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Aus der Provinzialbaupisiadi
Gießen, den 13. Juni 1930.
Kinder, Eltern, Lehren
Obgleich das Verhältnis zwischen Schule und Haus auch heute noch häufig viel zu wünschen übrig läßt, obgleich es in den Großstädten noch häufig vorkommen mag. daß sich Klassenlehrer und Sltern überhaupt persönlich gar nicht kennen, darf aus der Erfahrung heraus doch awch wieder behauptet werden, daß im allgemeinen Mts Eltern heute in näherer Verbindung mit der Schule leben, als früher. Für die Grundschule trifft diese erfreuliche Feststellung Wohl noch besonder- zu. ES ist hauptsächlich die Mutter, die heute vielsach den Dang zur Schule macht, um dort ihrer kleinen Kinder Schicksal weiter zu verfolgen und auch etwas von dem neuzeitlichen Schulleben kennenzulernen. Di« Eltern können den Gang zur Schule um so lieber und unbefangener tun, alS es dem gewissenhaften Lehrer nur erwünscht fein wird, mit der Familie des Kindes in steter Fühlung zu bleiben. Die gegenseitigen Aussprachen zwischen Eltern und Lehrern sind fast immer ertragreich. Da kann von beiden Seiten manches Mißverständnis weg- aeräumt werden. Es fehlt freilich auch nicht an Fällen, wo es zu ärgerlichen Meinungsverfchie- denheiten, ja Zusammenstößen kommt, zu bedauerlicher Entfremdung beider Teile. Aber auch ffi, wo man äußerlich glatt, scheinbar überzeugt, auseinandergeht, da bleibt nicht selten im geheimen ein ungeklärter Rest übrig, es lebt doch manchmal die Lleberzeugung weiter, daß der andere Teil nicht recht gesehen und zutreffend geurteilt hat. Meist werden es die Eltern sein, besonders die Mütter, die mit der Meinung von dannen gehen, daß ihr Kind doch falsch eingeschätzt, daß es verkannt wird. Woraus erklärt sich dieser Mmftanb? Wer beurteilt daS Kind treffender, die Eltern oder der Lehrer?
Die Mutter wird natürlich behaupten, daß sie ihr Kind am besten kennt, und es spricht ja auch viel dafür. Die Mutter hat ihr Kind von klein auf und fast immer um sich, jedenfalls mehr als der Lehrer, der es nur an einigen Stunden des Tages sieht und der die Klasse ja auch manchmal wechselt. Die Mutter hat also viel mehr Gelegenheit, ihr Kind zu beobachten. Dazu kommt, daß sich ihr gegenüber das Kind ganz anders gibt, als in der Schule, wo die Gegenwart der andern Kinder, ferner die immerhin fremdere Person des Lehrers, das ganze Schulleben daran hindert, offen aus sich herauszugehen, sich aufrichtig zu geben. Der Mutter aber erschließt sich das Kind ganz und gar, zu ihr kommt es mit seinen großen und kleinen Freuden und Roten, da gibt es sich, wie cs eb<*n denkt und fühlt. Dieser unbefangenen Hingabe kommt die große, die fast immer aus der Liebe heraus gesteigerte Teilnahme der Mutter entgegen. Sie trägt ihr Kind immer im Herzen, sic hat für alle seine Lebensregungen einen empfänglichen Sinn, sie will beobachten und erforschen, sie möchte ein möglichst vollkommenes Vild ihres Kindes erlangen. Die Mutter erkennt ihr Kind auch in seiner gesamten Persönlichkeit, nicht nur wie es (efnt, was es kann, sondern auch wie es sonst in feiner ganzen Art ist. sie erlebt und kennt seine Eharaktercigen- tümlichkeiten, feine Stärken und Schwächen; aus der Vererbung, aus der Familiengeschichte wird ihr mancher kindliche Wesenszug klar.
Der Lehrer steht der Mutter von vornherein in zweifacher Beziehung nach. Er hat eine ganze Klasse zu betreuen, hat sie nur ein Jahr vor sich, im günstigsten Falle einige Fahre. Da kann ihm wohl einmal das eine oder andere, aber nicht jedes Kind so nahe kommen wie der Mutter. Sodann fehlt ihm aber doch bei aller Menschenliebe das Mutterherz. Er wird nicht mit der ganzen Liebe und tiefen Teilnahme einer Mutter allen Aeußerungen seiner Schüler nachgehen. eben auch darum nicht, weil auch da- Kind das heraussühlt und in einer gewissen (Entfernung zum Lehrer bleibt. Der heutige Lehrer ist zwar vom Gedanken durchdrungen, daß er nicht nur zu unterrichten, sondern auch zu erziehen hat; er wird sich auch die größte Mühe geben, die ganze kindliche Persönlichkeit kennen zu lernen und zu bilden, aber sein Beruf bringt es doch mit sich, daß er seine Aufmerksamkeit meistens auf den Unterricht verwendet. Er wird daher auch besser als die Eltern imstande sein, die Anlagen und Schulleistungen des Kindes zu beurteilen. Vor allem sieht er das Kind unter den vielen andern er kann leicht vergleichen. Die
Eltern sind vielleicht von den guten Leistungen ihres Kindes überzeugt, aber sie sehen doch nut ihr Kind, nicht die ganze Klasse, ni<trt die andern noch tüchtigeren Kinder. Der Lehrer beurteilt den Schüler als Gemeinschaft^wesen. Auch die Mutter hat dazu zwar Gelegenheit, denn sie sieht das Kind täglich im Verhältnis zu seinen Geschwistern, beobachtet es im Spiel mit seinesgleichen. Aber der Lehrer hat das Kind immer in der Gemeinschaft der andern vor sich, immer unter vielen Mitschülern. Dadurch kann er doch eher zu andern und zu treffenderen Urteilen kommen, als die Eltern. Wenn ihm t>ie elterliche Einstellung zum Kinde abgeht, dann damit auch ein gewißer Aachteil, nämlich die Aeigung, alles beim Kinde schön zu finden, in ihm ein Wunderkind zu erblicken, Ser Lehrer wird in der Regel unbefangener und deshalb nicht selten richtiger urteilen.
Wer also kennt das Kind am besten? Die Eltern oder der Lehrer? Wir können nicht den einen Teil allein nennen; beide haben reichlich Gelegenheit, das Kind zu beobachten und aus der Erfahrung zum rechten Urteil zu gelangen. Wenn beide Erzieher nicht immer übereinftunmen, so liegt es zum fotzen Teil an der verschiedenen Einstellung und besonders daran, daß die Eltern ihr Kind mehr als Einzelwesen, daheim im Hause kennen lernen, der Lehrer es dagegen mehr als Glied einer größeren Gemeinschaft sieht.
Wenn eine verschiedene Beurteilung so leicht möglich ist, ist die gegenseitige Aussprache um so nötiger. Wenn sie in guter Absicht und mit der nötigen Ruhe geführt wird, werden Eltern und Lehrer dadurch neue Einblicke gewinnen, Irrtümer werden aufgeklärt und beseitigt werden. Es ist nicht nur für das Kind, sondern auch für Eltern und Lehrer am besten, wenn Einigkeit zwischen beiden Erziehern herrscht und nicht das quälende Gefühl im Herzen zurückbleibt, daß das Kind falsch, oder etwa gar bewußt ungerecht beurteilt und behandelt wird. D. K. u. S.
Elektro-Koch- und Äraweranstaltungen
Die Hausfrauen-Deratungsstell«, deren segensreiches Wirken bereits bei anderen Gelegenheiten gebührend heroorgehoben wurde, veranstaltete gestern nachmittag zusammen mit der Elektrogemein- schäft <m Saale des Coss Leib Koch-, Back- und Bratoorführungen mit neuzeitlichen Elektro-Herden und -Backöfen, hiermit verbunden war eine Ausstellung von elektrischen Herden und Geräten. Während die Bühne als Ausstellungsraum für Herde und Defen in äußerst geschmackvoller Weise her- gerichtet war, bot der Vorraum das Bild einer mit allen elektrischen Einrichtungen versehenen Küche. Auch diesmal hatten sich wieder eine Anzahl Damen zur Verfügung gestellt, die unter Leitung von Frau Oberstudiendirektor Kalbfleisch die Vorbereitungen für die vorgesehenen Koch- und Bratoorführungen trafen und auch hierbei wertvolle Dienste leisteten. Der Vorsitzende der Elektrogemeinschaft Dr. G o e r e s begrüßte die Erschienenen und wies kurz auf den Zweck der Veranstaltung hin. Frau Dr. Koppe, Leiterin der Hausfrauenbera- tungsstelle, war die Aufgabe zugefallen, die bei den Vorführungen verwendeten Rezepte zu erläutern. Ihre Ausführungen ließen erkennen, daß sie auch auf dem Gebiete der Kochkunst wertvolle Anregungen zu geben vermag.
3m Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag von Frau Dr. Jakob (Iserlohn) über das Thema: ..Der elektrische Herd und seine zweckmäßige Verwendung". Hiermit verbunden war die Herstellung von Speisen und Backwaren mittelst Elektro-Herden und -Backofen. Während der Zubereitung erläuterte die Rednerin die Konstruktion des elektrischen Herdes, zeigte seine vielseitige Verwendungsmöglichkeit, um sich dann eingehend mit der Art der Zubereitung der Speisen und der Behandlung des Herdes zu beschäftigen. Sie behandelte weiter die Verwendungsmöglichkeiten des elektrischen Dratofens, gab Erläuterungen über die Vorteile der Fett- ersparnis, der Ausnutzung der Wärme und der Warmhaltung der Speisen, um schließlich auf die leichte Handhabung, sowie die Ersparung von Zeit und Arbeit hlnzuweisen. Weiter zeigte die Rednerin noch die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten der Elektrizität bei Maschinen und Geräten für Küche und Haus. Die nach Schluß des Vortrags verabreichten Kostproben stellten den an der Zubereitung beteiligten Damen ein gutes Zeugnis aus. Heute abend findet im gleichen Saale eine Wiederholung der Veranstaltung statt, deren Besuch mit Rücksicht auf
die dort gebotenen wertvollen Anregungen empfehlenswert erfcheint.
Boolstame bei der
Bei den Bootshäusern und auf der Lahn kann man allabendlich ein reges sportliches Treiben beobachten. Die Ruderer befinden sich gegenwärtig im Training und werden nach allen Regeln der Kunst auf die kommenden großen Regatten vorbereitet. Es ist sehr lehrreich, zu beobachten, wie hier unter sachkundiger Leitung dem Rudersport gehuldigt wird; der Anblick dieses Sportbetriebes dürste zugleich von einer lebhaften Propagandawirkung für den schönen, gesunden und namenllich für die Jugend besonders geeigneten Rudersport sein. Besonder- bemerkenswert ist, wie die älteren Ruderer bemüht sind, ihre jüngeren Kameraden sportlich auf die Höhe zu bringen. Der Rudersport ist gesund, aber das Fahren Im Rennboot ist als eine Fähigkeit zu bezeichnen, die nur mit viel Ausdauer, Energie und Liebe zur Sache erlernt werden kann. Der Gießener Ruderklub H a s s i a 1906 e. D. hat sich für Trainingszwecke ein neues Motorboot bauen lassen, das die Trainings- rnannschasten auf der Hebungsfahrt begleitet; die Anschaffung des BooteS ist ein bemerkenswerter Fortschritt, der dem Verein zu Rutzen und zur Ehre gereicht. Am kommenden Sonntag, 15. Juni, soll die Taufe des neu erworbenen Bootes der „Hassia" stattfinden. Räheres über die Veranstaltung ist der heutigen Anzeige zu entnehmen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Goe- the-Bund: Mitgliederversammlung, 17 Hhr, Lase Astoria. — Elektro-Gemeinschaft und Hausfrauenberatung: Elektrv-Koch- und Bratvorfüh- rungen, 20 Ähr, Lafö Leib. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Man schenkt sich Rosen, wenn man verliebt ist"; auf der Bühne: Eisballett Rose und Honey with Morrison.
* Vereinfachte Abfertigung von Kraftwagen bei der Bahn. Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. hat Vern Kreisamt Gießen mitgeteilt, daß der Bahnhof Gießen in das neue Abfertigungsverhchren für die Beförderung von Personenkraftwagen zu halben Gepäckfrachtsätzen mit sofortiger Gültigkeit ein* bezogen wurde. —
•• Einlösung der Gewerbescheine. Das Finanzamt Gießen erinnert an die Einlösung der Gewerbescheine. Diese kann ohne Kosten noch biS zum 30. Juni d. 3. bei der Finanzkasse erfolgen. (Dgl. die heutige Bekanntmachung.)
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber 'einerlei Verantwortung.)
Staufenberg.
Die Burg Staufenberg, die sich seit langen Jahren in bet näheren und weiteren Umgebung als Ausflugsort stets einer großen Beliebtheit und eines sehr guten Rufes erfreut, ist in der Rachkriegszeit zu einer Volksoelustigungsstätte geworden, an der sich allfonntäglich abends die Jugend der umlirgentcn Orte einzufinden pflegt, da hier häufig ^.auzgelegenheit geboten wird. 3m allgemeinen wäre dagegen nichts eirzuwenden, wenn der hierdurch entstehende Verkehr in den Dorfstraßen durch das Singen und Schreien,' sowie Autofahren bzw. Motorradgeknatter sich nicht bis nach Mitternacht ausdehnte und der entstehende Radau nicht zu einer unerträglichen Belästigung der Einwohnerschaft führen würde. Daß auch eine an so hoch gelegener Stelle im Freien bis nach Mitternacht spielende Blasmusik über das ganze Dorf hinweg schallt, wie dies z. B. am zweiten Pfingstseiertage wieder der Fall war, und dadurch von dem größten Teil der um ihre Rachtruhe gebrachten Mitbürger als eine äußerst unangenehme Störung empfunden wird, dürfte jedem unparteiischen Beurteiler ohne weiteres klar fein. Würden diese Erscheinungen nur gelegentlich, wie früher bei Festen oder Kirchweihen, zutage treten, so dürfte kaum jemanb hieran Anstoß nehmen. Sie sind aber bei uns zur Zeit so an der Tagesordnung, daß eine ruhige Sonntagnacht zur Ausnahme gehört? Diese im Rarnen vieler Einwohner vorgebrachte Klage dürfte hoffentlich dazu beitregen, die Mißstände abzustellen. H. B.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
• Hohensolms. 12. 3uni. Heute beginnt tm Heim des Ehristdeutfchen Bundes die 5. H o h e n- 1 o l m f e r Studententagung. Das diesjährige Thema: „Religion und Politik' hat viele Studenten und Studentinnen aller deutschen Universitäten angelockt, so daß mit 80 bi- 90 Teilnehmern zu rechnen ist. Es werden sprechen: Privatdozent Dr. W e n d l a n d, Heidelberg, über „Rationalismus"; Prof. D. Piper, Münster, über ..Klassenkamps" und Studentenpfarrer Lic. Fricke, Frankfurt, über „Deutschland zwischen Ost und West". Die Tagung schließt am Sonntag. 15 Juni, mit einem FestgotteSdienst. in dem Studentenpfarrer W i e s e n f e l d t, Göttingen, predigen wird.
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Wettervoraussage.
Heber dem nördlichen Deutschland und dem Küstengebiet hat sich eine flache Storung gebildet, unter derem Einfluß während der verflossenen Rächt stellenweise Gewitterstörungen und auch Riederschläge auftraten. Von der Rordsee bringt die Störung etwas kühlere Luft südwärts, wobei zunächst auf dem überhitzten Festlande sich Gewitterstörungen bilden dürsten. Die Beeinflussung ist jedoch nur vorübergehend, denn mit dem folgenden Darometeranstieg gewinnt der hohe Druck über den britischen Inseln wieder über Deutschland an Raum. Infolgedessen ist erneut heiteres und trockenes Wetter bei ansteigenden Temperaturen zu erwarten.
Aussichten für Samstag: Vorübergehende Gewitterstörungen mit einzelnen Riederschlägen und leichte Ab^hlung.
Aussichten für Sonntag: Vielfach heiter und trocken, wieder wärmer. /
Reiferodferblenff.
Westerland auf Sylt: 18 Grad, Rord- westwind, Gewitter.
Vaden-Baden: 21 Grad, Südwestwind, heiter.
Berchtesgaden: 17 Grad, Ostwind,heiter.
Gelbe RaucherzLhne. „Nach langem Suchen endstch das Nichtige für meine Zähne. Nach dreimaligem Gebrauch blendend weiße Zähne, trotzdem diefelbm durch vieles Rauchen braun und unschön wirkten. Ich werde nicht, anderes mehr gebrauchen, als Chlorodont." B.. Horst Berg. — Chlorodont: Zahnpaste 00 Pf. und 1 Mk., Zahnbürsten, Mundwaster 1 Mk. bei höchster Qualität. In allen Chlorodont- Verkaufsstellen zu haben.
sein.
wird bei der Herstellung wertvoller Orientcigaretten verlangt, und deshalb muß diese Eigenschaft die wichtigste Tugend der OVA-MÄDCHEN
Die pflegliche Behandlung hochempfindlicher Edeltabake beansprucht ununterbrochene Aufmerksamkeit, denn es handelt sich um die Qualität der Orientcigarette
REEMTSMA


