Ausgabe 
14.11.1930
 
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Oberheffen.

Vad-Aauheimer Verkehrsfragen.

4 Bad-Nauheirn, 12. Nov. Die unter dem Dorsitz von Diplomingenieur Weniger abgehaltene jüngste Sitzung des Gesamtaus­schusses des Derkehrsvereins befaßte sich mit einer Reihe wichtiger Derkehrsfragen.

Zunächst wurde den vom Einzelhandel und dem Verkehrsverein am silbernen und goldenen Sonn­tag geplanten

weihnachlsveranstaltungen zugestimmt. Es soll, wie im Vorjahre, an beiden Sonntagen ein Lichtfest durchgeführt werden, unter Mitwirkung von Stadt und Bad- und Kurverwaltung, die in ihrem Bereich die wir­kungsvolle Gestaltung der Lichtreklame überneh­men. Der 75. Geburtstag des Sprudels 12 gibt Veranlassung, dieses für das Bad wichtigen Ge­denktages durch eine symbolische Darstellung im Sprudelhof gerecht zu werden. Der Einzelhandel führt einen Schaufensterwettbewerb und einen Losevertrieb in Verbindung mit dem Warenverkauf durch.

Der jährlich in einer Auflage von 20 000 Stück zur Ausgabe kommende

Fremdenführer

soll 1931 wesentlich verbessert werden. Der uck- sangreiche Anzeigenteil soll in der seitheri­gen Form in Wegfall kommen und durch einen kurzenWegweiser durch die Hotels und Geschäfte" erseht werden.

Den Bemühungen des Derkehrsvereins ist es gelungen, für Anfang Mai die

Tagung des Genossenfchaftsverbandes heffeN'Mittelrhein

mit etwa 600 Teilnehmern nach hier zu bringen, Das bis dahin fertiggestellte K e r ck Hoff- Institut wird seinen großen Saal für den Kongreß zur Verfügung stellen, falls andere Unterbringung nicht möglich sein sollte. Man hofft aber, bis dahin beim Ministerium Entgegen­kommen insofern zu finden, daß die Räume des Kurhauses, die bisher nur von Presse- und Aerztetagungen benutzt werden konnten, auch an­deren Verbänden für Kongresse zugänglich ge­macht werden können, soweit dadurch die Interessen der Kurgäste nicht geschädigt werden.

Zugestimmt wurde einer Eingabe an die hessische Regierung und sämtliche Landtagsabgeordnete, worin auf die Schädigungen hingewiesen wird, die bei

Abführung zu hoher Summen aus den Erträgnissen des Bades an die Staatskasse dem Dad und seinen Einrichtungen erwachsen tonnen. Die Entnahme von 300 000 Mk. aus dem Erneuerungsstock des Bades, die 1930 noch zu den an sich schon der Staatskasse zufließenden 350 000 Mk. gekommen seien, habe die Ausführung wichtiger, im Interesse des Bades liegender Er­neuerungen und Derbesserungen unmöglich ge­macht. Wohl solle auch in Zukunst aus den Er­trägnissen des Bades der Staatskasse eine ge­wisse Summe zufliehen, die aber auf keinen Fall über den Betrag der Dorkriegszeit in Höh« von 200 000 Mk. hinausgehen dürfe.

Zu den wichtigen Aufgaben, deren Lösung un­terblieben sei, gehöre der

Jleubau der Johannisberg-Restauration,

wofür Pläne und Entwürfe schon längere Zeit vvrliegen. In einer Eingabe an die Kurverwal­tung und das Finanzministerium, die ebenfalls -Annahme fand, wird um Inangriffnahme des im Interesse des Bades dringend notwendigen Baus möglichst noch in diesem Winter gebeten. Die Ein­gabe weist auf die neu gegründeteDeutsche Ge­sellschaft für östentliche Arbeiten" hin, deren Mit­hilfe möglichst in Anspruch genommen werden solle.

Landkreis (tficßcn.

* Klein-Linden, 13. Rov. Zu dem Bericht über die jüngste Gemeinderatssihung, in der über die Wasserbezugsordnung und das Kanal st atut beschlossen wurde, ist zwecks einwandfreier Klarstellung ergänzend zu bemer­ken, daß von der Gemeinde ein Kanal bis an die Grundstücksgrenze und der Wasserlei­tung s a n s ch l u ß bis zu einem Meter in den Keller des Grundstücks hineingeführt wird.

U Großen-Linden, 14.Rov. Bei dem Stenographenwettbewerb am 9. Rov. , sind außer den gemeldeten noch folgende Teilneh­mer mit Auszeichnungen bedacht worden: 160 Silben: 1. Preis und Ehrenpreis: Ottilie Schm u lb ach, Gießen (Reichsbahn): 1. Preis: Karl Spieß, Großen-Linden.

t Alten-Duseck, 11. Rov. Am vergange­nen Sonntag veranstaltete die Sängerver­einigung Alten-Duseck ein Konzert. Die sehr zahlreichen Zuhörer waren erbaut von dem gebotenen Kunstgenuß. Aufmerksam folgten die Sänger ihrem verdienstvollen Dirigenten K. R i c o l a i, so daß die Kunstch^re, wie Dollslieder schön zu Gehör kamen. Als Höhepunkt dec Dor- tragssvlge brachte die Sängervereinigung einen Straußwalzer mit Orchesterbegleitung:Morgen­blätter" zum Dortrag. Sehr gut einstudiert, stellte er das Können des Vereins in volles Licht. Diri­gent, Chor und Orchester bildeten dabei ein Gan­zes. Reicher Beifall belohnte die Mitwirkenden. Den Abschluß des Programms bildete ein humo­ristisches Volkslied. Umrahmt wurden dieSesangs- Vorträge durch Darbietungen eines Streich- orchesters, das, ebenfcäls unter Leitung von Herrn R i c o l a i stehend, zum Gelingen des Abends erheblich beitrug. Anschließend folgte ein Theaterstück, das von der Gießener Theaterver­einigung 1926 aufgeführt wurde. Don den Dar­stellern aufs Beste dargestellt, erfreute es die Be­sucher in hohem Maße. Mit Stolz kann die Sän­gervereinigung auf dieses Konzert zurückblicken.

d Burkhardsfelden, 13. Rov. Linser Gemeinderat beschloß in seiner letzten Sitzung die Erhebung der D i e r st e u e r. Die Erhebung der Kopfsteuer wurde abgelehnt. Die Sammlung zugunsten der Gießener Studentenhilfe ergab in unserer kleinen Ge­meinde den schönen Ertrag von über 14 Zentner Kartoffeln und auch etwa 1 Zentner Kraut. Eben­so ergab eine Raturaliensammlung für das Evangelische Schwesternhaus in Gießen, veranstaltet von unseren Konfirman­den, einen erfreulichen Ertrag an Kartoffeln unb Kraut. Gegenüber sonstigen Jahren fehlt diesmal das Obst vollständig, da die Ernte hierin, wie auch wohl überall, sehr schlecht war. Eine Haussammlung der Schulkinder für die deutschen Schulen im Ausland brachte die Summe von 29,65 Wk.. welche der Geschäfts­stelle des DDA. in Darmstadt überwiesen wurde.

* Staufenberg, 14. Rov. Im Kranze der Burgen der näheren Umgebung von Gießen bildet die Burg Staufenberg wegen des von dort weithin reichenden Blickes in das Lahn- tat, das Salzbödetal und auf die umliegenden Berge einen besonderen Anziehungspunkt für Ausflügler und Wanderfreunde. Um den Be­suchern der Burg den Aufenthalt nach jeder Richtung hin so angenehm wie möglich zu machen, hat der Durgwirt Ludwig Bierau einen mit neuzeitlichen Einrichtungen versehenen S a a l b a u an das Gasthausgebäude anbauen lassen, der am nächsten Sonntag eingeweiht werden soll. Bei der Errichtung dieses Saales ist darauf Bedacht genommen worden, daß er sich an den Charakter der übrigen Burggebäude gut anschlieht, ferner ist für den Einbau aller neuzeitlichen hygieni­schen Einrichtungen Sorge getragen. Die Burg Staufenberg wird durch diese zeitgemäße Ver- vollständigung auf alle Ausflügler sicherlich er­höhte Anziehungskraft ausüben und den Be­suchern nach jeder Richtung hin einen angenehmen Aufenthalt bieten. (Siehe heutige Anzeige.)

* Bellersheim, 13. Rov. Der Pächter un­serer Gemeindejagd, K. Schnetz in Frankfurt am Main, wurde auf der Geweihausstellung in Frankfurt am Main für zwei in diesem Jahve erlegte Rehböcke mit der goldenen und der silbernen Medaille ausgezeichnet.

O Holzheim, 12. Rov. Zur Zeit ist man hier damit beschäftigt, durch Erwerbslose den G a l g e n b e r g", der seither als Schuttablade­platz diente, ebenen und mit Bäumchen bepflanzen zu taffen. Vorgesehen ist die An­pflanzung von 30 Zw?tschen- und etwa 100

Beginn

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Zigeuner, die von hier aus zur Richt­geführt wurden. 3m Turm ist außerdem

einige stätte

herrschen.

Das große

runde verlieh im Turm barg des 19. Jahrhunderts die letzten Gefangenen,

noch eine Ka ttundruckerei und eine Rüft- Jammer untergebracht, ganz oben aber finden wir eine freundliche, behäbige Bauernstube vor, von der aus der Blick über die vielgestaltigen Dächer der Gießener Altstadt schweift.

Zusammengefaht: Es ist kaum zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß die Gießener stolz sein dürfen auf das Oberhessifche Museum und die damit verbundenen Gailschen Stiftungen. Das Museum wird zudem durch Reuankäufe, durch Stiftungen oder durch die Ausgrabungen, die von Zeit zu Zeit durchgeführt werden, ständig ergänzt und vervollkommnet. In übersichtlicher Form ist alles von sachkundiger und verständnis­voller Hand geordnet, gesichtet, auf Wert und Unwert geprüft und eingereiht worden, so daß der Besucher nicht nur Gelegenheit hat, einen rasch orientierenden Blick in die Vergangenheit und in ferne Jahrtausende zu tun, sondern auch der Wissenschaftler hier für seine Studien zuverlässiges Material vorfindet, das ihm große Dienste zu leisten vermag.

Menschheitsgeschichte hinter Glas

Sieben Jahrtausende im Spiegel -es Oberhessifchen Museums.

Kirschstämmen. Man trägt sich weiter mit dem Gedanken, am Galgenberg eine Hühners arm anzulegen. Durch die Konfirmanden wurden für den Hessischen Diakonieverein an­nähernd 70 Mk. gesammelt.

Kreis Friedberg.

0 Kirch-Göns, 13. Nov. Am Sonntagabend veranstaltete die Evangelische Jugend- gruppe Lang-Göns unter Leitung des Pfar­rers Wahl und unter Mitwirkung des Posaunen­chors Lang-Göns im Saale des Gastwirts Ludwig Müller eine Reformationsfeier. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Pfarrer Wahl hielt einen lehrreichen Lichtbildervortrag und führte die Versammelten in Wort und Bild in die Zeit der Reformation. Im Anschluß daran wurde ein Refor­mationsfestspiel, das großen Beifall fand, aufgeführt. In seiner Schlußansprache wies Pfarrer Wahl aus den Wert des Bekenntnisses hin und forderte auf, in ehrlichem Bekennen zum evangelischen Glauben den Feinden des Christentums zu trotzen.

~ Pohl-Göns, 13. Rov. In einer gut be­suchten Versammlung des Kriegervereins sprach der Heimatdichter Wilhelm Reuter (Dornholzhausen) über das Thema:Schlacht­felder in Äordf rankreich". In zweistündigem Vortrag zeichnete der Redner seinen Zuhörern ein Bild von der heutigen Verfassung der Schlachtfelder im Westen, die er vom Feldzug her kannte und bereits zweimal in der Nach­kriegszeit besucht hatte. Reicher Beifall wurde dem Dortrageirden zuteil.

KrciS Schotten.

T Schotten, 12. Nov. Ende November halt die Hessische Dereinigung für Dolks-

In unserer Zeit, da der heutige Tag den gestri­gen nur allzu leicht vergessen macht, greifen die, Gedanken der Menschen in der Regel nicht weit zurück. Im Kreis der Erinnerung lebt oft nur das Eigenerlebte und davon wieder nur das bedeu­tende Erlebnis, das außergewöhnlich Erscheinende. Erst dann, wenn der Alltag in seiner Triste im Menschen einmal Protest auslöst, ist für viele der Zeitpunkt gekommen, den Schritt einmal zu Stätten zu lenken, die innere Erbauung zu vermit­teln vermögen.

Mehr unbewußt, als bewußt wird aus diesem Grunde der eine oder and^e den Weg in das Oberhessische Muse um wohl gesunden ha­ben. Der Besuch im Oberhessischen Museum und den Gailschen Stiftungen hat sich in der letzten Zeit etwas gehoben, erfreulicherweise: man mag das als ein Zeichen von Erlebniswunsch oder ein­facher, vielleicht auch der Witzbegierde deuten. Erfreulich aber ist die Erscheinung in jedem Falle.

Das Museum im Alten Schloß vermag tat­sächlich auch vieles zu vermitteln, Erlebnis sowohl, wie wissen und vertiesung: es ist schlechterdings einmalig.

Für uns aber besonders wertvoll deshalb, weil es Dinge birgt, die unserer engeren Heimat ent­stammen und damit den Sammlungen das un­bestreitbare Recht geben, den NamenOberhessi­sches Museum" zu führen. Allerdings nur in Ver­bindung mit den Gailschen Stiftungen. Eine schier unermeßliche Fülle der verschiedensten Dinge tritt dem Besucher dort entgegen, kaum vermag das Alte Schloß alles zu fassen. Man­ches Wertvolle ruht aus Platzmangel in Maga­zinen.

Don besonderem Werte und deshalb in erster Linie zu nennen sind

die prähistorischen Sammlungen

des Museums, die von außerordentlicher Reich­haltigkeit und Dollständigkeit sind. Aus der P a l e o l i t i k (ältere Steinzeit bis 10 000 v. Ehr.) finden wir in dem Museum viele Steinwerkzeuge und allerlei Lieberreste aus Grabstätten vor, die Aufschluß geben über den Stand der Kultur der Menschen in grauer Dorzeit. Aus der Ne olitik (jüngere Steinzeit etwa bis 2000 v. Ehr.) verfügt das Museum neben den wohl allgemein bekannten Steinwerkzeugen über Funde aus Erd- und Feuer­bestattungen, die zuverlässige Schlüsse aüf die Exi­stenzformen der Menschen jener Epoche und viel­leicht auch über die religiöse Vorstellungswelt zu- lassen. Schöne Gesäße, mit mannigfachen Orna­menten verziert, fesseln die Aufmerksamkeit. Eine Steinbohr-Maschine" verdient alle Beachtung. Verschiedene andere Dinge aus diesem Abschnitt deuten auf die Uranfänge des Handwerks, des Ackerbaues und der Fischerei hin.

Aus unserer engsten Heimat, vom Trieb, stammen zahlreiche Funde der Bronzezeit (2000 bis 1000 v. Ehr.). Hier fallen besonders Schmuck- gegenstände, prächtig geformte Radnadeln, spiralförmiger Armschmuck u. a. m. auf, die alle, von der Patina der Jahrtausende überhaucht, in mattem Grün schimmern. Zugleich aber bewundert man das starke ornamentale Empfinden, das die Handwerker jener Zeit in ihren Arbeiten bewie­sen haben. Halsketten aus Bernstein, in vielfäl­tiger Form gestaltet, sind Kabinettstücke ihrer Art. Diese äußerst wertvollen Funde wurden auf dem Trieb und auf den Ausgrabungsstellen bei Nie- der-Mockstadt gemacht.

Aus dem älteren Abschnitt der Eisenzeit (sog. Hallstadtzeit 1000 bis 500 v. Ehr.) finbejx wir die ersten eisernen Gerätschaften. Besonders die Funde aus dem Königsgrab von Muschenheim -sind ein.Spiegel dieser Epoche. Namhafte Funde stammen von Mainzlar, Nieder-Mockstadt, aus der Lindener Mark und von Langsdorf. Aus der La-Töne-Zeit (500 v. Ehr. bis in die römische Kaiserzeit) sehen und bewundern wir abermals zahlreiche Dinge als Zeugen vergangener Tage.

Jnkeressank ist dabei die Tatsache, daß man auf dem Trieb jeweils Gegenstände aus all den genannten Zeitabschnitten sand, ein Zeichen dafür, daß die hiesige Gegend schon vor 5000 Jahren und auch in der Zwischenzeit bis auf den heutigen Tag stets besiedelt war.

Als Träger der La-Tene-Zeit treten nachweisbar bereits die Kelten und die Germanen auf.

Einen nicht weniger interessanten Abschnitt in der Sammlung bilden die Gegenstände aus der Zeit der R ö m e r, die in den ersten nachchrist­lichen Jahrhunderten in germanischen Landen die Kultur maßgeblich beeinflußten. Aus dieser Epoche finden wir eine Gläsersammlung vor, in der wert­volle Stücke vorhanden sind. Einige plastische Werke geben Zeugnis von der hohen Kultur der Eindringlinge. Das Museum birgt aus dieser Zeit außerdem und u. a. auch einige Pfeiler der von

Oberstudiendirektor Dr. Faber, Friedberg (Volkskundliche Sammelarbeit"), Oberstudienrat Keller, Friedberg (Volkskunst"), Lehrer Ost­wald, Bad-Nauheim (.Vottsbotanic"), Professor Dr Maurer, Gichrn (,Der Vo kskundeatlas"), Professor Dr. S p i l g e r, Darmstadt (.Die Be­arbeitung des volksbotanischen Fragebogens"), und Lehrer W ü r z, Eiche soorf (.Die Volkskunde als Helferin in der Heimatschule"). Die Lehrer­schaft des Kreises wird voraussichtlich durch das Kreisschulamt zur Teilnahme an der Veranstal­tung eingeladen werden.

* Feldkrücken, 12. Nov. Dieser Tage ver­liest Lehrer Adolf Schön unfern Ort, um feine neue Lehrerstelfe in Rülfenrod-Otterbach anzutreten. Die Gemeinde b. dauert den Wegzug dieses Schulmannes besonders deshalb, weil er den Kindern ein tüchtiger Führer war, ander­seits aber, weil der Scheidende dazu beig:tragen hat, in der Gemeinde ausgleichend zu wirken. Der Männergesangverein ver.i:rt in ihm den För­derer, dem der Verein seine Entwicklung und rasche Blüte zu verdanken hat.

Kreis Alsfeld.^

---er. Homberg, 13. Nov. Die Stadtverwal­tung läßt gegenwärtig, hauptsächlich um zur Linderung der Not der Erwerbslosen beizutragen, durch die neuangelegte Gartenstraste die Was­serleitung legen. Diese Arbeiten können durchgeführt Werder, da der Fluchtlinienplan für ldiesen Straßenzug bereits vor längerer Zeit festgelegt wurde. Die wenigen Anwohner haben bisher durch Seitenanschlüsse ihren Wasserbedarf gedeckt.

Wegen Werkspionage verhaftet.

WEN. Worms, 12. Nov. Vor einigen Ta­gen wurde hier ein Obermeister aus Bürstadt, der früher im Werk Liebenau beschäftigt war, wegen Werkspionage verhaftet. In­zwischen sind auch der frühere Direktor Charles Eifeler vom Werk Liebenau und sein Sohn, beide in die gleiche Affäre verwickelt, v e r h a f - t e t worden, und zwar Eifeler jun. beim Lleber- nachten in Mannheim, Eifeler sen. beim Lieber­schreiten der Grenze bei Kehl.

Schneiden« Kinderpflegerin.

Verufskundlicher Vortragsabend.

Man berichtet uns: Der von der Berufs­beratung des Arbeitsamts veranstaltete zweite berufskundliche Vortrags­abend galt der weiblichen Jugend. Die Berufs­beraterin, Frl. D. Kolb, wies in ihrem ein­führenden Vortrag über die Berufswahl der Mädchen darauf hin, daß die Frage, ob auch das Mädchen einen Beruf ergreifen soll, praktisch längst entschieden sei. Nicht weniger als 75 Proz. der zur Entlassung kommenden Mädchen äußern einen positiven Berufswunsch. Vielmehr als es- bisher geschehen fei, müßten die Eltern ihre Töch­ter einen Beruf lernen lassen, der ihnen materielle Sicherung für das ganze Leben gewährleiste, zu­mal bei der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage die Möglichkeit einer Verheiratung für viele Mädchen nicht bestehe und außerdem manche Frau auch in der Ehe berufstätig sein müsse. Die Be­rufsberatung, die in erster Linie die Neigung des jungen Menschen berücksichtige, stehe allen Eltern und Kindern bei der Berufswahl mit Rat und Tat zur Seite.

Die beiden folgenden berufskundlichen Vor­träge behandelten die Berufe der Schnei­derin und der Kinderpflegerin. Frau Schneidermeisterin A. Vogt schilderte in klaren Ausführungen das Berufsleben der Schneiderin und die Anforderungen, die in geistiger und kör­perlicher Beziehung an die Schneiderin gestellt werden müssen. Vor allem betonte sie die Not­wendigkeit einer regelrechten dreijährigen Lehr­zeit bei einer anerkannten Schneidermeisterin und warnte vor dem Besuch von Kursen, die dem jun­gen Mädchen nicht die Möglichkeit geben, Ge­sellen- und Meisterprüfung ablegen zu können. Das Schneiderinnenhandwerk, das neben einer guten Allgemeinbildung einen gewissen künstle­rischen Sinn fordere, biete tüchtigen Schneide­rinnen gute Aufstiegsmöglichkeiten. An Hand eini­ger instruktiver Lichtbilder ergänzte die Rednerin mit Erläuterungen der hauptsächlichen Tätig­keiten der Schneiderin ihre aufschlußreichen Aus­führungen.

Fräulein Burgheim, die Leiterin des hie­sigen Fröbelseminacs, sprach in sehr anschaulicher Weise über den Beruf und den Ausbildungsgang der Kinderpflegerin. Unter Zuhilfenahme von guten Lichtbildern vermittelte sie ein eindrucks­volles Bild dieses Berufes, für den sie vor allem Liebe zu Kindern und ein großes Maß von Geduld als Voraussetzung forderte. In zweijähri­ger Ausbildungszeit wird das junge.chen am hiesigen Fröbelseminar praktisch und theoretisch für Die mannigfachen Aufgaben vorbereitet, die dieser vielseitige Beruf stellt. Wenn auch augen­blicklich infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise die Anstellungsmöglichkeiten etwas geringer ge­worden seien, so habe das Fröbelseminar bisher fast allen seinen Schülerinnen eine Stellung ver­schaffen können. Der tüchtigen Kinderpflegerin stehe außerdem der Aufstieg zur Kindergärtnerin und Iugendleiterin offen.

Im Namen dec zahlreich erschienenen Zuhörer dankte Fräulein Kolb den Vortragenden.

Ärieftasten Oer Redaktion.

Ad. 6. in G. Zu 14: Der Dichter Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren, besuchte das Gymnasium seiner Baterstadt, wurde in München Volontär bei einer Feuerversicherungsgesellschast, hörte Vorlesungen über Literatur, lebte ein Jahr in Italien, war mehrere Jahre hindurch Redakteur am Simplicissimus" und lebt heute als freier Schrift­steller in München. Von den Werken nennen wir: Buddenbrooks",Tristan", .Königliche Hoheit", Der Tod in Venedig",Tonio Kröger",Der Zau­berberg",Unordnung und frühes Leid". Aus­führliche Würdigung in fast allen Literaturgeschich­ten; wir nennen: Naumann,Die deutsche Dichtung der Gegenwart", und Wiegler,Die Geschichte der deutschen Literatur" (Band II). Außerdem verweisen wir auf Nr. 45 derFamilienblätter" vom 6. Juni 1925. Die Bewohner der innerhalb des städtischen Bebauungsplanes liegenden Grundstücke sind ge­zwungen, bei Schlachtungen den Städtischen Schlacht­hof zu benutzen, da für alle diese Bezirke unbedingter Schlachthofzwang besteht. Auch der sog. Stadtteil Plattenhausen" unterliegt dieser Vorschrift.

den Romern gebauten ehemaligen Mainzer Rhein­brücke. Die Funde stammen zum großen Teil von den Stätten des ehemaligenLimes", der bekannt­lich bei Grüningen seinen nördlichsten Punkt er­reichte. Aus der fränkischenEpoche (400 bis 750 n. Ehr.), verfügt das Museum über Funde einzigartiger Natur. In erster Linie sind die bei Leihgestern vorgefundenen Frauensärge zu nen­nen, die keinem anderen deutschen Museum zu eigen sind. Diese dreifach unterteilten Särge (sie sind schon in ihrer Form einzigartig) bergen eine Menge Gegenstände von hohem historischen Wert. Ein fränkischer Krieger, in Lleberlebensgröße nach­gebildet, dessen Tracht wir als stark von römischen Formen beeinflußt empfinden, zieht die Aufmerk­sam eit eben all3 auf sich.

Der weitere Gang der kulturellen, völkischen und spezifisch deutschen Entwickelung findet seinen Nie­derschlag in den übrigen Räumen des Museums. Im Treppenhaus begegnen wir vielen Dingen aus dem Mittelalter, Gegenwänden. die zum großen Teil aus Hessen stammen und als Erzeugnisse frühen bodenständigen Handwerks zu werten sind. Handwerkerstuben, zum Teil vollständig eingerich­tet, alte Truhen, Ofenplatten in schöner ornamen­taler Bearbeitung, ein Gederner und ein Hirzen­hainer Ofen, ein alter Webstuhl und noch vieles andere ist hier anzutveffen. Eine

vollständige Sammlung der Werke des Kupferstechers Johann Wille

(geboren in der Obermühle im Diebertale, lange Zeit am Hofe der französischen Könige des 18.3ahr- hunderis tätig gewesen und mit großen Ehren überhäuft) offenbart die virtuose Kunst und die zeichnerische Gestaltungskraft des großen Künst­lers. Seine Büste hat im Pantheon zu Paris Aufstellung gesunden.

In einem anderen Zimmer sehen wir die Bildnisse sämtlicher Gießener Ratsschöffen, der Professoren der Gießener Llniversität und in unmittelbarer Nähe einen komplett eingerichteten Karzer. Erzeugnisse von Handwerkern mit be­sonderer künstlerischer Prägung eine hoch­interessante Lampensammlung, di« lücken­los die Entwicklung des Leuchtgeräts zeigt, eine umfangreiche Fayencen- und Porzellan­sammlung, eine Pfeifensammlung mit großartig geschnitzten Stücken darf ebenfalls Interesse für sich in Anspruch nehmen. Hessische Trachten, ein behäbiges Himmelbett, Gebrauchs­gegenstände aus Gießener Bürgerhäusern ge­fallen besonders durch ihre sichere Behandlung in Farbe und Form.

Im Hofe des Schlosses, der eine Perle unter deutschen Höfen darstellt, steht eine alte bunt­bemalte Feuerspritze mit einer originellen Aufschrift des Verfertigers. Im Erdgeschoß des Museums befindet sich ein kapellenartiger Raum, in dem eine .Reihe sakraler Gegenstände unter­gebracht worden sind. Der Besucher findet eine sehr feine Pieta, einen schönen, reichverzierten Paramentenschrank, Monstranzen und Leuchter, alte Oelgemälbe und manches andere, Dinge, die wohl geeignet sind, ferne Jahrhunderte im Geiste heraufzubeschwören. In finsteres Mittel- alter versetzt uns aber der alte Heidenturm, dessen Grundmauern einige Verließe bergen, die in ihrer schauerlichen Primitivität dem Besucher ein gelindes Gruseln über den Rücken jagen, sofern nicht Gefühle der Neugier oder einer romantischen Betrachtung den Beschauer be-

1 künde ihre Hauptversammlung in un­serem Städtchen ab. Als Redner sind vorgesehen