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Aus der Provinzialhaupistadt.
Gießen, den 13. Januar 1930.
Hochstimmung.
Splitterrichter und Nörgler von Beruf, trockene Gesellen, die das Leben grau in grau sehen und sich wohlfühlen dabei, wenn des Daseins Einerlei nicht durchbrochen wird, sind von vornherein dagegen, eine Hochstimmung aufkommen, aber auch dagegen, sie gelten zu lassen. Das Hochgefühl des aus Areigenem Schaffenden, das Sich-Berlie- ten an die Arbeit, die aus der Fülle innerer Gesichte strömt, wird ihnen fremd bleiben. Sie werden nur die solide Mittelmäßigkeit verstehen, die nie den Boden unter den Füßen verliert, nie das Brausen des Blutes vernimmt, nie Höhensehnsucht empfindet. Und es ist gewiß, daß man auf solch gefestigter Bahn sicher dahin- wandelt, weniger angefochten von seinem eigenen Ich, das oft genug unser Feind ist, weniger der Gefahr ausgesetzt, sein Schifflein an Klippen scheitern zu sehen. Nur ist nicht zu vergessen, daß wir die großen Schöpfungen der Kunst, die uns Weihestunden, Stunden der Entrücktheit schenken, ost den Stunden derer verdanken, die durch diese Gefahren segelten und vielleicht scheiterten.
Anders ist es aber, wenn man sich künstlich Hochstimmung schasst, wie es Festtage o^r Vergnügungen mit sich bringen. Wo sonst B^nunft und Einsicht, Bedenken und Folgen, Rücksicht und Takt walteten, herrscht dann nicht selten auch Rücksichtslosigkeit. Man schlägt über die Strange, die Sitte und Gesetz gezogen haben, alle War- aungen, die sonst das bessere Ich gibt, schweigen. Ls ist, als ob man den Boden unter sich verloren hätte, als ob man ein ganz anderer sei. Einem Impuls, einer raschen Eingebung folgt man, denen man sonst niemals Gefolgschaft geleistet hätte. Die Folgen sind so gut wie vergeßen, und sie stellen sich doch ein; denn nichts blewt ohne Folge. Ist es schon bei klarer Einsicht und bei aller Aeberlegung schwer, die Folgen genau zu übersehen, wie gar erst, wenn diese Einsicht getrübt ist, wenn die Gedanken nur dem Nächstliegenden zugewandt sind und dem Wunsche auch schon die Tat folgt I Es ist nicht zu verwundern^ Venn es zu mancherlei Folgen kommt, die sich als recht unangenehm Herausstellen.
Allerdings — wenn auch nicht zu verwundern, Io doch zu bedauern. Denn das ist eben notwendig, "bnÜ man trotz der Hingabe an ein Hochgefühl bemüht ist, den Boden unter sich nicht zu verlieren. Wir alle brauchen zuweilen Stunden, die sich durch ihren Klang, durch ihren Gefühls- nnhalt, durch ihren besonderen Glanz über den Durchschnitt der Stunden erheben. Aber es ist <in Irrtum, wenn man meint, daß nur völlige -üngebundenheit diese Stunden schenkt. Eine solche Stunde soll ein Geschenk fein, dessen wir uns Luch noch später dankbar erinnern. Ihr Klang soll uns begleiten, daß wir ihn noch weit hinaus zu vernehmen glauben. Wenn wir diese Kunst richt verstehen, wenn wir in Angebundenheit Lahingleiten und uns verlieren,^ so daß wir mit Bedauern an die Stunde zurückdenken müssen, Die uns wertvoll und schön sein sollte, dann war «alle Mühe um sie vergebens, ja, barm wäre es Lesser gewesen, sie wäre unS nicht zuteil geworden. S.
Zamiiienkund sicher Abend.
Ein öffentlicher familienkundlicher Abend fand cm Freitag auf Einladung der Gießener Stiftung für Familienforschung im Hörsaal der Bervenklinik statt. Der Besuch aus Gießen und enberen hessischen Orten war sehr gut, auch «Lüste aus Marburg, Leipzig und anderen Städten Loaren anwesend.
Nach L.r er Begrüß.ng durch E<eimrat Sommer als Vertreter der Stiftung sprach Regie- nungLrat Rudolf Schäfer aus Darmstadt über , Wesen und Bedeutung der Fami- Sienforschun g". Ausgehend von dem Degrif 3er Familienforschung in ihrer heutigen Gestalt wurde zunächst ihre Bedeutung auf den Gebieten Ser Geschichte, Rechtswissenschaft und Medizin Sargelegt. Sodann wurden die genealogischen »Grundbegriffe: Person, Familie, Verwandtschaft, Schwägerfchaft erläutert, die in den zwei ver- sschiedenen genealogischen Darstellungsweisen, der Machfahren- oder Stammtafel und der Vorfahren- »der Ahnentafel, in Erscheinung treten. Bei Er- Däuterung dieser beiden Systeme wurde der besondere Wert der Ahnentafel für die Beurteilung ibec einzelnen Persönlichkeit unter Hinweis au ibie möglichen Folgen von Ahnenverlusten hervor- . gehoben. Es folgten Bemerkungen über die Art :ber Anstellung von Familienforschungen mitHin- veis auf die Tätigkeit der Hessischen familien- - geschichtlichen Bereinigung. Zum Schlüsse wurde nochmals eindringlich die hohe Bedeutung der Familienforschung auf medizinischem und sozialpolitischem Gebiet für eine Höherzüchtung unseres 'vo'kes hervorgehoben.
Darauf ging Geheimrat Sommer besonders auf die Familienforschung in Hessen ein und behandelte im Anschluß an fein Buch über Fcm lienforfchung u.:d Vererbungslehre, das 1907 in erster, 1927 in dritter Auflage erschie- iten ist, besonders die hessischen Soldane. Er zeigte eine große Zahl von Originalschriften und Bildern von Mitgliedern dieser begabten Familie, deren psychische Eigenart er in seinem Buch dargestellt hat und die auch in der Ahnen- täfel Goethes vorkommt regte sodann eine weitere vissenschaftliche Bearbeitung des großen von ihm zesammelten Materials an.
Sodann zeigte Geheimrat O l t eine inter- ksfante Sammlung von Wappenfiguren, die zur Kennzeichnung von Familien oder Gruppen von Personen dienen und gab kritische Ratschläge für die richtige Gestaltung solcher Kennzeichen.
Bei dem großen Interesse der Besucher wurde »eschlossen, einen solchen Abend im nächsten Sornrner-Sernester zu wiederholen.
Daten für Dienstag. 14 Januar.
Sonnenaufgang 8 Uhr, Sonnenuntergang 16.19 ülhr. — Mondaufgang 15.20 Uhr, Monduntergang 6.13 Uhr.
1742: der Astronom Edmund Hailey in Greenwich geftorben (geboren 1656); — 1850: der Schriftsteller Pierre Loti in Rochefontaine-sur-Mer geboren (ge- fliorben'1923); — 1874: Philipp Reis, der Erfinder Les Telephons, in Friedrichsdorf bei Homburg geworben (geboren 1834).
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag. Vor- trag von D. Dr. Robert Zilchert: „Die Frauen- $eftalten der Romantik", 20 Ahr, in der Neuen Aula. — Volkshochschule: Vortrag „Du und Dein
Heim" und „Was sagt die Wissenschaft zu den Meinungen über das Weltgebäude?", 20 Ahr, Aniversität. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Links der Isar — rechts der Spree" und „Kamerad Slag". — Astoria-Lichtspiele: „Der rätsel- jafte ÄIub‘Y und „ Flucht vor Blond."
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Der Spielplan des Stadt- theaters für diese Woche wird sich folgendermaßen gestalten: Am Dienstag, 14. Ian., wird die erfolgreiche dramatische Legende „Tobias Wunderlich" (Regie Hans Tannert) zum letzten Male gegeben. Interessant war der große Erfolg, der bei „Geisterzug" aus der Stimmung des Stückes heraus in das Parkett übersprang. Am Mittwoch, 15. Ian., wird diese wohlgelungene Kriminalkomödie in der ersten Besetzung wiederholt. Am Freitag, 17. Ian., erscheint die ausgelassene Poise „Kyritz-Pyritz", die Silvester eine begeisterte Aufnahme fand, und auch bei den ersten Wiederholungen an Zugkraft nicht das Geringste eingebüßt hat, wieder auf der Bühne. Am Sonntag, 19. Ian., findet als Fremdenvor- tellung eine einmalige Ausführung von „Ds- ire“, Komödie in drei Akten von Sascha Guitry (Spielleitung Hans Tannert), statt, während am Vormittag (11.30 Ahr- als Morgenfeier im Kammerfpielzyklus und abends (20.30 Ahr) als Abendfeier ein Tanzgastspiel der Münchener Tänzerin Senta Maria dargeboten wird.
•
' Der Geschäftsgang beim Kreisamt Gießen. Im neuesten Amtsverkündigungsblatt weist das Kreisamt Gießen erneut darauf hin, daß die Amtstage des Kreisamts nur Dienstags vormittags und Freitags vormittags jeder Woche sind. Während der übrigen Zeit sind die Dienstzimmer des Kreis- amts für das Publikum geschlossen, so dah, soweit es sich um Fälle allerdringendster Art handelt, Personen, die außerhalb der Amtstage auf dem Kreisamt vorsprechen, auf Abfertigung nicht rechnen können.
** Akademische Kurse für Kaufleute und Gewerbetreibende. Im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes laden die Industrie- und Handelskammer Gießen und die Gießener Hochschul- gesellschaft noch einmal zu den vom 16. Januar bis 20. März dauernden akademischen Kursen für Kaufleute und Gewerbetreibende ein. Die Teilnahme an den Kursen ist jedermann gestattet, da die Veranstalter den hohen Nutzen dieser Vorträge auch über den Kreis der selbständigen und angestellten Kaufleute und Gewerbetreibenden hinaus tragen wollen.
"Zwischen denPuffern totgedrückt. Ein tragischer Anglücksfatt ereignete sich gestern gegen 17.40 Ahr auf dem Gießener Bahnhof. Dort war der 39 Iahre alte Rangierarbeiter Heinrich Baumann aus Allendorf (Lahn) beim Ansehen eines von dem Berliner Aach» mittags-v-Zug auf den Trierer Abend-v-Zug übergehenden v-Zugwagcns beschäftigt. Als beim Ankuppeln etwas nicht recht klappte, wollte Baumann nach der Arsache dieses Mangels sehen und trat dabei aus der Schienenmitte etwas nach der Seite hin, so daß er zwischen die Puffer der Wagen zu stehen kam. Anvermutet rückte in diesem Augenblick der Wagenpark zusammen und der bedauernswerte Mann kam dabei mit der Brust zwischen die Puffer, die ihn so schwer quetschten, daß wenige Minuten nach der sofortigen Antersuchung des Anglücklichen durch eine zufällig im Zuge anwesende Aerztin der Tod eintrat. Um den bedauernswerten Mann, der schon vor etwa einem Iahre beim Hemmschuhlegen im Güterbahnhof schwer verunglückt und damals längere Zeit in der Klinik war, trauern feine Frau und drei kleine Kinder.
" Geflügelcholera. Das Polizeiamt teilt mit: In dem Hühner bestand des Theo Bieker in Gießen, Neustadt 55, ist die Geflügelcholera ausgebrochen. Die Gehöstsperre ist angeordnet.
" Gültige Rentenbankscheine. Um irrigen Auffassungen im Publikum zu begegnen, macht die Deutsche Rentenbank darauf aufmerksam, daß sowohl die Rentenbankscheine zu 1000, 500 und 100 Rentenmark mit Ausstellungsdatum vom 1. November 1923 (ohne Kopfbilder), als auch die Rentenbankscheine zu 50 Rentenmark (mit Kopfbildnis eines Landmannes), zu 10 Rentenmark (mit Kopfbildnis einer Landfrau) und zu 5 Rentenmark (mit Kopfbildnis eines Landmädchens) nicht aufgerufen, also nach tote vor gesetzlich zugelassene Zahlungsmittel sind.
" Die kirchenmusikalische Feierstunde in der alten Friedhofskapelle am Donnerstagnachmittag beantwortete — so schreibt man uns — die Frage, wie es um das Inftrument Orgel steht, um deren heilige, künstlerische und technische Gestalt Organisten, Orgelbauer und Orgelbauwissenschaftler mit heißem Bemühen kämpfen. Denn der unmittelbare Geisteskomplex des Orgelgebäudes hat Organisten, Orgelbauer und Orgelbautoissenschaftler zu intensiven Untersuchungen veranlaßt. Auch bei dem Dau der neuen Orgel der Friedhofskapelle hat man die Errungenschaften der Orgeltagungen beobachtend angewandt. Die Grenzen einer kleinen Orgel sind scharf gezogen, aber auch ihnen will man das „Orgelmäßige" anerkennen. Der Dau legt größeren Wert auf eine durchsichtige Klangfarbe, auf Charakterisierung der einzelnen Stimmen, die dem Hellen Silberklang der Gabler- und Engler-Orgel ähnlich sind. Der romantische Klang der „Fabrikorgel", der klangsinnliche Geist der Dewcgungsorgel (Schweller) haben der „alten" Orgel nur die spieltechnischen Vorteile abgetreten. Die Qualität des Orgelklanges der Gießener Kapellenorgel besitzt klangethische Individualität. Die Mixtur und das Sesquialtera verbindet sich zu einer gelockerten Farbe, die in den beiden Werken von I. S. Dach (Pastorale, Choralfantasie „O Gott du frommer Gott") den stilistischen Themencharakter betonen. Hier wie in der ^Begleitung der beiden Dachgesänge „An deiner Krippe steh ich hier", „Gll> dich zufrieden und sei stille" von Frau Anny Q u i st o r p , in geistiger Durchdringung des stofflichen Materials vorgetragen, lag die Auswirkung der Grundformel der zeitigen Bestrebungen. Der Straubeschüler Otto W i s» s i g spielte besonders in dem Pastorale den zweiten Sah in eirheutig klarer Registri rung.
** Die Gast wirteinnung Gießen und Umgegend veranstaltete am Donnerstagabend im Saale des Katb. Vereinshauses ein Winterfest, das außerordentlich gut besucht war. Das Programm brachte Darbietungen des Musikkorps des hiesigen Bataillons, und zwar im ersten Teil Streichmusik, im zweiten Teil Blasmusik. Obermusikmeister L ö b e r zeigte in der Auswahl der Musikstücke §uten Geschmack. Es kamen zum Vortrag Werke von älmän, Lehär, Supp6, Offenbach, Weber usw., die sämtlich mit starkem Beifall ausgenommen wurden, so daß sich die Kapelle wiederholt zu Zugaben ent
schließen mußte. 3m übrigen brachte das Programm eine Reihe von Ansprachen. Zunächst begrüßte der Vorsitzende der Innung, Hans Schmitz, die Er- chienenen, besonders die Vertreter der Bäcker- und Metzgerinnung, die Mitglieder des Gastwirtevereins Offenbach, die Vertreter des Derkehrsvereins, der beiden Kellneroereine, des Selbsthilfewerkes Sprudel Augusta Viktoria, die Vertreter des Brauerei- und Weinhandelgewerbes, sowie das Ehrenmitglied Jalkowfky (Offenbach), der als Vertreter des' Gaftwirteoerbandes erschienen war. Er wies weiter darauf hin, daß das abgelaufene Jahr für bau Gast- wirtegewerbe ein Jahr des Kampfes war, und auch das kommende Jahr bei den derzeitigen Verhältnissen nicht rosig werden dürfte. Es gelte auch für die Zukunft treues Zufammenstehen in der Volksgemeinschaft im Interesse unseres Vaterlandes, auf das er ein Hoch ausbrachte, worauf das Deutschlandlied gesungen wurde. Gastwirt I a s k o w s k y (Offenbach) übermittelte die Grüße des Verbandes und gab feiner Freude über das Aufblühen der hiesigen Gastwirteinnung Ausdruck. Er denke gerne an die Zeit seines Aufenthaltes in Gießen zurück, wo er sich wohlgefühlt habe. Er betonte ferner, daß das Gastwirtsgewerbe einer trüben Zukunft entgegen- gehe. Eine Besserung sei nur möglich, wenn das Zusammengehörigkeitsgefühl gepflegt werde und die Kollegen sich nicht gegenseitig als Konkurrenten, sondern als Freunde betrachten, die Schulter an Schulter für eine Besserung der Verhältnisse eintreten. Sein Hoch galt der hiesigen Gastwirteinnung. Namens der verwandten Gewerbe (Bäcker- und Metzgerinnung) sprach Bäckerobermeister L o e b e r über die Not des Handwerks und die Bedeutung des Gastwirtsgewerbes. Er gedachte dabei auch der aufopfernden Tätigkeit der Gastwirtsfrauen. Stadtratsmitglied S ch w i e d e r wies auf die Bedeutung der Hebung des Verkehrs in Gießen hin, die auch dem Gaftwirtsgewerbe zugute komme. Er betonte weiter die seitherige erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Oaftroirtcinnung und hofft auf weitere Erfolge in der Derkehrswerbung. Gastwirt Schmitz (Gießen) dankte den Rednern und erinnerte daran, daß der Gastwirteverein der Vater des Verkehrsvereins'sei. Er lobte weiter die schöne Umgebung von Gießen und bedauerte, daß dies seither von den Fremden noch nicht in vollem Maße ausgenutzt worden sei. Der Redner wies dann noch auf die drückenden Steuerlasten des Gastwirtegewerbes und auf den vom Publikum vielfach verlangten Luxus hin, und bat mit dazu beizutragen, daß die auch bei einfachen Verhältnissen mögliche frühere Gemütlichkeit wieder 311 ihrem Rechte komme. Zum Schluß äußert sich Pächter Lynker (Schiffenberg) noch zu einigen Bemerkungen von Stadtrat Sch wie der bezüglich öfteren Hinweises auf die Schönheiten des Schif- fenbergs. Nach dem Abschluß des offiziellen Teiles fand Ball statt.
" Allgem.Deutscher Frauenverein. Ortsgruppe Gießen. Man berichtet uns: In der Versammlung des Allgem. Deutschen Frauenvereins am Montag hielt Stadtschulrat Fischer einen äußerst interessanten Vortrag: „100 Iahre deutsche Verfassungsge- schichte". Nach einer Betrachtung der verschiedenen Auffassungen vom Staat bis zum Zeitalter der Aufklärung wandte sich der Redner den hauptsächlichen philosophischen Strömungen deS 18. IahrhundertS zu, die die französische Revolution geistig vorbereitet und ihr im wesentlichen ihren Ideengehalt geliefert haben. In dem Ablauf der gewaltigen Llmwälzung. die 1789 einsetzt und das autokratische Regierungsshstem des ancien r6gime unter sich begräbt, treten dann, einander ablösend, alle Forderungen und Ziele auf, die vorher im geistigen Kampfe gegen den absoluten Staat lebendig geworden waren, und die von nun an bis auf unsere Tage wirksam geblieben sind. In Deutschland setzen die geistigen und politischen Kämpfe um eine zeitgemäße Regierungsform — abgesehen von dem Reformwerk des Freiherrn vom Stein — erst mit dem Sturz Napoleons und dem Versprechen der Wiener Dundesakte auf Einführung von Verfassungen in den Staaten des Deutschen Bundes ein (1815). Die ständigen inneren Beziehungen zu den Geschehnissen in Frankreich werden aufgezeigt (1830, 1848). Der große Versuch des deutschen Volkes, die Verfafsungsfrage „von unten her" zu lösen, mißlingt (1848), aber die gewaltige Gedankenarbeit der Männer der Paulskirche ist doch nicht vergeblich gewesen. Es gibt in der Weltgeschichte Ereignisse, die man sich aus dem späteren Geschehen nicht wegdenken kann. Das gilt auch von der „deutschen Revolution" und der Verfassung von 1849. Die Aufrichtung deS Reiches ist dann durch die Staatskunst Bismarcks erfolgt, allerdings auf einem anderen Wege, als die Männer von 1849 sich gedacht hatten. Die Verfassung deS Dismarckschen Reiches zeigt einen anderen Aufbau und einen anderen Geist als die Verfassung von 1849, aber gewisse wichtige Züge hat doch auch der große Begründer des Reiches dem Gedankengut der Paulskirche entnommen (Wahlrecht). Viel stärker greift die Verfassung vom 11. August 1919 auf die Gedanken von 1849 zurück. Sie ist getragen von dem Gedanken der Volkssouveränität, den die Paulskirche so kraftvoll hatte vorwärts treiben wollen und den sie doch nicht zum Siege hatte führen können, dem Gedanken, den Bismarck, der Preuße, der in allem bedacht ist auf die Machtstellung der preußischen Krone, nie hätte anerkennen können (Konfliktszeit). Auch ein zweiter Gedanke, der/die Männer der Paulskirche beschäftigt hat, die Stärkung des Reichs gegenüber den Ländern, ist weitgehend durchgedrungen. In dem Prozeß der „Derreich- lichung der Länder" erleben wir gerade in unseren Tagen ernste Auseinandersetzungen (Steuerhoheit). Die Entwicklung ist gerade in dieser Frage noch keineswegs abgeschlossen. Der all- seitige Beifall zeigte, daß die Anwesenden aufmerksam und nut großem Interesse der geschichtlichen Betrachtung gefolgt waren. Die Vorsitzende dankte dem Redner für den ebenso anregenden, wie instruktiven Vortrag und brachte zum Ausdruck, dah das Thema in den Aufgabenkreis des Vereins, als Staatsbürgerinnenverband hineingehöre.
Strafkammer Gießen.
• Gießen, 10. Ian. Der Betriebsleiter eines Kraftwagenunternehmens, der sich auf einer Kontrollsahrt befand, war durch das hiesige Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 20 Mk. verurteilt worden. Als Führer eines Kraftwagens hatte er in der Schulstraße einen städtischen Arbeiter, als dieser einen mit heißem Teer gefüllten Handwagen gegen einen leeren Wagen auswechselte, derart angefahren, daß er nicht unerheblich verletzt wurde. In der heutigen De- rufungsverhandlung bestritt der Angellagte jegliche Schuld an dem Anfall und behauptete, daß
der Verletzte, der nach Aebernahme des leeren Wagens auf der falschen Straßenseite habe zurückfahren wollen, ihm plötzlich in den Wagen gelaufen sei. Das Gericht sah einen Schuldbeweis nicht für erbracht und sprach die Angellagten unter Aushebung des erstinstanzlichen Ar teils frei.
Durch das Amtsgericht Düdingen war ein Kraftwagenführer, der beschuldigt war, zwischen zwei Ortschaften einen öffentlichen Kraftwagen- betrieb ohne behördliche Genehmigung eingerichtet zu haben, mangels Deweises freigefprochen worden. Damals konnte seine Schuhbehauptung, die De- nuhung des Kraftwagens beschränke sich auf einen im voraus bestimmten Kreis von Personen, nicht hinreichend widerlegt werden. Infolge Derufung i>er Staatsanwal.schaft wurden nochmals Ermittlungen angcstellt. Dabei stellte sich nun heraus, daß der Angeklagte seinerzeit auf seinen Fahrten wahllos jeden Interessenten beförderte. Somit galt er als Anternehmer einer Krastfahrlinie, zu >ercn Inbetriebsetzung er der ministeriellen Genehmigung bedurfte, die ihm längere Zeit fehlte. Da ihm nun vor kurzem die Konzession erteilt worden ist, wurde er mit Rücksicht hierauf wegen Vergehens gegen das Krastfahrliniengeseh zu einer geringen Geldstrafe verurteilt.
Wegen Entziehung der Anterhaltlpflicht seinem unehelichen Kinde gegenüber wurde ein auswärtiger Provisionsreisender durch das hiesige Amtsgericht zu zwei Wochen Haft verurteilt. Seine gegen dieses Urteil eingelegte ‘Berufung wurde jetzt wegen unentschuldigten Ausbleibens kostenfällig verworfen.
Kein Abbau
des Mainzer pädagogischen Instituts.
WSR. Darmstadt, 11. Ian. In einem Mainzer Dlatt war behauptet worden, „daß das Mainzer Pädagogische Institut anscheinend zugunsten der Darmstädter Technischen Hochschule und der Gießener Aniversität auf die Abbauseite gelegt werden solle". Von zuständiger Seite erfahren wir, daß solche Absichten bei der Regierung niemals erwogen worden sind.
Berliner Börse.
Berlin, 13. Ian. (WTB. Funkspruch.) Die neue Woche eröffnete in ruhiger, aber weiter freundlicher Haltung. Nachdem für heute vormittag 11 Ahr der Zentralausschuh der Reichsbank eingeladen ist, erwartet man in dieser Sitzung eine 0,5°v. H.-Diskontermäßigung. Auch die Nachrichten aus dem Haag lauten im Gegensatz zu gestern wieder günstiger. Vorläufig hört man nur Farben mit 181 Geld. Am Devisenmarkt war die Lage infolge der bevorstehenden Diskontsenkung noch recht undurchsichtig. Man taxiert vorläufig London gegen Paris 123,9250; London gegen Mailand 93,05; London gegen Spanien 37; London gegen Kabel 4,87; London gegen Berlin 20,3925; Kabel gegen Berlin 4,1880 zu 4,1890.
©ctofnndiwng
4. Klasse 34 Prellßiscd-Egddeusiche (260. Prrub ) Klassen-Lollerie
Ohne Gewähr Nachdruck verdvke»
Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gcsallea, und -war je einer aof die Lose gleicher Nummer ht den Heiden Abteilungen I und II
8. Ziehungstog II. Januar 1930
In der heutigen Vormittags-lehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen
2 ®etDinne in 2000 M. 246610
6 »«rinne (u 1OOO QU 81146 206376 360661
6 »«rinne ju 800 W. 16248 23718 398169
34 »etninne >u 600 M. 70808 70833 107954 143166 192015 259824 270602 275953 304080 309020 316423 339140 349649 387829 377932 396936 398162
110 Gewinne in 400 M. 3621 22421 41763 43066 46362 62768 60649 79721 87007 93270 99263 100132 101386 108740 112393 113457 117387
122383 126970 136300 144180 146101 151537
165422 155924 160343 190763 208477 223692
224746 227990 234923 264666 267475 271760
276278 277571 278604 281353 283260 287674
288161 288278 311730 326749 328573 349338
360961 361055 363147 367808 374466 378047
383893 388415
268 »etoinne iu 300 M. 1044 2312 3850 10260 14917 16402 17662 17923 19697 22876 24241 27539
27889 28878 30019 37930 38013 42116 42390
43718 46230 47997 48338 67179 68308 68342
64948 67352 68724 69018 69085 69462 74179
90259 103104 104230 109384 114649 116494 116983 120407 120743 121750 124645 126747
127659 128619 129104 130082 130230 131102
137727 148262 151836 152014 162071 153533
157230 166760 172863 179970 180446 183536
185557 186963 187008 187751 189354 190420
190965 192132 193816 204729 206354 209019
212320 213318 213438 223452 223745 232313
234203 235120 237110 239143 239738 249869
254629 261907 271201 273000 275878 276654
281422 283266 288570 289863 290221 294545
299332 307385 311813 312281 314484 314978
315491 316782 317573 318795 320903 322651
331265 331396 332287 334468 334981 335013
337624 338813 343532 347478 347500 352210
352595 361320 372044 379865 380171 385207
385821 389905 394387 398720
üa der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinn« über 150 M. gezogen
2 Cetrrinne in 100000 M. 35885
2 Gewinne zu 10000 M. 189394
2 Gewinne xu 3000 M. 196447
10 Gewinns »n 1000 M. 232462 291370 299658 356034 382354
12 Gewinn. >u 800 M. 87190 113151 185649
187251 304846 387418
28 •«» nne iti 500 9P. 2234 9455 68401 71104 73389 145966 165785 165072 193736 202387
217135 229697 231634 294510
96 Gewinn, zu 400 M. 15001 16016 37018 60948 66434 59169 65983 70380 76149 78645 102505 104000 133819 138528 139710 151331 184069
184158 189481 193595 193752 209104 216299
217960 225327 245689 255231 255858 263250
285123 290715 293681 293799 303098 312238
312708 319587 323209 327565 333582 344396
348992 362845 367875 368756 388873 395128
397674
256 Gewinne iu 300 M. 1238 3404 3491 11884
13349 17108 19347 19349 23016 27920 30049
30826 33893 33705 38530 43210 44660 45402
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360579 3K689' 372973 373)45 373696 384391
386698 396066 396289 396571
Dir m öci heutigen NachmittagSziehung ae» zogenen beiden Houvigewmne von je lOOlXl' M. Helen aut Nr 85X85 in Abteilung I nach Frank« hm (Main), tn Abteilung ll nach Berlin.


