Mädchen (Leitung Herr Eberle) und gemeinsame Lieder abwechselten, die die Feier harmonisch ausklingcn ließen.
chGrünberg.11. Jan. Vor einigen Tagen hielt der hiesige Ob st- uno Gartenoauverein einen Rundgang zwecks Besichtigung der Obstanlagen unter Sei hing von Obstbau: f.-cito: Enk- ler (Gießen) ab, an dem etwa 40 Personen teilnahmen. Der Leiter des Rundganges verstand es in ausgezeichneter Weise, den Interessenten alles praktisch vor Augen zu fuhren, so daß es für jeden Teilnehmer ohne weiteres verständlich war. 3m einzelnen konnte festgestellt werden, daß die Böden unserer Gärten, in denen schon seit Jahrzehnten und noch länger Obstbäume stehen, meistens für Kernobst bäummüde sind und hier in erster Linie das Anpflanzen von Steinobst (Kirschen. Zwetschen und Pflaumen), allenfalls auch Dirnen erfolgen sollte. Eine durchgreifende Kalkung sollte unter allen Umständen für die zur Zeit stehenden Bäume durchgeführt werden. Ferner wurde die Rotwendigkeit der Düngung für Obstbäume betont und Richtlinien für die Anwendung und das ^lnterbringen der Dünger gegeben. Es wurden weiter an einzelnen . Bäumen das Verjüngen, Llmpfropfen, Schneiden, wie es falsch und richtig ist, gezeigt, Aufklärungen über die Möglichkeit einer Ilmveredelung und die aufzupfropfenden Sorten usw. gegeben. Sehr häufig konnten auch die mannigfaltigsten Schädlinge pilzlicher und tierischer Art festgestellt werden, so Apfelsauger, Schildläuse, Frostspanner, Borkenkäfer, Monilia, Krebs, Gummifluß usw., wobei jeweils die entsprechenden Bekämpfungs- mahnahmen angegeben wurden. Der Rundgang kann als wohlgelungen bezeichnet werden. Rach einer kleinen Kostprobe von Dirnen, die im 3ahre 1929 zum erstenmal ihre wirkliche Güte verraten haben, gereicht durch Forstrat Eckstein, dankte der Vorsitzende Obstbauinspektor E n k l e r für die ausgezeichnete und außerordentlich lehrreiche Führung.
f Obbornhofen, 11. 3an. Die Landwirtschaftskammer für Hessen verlieh dem Taglöhner Hermann Reitz II., der 26 3ahre ununterbrochen im Dienste bei Oberamtmann Bornemann und Gutspächter Hans Seifert gestanden hat, eine Urkunde für treue Dien st e nebst einer Dronzemedaille. Eine Ehrenurkunde für 21jährige treue Dienstzeit erhielt der Kutscher und Hofmeister Adolf Kammer, ebenfalls auf dem hiesigen Hofgut beschäftigt. Ein so langes Arbeitsverhältnis gereicht sowohl dem Arbeitgeber als auch den Arbeitnehmern zur Ehre.
Kreis Friedberg.
WER. A s s e n h e i m bei Friedberg, 11. 3an. Während die Mutter eines zehnTage alten Kindes häusliche Arbeiten verrichtete, geriet ein Korb, in dem der Säugling lag, und der in der Rahe des Herdes stand, i n B r a n d. Als die Mutter zurückkehrte, stand der Korb in Hellen Flammen. Das Kind erlitt furchtbare Brandwunden und ist nach seiner Einlieferung in das Friedberger Krankenhaus ge- st o r b e n.
s. Wohnbach , 12. 3an. Einen bedauerlichen 11 nglücksfall erlitt der 44jährige Bergarbeiter Wilhelm Eichenauer von hier, der auf der Grube „Friedrich" beschäftigt ist. Er wollte bei Beginn der Tagschicht einen während der Rachtschicht stehengebliebenen Kohlenwagen durch die Maschine, die bereits auf einem neuen Gleis stand, vorziehen lassen, und zwar mittels eines um eine eiserne Rolle gelegten Seiles. Beim Anziehen der Lokomotive riß die Rolle los und schlug dem Arbeiter den Unterschenkel eines Beines durch. Der bedauernswerte Mann wurde sofort mit dem Gießener Sanitätsauto in die chirurgische Klinik verbracht.
Kreis Büdingen.
]:[ Hirzenhain, 12. 3on. Durch die gegenwärtige ungünstige Wirtschaftslage veranlaßt, sind auch im hiesigen Duderusschen Eisen-
Der Tram vom W.
Roman von E. Lovett und M. v. Weißenthurn.
Copyright by Marie Brügmann, München.
9. Fortsetzung. Raddruck verboten.
Halb amüsiert, halb verwundert erhob sich Doris vom Sofa, das ihre Gefährtin während des Gesprächs mit Hagenau bereits verlassen hatte, um seinem Wunsche zu willfahren.
Als beide nebeneinander durch den Salon schritten, gab er ihr die Erklärung für seine Bitte.
„3ch habe mit 3hnen zu reden," begann er, sobald sie das Musikzimmer betreten hatten. „Bitte, spielen Sie etwas gedämpft, so daß ich inzwischen zu>3hnen sprechen kann, ohne daß uns ein Dritter hört!"
äleberrascht und mit geröteten Wangen trat Doris an das Klavier, öffnete es und ließ sich ohne Zögern nieder.
Hagenau zog einen Sessel herbei und nahm an ihrer Seite Platz.
„Brauchen Sie keine Roten?"
„Rein, ich spiele immer auswendig!" antwortete sie und lieh dabei chre Finger leicht über die Tasten gleiten. „Sind Sie denn ein Musikfreund, Herr Rechtsanwalt?" fragte sie hierauf in scherzendem Ton, da sie seine Antwort auf ihre Frage im voraus zu wissen glaubte.
„Richt im mindesten!" bestätigte er chre Vermutung. „3ch fliehe die Musik sogar; aber zuweilen finde ich sie doch ganz nützlich, denn ohne ihre Hilfe wüßte ich zum Beispiel nicht, wie ich Sie von jenem Sofa im Salon hätte entführen können. 3hre Nachbarin hätte Sie ohne meine Dazwischenkunft wahrscheinlich den ganzen Abend nicht freigegeben."
Doris schwieg und begann in gedämpften Tönen die Träumerei von Schumann zu spielen. Sie war keine brillante Spielerin; doch ihre musikalischen Leistungen wurden ja auch nur verlangt, wenn keine Gäste im Hause waren und ihr Onkel eine sanfte Melodie als Mittagsschlummerlied wünschte. 3hr heutiger Vortrag schien indessen das Gegenteil zu bewirken; denn das zuerst nur schwache Stimmengewirr schwoll mehr und mehr an und ging in eine allgemeine, laute Unterhaltung über.
„Das ist recht; bringen Sie die Gesellschaft durch 3hr Spiel nur tüchtig zum Schwatzen!" hörte sie Hagenau sagen.
„Wissen Sie auch, daß Sie nicht besonders artig mit mir find, Herr Rechtsanwalt?"
„Rein, das bin ich nicht; ich denke auch nicht an Artigkeiten, sondern nur daran, mir 3hre Hilfe zu sichern."
Deutsche Volkspartei und HeWhes Landescheater
WSN. Darmstadt, 11.Ian. In einer Mit- gliedcrvcrsammluna der Deutschen Volkspa r> t e i befaßte man sich gestern abend mit dem Hessischen Landestheater und den Gerüchten über eine Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Mainz.
Das Referat hielt Landtagsabgeordneter Dr. Keller (Büdingen), der dem Theaterausschuß des Hessischen Landtags angehört. Dr. Keller erklärte, der Abgeordnete habe die Pflicht, seine Zustimmung zur Verausgabung von Staatsmitteln abhängig zu madjen von seiner Einschätzung der künstlerischen Tätigkeit des Theaters. Der von der Verwaltungskommission des Landestheaters zuge- gcbene Fehlbetrag von 1,6 Millionen M k. sei eine außerordentlich« Etatsüberschreitung, wenn auch zwangsläufige Ausgabensteigerungen zugegeben werden müßten. Untragbar sei aber, daß der Fehlbetrag mehr als doppelt so groß sei, wie die gesamten Einnahmen. Unter der Regie des jetzigen Intendanten sei die Absicht des Dichters vollkommen umgebogen worden, und man habe die Kunst zur Dirne der Politik gemacht.
Justizrat Dr. Bender (Darmstadt) erklärte, er könne an der Art der Aufführungen nichts beanstanden. Mißgriffe kämen überall vor, und es seien anderseits auch ganz ausgezeichnete Stücke heraus- gekommen. Daß der Generalintendant Professor Ebert der Sozialdemokratie angehöre, sei bekannt; er habe aber versprochen, seine politische Anschauung nicht durch sein Amt zu propagieren. Der Redner warnte dringend vor einem Sturm auf den Intendanten. Ausschlaggebend fei
allein, wie das Defizit verringert werden könne. Dieses Defizit beruhe nicht auf persönlichen Gründen, sondern liege in den Zeitläuften, wie an allen Theatern. Man möge di« Verhandlungen mit der Stadt Mainz abwarten.
Für bie jungen Volksparteiler erklärte Rechtsanwalt Dr. Mattern das Abrücken von der derzeitigen Theaterleitung wegen ihrer politischen Tendenz in der Spielplangestaltung und Aufführung.
Rach einer längeren und lebhaften Aussprache fand die nachstehende Entschließung Annahme: „Die Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Darmstadt der Deutschen Volkspartei ist der Auffassung, daß das Landestheater als vornehmstes KunstinftUut des Landes Hessen in der Stadt Darmstadt unbedingt zu erhalten ist. Die Versammlung ist der Ueberzeuaung, daß die jetzige Theaterleitung sich nicht von einseitigen künst- lerischen und sonstigen Tendenzen frei hält, die mit dem Charakter eines mit öffentlichen Mitteln unterhaltenen Landestheaters unvereinbar find. Die Versammlung ersucht deshalb di« Landtagsfraktion und die Darmstädter Stadtratsfraktion der Deutschen Volkspartei, bei den kommenden Etatsverhandlungen ihre Zustimmung zum Haushalt des Landestheaters nur dann zu geben, wenn der Fortbestand des Landestheaters ohne eine Verbindung mit auswärtigen Theatern und unter einer Leitung gesichert ist, deren künstlerische und kulturelle Einstellung der Mehrheit des hessischen Volkes mehr als bisher entspricht."
werk gewisse Detriebseinschränkungen erforderlich geworden. Die zur Zeit der Hoch- saison für Oefen eingestellten; etwa 50 Zeitarbeiter (bei einer Gesamtbelegschaft von über 1000 Mann) sind, wie alljährlich, jetzt wieder entlassen worden. 3n einer Abteilung des Werkes ist Kurzarbeit eingeführt, dagegen wird in den übrigen Abteilungen zunächst noch voll gearbeitet.
Kreis Schotten.
V Gedern, 10. 3an. 3n Würdigung und Anerkennung ihrer 12jährigen treuen Pflichterfüllung erhielt Lina Ort wein, die bei Gastwirt Seipel dahier in Stellung ist, von der Landwirtschaftskammer ein schönes Diplom als Auszeichnung übersandt.
Kreis Alsfeld.
WSR. Alsfeld, 12. 3an. Ein junger Arbeiter aus Schadenbach war in dem Ar- beiteraufenthaltsraum des Bergwerks Bleidenrod damit beschäftigt, in dem Ofen Feuer anzumachen. Hierbei schlugen plötzlich die Flammen der Feuerung zurück und setzten die Denzolkanne, mit deren Hilfe das Feuer entfacht worden war, in Brand. Die Flammen ergriffen im Augenblick auch die Kleider des Arbeiters, der im Ru lichterloh brannte. Rur dadurch, daß er sich geistesgegenwärtig auf dem Boden wälzte, konnten die Flammen 5um Erloschen gebracht werden. 3mmerhin hat er erhebliche Brandwunden im Gesicht und an den Händen davongetragen.
preuhen.
Kreis Wetzlar.
<5 Krofdorf, 10. Jan. Am Mittwoch fand hier die erste Sitzung der neugewählten Amtsvertretung des Amtes Atzbach statt. Die Amtsvertretung besteht unter dem Vorsitz des Bürgermeisters aus 13 Verordneten und 7 Gemeindevorstehern, wovon 6 Verordnete und 5G-e- meindevorsteher wiedergewählt sind. Zu der Sitzung waren sämtliche Mitglieder erschienen. Der Vorsitzende, Bürgermeister Drockmeie r,
eröffnete die Sitzung, begrüßte die Abgeordneten und wünschte ihnen aus Anlaß des 3ahres- wechsels Glück. Er wies darauf hin, daß rund zwei Drittel der Mitglieder der alten Amtsvertretung auch in die neue A,ntlv:rtr?tung gewählt feien. Es fei dies ein großes Maß von Vertrauen, welches die Bürgerschaft den Gewählten entgegengebracht habe und auf das diese stolz sein könnten. Der Bürgermeister begrüßte sodann Landrat Miß aus Wetzlar, der mit Krcisbaurat Veit gekommen fei, weil ihn besonders der Erlaß einer neuen Baupolizei- Gebührenordnung interessiere, hoffend, daß sich eine befriedigende Lösung dieses Gegenstandes finden ließe. Hierauf folgte die Einführung der neuen Amtsvertretung. Der Vorsitzende führte dazu u. a. aus, es sei ihm ein Bedürfnis, der allen Amts- vertrelung für ihre Mitarbeit zu danken. Läge die Tätigkeit des Amtes auch mehr in dem Bereich der staatlichen Auftragsangelegenheiten, so feien doch die Gemeinden unter der Mitwirkung des Amtes weiter gefördert worden, soweit die schwierigen Zeit- und Geldverhältnisse dies zugelassen hätten. Kurz zu erwähnen fei die Verbesserung des Wegewesens, der Schulen, einiger Kirchen, der Elektrizitätsversorgung, die Anlage neuer Wasserleitungen usw., ferner die Maßnahmen zur Behebung der Wohnungsnot. 3m 3ahre 1927 seien im Amtsbezirk 66, im 3ahre 1928 = 90 und im 3ahre 1929 — 61 neue Wohnungen besagen worden, während 35 neue Häuser noch im Rohbau ständen. Anzuerkennen sei die Tätigkeit der Rheinischen Weh ungsfürsorgegesellschaft und die finanzielle Mithilfe des Kreises auf dem Gebiete der Wohnungsfürsorge. Der Vorsitzende bat schließlich die neuen Verordneten um ihre ersprießliche Mitarbeit und führte sie durch Handschlag ein. Als Beigeordnete wurden einstimmig gewählt: Landwirt und Maurer Wilhelm Mandler zu Krofdorf, Landwirt Wilh. Leib zu Krofdorf und Schreinermeister Ludwig Fiedler zu Dorlar. Es wurde dann eine gemeinsame Finanz- und Baukommission, bestehend aus sechs Mitgliedern, gebildet und in diese Korn-
„Meine Hilfe?" wiederholte sie verwundert und zugleich ein wenig geschmeichelt. „3nwiefem könnte ich 3hnen helfen?"
„Doch, doch, Sie könnten mir sehr helfen, wenn Sie einwllligten, meine Verbündete zu fein.“
„3ch weiß nicht, Herr Rechtsanwalt, ob 3hnen meine Stellung hier im Hause bekannt ist. 3ch bin keine direkte Richte von Herrn und Frau von Wildhofen, sondern nur die Tochter eines sehr entfernten Verwandten und aus Mitleid aufgenommen worden; daher ist meine Stellung eine bescheidene und abhängige. 3ch bin eigentlich nur Gesellschafterin und erscheine in größerem Kreise nur ausnahmsweise an der Tafel. Was könnte ich also tun?“
„Aber reden Sie doch nicht so töricht!" unterbrach er sie ungeduldig. „Was in aller Welt denken Sie, daß ich mich um 3hre Stellung kümmere? 3ch sehe, daß Sie eine sehr verständige, junge Dame sind, und das genügt mir vollständig. Aber bitte, halten Sie nicht im Spiel inne,“ fuhr er fort, „da ich jetzt zu dem eigentlichen Zweck unseres Gesprächs übergehe: Ob Kurt 3hr richtiger Vetter ist oder nicht, ich setze doch voraus, daß Sie ein gewisses 3ntereffe an ihm nehmen."
„Sicherlich!" entgegnete Doris, die, bei feinen letzten Worten etwas verlegen geworden, jetzt aber sehr ernst war.
„Run, Kurt ist einer meiner ältesten Freunde und ein sehr lieber Mensch, für den ich aufrichtige Zuneigung hege. 3ch kann deshalb nicht schweigen und ruhig zusehen, wie man ihn in unerhörtester Weise betrügt.“
Sie nickte verständnisvoll.
„3ch täusche mich wohl kaum, wenn ich annehme, daß Sie recht gut wissen, was ich meine," fügte er hinzu, „daß nämlich jene beiden 5rau.cn, die sich von Rechten nennen, nicht das sind, wofür sie sich ausgeben."
„3ch weiß es," sagte Doris mit fester Stimme.
„Gut! Dann werden Sie mir auch helfen wollen, meinen Freund aus den Retzen jener Frauen zu befreien.“
Sie vermochte nicht gleich etwas zu erwidern; chre Finger flogen erregter wie zuvor über die saften. Sie spielte eine bekannte Operettenmelodie. Rach einer Weile sagte sie:
„Sie glauben, daß er in Gefahr ist?"
„3a, ich merkte sofort, daß er sich in höchstem Grade für die Tochter begeistert hat. Er hat mir sogar anvertraut, daß er die feste Absicht habe, sie um ihre Hand zu bitten.“
»Sie meinen also — ?" stammelte Doris
„3ch meine, daß hier keine Zeit zu verlieren ist; denn diese Heirat darf nie und nimmer zu- Nande kommen. Hören Sie mich an, Fräulein Harter! Vor zehn 3ahren — ich war damals noch ein ganz junger Assessor — hatte ich jene
Dame, die sich heute Frau von Rechten nennt, gerichtlich zu verhören. Es handelte sich um eine bedeutende Banknotenfälschung, die von zwei Schurken verübt worden war. Einer davon war der Gatte jener Frau, der andere hieß Lankwitz; beide waren Bankbeamte. Auf Veranlassung eines Verteidigers wurde diese Frau von Rechten ebenfalls gerichtlich vorgeladen, und mir fiel es zu, fie und ihr Dienstmädchen, das auch in die Sache verwickelt fein sollte, zu vernehmen. Beide vermochten ihr Alibi nachzuweisen, und Lankwitz, der augenscheinlich ein intimer Freund der Gattin seines Kollegen war, verdankte es hauptsächlich ihrer Aussage, daß er besser, als er es verdiente, davonkam — nämlich mit zwei 3ahren Gefängnis, während ihr Mann, als der Hauptschuldige, zu zehn 3ahren verurteilt wurde. Obwohl es damals an Beweisen mangelte, nahm man allgemein an, daß sowohl Frau Klimar — das ist der wahre Rame jener Frau — als auch ihr Dienstmädchen bei der unsauberen Geschichte ihreHände im Spiele gehabt hatten. So viel aber steht fest, daß Frau Klimar die Gattin eines schwerbestraften Fälschers ist, der wahrscheinlich noch lebt und vor dem sie keinen Augenblick sicher ist. Fräulein Klimar ist die Tochter dieses Verbrechers und deshalb als Gattin meines Freundes unmöglich."
„Warum sagen Sie ihm das alles nicht selbst?" forschte Doris nach einer kurzen Pause.
..Aus verschiedenen Gründen! Erstens ist es kaum zulässig, daß ich, der ich soeben erst als Gast hier aufgenommen bin, sofort andere, schon anwesende Gäste verdächtige. Sie weilen mit mir hier unter einem Dach und besitzen die Freundschaft und das Vertrauen unserer Gastgeber. Zweitens würde es mir kaum gelingen, Kurt zu überzeugen; denn er ist bereits viel zu tief in die Retze dieser Circe verstrickt."
Hagenaus graue Augen hatten mit ernstem Ausdruck auf dem Gesicht des jungen Mädchens geruht, und dem geschickten Beobachter und Menschenkenner konnte es nicht entgehen, wie bei seinen letzten Worten ein trüber Schatten über die klaren Züge flog.
„3a, glauben Sie mir das,“ bekräftigte er noch einmal das Gesagte, „mit einem verliebten Menschen ist nichts anzufangen, und es wäre unklug, einem solchen gegenüber ein Rachteiliges über sein 3deal zu äußern."
„Run aber, wie könnte ich da —"
„Rein, Sie können es nicht! 3ch stelle 3hnen keine so hoffnungslose Aufgabe, sondern bitte tne, sich an das junge Mädchen, dieses sogenannte Fräulein von Rechten, selbst zu wenden." — „Oh, Herr Rechtsanwalt!"
„Warum erschrecken Sie so? 3ch hoffe, eS werden schon wenige Worte genügen. Sie müßten ihr einmal so. daß es niemand merkt, mitteilen,
Mission gewählt: Karl Bepler, Gemelndevor- steh:r, Klnzerbach; Ob^rbauau jeher Ehr. Becker zu Atzbach; Anstreichermeister Herrn. Schleenbecker zu Krofdorf; Lehrer Fritz Gaß zu Dutenhofen; Schlosser Heinrich Säumer zu Garbenheim und Gewerkschaftsangestellter Karl Kuhn zu Atzbach. Eine neue Baupolizei- Gebührenordnung wurde nach eingehender Aussprache angenommen. Die Gebührensätze der bisherigen Gebührenordnung sind sehr niedrig, die neuen Sätze sehen zwar eine Erhöhung vor. sind jedoch im Verhältnis zu den auf dem Gebiete der Bauverwaltung entstehenden Ausgaben und im Vergleich zu den Gebührensätzen benachbarter Kreise und Städte immer noch mäßig gehalten. Bei der Gemeindekasse wird, dem Bedürfnis entsprechend, ein abgebauter Gehilfe einstweilen wieder eingestellt. Bei einer in absehbarer Zeit auf der Kasse zu erwartenden Vakanz einer ” anderen Gehilsenstelle behält die Vertretung sich erneute Te'chlußsaffung v?r. Amtssekretär G o p - Pelt erhält die Amtsbezeichnung Amtsober- sekretär. Die alljährlichen Sammlungen für den Eefan^enensürforgevevein, das Rote Kreuz, den Blindenfürforgeverein und für den Hilfsverein für Geisteskranke wurden durch eine auf die Amtskasse übernommene, alljährliche Zahlung abgelöst. Für die Förderung des Büchereiwesens wurde ein einmaliger Betrag bewilligt.
Kirche und Schule.
= ©rünberg, 11.3an. Wie alljährlich, fand auch dieses 3ahr in den letzten Tagen die Reu- jahrskonferenz des DekanatesGrün- berg hier statt. Alle Pfarrer mit einer Ausnahme hatten sich eingefunden, der Superintendent war anwesend. Pfarrer Diehl (Freienseen) hatte die Eröffnung, darauf begrüßte der Dekan die Erschienenen und den Oberkirchenrat. Die geschäftlichen Verhandlungen waren so ausgedehnt, daß der Vortrag von Pfarrer König (Groß-Eichen) auf die nächste Konferenz verschoben werden mußte.
J- Vidda, 8. 3an. Am Montag fand hier dis Reujahrskonferenz der Geistlichen des Dekanats Ridda in Anwesenheit des Superintendenten für Oberhessen statt. Dekan S c r i b a wies in einer kurzen Ansprache im Anschluß an Apostelgeschichte 6,7 auf die schwierigen Aufgaben des Pfarramts in der gegenwärtigen Zeit hin. Rach Begrüßung der nahezu vollzählig erschienenen Amtsbrüder behandelte die Kon- ferenz zunächst geschäftliche Dinge. 11. a. konnte der Vorsitzende die erfreuliche Mitteilung machen, daß die neue Dekanatsschwester Lotte Daum die Arbeit aufgenommen hat und allen Dekanatsgemeinden, insbesondere bei schweren Krankheitsfällen zur Verfügung steht. Bei dem Reise- plam, der im Dekanat für Missionar Lauk- Frankfurt für den Monat Februar aufgestellt ist. wurde auch auf die llnterstühung der Deutschen Orient-Mi.sion hingewiesen, die seit vorigem 3ahr auch in das Dekanat Ridda ihren Einzug gehalten hat. Das fdjeinbar jetzt zur Regel gewordene Anfahren des Bieres durch die Lastautos gerade an Sonntag- Vormittagen gab der Versammlung Veranlassung, durch das Dekanat Schritte zu einer Beseitigung dieses Uebelstandes in die Wege zu leiten. Sehr lehrreiche Aufklärungen über bil Verhandlungen zwischen Staat und Kirche wegen des Staatszuschusses und über den Schiedsgerichtsvertrag gab Oberkirchenrat Wagner- Gießen. Aus seinen Darlegungen ergab sich, daß nod) viele Schwierigkeiten in diese für die evangelische Kirche in Hessen so wichtige Frage zu überwinden sind. Die geschäftlichen Dinge und die Aussprache über andere zeitgemäße Fragen hatten so lange Zeit in Anspruch genommen, daß her vorgesehene Vortrag von Pfarrer S i e b e ck- Cchzell (Lebensbild des früheren Pfarrers Friedrich Heinrich Christian Schwarz zu Echzell) auf eine spätere Tagung verschoben werden muhte.
daß einer im Hause anwesenden Person etwas über ihren Vater bekannt sei. Sollte dem Fräulein nun daran liegen, das Angedeutete als Geheimnis bewahrt zu wissen, so stellen Sie ihr die Bedingung, Kurt von Wildhofens Hand zurückzuweisen, sobald er sie ihr anbietet. Wenn fie sich dazu bereit erklärt und mit ihrer Mutter sobald als tunlich das Schloß verläßt, mögen beide in Frieden ihres Weges ziehen — wenigstens von meiner Seite soll ihnen kein Hindernis erwachsen. Sie werden einsehen, Fräulein Horter, daß diese Angelegenheit sich besser für weibliche als für männliche Hände eignet.“
„Es ist für mich eine zu schwere Aufgabe, Herr Rechtsanwalt!“ antwortete Doris in entschlossenem Ton.
,,3d) sehe keinen Grund, warum Sie sie nicht übernehmen sollten," beharrte er. „3ch meine sogar, Sie sind dies 3hren Verwandten schuldig!"
Doris setzte ihr Spiel noch einige Minuten fort, während die widerstrebendsten Gefühle durch ihre Seele zogen. Dann nahm fie die Hände von den Tasten und sagte leise:
„3ch kann 3hnen nicht so ganz beistimmen. Herr Rechtsanwalt. Erstens finde ich es sehr ungerecht gegen Sabine von Rechten, fie für ihres Vaters Schuld und ihrer Mutter Schwindeleien büßen zu lassen. Sie war damals noch ein Kind und mag genügend darunter gelitten haben. Ein Mädchen von zwanzig 3ahren kann unmöglich eine verhärtete Sünderin fein, und wenn Sabine meinen Vetter ebenso heiß liebt wie er sie, dann — ich schwöre Ihnen, Herr Rechtsanwalt, daß ich dann auch nicht das geringste tun werde, um ihr Glück zu zerstören."
Der Rechtsanwalt blickte Doris sonderbar prüfend an. Sie besaß nicht nur Verstand, sondern auch Gemüt.
„Sie würden es also lieber sehen, daß sich 3hr Vetter mit einet Abenteuerin vermählt, die unter falschem *21 amen lebt und ihn wahrscheinlich nur um seines Reichtums willen heiraten wurde?"
Er erwartete ihre Antwort mit Spannung.
„©ie halten mich für feige, weil ich 3hren Auftrag zurückweise," sagte sie leise und sinnend, 11)16 Zu sich selbst. „Aber ich kann einmal dem jun* gen Mädchen keine schlechten Motive zutrauen; lonft — ja, sonst würde ich nicht zaudern, 3hre Wunsche zu erfüllen. Aber so sehr ich auch der Mutter mißtraue, mit der Tochter ist es anders, und Sie wissen aus meines Vetters eigenem 2Kunöe, wie er über sie denkt. Warum soll nun um der Sünde der Eltern willen das Glück zweier Menschen zerstört werden? Rein, Herr Rechtsanwalt, gerade well mir das Glück meines Vetters am Herzen liegt, übernehme ich 3£ren Auftrag nicht."
(Fortsetzung fnlgt.)


