Ausgabe 
14.8.1930
 
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Aos der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 14. August 1930.

Die Gießener Zremdenverlehrswerbung.

Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Gie­ßen hat mit dem neuenFührer durch Gie° ß e n", der vor einigen Wochen mit reicher Bild­ausstattung und aufschlußreichen textlichen Erläu­terungen erschienen ist, eine verstarkteFrem- denverkehrswerbung entfaltet. Der neue Führer, dem auch von fachmännischer Seite hohe Anerkennung zuteil wurde, ist unter Beifügung eines Hotel- und Gaststättenverzeich- n i s s e s zwecks Weitergabe an Reiselustige an 150 deutsche Botschaften und Gesandtschaften, so­wie hauptamtliche Generalkonsulate und Konsu­late des Deutschen Reiches in den Ländern Eu­ropas und in Aebersee versandt worden. Weiter wurde er zu dem gleichen Zwecke an rund 250 fremdländische Botschaften und Gesandtschaften, Generalkonsulate und Konsulate in Deutschland verschickt, außerdem wurde er in ansehnlicher Stückzahl in den Bureaus von 60 Universitäten und Akademien Deutschlands und des Auslandes zur Abgabe an Studierende aufgelegt. Schließlich wurde er noch an die Derkehrsbureaus von etwa 550 Bädern, Kurorten, Stadtverwaltungen und Derkehrsvereine in Deutschland gesandt. Am auch den Reisendenstrom aus den amerikanischen Staa­ten für unsere Stadt zu interessieren, hat die Leitung des Verkehrs- und Derschönerungsver- eins den neuen Führer in mehreren hundert Exemplaren auch der Hapag und dem Rorddeut- schen Lloyd zur Auflegung in den Derkehrs­bureaus der Ozeandampfer, sowie in den Hapag- und Llohdbureaus in Amerika «und in Hamburg bzw. Bremen zugehen lassen. Daneben erfolgt all­täglich auf Anforderung der Versand des Füh­rers durch das Derkehrsbureau des Vereins am Selterstor. Insgesamt sind seit dem Erschei­nen des neuen Führers schon etwa viertausend Exemplare zum Versand gekommen. Der Wer­bung für den Fremdenverkehr in unserer Stadt wird die anerkennenswerte rege Arbeit des Ver­kehrs- und Derschönerungsveceins mit Hilfe des neuen Führers sicherlich sehr förderlich sein.

*

"VonderKraftpostlinieGiehen Hochelheim. Rach dem Ertragsergebnis der Kraftpost GießenHochelheim für das Viertel­jahr AprilJuni 1930 war in den Monaten Mai und Juni je ein kleiner Fehlbetrag zu ver­zeichnen, der jedoch durch einen geringen kleber- schuß aus dem April gedeckt ist. Die von den beteiligten Gemeinden gewährleisteten Garantie­summen brauchten daher von der Post nicht in Anspruch genommen zu werden.

'* Eine Groh-Garage in Gießen. Die frühere Rebenwerkstätte der Reichsbahn am Aulweg, die jahrelang unbenutzt gestanden hat, ist von der Firma 3. Hirz, hier, von der Reichs­bahnverwaltung auf längere Jahre gepachtet wor­den. Die Firma hat wie man uns schreibt in der etwa 4000 Quadratmeter großen Halle eine moderne, der heutigen Zeit entsprechende Groß-Garage eingerichtet. Rach umfangreichen baulichen Veränderungen und zahlreichen Repa­raturen ist hier ein Unternehmen ins Leben gerufen worden, das bei dem von Tag zu Tag zunehmenden Autoverkehr nicht nur von den hiesigen, sondern auch von den durchfahrenden Besitzern bzw. Führern der Personen- und Last­kraftwagen begrüßt werden dürfte. 3n der Halle sind Platze für 100 bis 150 Wagen vorhanden. Die Wagen stehen in einzelnen Boxen aus Draht­geflecht, die durch eiserne Flügeltüren abge­schlossen sind. Dadurch ist eine gute und übersicht­liche Kontrolle bei Tag und, Rächt ermöglicht, zumal für gute Beleuchtung der ganzen Halle gesorgt ist. Zur Pflege der Autos ist ein größe­rer und praktischer Waschplah mit allen Er­fordernissen, wie Benzinabscheider usw., einge­richtet, auf dem zu gleicher Zeit mehrere Wagen gewaschen werden können. Es ist überhaupt vor­gesehen, die Kraftfahrzeuge vollständig in Pflege zu nehmen, den Zu» und Abholdienst und kleinere Reparaturen auszuführen. Ein geschulter Fach­mann, der seine Wohnung in der Garage hat,

Wirble ins Leben!

Vornan von Anna Fink.

Arheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau. S.-A.

20 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Reginald! Reginald!" kam es im Fieber von Barbaras Lippen.

Der Conte verstand den Ramen. Wer dns sein mochte? Ob es ihr Mann, ihr Freund oder Ge­liebter war?

3hm fiel ein, daß er Barbaras Führerschein noch bei sich hatte, er mußte in seinem Paß liegen. Der würde ihm ihren Familiennamen ver­raten Er hätte doch gern gewußt, ob sie ver­heiratet war oder nicht.

Unten klingelte es schon. Schritte kamen die Treppe herauf. Es war der Arzt mit der Alten.

Die beiden schüttelten sich die Hände, und der Graf klopfte dem Dottore herzlich auf die Schulter.

Das ist ein Schützling von mir. 3ch erzähle dir später, wie ich dazu kam. Bitte, lieber Freund, zeige deine ganze Kunst. Mir liegt viel daran." Damit wandte er sich um und stellte sich ans Fenster.

Der junge Arzt mußte ein wenig lächeln, denn er kannte das temperamentvolle Raturell seines Freundes nur zu gut.

2lber als er an Barbaras Bett trat und sie zu untersuchen begann, erstarb das Lächeln auf seinem Gesicht.

Endlich war er mit seiner sorgfältigen Unter­suchung fertig, gab der Amme in flüsterndem Tone noch einige Anweisungen und trat dann zu dem Grafen.

Bitte, komme herunter, ich will dir Auskunft geben. Die Frau oder das Mädchen ich weiß ja den Ramen nicht einmal, ist an einem schweren Rervenfieber erkrankt. Cs sieht aus als begänne eine Gehirnentzündung. Die Arme muh Fürchterliches durchgemacht haben, sie ist vollkommen erschöpft. 3ch würde dir raten, sie in ein Hospital bringen zu lassen, denn es kann «ine langwierige Sach« werden."

Rein, ich denke nicht daran", fuhr der Graf so heftig auf, daß Vomero ihn erstaunt ansah. Sie wird hierbleiben, ich habe genug Leute, um sie pflegen zu lassen."

Wie du willst", sagte der junge Arzt achsel­zuckend,ich wollte dich nur darauf aufmerksam machen. Wo hast du sie denn aufgehoben?"

wird Tag und Rächt zur Verfügung stehen Dor dem Eingang zur Halle sollen mehrere Tankstellen errichtet werden. Man beachte die heutige Anzeige.

' Das Strandfest des Männer- Bade»Dereinsl836 (zugl. 94. Stiftungsfest) am letzten Sonntag konnte dank der günstigen Witterung und der mit Umsicht geleiteten Vor­bereitungen programmgemäß durchgeführt wer­den. Der Vormittag bot das übliche Wett­schwimmen aller Altersklassen. 3m 50-Meter- Brustschwimmen siegte Otto Oßwald (3ahr- gang 1920,21) in 1,18 Min, Heinz Köhlinger und Helnmt Kammer (3ahrg. 1918/19) in 50,5 bzw. 59,3 Sek. und Helmut Müller (3ahrg. 1914/15) in 42,3 Sek. Die Senioren der 3ahrgänge 1895 bis 1904, Karl Kurandt und August Schmidt, siegten mit 48,6 bzw. 62,5 Sek. Das 50-Meter- Drustschwimmen für Schülerinnen gewannen Mar- gott Köhlinger (3ahrg. 1920/21) in 56 Sek., Else Komps und 3nge Kaiser (3ahrg. 1918/19) in 49,2 bzw. 53,2 Sek., Anni Kompf, Elfriede Fischer, Elisabeth Knapp (3ahrg. 1916/17) in 48,5, 53,7, 53,8 Sek. Gertrud Petri und Else Wagner (3ahr- gang 1914/15) in 50,0 bzw. 50,3 Sek. und Hanneli Weeg und Otto Lamm (3ahrg. 1909/11) in 46,5 bzw. 50,6 Sek. Das 100-Meter-Brustschwim- men für 3unioren gewann Fr. Baumann (3ahr- gang 1912/13) in 1:35,9 Min. Das Aus­schwimmen des Ehr. - Zimmer - Gedächtnispokals über 150 Meter (50 Meter Brust, 50 Meter Rücken und 50 Meter Freistil) gewann Hans Geismar in 2:27 Min. Der unterhaltende Teil des Festes am Rachmittag bot allerlei Kurz­weil. Den flotten Musikvorträgen der Kapelle Weller schlossen sich an ein Wasserballspiel einer gemischten Mannschaft, ein Figurenlegen des Turnvereins 1846 Gießen, der Aufstieg eines Luftballons, die humoristischen Darbietungen des Wanderzirkus Dumbum und die Fahrt des Ra­ketenbootes Rr. 1001 unter Führung des Kapi­täns Wa e' u. der einen neuen Rekcrd zwischen Gießen und Dutenhofen aufstellte.

** D i« Schützengesellschaft 1 926 hielt, tote alljährlich, am vorigen Sonntag ihr Königs- schießen ab. Es fand zum ersten Male auf dem Feuerstand im Schieß standgelände statt. Während seither mit Zimmerstuhen auf die höchste Ring­zahl geschossen wurde, hatte man diesmal mit Scheibenbüchsen 100 Meter Entfernung auf Adler vorgesehen. An dem Schießen beteiligten sich 17 Schützen. Es mußten zwei Ritter, ein Reserve­ritter und ein König ausgeschossen werden. Der Reserveritter muhte ausfallen, wenn einer der Ritter Königsschühe wurde. Schühenmeister Kummerow schoß den ersten Ritter, während Schütze Hans Götz den zweiten Ritter und Ober- schühenmeister und erster Vorsitzender Eduard Gondner den Reserveritter schoß. Rach hefti­gem Feuerschießen, wobei 430 Schuß auf den Adler abgegeben wurden, schoß Oberschützenmeister Gondner den König. Er wurde somit Schützen­könig für das 3nhr 1930. Der Rachmittag brachte den Schützen mit ihren Familien noch einige ge­mütlich« Stunden.

Oberheffen.

Landkreis Gietzen.

a. Klein-Linden, 13. Aug. Der Rad­klubGermania" Klein-Linden (Vorsitzen­der Karl K l i n k l e r) beteiligte sich am vorigen Sonntag an dem in Lang-Göns veranstalteten Werbetag, verbunden mit dem BundeSzuver- lässigkeitsfahren, und brachte sehr schöne Ergeb­nisse mit nach Hause. Trotz starker Konkurrenz errang in der ^-Klasse (60 Kilometer) Richard Lenz den zweiten Preis, in der B-ÄIaffe (50 Kilometer) sicherte sich Erich Schaum den zwei­ten Preis, während in der 3ugendklasse Walter Klingelhöfer mit großem Vorsprung erster Sieger wurde. 3m Korsofahren in der o-Klasse wurde der Verein mit dem Ehrenpreis aus­gezeichnet. Die Ergebnisse sind um so höher zu bewerten, als der Verein erst vor drei 3ähren gegründet wurde und sich bis jetzt nur einmal an einem größeren Feste beteiligt hatte.

Kreis Friedberg.

* Butzbach, 14. Aug. In der letzten Nacht wurde in dem hiesigen katholischen Pforr-

Der Graf erzählte, wie und wo er Barbara ge­troffen habe.

Der Doktor hörte mit zwischen Mißtrauen und Mitleid gemischten Gefühlen zu. Dann fragte er nach dem Ramen der Fremden.

Der Conte sprang lebhaft auf.

Richtig ich wollte ja nachsehen. Ich weih nur, daß sie Barbara heißt." Er ging an den Schreibtisch, um den Führerschein Barbaras aus seinem Paß herauszunehmen. Ja, da lag sein Pah, aber das Papier fehlte. Er suchte und suchte, sah in allen Taschen seines Mantels und seines Anzuges nach, aber- der Schein war und blieb verschwunden.

Der ist weg", konstatierte er bedauernd, und dann entsann er sich, dah das Papier, als er es dem kontrollierenden Grenzbeamten so rasch ent­zogen hatte, wahrscheinlich weggerutscht war.

Hör mal", sagt« der Doktor sehr ernsthaft, hoffentlich ist die junge Dame feine Verbrecherin, Spionin oder etwas Aehnliches. Daß du dir da nichts Aebles aufgelesen hast. Hübsch scheint sie ja im übrigen zu sein."

Ich verbiete dir, in diesem Tone von der Frau zu sprechen! Sie hat meinen Schuh an­gerufen, und den werde ich ihr gewähren. And bann mußt du einmal mit ihr sprechen, wenn sie gesund ist, bann kommst bu bestimmt nicht mehr auf solche Gebauten, sondern wirst sie anbeten, schloß der Graf besänftigt, denn er hing sehr an feinem skeptischen Freunde.

Dieser drückte ihm lachend die Hand.

Du scheinst ja wieder einmal hell zu brennen, mein teurer Freund."

Mit dem Versprechen, bald wieder nach der Kranken zu sehen, verschwand der Arzt.

Barbara lag tagelang in hohem Fieber. Die brave Iulietta sorgte aufopfernd für sie. Bar­bara hätte keine bessere Pflege haben können.

Die Rachtwachen übernahm der Graf zum Teil persönlich.

Vielleicht hätte sie die Krankheit nicht über­standen, wenn sie nicht in so guten Händen ge­wesen wäre.

Immer wieder tief sie in ihren Fieberträumen nach Reginald, seltsamerweise aber nur, wenn Iulietta bei ihr saß.

Sie nickte nur zuweilen mit dem Kopf und dachte sich ihr Teil. Sie sagte aber ihrem Herrn nichts davon.

Sie kannte ihn ja von feiner Geburt an. Er tonnte ein schrecklicher Hitzkopf sein, obwohl er em solch goldenes Herz hatte.

haus ein Einbruch verübt. Der Täter wurde jedoch überrascht und ging flüchtig, konnte aber eine Geldbörse mit 60 Mark Inhalt mit sich nehmen. Bis jetzt hat man den Einbrecher noch nicht gefaßt. Zu den Nachforschungen wurde die Landes-Kriminal- polizeistelle in Gießen herangezogen.

Kreis Schotten.

-r- Scholten, 11. Aug. Ab 1. August ist für den Handarbeitsunterricht im Lanbbezirk Schotten die technische Leh­rerin Fräulein Erna Wirthwein (Friedberg) ernannt. Ihr Wirkungsbereich umspannt die Ge­meinden Alfa, Ober-Schmitten, Eichelsdorf, Rain- rod, Michelbach, Götzen und Betzenrod. Den seit­herigen nebenamtlichen Handarbeitslehrerinnen in diesen Orten wurde gekündigt.

/ Gedern, 13. Aug. Anter dem Vorsitz von Kreisdirektor Dr. Sann, Schotten, hielt der Arbeitsausschuß des hiesigen Bezirkskran­ke n h a u s e s dieser Tage eine Sitzung ab. Architekt Schröder erstattete Bericht über den derzeitigen Stand der Bauarbeiten im Kranken­haus. Danach ist die Innenausstattung fertig bis auf die Leichenhalle und das Bad für das Personal. Ein Antrag, alsbald mit dem äußeren Verputz zu beginnen, wurde angenommen. Irn ersten Halbjahr 1930 wurden 101 männliche Kranke mit 1656 Tagen und 75 weibliche Kranke mit 1061 Tagen behandelt und verpflegt. Don den 176 Kranken waren 136 aus Bezirksgemein­den. Etwa zwei Drittel aller Fälle erforderten operative, der Rest medizinische Behandlung. Im Monat Juli weist die Statistik 554 Der- pflegungstage bei täglich durchschnittlich 18 Pa­tienten nach. Ferner wurden in der Zeit vom 10. Januar bis 30. Juni 141 Röntgenaufnahmen gemacht. Diese Zahlen zeigen deutlich den Wert und die Bedeutung unseres Krankenhauses für die Bewohner der Bezirksgemeinden. Weiter wurde über verschiedene wirtschaftliche Fragen verhandelt. Der Gemeinderat war dieser Tage zu einer dringenden Sitzung einberufen, um über die Frage der Erwerbslosen- f ü r s o r g e in unserer Stadt zu verhandeln. Die Gemeindevertretung hatte beschlossen, ein Kapital von 30 000 Mk. aufzunehmen, um da­mit auf dem Wege der produktiven Erwerbs­losenfürsorge verschiedene Wege, die Kanali­sation und die Wasserleitung auszubauen. Das Projekt wurde durch Vermittlung des Kreisamtes dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft unterbreitet, um das Kapital zu verbilligtem Zinsfuß zu erhalten. Der Antrag wurde vom Ministerium abgelehnt, da die Dringlichkeit nicht als genügend erachtet wurde mit der Bemerkung, daß Gemeinden, die unter der Arbeitslosigkeit besonders leiden, nochmals einen begründeten Antrag stellen sollten. Da dieser Fall für unsere Stadt zutrifft, sollen Bürgermeister Müller und Gemeinderat Gerl achII. persönlich beim Ministerium vorstellig werden.

--Anter-Seibertenrod, 12. Aug. Dieser Tage beging der hiesige Bürgermeister und Land­wirt Konrad Momberger IV. seinen 7 0. Geburtstag. Der Zufall wollte es, dah der Gefeierte an demselben Tage 31 Jahre a l s Bürgermeister tätig war. Anläßlich dieser Doppelfeier stifteten der Orlsvorstand und die Gemeindebeamten dem Jubilar einen Sessel. Bei­geordneter und Landwirt Karl Stein II. über­reichte das Geschenk, wobei er die treue Pflicht­erfüllung des Jubilars und die kommunalen Fortschritte unter Leitung des jetzigen Orts­oberhauptes rühmend hervorhob. Sichtlich ge­rührt dankte der Bürgermeister den Spendern.

§ Alrichstein, 12. Aug. 3m Saal der Gast­wirtschaft Groh wurde wieder eine Monatsver­sammlung des hiesigen V. H. C. - Zweigver­ein s abgehalten. Sie wurde eröffnet durch den Vorsitzenden, Tierarzt M e i s k i, der die An­wesenden begrüßte und sodann einige geschäftliche Dinge bekanntgab. Hierauf hielt Pfarrer Trapp einen Vortrag über die Siebenbürger Sachsen, in dem die Geschichte dieses deutschen Volks- stammes auf weit vorgeschobenem Posten zur Darstellung kam und seine Schicksale in der Gegenwart auf gezeigt wurden. An den Vortrag schloß sich noch eine kurze Aussprache an.

ch Michelbach, 13. Aug. Am Sonntag fand die Einweihung des Ehrenmales für

Daß er in Signora Barbara verliebt war, konnte ja ein Blinder sehen. Aber gerade deshalb durfte man nichts darüber sagen.

And mitleidig strich die Alte über Barbaras abgezehrte Wangen.

Das Fieber läßt nach, 3ulietta, flüsterte der Arzt eines Tages der Alten zu, als er wieder einmal da war.3etzt heißt es aber sehr vor­sichtig sein, dah die Kranke sich nicht aufregt und keinen Rückfall bekommt!" Damit war er schon zur Tür hinaus.

Rach wenigen Minuten öffnete Barbara lang­sam die Augen und sah in das freundliche Ge­sicht der alten Amme.

Sie strich sich mühsam über die Stirn.

Wo bin ich denn, und wer sind Sie?" war ihre erste Frage.

Die Alte verstand nicht und zuckte bedauernd die Schultern.

Dann kam ihr ein erleuchtender Gedanke. 3n etwas mangelhaftem, aber zur Rot verständ­lichem Französisch antwortete sie:Sie sind in dem Schloh des Conte Giardino Malsieri bei Frascati, Signora. Sie waren sehr, sehr krank, aber nun werden wir Sie gesund pflegen", schloß sie mit einem so Heben Lächeln, dah Barbaras Gesicht sich etwas aufhellte. Sie hatte ganz gut verstanden, was die Alte gesagt hatte.

Bruchstückhaft kam ihr die Erinnerung wieder.

Aber alles, ihr Leben mit Much, ihre Flucht, war wie in Rebel gehüllt. Am besten konnte sie sich noch auf die Fahrt mit dem Grafen durch die oberitalienische Ebene besinnen. Wie ste dann aber hierhergekommen war, davon wußte sie nichts mehr.

©ie lieh den Blick durchs Zimmer gehen. Das war mit großem Geschmack und sehr ver­schwenderisch ausgestattet. Die Wände waren mit purpurfarbenem Brokat bespannt, der durch eingewebte goldene Ornamente belebt wurde.

Das Bett stand mit dem Kopfende an der einen Wand und ragte mit dem Fußende mitten ins Zimmer hinein. Es war ihr, als habe sie schon einmal in einem ähnlichen Zimmer gelegen. Sie konnte sich nur nicht entsinnen, wann und wo, und das quälte sie geradezu.

Dann standen in einer Ecke um «in reich- geschnitzteS Tischchen mehrere schwere Sessel, und in der anderen ein Divan mit einer Samtdecke und vielen Seidenkissen. Eines der beiden großen Fenster war geöffnet. Man konnte weit über sanfte Bergketten und Täler Hinschauen. Das Schloß schien ziemlich hoch zu liegen. Barbara versank so im Anschauen der weichen ßinten, dah

die gefallenen Söhne unseres f e s statt. An der Feier nahmen die Krieger­vereine von Rudingshain, Schotten, Busenbom. Breungeshain, Götzen, Betzenrod und Eschenrod teil. Dor dem auf dem Friedhof errichteten Ehrenmal leitete der Musikverein Rudingshain die Feier mit einem Choral ein, darauf fang der Gesangverein Rudingshain den ChorWie sie so sanft ruhn". Pfarrer Bornscheuer (Schotten) hielt die Weiherede und verlas unter Glockengeläute die Ramen der 10 Kriegsopfer, für deren jedes ein Kranz niedergelegt wurde. Rach einem Gesang der Michelbacher 3ugend unter Leitung von Postmeister i. R. Schlörb (Schotten) übergab Baurat Kessel (Schotten) das Denk­mal in den Schutz der Gemeinde. Bürgermeister Dambmann nahm das Denkmal in Obhut und dankte allen, die an der Errichtung dieses Ehren­males mitgewirkt haben. Einige weitere Gedenk­ansprachen von Kriegervereinsvertretern und Gesang des Gesangvereins Rudingshain be­schlossen die eindrucksvolle Feier.

ch Steinberg, 12.Aug. Der hiesige Man- nergesang vereinHarmonie" hielt die­ser Tage unter der Leitung seines Vorsitzenden, Sägetoerksbesitzer L a n g l i tz , eine austerordent­lich« Generalversammlung ab. Der DereinSrechner Carl erstattete die Abrechnung über das kürzlich veranstaltete 3ubiläums- und Fahnenweihfest, aus der ein ansehnlicher Aeberschuh ersichtlich war. Die Versammlung beschloß einstimmig, Ende August eine gemeinsame Kraftwagenfahrt nach Dad-Rauheim, Bad Homburg und Vilbel zu un­ternehmen. 3m übrigen beschäftigte man sich mit internen Dereinsangelcgenheiten.

Kreis AlSfeld.

-er. Homberg, 13. Aug. Der Gesangver- eingrau en lob, Mitglied des Lahntal- sängerbundes, feiert im nächsten 3ahre sein 7 5- jährigesBestehen und will mit dieser Feier ein Wertungssingen verbinden. Am Sonn­tagnachmittag weilten einige in Sängerkreisen führende Persönlichkeiten, vor allem Dirigenten und der Bundesvorsihende Gengnagel (Grün­berg), in unserem Städtchen, um eine Besprechung wegen des Festes abzuhalten. Bei dieser Gelegen­heit nahmen di« Herren auch Einsicht in die bei einem solchen Werlungssingen in Betracht kommen­den Lokale. Das Fest findet am 5. Juli 1931 statt.

Preußen.

Kreis Wetzl-ar.

> Wißmar, 13. Aug. Aus der Gemeinde­vertretung: Die Kreisverwaltung beabsich­tigt, im Winter einen sieben- bis achtwöchigen Haushaltungskursus in unserer Gemeinde halten zu lassen. Die Gemeindevertretung er­klärte sich einstimmig dafür und beschloß für den Fall des Zustandekommens Raum, Heizung und Licht zu stellen. Bei der Kreisverwaltung soll dahin gewirkt werden, daß der Lehrgang abends stattfindet, um den in Fabriken beschäftigten Mädchen und jungen Frauen die Möglichkeit der Teilnahme zu geben. Ferner wurde Stellung genommen zu einer Anregung des Kreisaus- schusfes auf Einführung des obligatorischen Schwimmunterrichts. Der Dorschlag des Schulvorstandes für Errichtung einer Schwimm- und Badegelegenheit am Sportplatz wurde be­kanntgegeben. Falls von staatlicher Seite Mittel zur Verfügung gestellt werden, soll nach Ein­richtung der Schwimmgelegezcheit die Anregung verwirnicht werden. Von einem Schreiben des Hessischen Kreisamtes und des Kulturamtes bett, die Beseitigung von Kiesablagerun- gen in der Lahn wurde Kenntnis genommen. Ein Teil der Ablagerungen ist schon beseitigt, die weiteren Arbeiten sollen öffentlich vergeben werden.

0. Dutenhofen, 13. Aug. Gestern abend ist auf der Straße WetzlarGießen in unserem. Orte ein achtjähriges Kind durch ein Motorrad verunglückt. Das Kind ging hinter einem fahrenden hochbeladenen Ernte­wagen her. Als dieser in eine Seitenstraße abbog, sprang das Kind hinter dem Wagen hervor, um seinen Weg auf der Hauptstraße fortzusehen. 3n diesem Augenblick fuhr ein von Wetzlar kommender Motorradfahrer vorbei. Das Kind wurde von dem Motorrad erfaßt und

sie gar nicht bemerkte, wie es leise an die Türe klopfte und jemand eintrat.

Es war der Conte, der sich nach ihrem Befinden erkundigen wollte.

Sie sah ihn erst, als er einen großen St raust dunkelrote, köstlich duftende Rosen auf ihre Decke legte.

Die Alte war geräuschlos verschwunden, und er nahm ihren Platz ein.

Barbara sah ihn versonnen an und sagte gar nichts.

Er ergriff vorsichtig eine ihrer blassen Hände und küßte sie. Cs rührte ihn, wie durchsichtig zart Barbara in ihren Kissen lag.

Geht es 3hnen besser, Signora Barbara?^ fragte er und dämpfte feine Stimme nach Mög­lichkeit.Wir sind sehr in Sorge um Sie ge­wesen."

lieber Barbaras blasses Gesicht ging ein zag­haftes Lächeln. Es schien, als sei sie durch die Krankheit zu einem kleinen, etwas ängstlichen Mädel geworden.

3ch danke 3hnen für alles, was Sie an miv getan haben, Conte", sagte sie leise und umschlost seine Hand mit schwachem Druck.

Er sah sehr glücklich aus.

Wollen Sie mir eine Freude machen?" fragte er eindringlich.

Gern", sagte Barbara,wenn ich kann."

So vergessen Sie alles, was Sie hinter sich haben, und betrachten Sie sich ganz wie zu Hause und werden Sie gesund. Wenn Sie einen Wunsch haben, so sagen Sie ihn. Ich bin glücklich, Ihnen dienen zu dürfen. Alles hier steht zu Ihrer Verfügung", schloß er mit so viel Feuer, dah Barbara ihn ganz verschüchtert ansah.

Er stand rasch auf, drückte noch einen Kuß auf Barbaras Hand und ging, ohne sich umzusehen, so hastig aus dem Zimmer, daß sie ganz verstört hinter ihm dreinsah.

Barbara Much war noch sehr schwach. And irgendwie hatte sie beinahe ein bißchen Angst vor dem Conte, obgleich sie fühlte, wie er für sie sorgte.

Sie atmete auf, als Iulietta mit ihren be­henden, leichten Schritten wieder eintrat, und fiel sofort in tiefen Schlaf, als die Alte neben ihrem Bett faß.

Es war einige Tage später. Barbara erholt« sich überraschend schnell, so dah sie schon einige Stunden aufrechtsitzend in einem Sessel zubringen konnte.

(Fortsetzung folgt)