polnischen Abkommen auch die große Ge fahr der Zerstörung jener nationalen Entschlossenheit, die wir brauchen für den entscheidenden Kampf, der ausoefochten wird zwischen dem Deutschtum und einem Polen, das mit brutalsten Mitteln die Men- schenrechte auf deutscher Seite unterdrückt.
Abg. Straffer (Rat.'Soz.)
verließt eine längere Erklärung seiner Partei, in her es wiederholt heißt, es seien Lügen, was die Regierung zur Empfehlung des Poirngplanes vorgebracht habe. A(s von der Linken gegen diese Wendung protestiert wird, erklärt Präsident Lobe, er nehme an, daß der Redner nur theoretisch von Lüge spreche. Mit lauten Entrüstungsrufen links und in der Mitte wird eine Stelle der Erklärung beantwortet, in der die Regierung des Volksverrates beschuldigt und angekündigt wird, ein kommender nationalsozialistischer <2toatsgerichtshos werde die Köpfe derjenigen fordern, die den Poungplan annehmen. Präsident Lobe erteilt dem Redner einen Ordnungsruf.
Abg. Gchmi-t-Hannover (Onl.) erklärt der Poungplan werde Katastrophenentwicklungen zur'Folge haben. Den optimistischen Feststellungen demokratischer Fachleute über die glänzenden Aussichten deutscher Kapitalbildung stehen st erbende Aecker, steigende Konkursziffern, und wachsende Arbeitslosenheere gegenüber. Angesichts der letzten Entwicklungen überschlägt sich die Presse in Anbiederungsversuchen an den Reichspräsidenten. Während der Hindenburgwnhl hieß es anders. Die Jugend wird dem von der brüchigen Massendemokratie unterschriebenen Wechsel nicht honorieren. Aus dem Poung-Deutschland wird ein Jungdeutschland entstehen, für das die Abstimmungen dieser Mehrheit keine Geltung haben. Diesem kommenden Deutschland gilt unser Gruß.
Dr. Krick:
Als bevollmächtigter Vertreter des Landes Thüringen habe ich folgende Erklärung abzugeben: In schroffem Gegensatz zur Reichsregie- rung sieht die Regierung des Landes Thüringen in der Annahme des Voungplanes und des deutsch-polnischen Liquidationsabkoqrmens das größte nationale Llnglück und das Ende der Selbständigkeit der Länder. Während auf der einen Seite die uferlose Erfüllungs-- und Tributspolitik dem -deutschen Volk auf Generationen hinaus Lasten auferlegt, von deren Untragbarkeit die Befürworter dieser Politik selbst überzeugt sind, entzieht sie auf der anderen Seite den Ländern die Mittel und nötigt sie zur Beschränkung der Ausgaben für die wichtigsten Kulturaufgaben. — Die Erklärung schließt mit der Versicherung, die thüringische Regierung wolle den Mittelpunkt bilden für einen fanatischen Widerstands- und Freiheitswillen des deutschen Volkes.
Preußischer Reichsratsbevollmächtigter Dr. Brecht: Die große Mehrheit des Reichsrats steht auf einem ganz anderen Standpunkt als die thüringische Regierung. Die vereinigten Ausschüsse des Reichsrats haben die Annahme des Voungplans für notwendig erklärt aus den im Protokoll niedergelegten Gründen.
Nie Abstimmungen.
Darauf beginnt bei starker Besetzung des Saales und der Tribünen um 16.25 Ahr die Abstimmung. In namentlicher Abstimmung wird das Gesetz über die Haager Konferenz mit 265 gegen 192 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen angenommen. Dafür haben gestimmt Sozialdemokraten, Zentrum, Deutsche Volkspartei und Demokraten. Die Mitglieder der Bayerischen Volks- Partei haben sich teils der Stimme enthalten, teils gegen die Vorlage gestimmt. Vom Zentrum haben die Abgeordneten Bornefeld-Ettmann, Feilmayr und Dr. Föhr mit Rein gestimmt. Von der Deutschen Volkspartei, die im übrigen dafür gestimmt hat. haben sich die Abgeordneten von Gilsa, Günther. Hucck und Kön- geter an der Abstimmung nicht beteiligt. Von der Bayerischen Volkspartei, die im allgemeinen mit Rein gestimmt hat, hat der Abgeordnete Dr. Bayersdörfser mit Ja gestimmt, während sich die Abgeordneten Emminger, Leicht und Trohmann der Stimme enthalten haben.
Auch das Reichsbahn- und Reichsbankgesetz, sowie das Schuldenabkommen mit Amerika lind die Liquidationsoerträge werden mit ähnlichen Mehrheiten angenommen. Bei der namentlichen Abstimmung über das Polenabkommen haben mit Ja gestimmt 235 Abgeordnete, mit Nein 216, enthalten haben sich 8 Abgeordnete. Vom Zentrum haben g e g en das Polenabkommen gestimmt die Abg. Beck - Oppeln, Blum, Bornefeld - Eltmann, Damm, Diez, Ehrhardt, Fahrenbach, Dr. Föhr- Baden, Hermes, Jmbufch, Dr. Köhler, Neumann, Perlitius, Dr. Scheiter, Ulitzka und Warnke. Der Stimme enthalten haben sich die Zentrumsabgeordneten Crone-Münzebroock, Dr. Drees, Feil- maijr, Schlack und Wilkens. Die übrigen Zentrumsabgeordneten stimmten für das Abkommen. Von der Bayerischen Volkspart ei haben sich die Abg. Leicht und Emminger der S 1 i m m e e n t h a l- ton, alle übrigen stimmten mit Nein,, Von der Deutschen Volkspartei hat sich) der Abg. Dr B e ck e r - H e f s e n d e r S t i m m e'<^l t h a l- ten, der Abg. Dr. Hugo fehlte. Gegen das Polenabkommen stimmten die Abg. Cramm, von Gilsa, Dr. Hofs, Dr. Hueck, Zanson, Dr. Köngeter, Dr. Leutheußer, Schmidt Düsseldorf und Dr. Schnee, die übrigen Mitglieder der Deutschen Volkspariei stimmten für das Abkommen.
Hierauf kommt der Antrag der Oppositionsparteien auf Aussetzung der Verkündung der Vounggesehe zur namentlichen Abstimmung. Rach Art. 72 der Reichsverfassung nmß die Verkündung eines Gesetzes um zwei Monate ausgesetzt werden, wenn ein Drittel der anwesenden Abgeordneten für die Aussetzung stimmt. Für den Antrag der Oppo- sitlonsparteien werden 173, dagegen, 289 Stimmen abgegeben, das für die Aussetzung erforderliche Drittel ist also erreicht. (Beifall rechts.) Nunmehr wird in namentlicher Abstimmung mit 283 gegen 174 Stimmen bei vier Enthaltungen der Antrag der Regierungsparteien angenommen, der d>e Vounggesetze für dringlich erklärt. Eine solche Dringlichkeitserklärung hat, wenn sie auch vom Reichsrat bestätigt wird, die Wirkung, daß der Reichspräsident die Verkündung der Gesetze unbeachtet des vorherigen Aussetzungsbeschlusses vornehmen kann.
Bei der nun folgenden namentlichen Abstimmung über den von den Kommunisten gegen den Reichskanzler Müller eingebrachten Miß-
Knsenlust in Paris und London.
parlamentarische Schwierigkeiten Tardieus und Macdonalds.
Es ist zwar noch nicht so weit, daß die Reaie- rungen Tardieu und Macdonald sich im Zustande der offenen Krise befänden, wohl aber hoben sich die parlamentarischen Verhältnisse in Paris und London so zugespitzt, daß man jeden Tag mit dem Ausbruch der Regierungskrise rechnen kann. In beiden Ländern würden die Folgen sehr verschieden sein.
Tardieu, der die schmale Grundlage seiner Regierungsmehrheit" in der Kammer genau kennt, Hot sich bisher auf die Taktik beschränkt, die Kammer nicht zu „reizen". Er hat es demnach vermieden, etwa nach Poincarss Vorbild bei jeder Kleinigkeit sofort die Vertrauensfrage zu stellen. Am Dienstag ist aber in der Finanzkommission in der Kammer doch ein Ereignis eingetreten, das sich leicht zu einem Konflikt zwischen Kammer und Regierung ausweiten kann. Tardieu hat bekanntlich bei der Bildung seines Kabinetts eine heftige Minister- Inflation eintreten lassen. Um die Interessen auch der kleinsten Gruppe zu befriedigen, die er für feine Mehrheit braucht, nnißte er sein Kabinett auf 34 Minister und Unterftaatsfetretäre anschwellen lassen. Die Finanzkominission der Kammer hat nun einen Antrag angenommen, daß d i e Zahl der Mini st er 25 nicht über st eigen dürste, infolgedessen wurden die Gehälter der -übrigen neun abgelehnt. Dieser Zustand konnte natürlich nicht andauern. Tardieu mußte sich entschließen, einmal die Lage zu klären. Wenn er dabei diesmal noch nicht zu Fall gekommen ist, weil die Kammer vor der Vertrauensfrage zurückwich, so kann dies doch schon bei der allernächsten Gelegenheit geschehen. Niemand weiß, was dann in Frankreich wird, wenn Poincare sich nicht doch noch entschließt, jetzt das Kabinett der republikanischen Konzentration zu bilden, für das er allein als Regierungschef in Betracht kommt, weil niemand anders es vermag, Rechte und Linke zusammenzuführen. Eine Kammerauslösung kommt jedenfalls nach den französischen Gepflogenheiten noch lange nicht in Frage.
Gan.; anders liegen die Dinge in England. Hier hat am Dienstag bei einer Abstimmung über die Kohlenvorlage d i e Regierung eine empfindliche Riederlage erlitten. Wenn auch die Vertrauensfrage nicht gestellt war, ergeben sich dennoch politische Folgerungen daraus insofern, als die Regierung eine Klärung herbeiführen will. Wie immer in England find die Gründe für eine Kabinettsfrage mehr äußerer Ratur, wenn es sich bei der Verstimmung der Opposition gegen die Regierung um ein außenpolitisches Problem handelt. So ist die erste Regierung Macdonalds in Wirklichkeit auch über eine .außenpolitische Frage gestürzt, und zwar über ihre Haltung beim Ausbau des hinterindischen Hafens S i n- gapore. Damals hatte man sich gleichfalls eine belanglose innenpolitische Frage herausgesucht, um die Regierung zu beseitigen. Auch jetzt ist eine starke Opposition gegen Macdonalds Politik auf der Londoner Seeabrüst ungskonferenz vorhanden. Es fragt sich aber, ob sie angesichts der wahrscheinlichen Ergebnislosigkeit dieser Konferenz ausreicht, um die gesamte Opposition, die ja bekanntlich die Mehrheit besitzt, zusammenzuführen. Wohl aber ist kaum damit zu rechnen, daß die Konservativen wieder einige Abgeordnete zugunsten der Regierung, wie schon einmal, abkommandieren, um sie am Leben zu erhalten. Auch in den jetzt zur Debatte stehenden wirtschaftlichen Fragen ist die Opposition durchaus ernst.
Man muh abwarten, ob Baldwin schon jetzt die Zeit zum Sturze von Macdonald für gekommen hält. Alsdann bestände die Wahrscheinlichkeit, ja, man kann sagen, die Sicherheit von R e u - wählen, für die in England der Monat Mai sehr beliebt ist. Innenpolitisch hat sich die Regierung Macdonald durch ihre Ohnmacht gegenüber der Arbeitslosigkeit die schwersten Blößen gegeben. Außenpolitisch ist ihre Stellung trotz der Erfolge Snowdens schwächer geworden, seit
dem Macdonalds bedenkliche Taktik in der Flottenabrüstungsfrage offenbar geworden ist, und -achdern man wohl auch in London der Heber* zeugung geworden ist, daß die indische Frage, eine Lebensfrage des englischen Weltreiches, eine stärkere Führung erheischt, als es in der gegenwärtigen Labour-Regierung ist. In beiden Landern können die nächsten Tage schon Lleberraschungen bringen. In Frankreich handelt es sich um eine der gewöhnlichen Kabinettskrisen, in England stehen recht grundsätzliche Entscheidungen zur Debatte.
Ein Sieg Tardieus.
Tie Streichung der Ministcrgchälter wird abgelehnt.
Paris, 13. März. (WTB. Funkspruch.) In der Rachtsitzung, die die Kammer abgehalten hat, um die Frage der Einheitsschule zum Abschluß zu bringen, hat die Regierung eine neue Riederlage erlitten. Der Finanzausschuß der Kammer hatte dem betreffenden Paragraphen, der die Einführung des unentgeltlichen Unterrichts in der untersten Klasse der höheren Lehranstalten vorsieht, eine Bestimmung vorangestellt, die die allmähliche Ausdehnung der Reform auf sämtliche Unterrichtsklassen in Aussicht stellt. Ministerpräsident Tardieu verlangte die Streichung dieses einleitenden Paragraphen. Die Kammer lehnte jedoch den Antrag der Regierung auf Streichung dieser Bestimmung mit 292 gegen 286 Stimmen ab. Die Vertrauensfrage hatte der Ministerpräsident nicht gestellt. Daraus wurde iber zweite Teil des Artikels betreffend den unentgeltlichen Unterricht mit 420 gegen 165 Stimmen genehmigt. Sodann begann die Diskussion der Artikel betreffend die Kredite für di e neuen Ministerien und Llnterstaats- sekretariate. Der Vorschlag des Finanzausschusses, die Zahl der Regierungsmitglieder obligatorisch auf 2 5 festzulegen, der also auf die Streichung der vom derzeitigen Kabinett Tardieu geschaffenen neuen Minister- und Llnterstaats- sekretärposteir hinausläuft, wurde, nachdem Tardieu die Vertrauensfrage dagegen eingesetzt hatte, mit 320 gegen 260 Stimmen von der Kammer abgelehnt.
Oie Klotienkonferenz auf einem toten Punkt. Bciand in gedrückter Ltimnmng.
London, 13. März. (WTB. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Herold" schreibt: Die Marinekonserenz befindet sich in der ernstesten Krise. Zweifellos sind die Besprechungen von gestern abend auf dem toten Punkt an* gelangt. Heute sollen die letzten Bemühungen unternommen werden, um die Kluft zu überbrücken bzw. das Problem von einer neuen Seite in Angriff zu nehmen.
Briand räumte in einer Pressebesprechung ein, daß der Gedanke einer politischen Vereinbarung nun erledigt ist. Damit fei auch die Möglichkeit einer bedeutenden Verminderung der französischen Tonnageziffern weggefallen. Briand erklärte u. a.: „M eine Rolle hier i ft beendet. Die Angelegenheit wird morgen in die Hände der Delegierten übergehen." Briand schien niedergeschlagen, und in den französischen Kreisen der Konferenz herrscht allgemein eine gedrückte Stimmung. Wahrscheinlich werden sich die Dinge nun so entwickeln, daß zwischen den fünf Seemächten ein Vertrag geschaffen wird, der wenigstens e i n gewisses Maß von Abrüstung in der Gestalt eines F l o 11 e n f e i e r j a h r s pir Schlachtschiffneubauten bringt. Außerdem würde in diesem Vertrag ein beträchtliches Maß vorbereitender Arbeit seinen Niederschlag finden, so daß eine spätere Konferenz freiere Bahn vorfinden würde.
trauensantrag geben mehrere Mitglieder der Bayerischen Volkspartei blaue Karten (Stimmenthaltung) ab, während der Frak- tionsvorsihende Leicht mit roter Karte gegen den Mißtrauensantrag stimmt. Der Mißtrauensantrag wird mit 277 gegen 169 Stimmen bei 13 Enthaltungen abgelehnt.
Der Billigungsantrag der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Deutschen Dolkspartei und der Demokraten wird mit 248 gegen 170 Stimmen bei 19 Enthaltungen angenommen. Die Mitglieder der Bayerischen Dolkspartei haben auch bei dieser Abstimmung über die Billigung der Reichskanzlererklärung Stimmenthaltung geübt.
Oer Komps um dos Finanz- programm.
'Verstimmung bei der Bayerischen Bolkspartei.
Berlin, 13. März. ($11.) Die Besprechungen der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Demokraten und der Bayerischen Bolkspartei über das Finanzprogramm werden am Donnerstag fortgesetzt. Wie die „T.-U." aus Zentrumskreisen erfährt, besteht aber keinerlei Aussicht, daß der Forderung der Bayerischen Bolkspartei, wonach sich die Parteien verpflichten sollen, für die Aufrechter h a l t u n g des Paragraphen 35 des Finanzausgleichsgesehes einzutreten, entsprochen werden wird. Bekanntlich hat die preußische Regierung im Reichsrat die Beseitigung des Paragraphen beantragt, der den steuer- schwachen Ländern besondere Reichszuschüsse sichert.
Wie die „S.-U.“ weiter hört, besteht in Kreisen der Bayerischen Bolkspartei gegen die Haltung der übrigen Koalitionsparteien eine lebhafte Verstimmung. Es wird darauf hingewiesen, daß die Bayerische Dolkspartei in ihrer Mehrheit in vollkommener Konsequenz ihrer bisherigen Einstellung dem Haager Abkommen und dem Polenvertrag ihre Zustimmung versagen muhte, da die Bindungen auf das Finanzprogramm und die Aufrechterhaltung des Paragraphen 35 des Finanzausgleichgesehes von den übrigen Parteien nicht gegeben werden konnten. Rachdem eine Bindung auf das von den vier Regierungsparteien ohne die Deutsche Dolkspartei -ursprünglich vereinbarte Finanzprogramm
nicht Zustande gekommen sei, habe sich damit selbstverständlich eine vollkommen neue Lage ergeben.
3n Dresden ein kommunistischer Geheimbund ausgehoben.
Die roten Rollkommandos zur Bekämpfung der Polizei.
Dresden, 12. März. (WTB.) Das Polizeipräsidium Dresden teilt mit: Der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums war bekannt, daß die kommunistische Antifa (Antifaschistische Arbeitslose) eine sogenannte Rote Loge, bei der es sich offenbar um eine geheime Verbindung im Sinne der §§ 128 und 129 St G B, handelt, gegründet hat. Die Aufgabe der Mitglieder dieser '.Roten Loge, die zum erstenmal bei den Vorkommnissen am 6. März aufgetreten ist und auch morgen anläßlich des kommunistischen Hrmgennarsches nach Dresden wieder in Tätigkeit treten sollte, besteht u. a. darin, bei Umzügen usw. soaenannte Rollkommandos zu bilden, die der Polizei besondere Schwierigkeiten zu machen, aufs Ganze zu gehen und insbesondere einzelne P o l i ze i b c a m te abzudrängen, zu überfallen und zu mißhandeln haben. Nunmehr gelang es, diesen kommunistischen Geheimbimd bei" einer Besprechung in einer kleinen Schankwirischaft in der inneren Stadt zu überraschen und die Teilnehmer an dieser Versammlung, 33 an der Zahl, die die Pläne für den morgigen Hungermarsch besprachen, f e st z u n e hm e n. Sie werden der Staatsanwaltschaft zur weiteren Entschließung vorgeführt werden.
Ghanbi marschiert.
Krawalle in Bombay. —Die Anteilnahme der Bevölkerung
London, 12. März. (TU.) Nach Berichten aus Bombay setzt sich der erste von Ghandi persönlich geführte Stoßtrupp für die Einleitung des Unab hängigkeitsselüzuges aus etwa 80 Freiwilligen aus allen Teilen Indiens zusammen. Die überwiegende Mehrzahl besteht naturgemäß aus Hindus, nur Zwei Freiwillige sind Mohammedaner. Das ist ein neuer Beweis dafür, daß die mohammedanische Bevölkerung Indiens keine besondere Begeisterung für Ghandis Plan aufzubringen vermag. Zur gleichen Zeit, als Ghandi von seinem Hauptquartier abmar- schierte, fand in Bombay eine große Kundgebung statt, in deren Verlauf es zu Z U s a m m e n st ö ß e n
mit der Polizei kam. Mehrere Läden, tndenen europäische Kunden gesehen wurden, wurden von der Menge gestürmt und zerstört. Die Fensterschei- den der englischen Zeitung „Times of India" mürben eingeworfen. Von der Jugend Bombays wurde eine weitere Kundgebung veranstaltet, in deren Verlauf versucht wurde, die englische Flagge herunter- zureißen. Ein vermögender Kaufmann in Kalkutta hat Ghandi eine Million Mark als Fonds für seinen Unabhängigkeitsfeldzug zur Verfügung gestellt. In Bombay ist ein unabhängiger Kriegsrat gebildet worden, der Sammlungen einleiten und Anhänger werben soll. Durch diesen Kriegsrat werden große Massen von Flugblättern verbreitet, die zur Unter- stiitzung Ghandis bis zum Ende auffordern.
Dem Aufbruch zum 100-Meilen-Marfch Ghandis und seiner Gefährden nach dem Golf von Cambah wohnten große Menschenmassen bei, die sich bereits viele Stunden vorher eingefunden hatten und von der Schule Ghandis ab auf beiden Seiten des Weges Spalier bildeten. Die Anteilnahme der Bevölkerung war so groß, daß die Stadt gestern abend fast ausgestorben war. Für den Fall feiner Verhaftung hat Ghandi angeordnet, daß der frühere Richter des Obersten Gerichtshofes Abbas Tahabja als fein Rachfolger die Führung der Bewegung übernehmen soll.
Wie aus Ahmedabad gemeldet wird, hatten sich die Reihen der Anhänger Ghandis, die den Zug Ghandis und seiner Gefährten begleiteten, an der Grenze des Bezirks Ahmedabad bereite, stark gelichtet, da ein Teil der Mitläufer nach Hause zurückgekehrt war. In Aslali, wo der Zug zum erstenmal Halt machte, wurde er von ungefähr 100 Landbewohnern mit Flaggen, Laubgewinden und Musik empfangen. Mehrere Filmgesellschaften, unter ihnen auch eine deutsche, haben die Vorgänge gekurbelt.
Kleine politische Nachrichten.
Der Herr Reichspräsident hat heute die Ernennung des Reichskanzlers a. D. Dr. Luther zum Reichsbankpräsidenten für die Amtsdauer von vier Jahren vollzogen.
Reichspräsident von Hindenburg empfing den französischen Botschafter de Marge r i c, der ihm den Dank des Präsidenten der französischen Republik für die anläßlich der Hochwasserkatastrophe in Südfrankreich bekundete Anteilnahme übermittelte.
Im Volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags wurde in zweiter Lesung § 15 des Gaststättengesetzes angenommen, der die Oberste Landesbehörde ermächtigt, den Ausschank von Branntwein und den Kleinhandel mit Branntwein für bestimmte Morgenstunden sowie an höchstens zwei Tagen der Woche, insbesondere an Lohn- und Gehaltszahlungstagen und an Wahltagen ganz oder teilweise zu verbieten oder zu beschränken.
Zwischen hem Lande Baden und der ehemaligen grohherzoglichen Familie wurde eine Vereinbarung getroffen, wonach 511 der dem ehemaligen grohherzoglichen Hause gehörigen Kunstwerke in der Badischen Kunsthalle sowie gegen 25 000 Blätter des Kupferstichkabinetts in das Eigentum des Landes Baden übergehen. Der Kaufpreis beträgt vier Millionen
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Wettervoraussage.
Die Wechselhaftigkeit im Witterungscharakter hat ihr Ende noch nicht erreicht. Durch den französischen Tiefausläufer hat sich über Deutschland ein zusammenhängendes Riederschlagsgebiet ausgebreitet, welches Schneefälle verursacht. Rach Heber querung desselben geht wohl die Bewölkung wieder zurück, aber mit dem Zustrom erneuter kühler Luft bleibt das Wetter unbeständig Die Riederschläge lassen nach, jedoch treten vereinzelt noch Schauer auf.
Wettervoraussage für Freitag. Wechselnd wolkig,' Aufheiterung, kühl mit Rächt- frostgefahr, einzelne Schauer.
Lufttenrperatuven am 12. März: mittags 5,4 Grad (Eelfius, abends 2,4 Grad, am 13. März: morgens 1,7 Grad. Maximum 5,9 Grad, Minimum 0,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 an Tief« am 12. März: abends 5,6 Grad: am 13. März: morgens 2 Grad. — Niederschlag 0,9 mm. — Sonnenscheindauer fünf Stunden.
Amtliche Winlerfportnachrichten.
Schwarzwald. Feldberg: Leichterer Schneefall, —5 Grad, 63 an Schnee, 11 bis 15 an Reuschnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut.
Alpen. Garmisch - Partenkirchen. Bewölkt, — 2 Grad, 5 cm wchnec. 1 bis 2 cm Neuschnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut.


