Ausgabe 
14.8.1930
 
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Nr. 188 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)

Donnerstag, 14. August (050

3m Hauptquartier des deutschen Feldzugs gegen den Krebs.

Sin Gespräch mit Geheimrat profeffor Or. Blumenthal, Direktor des In­stituts für Krebsforschung an der Universität Berlin.

lieber alle Kulturländer ist der Strebt als neue Masfenkrankheit hingezogen. 6t hat fast die Sterblichkeitsziffern der Tuber- kulote erreicht und ist zu der Krankheit ge­worben der heute das hauptsächlichste 3n- teresse der medizinischen Wissenschaft gel­ten muh. Die Zunahme der Krebskrank- heiten forderte energische (Segenmahnah­men. In Deutschland besaht sich damit vor allem das .(Zentralkomitee zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheiten". deslen Generalsekretär. Geheimrat Ferdi­nand Blumenthal, zugleich Direktor bet Berliner .Instituts für Krebsforschung ist. In einer Unterredung mit unferm Mitar­beiter gab Geheimrat Blumenthal das fol­gen be umfaffenbe Bild aller Pläne unb Arbeiten, die der Bekämpfung bet Krebses ' dienen.

.Allmonatlich kommen im Durchschnitt etwa 180 neue Patienten in unser Institut' sie tnerben meist von ihren Aerzten hergeschickt, damit lvir die gestellte Diagnose bestätigen und D o r - schläge wegen der Behandlung machen. Es ist erschreckend, in fast jeder Sprech­stunde auch Jugendliche zu finden, die früher überhaupt nicht zu uns kamen. Eine Er- flärung dafür zu geben, ist noch nicht möglich. Aber et hat sich herausgestellt, dah der Krebs immer mehr den Charakter einer ausgesprochenen Alterskrankheit verliert, und dah die jugend­lichen Formen auffällig zuneymen. Don den genannten 180 Patienten konnten wir im letzten Monat bei 80 tatsächlich Strebt feft- stellen, also bei einer verhältnismäßig großen Zahl und von diesen Fällen wiederum nur 10 bis IS Prozent operal. Es ist bezeichnend, dah nur der klein st e Teil dieser Hilfesuchenden a u f eigene Intiative kommt, also da sie nkfct in ärztlicher Behandlung waren erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium ihrer Krankheit.

Man hat neuerdings in Deutschland die Kom­bination von Radium- und Röntgenbestrahlung unb Elektrokoogulation sowie bas sogenannte Spicken der Geschwülste mit feinsten Radeln, die

in ihren Wohnungen aufsucht, ihnen die Wichtig­keit der Behandlung vor Augen führt und he veranlaßt, w eder zur Behandlung zu kommen.

In verschiedenen Sonderabteilungen unseres Instituts wird experimentell geforscht. Es ist. wie bekannt, bereit- möglich, Krebszellen genau Io zu suchten, wie man Sonetten züchtet, und diese experimentell« Krebserzeugung hat die Forschung um einen großen Schritt weiter- aebracht. Die Gewebezüchtung ermöglichte es, die Krebszelle und ihren Stoffwechtel. ihre Wachs­tumsbedingungen usw. zu beobachten und ganz neue Kenntnisse ihrer Biologie zu gewinnen. Worauf nun beruht das krebSerregende Prinzip in txr Krebs-elle das ist die Frage, die uns alle zur Zeit am stärksten beschäf­tigt. die Frage. die in den Kem des ge­samten Krebsprobfems trifit. Ist die Krebszelle einfach eine normale, aber sreigewordene Zelle eine Zelle also, die keine Hemmungen kennt unb gesetzlos zu wuchern beg.nnt. aus dem Gefüge des Zellenstaates rebellisch ausbrechend ober ist sie eine veränderte Zelle? Das letztgenannte scheint sich heute immer mehr zu bestätigen, und es ist auch zum Teil schon erkannt worben, wodurch diese Bcränderungen hervorgerufen werden' durch chemische Substanzen (wie Leer. Paraffin, Anilin), durch Verbrennungen, chro­nische Entzündungen, in anderen wieder sind es Parasiten lTrichinen. Echinokokken) oder Bak­terien^ die den ersten Anstoß geben zur krank­haften Veränderung der Zelle. Deshalb dürfen wir aber doch lange nicht jene chemische Substan­zen. Reize. Fermente, oder gar Parasiten und Bakterien als .Krebserreger"' bezeichnen. Denn dies steht nach den genannten Beispielen fest:

einen Krebserreger als einzige direkte Ursache des Krebses, wie ihn sich die alle parasitäre Krebstheorie norffellte, gibt es nicht. Die ver­schiedensten Reize belebte oder unbelebte können Krebs erzeugen, aber es gibt nicht ein

ultramlkroskopifche» ober sonstwie geartete» Lebewesen, da» im menschlichen Körper sitzt und dort ausschtiehtich die Aufgabe hot. Krebs zu

erzeugen.

Krebs ist nicht infektiös im Sinne einer Infektionskrankheit und Krebs ist nicht ver­erblich höchsten- kann eine krebsartige An­lage vererbt werden. Und die sicherste Methode den Krebs zu diagnostizieren, ist noch immer die Beobachtung des BerhaltenS der Krebszelle zu dem umgebenden Gewebe bi« histologische Me­thode.

In bezug auf all« diese wissenschaftlichen For­schungen marsch «rt Deutschland mit an der Spitze. In daS von den Gelehrten aller Länder gezim­merte Gebäude der Erkenntnisse und Erfahrungen haben wir die Entdeckung der Röntgenstrahlen und der Röntgentherapie «ingebracht, in Deutsch­land ist zuerst von Earl Reu berg und mir der Krebs als Stosswechselstörung er­kannt worden. Hut Paul Ehrlich seine bahn­brechenden Arbeiten über KrebSimmunität durchgeführt und hat insbesondere Warburg «n'deckt. daß Krebszellen wie Hefezellen gären tnb daß ein Sauerstoffmangel die erste Dorbedngung für die lokale Krcösbildung ift; wir haben in menschlichen Krebsgeschwülsten und im Mäusekrebs bestimmte Bakterien gesunden, die bösartig« Geschwülste hervorgerufen; Halber- ft ä b t c r ist es gelungen, das in Deutschland er­hältliche Thorium X in eine so konzentrierte Form au bringen, daß es in ähnlicher Weise wie di« Radiumemanation in die Krebsgeschwülste ver­senkt werden kann: Albert Fischer hat die Krebszelle in der Kultur jahrelang lebensfähig und krebsbildend «halten - und diese Kette von Erfolgen ließe sich noch um zahlreich« Beispiele verlängern

was nun aber die Organisation betrisst. so gerat Deutschland immer mehr in den Hinter­grund. Geldmangel ist >aran in erster Linie schuld, wir können nicht jene Millionen auf­bringen, wie sie England und Amerika (auch durch private Sammlungen) zur Verfügung stehen. Aber wir könnten wenigsten» versuchen, unsere Krebsbekämpfung und -behandlung mehr zu zentralisieren, um sie an einzelnen gut aus­gerüsteten Instituten zur höchstmöglichen Voll­endung zu bringen.

Der Reichspräsident fährt auf Urlaub.

Thorium X enthalten, recht befriedigend ange­wandt. Di« größten Erfolge erzielte man damit bei Haut- und Gebärmutterkrebs, neuerdings auch bei Zungen-, Hals- und Lippenkrebs, leib­lich gute bei Brustkrebs kurz: bei allen jenen Geschwülsten, di« anatomisch so gelagert sind, daß wir sie mit der strahlenden Materie genü­gend erreichen können. In solchen Fällen wur­den zahlreiche Heilungen erzielt, während beim Krebs anderer, namentlich innerer Organ« mit dieser Methode noch keine so günstigen Aussichten bestehen. Bewährt hat sich ferner die Bestrahlung nach der Operation, um das Auftreten von Rück- fäNen zu verhüten.

Bei alledem ist ee heute eine feststehende Tat­sache, daß die Diagnose krebs keineswegs ein Todesurteil zu bedeuten braucht wie alle Laien ee glauben. Ls muß immer wieder betont werden, daß Operation, Llektrokoagutation und Strahlenbehandlung, wenn sie frühzeitig und richtig angewandt werden, einen großen Teil der damit behandelten Patienten retten.

Auf bas Frühzeitige kommt es babei besonbers an. Es muß die Hauptaufgabe einer sozialhygienischen Fürsorge werben, bie Massen über bi« ersten Anzeichen bes Krebses auf- zuklären und nachlässige Kranke zu veranlassen, den Arzt aufzusuchen. Diele glauben, daß sie schon ganz gesund sind, wenn nach der Strahlenbehand­lung die Geschwülste verschwinden ober stark zu­rückgegangen sind. Die Folge davon ist dann, daß sie nach einiger Zeit einen Rückfall erleiden und sich nun erst in elendem Zustand wieder eiy- stellen. Es muß also jemand da sein (Fürsorge- schwestern z. B). der die nachlässigen Patienten

Bei der Ankunft in München, von wo Hindenburg im Auto nach Dietramszell weiterfuhr.

itiBI

Niederlage Cilly Auhems im TenniS' Länderlampf England-Deutschland.

Miß M u b f o r b unb Cilly Äußern.

Bei bem Damen-Tennislänberkamps Gnglanb gegen Deutschlanb, ber in Berlin ausgetragen wirb, siegte überraschenb bie junge Engländerin Miß Mud- f o r b gegen Cillii Außem , bie erst vor wenigen Tagen sich ben Titel ber deutschen Damenmeisterin errang.

Daten für Freitag, 15. August.

Sonnenaufgang. 4.44 Uhr. Sonnenuntergang: 19.24 Uhr. Mondaufgang: 21.22 Uhr, Mond- untergang: 11.08 Uhr

1688: König Friedrich Wilhelm I. von Preußen geboren; 1740: der Dichter Matthias Llau- oius in Rheinfeld geboten; 1769 Rapoleon I. in Ajaccio geboren; 1771: der englisch« Dichter Sir Wallet Scott in Edinbutg geboten

Ausländische Lehrer in Darmstadt.

WSR. Darmstadt. 12. Aug. Zahlreiche Lehrer und Lehrerinnen aus 13 verschiede­nen Ländern Europas, die zu einem me­thodischen Lehrgang in Deutschland zusammcnge- kommen sind, waren heute vormittag im Hessi­schen Landtag versammelt, wo Staatspräsident Dr. Adelung die Schulungswoche mit einer beifällig auf genommenen Ansprache eröff­nete. Dr. Adelung stellte in den Mittelpunkt seiner Ausführungen, dah das Ziel des Erziehers fein muffe, den Menschen zur Menschheit zu führen und das Derständnis von Dolk zu Do>k, gegründet auf gegenseitige Achtung und gerechte Bewertung. zu fördern. AIS dkrtretet bet Stadt Darmstadt begrüßte Bürgermeister R i tz e 11 die Anwesenden. Für die Darmstädter und die hessisch« Lehrerschast sprach Sludienrat M o n j i, ber bem Dank an das .Zentralinstitut für Er­ziehung und Unterricht" in Berlin Ausdruck gab. Den Begrüßungsansprachen folgten fach­lich« (Borträge über das hessische Schulwesen. Lehrer Horn sprach übet die hessische Dolks- schule und ihre Gliederung, Rektor Germann über bas Berufsschulwesen. Dr Pöpper - ling über das höhere Schulwesen Schulrat Riemann (Berlin) erkannte dankbar an. daß Hessen bas erfte Lanb sei, bas seine fämtlidxn Schulen für ben Besuch ber ausländischen Päda­gogen zur Verfügung gestellt habe. Die Rach­mittage ber pädagogischen Woche dienen der Aussprache üoer die am Dormittag gehaltenen Fachreferate und vorgenommenen Schulbesuche.

Divat! Es lebe Oranien!

Von A. (^chrönghamer-Heimbal

Die Heuzeit ist die wundervollste Zeit. Det- wunschen liegen bie Dötset im ersten jauchzenben Grün ber Baumkronen, bie wie Wächter über den Höfen tagen. Die Gassen liegen wie ausgestorben. Märchenstille herrscht auch in ben Häusern unb Hütten. Rur die feierlichen Rauchfahnen über den steinbefchwerten Schindeldächern künden noch vom heimlichen Leben wenigstens in den Küchen, wo die Bäuerinnen für die Heuet hinten in ben Waldwiesen bas Mittagsmahl bereiten. Es ist überall das nämliche Saure Rudelsuppe kalt unb Strauben mit Zwetschgensoß.

Auch bie junge Zillerin steht tank unb schlank am Herb unb wendet die spritzenden Strauben im Gebrodel bet tischg rohen Schmalzpfann«. daß ihr daS Gesicht wie eine vollerblühte Pfingstrose im Ktanzgeflechl ber blonben Zöpfe steht. Kühlung suchend tritt sie rasch ans offene Fenster, wo zwischen Getanienstöcken das Fläschchen steht, in dem sie Bärwurz mit Kombranntwein angefetjt hat: Divat! Es lebe Oranien!

Da sieht sie, wie beim Backofen über der Gasse ein herrisch gekleideter Fremdet steht und nur einen Blick auf bas Fläschchen mit ber sonderbaren Aufschrift hat: Divat! Es lebe Oranien!

Die Augen des Fremden stieren auf das sonderbare Fläschchen, das sich dem gewiegten Kennet als cm im Kunsthandel vielbegehrtes Feldfläschchen aus dem spanischen Erbfolgekrieg erweist, von dem nur noch ein einziges Stück vor­handen ist, unb dieses einzige Stück steht ausge­rechnet an diesem Dauemsenster da im Döhmcr- wald! ilnb die verschnörkelte Inschrift leuchtet mit Schwung: Divat! Ss leb« Oranien!

Die junge Zillerin tritt unbemerkt wieder an den Herb zurück und horcht im Brodeln der Schmalzpfann« angespannt gegen die Tüte.

.Guten Morgen, Frau! Könnte ich nicht ein Glas Milch haben? Unb vielleicht ein Stück Bauernbrotfragt ber Fremde unter der Tüt.

.Dem", bescheidet die Zillerin. .Seht Euch nur dort ans Fenster."

.Ein herrlicher Tag heute", fährt ber fremde Herr fort.

.Ja. die Heuzeit ist bet uns alleweil bie schönste Zeit", erwidert die Zillerin mit merk­würdigem Tonfall. .Gelt, meine Geranien ge­fallen Euch auch?"

.Prächtig!" lobt ber Fremde und hebt das Fläschchen vom Sims, dah die Inschrift in der Sonne jubelnd ausbliht: Divat! Es lebe Oranien!

.Aber Beste, was haben Sie denn ba?"

.Das Fläschchen? Da hab" ich Bärwurz mit Korngeist angeseyt. Wißt. mein Mann hat im Winter oft das Reihen in den Gliedern, und da gibts kein besseres Mittel wie ben Bärwurz­schnaps zum Einreiben."

»Hm sonderbar... Woher stammt wohl das Fläschchen?"

.Mein Gott, was weih ich? Mein Mann, ber Zillner, sagt halt allemal, bah das Flascheri schon ewig im Hause ist. Don feinen Dorfahren, die rechte Raufbolde gewesen sind, hat es einer aus dem Kriege heimgebracht vom damischen Heerfolgekrieg, sagt mein Mann allemal."

.Ganz richtig: spanischer Erbsolgekrieg'. ver­besserte der Fremd« und blinzelte beutelustig durch die Brillengläser: .Wär« Ihnen das Fläschchen nicht feil?"

.Mir schon", sagt die Zillerin. .aber mein Mann läht's nicht her. weil halt in dem Flascherl ber Bärwurzschnaps am allerbesten wird. Divat! Es lebe Oranien! sagt er allemal, wenn er sich mit dem Schnaps feine reihenden Glieder einreibt, und schon ist das Reihen gar auch. Es ist halt eine besondere Kraft in dem Flascherl, weil es schon einen grausam wilden Krieg mitgcmacht hat."

.Wenn ich Ihnen hundert Mark für das Fläschchen biete?" fragt der fremde Herr mit lauerndem Blick.

.Dreihundert hätt" uns der Schlohherr in ber Au schon gegeben, der alleweil solche Altertümer sammelt. Aber mein Mann sagt, unter taufend gibt er's nicht her. Unb er pfeift auf baS Geld, grab wegen seinem Gliederreißen alleweil. Weil halt ber Därwurzschnaps in dem Flascherl am allerbesten wirb. Divat! Es lebe Oranien! Es ist ein alter Zauber in bem Flascherl!"

»Reunhundert Mark wär" auch ein Wort, gute Frau! Bedenken Sie, bas Fläschchen käme in ba» Landesmuseum."

Unter tausend kann ich nicht, sonst schlägt mir mein Mann das Kreuz ab, wenn er grab ein­mal bas Gliederreißen hat. Da ist er allemal kreuzgrantig, und wenn da das Flascherl hin wär", bann tät" er dreindreschen wie sein Dorsahr in dem damischen Heersolgekrieg."

.Divat! Es lebe Oranien! Hier sind bie tausend Mark, und das Fläschchen ist mein!"

Wird mir doch mein Mann das Kreuz nicht abschlagen!" jammert die Zillerin.Werd ihm halt sagen müssen, wenn er vom Heuen kommt, daß uns das Finanzamt die Ochsen gepfändet hält", und so hab ich halt das Llascherl in ber Rot bergegeben. Wißt, mit ben Steuern ist's jetzt ganz aus..."

Aber ber feine, fremde Herr hört nicht mehr. Er ist mit dem kostbaren Altertum schon auf und davon und rechnet sich im Stillen aus. wie­viel er vom Landesmuseum daran gewinnen wird. Einen Tausender gewiß! Denn es ist die einzige gläserne Feldflasche, die sich aus dem spanischen Erbfolgekrieg in die Gegenwart her­übergerettet hat, ein Unikum auf dem Kunst­markt, für das ein splendider Amerikaner gar «in paar tausend Dollar springen läßt. So ein Ge­schäft macht man nicht alle Tag': DivatI Es lebe Oranien!

*

.Die Heu^eit ist halt doch eine wundervolle Zeit!" sagt die Zillerin zu ihrem Mann, wie er abenbd vom Heuen heimkommt. .Seit ihr in den Waldwiesen werkt, hab ich schon elf Flascherl verkauft. Und heut ist das zwölfte weggegangen. Einen Taufender hat sich s der Depp, der da­mische. kosten lassen. Mußt heut noch in die Glas­hütte zu deinem Bruder, dah er wieder ein neues Dutzend solcher Flascherl macht."

.Das haut!" trommelt der Ziller freudenfroh. .Wenn das so weitergeht, können wir über» Jahr privatisieren. Da heiht's alleweil, bie dum­men Bauern!eut", aber gibt » beim etwas Da­mischeres wie diese Altertumshengste? Aber mir kann's recht sein: Divat! Ss lebe Oranien!

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedakttonSttfch.

Der höfliche Bernard Shaw.

Unter der Flut von täglichen Anekdoten um den berühmten englischen Dichter Bernard Shaw beweist die folgende die ausgesuchte Höflichkeit d«S Dichters: Rach einer festlichen Deranstaltung drängen sich mehrere Leut« an der Garderobe um Show, um ihm beim Anziehen des Mantels behilflich zu fein. .Lassen Sie", wehrt Shaw ab,es geht sowieso schwer ge­nug. Trotzdem gelingt es einem, Shaw den Mantel anzuziehen, woraus er von dem Di- ter mit ben Worten belohnt wird: .Mir ist erst neulich bei einer solchen Gelegenheit die Bries­tasche weggekommen."

In englischen Zeitungen wird diese Geschichte erzählt: G. B. Shaw erhielt von einer neuge­gründeten Frauen Vereinigung einen Bries mit der Bitte um Uebedaffung eines Exemplars feinesWomans Guide to Socialism. Als Ant­wort schrieb der Dichter unter den Bries:Zum Teufel, nein! Ein Frauenverein, ber nicht fünf­zehn Schilling für bas Buch auf treiben kann, hat feine Existenzberechtigung. G. B Shaw." Dierzehn Tage später kam ein zweiter Brief mit herzlichem Dank für bas Autogramm, das ein Buchhändler mit Vergnügen gegen das gewünschte Buch ein­getauscht habe. Unb Shaw schrieb wieder unter den Brief: .Wie blöd doch Frauen sind! Das Ding war mindestens 50 Pfund wert! G. B. Shaw."

Oochschulnachrichten.

Das Ordinariat für deutsche Sprache unb Literatur an der Tübinger Universität ist dem Professor Dr. Paul Kluckhohn in Wien über­tragen worden. Prof. Kluckhohn, der erst kürz­lich einen Ruf nach Jena abgelehnt hat, war Schüler von Cd. Schröder. K. CBranbi, W. Meyer und W. Brecht. 1913 erhielt er bie venia legendi in Münster. 1925 würbe Kluckhohn Ordinarius in Danzig, von wo er nach Wien als Aachfolger von W. Brecht berufen wurde.