Ausgabe 
13.2.1930
 
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Honen stehen. Dafür ist ein Anzeichen, daß un­mittelbar nach der Verlesung eines Berichtes über die Rheinlandräumung in einem vor der Haager Konferenz eingesetzten Unterausschuß die Abgeord­neten Franklin Bouillon und Mandel sich mit ihren . Bedenken gegen die Rheinlandräumung und gegen Tardieus Stellungnahme zur Sanktionsfrage im Haag zu Wort melden." Aus dem von derRe- publique" gekennzeichneten Grunde bewegt sich die Erörterung des Haager Ergebnisses zunächst auf einer sehr schwankenden Grundlage. So erklärt es sich auch, wenn das Blatt die Befürchtung aus­spricht, ob die französische Regierung etwa eine plötzliche Erörterung der Haager Abkommen herbeiführen und eine Ueberraschungsab- stimmung provozieren wolle. Das Blatt scheint anzunehmen, daß diese Methode eingeschlagen wer­den soll, weil man der Oeffentlichieit hinsichtlich der Maßnahmen, die bei einer Nichterfüllung Deutschlands ergriffen werden können, mehr ver­sprochen habe, als man nach dem Wortlaut der Abkommen holten könne.

Oie Eiatbesprechungen der Parteien.

Tas Defizit der Arbeitslosenversicherung

Berlin, 12. Febr. (Priv.-Tel.) Die Der- Handlungen des Reichsfinanzministers mit den Etatsfachverständigen der Fraktionen wurden fortgesetzt. Man beschä'tigte sich erneut mit der Arbei ts lösend rrsicherung. wöbe cs ich immer noch darum handelt, ob die Sozialdemo- kralle bereit ist, einer Heranziehung über­schüssiger Mittel der Jnvaliden- und der Angestelltenversicherung zuzustimmen. Es ist nun vereinbart, daß die Fraktionen bis morgen ihre Stellungnahme be­kanntgeben. Die Sozialdemokratie hat bereits Besprechungen mit den ihr nah:stehrn:en Gewerkschaften ausgenommen. Weiter wurde ein interfraktioneller Aus­schuß eingesetzt, der die Ausgabe hat, die ein­zelnen Posten des Etats durchzuprüfen, um fesizustellen, ob sich in dem Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben nicht doch noch Mög­lichkeiten einer leichteren Etats­gestaltung finden. Schließlich beschäst gte man sich noch mit der Frage der Steuervor­lagen. Die Fraktionen sollen auch in diesem Punkte eine Klärung ihres Standpunktes herbei- 'führen, nämlich darüber, ob sie für die sog. firoße oder kleine Deckungsvorlage ind, d. h., ob sie die Di er st euer um 180 oder 360 Millionen erhöhen und welche andern der vorgeschlagenen Steuer- und Zollarten sie eventuell zur Ergänzung heranziehen wollen.

Gegen die Religions- Verfolgungen in Rußland.

Ein Protest der englischen Kirchcnsiirsten.

London. 12. Febr. (WB.) Aach zwei flam­menden A kl gereden d s Crzbisch.fs von Canter­bury und des Bischofs von Lonoon nahmen die versammelten Bischöfe der anglikanischen Kirche einstimmig eine Entschließung an, in der sie ihre Empörung über die Re­ligionsverfolgungen inRuhland und ihre Sympathie mit den verfolgten Personen auL- fprechen und bitten, für sie zu beten. Die Ent­schließung sagt weiter, daß die Sowjet- regierung, wenn sie gute Beziehungen $u Großbritannien aufrecht zu erhalten wünsche, d i e Grundsätze der Zivilisation und der menschlichen Gerechtigkeit beobachten müsse. Der Erzbischof von Canterbury brand­markte die Religionsverfolgungen in der Sowjet­union als grausame und barbarische Politik. Wenn keine wirkliche Besserung einträte, werde er sich für verpflichtet halten, die Sache im Parla­ment zur Sprache zu bringen, wenn auch nicht als politische Angelegenheit, so doch als eine Frage, bei der die Ehre eines christlichen Volkes und die Interessen der gemeinsamen Zivilisation auf dem Spiele ständen.

Der Erzbischof von Bork befaßte sich vor der Konvokation der Erzdiözese Bork mit demselben Thema und sprach sich für ein entschie­denes Vorgehen zur Verminderung der Leiden der von der Sowjetregierung verfolgten Gläu­bigen aus.

Für die Katholiken Großbritanniens er­klärte Kardinal D o u r n e. Erzbischof von West­minster, in Hatfield, daß die Fortsetzung der Re- ligionsverfo^gungen in Sowjetrußland nicht nur für Rußland, sondern für die ganze Welt zu vernichtenden Ergebnissen führen mühten und daher alle Anstrengungen für die schleunige Ein­stellung dieser Verfolgungen gemacht werden mühten.

Der Kamps um die Prohibition.

Washington, 12. Febr. (WTD.) Eine öffentliche Aussprache im Rechtsausschuh des Repräsentantenhauses über die Prohibition be­gann mit einer Verurteilung des Prohibitions- gesehes durch den Vorsitzenden des Ausschusses, G r a b a in, und einer Reihe sensationeller Be­schuldigungen und Behauptungen über die in zahlreichen Großstädten herrschenden Verhält­nisse bei der Durchsührung des Gesetzes. Graham erklärte, das Prohibitionsgesetz werde seit 10 Jahren ohne befriedigende Ergeb­nisse durchgeführt. Der Washingtoner Mit­arbeiter einer Zeitschrift namens Liggett er­klärte. im ganzen Lande werde jetzt mehr Alkohol getrunken und unter schlimmeren Verhältnissen als vor der Prohibition. Er sprach u. a. von Bierfarmen in Minnesota. Auf einer dieser Formen hätten Schulkinder aus Minneapolis ein Trinkgelage veranstaltet. Lig- gctt schätzt, doh im Distrikt Columbia allein etwa 7164 Liter Alkohol jährlich verbraucht würden. Er erzählte von einer nächtlichen Gesell­schaft in Detroit im vorigen Jahre, an der an­geblich der Gouverneur von Michigan, der Poli­zeichef und vier Richter, teilgenommen hatten. Liagett wies zum Schluß darauf hin, daß er anfänglich das Prohibitionsgesetz unterstützt habe.

Wahlstimmung in USA.

Springfield (Massachusetts). 12. Febr. (WB^) Zum ersten Male wurde in dem hiesigen seityer republikanischen Wahlkreis, in dem der frühere Präsident C o o l i d g e seinen Wohnsitz hat, bei der Ersatzwahl zum Kongreß an Stelle des verstorbenen republikanischen Ab­geordneten mit großer Mehrheit der Demo­krat William Granfieldgewählt. Der Stimmungsumschwung wird zum Teil der dar«

Der Abbau der Volksschule im hessischen Sparprogramm.

Darmstadt. 12. Febr. (WTD.) Von der Pressestelle desHessischen Landeslerervereins" wird u. a. geschrieben: An der hessischen Volksschule wurden in der Aachkriegs- zeit bis heute 517 L e h re r ste l le n ab­gebaut. Glücklicherweise bedeutete das nicht zugleich der Abbau von 517 Klassen, weil manche Stellen nicht mehr beseht waren, also nur auf dem Papier standen.

Das Sparprogramm der Regierung sieht nun den weiteren Abbau von 205 Lehrer­stellen vor. Dieser Stellenabbau wirkt sich heute restlos auf die Klassen aus. Er bedeutet auch die Aufhebung von 205 Schul­klassen. Run konnte man in verschiedenen halb­amtlichen und nichtamtlichen Veröffentlichungen lesen, daß dieser neue Abbau durchaus nicht von großer Bedeutung sei. So ist es aber leider nicht. Die hessischen Volksschulen wurden im Schul­jahre 1929/30 von 151 426 Schülern besucht, die in 3826 Schulklassen unterrichtet wurden. Die Durchschnittsklassenziffer beträgt also heute 39,5, nicht 35,7, wie behauptet wurde. Es darf nicht übersehen werden, daß bei den 4093 Lehrkräften auch diejenigen mitgezählt sind, die keine Klasse führen, sondern in verschiedenen Klassen ülnterricht erteilen. Das sind die Hand­arbeitslehrerinnen, die technischen Lehrerinnen und die Zeichenlehrer.

Nach dem Abbau von 205 Stellen bzw. 205 Klas­

sen sind noch 3621 Schulklassen vorhan­den. Die Durchschnittsktassenziffer beträgt rund 42, nicht 37,7. Und nun kommt noch die Tatsache hinzu, daß wir in den nächsten drei Jah­ren je 10 000 Schüler mehr haben werden als seither. Für das Schuljahr 1930 31, das an Cftern 1930 beginnt, sind es also rund 160 000 Schüler in 3621 Klassen. Die Durchschnittsziffer schnellt auf 44 hinauf. 2m Schuljahr 1931 32 beträgt die Durch sch nittsziffer 47. Im Schuljahr 1932 33 wird die durchschnittliche Besetzungsziffer einer Schulklasse sogar a uf annähernd 5 0, genau 49,7 angewachsen sein. Das ist in nackten Zahlen die Wirkung des Abbaues von 205 Stellen in Verbindung mit dem Anwachsen der Schülerzahl. Sehr viele kleinere Schulen, insbesondere die ein- und zweiklassigen an kleineren Orten, können mit diesen Durchschnittsziffern nicht bedacht werden, da eben die Zahl der Kinder kleiner ist. Man kann diese Schulen aber auch nicht aufheben und mit an­deren Klassen Zusammenlegen. Dieser Umstand be­wirkt ein weiteres Hinauf,chnellen der durchschnitt­lichen Besetzungsziffer, besonders gn Orten mit gro­ßen Schulsystemen. Wir haben vielfach jetzt schon Klassen, besonders Grundschulklassen, deren Be­setzungsziffer zwischen 5 0 und 60 liegt, ob­wohl der Landesdurchschnittnur" 39,5 beträgt. In Zukunft wird die Zahl 60 wohl nicht nur in Einzelfällen überschritten werden.

SerSfreii um dieTvnnage auf ber3lo(lenfonferen$

London, 12. Febr. (WTD.) 3m Verlaufe der heutigen Erörterung im Ersten Ausschuß der Londoner Flottenkonferenz ergab sich, daß Fortschritte nur erzielt werden können, wenn d i e Ziffern jeder Delegation unter­breitet werden. Der Erste Lord der Admi­ralität, Alexander, der den Vorsitz führte, bezeichnete es als wünschenswert, daß alle Ka­tegorien, nicht nur die Kreuzer, nach Verdrän­gung und nach Geschützkaliber bezeichnet werden. Die Japaner unterstützten diese Auffassung, während die Vereinigten Staaten nur mit Dezug auf die Hauptkategorien, nicht be­züglich der Kreuzer, zustimmten. Die Fran­zosen behielten sich ihre Ansicht vor, und die Italiener erklärten, daß sie gegen eine starre Festsetzung individueller Schis,sorrdrängungen seien. T a r d i e u , der an einer starken Erkäl­tung leidet, suchte heute nachmittag Mac Do­nald im Unterhaus auf. Er erklärte, die De- sprechung sei sehr befriedigend verlau- f e n und werde morgen fortgesetzt werden. Auf die Frage, ob die französische Gesamttonnage auf 724 000 Tonnen festgesetzt worden sei, ant­wortete Tardieu, die Gesamttonnage sei noch nicht endgültig festgesetzt worden.

Havas will über die von Frankreich geforderte Tonnageaesamtzifser ungefähre Angaben machen können. Frankreich habe infolge der Kriegsnot- wend'.gkeiten sein Flottenprogramm von 1912, das ihm eine Flotte von etwa 1 150 000 Tonnen gegeben hätte, aufgegeben. Aach dem ge­genwärtigen Flottenbauprogramm werde der Wiederaufbau der französischen Flotte erst 1943 a u f der ungefähren Grundlage von 800 000 Tonnen vollendet sein. Frankreich habe also, praktisch gesehen, bereits eine beträchtliche Herabsetzung seiner Flotte vorgenommen. Aach dem vorge­sehenen Bauprearamm (40 000 Tonnen jährlich) würde die französische Flotte 1937 etwa 725 000 Tonnen betragen. Diese Ziffer scheine die Mindest grenze der Bedürfnisse Frankreichs darzustellen, wenn man berücksichtige, daß die französische Flotte ebenso stark sein müsse, wie die italienische Mittelmeer­flotte (400 000 Tonnen) und der Deutsch­land nach dem Versailler Vertrag erlaubten Aordseeflotte (144 000 Tonnen) und daß die französische Flotte gleichzeitig den Schutz der Verbindungswege mit den französi­schen Kolonien sichern müsse.

Die Philippinen als Tauschobjett.

Amerika und die Flottenansprüche Japans.

London, 13. Febr. (WTD. Funkspruch) Der diplomatische Korrespondent des »Daily Tele­graph" will wissen, daß die amerikanische Dele­gation in den letzten Tagen die Möglichkeit er­wogen habe, den Philippinen in abseh­

barer Zeit die Unabhängigkeit zu ge­währen. Cs werd? gehosft, daß Japan hier­durch zu einer Herabsetzung seiner An­sprüche, die sich bekanntlich auf 70 Prozent der Tonnage Amerikas belaufen, veranlaßt werden würde. Verschiedene Dlätllr berichten, daß am morgigen Freitag oder QI'.fang nächster Woche eine weitere Vollkonferenz abgrhalten werden soll. Das Datum der japanischen Parla­mentswahlen, der 20. Februar, hat einen wichtigen Einfluß auf die Verhandlungen der Londoner Flottrnkonferenz. Selbst wenn die japa­nische Regierung geneigt fein sollte, Zugeständ­nisse zu machen, so würde die Drkanntgabe dieser Zugeständnisse im gegenwärt'gm Auginblick zu einer Aiederlage der Regierung bei den Wahlen führen.

Briand hinter den Kulissen.

Ausbau des Ketloggpakts.

Paris, 13. Febr. (CAD. Funkspruch.) Die Rolle D r i a n d s , der in den letzten Wochen von Tardieu derart in den Schatten gestellt wurde, daß man feine Anwesenheit bei den inter­nationalen Verhandlungen fast vergessen hatte, scheint, nach Londoner Berichten, wieder ak­tiver zu werden. Das Hauptziel der französi­schen Außenpolitik, die Aufrechterhaltung des Status quo durch Schaffung von Sank­tionsmöglichkeiten gegen widerspenstige Staaten, hat Driand auch wahrend der Flotten­konferenz nicht aus dem Auge verloren. Wie das Oeuvre" meldet, hat er gestern mit Henderson und Stimsongewisse Maßnahmen zum Ausbau des Kelloggpaktes" erörtert. Aachdem der Gedanke eines Mittelmeer- Paktes, wie ihn Frankreich in seinem Memo­randum vom 20. Dezember angeregt hatte, nicht das erwartete Echo gefunden hat, so gehen die französischen Demühungen dahin, eine Verpflich­tung der Unterzeichner des Kelloggpaktes zu er­reichen, sich im Falle einer Kriegsdrohung zu oerständigen, eine Verpflichtung, wie sie Frankreich, Amerika, Japan und England hinsichtlich des Abkommens über den Stillen Ozean vom Dezember 1921 übernommen haben. Damit würden die Einwendungen, die zum Bei- spiel Rußland gegen die amerikanischen Vor­stellungen im Chinakonflikt erhoben hat, künftig unmöglich. Außerdem soll die Versorgung eines Landes, das den Kelloggpakt verletzt, mit Waffen, Munition und Lebens­mitteln unterbunden werden. Hierbei würde sich Frankreich allerdings mit den angel­sächsischen Mächten über das grundlegende Pro­blem der Freiheit der Meere auseinander- zusehen haben, und man weiß, daß gerade der Präsident der Vereinigten Staaten die Ander- lehlichkeit von Lebensmittelfchif- fen im Kriegsfälle befürwortet.

niederliegenden Geschäftslage, zum Teil der Gegnerschaft gegen die Pro­hibition zugeschrieben.

Krönungsfeier des Papstes.

Stadt des Vatikans, 12.Febr. (WB.) Aus Anlaß der achten Wiederkehr der Krönung des Pap­stes fand in der Sixtinischen Kapelle eine feierliche Zeremonie statt, an welcher der König von Schweden, das beim Heiligen Stuhl akkre­ditierte Diplomatische Korps, der römische Adel, die Schwester und der Neffe des Papstes und zahlreiche geladene Gäste teilnahmen. Der P a p st trug einen weißen Mantel und das Messegewand, das ihm von der italienischen Regierung zürn Ge­schenk gemacht worden ist. Ihm gingen 23 Kardi- näle voraus. Nach seinem Einzug in die Sirtinifche Kapelle verrichtete der Papst ein kurzes Gebet und nahm dann an dem Thron Platz, wobei Kardinal S i n o e r o die Messe zelebrierte. Sodann erteilte der Papst den apostolischen Segen. Im Parlamen- ten-Saal drückte Kardinal-Dekan Vanutelli dem Papst die Glückwünsche des Heiligen Kollegiums aus.

In Berlin zelebrierte in der Hedwigsbasilika Bischof Dr. Schreiber ein Pontifikalamt. Als Vertreter des Herrn Reichspräsidenten nahm an erster Stelle im Presbyterium Der Reichsminister für die besetzten Gebiete Dr. Wirth teil. Als Ver­treter des Reichskanzlers war Staatssekretär Dr. Pünder erschienen. Ferner nahmen unter der Führung des Vizepräsidenten des Reichstags Dr. Esser zahlreiche Vertreter des Reichstags teil. Wei­ter waren die Reichsminister Dr. ® r o e n e r, Schätze! und Dr. Stegerwald und in Ver­tretung des Reichsaußenministers Staatssekretär von Schubert erschienen. Das Diplomatische Korps war u. a. durch die Botschafter von Frank­reich und Spanien sowie durch die Gesandten von Oesterreich, Rumänien und Ungarn vertreten.

Aus aller Wett.

Das Koblenzer Stadttheater vor der Schließung.

Der Fehlbetrag im städtischen Gesamt­haushalt hat sich für das neue Rechnungsjahv wiederum wesentlich erhöht und wird in einem Voranschlag der Stadtverwaltung a u 1 800000 Mark geschätzt. Hierdurch ist die Frage von Einsparungen und leider auch wieder die der Schließung des Theaters akut geworden. Das Theater beansprucht einen Zuschuß von jährlich 300 000 Mark, d. h. an diesem Zuschuß ist das städtische Or­chester durch ganzjährige Verpflichtung (das Künstlerpersonal ist nur acht Monate tätig) und das über 100 Jahre besteh, nde Musikinstitut (Sinfoniekonzerte) wesentlich beteiligt. Eine Auf­gabe der Etatsposition bedeutet nicht allein eine Aufgabe des Theaters, sondern auch die Aus­lösung des Orchesters und die Einstellung der Sinfoniekonzerte, also eine Lahmlegung jedweder künstlerischer und musikalischer Veranstaltungen in Koblenz. Dem Orchester ist zum 1. April be­reits gekündigt. Zur Zeit wird noch die Frage der Fortfichrung des Schauspiels geprüft. Sogar hierfür bestehen in Anbetracht der all­gemeinen Finanzlage große Dedenken.

Schweres Bauunglück in Berlin.

Auf dem Karstadt-Aeubau in der Charlotten­burger Straße in Weißensee trug sich ein schwerer Bauunfall zu. Während der Frühstücks­pause, als sich die Arbeiter auf einem Platz versammelt hatten, stürzte plötzlich die über ihnen befindliche Decke ein und begrub alle Personen unter sich. Drei wurden durch die Trümmer auf der Stelle getötet, während zwei schwer und einer leicht verletzt wurde. Die Feuer­wehr war mit entsprechenden Rettungsgeräten sofort zur Stelle und machte sich an die Bergung

der Verunglückten. Es handelt sich hauptsächlich um Rohrleger und Zimmerleute, die in den Kellerräumen des Reubaues beschäftigt waren, als plötzlich gegen neun Ahr die Keller- decke infolge äleberlastung mit gefüll­ten Zementsäcken in einer Ausdehnung von etwa 16 Quadratmetern einstürzte. Der Polier Kracht ist von der Polizei vorläufig fest genommen worden. Er hatte Anweisung gegeben, in den Parterreraum des Aeubaues, in welchem bereits 75 Zentner Zement lagerten, von denen erst wenige verbraucht waren, eine neue Ladung Zement von abermals 75 Sack hiw- zustapeln. Somit war der Fußboden mit etwa 130 Zentner Zement belastet. Kracht gibt zu, es verabsäumt zu haben, sich über die noch vor­handene Wenge Zement hinreichend zu unter­richten, bevor er die Anweisung gab, die neue Sendung zu der alten zu packen.

Die Lage betMünchen".

Der Aeuhorler Qkrtretcr des Dorddeutschrn Lloyd erklärte, daß der LloyddampserMün­chen" sicherlich stark beschädigt sei. jedoch könne von einem völligen Verlust nicht die Rede ein. DieMünchen" sei infolge der von der Feuerwehr Hinringepump ten Wassermen­

gen vom Heck bis zum Mittschisf auf den Fluhboden gesunken. Ter Bug des Schisses schwimmt bei Hochwasser, während das Heck unter Wasser steht. Der 'Vertreter d:s Lloyd betonte ausdrücklich, daß sich an Bord eine absolut einwandfreie nicht euergrfährliche Ladung besu d.nha.e. Man will versuchen, nach der Untersuchung durch Taucher das Schiff abzudichten und auszppumpen. Es wird erst später scst- gestellt werden tonnen, ob dieMünch n" mit eigener Kraft ober im Schlepp nach Bremen zu­rückgebracht wird. Der Untergrundbahn* verkehr von Aeuhork nach Hobo'en und Äew Jersey, der eingestellt wurde, weil das Wrack derMünchen" direkt über dem Dahntunnel ge­sunken war, ist wieder ausgenommen wor­den. Die leitenden Ingenieure sind nach einet genauen Untersuchung zu der Ansicht gekommen, daß der auf dem Tunnel lastende Druck nicht so groß fei, um einen Bruch der Decke herbei­zuführen. Das Heck derMünchen", das sich an einer von dem Tunnel entfernten Stelle auf den Fluhgrund aufstüht, nimmt nach Ansicht der Fachleute den größten Teil der gesamten Last des gesunkenen Schiffes auf.

Gasfernversorgung in der Schwei;.

3n einem der wasserreichsten Gebiete bet Schweiz, bem Kanton Wallis, ist soeben mit 6-4 gegen 99 Stimmen ber Bau eines neuen Gas­werks in Sitten bewilligt. C3 wurden fernen Kredite für die Gasfernverf orgung von Cknppes und dem Kurort Montana bereit gestellt (Francs 1 400 000).

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12.Feoruar. 1930,7h aDds.

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Wettervoraussage.

Der hohe Druck wird durch das weiter südliche Vorgreifen der nördlichen Störung langsam abge- schwächt. Im nördlichen Deutschland hat ozeanische Luft bereits wieder geringen Temperaturanstieg verursacht, während in Mittel- und Süddeutschland die Temperaturen noch unter Null liegen. Bayern, das mit im Hochdruckkern liegt, hat durch die stellenweise vorhandene Schneedecke weiter starken Frost. München meldete heute morgen noch minus 16 Grad. Die Wetterlage erfährt eine langsame Um­gestaltung, und auch die Temperaturen kommen all- mählich zum Anstieg. Nebelbildung und Bewölkung herrschen vor, bei später zunehmender Niederschlags­neigung.

Wettervoraussage für Freitag, Rebclig-wclliges Wetter, allmählich etwas mil» ber, auskommenbe Aiederschlagsneigung.

Lufttemperaturen am 12. Februar: mittags 3,1 Grad Celsius, abends 0,3 Grad, am 13. Februar.- morgens 1 Grad. Maximum 5,7 Grad, Minimum 1,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. Februar: abends0,2 Grad; am 13. Fe­bruar: morgens 0 Grad Celsius. Sonnenschein­dauer 7K Stunden.

Amtliche Dintersportnachrichten.

Vogelsberg. Hoherodskopf: Heiter, 3 Grad, 13 cm Schnee, teils Pulverschnee, teils ver­harscht, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut bis sehr gut. Herchenhainer Höher Heiter, 2 Grad, 10 bis 15 cm Schnee, etwas ver­harscht, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut.

Taunus. Kleiner gelb berg: Heiter, minus 3 Grab, 12 cm Schnee, etwas verharscht, Sportmöglichkeit für Ski möglich, für Rotel gut

Schwarzwal b. gelb berg: Heiter, minus 3 Grab, 98 cm Schnee, verharscht, Sportmöglich­keit für Ski unb Rodel sehr gut

Alpen. Garmisch - Partenkirchen; Heiter, minus 9 Grab, 10 an Pulverschnee. Sport­möglichkeit für Ski und Rodel sehr gut.