Ausgabe 
13.6.1930
 
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halten bleiben. Mit Befremden müßten die Christ­lichen Gewerkschaften den Man gcl an wirk­lichem Gcineinschaftssi nn in weiten Kreisen unseres Volkes feststellen, der insbeson­dere auch in dein Widerstand gegen das von der Regierung angekündigte Notopfer 311111 Ausdruck komme. Angesichts der Rot von Millionen von Volksgenossen sollte die ßeiftung eines VotopferS von allen in gesicherter StelMng Befindlichen eine Selbstverständlichkeit sein. Der Hauptvor­stand beschloß, daß die Angestellten der Christ­lichen Gewerkschaften neben den gewerblichen Sonderbeiträgen und neben ihren Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung ein weiteres Notopfer bringen, um die Mittel der Arbeitslosenfürsorge ihrer Verbände zu stärken.

Oie Rechsfinanzen tm JRj. 1929/30.

Berlin, 12. Juni. (WTB.) Im Rech­nungsjahr 1 9 2 9/30 beläuft sich das De­fizit im Gesamthaushalt des Deut­schen Reiches nach nunmehrigen endgültigen Feststellungen auf 1283,7 Mill. Mark, gegen 1058,9 Mill. Mark im Rechnungsjahr 1928/29.

Der Stand der auf Reichsmark lautenden Schuld, einschließlich der Dawesanleihe des Deutschen Reiches, wird per 31. März 1930 auf 8452,6 Mill. Mk. gegen 8416,8 Mill. Mark am 31. Dezember 1921 und der Stand der schwe­benden Schuld am 31. März 1930 auf 1938,4 Mill. Mark gegen 1735,9 Mill. Mark am 28. Februar 1930 angegeben.

der amerikanische Teil der Voung- anleihe überzeichnet.

Reuhork, 12. Juni. (WTB.) Rach Mit­teilung des Emissionskonsortiums ist der ameri­kanische Anteil der Bounganleihe überzeichnet worden.

Oie deutsch-russischen Verhandlungen.

Berlin, 12. Juni. CRB. (Eigene Meldung.) Bekanntlich sind seit einiger Zeit zwischen der deutschen Regierung und der Sowjetrogierung diplomatische Llnterhal tungen über den Stand und die Entwicklung der deutsch­russischen Beziehungen gepflogen wor­den. Cs handelt sich einmal um Fragen allge­mein politischer Art und ferner um eine Reihe von Meinungsverschiedenheiten, die sich aus den Wirtschaftsverträgen ergeben haben. Diese Besprechungen sind, wie wir von zuständi­ger Seite erfahren, jetzt zu einein gewissen Ab­schluß gekommen. Die konkreten Fragen wirt­schaftlicher Art werden, wie das in den Verträgen vorgesehen ist, von der Schlichtungskommission erledigt werden. Die Schlichtungskommission ist auf Grund des Vertrages vom Januar 1929 ein­gesetzt worden. Sie tritt am 16. Juni in Moskau zusammen. Ob über die Fragen allgemein poli­tischer Art eine gemeinsame Mitteilung veröffent­licht wird, steht noch nicht fest. Der Schlichtunas- kommission gehören aus deutscher Seite der Reichsminister a. D. von Raumer und der Dirigent der Ostabtcilung des Auswärtigen Amts v o n M o l t k e an. Dazu treten noch eimge Sach­verständige.

Gtahlhelm gegen Hitler.

Berlin, 12. Juni. (Eigene CNB.-Meldung.) Der Bundesvorstand des Stahlhelm faßte folgenden Beschluß:Die NSDAP, hat am 23. Mai offiziell auf eine Anfrage des Stahlhelm erklärt, daß ein eingetragenes Mitglied ihrer Partei nicht gleichzeitig Mitglied eines Wehrbundes, also auch nicht des Stahlhelm sein könne. Die Stahlhelmführung bedauert diese Entsä)eidung im vaterländischen In- teresse, zumal sic bisher grundsätzlich den Stand- Sankt vertreten hat, daß die Kameraden eingetragene Mitglieder bei allen nationalen Parteien sein kön­nen. Die Stahlhelmführung sieht sich nun­mehr zu nachstehendem Befehl veranlaßt: Ein­gedenk seiner, der Stahlhelmfahne gelobten Treue, hat jeder Stahlhel mkamerad der ein- getragenes Mitglied der NSDAP, ist, diese Mitgliedschaft a u f z u g e b>e n. Dieser Befehl tritt sofort in Kraft."

Nationalsozialisten demonstrieren gegen das Üniformverbot.

Berlin, 13.Juni. (TH. Funkspruch.) Eine Gruppe Nationalsozialisten demon­strierte gestern abend in der Dlücherstrahe tm Süd­westen Berlins gegen das Üniformver- b o t des Preußischen Innenministers. Die Poli­zei nahm den Fahnenträger und einige Mann aus dem Zuge fest und brachte sie zur Wache in Der Därwaldstraße. Darauf sangen die übrigen Teilnehmer vor der Wache Lieder und brachen in Heilrufe auf Hitler aus. Die Polizei nahm insgesamt 31 Personen fest und brachte sie zum Polizeipräsidium.

Beschwerde in München.

München, 12. Juni. (TU.) Wie derVölki­sche Beobachter" mitteilt, hat die National- sozialistische Partei gegen das p o l i z ei­lt ch e V c r b o t der für Sonntag geplanten Ver­sammlung bei der Regierung für Oberbayern Beschwerde eingelegt. Staatsminister Dr. F r i ck, der in der Versammlung sprechen sollte, hat telegraphisch gegen das über ihn verhängte Sprechverbot Einspruch erhoben.

Italienisch-polnische Liebereinstimmung.

Warschau, 12. Juni. (TU.) Nach einer pol­nischen halbamtlichen Meldung hat die Unter­redung zwischen dem italienischen Außenminister Grandi und Marschall Pilsudski in Drus- kicnniki zwei volle Stunden gedauert und auch poli­tische Fragen berührt, die für beide Staaten von Interesse sind.Die Unterhaltung hatte einen außer- ordentlich herzlichen Charakter. Desgleichen, so heißt es weiter, hatten auch die beiden Außen­minister Grandi und Zaleski Gelegenheit, sich über eine Neihe von aktuellen politischen Problemen auszusprechen, wobei festgestellt wurde, daß zwischen beiden Staaten keinerlei Meinungsver- chicdenheiten bestehen. Es wurde vielmehr estgestellt, daß die wirtschaftlichen Beziehungen zwi- chcn beiden Ländern geeignet sind, sich immer mehr zu entwickeln und daß sic große Möglichkeiten für die Zukunft besitzen. Schließlich konnten die beiden Minister die Uebercinjtimmung in den wichtigsten augenblicklichen politi-

Schul debatte tm Hessischen Landtag

Darmstadt, 12. Juni. (WHP.) Vizepräsi­dent Blank eröffnet die Sitzung des Hessischen Landtages um 10.30 Ahr zur Fortsetzung der Etatsberatung bei der 6. Hauptabteilung M i n i- fterium r Kultus und Bildungs- wesen.

Abg. Winter (Zentr.) bedauert den Schulabbau in einer Zeit geistiger, sittlicher und wirtschaftlicher Revolution. Der Anwille der Elternschaft gegen die erfolgten Am- schulungcn bestehe heute noch in starkem Maße. Der Redner lehnt für seine Person den Schul­abbau ab. Von der Regierung wünschen wir Ab­stellung von Härten, insbesondere bei denHalb"- Lehrern. Der Werkunterricht darf nicht zum Selbstzweck führen, wie es vielfach eingetreten ist. Den Zustrom ländlichen Lehrernachwuchsel wünschen wir durch den numerus clausus nicht gehemmt zu sehen. Die Landbundanträge hätten uns 1000 stellungslose Junglehrer gebracht: den volksparteilichen Schulanträgen, insbesondere hin­sichtlich der Sonderklassen, stimmt der Redner in weitem Amsange zu. Die höheren Schulen sind in Gefahr, durch den starken Schülerzustrom ihren Charakter als Auslese der geistig Besten zu ver­lieren.

Abg. Dr. Müller (Cbbb.) fordert Einheitlichkeit der Schulbücher, die sich beinahe jährlich ändern. Die Erteilung des Re­ligionsunterrichts in der Simultanschule muh unbedingt in christlich-positivem Sinne erfolgen. Solange die Städte nur die jetzigen geringen Polizeilasten zu tragen haben, lehnt der Land­bund die Erhöhung der Schulbeiträge der Land­gemeinden ab. Die Experimente mit der Be­rufsschule auf dem Lande müssen endlich auf­hören. Die gewerblichen Fortbildungsschulen kön­nen den anerkannten Kammern unterstellt wer­den. Durch die Amstellung der Lehrerbildung vom Seminar auf pädagogische Institute ist der Lehrernachwuchs vom flachen Lande gehemmt worden, da die Ausbildung zu teuer geworden ist. Den Zustrom ländlichen Lehrernachwuchses fimmel mit. Die für die Deamtcnlaufbahn und dieManschettenberufe" notwendigen Kräfte sind auf ein Lebensalter hinaus bereits vor­handen.

Abg. Birnbaum (D. Bp.) bedauert die Ablehnung der volksparteilichen Anträge auf Abbau in der Zentrale, um den Qlbbau an der Volksschule zu vermeiden. Wenn der Staat an der Volksschule sparen muß, sind zuerst die Sonderklassen heranzuziehem denn die achtklassige Volksschule wollen wir unbedingt er­halten. Die früheren Mittelschulen hätten sich durchaus bewährt. Wenn begabte Schüler nach drei Jahren für die höhere Schule reif sind, sollte ihnen der Aebertritt ermöglicht werden. Leider ist der volksparteiliche Antrag auf Streichung der Schulgelderhöhung von der Koalition ab­gelebt worden. Die Abbaumahnahmen der Re­gierung und die Aeberfüllung der Klassen haben mit Recht zu den schweren Klagen der Eltern­schaft geführt. In den Volksschulen sollte die Klassenstärke 40 bis 45, in den höheren Schulen 30 bis 35 Schüler nicht übersteigen. Wir wün­schen vermehrte Abhaltung von Glternaussprache- abenben mit der Lehrerschaft. Mit der hessischen I

Simultanschule, wenn sie in dem notwendigen christlichen Geist geführt wird, sind wir völlig einverstanden. Sie muh aber auch unseren vater­ländischen Schulforderungen entsprechen. 3n der Schulgestaltung muh die Heiligkeit des Men­schenlebens und der Natur in den Vordergrund gerückt werden, um viele der heutigen Aus­wüchse zu unterbinden. Das Jugendherbergs­wesen und Jugendwandern bedarf der Förde­rung, wenn wir auch gewisse Schattenseiten der Schmälerung der Elternrechte nicht verkennen. Wir wünschten, daß alle parteipolitischen Ab­sichten von der Jugend ferngehalten bleiben. In den Schulen sind mehr als 30 Schulstunden nicht notwendig. Die Pflege des Deutschtums im Ausland und der Kolonialgedanke sollten im Anterricht stärker betont werden. An dem Dildungswerk haben Frau und Mann gleichbe­rechtigt mitzuarbeiten.

Abg. Reiber (Dem.) beklagt die Versandung der Reichsschulgesetz­gebung. In Hessen vermissen wir noch immer das Gesetz über die höheren Schulen. Wir weisen den Vorwurf zurück, daß der Religionsunterricht von der Lehrerschaft ungenügend erteilt werde. Das Landeskirchenamt habe'nie Klage geführt. Die große fulturreattionäre Offensive wird die Demokraten auf dem Posten finden. Den Volks- schulabbau lehnt eine Minderheit der demokrati­schen Fraktion ab. Die Erhöhung der Klassen­stärke können wir unter keinen Amständen mit» machen. Das rückwirkende Abbauverfahren ist nicht zu billigen. Ist bei dem Abbau konfessionell paritätisch verfahren worden? VonHalb-" und Zweidrittellehrern" wird jetzt noch zwangsmähig der volle Dienst gefordert. Der Staat darf keine Lehrer behalten, die den heutigen Staat Um­stürzen wollen.

Aus dem Gesehgebungsausschuß. Die obligatorische Trichinenschau.

Darmstadt, 12. Juni. (WHP.) Der G e - sehgebungsausschuh des Hessischen Land­tags behandelte heute nachmittag in zweiter Lesung den Gesetzentwurf über die obliga­torische Trichinenschau. Die Frage der Hausschlachtung wurde in folgendem neu ein» gefügten Artikel 2 geregelt:Bei den in Art. 1 genannten Tieren, deren Fleisch ausschließlich im eigenen Haushalt des Besitzers verwendet wer» den soll, darf die Antersuchung unterbleiben. Eine gewerbsmäßige Verwendung des Fleisches, bei welchem auf Grund des Absatzes 1 die Unter­suchung unterbleibt, ist verboten. Als eigener Haushalt im Sinne des Absatzes 1 ist der Haus­halt der Kasernen, Krankenhäuser, Erziehungs­anstalten, Speiseanstalten, Gefangenenanstalten, Armenhäuser und ähnlicher Anstalten, sowie der Haushalt der Schlächter, Gast-, Schank- und Speisewirte nicht anzusehen." In Artikel 1 wurde von der obligatorischen Trichinenschau außerdem noch befreitdas zum Reiseverbrauch mitgeführte Fleisch". Die Artikel 37 des Ge­setzes werden dann im Wortlaut der Regierungs­vorlage angenommen.

lch c n Fragen fcststcllcn,. sowie dcr Hoffnung Ausdruck verleihen, daß die nahe bevorstehende Zu­sammenarbeit der beiden Regierungen in wirk­samer Weise zur Festigung des Friedens und zum Wohle Europas beitragen möchte.

Königinwitwe Maria in Bukarest.

B u k a r e ft, 12. Juni. (WTB.) Die Königin- witwe Maria traf heute abend in Bukarest ein. Zu ihrem Empfang hatten sich sänitliche Mit­glieder der königlichen Familie auf dem Bahnhof eingefunden, unter ihnen auch König Carol, der mit seiner Mutter ein überaus herzliches Wie­dersehen feierte. Ferner waren anwesend der Sohn des Königs, Thronfolger Michael, der Bruder des Königs, Prinz Nikolaus, Prinzessin H c - le na und die ehemalige griechische Königin Eli­sabeth.

Könginwitwe Maria von Rumänien lieh am Mittwochabend auf ihrer Durchfahrt durch Wien durch den rumänischen Geschäftsträger, Dr. Z a - b o r o w f k i, folgendes mitteilen:Ich reife in mein Land zurück, um dem König nützlich sein zu können, da ich weiß, daß er eine große und be­deutungsvolle Sendung zu erfüllen hat. Ich bin überzeugt daß sich die ganze Königliche Familie um den König sammeln wird und hoffe, Prinzessin Helena bald als K ö n i g i n zu sehen. Mein sehn­lichster Wunsch ist, dah es dem König gelingen möge, die politischen Parteien und alle lebendigen Kräfte Rumäniens um sich zu scharen, um die große Arbeit, die ihn erwartet, vollenden zu können.

Tie neue äiöniqm von Rumänien.

Bukarest, 13. Juni. (TH. Funkspruch.) Durch einen Erlaß König Carols hat seine geschiedene Gemahlin, Prinzessin Helene, das Recht erhalten, den TitelM a j e st ä t" zu führen, was einer Proklamation zur Königin gleichkvmmen dürfte.

Gescheiterte Kabinettsbildung.

Bukarest, 12. Juni. (WTB.) Der vom König mit der Kabinettsbildung betraute General Presan hat den Auftrag zurück­gegeben.

Oie Flottenabrüstung.

(Line Rede des amerikanischen Staats­sekretärs Stimion.

Washington, 13. Juni. (WTB.) Staats­sekretär S t i in s on ermahnte in einer Rundfunk­rede die öffentliche Meinung der Vereinig­ten Staaten, die Opposition und die Propaganda gegen den Flottenpaktein- a u ft e 11 e n und die Regierung, sowie die pakt- freundlichen Senatoren darin zu unterstützen, daß der Vertrag noch in diesem Sommer ratifiziert werde. Eine dkrxogerung bis zum Herbst gebe lediglich den Militärs die er­wünschte Gelegenheit, ihre Hetzkampagne zu be­treiben, bis wieder Mißtrauen zwischen den Völ­kern entstehe und der in mühsamer Arbeit auf- gebaute Flottenpakt, selbst wenn er schließlich ratifiziert wird, seine Wirksamkeit und damit seinen Zweck einbüßt. In scharfen Worten

wandte sich Stimson gegen die Admi­rale, die nur in einer möglichst starken Flotte eine Sicherheit für den Weltfrieden sähen, und beglückwünschte Amerika dazu, dah seine Ver­fassung die Entscheidung über diese Fragen der Regierung und dem Kongreß Vorbehalte, nicht aber den berufsmäßigen Kriegern, die durch ihre militärische Erziehung einseitig undhalb- blind" geworden seien und nicht sehen könnten, daß man durch allzustarke Rüstungen den Krieg nicht vermeide, sondern provoziere. Amerika be­nötige nicht mehr eine so große Flotte, wie im Weltkriege. Der Londoner Pakt sei ein großer Schritt vorwärts auf dem Pfade der Entwicklung der Abrüstungsidee, di? nicht auf einmal, sondern nur dank ständigen Mühens um ihre Verwirklichung allmählich ihr Ziel erreichen könne.

Ein italienischer Offizier als Spion in Güdfrankreich.

Paris, 13. Juni. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Meldung desJournal" aus Nizza, soll dort vor vier Tagen der italienische faschistische Offizier Fortunato Volle verhaftet worden sein, dcr in Südfrankreich häufig Reisen unternahm. Mon soll bei ihm Pläne und Skizzen über die fran­zösische Militärorganisation in der Dauphinö gefunden haben.

Aus aller Welt.

Furchtbares Antonwbilunglück.

Kassel, 13. Juni. (WTB.) Wie dasKasse­ler Tageblatt" ^ius Veckerhagen (Weser) berichtet, ereignete sich gestern abend ein außer­ordentlich schweres Qlutomobilun- glück am Hemelberg. Das Mindener Pionier­bataillon passierte mit mehreren Personenwagen, einer großen Anzahl von Motorrädern und 25 bis 30 Lastautomobilen mit Anhänger die Straße von Hemelberg nach Veckerhagen. Infolge Ver­sagens einer Bremse fuhr der erste Lastkraftwagen in einer unübersichtlichen Kurve mit großer Ge­schwindigkeit a u f eine kleine Brücke a uf und stieß dort gegen eine Mauer, wobei er sich quer über d i e Straße legte. Ihm folgten mehrere Lastautos, die den ersten Wagen ramm­ten und mit furchtbarer Wucht über öie Brücke hinweg in eine Tiefe von vier bis fünf Meter stürzten. 3m ganzen sind vier Lastautos des Zuges, der die Kurve zu passieren hatte, auf die Brücke gerast. Rach Be­richten von Augenzeugen sind etwa a ch t Schwer - und zehn Leichtverletzte fest- gestellt worden. Ob sich auch in den in die Tiefe gestürzten Wagen noch Soldaten befinden, konnte im Augenblick noch nicht festgestellt werden.

Brand eines titanischen Städtchens.

K o w n o, 12. 3uni. (WTB ) Das bei Ponewjesh gelegene Städtchen Rosalima steht seit heute morgen in Flammen. Dis gegen 12 Hhr mittags waren bereits über 20 Häuser mit sämtlichenWirtschaftsgebäudennie- bergebrannt. Zur Bekämpfung des Feuers wurden sämtliche Feuerwehren der Umgebung herangezogen. Auch die Kownoer Feuerwehr ist zur ®ranbftefte auSgerückt, obwohl dieser Ort

Ser neue deutsche Gesandte in Setgrad im Amt.

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Gesandter Ulrich von Hassel, der Nachfolger des verstorbenen deutschen Gesandten in Jugoslawien Dr. Köster, hat in Belgrad sein Beglaubigungs­schreiben Überreicht.

etwa 100 Kilometer von Kowno entfernt liegt Da das Feuer bei der herrschenden Trockenheit! mit unheimlicher Schnelligkeit um sich greift, besteht die Gefahr, daß das ganze Städtchen niederbrennt. Die Bewohner verlassen Hals über Kopf die bedrohten Häuser.

Deutsche Preisträger der Wiener Akademie.

3n einer feierlichen Sitzung der Akademie der Wissenschaften wurden aus Deutschland zu kor­respondierenden Mitgliedern der Archäologe Professor Dr. Wilhelm D o e r p f e l d und der Professor der Geographie an der Uni­versität Heidelberg Dr. Alfred Hettner ge­wählt. Die Akademie der Wissenschaften verlieh den Hans-Girg-Preis für Botanik dem Professor für Botanik an der Universität Göttingen Dr. Fritz Wettstein-Westersheim und den von der Aerztevereinigung Semmering gestifteten Preis für Höhenphysiologie und Höhenpatho­logie dem Assistenten Dr. Robert Mark an der Universität Würzburg.

Ein Flugzeug ins Wasser gefallen.

Berlin, 13.3uni. (CNB.) Das auf dem Wege von Kiel nach Königsberg befindliche Junkersflugzeug D 1 45 9 beabsichtigte, mit fünf Passagieren auf dem Jasmunder See bei K ö s l i n eine Zwis chenlandung vorzunehmen, die bereits von vier anderen Flug­zeugen vorher glatt durchgeführt worden war. 1) 1459 wurde, so berichtet dasB. T.", beim Aufsetzen der Schwimmer glatt vom Rumpf abgerissen. Das Flugzeug versackte so­fort im Wasser. Mit Hilfe der Insassen der vier übrigen Flugzeuge, die sich in der Nähe aufhielten, wurden der Pilot und sämtliche fünf Passagiere gerettet.

Vier Insassen eines Autos ertrunken.

Riga, 12. Juni. (WTB.) Ein mit fünf Per­sonen besetztes Auto stürzte in den B l a s l a - F l u ß (Rordlettland). Der Chauffeur konnte sich retten, die übrigen Ins assen er­tranken.

Ein Auto von stürzenden Felsen zerschmettert.

Paris, 12.Juli. Wie Havas aus Grenoble berichtet, löste sich während eines Gewitters an der Straße GrenobleLa Börarde ein Felsstück und stürzte auf einen vorüberfahrenden Kraft­wagen, der mit neun Personen besetzt war. Zwei der Insassen wurden getötet.

2000 Kilometer zum Zahnarzt.

Der Weg zum Zahnarzt erscheint so manchem recht lang aber keiner hat wohl je einen län­geren Weg zu diesem so notwendigen, aber so wenig angenehmen Ziel gemacht als ein kanadischer Trapper namens F. Jacobson. Wäh­rend seiner Arbeit am Krönungs-Golf im wil­den Norden von Kanada bekam dieser Mann plötzlich heftige Zahnschmerzen und sah sich nach einem Arzt um, aber in der Hingebung der nächsten 2000 Kilometer war keiner zu finden. Zuerst reifte er mit seinem Hundeschlitten 21 Tage bis nach Aklawik, dem nächsten Ort, der immer­hin 1250 Kilometer entfernt war. Doch hier gab es keinen, der ihn sachkundig von seinen Schmer­zen hätte befreien können. Daraufhin mietete er sich ein Flugzeug und flog nach der Stadt Whitehorse im Jukon-Gebiet. Auch da fand er nicht, was er suchte. Nun setzte er sich auf den Zug und fuhr nach einer Stadt in Alaska, von wo er den Dampfer nach Vancouver nahm. Hier erst konnte er den so lange gesuchten Zahn­arzt in Nahrung setzen, indem er sich von ihm den schlimmen Zahn ausziehen ließ. Er hatte also eine Reise von 32 Tagen machen und mehr als 2000 Kilometer zurücklegen müssen, um sich von seinem Zahnschmerz zu befreien. Das ist ein schönes Beispiel der Hartnäckigkeit, das man allen denen, die sich so gern um den Besuch beim Zahnarzt herumdrücken, zur Nachahmung empfehlen möchte.

Berliner Börse.

Berlin, 13. Juni. (WTB. Funkspruch.) Nachdem die Kurse an der gestrigen Frankfurter Abendbörse bei anhaltender Geschäftsstille eher zur Schwäche neigten, konnte man im heutigen Frühverkchr noch keine Tendenz erkennen, da sich die Spekulation voll- kommen abwartend verhielt. Kurse waren noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,83, London gegen Mailand 92,7250, London gegen Spanien 40,60, London gegen Schweiz 25,0713, London gegen Kabel 4,8584, Lon­don gegen Berlin 20,3613, Kabel gegen Berlin 4,1910, London gegen Buenos 42,06.