Ausgabe 
13.1.1930
 
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nämlich dem Präsidenten des Rech­nungshofes des Deutschen Reiche-, bekleidet werden muh.

Oie Flottenkonferenz.

Englands Antwort auf das französische Flottenmemorandum.

Paris, 12. San. (WB.) Havas veröffentlicht den Wortlaut der englischen Antwort auf das französische Memorandum in der Flottenfrage vom 20. Dezember vorigen Jahres. Wenn die französische Regierung für eine Beschränkung der Seerüstungen auf Grund der Gesamtton­nage eintrete, so habe die englische Regierung fortwährend sich dafür ausgesprochen, daß man die Probleme der Seeabrüstung durch eine strikte Einschränkung derTYPen, der Tonnagen und der Artillerie sämt­licher Kategorien von Kriegsschlf- f e n behandeln müsse. Jedenfalls aber studiere die englische Regierung sorgsam den Dermitt- lungsvorschlag, den die französische Regierung mache, und sei bereit, über die Möglichkeit irgendeiner auf diesen Vorschlag basierenden Ab­machung zu verhandeln. Die französische Regie­rung weise in ihrem Memorandum weiter auf die enge Verbundenheit der verschie­denen Rüstungsarten hin. Die Inangriff­nahme des Abrüstungsproblems köline aber da­durch erleichtert werden, daß man es in seinen einzelnen Teilen behandele, wie es auf der Londoner Konferenz geschehen solle. Die englische Regierung nimmt zur Kenntnis, daß die französische Regierung einen gegentei­ligen Garantie- und Richtangriffs­pakt für die Mittelmächte anrege. Da sämtliche Mittelmeermächter Mitglieder des Völkerbundes seien, schienen für die gegen­seitige Befragung, falls hierzu Anlaß vor.iege bereits Möglichkeiten zu bestehen. Schon seht sei ein erhöhter Sicherheitsgrad gegeben, doch würde die englische Regierung zu einem Meinungs­austausch mit sämtlichen interessierten Mächten bereit sein.

Oie französisch-italienischen Gegensätze.

Ablehnung der Parität

London, 11.Jan. (WB.)Daily News" be­richtet aus Rom über dieendgültige Ableh­nung" des italienischen Vorschlages der Flottenparität durch Frankreich. In amtlichen italienischen Kreisen sei man über die unnachgiebige Haltung Frankreichs am Vorabend der Konferenz höchst erstaunt. Man sei der Ansicht, daß diese Haltung das Ende des ehrlichen Bemühens bedeute, ein französisch-italienisches Abkommen zu erzielen. Die anscheinende Ent­schlossenheit Frankreichs, seine Rüstungen zu ver­mehren trotz der Tatsache, daß es durch den Lo­carnopakt Bürgschaften gegen einen Angr.ff besitzt, wird nicht verstanden, insbesondere, da die Rüsrun- gen Frankreichs nichtalsreindesensio an« gesehen werden können. Die Standpunkte der beiden Regierungen in der Frage der Abrüstung scheinen mehr als je auseinanderzuaehen. Man hofft, daß der italienische Standpunkt in London Verständ­nis finden werde, da er die wirkliche Abrüstung ver- folge. Italien fei der Ansicht, daß die französische Politik in der Praxis zu einer Rllstungs - Vermehrung, statt zu einer Rüstungsoerminde- rung führen müsse und die Londoner Konferenz von ihren grundlegenden Zielen abbringen würde.

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Der Papst über die moderne Zugenderziehung.

Rom, 11. Ian. (WB.) Aus dem Inhalt einer päpstlichen Enzyklika über Jugender­ziehung, die übr.gens zuerst in italienischer Sprache erschienen ist, sind folgende Punkte hervor­zuheben: Dom Staate verlckngt der Papst, dah er die Bestrebungen der Kirche und der Familie in Er- ziehungssragen unterstützen solle, und zwar beson­ders deshalb, weil «r über weit mehr Machtmittel verfügt als Kirche und Familie. Zwar habe der Staat das Recht, zu verlangen, daß die Jugend einen klaren Begriff von ihren nationalen und bürger­lichen Pflichten bekomme und diese erfülle: Unrecht wäre es jedoch und unsittlich, wollte der Staat sich ein Erziehungs- und Schulmonopol anmaßen, durch das die Eltern gezwungen werden, ihre Kinder nur in Staatsschulen zu schicken. Der Papst bedauert fer­ner einen auf, die Spitze getriebenen Nationa­lismus, wie er sich in letzter Zeit verschiedentlich gezeigt hätte. Auch macht er darauf aufmerksam, daß die militärische Erziehung der Jugend in rechten Grenzen gehalten werden müsse. Der Geist der Kraft sei nicht zu verwechseln mit dem Geiste der Gewalt. Bei dieser Gelegenheit bedauert der Papst auch die übertriebene Bedeu­tung, die man heute den sportlichen Wett­kämpfen beimesse: das-sei schon im Alter­tum ein Zeichen von Dekadenz gewesen. Des weiteren tadelt der Papst die starke Betonung der sexuellen Aufklärung, die jetzt mo­dern sei, als ob durch die Aufklärung allein die Ju­gend vom Laster ferngehalten werden könne. Ge­gen eine individuelle sexuelle Aufklärung unter ge­wissen Umständen habe sich die Kirche nie gesträubt, wenn sie sich als notwendig erwiesen hätte. Der Papst verwirft auch das System der Koeduka­tion, welche auf den Naturalismus zurückzuführen sei, und verlangt die Trennung der Geschlechter nicht nur beim Unterricht, sondern auch bei Leibesübun­gen und bei der Erholung. Gegen die Laien­schule erklärt sich der Papst mit aller Entschieden- Helt. Eine solche Schule sei nichts anderes als eine irreligiöse Schule. Nur in Ausnahmefällen, nach bischöflicher Begutachtung und unter gewissen Vor­sichtsmaßregeln könne der Besuch einer solchen Schule geduldet werden. Katholiken dürften auch keineswegs eine gemischte obligatorische Schule besuchen, wo den Katholiken zwar katholischer Religionsunterricht er­teilt, wo sie sonst aber von nichtkatholischen Lehrern und gemeinsam mit nichtkatholischen Schülern unter­richtet werden.

Neue Kampfmaßnahmen in Samoa.

Wellington (Neuseeland), 12. Ian. (WB.) Der Gouverneur von Samoa ist von der neuseeländischen Regierung ermächtigt worden, den Mau, die weit­verbreitete Organisation der (Eingebore­nen, die der neuseeländischen Verwaltung seit lan­gem Schwierigkeiten bereitet, als Umsturzor­ganisation z u v er bieten. Wie aus Samoa gemeldet wird, stehen dieDörferbeiApia.die überwiegend von Angehörigen des Mau bewohnt wurden, vollständig leer. Wie es heißt, haben

Preußen und die Evangelische Kirche

Günstiger Stand der Konkordaisverhandlungen.

Berlin. 11. Ian. Wie das Rachrichtenbureau des DDZ. von unterrichteter Stelle erfährt, trifft das Gerücht zu, wonach die Referenten- besprechungen zwischen den Vertretern des evan­gelischen Oberkirchenrats und den zuständigen Sachbearbeitern im preußischen Finanz- und Kultusministerium über den Staatsvertrag mit den evangelischen Kirchen soweit gediehen sind, daß über die meisten PunkteeineEini- g u n g erreicht ist. Hebet alle Einzelheiten des zu schließenden Staatsvertrages sind konkrete Vorschläge aus den Referentenbesprechungen her- vorgegangen, die in der preußischen Kabinetts- sihung am 21. Januar erörtert werden. Rach der Beschlußfassung durchlas Staatsmin ste ium wer­den dann die offiziellen Verhandlun­gen über die DertragSaufsetzung mit den Kir­cheninstanzen geführt. Heber die sogenannte poli­tische Klausel innerhalb des neuen Kirchenver­trages konnte eine Verständigung erzielt werden. Es handelt sich dabei um die Mitwirkung des Staates bei Besetzung leiten­der Positionen in der Verwaltung der evangelischen Kirche. Streitfragen waren, ob der

Staat nur mitbeftimmen solle bei der Ernennung des Präsidenten des KirchenrateS oder auch bei der seines Stellvertreters, ferner bei der Er­nennung der Generalsuperintendenten oder auch bei einem Teil der Superintendenten, etwa für die wichtigeren Bezirke und endlich bei der Ernennung des Präsidenten des Kirchensenates. Vor allem spielte aber eine wesentliche Rolle die Frage der Erhöhung der Dotationen für die evangelischen Kirchen. Diese Dotationen stellen die finanzielle Staatsbeihilfe für die Kirchen außerhalb der staatlichen Zu­schüsse für die Pfarrerbesoldung dar. Bisher erhielt die evangelische Kirche an solchen Do­tationen einen Betrag von etwas über 2 Millio­nen. Gegenüber ihren höheren Forderungen hatte der preußische Finanzminister zunächst nur ge­glaubt, eine Erhöhung um eine Million zugestehen zu können. Rach dem jetzigen Stande ver Verhandlungen soll das staatliche Angebot, gewissermaßen das letzte Wort des Finanzmini­sters in dieser Frage, dahingehen, den evange­lischen Kirchen eine Erhöhung um ettoa 2 auf etwas über 4 Millionen zuzugestehen.

die Einwohner sich nach einem entfernteren Dorf zurückgezogen, um über die Maßregeln der Regierung zu beraten.

SlaattgesprAeirerdenabgehött.

Eine verborgene Abhörstation in Warschau

Warschau, 11. Ian. (MTB.) In Warschau hat das Abhören eines Telephon- gespräches zwischen dem Staatspräsidenten und dem Ministerpräsidenten Aufsehen erregt. Die Hntersuchung, in deren Verlauf zahlreiche Personen verhört wurden, ist völlig ergebnislos verlaufen. Der sozialistischeRobotnik" gibt dem Hntersuchungsrichter einen Rat, wie er die an­geb.ich unauffindbare Abhör st ation ent­decken könne. Er möge sich in das Haupt- telephongebäude begeben, aber nicht durch den Haupteingang zum Saal, wo die Fernverbin­dungen hergestellt werden, sondern gleich links über eine Rebentreppe. Dann werde er leicht in ein besonderes Zimmer gelangen, das unter dem großen Saal für die Ferngespräche gelegen sei. In diesem Zimmer befinde sich die Abhörstation. Das Blatt erklärt weiter, daß diese Abhör,lation während der Amts­tätigkeit des gegenwärtigen Postministers Oberst Börner, a.so im Laufe der letzten neun Monate eingerichtet worden sei. Bömer werde hierfür vor dem SejmRechenfchaft ablegen müssen. V"-n Sejm werde es abhän­gen, ob hier die geteo .iliche politische Verant­wortlichkeit genüge, u.ij ob Oberst Dörner sich dafür nicht vor dem Staatsgerichtshof werde verantworten müssen.

Kommunistenoffensive.

Ter Ersatz fürRotfront".

Berlin, 13.Jan. (Priv-Tel.) Die Kommu­nisten haben mit dem Jahresbeginn eine auffal­lend rege Tätigkeit entfaltet. Wo immer cs geht, sind sie mit Kundgebungen undDemon- strationen bei der Hand. Lassen sich Mas en- ansammlungen mit den dabei üblichen Ausschrei­tungen nicht vermeiden, dann ist es Aufgabe des Anhanges dcr kommunistischen Bewegung, durch kleine Aktionen aller Art die Polizei in Atem zu halten. Infolgedessen reißen die Rachrichten über blutige Zusammenstöße mit den Sicherheitsorganen oder politisch Andersgesinnten aus allen Teilen des Reiches nicht mehr ab. Am intensivsten ist die Aufwiegelungsarbeit in den Industrie- z e n t r en. Da an die Stelle des aufgelösten Rot­frontkämpferbundes sofort neue Kampfor- ganisationen getreten sind, ist es den kom­munistischen Führern verhältnismäßig leicht, bald hier bald dort den ro'.en Terror ausflammen zu lassen. Dabei hat sich bisher immer wieder her- ausgestellt, daß die Kommunisten keineswegs unbewaffnet find. Sie verfügen über Schuß­waffen aller Art und sind auch stets m i t Munition ausreichend versorgt, so­daß es nicht verwunderlich ist, wenn Zusammen­stöße nur zu oft den Charakter von Straßen- schlachten mit wilden Schießereien annehmen. Wir stehen aber erft am Anfa ng einer Bewegung, die darauf abzielt, den kommen­den l.Mai zu einem Großkampftag erster Ord­nung zu machen. Ein blutiger Maiansang ist aber nur dann gesichert, wenn bis dahin stets von neuem die Polizei gezwungen wird, einzu- schreiten, Verhaftungen vorzunehmen, Prozesse wegen LandfrieLensbruch anzustrengen, Haus­suchungen durchzuführen und so den Agitatoren den erwünschten Stoff zur Aufhe ung der Massen zu liefern. Selbstverständlich muy es auch Tote und Verwundete geben, aus dem Grunde wird auch der kommunistische Anhang fortgesetzt gegen die Polizei vorgeschickt, um diese zu zwingen, in die Angreifer hinein uschießen. Dah den Kom­munisten von den Sicherheitsbehörden freie Handgelaffen wird, fordert die allerschärf sie Kritik heraus, zumal der Kommunismus diese Zurückhaltung nur als Schwäche au Siegt und nun erst recht nicht vor Ruhestörungen und Blut­taten zurückschreckt.

EineKundgebung deSSichlhelms

Magdeburg, 11. Ian. (WB.) Die Presse- stelle des Stahlhe.ms gibt einen Beschluß des in Magdeburg versammelten Bundesvorstan­des des Stahlhelms bekannt, wonach der Bun­desvorstand die weitere Aufrechterhal­tung des Reichsausschusses für das Volksbegehren einmütig billige. Der Aus­schuß wird in der Kundgebung als derunent­behrliche Ausgangspunkt der gesamten weiteren Freiheitsbewegung" bezeichnet und weiterhin wird erklärt, der Bundesvorstand sei überzeugt, daß diese Front sich zur großen nationalen Rechten erweitern werde. Weiter wird ausgcführt. bei den bevorstehenden Kämpfen um Staats-, VerfassungS- und Wirtschaftsreform werde der Stahlhelm aus Grund feiner unver­änderten überparteilichen Einstel­lung seine alten Kampfziele verfechten, wobei an erster Stelle in der Entschließung dieDe- freiung der Staatsführung" genannt wird. In Der Einleitung der Bekanntgabe diefeS Beschlusses

heißt es nach einer Erinnerung an die Ereig­nisse der letzten zehn Jahre, der Bundesvorstand rufe die Ration zum Kampf um den töd­lich bedrohten Osten auf.

Oie Noigemeinschast.

Hilfe für die deutsche Wissenschaft.

Berlin, 11. Jan. Die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, die auf ihrer Tagung im November v.J. in Hamburg in die Deutsche Gemeinschaft zur Erhaltung und Förderung der Forschung umgetauft worden ist, ist in der Oeffentlichkeit in den letzten Wochen mehrfach sehr scharf kritisiert worden. Insbe­sondere ist an der Verteilung der ihr zur Verfügung stehenden Mittel für die Unterstützung wissenschaft­licher Arbeiten eine sehr heftige Kritik geübt worden. Der Notgemeinschaft stehen insgesamt ^Mil­li o n e n M a r k zur Verfügung. Sie hat erst jüngst eine großzügige Organisation zur Erforschung des deutschen Barock beschlossen und inzwi­schen eine Reihe deutscher Gelehrte mit der Durch­führung dieses Beschlusses beauftragt. Das ist ihr zum Teil verübelt worden und es find infolgedessen jetzt sehr energische Bestrebungen im Gange, f ü r den Prähistoriker Hermann Wirth aus dem Fonds der Notgemeinschaft einen namhaften Betrag für die Fortführung seiner aufsehenerregen­den Theorie über die Vorgeschichte der Menschheit bereitzustellen. Dies wird allerdings erst dann möglich fein, wenn die angenommene Satzungsänderung der Notgemeinschaft, die eine neue Zusammensetzung ihrer Ausschußm.tglieder vor- 1 sieht, durchgeführt und in Wirksamkeit getreten ist. I Diese Satzungsänderung sieht von ursprünglich 11 in Zukunft 10 Ausschußmitglieder vor, zu denen allerdings 5 weitere kommen werden, die vomReichs- 'innenminifterium als Aufsichtsbehörde der Notge- meinschaft ernannt werden. Auf Grund dieser Satzungsänderung treten der frühere Reichsjustiz- minifter Radbruch, Pros. Hoetzsch und ferner die Abg. Moses und Schreiber in die Reihe der Ausschußmitglieder ein. Durch die Wahl dieser Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben soll die Notgemeinschaft, die im Begriff stand, ihre ursprüng­lichen Aufgaben, nämlich die Wissenschaft tatkräftig zu unterstützen, zu vernachlässigen, wieder zu einer Institution gemacht werden, die die schwer um ihre Existenz ringende deutsche Forschertätigkeit anregen und fördern soll. Die Notaemeinschaft wird im kom­menden Frühjahr über ihre bisher veröffentlichten Rechenschaftsberichte hinaus voraussichtlich der Oeffentlichkeit einen genau ausgearbeiteten Plan über ihre zukünftigen Ziele und Pläne unterbreiten und dabei auch über die von ihr verwendeten und ihr zur Verfügung gestellten Mittel genaue Rechen­schaft ablegen.

Aus aller Wett.

Flugzeugabsturz in Fuhlsbüttel.

Ein schweres Flugzeugunglück ereignete sich im Hamburger Flughafen. Bei stark böigem Südwestwind startete der Pi.'ot Ionas mit einem neuen, kurz vor Weihnachten herauSge» brachten Sportflugzeuge der Bäumer-Aero. Der zierliche Doppeldecker mit etwa 350 Kilogramm Leergewicht wurde in etwa 60 bis 80 Meter Höhe voneinerBoeerfaßt. Die Maschine stürzte ab und wurde vollständig zertrümmert. Der Pilot erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach seiner Einlieferung in daS Barmbecker Kran­kenhaus verschied. Der Tod des verunglück­ten 25jährigen Piloten findet in Hamburger Fliegerkreisen lebhafte Teilnahme. Er galt als tüchtiger Flieger und Fluglehrer.

Die Erdarbeiten der Brüder Saß.

Alle Versuche, den Zweck des von den Brüdern Saß auf dem Luisenfriedhof in Char­lotte n b a r g angelegten unter", rdschen Verstecks durch Vernehmungen zu klären, sind bis jetzt fchlgcschlagen. Die Brüder Saß verfolgen immer noch in den Verhören die gleiche Taktik, wie zu der Zeit, als sie in dringendem Verdacht standen, den aufs henerregenden Einbruch in den Tresor der Diskontobank-Filiale an» Wittenbergplatz durchgeführt zu haben. Sie geben das Wenige zu, was sich ihnen ohne weiteres nachweisen läßt. Darüber hinaus geben sie aber nicht das Ge­ringste von ihren Geheimnissen preis. Es hat sich eine Reihe von Zeugen gemeldet, die die Brüder in den Abendstunden wiederholt in der Umgebung des Kirchhofs gesehen haben wollen, nicht nur in den letzten Tagen, sondern schon vor drei oder vier Monaten.

Kampf mit Einbrechern in einer Friedhofskapelle.

Ein fünfstündiges nächtliches Feuergefecht mit Verbrechern spielte sich auf dem kleinen Livländi­schen Landfriedhof in S e r b i g a I ab. Ein Vorüber­gehender bemerkte abends dort einige verdächtige Gestalten und benachrichtigte den Ortspolizisten, der mit drei bewaffneten Selbstschutzleuten die Unter­suchung aufnahm. Als der Beamte mit einer Taschenlaterne den Friedhof absuchte, ertönten plötz­lich aus einem Erbbegräbnis mehrere Schüsse, worauf sich die Verfolger hinter Grab- Hügeln verbargen und das Feuer erwiderten. Nach einiger Zeit tarnen noch mehrere Selbstschutzleute zur Verstärkung heran, woraus fünf Männer au»

dem offenen Grabe heroorkamen und zur Friedhofskapelle hinübereilten. Einer von ihnen brach, von einer Kugel tödlich in den Kopf getroffen, zusammen. Während zwei Verbrecher über die Friedhofsmauer enttarnen, verschanzten sich die beiden Uebriggebliebenen in der Kapelle und setzten nun ganze fünf Stunden lang den Feuer- kämpf mit den Pvlizeikräften fort Erst als einige Handgranaten in die Kapelle geworfen wur­den, gaben die Verbrecher ihre Verteidigungsstellung auf und unternahmen einen letzten Fluchtversuch, wurden jedoch beide von tödlichen Kugeln erreicht. Es wurde festgestellt, daß die drei Er­schossen einer gefürchteten Verbrecher- ba n b e angehört hatten, die sich im Keller der Friedhofskapelle eine mit allerlei Diebesgut ausge- stattete Wohnung eingerichtet Halle.

Feueralarm in einem Berliner Theater.

Bei der Aufführung des Schauspiels .Die Affäre Drehfuß" im Lessi n g t hea t er brach am Samstagabend Feuer aus. Aus der Bühne war an einer vom Zuschauerraum aus unsicht­baren Stelle während des 2. Aktes eine elek­trische Leitung in Brand geraten. Mitten während des Spiels spritzte plötzlich glühendes Metall auf die Bühne. Im Publikum entstand begreiflicherweise große Ausregung.. Einige Theaterbesucher sprangen erregt von ihren Sitzen. Das Feuer war aber bereits von der im Theater befindlichen Brandwache bemerkt wor­den. Der Schauspieler Heinrich George, der gerade auf der Bühne stand, richtete beruhigende Worte an das Publikum. Gleich darauf erschien dann auch der Wachhabende der Feuerwehr und erklärte, dah der Brand bereits ge­löscht sei und das Spiel feinen Fortgang neh­men könne. Die Vorstellung wurde bann auch ohne weiteren Zwischenfall zu Ende geführt.

wohttätigkeilssest des Deutschen Hilfsvereins in Paris.

Der Deutsche Hilssverein in Paris veranstaltet« ein großes Wohltätigkeitsfest, an dem mehr als 1000 Deutsche teilnahmen, darunter der deutsche Botschafter von Hoesch mit sämtlichen Mitgliedern der Botschaft und zahlreichen Fran­zosen. Es wurde ein Almanach als Damenspende verteilt, in dem Reichspräsident v. Hin­denburg, Max Liebermann, Thomas Mann, Professor Einstein, Dr. Eckener. Geheimrat Dr. D u i s b e r g, Generaloberst von S e e ck t und Reichsbankpräsident Dr. Schacht ihr lebhaftes Interesse für die Tätigkeit des Hilfsvereins zum Ausdruck bringen. Man rechnet mit einem Reingewinn von über 75 000 Franken zugunsten der Kasse des Hilfsvereins.

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Wettervoraussage.

Ein über Dänemark ziehender Wirbel verursacht zur Zeit über Deutschland stürmisches Wetter. Die Temperaturen beginnen erneut anzusteigen, und stellenweise treten Niederschläge, teils als Schnee, teils als Regen auf. Noch immer bleibt durch die Störungstätigkeit die ozeanische Luftzufuhr bestehen, die fernerhin veränderliches Wetter bedingt.

Voraussage für Dienstag. Weiterhin ungünstiges Wetter mit zeitweiser Aufheiterung, Temperaturen schwankend, jedoch wieder milder, einzelne Schauer.

Aussichten für Mittwoch. Roch kein beständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 12. Januar: mittags 3,6 Grad Celsius, abends 1,3 Grad: am 13. Januar: morgens 6,7 Grad. Maximum 7,6 Grad, Minimum0,9 Grad. Grötemperatiren in 10 cm Tiefe am 12. Januar: abends 1,1 Grad; am 13. Januar: mor­gens 2 Grad Celsius. Niederschlag 1 mm. Sonnenscheindauer 4 Stunden.

Amtliche Dinterfportnachnchten.

Vogelsberg, Hoherodskopf: Bedeckt, 1 Grad, 7 Zentimeter Pappschnee, Sportmöglich­keit stellenweise möglich. Herchenhainer Hohe: Bewölkt, minus 4 Grad, 10 Zentimeter Schnee, verharscht, Sportmöglichkeit vorhanden.

Sauerland, Winterberg: Schneetrei­ben, minus 1 Grad, 30 Zentimeter Schnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee, vereist, Ski und Rodel gut.

Schwarzwald. Feldberg: Bewölkt, ein Grad, 25 Zenrimeter Schnee, Ski- und Rodelmög­lichleit gut.

Alpen. Garmisch-Partenkirchen: Schnceregen, 5 Grad, 5 Zentimeter Schnee, 1 bis 2 Zentimeter Reuschnee, gekörnt. Berchtes­gaden: Bewölkt, 1 Grad, 15 Zentimeter Schnee, 3 bis 5 Zentimeter Deuschnee, Pappschmee, Ski- und Rodelmöglichkeit stellenweise möglich.

Harz. Schierke: Graupeln, 0 Grad, 15 Zen­timeter Schnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee, Pappschnee. Skimöglichkeit gut, Rodelmögllchkeit mäßig.