligen Rrederlage Dr. Schachts. „Times" meldet: In Beantwortung ber Drohung Dr. Schachts hat die beutsche Regierung eine Politik beschlossen, vor ber Dr. Schacht kapituliert hat, ober genauer gesagt, als deren logische Folge er die Kapitulation anerfannt hat. Durch sein Verhalten hat er sein möglichstes getan, um jede Verantwortung für die von ihm mißbilligte Entwicklung abzulehnen. Glücklicherweise hat Dr. Schacht seine unbesonnene Handlung so spät begangen, daß der im übrigen befriedigende Gang der Erörterungen nicht weiter gestört wurde. Es scheint, daß die meisten, wenn nicht alle unerledigten Fragen zwischen Deutschland und ben Gläubigermächten im wesentlichen geregelt sink». Wenn vor Ende der Woche eine völlige Einigung über alle Punkte von größerer Wichtigkeit erreicht wäre, so würde dies ermöglichen, den Voungplan, wenigstens soweit Deutschland und die Hauptgläubiger in Betracht kommen, unverzüglich in Wirksamkeit zu setzen.
Während „Daily Herald" aus dem Haag mel- bet, Dr. Schacht habe nach einiger Spiegelfechterei „bemütig kapituliert", bekunbet ber französische Korrespondent bes „Daily Telegraph" Besorgnis wegen ber Entwicklung ber Dinge. Er sagt, die beutsche Regierung habe anscheinenb ben Gebauten einer Abänberung bes Reichsbankstatutes aufgegeben. Alles beute barauf hin, daß Dr. Schacht nichtzurücktreten werbe. Dr. Moldenhauer habe diese Tatsache im Gespräch mit Cheron nicht verheimlicht. Infolgedessen sei die Befürchtung, daß Dr. Schacht die Arbeit ber B. I. Z. untergraben werbe, immer noch berechtigt. In feinen gestrigen Aeußerungen gegenüber Pressevertretern habe der Reichsbankpräsident wie ein Mann gesprochen, der beabsichtigt, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit seine Macht zu gebrauchen.
Gaargebiet und ftoungplan.
Zur Verlängerung der Amlsdauer der Laarregiernng.
Saarbrücken, 14.Jan. (Tel.-Un.) Die Tatsache, baß der Bolterbunbsrat ausgerechnet zwei Tage vor der Wiedereröffnung der Pariser Saaroerhandlungen in der Genfer Eröffnungssitzung am Montag bas Manbat der Saar» regierungskommission auf ein weite-
9er Haager Zwischenfall im Spiegel der preße.


