Ausgabe 
13.3.1930
 
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polnischen Abkommen auch die große Ge fahr der Zerstörung jener nationalen Entschlossen­heit, die wir brauchen für den entscheidenden Kampf, der ausoefochten wird zwischen dem Deutschtum und einem Polen, das mit brutalsten Mitteln die Men- schenrechte auf deutscher Seite unterdrückt.

Abg. Straffer (Rat.'Soz.)

verließt eine längere Erklärung seiner Partei, in her es wiederholt heißt, es seien Lügen, was die Regierung zur Empfehlung des Poirngplanes vorgebracht habe. A(s von der Linken gegen diese Wendung protestiert wird, erklärt Präsident Lobe, er nehme an, daß der Redner nur theoretisch von Lüge spreche. Mit lauten Entrüstungsrufen links und in der Mitte wird eine Stelle der Erklä­rung beantwortet, in der die Regierung des Volksverrates beschuldigt und angekün­digt wird, ein kommender nationalsozialistischer <2toatsgerichtshos werde die Köpfe derjenigen fordern, die den Poungplan annehmen. Präsi­dent Lobe erteilt dem Redner einen Ordnungsruf.

Abg. Gchmi-t-Hannover (Onl.) erklärt der Poungplan werde Katastrophenent­wicklungen zur'Folge haben. Den optimistischen Fest­stellungen demokratischer Fachleute über die glän­zenden Aussichten deutscher Kapitalbildung stehen st erbende Aecker, steigende Konkurs­ziffern, und wachsende Arbeitslosen­heere gegenüber. Angesichts der letzten Entwick­lungen überschlägt sich die Presse in Anbiederungs­versuchen an den Reichspräsidenten. Während der Hindenburgwnhl hieß es anders. Die Jugend wird dem von der brüchigen Massendemokratie unter­schriebenen Wechsel nicht honorieren. Aus dem Poung-Deutschland wird ein Jungdeutschland ent­stehen, für das die Abstimmungen dieser Mehrheit keine Geltung haben. Diesem kommenden Deutsch­land gilt unser Gruß.

Dr. Krick:

Als bevollmächtigter Vertreter des Landes Thüringen habe ich folgende Erklärung abzu­geben: In schroffem Gegensatz zur Reichsregie- rung sieht die Regierung des Landes Thürin­gen in der Annahme des Voungplanes und des deutsch-polnischen Liquidationsabkoqrmens das größte nationale Llnglück und das Ende der Selbständigkeit der Län­der. Während auf der einen Seite die uferlose Erfüllungs-- und Tributspolitik dem -deutschen Volk auf Generationen hinaus Lasten auferlegt, von deren Untragbarkeit die Befürworter dieser Politik selbst überzeugt sind, entzieht sie auf der anderen Seite den Ländern die Mittel und nötigt sie zur Beschränkung der Ausgaben für die wichtigsten Kulturaufgaben. Die Erklärung schließt mit der Versicherung, die thüringische Regierung wolle den Mittelpunkt bilden für einen fanatischen Widerstands- und Freiheitswillen des deutschen Volkes.

Preußischer Reichsratsbevollmächtigter Dr. Brecht: Die große Mehrheit des Reichsrats steht auf einem ganz anderen Standpunkt als die thüringische Regierung. Die vereinigten Aus­schüsse des Reichsrats haben die Annahme des Voungplans für notwendig erklärt aus den im Protokoll niedergelegten Gründen.

Nie Abstimmungen.

Darauf beginnt bei starker Besetzung des Saales und der Tribünen um 16.25 Ahr die Ab­stimmung. In namentlicher Abstimmung wird das Gesetz über die Haager Konferenz mit 265 gegen 192 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen angenommen. Dafür haben gestimmt Sozialdemo­kraten, Zentrum, Deutsche Volkspartei und De­mokraten. Die Mitglieder der Bayerischen Volks- Partei haben sich teils der Stimme enthalten, teils gegen die Vorlage gestimmt. Vom Zentrum haben die Abgeordneten Bornefeld-Ettmann, Feilmayr und Dr. Föhr mit Rein gestimmt. Von der Deutschen Volkspartei, die im übrigen dafür gestimmt hat. haben sich die Ab­geordneten von Gilsa, Günther. Hucck und Kön- geter an der Abstimmung nicht beteiligt. Von der Bayerischen Volkspartei, die im allgemeinen mit Rein gestimmt hat, hat der Abgeordnete Dr. Bayersdörfser mit Ja gestimmt, während sich die Abgeordneten Emminger, Leicht und Trohmann der Stimme enthalten haben.

Auch das Reichsbahn- und Reichsbankgesetz, so­wie das Schuldenabkommen mit Amerika lind die Liquidationsoerträge werden mit ähnlichen Mehr­heiten angenommen. Bei der namentlichen Abstim­mung über das Polenabkommen haben mit Ja gestimmt 235 Abgeordnete, mit Nein 216, ent­halten haben sich 8 Abgeordnete. Vom Zentrum haben g e g en das Polenabkommen gestimmt die Abg. Beck - Oppeln, Blum, Bornefeld - Eltmann, Damm, Diez, Ehrhardt, Fahrenbach, Dr. Föhr- Baden, Hermes, Jmbufch, Dr. Köhler, Neumann, Perlitius, Dr. Scheiter, Ulitzka und Warnke. Der Stimme enthalten haben sich die Zentrums­abgeordneten Crone-Münzebroock, Dr. Drees, Feil- maijr, Schlack und Wilkens. Die übrigen Zentrums­abgeordneten stimmten für das Abkommen. Von der Bayerischen Volkspart ei haben sich die Abg. Leicht und Emminger der S 1 i m m e e n t h a l- ton, alle übrigen stimmten mit Nein,, Von der Deutschen Volkspartei hat sich) der Abg. Dr B e ck e r - H e f s e n d e r S t i m m e'<^l t h a l- ten, der Abg. Dr. Hugo fehlte. Gegen das Polenabkommen stimmten die Abg. Cramm, von Gilsa, Dr. Hofs, Dr. Hueck, Zanson, Dr. Köngeter, Dr. Leutheußer, Schmidt Düsseldorf und Dr. Schnee, die übrigen Mitglieder der Deutschen Volkspariei stimmten für das Abkommen.

Hierauf kommt der Antrag der Oppositions­parteien auf Aussetzung der Verkün­dung der Vounggesehe zur namentlichen Abstimmung. Rach Art. 72 der Reichsverfassung nmß die Verkündung eines Gesetzes um zwei Monate ausgesetzt werden, wenn ein Drittel der anwesenden Abgeordneten für die Aussetzung stimmt. Für den Antrag der Oppo- sitlonsparteien werden 173, dagegen, 289 Stimmen abgegeben, das für die Aussetzung erforderliche Drittel ist also erreicht. (Beifall rechts.) Nun­mehr wird in namentlicher Abstimmung mit 283 gegen 174 Stimmen bei vier Enthaltungen der Antrag der Regierungsparteien angenommen, der d>e Vounggesetze für dringlich erklärt. Eine solche Dringlichkeitserklärung hat, wenn sie auch vom Reichsrat bestätigt wird, die Wirkung, daß der Reichspräsident die Verkün­dung der Gesetze unbeachtet des vorheri­gen Aussetzungsbeschlusses vornehmen kann.

Bei der nun folgenden namentlichen Abstim­mung über den von den Kommunisten gegen den Reichskanzler Müller eingebrachten Miß-

Knsenlust in Paris und London.

parlamentarische Schwierigkeiten Tardieus und Macdonalds.

Es ist zwar noch nicht so weit, daß die Reaie- rungen Tardieu und Macdonald sich im Zu­stande der offenen Krise befänden, wohl aber hoben sich die parlamentarischen Verhältnisse in Paris und London so zugespitzt, daß man jeden Tag mit dem Ausbruch der Regierungskrise rechnen kann. In beiden Ländern würden die Folgen sehr ver­schieden sein.

Tardieu, der die schmale Grundlage seiner Regierungsmehrheit" in der Kammer genau kennt, Hot sich bisher auf die Taktik beschränkt, die Kam­mer nicht zureizen". Er hat es demnach vermie­den, etwa nach Poincarss Vorbild bei jeder Kleinig­keit sofort die Vertrauensfrage zu stellen. Am Diens­tag ist aber in der Finanzkommission in der Kam­mer doch ein Ereignis eingetreten, das sich leicht zu einem Konflikt zwischen Kammer und Regierung ausweiten kann. Tardieu hat bekanntlich bei der Bildung seines Kabinetts eine heftige Minister- Inflation eintreten lassen. Um die Interessen auch der kleinsten Gruppe zu befriedigen, die er für feine Mehrheit braucht, nnißte er sein Kabinett auf 34 Minister und Unterftaatsfetretäre anschwellen lassen. Die Finanzkominission der Kammer hat nun einen Antrag angenommen, daß d i e Zahl der Mini st er 25 nicht über st eigen dürste, in­folgedessen wurden die Gehälter der -übrigen neun abgelehnt. Dieser Zustand konnte natürlich nicht andauern. Tardieu mußte sich entschließen, einmal die Lage zu klären. Wenn er dabei diesmal noch nicht zu Fall gekommen ist, weil die Kammer vor der Vertrauensfrage zurückwich, so kann dies doch schon bei der allernächsten Gelegenheit geschehen. Niemand weiß, was dann in Frankreich wird, wenn Poincare sich nicht doch noch entschließt, jetzt das Kabinett der republikanischen Konzentration zu bilden, für das er allein als Regierungschef in Be­tracht kommt, weil niemand anders es vermag, Rechte und Linke zusammenzuführen. Eine Kammer­auslösung kommt jedenfalls nach den französischen Gepflogenheiten noch lange nicht in Frage.

Gan.; anders liegen die Dinge in Eng­land. Hier hat am Dienstag bei einer Ab­stimmung über die Kohlenvorlage d i e Regierung eine empfindliche Riederlage er­litten. Wenn auch die Vertrauensfrage nicht ge­stellt war, ergeben sich dennoch politische Folge­rungen daraus insofern, als die Regierung eine Klärung herbeiführen will. Wie immer in Eng­land find die Gründe für eine Kabinettsfrage mehr äußerer Ratur, wenn es sich bei der Ver­stimmung der Opposition gegen die Regierung um ein außenpolitisches Problem handelt. So ist die erste Regierung Macdonalds in Wirklichkeit auch über eine .außenpolitische Frage gestürzt, und zwar über ihre Haltung beim Ausbau des hinterindischen Hafens S i n- gapore. Damals hatte man sich gleichfalls eine belanglose innenpolitische Frage heraus­gesucht, um die Regierung zu beseitigen. Auch jetzt ist eine starke Opposition gegen Macdonalds Politik auf der Londoner Seeabrü­st ungskonferenz vorhanden. Es fragt sich aber, ob sie angesichts der wahrscheinlichen Er­gebnislosigkeit dieser Konferenz ausreicht, um die gesamte Opposition, die ja bekanntlich die Mehrheit besitzt, zusammenzuführen. Wohl aber ist kaum damit zu rechnen, daß die Konserva­tiven wieder einige Abgeordnete zugunsten der Regierung, wie schon einmal, abkommandieren, um sie am Leben zu erhalten. Auch in den jetzt zur Debatte stehenden wirtschaftlichen Fragen ist die Opposition durchaus ernst.

Man muh abwarten, ob Baldwin schon jetzt die Zeit zum Sturze von Macdonald für gekommen hält. Alsdann bestände die Wahrscheinlichkeit, ja, man kann sagen, die Sicherheit von R e u - wählen, für die in England der Monat Mai sehr beliebt ist. Innenpolitisch hat sich die Re­gierung Macdonald durch ihre Ohnmacht ge­genüber der Arbeitslosigkeit die schwersten Blößen gegeben. Außenpolitisch ist ihre Stellung trotz der Erfolge Snowdens schwächer geworden, seit­

dem Macdonalds bedenkliche Taktik in der Flottenabrüstungsfrage offenbar geworden ist, und -achdern man wohl auch in London der Heber* zeugung geworden ist, daß die indische Frage, eine Lebensfrage des englischen Welt­reiches, eine stärkere Führung erheischt, als es in der gegenwärtigen Labour-Regierung ist. In beiden Landern können die nächsten Tage schon Lleberraschungen bringen. In Frankreich handelt es sich um eine der gewöhnlichen Kabinettskrisen, in England stehen recht grundsätzliche Entschei­dungen zur Debatte.

Ein Sieg Tardieus.

Tie Streichung der Ministcrgchälter wird abgelehnt.

Paris, 13. März. (WTB. Funkspruch.) In der Rachtsitzung, die die Kammer abgehalten hat, um die Frage der Einheitsschule zum Abschluß zu bringen, hat die Regierung eine neue Rieder­lage erlitten. Der Finanzausschuß der Kammer hatte dem betreffenden Paragraphen, der die Einführung des unentgeltlichen Un­terrichts in der untersten Klasse der höheren Lehranstalten vorsieht, eine Bestimmung voran­gestellt, die die allmähliche Ausdehnung der Reform auf sämtliche Unterrichtsklassen in Aussicht stellt. Ministerpräsident Tardieu ver­langte die Streichung dieses einleitenden Pa­ragraphen. Die Kammer lehnte jedoch den Antrag der Regierung auf Streichung dieser Bestimmung mit 292 gegen 286 Stimmen ab. Die Vertrauensfrage hatte der Mi­nisterpräsident nicht gestellt. Daraus wurde iber zweite Teil des Artikels betreffend den unentgeltlichen Unterricht mit 420 gegen 165 Stimmen genehmigt. Sodann begann die Dis­kussion der Artikel betreffend die Kredite für di e neuen Ministerien und Llnterstaats- sekretariate. Der Vorschlag des Finanzausschusses, die Zahl der Regierungsmitglieder obligatorisch auf 2 5 festzulegen, der also auf die Strei­chung der vom derzeitigen Kabinett Tardieu geschaffenen neuen Minister- und Llnterstaats- sekretärposteir hinausläuft, wurde, nachdem Tar­dieu die Vertrauensfrage dagegen eingesetzt hatte, mit 320 gegen 260 Stimmen von der Kammer abgelehnt.

Oie Klotienkonferenz auf einem toten Punkt. Bciand in gedrückter Ltimnmng.

London, 13. März. (WTB. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent desDaily Herold" schreibt: Die Marinekonserenz befindet sich in der ernstesten Krise. Zweifellos sind die Besprechungen von gestern abend auf dem toten Punkt an* gelangt. Heute sollen die letzten Bemühungen unternommen werden, um die Kluft zu überbrücken bzw. das Problem von einer neuen Seite in Angriff zu nehmen.

Briand räumte in einer Pressebesprechung ein, daß der Gedanke einer politischen Vereinbarung nun erledigt ist. Damit fei auch die Möglichkeit einer bedeutenden Verminderung der französischen Tonnageziffern weggefallen. Briand erklärte u. a.: M eine Rolle hier i ft beendet. Die An­gelegenheit wird morgen in die Hände der Delegier­ten übergehen." Briand schien niedergeschla­gen, und in den französischen Kreisen der Konfe­renz herrscht allgemein eine gedrückte Stim­mung. Wahrscheinlich werden sich die Dinge nun so entwickeln, daß zwischen den fünf Seemächten ein Vertrag geschaffen wird, der wenigstens e i n gewisses Maß von Abrüstung in der Ge­stalt eines F l o 11 e n f e i e r j a h r s pir Schlacht­schiffneubauten bringt. Außerdem würde in diesem Vertrag ein beträchtliches Maß vorbereitender Ar­beit seinen Niederschlag finden, so daß eine spätere Konferenz freiere Bahn vorfinden würde.

trauensantrag geben mehrere Mitglieder der Bayerischen Volkspartei blaue Kar­ten (Stimmenthaltung) ab, während der Frak- tionsvorsihende Leicht mit roter Karte gegen den Mißtrauensantrag stimmt. Der Mißtrauens­antrag wird mit 277 gegen 169 Stimmen bei 13 Enthaltungen abgelehnt.

Der Billigungsantrag der Sozialdemo­kraten, des Zentrums, der Deutschen Dolkspartei und der Demokraten wird mit 248 gegen 170 Stimmen bei 19 Enthaltungen angenommen. Die Mitglieder der Bayerischen Dolkspartei ha­ben auch bei dieser Abstimmung über die Billi­gung der Reichskanzlererklärung Stimment­haltung geübt.

Oer Komps um dos Finanz- programm.

'Verstimmung bei der Bayerischen Bolkspartei.

Berlin, 13. März. ($11.) Die Besprechun­gen der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Demokraten und der Bayerischen Bolkspartei über das Finanzprogramm werden am Donners­tag fortgesetzt. Wie dieT.-U." aus Zentrums­kreisen erfährt, besteht aber keinerlei Aus­sicht, daß der Forderung der Bayeri­schen Bolkspartei, wonach sich die Par­teien verpflichten sollen, für die Aufrecht­er h a l t u n g des Paragraphen 35 des Finanzausgleichsgesehes einzutreten, entsprochen werden wird. Bekanntlich hat die preußische Regierung im Reichsrat die Beseitigung des Paragraphen beantragt, der den steuer- schwachen Ländern besondere Reichszu­schüsse sichert.

Wie dieS.-U. weiter hört, besteht in Kreisen der Bayerischen Bolkspartei gegen die Haltung der übrigen Koalitionsparteien eine lebhafte Verstimmung. Es wird darauf hingewiesen, daß die Bayerische Dolkspartei in ihrer Mehrheit in vollkommener Konsequenz ihrer bisherigen Einstellung dem Haager Abkommen und dem Polenvertrag ihre Zustimmung versa­gen muhte, da die Bindungen auf das Finanz­programm und die Aufrechterhaltung des Para­graphen 35 des Finanzausgleichgesehes von den übrigen Parteien nicht gegeben werden konnten. Rachdem eine Bindung auf das von den vier Regierungsparteien ohne die Deutsche Dolks­partei -ursprünglich vereinbarte Finanzprogramm

nicht Zustande gekommen sei, habe sich damit selbst­verständlich eine vollkommen neue Lage ergeben.

3n Dresden ein kommunistischer Geheimbund ausgehoben.

Die roten Rollkommandos zur Bekämpfung der Polizei.

Dresden, 12. März. (WTB.) Das Polizei­präsidium Dresden teilt mit: Der politischen Abtei­lung des Polizeipräsidiums war bekannt, daß die kommunistische Antifa (Antifaschistische Ar­beitslose) eine sogenannte Rote Loge, bei der es sich offenbar um eine geheime Verbindung im Sinne der §§ 128 und 129 St G B, handelt, ge­gründet hat. Die Aufgabe der Mitglieder dieser '.Roten Loge, die zum erstenmal bei den Vorkomm­nissen am 6. März aufgetreten ist und auch morgen anläßlich des kommunistischen Hrmgennarsches nach Dresden wieder in Tätigkeit treten sollte, besteht u. a. darin, bei Umzügen usw. soaenannte Roll­kommandos zu bilden, die der Polizei besondere Schwierigkeiten zu machen, aufs Ganze zu gehen und insbesondere einzelne P o l i ze i b c a m te abzudrängen, zu überfallen und zu mißhandeln haben. Nunmehr gelang es, die­sen kommunistischen Geheimbimd bei" einer Bespre­chung in einer kleinen Schankwirischaft in der inne­ren Stadt zu überraschen und die Teilnehmer an dieser Versammlung, 33 an der Zahl, die die Pläne für den morgigen Hungermarsch besprachen, f e st z u n e hm e n. Sie werden der Staatsanwalt­schaft zur weiteren Entschließung vorgeführt werden.

Ghanbi marschiert.

Krawalle in Bombay.Die Anteilnahme der Bevölkerung

London, 12. März. (TU.) Nach Berichten aus Bombay setzt sich der erste von Ghandi persönlich geführte Stoßtrupp für die Einleitung des Unab hängigkeitsselüzuges aus etwa 80 Freiwilligen aus allen Teilen Indiens zusammen. Die überwiegende Mehrzahl besteht naturgemäß aus Hindus, nur Zwei Freiwillige sind Mohammedaner. Das ist ein neuer Beweis dafür, daß die mohammedanische Be­völkerung Indiens keine besondere Begeisterung für Ghandis Plan aufzubringen vermag. Zur gleichen Zeit, als Ghandi von seinem Hauptquartier abmar- schierte, fand in Bombay eine große Kundgebung statt, in deren Verlauf es zu Z U s a m m e n st ö ß e n

mit der Polizei kam. Mehrere Läden, tndenen europäische Kunden gesehen wurden, wurden von der Menge gestürmt und zerstört. Die Fensterschei- den der englischen ZeitungTimes of India" mür­ben eingeworfen. Von der Jugend Bombays wurde eine weitere Kundgebung veranstaltet, in deren Ver­lauf versucht wurde, die englische Flagge herunter- zureißen. Ein vermögender Kaufmann in Kalkutta hat Ghandi eine Million Mark als Fonds für seinen Unabhängigkeitsfeldzug zur Verfügung gestellt. In Bombay ist ein unabhängiger Kriegsrat gebildet worden, der Sammlungen einleiten und Anhänger werben soll. Durch diesen Kriegsrat werden große Massen von Flugblättern verbreitet, die zur Unter- stiitzung Ghandis bis zum Ende auffordern.

Dem Aufbruch zum 100-Meilen-Marfch Ghandis und seiner Gefährden nach dem Golf von Cambah wohnten große Menschen­massen bei, die sich bereits viele Stunden vorher eingefunden hatten und von der Schule Ghandis ab auf beiden Seiten des Weges Spa­lier bildeten. Die Anteilnahme der Bevölkerung war so groß, daß die Stadt gestern abend fast ausgestorben war. Für den Fall feiner Ver­haftung hat Ghandi angeordnet, daß der frühere Richter des Obersten Gerichtshofes Abbas Tahabja als fein Rachfolger die Führung der Bewegung übernehmen soll.

Wie aus Ahmedabad gemeldet wird, hatten sich die Reihen der Anhänger Ghandis, die den Zug Ghandis und seiner Gefährten begleiteten, an der Grenze des Bezirks Ahmedabad bereite, stark gelichtet, da ein Teil der Mitläufer nach Hause zurückgekehrt war. In Aslali, wo der Zug zum erstenmal Halt machte, wurde er von ungefähr 100 Landbewohnern mit Flaggen, Laubgewinden und Musik empfangen. Mehrere Filmgesellschaften, unter ihnen auch eine deutsche, haben die Vorgänge gekurbelt.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident hat heute die Ernennung des Reichskanzlers a. D. Dr. Luther zum Reichsbankpräsidenten für die Amtsdauer von vier Jahren vollzogen.

Reichspräsident von Hindenburg empfing den französischen Botschafter de Mar­ge r i c, der ihm den Dank des Präsidenten der französischen Republik für die anläßlich der Hochwasserkatastrophe in Südfrankreich bekundete Anteilnahme übermittelte.

Im Volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichs­tags wurde in zweiter Lesung § 15 des Gast­stättengesetzes angenommen, der die Oberste Lan­desbehörde ermächtigt, den Ausschank von Branntwein und den Kleinhandel mit Branntwein für bestimmte Morgenstunden sowie an höchstens zwei Tagen der Woche, insbesondere an Lohn- und Gehaltszahlungstagen und an Wahltagen ganz oder teilweise zu verbieten oder zu beschränken.

Zwischen hem Lande Baden und der ehe­maligen grohherzoglichen Familie wurde eine Vereinbarung getroffen, wonach 511 der dem ehemaligen grohherzoglichen Hause ge­hörigen Kunstwerke in der Badischen Kunst­halle sowie gegen 25 000 Blätter des Kupferstich­kabinetts in das Eigentum des Landes Baden übergehen. Der Kaufpreis beträgt vier Millionen

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Mittwoch, 12/März. igM,7" abds.

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Wettervoraussage.

Die Wechselhaftigkeit im Witterungscharakter hat ihr Ende noch nicht erreicht. Durch den fran­zösischen Tiefausläufer hat sich über Deutsch­land ein zusammenhängendes Riederschlagsgebiet ausgebreitet, welches Schneefälle verursacht. Rach Heber querung desselben geht wohl die Bewöl­kung wieder zurück, aber mit dem Zustrom er­neuter kühler Luft bleibt das Wetter unbestän­dig Die Riederschläge lassen nach, jedoch treten vereinzelt noch Schauer auf.

Wettervoraussage für Freitag. Wechselnd wolkig,' Aufheiterung, kühl mit Rächt- frostgefahr, einzelne Schauer.

Lufttenrperatuven am 12. März: mittags 5,4 Grad (Eelfius, abends 2,4 Grad, am 13. März: morgens 1,7 Grad. Maximum 5,9 Grad, Minimum 0,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 an Tief« am 12. März: abends 5,6 Grad: am 13. März: morgens 2 Grad. Niederschlag 0,9 mm. Sonnenscheindauer fünf Stunden.

Amtliche Winlerfportnachrichten.

Schwarzwald. Feldberg: Leichterer Schneefall,5 Grad, 63 an Schnee, 11 bis 15 an Reuschnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut.

Alpen. Garmisch - Partenkirchen. Be­wölkt, 2 Grad, 5 cm wchnec. 1 bis 2 cm Neu­schnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut.