Nr. 62 Erstes Matt
180. Jahrgang
Zreitag, 14. März 1930
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Dr Fried: Wilh Lange. DerantwortUch für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen
Sine Votschast des Reichspräsidenten an das devffche Bott.
0er innere (Streit um den youngptan muß nach feiner Unterzeichnung beendet fein und das Volk muß sich zur gemeinsamen Arbeit an neuen schweren Aufgaben wieder zusammenfinden.
Annahme der ssoung-Gesehe im Reichsrat.
Starke Opposition gegen das Polen- ab'.ommen.
•Berlin, 13. März. (VDZ.) DerReichsrat genehmigte sämtliche mit dem Boungplan in Verbindung stehenden Gesetze mit 42 gegen 5 Stimmen Thüringens, Ostpreußens, Brandenburgs und Pommerns bei Stimmenihaltung von Bayern, Sachsen und Mecklenburg Schwerin. Das deutsch-polnische Liquidation s° db f ommen wurde im Äeichsrat mit 35 gegen 10 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten die preußischen Provinzen Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Grenzprovinz Posen-Westpreußen, Oberschlesien, Schleswig Holstein. Rheinprovinz und die Länder Thüringen und Mecklenburg- Schwerin. Stimmenthaltung übten Riederfchlesien, Bayern, Sachsen, Oldenburg und Bremen. — Tin preußischer Antrag, die Bounggesehe a l s dringlich zu erklären, wurde mit 42 gegen 5 Stimmen angenommen. Gegen die Dringlichkeit stimmten Ostpreußen, Brandenburg, Pommern und das Land Thüringen. Stimmenthaltung übten Bayern, Sachsen und Mecklenburg Schwerin. Damit sind sämtliche Bounggesehe vom Reichsrat genehmigt, und da auch die Dringlichkeit erklärt worden ist, kann der Reichspräsident sie sofort in Kraft sehen.
Die Unterzeichnung durch den Reichspräsidenten.
Das Polcnastkommc» w rb uiriilkge stellt.
Berlin. 13. IKärj. (2DIB.) Reichspräsident von Hindenburg hat heute bas den Youngplan enthaltende Gesetz über die Haager Konferenz 1929'30 und die damit in Verbindung stehenden Gesetze ausgefertigt und ihre Verkündung im Reichcgefctzblalt veranlaßt. Dcn Gesetzentwurf zur Regelung von Fragen des Telles X des Versailler Vertrages, welcher das deutsch-polnische Liquidationsabkommen enthält, hat der Reichspräsident noch nicht vollzogen, sondern in Ausübung der ihm nach Art. 70 RV. obliegenden Pflicht zur Prüfung des verfassungsmäßigen Zustandekommens der Gesetze ein st weilen zurückgeslellt. Der Reichspräsident hat sich wegen einer eingehenden Prüfung der Frage, ob dieses Gesetz verfassungsändernden Charakter hat, mit dem Reichskanzler und den beteiligten Reichsministern in Verbindung gesetzt.
Hindenburgs Botschaft.
Berlin. 13. März. (WT2.) Reichspräsident von Hind-enburg läßt mitieilen: Wahrend des Kampfes um Annahme oder Ablehnung des Poungplanes sind mir von Verbänden, Vereinen und Einzelpersonen viele Hunderte von Zuschriften zugegangen, die, von Sorgen für die Zukunft unseres Vaterlandes erfüllt, mich in dringenden Worten baten, das Zustandekommen des Boungplanes durch die Verweigerung meiner Unterschrift unter die Gesetze und Ratifikationsurkunden zu verhindern. Da ich mich allen denen, die sich teils mit kurzen Protesten, teils mit langen Ausführungen an mich gewandt haben, nicht einzeln auseinandersehen kann, gebe ich nachstehend meine Antwort auf diesem Wege:
Schweren, aber festen herzens habe ich nach reiflicher, gewiffeuhasler Prüfung die Hounggesehe mit meinem Hamen unterschrieben. Rach Anhörung von Befürwortern und Gegnern des Planes, nach forgfältiger Abwägung des Für und des Wider bin ich zur Ueberzeugung gelangt, daß trotz der f ch w e r e n B e l a st u n g, die der Reue Plan dem deutschen Volke auf lange Jahre hinaus auferlegt, und trotz der großen Bedenken, die gegen manche feiner Bestimmungen erhoben werden können, der Zoungplan im vergleich zum Dawesplan eine Besserung und Entlastung darstcllt, und wirtschaftlich und politisch einen Fortschritt aus dem schweren Wege der Befreiung und des Wiederaufbaues Deutschlands bedeutet. Zu einer Ablehnung konnte ich mich im Gefühl meiner Verantwortung für Deutschland und seine Zukunft nicht entschließen, da die Folgen einer solchen für die deutsche Wirtschaft und die deutschen Finanzen u n - absehbar sein und schwere Krisen mit allen ihren Gefahren für unser Vaterland bringen würden. Ich bin mir durchaus bewußt, daß auch die Annahme des Zoungplanes uns nicht von allen Sorgen für die Zukunft befreit: aber ich glaube lrohdem zuversichtlich, daß der nunmehr eingetragene Weg, der dem besetzten deutschen Gebiet die langersehnte Freiheit und uns allen die Er
wartung weiterer Fortschritte gibt, sich als der richtige erweisen wird.
Diele der Zuschriften haben in wohlmeinender Absicht an mich persönlich die Ditte gerichtet, meinen, des früheren Heerführers Ramen, nicht dadurch vor der Geschichte zu verdunkeln, daß ich mit ihm diese Gesetze decke. Hierauf erwidere ich: Ich habe mein Leben in der großen Schule der Pflichterfüllung, in der alten Armee, verbracht und hier gelernt, stets ohneRücksicht auf die eigene Person meine Pflicht gegenüber dem Daterland zu tun. Deshalb hatte bei meiner Entscheidung jeder Gedanke an mich selbst vollständig zurückzutreten. So konnte auch der Gedanke, durch einen Dolksentschcid oder meinen Rücktritt die Der- antwortung von mir abzuschiebrn, bei mir nicht Boden fassen.
Der parlamentarische Kampf um die QJoung- gesche ist mit deren Derkündung im Reichs- gcsehblatt zu Ende: damit muß nun auch im deutschen Volke der Streit um diese Frage beendet fein, der soviel neue Gegensätze hcrvorgerufen und die von mir von jeher so schmerzlich empfundene Zerrissenheit in unserem schwer geprüften Vaterlande stark erweitert hat.
Ich richte daher an alle deutschen Männer und Frauen die ernste Mahnung, sich ihrer Pflichten gegenüber dem Vaterlande und der Zukunft der Ration bewußt zu fein und sich nun endlich u n - ter Aeberwlndung des Trennen
den und Gegensätzlichen zusam- menzusinden in gemeinsamem wirken für unsere Zukunft, in der es wieder ein freies, gesundes pnd starkes deutsches Volk geben soll. Die politischen Auseinandersetzungen und Kämpfe der letzten Monate müssen nunmehr einer entschlossenen praktischen Arbeit Platz machen, welche die Gesundung unserer Finanzen, die Belebung unserer gesamten Wirtschaft und damit die Beseitigung der ungeheuren Arbeitslosigkeit und nicht zuletzt die Linderung der schweren Lage der dei't'chen Landwirtschaft und die Wiederherstellung ihrer Rentabilität zum Ziele haben muß.
Ich habe der Reichsregierung die Erledigung dieser Arbeit in einem Schreiben an den Herrn Reichskanzler vom heutigen Tage zur Ausgabe gestellt und fordere hiermit gleichzeitig alle Deutschen auf, sich über die Grenzen der Parteien hinaus zur gemeinsamen Mitarbeit die Hände zu reichen. Vor bald 60 Jahren habe ich bei der Reichsgründung den Jubel miterlebt, der das gesamte deutsche Volk über seine endlich erreichte Einigung beseelte. Ich kann mir nicht denken, daß dieser Geist dahin- gelchwunden ist und dauernder inner- politischer Zwietracht P4atz gemacht hat. I Wir müssen uns trotz und wegen der Rot der Zeit auf uns selb st besinnen und wieder eins werden in dem Gedanken: Deutschland übet alles!
Echo der Presse.
„Abschied" von Hindenburg.
Tic Kampfansage der „Deutschen Heilung"
Berlin, 13. März. (ERB.) Die „Deutsche Zeitung", die aus Anlaß der Unterzeichnung der Bounggesehe durch den Reichspräsidenten von Hindenburg mit Trauerrand erschienen ist, polemisiert in einem Artikel „Abschied" in schärfster Weise gegen d i e Haltung des Reichspräsidenten und schreibt: Wir müssen erklären, daß wir in dem Reichspräsidenten Hindenburg den politischen Gegner erblicken, dem zur Abwendung weiteren Unheils der Kampf derer gilt, die an Deutschland auch jetzt nicht verzweifeln, die sich auch weiterhin mit allen Kräften ihrer Seele für seine Rettung einsehen wollen. Dieser feierliche Abschied der „Deutschen Zeitung" findet in der Mehrzahl der Berliner Blätter eine Entgegnung.
Das „B. T." schreibt, der Reichspräsident werde biete, Kriegserklärung achselzuckend beiseitelegen, unix fordert öffentlichen Anschlag der Kundgebung, weil es zweifelhaft sei, ob das Manifest an das deutsche Volk wirklich bis zu allen Teilen des deutschen Volkes dringt. — In der „Germania" heißt es: Der ernste Mahnruf des Reichspräsidenten wird, das ist gewiß, bei der erdrückeirden Mehrheit des Volkes lebhafte Zustimmung finden. Eine breite Front der Gutgesinnten wird ihm treue Gefolgschaft leisten' und seine Bemühungen unterstützen, der deutschen Zukunft Schritt um Schritt die Wege zu ebnen.
Die „D. A. Z." fürchtet, daß cs den nationalen Interessen nicht dienlich sein tonne, jetzt zu allem Unheil und Zwist, der das deutsche Volk zerreißt, auch noch einen schweren und tragischen Kampf um den Reichspräsidenten zu entfesseln. Wir wollen, so betont das Blatt, in dieser Stunde die sich mit elementarer Gewalt auf- drängenden politischen Gedanken des Zweifels zurückdrängen und neu an d i e Arbeit gehen im Sinne der Mahnung des Reichspräsidenten. — Der Artikel des Berliner „Lokal-Anzeigers", der zwar auch von einem schwarzen Tage für das deutsche Volk spricht, unterscheidet sich insofern doch sehr stark von der Stellungnahme der ..Deutschen Zeitung", als er erklärt, daß der schwarze Tag ein Gutes haben könnte, wenn aus ihm das emporwüchse, wozu Hindenburg in seinen Schlußworten so eindringlich gemahnt hat: Einigkeit in unserem Volke statt der fluchwürdigen Zerrissenheit. — Die „Deutsche Tageszeitung" ist der Meinung, daß der Entschluß Hindenburgs viel weniger in der Beurteilung des Tributplanes selber als vielmehr in dem unzerstörbaren Glauben des Reichspräsidenten an eine bessere Zukunft des deutschen Volkes seine Wurzel habe und seine Erklärung finde.
Der ehemalige badische Staatspräsident a. D. Pros. Helpach, der kürzlich mit einer aufsehenerregenden Begründung aus dem Reichstage ausgeschieden ist, äußert sich in der „Kölnischen Zeitung" eingehend über die inner- politische Lage im Zusammenhang mit der Annahme der Bounggesehe und den gleichzeitig geführten Haushaltsverhandlungen. Er kommt zu dem Ergebnis, daß eine an die Wurzeln des Hebels, nämlich an die Ausgabe-
1 wirtschaft greifende Finanzreform mit b e r Sozialdemokratie einfach nicht zu machen sei. Man dürfe dies von der Sozialdemokratie auch eigentlich gar nicht erwarten, sondern es sei eine Art politische Loyalitätspflicht, sie von dieser Mitverantwortung zu entlasten. Dagegen sei es ebenso eine Loyalitätspflicht gegenüber der Sozialdemokratie, mit ihr die Annahme der Bounggesehe durchzuführen. Prof. Helpach schließt aus dieser Situation, daß ein politisch geführter Reichstag die Bounggesehe angenommen und unmittelbar danach Öie jetzige Regierung gestürzt hätte: er hätte sofort nach der Annahme des Reuen Planes (toenn das Kabinett nicht den freiwilligen Rücktritt vorzog) den Antrag einbringen müssen, um ihn anzunehmen: „Die Regierung besitzt nicht mehr das Vertrauen des Reichstages". Durch die Annahme des Boungplancs werde eine Epoche deutscher Rachkriegspolitik abgeschlossen, wodurch zugleich eine neue Epoche großer grundsätzlicher innerdeutscher Auseinandersetzungen beginne.
Die Pariser Presse zur Unterzeichnung.
Paris, 14. März. (WTB. Funkspruch.) Die gesamte Morgenpresse veröffentlicht das Manifest des Reichspräsidenten, nimmt jedoch hierzu noch nicht Stellung. Nur zwei Blätter äußern sich. Der Berliner Korrespondent des „Petit Parisien" schreibt, die politischen Ereignisse in Deutschland hätten alle Tage deutlicher die hervorragende Rolle erkennen lassen, die Reichspräsident von Hindenburg in dem Augenblick spielte, in dem die Bolkspartei und das Zentrum inmitten eines unbeschreiblichen parlamentarischen Chaos die Absicht kundgaben, entweder die Stellung der Regierung zu gefährden, oder die Mehrheit zugunsten der Ratifizierung des Poungplanes zu schwächen. Die Intervention Hindenburas fei um so bedeutungsvoller, als sie an das Gefühl für internationale Realitäten erinnere. Die nationalistische Zeitung „L'Ordre" schreibt: Hindenburg habe als Reichspräsident es verstanden, der Beeinflussung zu entgehen. Er habe sich damit begnügt, feine Pflicht dadurch zu tun, daß er der Sache seines Landes diente. Er verdiene in dieser Hinsicht die Dankbarkeil seiner Mitbürger und die Achtung der ehemaligen Gegner Deutschlands.
Der Widerhall in London.
London, 14. März. (WTB. Funkspruch.) „Financial Times" sagt in einem Leitartikel: Der gestrige Tag war einer der wichtigsten der Rachkriegsgeschichte Europas. Der Präsident des Deutschen Reiches hat die Boung-Gesehe unterzeichnet. Damit hat er der Wohlfahrt des deutschen Volkes wie auch der anderer Völker in gleicher Weise gedient. Später werden sich vielleicht älmstände ergeben, die eine neue Revision der Reparationslage nötig machen, vorläufig aber sind sehr zweckmäßige Vorbereitungen getroffen worden, um eine dauernde Beobachtung der Rückwirkungen der deutschen Zahlungen auf die internationale Finanz- und Handelslage zu ermöglichen. Deutschland wird zweifellos aus dem Boungplan beträchtliche Vorteile ziehen. Aber fein Vorteil wird kein Verlust für andere fein.
Keine Einigung über das Finanzprogramm.
Der Hamps um die Steuersenkungen gehl weiter.
Berlin, 13.März. (VDZ.) In der heutigen Ve- fprechung der Finanzfachverständigen der Regierungsparteien im Reichstage nahm der Unterhändler der Deutschen Volkspartei, Abg. Dr. E r e m e r, die Mitteilungen über die Finanz, und Steuer- wünsche der anderen Regierungsparteien entgegen, die ihm nicht etwa schriftlich vorgelegt, sondern nur mündlich vorgetragen wurden. Dr. Eremer stellte fest, daß ein festes Programm bet anderen Parteien gar nicht vorliege, sondern daß die Steuerwünsche dieser Parteien untereinander immer noch Unterschiede zeigen, und daß sich eine grundsätzliche Aenderung gegenüber dem bisherigen Regierungsprogramm dadurch ergeben habe, daß jetzt außer den Sozial- demokraten auch Zentrum und Baye- rischevolksparteiaufeineFestlegung vonSteuersenkungen verzichten wollen. Demgegenüber legte Dr. Eremer den bekannten Standpunkt seiner Fraktion dar. Dann wurde die eingehende Besprechung des Finanzprogramms im einzelnen auf Freitag 15 Uhr vertagt.
In Kreisen der Deutschen Volkspartei wird betont, daß die Fraktion auf ihrem Steuerfen- kungsverlangen unbedingt besteheu müsse, weil sonst nach der Sanierung der Kassenlage wieder neueAusgabenwünsche auf- lauchen würden. Eine neue Ausweitung des Etats fei nut durch gesetzliche Festlegung von Steuersenkungen wirksam zu verhindern. — In parlamentarischen Kreisen betrachtet man, da sich nicht einmal die Parteien der sog. Weimarer Koalition endgültig einigen konnten, d i e Aussichten für das Zustandekommen eines gemeinsamen Programms aller Regierungsparteien alsfehrgering. Man fürchtet, daß nichts anderes übrig bleiben wird, als das F i n a n ; p r o g r a m m des Kabinetts mit wechselnden Mehrheiten zu verabschieden.
Der Reichstandbund fordert ein Rotgesetz.
Berlin, 13. März. (ERB.) Die Vertreter- Versammlung des Reichslandbundes nahm in ihrer Sitzung vom 12. März eine Entschließung an, in der der Reichslandbund außer sofortiger Durchführung der von der Grünen Front geforderten handelspolitischen Maßnahmen für die gesamte deutsche Landwirtschaft ein Rotgesetz verlangt, das vorsieht:
1. Zinssenkung auf Reichsbankdiskont.
2. Steuer- undLastensenkung im weitesten Umfange.
3. Schaffung eines Detriebserhaltungs- f o n d s , um unverschuldet stürzende Betriebe auf dem Dergleichswege retten zu können.
4. Allen, vorweg dem Osten, bis zur Wiedererlangung der immer wieder versprochenen Lebensgrundlagen einen allgemeinen Zahlungsaufschub zu verschaffen.
In Ergänzung der Verpflichtungen staatlicher Organe ruft der Reichslandbund das Landvolk auf, das Aettungswerk selbst zu fördern. Solange eine Besserung der Lage nicht fühlbar wird, erwarten wir, so heißt es in der Entschließung, von der gesamten Landwirt'chaft im Interesse der Selbsterhaltung rücksichtslose Durchführung unserer immer und immer wieder betonten Selbsthilfernahnahmen:
1. Schränkt eure Wirtschaft so ein, daß die Ausgaben auf das geringste Maß herabgedrückt werden.
2. Kauft nichts, was den Schulden st and eurer Wirtschaft auch nur um einen Pfennig erhöht.
3. Wehrt euch gegen Steuern und Lasten, die ihr nicht tragen könnt, mit den äußersten gesetzlichen Mitteln.
Der Kampf um eure Existenz hat bereits ernsteste Formen angenommen. In der Endentscheidung wird es sich erweisen, daß der deutsche Bauer nicht kampflos untergeht.
Das Hilfsprogramm für die Landwirtschaft.
Vorschläge Minister Dietrichs.
Berlin, 14. März. (TäT) Am Donnerstagnachmittag fand im Reichstag eine Besprechung der Parteiführer mit dem Reichsernährungsminister statt. Reichsernährungsminister Dietrich stellte eine Reihe von Vorschlägen zur Erörterung. Diese Vorschläge sollen von den Regierungsparteien als Initiativanträge einge-


