Ausgabe 
14.10.1930
 
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Nachdruck verboten

4. Fortsetzung.

*

Einmal zwischen Längenfeld und Aschbach kam ihnen" eins der großen Touristenautos ent­gegen, die viel zu breit für diese Gebirgsstraßen Tirols und mit einer Badseite dem Abgrund immer so bedenklich nahe sind. Die Fahrerin stoppte ab, und beide drückten sich links ganz dicht an die überhängende Felswand. Zwanzig Meter unten rauschte die ungebärdige Oetztaler Ache. Als die große Konkurrenz vorüber war, ging es im Zwanzig-Kilometer-Tempo auf der kurvenreichen Straße weiter.

Lind dann endlich! Sölden!

Aach der anstrengenden Fahrt in sengender Sonne schmeckte das Bier, mundeten die Schlögl. Erdmute brachte ihr Aad in der Garage unter und blieb im Gasthof zur Post. Gutenberg aber fand ein billiges Quartier, das sehr malerisch an der Windach-Schlucht lag. Das kleine Zim­mer, dessen Wände und Decke ganz aus Zirbel­kiefer bestanden, hatte ein Fenster nach dem An­stiegspfad zum Brunnenkogcl. Keine fünf Mi­nuten vom Haus begann der Wald

Schon am nächsten Tag machte Gutenberg die Malerin auf die Windach-Schlucht aufmerksam. Sic kam denn auch gleich mit dem Skizzenblock und fertigte bei günstiger Beleuchtung ein saube- des, duftiges Aquarell. Er lag neben ihr im Grase und trank die Schönheit des Tages in sich hinein: Die Bläue des Himmels, die quirlenden Wasser des Gletscherbaches und die Anmut des Mädels. .. _ w

Eine Weile war nichts hörbar, als das Bau­schen des Baches. Dann brach Erdmute Hansen das Schweigen.

Haben Sie schon an Ihr Frauchen geschrie­ben?" fragte sic, ihre Worte mit einem neckischen Blick schräg unter den Lidern hervor begleitend.

Gutenberg erschrak.

Bein."

Erdmute hatte bereits die Situation erfaßt.

Ich wette, Sie Böser haben noch gar nicht an Ohre Gattin gedacht!"

Weil es ihm zu warm wurde, öffnete er die blaue Touristenjacke, gestand in komischer Zer­knirschung:In Ihrer Bähe ist das kein Wunder...

Sie schüttelte den Kopf, daß ihr Pagenhaar aufsprühte unter dem Kuß, der Sonne.

Oh, diese Männer! Wenn sie erst den Fuß

ZRomtm von Hans Friedrich.

Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

über die Schwelle gefetzt haben, fühlen ffe sich schon frei und ledig."

Gutenberg wußte, daß er nun sprechen mußte, wenn er nicht in ein schiefes Licht kommen wollte.

Ich schreibe vereinbarungsgemäß nicht nach Hause an meine Frau, sondern nur ab und zu ein Kärtchen an meinen Auftraggeber, den Ver- lagsdircktor Dr. Berger, damit er meine Adresse weih. Lind meine Frau setzt sich nur bei unvorher­gesehenen, dringenden Fällen mit ihm in Ver­bindung."

Die Malerin erwischte vor Erstaunen die falsche Farbe, merkte ihren Irrtum erst, als sie Zinnober anstatt Gelb auf der Palette sah.

Entschuldigen Sie meine Neugier, Herr Guten­berg aber wozu diese Isolierung?"

Er ließ sie nicht aus dem Griff seiner Augen, dachte zum soundsovielten Male:Der Kontrast zwischen Augen und Haarfarbe macht sie zu einer Seltenheit ..."

Cs blieb ihm nichts übrig: Er berichtete von seinem Liebereinkommen mit Dr. Berger und seinem Vorsatz, einen Boman nach eigenem Er­leben zu schreiben.

Was ich bisher schrieb, war zu achtzig Pro­zent Phantasie. Aber nun teilt ich das hundert­prozentige Leben selber einsangen."

Erdmute begriff, obgleich ihr dies alles merk­würdig und nicht alltäglich erschien.

Ich kann Sie verstehen. Es ist ein Gegensatz wie Oeldruck und Gemälde."

Gutenberg wickelte den Gcsprächsfaden wei­ter ab.

Dr. Berger hat recht: Ein Schriftsteller muh ein Hans Dampf in allen Gassen sein."

Natürlich!" pflichtete das Mädchen bei.Wir Maler können uns auch nicht nur auf unsere Phantasie verlassen. Wir gehen an unseren Vor­wurf heran und versuchen, das Objekt so gut wie irgendmögltch nachzubilden. Auch in der Dichtung muh die Lebenshöhe und -Wahrheit oberster Leitsatz sein."

Gutenberg spitzte die Lippen zu einem Kom­pliment.

Sie schauen aus wie achtzehn und sprechen mit der Klugheit einer Scchsundzwanzigjährigen, mein "gnädiges Fräulein!"

Sie gönnte ihm einen ihrer schelmischen Blicke.

Nehmen Sie die Mitte und Sie kommen der Wahrheit nahe."

Das Bild war fast fertig. Nur einige Glanz­lichter galt es noch auf die Wasserfläche zu setzen. Der Schriftsteller sprang auf, stellte sich neben die Malerin. Lim besser sehen zu können, beugte er sich herab. Dabei streifte sein Gesicht ganz flüchtig ihr daunenweiches Haar. Als Kind hatte er einmal sehr zärtlich und behutsam ein Kücken an die Wange genommen und mit Ent­zücken den weichen Flaum des kleinen Lebewesens gespürt. Daran mutzte er denken.

Sie finden kein Wort ..., neckte Erdmute. Entweder ist die Skizze so schön oder so schlecht, datz es Ihnen die Sprache verschlägt."

Er überwand seine Befangenheit.

Ich muß gestehen, Sie haben die Natur­farben wundervoll getroffen." Lind weil sie nichts erwiderte, fuhr er seufzend fort:Wollte Gott, daß es mir mit meinem neuen Boman auch gelingen möchte!"

Diese Iunitage schlichen unglaublich träge da­hin. Wenn Gertrud Gutenberg nicht ihre Kla­vierschüler gehabt hätte, wäre ihr die Tren­nung von Heinz noch viel schwerer geworden. Als Schriftsteller war er fast den ganzen Tag über zu Hause, arbeitete am Schreibtisch. Lind wenn ihn irgendein Problem besonders fesselte, besprach er es mit seiner Frau. Trude hatte einen klaren Blick für die Wirklichkeit. Ihr tref­fendes Llrteil war dem Schriftsteller schon oft von Nutzen gewesen.

Acht Tage war er nun schon fort. Sie wußte, daß er sich nach Süden gewandt hatte. Die Alpen waren ja schon immer das Ziel seiner Sehn­sucht. Lind nun freute sich Frau Gertrud bereits auf das Wiedersehen!

Wenn er für seinen Boman ein gutes Hono­rar bekommt, machen wir gemeinsam noch eine kleine Beise!" kombinierte sie. Lind sich jäh zu ihrem Schüler, einem zehnjährigen Buben, um­wendend, hörte sie, daß er schrecklich falsch spielte.

Cis! Cis!" rief sie und machte dem Kleinen zum fünfundzwanzigsten Male die Bedeutung der Kreuzvorzeichnung klar.

Aber es ging nicht. Heute war die Lehrerin genau so unaufmerksam wie der Schüler. Immer wieder schweiften Trudes Gedanken ab. Es war hart, diese Trennung zu ertragen und nicht ein­mal zu wissen, wo sich Heinz aufhielt. Ob er die Vereinbarung ernst nahm? Insgeheim hofste Trude immer noch, daß er ihr einmal schreiben würde.

Doch Tag um Tag verging. Es kam keine Post. Da resignierte die junge Frau, so gut das ihre dreiundzwanzig Lenze zulietzen. Sie konnte die Hoffnung nicht begraben, daß er schneller wieder daheim sein würde, als vorauszusehen war.

Sie sollte sich irren. Heinz kam nicht, aber ein anderer ...

Franz Strobl.

Wie vom Himmel gefallen, stand er eines Tages vor ihr. Sie lieh ihn eintreten.

Franz wirklich und wahrhaftig!" rief sie freudig überrascht.

Lind dann sahen sie sich im Wohnzimmer ge­genüber. Er konnte die Augen nicht von ihr lassen, aber sie war gefeit gegen seinen zu­dringlichen Blick. Es kam ihr gar nicht in den Sinn, daß der einstige Studienkollege andere

als freundschaftliche Gefühle für sie hegen könnte. Sie war die Frau des anderen, und das muhte ihm genügen.

Du hast dich seit meiner Verheiratung nicht sehen lassen!" sagte sie vorwurfsvoll.

Strobl riß sich zusammen. ,

Ich wollte dich in deinem jungen Glück nicht stören." Lind bei sich dachte er: Sie ist noch die­selbe, vertrauend, kameradschaftlich in ihrem We­sen. Sie wird dem Streber eine gute Frau ge­worden sein. Lind ihr Aeuheres: Donnerwetter, tadellos! Ein wenig schmaler und ernster war sie geworden. Aber immer noch Basse und Klasse!

Das heißt, so vernünftig und hübsch der Beiße nach arbeitete das Gehirn des Musikers nicht. Die Art, wie er fast unbewußt die Summe der Eindrücke zog, glich dem ungarischen Tanz, den er vor Frau Dr. Berger so meisterhaft zu Gehör brachte: Wild durcheinander wirbelnd, drängend, verhaltend und doch wieder explosiv wirkend.

Schade, daß Heinz nicht daheim ist ...", be­dauerte Trude.

Er ist mit einer jungen Malerin nach Tirol gefahren", sagte Strobl mit geheuchelter Gleich­gültigkeit.

Trudes Augen wurden weit und tief.

Ist das wahr?" Llnd sich rasch verbessernd: Natürlich aber woher weiht ...?"

Durch Herrn Dr. Berger. Se1ns--Gattin er­zählte mir von dem Abkommen, das zwischen dem Verlagsdirektor und deinem Mann getroffen worden ist. Llnd am anderen Tage erfuhr ich auch, dah Heinz Gutenberg in Begleitung einer Malerin aus Garmisch nach Innsbruck abgereist ist. Er hat noch eine Llnterredung mit dem Doktor gehabt, woraus hervorging, dah er nach Sölden im Oetztal zu gehen beabsichtigte."

Die Worte Strobls machten sichtlich Eindruck auf Gerrrud. Nach einigen stummen Sekunden lenkte sie das Gespräch auf ein anderes Thema.

Llnd du, Franz, wie geht es dir? Du hast zu­letzt in Garmisch konzertiert?"

Er berichtete in trockenen, dürren Worten von seiner Frühjahrstournee durch Oberbayern.

Du weißt doch, Trude, dah ich unstät und flüchtig bin, seitdem du von mir gingst."

Sie machte eine Handbewegung.

Ach du, red' keinen Llnsinn! Auf jeden Fall freue ich mich, datz du es einmal für der Mühe wert gehalten hast, mich aufzusuchen."

Als sie diese Worte sprach, wurde sie plötzlich nachdenklich. Ein Gedanke leuchtete wie ein Transparent aus dem dunklen Nichts hervor.

Oder steht dein Kommen mit der Tiroler Beise meines Mannes m Verbindung?" Sie wollte und mußte Klarheit über diese Frage- Haben.

(Fortsetzung folgt)

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