drückender Ueberlegenheit 3:1, infolge Schußunfahlg- keit des Sturmes. Dagegen konnte die Jugend mi 1:3 einen glatten Sieg erringen. Dem Spielverlauf nach wäre ein höheres Resultat verdient gewesen. Hanvball im Männertumverein (O.T).
J Turn- und Sportverein Butzbach gegen I. und II. komb.Mlo. Giehen 3:3 (1:0). Qlm Sonntag trug eine kombinierte erste und zweite Mannschaft des Männerturnverelns Gie- hen in Buhbach ein Handball-Freundschaftsspiel gegen die erste Mannschaft des dortigen Turn- und Sportvereins aus. Die Butzbacher Mannschaft, die in der letzten Derbandsrunbe ohne Punktverlust die Meisterschaft in der A-Klasse erringen konnte und in die Meisterklasse des Gaues Hessen aufsteigen wird, ist gut eingespielt und wird wohl mancher Mannschaft der Meister- klasse auf eigenem Platze eine harte Butz zu knacken geben. Die Gietzener kombinierte Mannschaft, die das Spiel wieder zu leicht nahm, trat nur mit 10 Mann an und hatte zudem nur drei Spieler der ersten Mannschaft m ihren Reihen. Spielverlauf: In der ersten Halbzeit ist das Spiel ziemlich ausgeglichen, doch kann die gut arbeitende Hintermannschaft der Gietzener nicht ver. hindern, datz der Gastgeber mit 1:0 bis zur Halbzeit die Führung hält. Nach Halbzeit zeigt sich zunächst dasselbe Bild, beiderseits verteiltes Spiel. Erst nachdem Gietzen ausgleicht und die Gastgeber abermals in Führung gehen können gehen die M.T.D.er mehr aus sicy heraus und werden von Minute zu Minute dem gegnerischen Tor gefährlicher. Durch verschiedene schon vorgetragene Angriffe und gut ausgenuhte Stel- lungsfchler der Butzbacher Hintermannschaft können die Gäste zweimal hintereinander erfolgreich sein und so mit 3:2 die Führung übernehmen. Erst einige Minuten vor Schlutz gelingt es Butzbach, auszugleichen und so das Resultat auf 3:3 zu stellen. Der beste Mannschaftsteil der M T.B.er war Wohl die Läuferreihe: der Torwart fiel, seinen sonst gezeigten guten Leistungen gegenüber, stark ab, und auch der Sturm hätte sich einer uneigennützigeren Spielweise befleißigen dürfen.
Handball der Sp.-Vg. 1900.
Tv. 1862 wieseck I — Gießen 1900 I 0:4 (0:3).
ö. Auf dem Wiesecker Waldsportplatz kam dieses Treffen am Sonntag unter Leitung von Schiedsrichter Jen tz sch, V.f.B. Gießen, zum Austrag. Beide Parteien befleißigten sich einer äußerst fairen Spielweise und machten so den Unparteiischen das Amt leicht. Der Verlauf war spannend und stets schnell. Die 1900er, bei denen einzelne Posten neu besetzt waren, halten durchweg Oberwasser, und nur der Schußunsicherheit des allerdings erstmalig zusammenarbeitenden Jnnensturms ist es zuzuschreiben, daß die Torzahl nicht auf das Doppelte erhöht wurdo. Die Erfolge brachten die beiden Außenstürmer (jeder zwei) auf ihr Konto, wobei zu bemerken ist, daß der Linksaußen auch in seiner Spielweise am besten gefiel. Die Wiesecker Fünferreihe arbeitete sich auch verschiedenemal bis an den Wurfkreis durch, die Bälle konnten jedoch von dem Gießener Hüter gemeistert werden. Das Fehlen des ausgezeichneten Wiesecker Mittelstürmers machte sich sehr bemerkbar. Bon der Hintermannschaft des Platzvereins stach der fleißige Mittelläufer ins Auge, während bei den Spielvereinigungsleuten das Ver- teidigerpaar unüberwindlich schien. Alles in allem zeigte die Turnermannschaft wieder «in recht flüssiges Spiel. Bei den Gästen war das gegenseitige Verständnis nur zeitweise vorhanden.
Handball in Garbenieich.
Garbenteich — 1. Kompanie Jnf.-Regt. 15 9:6 (3:2).
3n dem am Sonntag in Garbenteich ausge- tragenen Gesellschaftsspiel traten beide Mannschaften mit je zwei Ersatzleuten an, was sich insbesondere für die Gäste bemerkbar machte. Garbenteich war, was Feldspiel und Kombination anlangte, der Reichswehrelf etwas überlegen und konnte, da die Mannschaft mit einem Eifer und Elan spielte, wie man es noch nie an ihr gesehen hatte, obiges Resultat erzielen. Die Gäste, . die ohne ihren bewährten Tormann antreten muhten, gaben sich die größte Mühe, wenigstens ein Unentschieden herauZzuholen, mutzten sich aber der Schußfreudigkeit der Turner beugen. Berücksichtigt mutz werden, datz die Kompanie in zweiter Halbzeit mit nur 10 Mann spielte.
Spielveremigung 1900 Gießen.
o Die 1900er ließen sich am Sonntag in leichtsinniger Weise wieder eine Niederlage belbrrngen die in gar keinem Verhältnis zum St>!ÄlsvÄ stand. Glück gehört nun einmal zum ^vballspiet, und das hatte B. C. Siegen in überreichem Maße während die Einheimischen bom Pech geradezu verfolgt wurden. Dem korrekt amtierenden Lin- parteiischen G r Ü n e w a Id G*0, stellte sch die Spielvereinigung mit Ersah für Balser, Hoh mann und Langsdorf. Bon den dafür eintreten- den Leuten erfüllte nur der rechte bte
Erwartungen, während der rechte Verteidiger kurz nach dem Seitenwechsel infolge Verletzung ganz ausscheiden mußte. Es Saugte von wenig sportkameradschaftlichem Geist der Gaste, bah sie den sonst in Gesellschaftsspielen üblichen Eintritt eines Ersatzmannes verweigerten, wodurch die Gießener die zweite Spielhälfte nur mit zehn, längere Zeit sogar mit nur neun Spielern zu bestrebten hatten" da auch der Mittelstürmer infolge Berletzung pausieren mutzte Dem Umstand allein haben die Gäste in erster Linie den Sieg zu verdanken, da 1900. nur mit einem Verteidiger spielend, sich bei schnellen DurchbriAen zwei Tore gefallen lassen mutzte, den Halbzeitstand von 1:1 damit auf 3:1 für die Gaste erhöhend 1900 mußte zunächst gegen den heftigen Wind und gegen die grelle, tiefstehende Sonne spielem es war aber trotzdem die bessere Partei. Rach einem Lattenschuß von Beiter schoß Adelberger nach ausgezeichneter Leistung von Heilmann zum Führungstor für Gießen ein. Aber noch vor dem Wechsel konnte B. C. Siegen durch unbehindertes Einschietzen eines Strafstoßes wegen Handspiels zum Ausgleich kommen, da die Blauweihen ihr Tor sehr schlecht abdeckten und es dem Schützen dadurch außerordentlich erleichterten. Mit 1:1 wechselte man die Selten. Die zweite Hälfte stand meist im Zeichen großer Ueberlegenheit der Hiesigen, denen sich unzählige Schußgelegenheiten boten, die aber in der Hast und im Uebereifer alle ausgelassen wurden. Inzwischen verschwand die Sonne, wodurch den Gasten die Abwehr besonders erleichtert wurde. Uebrigens war diese nunmehr auch immer recht zahlreich und hart. Don den vielen verwirkten Strafstößen fand aber nicht ein einziger das Ziel. Die aussichtsreichsten Situationen im Strafraum der Siegerländer wurden mit Bombenschüssen abgeschlossen, die aber alle darüber, daneben oder in den Armen des famosen Torhüters landeten, der der beste Mann seiner Elf war und dieser den Sieg rettete. Bei 1900 hatte der Innensturm nicht die Sicherheit, wie in den vorhergehenden Spielen. Der Linksaußen versagte vollkommen, die anderen taten ihre Schuldigkeit, lieber den neuen Rechtsaußen muß man sich vorläufig der Kritik enthalten: er muß sich erst einspielen. Endresultat 3:1 (1:1) für Ballspielklub Siegen.
Die Ligareserve wartete auf Niedergirmes' zweite Elf vergebens und dürste damit kampflos in den Besitz zweier Punkte gekommen fein.
Umgekehrt war 1 900s Dritte zum Spiel gegen Steinbachs erste Mannschaft bei Beginn nicht vollzählig zur Stelle und verlor die Punkte, blieb aber im darauffolgenden Gesellschaftsspiel ' mit 3:0 Toren Sieger.
Die vierte Elf 1900'6 verspielte die Aussicht auf die Meisterschaft, indem sie sich von der zweiten Großcn-Busecks überraschend 1:2 schlagen ließ.
Die „Alten Herren" 1900’6 besitzen auch nicht mehr die Routine von ehedem, öenn diesmal langte es auch nur gerade zu einem Unentschieden. dabei konnte bei dem fast ständigen Drängen der Sieg bestimmt sichergestellt werden. Der Erfolg der Gäste der „Alten Herren" vom B. C. Siegen war bei schnellerer Dallweg- gabe glatt zu verhindern gewesen. Das Gießener Ausgleichstor war ein Prachtschuß von Bieler.
V. f. B.
V.f.B. — F.v. Ockershaufen 1:0.
Die Liga Mannschaft erkämpfte sich am Sonntag gegen den an erster Stelje der Tabelle stehenden F. V. Ockershausen einen knappen, aber verdienten l:0-Sieg und errang damit zwei wertvolle Punkte. Wenn es auch nur das knappste aller Resultat« war, das sie erzielte, so bedeutet es, abgesehen von dem Punktgewinn, doch einen starken Erfolg, da der Gegner den Vorteil des eigenen, gänzlich unzulänglichen Platzes hatte und außerdem
mit einer unnötigen Härte kämpfte wobei er ost die Grenzen des Erlaubten ubertntt. Es kann ja als Regel bezeichnet werden, daß die rem spieleri- cben Leistungen in einem Punktspiel, zumal wenn ein Ausgang von so großer Bedeutung ist wie in diesem, nicht die besten sind. Dies tr.fst hier auf beide Mannschaften zu. Immerhin war Gießen m bet Gesamtleistung besser, als die Platzmannschaft: wohl war sein Zuspiel nicht so präzis, wie in anderen Spielen, es übertraf aber das Ockershausens doch noch bei weitem. Spielverlauf: Beide Gegner sind anfangs reichlich nervös. Durch allzu starke Forcierung des Tempos werden die Aktionen nur noch zerrissener und bleiben bei der Sicherheit ber Verteidigungen erfolglos. Während die Einheimischen mit dem Nachlassen der Spannung ihre Angriff« planvoller gestalten, fällt es V.f.B. sichtlich schwer sich auf die ungewohnt kleinen Ausmaße des Platzes einzustellen. Fast alle Vorlagen, besonders die an die Flügel, gehen ins Aus. Allmählich findet sich auch Gießen und kann in seine Spielhandlungen wenigstens bis zu einem gewissen Grad System bringen. Es trägt seine Angriffe geschlossen vor und bringt des Gegners Tor öfters in Gefahr Bei Seitenwechsel lautet das Resultat noch 0:0. Sofort mit dem Wiederbeginn läßt die V.f.B.-Mann- schatf erkennen, daß sie den' festen Willen hat, das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden. Ohne Ueber- stürzung, aber mit um so mehr Ueberlegung baut sie ihre Aktionen planvoll auf und drängt die Einheimischen, die in der ersten Halbzeit ihre Kräfte anscheinend 3U sehr verausgabt haben, in ihre Hälft« zurück. Deren Tormann, leistet in dieser Zeit erstklassige Abwehrarbeit. In der 15. Minute endlich gelingt es Gießen, nach einer Reihe von Fehlschüssen das einzige Tor des Spiels und damit das Siegestor zu erzielen. Es bleibt auch weiterhin im Vorteil: in der Bedrängnis macht ein Verteidiger der Platzmannschaft im Strafraum „Hand". Der zugesprochene Elfmeter wird zwar placiert, jedoch etwas schwach geschossen und von dem talentierten Tormann gehalten. Ockershausen versucht mit aller Macht, den Ausgleich herzustellen und ist nun seinerseits einige Zeit überlegen. Zwei- bis dreimal hat auch der Gießener Schlußmann hierbei Gelegenheit, fein Können unter Beweis zu stellen, Nachoem ein gegnerischer Stürmer tueg’en rohen Spiels vom Schiedsrichter herausgestellt wird, nimmt das einheimische Publikum in einer Weise am Spiel teil, die nicht mehr gutzuheißen ist, und dringt wenig später sogar ins Feld, so daß das Spiel für kurze Zeit unterbrochen werden muß. Bald darauf muß bei einem Zusammenprall mit dem rechten Verteidiger Ockerhausens der Halblinke Gießens das Feld verlassen. Bis zum Schluß hatten beide Parteien noch mehrmals Gelegenheit, das Resultat zu verbessern: es blieb jedoch beim 1:0 für V.f.B.
Das Verbandsspiel der vierten Mannschaft gegen die zweite Dau bringens auf dortigem Platz wurde nach halbstündiger Spieldauer beim Stand von 2:0 für V.f.B. wegen ungenügender Platzordnung vom Schiedsrichter abgebrochen und gilt für Gießen gewonnen.
Schwimmen im Manier-Turnverein.
Wenn auch im Winter fast keine Schwimm- wettkärnpfe zum Austrag gelangen, so ist es dennoch für jeden Wettschwimmer erforderlich, daß er sich auch während der kalten Jahreszeit im Hallenschwimmbad einem regelmäßigen Training unterzieht, um sich dadurch einen besseren Stil, sowie sonstige Feinheiten in der Schwimmtechnik anzueignen. Um nun wieder einmal eine Abwechselung in die eintönige kalte Jahreszeit zu bringen, insbesondere aber, um die Schwimmsache im Mittelrheinkreis zu fördern, wird der Frankfurter Turnverein von 1860 am kommenden Mittwoch, wie schon kurz gemeldet, einen Staffeltag veranstalten, zu dem auch die Schwimmabteilung des Männerturnvereins Gießen ihre Teilnahme zugesagt hat. Außer Frankfurter Beweinen nehmen auch die Turnvereine von Offenbach und Darmstadt, die verschiedene Meister in ihren Reihen haben, an diesen Wettkämpfen teil. Wenn auch die Schwimmabteilung des Mtv. erst auf ein zweijähriges Bestehen zurückblicken kann, so haben doch die letzten unerwarteten Siege über erstklassige Großstadtvereine gezeigt, daß aus kleinen Anfängen durch eifriges Training Großes zu erreichen ist. Die Mtver, die — durch einige neue Kräfte verstärkt —, sehr an Durchschlagskraft zugenommen haben, nehmen an sämtlichen ausgeschriebenen Wettkämpfen teil: es sind dies: 4x4°Bahnen-Bruststaffel, 4x4-Dahnen-Lagenstaf- fel, 4x4°Bahnen° Freistilstaffel, 10x2-Dahne^-
Freistilstaffel. lieber den Ausgang der Staffeln kann im voraus nur wenig gesagt werden: höchstens könnte man sagen, daß die Mtver in der Bruststaffel tonangebend sein werden, komplette Aufstellung der Gietzener allerdings vorausgesetzt. Nach Beendigung dieser Staffelwettkämpfe wird die erste Mannschaft des Mtv. Gießen gegen den Kreismeister im Wasserball, Turnverein 1860 Frankfurt a. M., ein Wasserballspiel austragen, das wohl die Frankfurter sicher für sich entscheiden werden.
A. O. T.
Lahn Tirnsberg-Turn-Gau.
Am Sonntag sand in Wieseck eine Gauvor« standssitzung statt, in der die Termine der diesjährigen Veranstaltungen wie folgt feftgelegt wurden: 16. Februar Gaugerätewetturnen in Waldgirmes: 6. April Gaufrühjahrswaldlauf. Der Austragungsort wird noch feftgelegt; 29.9uni (Sau- Leichtathletik-Meisterschaften in Wißmar; 20. Juli Verbandsfest des Südwestdeutschen Turn-Verbandes in Steinbach b. Gießen: 3. August Gauwettschwim- men in Launsbach und Gauschülerw^tturnen in Rodheim/Bieber: 24. August Bergfest in Mainzlar.
Kommenden Sonntag, 19. Januar, findet in Lollar eine Gauvorturnerstunde statt.
Arbeiter-Turn und Sportbund.
Großen-Linden I — Wieseck I 2:3.
Großen-Linden hatte sich am vergangenen Sonntag zu einem Freundschaftsspiel die erste Mannschaft Wiesecks verpflichtet. Die Gäste erschienen mit nur neun Mann, darunter noch Ersatz, während die Einheimischen komplett antraten. Nach Anstoß entwickelte sich flottes Spiel, das die Gäste, trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit, öfters im Angriff sah. Großen-Linden strengte sich merklich an, um einen Sieg der Gäste zu verhindern. Trotzdem gelang es Wieseck, bei Schluß des Spieles das Feld als Sieger zu verlassen.
Gießen Ib — Ober-2Höden I 6:1.
Gießen I b hatte sich Gäste aus dem 6. Bezirk zum Freundschaftsspiel verpflichtet. Ober-Mörlen stellt wohl eine körperlich kräftige Mannschaft dar, deren Spielsystem aber viel zu wünschen übrig läßt. Gießen konnte bereits nach kurzer Zeit in Führung gehen. Kurz daraus stand das Resultat bereits 2:0. Da gelang es den Gästen, durch einen Fehler der Berteidigung zum Ehrentor zu kommen, doch stellte Gießen das Resultat bis Halbzeit auf 3:1. Auch nach dem Seitenwechsel war Gießen weiter im Vorteil und^ erzielte in gleichmäßigen Abständen noch drei Tore. Einzelne Durchbrüche der Gäste brachten trotz aller Anstrengung nichts ein.
Vorher spielten die Iugendmannschaften beider Vereine. Auch in diesem Spiel waren die Einheimischen leicht überlegen, konnten jedoch erst gegen Schluß des Spieles den Ausgleich erzielen.
wieseck 1b — Treis I 4:3.
In Wieseck standen sich im Rückspiel diese Gegner gegenüber. Bereits nach wenigen Minuten konnte Treis durch einen schönen Schutz in Führung gehen. Wieseck wurde bann besser und erzielte eine Reihe Ecken, die jedoch nichts einbrachten. Ein unerhoffter Schutz brachte ihnen bann ben Ausgleich, dem nach wenigen Minuten bas Fichrungstor folgte. Treis strengte sich nun mächtig an, konnte jedoch nicht verhindern, datz Wieseck bis Halbzeit noch zweimal erfolgreich war, dem sie nur noch ein Tor entgegensetzen konnten. Nach Seitenwechsel drückte Wieseck merklich, doch gelang es ihm nicht, an der manchmal überreichlichen Verteidigung der Gäste vorbei das Tor zu finden. Erst kurz vor Schlutz konnte Treis zu einem dritten Erfolg kommen.
Vorher spielten die Iugendmannschaften beider Vereine. Auch in diesem Spiel blieben die körperlich schwächeren Einheimischen, infolge ihres reiferen Spieles, mit 2:1 Sieger.
Daten für Mittwoch, 15. Januar.
(Sonnenaufgang 7.59 Uhr, Sonnenuntergang 16.20 Uhr. — Mondaufgang 16.50 Uhr, Monduntergang 9 Uhr.
1858: der italienische Maler Giovanni Scgantini in Aron geboren.
©er Ohrenmensch.
Von Alfred Richard Meyer.
Wenn die moderne Zoologie nach Dr. Th. Zell die Tiere heute in Augen- und Nasentiere einteilt, so könnte ein Psychologe leicht in die Versuchung kommen, die Menschen analog in Augen- unö Ohrenmenschen zu katalogisieren — je nachdem sie lieber ins Kino gehen oder sich den Abend durch den Rundfunk angenehm vertreiben lassen. Der Augen-Mensch scheint der primitivere zu sein: aber auch bei ihm ist der Eindruck eines Films wesentlich von der Begleitmusik abhängig — wenn ihm das vielleicht nicht gleich von Anfang an bewußt ist. Der Zusammenhang von Auge und Ohr ist ähnlich konstruiert, möchte ich meinen, wie der Geschmack und Geruch; ein Sinn wird durch den anderen verstärkt. Aber es kann auch das geschehen: baß ber Sinn bes Auges unter ilmßänbcn den bes Ohres erheblich beeinträchtigt, daß der Genuß eines Kunstwerkes im Theater getrübt wirb. Künstlerische Naturen sinb hier besonders empfindlich — Beispiel: Dr. Alfred Doblin, der kürzlich gestand, baß ihm „Tristan unb Isolbe", von der Berliner Oper durch den Rundfunk übertragen, ein weit stärkeres, ungetrübteres Erlebnis als je in einem Theater gewesen sei. Die Voraussetzung der Intelligenz, als mitschöpferischer Faktor, kann demnach dem Werkzeug des Ohres doppelte Bedeutung verleihen.
Wenn ein kleines Kind photographiert werden soll und durchaus nicht ins Objektiv blicken will, muß eine Klingel gewaltsam seine Aufmerksamkeit erregen und die Erwartung verstärken: daß Gleich ein Kasperle aus dem Apparat hervorguckt.
Nit dem Ohren-Menschen mag es ganz ähnlich gehen. Denn wie sagt doch Schiller, da er „über das gegenwärtige deutsche Theater" spricht: „Der Weg des Ohrs ist der gangbarste unb nächste zu unferm Herzen!" Man denke darüber ein wenig nach unb erinnere sich befonberer Einbrücke beim Rundfunk, ben der Dichter nicht kannte, zu dem wir ihn aber wohl bekehrt haben dürsten. Es gilt den Weg: des Sehens durchs Gehör. Obgleich die gegenteilige Ansicht Goethes (in Eckermanns Gesprächen» nicht unterschlagen sein soll, indem er sich über die Oper
„Moses" von Rossini also ausließ: „Ich be- I greife euch nicht, ihr guten Kinder, wie ihr Süjet unb Musik trennen unb jedes für sich genießen könnt. Ihr sagt, das Süjet tauge nicht, aber ihr hättet es ignoriert und euch an ber trefflichen Musik erfreuet. Ich betounbere wirklich bie Einrichtung eurer Natur, unb wie eure Ohren imstande sind, anmutigen Tönen zu lauschen, während ber gewaltige Sinn, bas Auge, von ben absurbesten Gegenständen geplagt wirb." Das Auge — ber „gewaltigste Sinn" ? Sprechen nicht schon gegen bieses Wort die künstlerischen Erlebnisse ber Blinden? Als ich einmal ben Dichter Oskar Baum kennenlernte, ben blinben, erschuf er sich meine Gestalt unb mein Aussehen ganz nach bem inneren Bilb meiner Worte und erst dann, wie zur Bestätigung, tastete er mich ab.
Erinnert euch bitte des Gedichtes von Arthur Rimbaud: „Vokale":
„A: schwarz, E: weiß, I: rot, U: grün, O: blau —";
unb selbst wenn wir von unserer deutschen Sprache aus mit diesen Farben-Assoziationen nicht einheitlich einverstanden sein können, sind wir es vielleicht hinsichtlich des Gedichtschlusses:
„O: Orgeltvn im Bogen über Flöten der Fuge Dach. In Winternächten monddurch- kühlt.
Omega: Donner einer Bucht aus Morgenröten." (Nachdichtung: Paul Zech.)
Oder — vielleicht „geht" es euch leichter „ein" durch diese alte Sprechübung der Schauspieler auf D:
„Droben thront der Nonnen Kloster Ohne Trost und ohne Wonnen."
Man spreche das einmal laut nach — ernst ober humoristisch. Unb bann fällt einem die groteske „Ballade in U-Sur“ von Detlev v. Lilie nc t o n ein:
„Es lebte Herr Kunz von Karfunkel Mit seiner verrunzelten Kunkel Auf seinem Schloß Punkpunkel In Stille unb Sturm.
I Seine Lebensgeschichte war dunkel, Es murmelte manch Gemunkel Um feinen Turm."
j (Das Pseudonym meines Freundes Wunkedunke I steht in seltsamem Gegensatz zu dem angeblich
guten Geist Minkepinke, der, nach Friedrich August von der Marwitz, seit 1743 zu Prenzlau, bem Erbprinzen Lubwig von Hessen-Darm- stabt, Kommanbeur bes 12. Infanterie-Regiments, erschien, nachdem der böse Geist Orlofix toeg- getrommelt war.)
Ernsthafter gesprochen: die indischen Upanischaden stellen im Odern allen Sinne die Sprache voran: „Als Sprache durchdringen den Menschen alle Bezeichnungen." Und es ist gar nicht gut, wenn es immer die geschulte Sprache eines Schauspielers ist. So kann man ben Wunsch bes Dichters Hans Kyser burchaus verstehen, wenn er fein jetzt mit Erfolg aufgeführtes Hörspiel „Prozeß Sokrates" lieber durch ganz einfache Menschen und nicht durch Schauspieler gesprochen haben wollte. In diesem Sinne kann es auch nur begrüßt werden, wenn ber Runbfunk jetzt mehr als früher ben Dichter sdlbst lesen läßt. Dieser ist immer sein idealer Vorleser, selbst wenn er nicht ideal im Sinne höchster Sprechkunst vorliest. Seine Modulation, fein Dialekt, sein Wiedererleben des Manuskripts — das ist ja gerade der Reiz, ben wir bei einem Schauspieler meist entbehren müssen, der Nebensächliches viel zu wichtig nimmt, der Rhetorik ost überbramarbasiert, der schließlich ganz umgestalten kann. Die Differenzierung der Sprache strebt zu einem immer mehr differenzierten Ohr. Hier liegen alle Gc^altungsmöglichkeiten des Rundfunks, auch ohne Jlöfunt Schon vor R i m- b a u d hatte sich die Wissenschaft mit dem Sehen durchs Gehör beschäftigt. Der Münchener Johann Nepomuk von Nußbaum, Professor der Augenheilkunde, war der erste, ber diese Frage den hervorragendsten Physiologen Deutschlands, Italiens, Frankreichs vorlegte. Der Mailänder Professor Ughetti teilt den Fall eines Arztes Dr. Z. mit, der schon als Student feststellte: A war für ihn schwarz, E gell», I tot, O weiß, U kaffeebraun. Am Beispiel einiger Worte abgewandelt: ballata empfindet er schwarz, horos- copo weiß, nev6 gelb, liri rot, mai schwarz und rot; in den Tönen ber Klarinette herrscht ihm bas Gelb vor, bei Gitarre und Trompete Goldgelb. beim Piano weiß. Hysteriker empfinden bei Leibschmerzen, Kops- und Zahnweh verschiedene Farbenempfindungen. Manchem unserer Leser werden Erinnerungen auf steigen deren Ueber-
mittlung mir wichtig wäre unb die vielleicht zur Klärung unseres Problems beitrügen. Dieses ist uns durch den Rundfunk viel näher als jemals gerückt und muß den Ohr-Menschen allmählich vor den Augen-Menschen stellen, weil die Sinnenreize feiner, intimer, künstlerischer sind unH nur eine möglichst empfindliche, im Erlebnis berA seinen gewordene Empfangsstation voraussehen-
Das Wunder.
Von Hans Leip.
In jenem denkwürdigen Winter waren die ost- friesischen Wiesen jenseits der Leda bis zum Hori- zom gefroren. Ich lief auf guten Holländern mit lener Kathrin Hisko, die stolz ist, von dem berüchtigten Propste Hisko abzustammen, über das sogenannte Saterland, welches nichts als der ins geometrisch Ebene geplättete Himmel zu sein schien. Durch diesen Vergleich angeregt flogen wir leicht uhb beschwingt wie zwei Schwalben dahin. Es wurde gegen Abend und wir nahmen wahr, daß die Annäherung zwischen uns und einem starken Hungergefühl einerseits und der zu erreichenden Papenburg andrerseits zugunsten des ersteren ausfiel. Somit bogen wir auf einen Bauernhof zu, der mit seinem Baumschlag gleich einer zerfransten Wolke aus dem Nebel aufdunstelte. Der Hof erwies sich als eine alte Gastwirtschaft. Die Angelegenheit der Gegend hatte dem Gewese noch manches aus Urväterzeit bewahrt. Wir sehen uns neben den gebuckelten Messingofen und betrachteten, nachdem wir uns an Süetf, Eiern und Grühklößen gesättigt hatten, die Wände, die von oben bis unten mit einfältigen und schon aus der biblischen Geschichte bemalten Kacheln getäfelt waren. Die gute Kathrin, glühend von Jugend, Eiswind, genossener Speise und Ofenwarme Zeigte plötzlich auf eine Szene, die den Herrn auf bem Meer wandelnd darstellte. Endlich, flüsterte sie erregt, sei ihr das Wunder erklärlich, der See sei einfach zugefroren gewesen. Ich wagte zu bemerken, daß das Klima besagten Landes wohl auch schon damals derlei nicht zugelassen haben werde. Sie lächelt« ein wenig verwirrt, entgegnete dann aber: „Bei Goll ist kein Ding unmöglich!" Und indem sie mich ansah, als sei ich ein Kind, lenkte sie das Gespräch auf etwas anderes.
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