Ausgabe 
14.3.1930
 
Einzelbild herunterladen

bracht werben und nach Möglichkeit bereits am kommenden Montag im Reichstag beraten wer­den. Die Schwierigkeiten des Ausgleichs lägen vor allem darin, daß in jedem Versuch, die Roggen bauende Landwirtschaft im Osten zu retten, Gefahren für den Westen stecken. 3n unterrichteten Kreisen halte man eine Stützung im wesentlichen von der Wiizenfeite her für erträglich, und es werde deshalb vorgeschla- gen, den Weizenzoll auf 35 bis 40 Mk. zu erhöhen. Wenn dann außerdem für das Lim stellen der Roggen- auf die Weizenproduktion noch bestimmte Prä­mien gezahlt würden, könnten 23 bis 25 v. H. der Böden für die Weizenproduklion benutzbar fein. Von sozialdemokratischer Seite ober seien gegen eine Erhöhung der Weizenzölle Bedenken laut geworden, und es müsse abge­wartet werden, ob diese Bedenken überwunden werden könnten. Der Beimahlungszwang werde vom Rcichs'.rnährungs.ninister von 18 zu 20 vorgeschlagen, Loch bestehe bei den Parteien wenig Reigung, diesen Vorschlag anzunehmen, da er die Rotwendigkeit der Kontrolle von etwa 35 000 Mühlen in sich berge. Die Vorschläge sehen weiter eine Ermächtigung für die Reichsregierung im Einblick auf bestimmte -Zölle vor. Wie wir erfahren, ist ferner beabsihtigt, ein Mais- Monopol, eine Verhinderung der Roggeneinsuhr und eine Erhöhung des Rinderzolls, wobei off-nbar vorgesehen ist, daß für Holland und Dänemark ein kleineres Kontingent zu geringeren Zollsätzen reserviert wird. Die agrarpo'.it'.schcn Vorlagen bilden einen erheblichen Bestandteil der Aufgaben, die der Reichstag noch in diesem Monat zu lösen hat.

Oie Liberalen stützen Macdonalv.

Ein konservativer Mis.trauenSantrag abgelehnt

London, 13. März. (WTB.) Im Unterhaus wurde von Baldwin ein Tadelsantrag gegen di e Regierung eingebracht. Der An­trag rügt, daß die Regierung es ablehne, die Schutz­oder Vorzugstarife auf das ganze Reich auszudeh- nen oder ihre Absichten in bezug auf die Aufrecht­erhaltung der gegenwärtigen Schutzzölle zu erklären. Baldwin, der darauf hinwies, daß aus der Haltung der Regierung der Niedergang des Handels und die Vermehrung der Arbeitslosigkeit entstanden seien, erklärte die Arbeitslosigkeit werde die Regierung zu Fall bringen. Snowden erklärte im Namen der Regierung, die Regierung beabsichtige, am Prinzip des Freihandels festzuhalten. Wenn man der Ansicht sei, daß der Protektionismus ein Mittel ge­gen d.e Arbeitswsigkeit darstclle, wie komme es bann, daß in Amerika 5 Millionen, in Deutschland drei Millionen Arbeitslose zu verzeichnen feien. Auch durch 50 Tadelsvoten wie das vorliegende werde er, sich nicht dazu bewegen lassen, sich über seine Ansichten zur Zollpolitik zu äußern, ehe er über das Budget gesprochen habe. Sir Herbert Samuel kündigt im Nomen der L i b e r a l e n an, daß seine Partei ohne jedes Zaudern die Regierung unterstützen und das Tadelsvotum bekämpfen werde. Infolgedessen wurde der Mißtrauensantrag der Konservativen mit 308 gegen 235 Stimmen a b- gelehnt.

Kampf um das Republikschuhgesetz

Erregte Ause nandersetzungrn im Reichstag.

D e r l i n, 13. März. (D.D.Z.) Auf der Tages­ordnung des Reichstags steht die zweite Be­ratung des Gesetzes zum Schutze der Republik und zur Befriedung des politischen Lebens.

Reichsinnenminister Severing:

Heute vor zehn Jahren am 13. März 1920 zogen hakenkreuzgeschiüückte Soldaten in Berlin ein und besetzten die Reich ämter. Die Putsch- regierung Kapp-Lüttwitz wurde pro­klamiert, aber sie mußte schon am 19. März von der Bildfläche verschwinden. Der Kapp- Putsch scheiterte an dem Generalstreik der Ar­beiter aller Richtungen und an dem einmütigen Widerstand der Beamtenschaft. Rur daran schei­terte der Ansturm gegen den Staat: andere zu­verlässige Machtmittel hatte er nicht. Heute ist es anders. Heute haben wir eine Reichs­wehr mit vorzüglicher Disziplin und eine Schutzpolizei, der man die gleiche Tugend nachfagen kann. Ohne Kapp-Putsch wären wir nicht zum Ruhraufstand gekommen und zu der Zerstörung großer wirtfchaftlicher Werte mit der Folge einer weiteren Verschlechterung der deut­schen Valuta.

Gegen eine Wiederholung solcher Putsche brau­chen wir ein Schutzgesetz. Es kommt nicht nur darauf an, solche Anschläge im Keime zu ersticken, sondern den Kreisen, die Neigung dazu verspüren, hie Lust dazu von vornherein zu verleiden. Wenn wir keine Schutzmittel gegen solche Gefahren haben, dann könnten auch die heroischen Anstrengungen der nächsten Zeit vergeblich fein. Graf Westarp hat als deutschnationaler Fraktionsführer rm Jahre 1927 nicht nur den Initiativantrag zur Verlänge­rung des Republikschutzgesetzes unterzeichnet, sondern er hat auch in einem Kreuzzeitungsartikel d i e Notwendigkeitbegründet, mit einem solchen Gesetz den Staat gegen kommunistische Ord- nungsstörungön zu schützen. Dabei stand unsere Wirtschaft im Jahre 1927 verhältnismäßig günstig, während wir jetzt 3 Millionen Erwerbs­lose haben. Und heute wollen die Deutschnationalen dem Staat den Schutz versagen, den sie ihm 1927 bewilligten. (Lärm rechts.) In der Zeit, in der das Republikschutzgesetz fehlte, ist das Versammlungsrecht durch das Treiben der Extremen von Rechts und Links zum Versammlungsunrecht geworden. Die Pressefreiheit ich bin mir der Tragweite des Ausdrucks wohl bewußt ist vielfach zu einer Pressefrcchheit geworden. (Lärm bei den National­sozialisten und Kommunisten.) Wir können es nicht länger dulden, daß Demagogen straßauf straßab ziehen und die Massen verhetzen. Allein in Preußen sind im vergangenen Jahre bei Zusammenstößen 3 00 Schutzpolizisten verletzt und 14 ge­tötet worden. Die Länder können es nicht auf die Dauer ertragen, daß ihre Machtmittel in dieser Weise abgenutzt werden. (Lärm Präsident Löbe droht den Abg. Thälmann (Korn.) und Dr. Goebbels (N.-S.), die bereits je zwei Ordnungs- rufe erhalten haben, für den Fall weiterer Ord­nungsstörungen schärfere Maßnahmen an.) Wir legen das Republikschutzgesetz vor, weil wir wollen, daß weder Arbeiter vor die Karabiner der Schutz­polizei kommen, noch die Schutzpolizeibeamten von Verhetzten totgeschossen werden.

Mit dem Republikschutzgesetz soU verhindert werden, daß die Machtmittel des Staates vor­zeitig abgenutzt werden. Ein Staat, der seinen Schuh aufgibt, gibt sich selbst auf.

Abg. Or. Everling (Onl.) führt aus, die vom Minister an die Wand ge­malten Gefahren hätten mit dem vorliegenden ©efet) gar nichts zu tun. D.e Vorlage enthalte in der Ausschußfassung überhaupt keine Vorschriften gegen Gewalttätigkeiten.

Abg. Schulz-Bromberg (Dnl.) weist in einem Zuruf darauf hin, daß Minister Se- dering den Haal verlassen habe. (Lärm.)

Abg. Dr. E v e r l i n g (Dnl.): 3ch unterbreche meine Ausführungen und beantrage, den Innenminister herbeizurufen.

3m Hammelsprung wird die Herbeirufung des Ministers mit 213 gegen 133 Stimmen abge - lehnt. Das Abstimmungsergebnis wird mit lärmenden Kundgebungen von der Rechten und den Kommunisten beantwortet.

Der Abg. Remmele (Kom.) macht dem Präsi­denten mit lauter Stimme Vorwürfe und fügt sich den Ordnungsrufen nicht. Ec wird darauf vom Präsidenten aus dem Saale gewie­sen. Der kommunistische Abg. 2ieck sucht den Ausgewiesenen zum Verlas en de5 Saales zu be­wegen, Remmele richtet aber weiter Angriffe gegen den Präsidenten und wird auf acht Sitzungstage ausgeschlossen.

Auch der Abg. Thälmann (Kom.), der beleidi­gende Rufe gegen den Präsidenten Lobe richtet, wird aus dem Saale gewiesen.

Inzwischen hat unter lautem Hallo der Rechten Reichsinnenminister Seoering seinen Platz wie­der eingenommen.

Abg. Dr. Everling (Dnl.) fährt daraufhin in seiner Rede fort: Im Schatten der gestrigen Poung Abstimmungen wolle man heute den Rest der inneren Freiheit zerschlagen. Die letzte Säule des Rechtsstaates, die I u st j z, sei in Ge- ahr. Nicht um den Schutz der Republik handele es ich, sondern um einen Angriff zugunsten des Sy- tems gegen die Opposition, um eine Fortsetzung >es politischen Kampfes mit anderen Mitteln. Die Denkschrift des Jnnenminsters sei an Einseitigkeit, Oberflächlichkeit und Kleinlich­keit unübertreffbar. Geblieben seien nur die Be­stimmungen gegen die Freiheit der Ge- f i n n u n g. Der Begriff der oerfafsungsmäßig fest- gestellten republikanisck)en Staatsform fei unklar. Eine bewußte Unklarheit im Gesetz sei aber ein Unrecht gegen das Volk und gegen den Richter, der zur Ungerechtigkeit gezwungen werde. Alles fei unklar außer den Strafen, für die drei Mdnate Gefängnis der Normalfatz feien. Die verfaffungs» ändernde Bedeutung des Gesetzes sei in fünffacher Hinsicht nachweisbar. Hier werde der Justitia die Binde von den Augen geriffen, um sie der Oppo­sition vor den Mund zu legen. Gewiß haben die Deutschnationalen der Verlängerung des Republik­schutzgesetzes im Jahre 1927 zugestimmt. Aber da­mals gehörten sie einer Regierungskoali­tion an, und Sie wissen ja selbst aus den Erfah­rungen per letzten Wochen, daß eine Koalitions- Partei manchmal unter Druck gesetzt wird.

Abg. Münzenberg (Kom.):

Minister Severing sagt zwar, das sogenannte Republikschutzgesetz solle sich auch gegen die Ra­tionalsozialisten richten: tatsächlich ist es aber bisher immer nur gegen links angewendet wor­den. 7000 Arbeiter sind unter diesem Gesetz zu insgesamt 5000 3ahren Freiheitsstrafe ver­urteilt worden. Zum ^Hutze des Kapitals wird das sogenannte Republikschutzgesetz erlassen, das in Wirklichkeit ein Gesetz zur Riederhaltung der arbeitenden Klassen ist. Wir bereiten die Stunde vor, wie sie gekommen ist für Zarentum und Kaisertum.

Abg. Or. Göbbels (Natsoz.) führt aus, Minister Severing habe seinen Kampf gegen die Rationalsozialisten bisher nur mit einer öffentlichen Stimmungsmache geführt, die sich auf unwahre Behauptungen stützte. Dazu gehört auch der Bericht über die angebliche Zersehungsarbeit der Rptionalsozialisten in der Reichswehr. Die Beratung des Republikschutz- gesehes wenige Stunden nach der Unterzeichnung der Vounggesetze ist kein Zufall. Es handelt sich gewissermaßen um ein innerpolitisches Ausf ührungsgesey zum Voungplan. Die öffentliche Ordnung in dieser Republik wäre nicht gefährdet, wenn in Deutschland nicht lan­de s v e r r ä t e r i sche Parteien in der Regierung säßen. (Unruhe bei den Sozial­demokraten, Ruse:Unerhört!") Das bezieht sich auf 3hre Partei, Herr Severing! (Präsident Löbe ruft den Redner zum zweiten Male zur Ordnung.) Das vorliegende Gesetz ist be­stimmt, die Korruption dieser Repu­blik zu schützen. (Präsident Löbe: 3H rufe Sie zum drittenmal zur Ordnung und mache Sie auf die Folgen eines weiteren Verstoßes gegen die Ordnung aufmerksam.) Der alte an­ständige Staat wurde mit unanständigen Mitteln gestürzt. Wir wollen mit anständigen Mitteln einen unanständigen Staat stürzen. Präsident Löbe: Da Sie meiner Mahnung nicht Folge geleistet haben, entziehe ich 3hnen das Wort (Pfuirufe bei den Rationalsozia­listen.)

Abg. Or. Wendthausen (Chr Rai.

Bauern- und Landvolkpartei):

Die Staatsordnung, die 1918 von meuternden Soldatenräten errichtet wurde, soll durch dieses Gesetz geschützt werden. Nachdem die Regierung durch Annahme der Vounggesehe Verrat an der Zukunft des deutschen Volkes begangen hat, soll jetzt durch das sogenannte Republikschutzgesetz das deutsche Volk mundtot gemacht und die Wahrheit unterdrückt werden. Wir wol­len das jetzt herrschende undeutsche System er­setzen durch ein System der Sauberkeit und Deutschheit.

Abg Schlange (Lhr. Aal. Arb. Sem.):

Wir können ein Bedürfnis für dieses Gesetz nicht anerkennen. Der Staat verfügt über ge­nügend Machtmittel. Die Wirtschaft leidet so. daß Ne irgendwelche politische Un­

ruhen gar nicht ertragen kann. Wenn jetzt zehn 3ahre nach der Errichtung des neuen Staates, zehn 3ahre nach einem Ereignis, das für viele Deutsche einen seelischen Zusammenbruch bedeutete, ein solches Gesetz gemacht wird, so entsteht der Verdacht, daß es weniger dem Bedürfnis der Staatsordnung als der Parteipolitik dient. Das Parlament sollte lieber Gesetze machen, mit denen der Wirtschaft geholfen wird, dann werden die Unruhestifter keine Gefolgfchaft finden. Der Reichspräsident von Hindenburg hat an alle Deutfchen die Mahnung gerichtet, sich ihrer Pflicht bewußt zu sein, für die Zukunft der Ration in diesem Staat zu arbeiten. Wir b e- kennen uns zu diesen Worten des Herrn Reichspräsidenten, von dem wir uns du^ch nichts trennen lassen, denn wir sehen in ihm die letzte Gestalt, über die die deutsche Ration verfügt. (Beifall und Hört!-Hört!-Ruse bei Len Regierungsparteien.) Die Mahnung des Reichspräsidenten zur Einigkeit für die Ration sollte von allen Seiten beherzigt wer­den, auch von der Regierung. Das vor­liegende Gesetz ist geeignet, den Parteihader zu entfachen. Darum richten wir an den Reichs­minister des 3nnern die Ditte, eingedenk der Mahnung des Reich'Präsidenten, die Vor­lage zurückzuziehen.

Abg. Lanbsberg (So;)

erklärte, alles, was Dr. Everling gegen die Vorlage gesagt hat, waren Peitschenhiebe gegen die Deutsch- nationalen, die 1927 die Verlängerung des Re- publikschutzgesetzes befchiossen haben. Am 9. Novem­ber 1918 habe ich in ganz Berlin ein schwarzweiß-, rotes Fähnchen nur bei der Witwe eines pensio­nierten Beamten gesehen. Vor dieser Frau ziehe ich tief den Hut. Die freie Meinungsäußerung wird durch das vorliegende Gesetz nicht unterdrückt, auch nicht die scharfe Kritik an der Regierung. Es zeigt sich aber manchmal ein Schmutz und Ungeist, der mit Pressefreiheit nichts zu tun hat. Der Redner verlieft eine Reihe von Sätzen aus der national» sozialistischen ZeitungDer Stürmer", die u. a. beim Tode des Abg Dr. Levi schrieb: ,Levi hat wohl seinen eigenen Rassegeruch nicht mehr aus­halten können und deshalb das Fenster aufgerissen. Ein nationalsozialistischer Staatsgerichtshof würde ihn am höchsten Galgen aufgehängt haben. (Lebh. Pfuirufe b. d. Mehrh.) Ich würde die in diesen Sätzen enthaltene Roheit als v.ehisch bezeichnen, wenn ich nicht fürchtete, damit das Vieh zu beleidigen. Und solche Roheiten dürfen straflos verbrei­tet werden. Dieselben Leute klammern sich an d.e Immunität der demokratischen Republik und rufen jammernd nach A m n e st i e, wenn der Strafrich­ter sie wirklich einmal faßt. (Zurufe des Abg. Schumann, Leipzig, Komm.: Wenn Sie schon sächsisch reden wollen, dann müssen Sie näher herankommen. Groß- Heiterkeit. Abg. Schu­mann, Leipzig (Komm.) springt erregt auf und ruft immer wieder:Er macht skandalöse Witze". Abg. Stöhr (Rats.) ruft:Jeder kann nicht so mauscheln wie er!") In Sowjetrußland wird die Todesstrafe Pressesündern angedroht. Das deutsche Republikschutzgesetz geht keineswegs soweit wie der Antrag des nationalsozialistischen Abg. Göbbels, der die Beleidigung von Nationalhelden mit Frei­heitsstrafen und körperlicher Züchtigung bedroht. Wir wollen Dr. Göbbels, gegen den jetzt ein Ver­fahren wegen Beleidigung des Reichspräsidenten von Hindenburg schwebt, nicht der Gefahr einer körperlichen Züchtigung aussetzen. (Lebhafter Bei­fall bei den Sozialdemokraten.)

Atg. Or. Bett (Zentr):

Das Zentrum hat im Ausschuß die Vorlage gemildert, wo es irgend anging. 3n der vor­liegenden Form beschränkt das Gesetz in keiner Weise die sachliche Kritik am Staat und an feinen Organen. _ Keiner, der an der Vergangenheit und an früheren Staatseinrichtungen hängt, wird in seiner Meinungsfreiheit irgendwie gehemmt. DaS Gesetz läßt bestehen die Freiheit der Kritik, aber es bringt keine Sanktionierung derSchimpffreiheit, derUnterminie- rung des Staates u nd des Hochver­rats. Das Republikschutzgesetz braucht niemand zu fürchten, der die Grenzen sachlicher Kritik innehalt.

Abg. Or. Wunderlich (O. D ):

Wir stimmen durchaus der Mahnung des Ab­geordneten Schlange zur Zusammenarbeit aller Parteien für däs Staatswohl zu: aber gerade darum müßte auch er ein Gesetz annehmen, das den Staat gegen Angriffe auf feine Ordnung schützen will. Zweifellos ist dieses Gesetz nicht verfassungsändernd. Auch die Anhänger der frü­heren Staatsform müßten dem heutigen Staat, seinen Farben und Symbolen die nötige Achtung erweisen. Wir beantragen, daß der Schuh sich auch erstreckt auf die Kriegs« und Handelsflagge. Besondere Bestimmungen gegen die Beschimpfung verstorbener Staats­männer wünschen wir nicht. Gerade unser ver­ehrter Führer Stresemann ist zwar in der letzten Zeit das Objekt der liederlichsten Angriffe gewesen: aber wir meinen, daß die Beschimpfung eines Toten immer den Beleidiger selbst am meisten in der öffentlichen Achtung herabsehen muh. (Beifall bei der Volkspartei.)

Weiterberatung Freitag.

Aus aller Well.

Tödlicher Flugzeugunfall eines kanadischen Kampffliegers.

Der kanadische Oberst W. G. Barker, 3n- haber der höchsten englischen Kriegsauszeichnung, des Viktorialreuges, fand bei einem Flugzeug­unglück den Tod. Barker, der den Weltkrieg von Anfang bis Ende mitgemacht hat, hat nach amtlicher Darstellung 52 feindliche Flug- zeuge abgeschossen. Er war 363aj)re alt.

Die Haftbefehle gegen die Gebrüder Sklarek

3n dem Hastprüsungstermin gegen die Brüder Sklarek wurden die gegen den Angeschuldigten Max Sklarek bestehenden Haftbefehle aufrecht­erhalten, da dringender Tatverdacht und Fluchtverdacht fortbesteht. Er wird jedoch bis aus weiteres mit Untersuchungshaft verschont, weil die vier eidlich gehörten Sachverständigen die Aufhebung der Unter- suchungshast dringend befürwortet haben, da sonst mit der Gefahr einer erheblich fortschrei­tenden Verschlimmerung der schweren Erkrankung sowie mit der Möglichkeit eines plötzlichen Todes zu rechnen sei. (Herzkrankheit, Arterienverkalkung und Rierenentzündung.) Mar Sklarek muh sich aber an drei Tagen der Woche bei dem zuständigen Polizeirevier melden und Wohnungsveränderungen 24 Stunden vorher an»

Sei gen. Gegen Leo und Willi Sklarek sind die Haftentlassungsanträge abgelehnt worden.

Furchtbarer Kampf im Löwenzwinger.

3n Debra kam es im Me n a g e r iew agen des Zirkus Hassel, etwa zwei Stunden nach der' Vorstellung, zu einem erbitterten Kampf zwischen einem braunen sibirischen Dö­ren und einem Derberlöwen. D.e Tiere verbissen sich wütend ineinander. D.e beherzte Gattin des Zirkusbesihers, die ganz allein die Stallwache ausübte, da das übrige Personal bereits in dem benachbarten Sontra mit der Ausstellung eines Zeltes beschäftigt war, stieg in den Zwinger hinein und ver­suchte die Destien durch Schläge mit einer Draht- pcitsche zu trennen. Mit gewaltigem Sprung stürzte sich der Löwe nunmehr auf die Frau und zerfleischte sie am ganzen Körp:r. Auf ihre gellenden Hilferufe kamen Beamte der Land­jägerei und Dauern mit Eisenstangen und Mist­gabeln zu Hilfe und hielten den wild um sich beißenden Löwen mit Schüssen und Schlägen in Schach, bis es gelang, die ohnmächtige Fcau zu borgen. Sie wurde in hoffnungslosem Zustand in das Debraer Krankenhaus einge­liefert. Der Där war inzwischen seinen Wunden erlegen, der Löwe wurde erschossen.

Die Ueberschwemmungen in Südfraokreich

Während eine Havasmeldung aus Montauban besagt, daß das Hochwasser der Flüsse Garonne, Tarn und Aveyron bereits zurückgehe, wird der gleichen Agentur aus Bayonne ein Steigen meh.erer in den Pyrenäen entspringender Flusse gemeldet. Besonders bedrohlich soll die Lage im Rivetal sein, das na)mi vollständig überschwemmt sei. Zwei Kais von Bayonne sind überflutet Das Wasser hat die Höhe der Brückenbogen erreicht Der A^vurfluß ist aus seinen Ufern getreten und hat die Ebene über­flutet. Die Ortschaft Cstirac ist durch das Hoch­wasser in zwei Hälften getrennt. Man erwartet jedoch, dah die Flut in der dortigen Gegend nachlafsen wird, sobald der Regen in den oberen Pyrenäen aufhört

Berliner Börse.

Berlin, 14. März. (WTB. Funkspruch.) Nach­dem gestern abend eine gewisse Beruhigung ein- getreten war, konnte sich heute vormittag eine etwas freundlichere Grundstimmung geltend machen. Vor- läufig war aber von Geschäft noch nicht die Rede, und man glaubt nicht, daß die Neuyorker Diskont­ermäßigung auf 3,5 v. H., die im übrigen nicht un­erwartet kam, zu einer wesentlichen Vergrößerung der Kundenaufträge führen wird. Kurse waren noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte man Lon- don gegen Paris zirka 124,25, London gegen Mai­land 92,80, London gegen Spanien 39,50, London gegen Buenos 42,05, London gegen Kabel 4,8625 zu 4,8630, London gegen Berlin zirka 20,39,

Oie Weiiprlaae.

AO-

TESt

drti

itnDfl

*11

ans

o

Cie

o

Donnerstaa, 13. März 19^0,7h abds.

-7

'0 l

ft < Sin

fr 7-7

|6ti

G wolkenlos O "eiter Q naro oederit ® wofkig. oed«ckt Regc^ * Schnee »OrauDtin « «evet R Ocwit'-r.(§) Windstille. -Q-, sd* leichte» Os» nassioe» Südsüdwest q stürmische- nordwesi die Heue fliegen mii dem winde Die oei den Stationen stenenoen Zah­len geben die Temperatur an. Die unten verbinden Orte mit gleiche^ ul neeresmveau umgerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Heber dem Kanal und Holland lagert eine neue Störung, deren Riederschlagsgebiet unseren Be­zirk erreicht hat. 3hre Warmluft hat leichten Temperaturanstieg von zirka 2 bis 3 Grad her* beigeführt. Der Eintrübung und den Rieder- schlägen folgen unter Durchbrechung der Wol­kendecke und Aufheiterung wieder Abkühlung mit vereinzelten Schneefchauern. Da im Westen über Grlano bereits eine weitere Störung heranrückt, so dürften später abermals Bewölkungszunahme, Riederschläge und erneut leichte Temperaturzu- nahme zu erwarten fein. 3m ganzen läßt die gegenwärtige Druckverteilung immer noch den wechselhaften und unfreundlichen Witterungs­charakter fortbestehen.

Voraussage für Samstag: Weiter un­beständig, anfangs wechselnd bewölkt mit Auf­heiterung. lüh.er, vereinzelte Schauer, später wie­der etwas müder und bedeckt mit Riederschlägen.

Lufttemperaturen am 13. März: mittags 4,5 Grad Celsius, abends 1,4 Grad: am 14. März: morgens 2,3 Grad. Maximum 5,4 Grad, Mini­mum 0,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. März: abends 4,1 Grad, am 14. März: morgens 2 Grad Celsius. Rieder- fchiag 4,6 mm. Sonnenscheindauer 2'/i Stunden.

Amtliche Diniersportnachrichten.

Vogelsberg. Hoherodskops: Rebel, 1 Grad, 12 cm Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut. Herchenhainer Höhe: Tewölkt, 2 Grad, 20 cm Pulverschnee. Eportmoglichkeit für Ski und Rodel sehr gut

Sauerland. Winterberg: Schneefall, 2 Grad, 15 cm Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut.

Schwarzwald. Feldberg: Schneefall, 2 Grad, 100 cm Pulverschnee, Sportmögltchkeil für Ski und Rodel sehr gut.

Alpen. Garmisch-Partenkirchen: Be­wölkt, null Grad, 5 cm Pulverschnee, Sportmög­lichkeit für Ski und Rodel sehr gut.

auSl-huß

das W amtc'i

st«* tragen* <4« Ä fW11 StgtK net dtt i>ah es u Untupe iie innerp enoiesen

Mendw mung d von der Prozer Dvrms werden, ob nicht vahrscheii lrimini wg

vics darc Sinsparuw lizei nicht Angriffen mögen, v könne. 5' nur Wöt durch d Tersoi Die von Work S haben, tt Kommissii früher Polizei sparungen speziell g' Leitete § den lui1 sei die h nellen E zu 6 6l: gelehr merke wurde e meind auf 2500 der Aeg Anträge Der Lte dienstes sind zwi unter 5C HJormö i Der 3erci

Ms

« * e

5