Oberhessen.
pfingstmarkt in Schotten.
a. Schotten. 11. Juni. Der gestrige alt- Ixfannte Pfingstmarkt bedeutete für die Stadt ein großes Ereignis. Eine riesige Besucherzahl war festzustellen Aufgetrieben waren etwa 800 Schweine, 250 Stück Rindvieh, 50 Pferde, 20 Ziegen und viel Prämiierungsvieh. Besonders auffallend War das zahlreiche, stattliche Vogelsberger Rotvieh. Die Preisrichter hatten reichlich Arbeit bei der Zuerkennung der vielen Preise. Die Stadt hatte zirka 1500 Mk. Prämiengelder zur Verfügung gestellt. Auch der Kreis Schotten hatte einen Beitrag von 300 Mk. für Prämienzwecke bewilligt, ebenso hatten Molkerei und Brauerei Beiträge gestiftet. Schönes Simmentaler Vieh war zu sehen, aber ganz besonders auffallend war der Auftrieb des schönen rotbraunen Vogelsberger Viehes. Man merkt, welch ungeheuren Aufschwung die Rotviehzucht im Vogelsberg genommen hat. Von der Land- wirtschaftskammcr waren Oekonomierat Breidenbach und Generalsekretär Dr. Qö'fc gner, Gießen, anwesend, von der tierärztlichen Hochschule Gießen die Professoren Dr. Krämer und Dr. G ü st, vom Kreisamt Schotten Kreisdirektor Dr. Iann und Reg.-Rat Schwan. Bürgermeister Menget entbot den Gruß und Dank der Stadt. Kreisdirektor Dr. 2 a n n und Oekonomierat Breidenbach richteten beherzigenswerte Worte an die Landwirte. Anschließend wurde das prämiierte Vieh vorgeführt. Die Ehrengäste und Preisrichter waren von der Stadt zu einem Essen eingcladen. Mittags fand die übliche Verlosung statt. Um 3 älhr hielt der Reitcrverein Schotten schöne Reitervorführungen lab, die eine große Zuschauermenge angezogen Ihatte. Der ganze Markt nahm einen schönen Verlauf, der Handel und Verkauf ging flott von- statten.
pfingstmarkt in Lich.
D Lich, 11. Juni. Der gestrige Pfingstmarkt stand im Zeichen eines lebhaften Verkehrs. Mit Rücksicht auf die am 22. und 23. Juni hier stattfindende 25 jährige Jubiläumsfeier des Kreisziegenzuchtvereins Gießen ist der übliche Zieaenmartt auf diese Tage verschoben worden. Auf dem Ferkelmarkt standen 495 Ferkel zum Verkauf. Der Handel setzte zögernd ein, wurde jedoch späterhin lebhafter und führte schließlich zum fast völligen Ausverkauf. Bezahlt wurden für Ferkel bis zu sieben Wochen 38—40 Mark, ächt Wochen 45—48 Mark und zqhn Wochen alte 50 Mark und mehr. Auch auf dem Krämermarkt herrschte reges Treiben. Die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Lich konzertierte in den Vormittagsstunden auf dem Adlerplah und spielte nachmittags dort zum Tanz auf. 3ung und alt tummelte sich bis zum späten Abend.
Landkreis Gießen.
'£ Wieseck, 11. Juni. Am zweiten Pfingstfeier- lag veranstaltete der Freie Turn- und Sportverein Wieseck ein Werbeturnen, das über den üblichen Rahmen einer Vereinsveranstaltung weit hinausging.. Galt es doch für den Verein, einmal nach außenhin zu zeigen, wie die Jugend bei ihm er'zogen wird. In abwechselnder Reihenfolge wurden die Uebungen der 6- bis 12jähri^en, 12- bis 714jährigen Buben und Mädchen, der Schulentlaffe- jnen bis zu den Gipfelleistungen der Aktiven gezeigt. Alles in allem konnte man mit dem Gebotenen sehr Hufrieden fein, nur war zu bedauern, daß sich die Einwohnerschaft nicht so stark an der Veranstaltung beteiligt hat, wie das bei sonstigen Veranstaltungen der Fall ist.
$ Lollar, 10.3uni. Eine öffentliche G e - meinderatssihung fand dieser Tage statt. Die Rechnung aus dem Rechnungsjahre 19 2 8 schließt ab in Einnahme mit 182 229.53 Mk. (Voranschlag 136 598,43 Mk), in Ausgabe mit 158 068,24 Mk. Der rechnerische Tleberschuß beträgt demnach 24 161,29 Mk., darunter befinden sich allerdings 984,48 Mk. an Rückständen. Einwendungen wurden nicht erhoben. — Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1930 wurde alsdann durch den Bürgermeister zur Vorlage gebracht. Die Ge- samtfmnme aller Einnahmen und Ausgaben der Detriebsrechnung beträgt 158 624 Mk. 3m einzelnen ist u. a, folgendes bemerkenswert. Als Rechnungsrest sind 4666 Mk. vorgetragen. Die Einnahme aus Gebäuden beträgt 4286 Mk., denen 6900 Mk. Ausgaben gegenüberstehen. 3n dem Ausgabebetrag befinden sich 5000 Mk. als fällige Teilkaufsumme für das Gebäude der' Apotheke. Die Grundstücke bringen 4007 Mk. ein und erfordern 5328 Mk. Die Einnahme aus dem Ge- meiichewald beträgt 9727 Mk., ihr stehen Ausgaben von 4 027 Mk. gegenüber. Die 3agd bringt 800 Mk. ein. Die Einnahme aus Licht- und Kraftversorgung beziffert sich auf 24 812 Mk., in Ausgabe stehen 23 378 Mk. Die Zahlen für die Wasserversorgung sind 12 500 Mk. in Einnahme und 10102 Mk. in Ausgabe. Die Ausgaben für die allgemeine Verwaltung betragen unter Absetzung von 1180 Mk. als Einnahme 14 700 Mk., für die öffentliche Sicherheit 2820 Mark. Für die öffentliche Gesundheitspflege und Wohlfahrtseinrichtungen sind 4805 Mk. angefordert. Für das Feuerlöschwesen werden 1150 Mark an Mehrausgaben benötigt. Die allgemeine Armenpflege erfordert 7970 Mk. Die Schulkosten, nach Kürzung der Einnahmeposten, betragen 9636 Mk. Für die Tlnterhaltung der Straßen sind 5033 Mk. ausgeworfen. Die Ausgaben für landwirtschaftliche Zwecke beziffern sich auf 6387 Mk. (nach Abzug von 950 Mk. Einnahmen). Unter Soziale Fürsorge, Ruhegehälter, Witwen- und Waisengelder erscheinen 4600 Mk. in Einnahme und 11 491 Mk. in Ausgabe. An besonderen Steuern (Grunderwerbssteuer, Won- derlager-leuer usw.) finden wir eine Mehreinnahme von 2680 Mk. Die zur Tleberweisung kommenden Reichssteuern sind mit 29 080 Mk., die von der Gemeinde zu leistenden Steuerzahlungen mit 2670 Mk. angenommen. Als Reservefonds ist ein Betrag von 3600 Mk. vorgesehen. Unter der Rubrik „Umlage" erscheinen in Einnahme 43 600 Mk., in Ausgabe stehen 5140 Mk. Die Vermögensrechnung schließt ab mit 32 216 Mk. in Einnahme und Ausgabe. — Aenderungen für die Polizeiverordnung über die Entwässerungsanlagen in der Gemeinde Lollar finden Annahme. Sie betreffen die Verwendung von Abfluhröhren für die Hausanschlüsse und Vorschriften für Autohallen und Werkzeugstätten. — Hierbei wird die Frage der Verwendung von Hofsinkkasten für die z. Zt. im Gange befindliche Kanalisation aufgeworfen. Der Gemeinderat hält eine möglichst einheitliche Art für zweckmäßig und beschließt, daß sich die Baukommission in Kürze Stücke der einzelnen Fa-
Deutsche Helfer an Persiens Aufstieg.
1700 Kilometer Schienen zwischen Kaspisee und persischem Golf. — Deutsche Finanzsachverständige in Teheran. - Deutschlands moralische Eroberungen im 2Reid) des silbernen Löwen.
Don Albert dichter.
In Finanz- und Wirtschaftskreisen erregt die Rachricht großes Aufsehen, daß die Bauarbeiten an der persischen Rord-Süd- Bahn plötzlich ins Stocken geraten sind. Es handelt sich hier um ein Werk von bedeutender Tragweite.
Der gewaltige, 1700 Kilometer lange Schienenstrang, der quer durch Persien, vom Kaspischen Meer bis hinunter zum Persischen Golf, gelegt werden soll, wurde vor etwa Iahrcsfrist von einem internationalen Syndikat, an dem neben amerikanischen, englischen und französischen Firmen auch deutsche Großunternehmen maßgeblich beteiligt sind, in Angriff genommen. Der deutsche Zeitungsleser bekommt eine Vorstellung von der Länge der Strecke, wenn er hört, daß sie noch 100 Kilometer länger als der Schienenweg Memel—Konstanz ist. Auch darf nicht vergessen werden, daß ein Bahnbau in Persien, was technische Leistung und „ menschliche Arbeit anbclangt, keineswegs mit ähnlichen Bauarbeiten in Europa verglichen werden kann. Was das Leben der Europäer in Persien so unerträglich macht, ist die mörderische Hitze, sind Krankheiten wie Malaria und Typhus. Hinzu kommt, daß das wegearme Land, wo heute noch, wie vor tausend Iahren, Kamel und Maultier den Verkehr beherrschen — denn - die wenigen Automobilstraßen, in der Rachkriegszeit geschaffen, haben noch keine besondere praktische Bedeutung — die Zufuhren an Lebensmitteln und technischen Materialien für die Arbeiter und die Ingenieure sehr schwierig gestaltet. Wie einer der besten deutschen Persienkenner, Dr. Fritz Hesse, der Geschäftsführer der D.'utsch-Persi- schen Gesellschaft, zu der plötzlichen Stockung im persischen Eisenhahnbau erklärt, muß diese einerseits den Geldschwierigkeiten der Regierung in Teheran, andererseits technischen Mängeln zur Last gelegt werden, die sich bei dem Bau der Südstrecke der persischen Transversalbahn zum lebhaften Mißvergnügen der Perser ergeben haben.
Der Bahnbau ist so begonnen worden, daß im Rorden die Deutschen arbeiten, und am anderen Ende die Amerikaner zusammen mit Engländern und Franzosen am Werke sind. Die amerikanische Bauleitung im Süden, die wohl beim Bau der Rord», Mittel- und Südamerika verbindenden Panamerikanischen Bahn auch im schwierigen Gebirgsgelände der Kordilleren Ersprießliches geleistet haben mag, ist bei ihren persischen Bahn- arbeiten wohl von falschen Voraussetzungen aus- gegartgen. Iedcnfalls soll die persische Regierung über das langsame Fortschreiten der südpcrsischen Bahnarbeiten lebhafte Unzufriedenheit geäußert haben. Der deutsche Bahnbau im Rorden ist bisher von dieser Mißstimmung völlig unberührt geblieben. Wenn die Perser in letzter Zeit den am Südbau beteiligten Kreisen die Gelder gesperrt haben, so hat dies aber noch einen anderen gewichtigen Grund. Durch das Fallen des Silberpreises, auf dem die persische Valuta noch aufgebaut ist, muhte der Toman im Wert bedeutend sinken. Dies konnte natürlich nicht ohne Rückwirkungen auf die Finanzierung des gesamten Bahnbaus bleiben, der die für ein armes Land wie Persien unerhörte Summe von annähernd 400 Millionen Goldmark verschlingt. Dieses Geld hat die persische Regierung nicht durch eine Auslandanleihe, die von per» schiedenek Seiten — ach, wie gern! — gewährt worden wäre, aufnehmen wollen, weil man in Persien mit solchen ausländischen Geldern nur die allerschlechtesten Erfahrungen gemacht hat. Es war ja gerade Persiens nationales Unglück in der Zeit vor dem Kriege, daß die verschwenderischen, nur auf das eigene Wohl bedachten Herrscher der alten Dynastie, deren letzter Sproß im Vorjahr an den Folgen seines Wohllebens als Dreißigjähriger an der französischen Riviera gestorben ist, von England und Rußland nur zu leicht Anleihen erhalten konnten. Beide Mächte, die von Rorden und Süden her zu den reichen Erdölfeldern Persiens hinstrebten, hatten es dank diesen Anleihen verstanden, sich auf Kosten der persischen Selbständigkeit die besten Pfänder zu holen. Rordpersien war russische Hoheitszone, Südpersien englisches Machtgebiet geworden. Im Weltkrieg standen sogar russische und englische Truppen auf persischem Boden. Die Regierung des Schah Rhiza Pehlewi hat ein anderes Mittel gefunden, um die zur Verwirklichung des großen Projekts erforderlichen Gelder im Laufe von Iahren zu beschaffen. Sie hat ein Zucker - und Teemonopol errichtet, aus dessen Erträgnissen die Baukosten all
mählich beglichen werden sollen. Der Valutasturz mindert natürlich auch den Wert dieser Steuereingänge. So haben also auch finanzielle Schwierigkeiten zur Unterbrechung der Bahn- arbeiten beigetragen.
Die Regierung in Teheran, die früher amerikanische Finanzberater hatte, heute aber von deutschen Finanzsachverständigen in ihrer Finanz- und Wirtschaftspolitik beraten wird, zeigt sich jetzt bemüht, die persische Währung auf Goldbasis zu stellen, um damit auch die Weiterführung ihres Bahnprojektes zu sichern. Immerhin werden noch mehrere Iahre vergehen, ehe der Perser sein Land Dorn' Kaspischen Meer bis zum Persischen Golf im Eisenbahnwaggon durchqueren kann. Auf besondere Bauschwierigkeiten werden die Ingenieure im Elbursgebirge stoßen, dessen östliche Ausläufer in einer Breite von 100 Kilometer durchschnitten werden müssen. Dort sind beträchtliche Steigungen zu überwinden, weil sich der Gebirgskamm bis zu einer Durchschnittshöhe von 2000 Meter erhebt. Bei dem Ort Firu- skuh östlich von Teheran muß in dieser Höhe sogar ein Tunnel gebohrt werden. Allein der Tunnelbau dürfte vier Iahre in Anspruch nehmen. so daß erst nach Ablauf dieser Frist der Bahnbau auf der Rordstrecke schneller fortgeführt werden kann. Auch hinter Teheran muß die Bahn über Gebirgsland geführt werden. Die Stadt Hamadan, die von der Bahn berührt wird, liegt ebenfalls 1300 Meter über dem Meeresspiegel. Weiter südlich trifft die Bahn wieder auf ein Hochgebirge, das mit 2500 Meter Höhe hohe technische Anforderungen stellen wird. Mehrere Tunnelbauten werden auch hier notwendig sein. Ein Tunnel allein ist auf eine Länge von 6 Kilometer bemessen worden. Seine Durchstechung dürfte sechs Arbeitsjahre kosten. Erst dann geht es ins Tiefland hinab. Dort bietet wieder ein großer B r ü cf e n b a it neue Schwierigkeiten. Der Karun-Fluß in der Rähe von Ahwas muß nut einer etwa 1100 Meter langen Brücke überquert werden. Von Ahwas gelangt die Bahn an das nördliche Ende des Khor- mussa, eines schmalen, 50 Kilometer tief in das Land reichenden Meeresarmes, der außer dem Schat-el-Arab, dem Zusammenfluß des Euphrat und Tigris, den besten natürlichen Hafen dar- ftellt, der am Rordende des Persischen Golf vorhanden ist.
Mit dem Bahnbou allein ist es noch nicht getan. Am Südostrand des Kaspischen Meeres wird östlich von Benderges ein ganz neuer Hafen erbaut, der unter dem Ramen Bender- schah als der eigentliche Ausgangspunkt der Transversalbahn gelten soll. Am Südende der Dahn wird eine Hafen st adtBenderscha tz- pur entstehen. Der Landekai ist bereits schon fertiggestellt. Das ganze Werk zeigt in seinen gigantischen Ausmaßen den starken Aufbauwillen Persiens. Seine praktischen Auswirkungen sind nicht abzusehen. Der Rorden des Landes wird vom Transitverkehr durch Rußland unabhängig; erst das künftige Verkehrsnetz — heute gibt es in Persien, das dreimal so groß ist wie Deutschland, nur 210 Kilometer Eisenbahn — wird das alte Reich der Perserkönige der Weltwirtschaft erschließen. In Rordpersien harren noch riesige Eisen- und Kohlenlager der Ausbeute. Vielleicht wird sich dany für Auswanderer Aussicht bieten, in Persien voranzukommen. Obwohl heute schon Hunderte junger Perser auf Regierungskosten an den technischen Hochschulen Europas studieren, wird auch weiterhin starkes De- dürfnis nach tüchtigen europäischen Ingenieuren bestehen. Wie heute schon deutsche Ingenieure, Piloten und Kaufleute in Persien leben und eifrig an seinem Aufbau Mitarbeiten, so werden auch später von den überaus deutschfreundlichen Persern andere Deutsche ins Land gerufen werden. Richt durch große Propaganda hat Deutschland im Land des silbernen Löwen bedeutende moralische Eroberungen gemacht, sondern durch die Allgemeingut gewordene Erkenntnis, daß Deutschland im Orient keine machtpolitischen Interessen mehr verfolgt, und die unbegrenzte Achtung vor deutschem Wagemut und deutscher Qualitätsarbeit haben ein klebriges getan. Am beliebtesten sind die deutschen Flieger, die bald nach Kriegsende ins Land kamen und den Luftverkehr organisierten. Llnvergessen ist auch anderen deutschen Piloten, daß sie beim Ausbruch einer Massenepidemie in schnellem Flug aus Deutschland Medikamente herbeischafften, so daß man bald der gefährlichen Seuche Herr werden konnte.
brikate vorführen läßt. — Das Gemeindegebäude (ehemalige alte Schule), Hauptstraße 23, ist im Aeußeren sehr schlecht im Stand. Die Instandsehungsarbeiten werden auf 1000 bis 1200 Mk. geschäht. Die Arbeiten sollen, nach vorheriger Aufstellung eines Voranschlages, unter den ortsansässigen Handwerkern ausgeschrieben werden. — Die Anlieger des Holzmühlen- wegs haben ein Gesuch vorgelegt um Anschluß ihrer Grundstücke an die Kanalisation. Die Eingabe findet durch die Mitteilung, daß der Anschluß mit vorgesehen sei, ihre Erledigung. — Aus ein Gesuch des Kreisziegenzuchtvereins um Gewährung eines Ehrenpreises für die im Sommer in Lich stattfindende Iubi- läumsschau werden 10 Mk. bewilligt. — Die seit vielen Iahren schwebende Angelegenheit der Errichtung eines Gesallenen-Ehren- m a l s findet nach reiflicher Aussprache durch den einstimmigen Beschluß ihre Erledigung, daß an den Kriegergrabstätten ein schlichtes Ehrenmal errichtet werden soll. Unter den vorliegenden Entwürfen findet ein solcher von Schmiede- knecht in Londorf allseitige Zustimmung. Die Ausführung erfolgt in Lungstein zum Preise von 1670 Mk. ohne Beschriftung.
z. Aus dem Buseckcr Tal, 11. Iuni. Das prächtige Wetter der letzten Tage hat die Heuernte vollends in Gang gebracht. Schon vor Pfingsten war einiges Gras gemäht und etwas Heu eingebracht worden, aber jetzt erst setzt die Mahd vollständig ein. Die Dickwurz sind grö- tenteils gesetzt und auch angegangen. Die Kar - t o f fein, um die der Landwirt während des langen Regens in Sorge war, sind gut aufge
gangen, aber die Aecker sind zum Teil stark verunkrautet. Das Getreide steht schön; das Kom, das eben blüht, ist über mannshoch. Kirschen geben eine sehr reiche Ernte; die Frühkirschen beginnen zu reifen.
Lich, 11. Iuni. Der älteste und zugleich der stärkste Verein unserer Stadt, der Männer- gesangverein Cäcilia 1 8 3 8, pflegt viele alte ^Überlieferungen zur Freude der Einwohnerschaft und zur Erhaltung des Ansehens unserer Stadt. Unter diesen kommt dem Frühgange des zweiten Pfingstfeiertages jeden Iahres eine besondere Bedeutung bei. Wie die Himmelfahrtswaldfeste des Vereins, die seit den sechziger Iahren des vorigen Iahrhunderts bekannt sind, begeht der Verein seit Iahrzehnten diesen Pfingst- rundgang mit dem Vortrag einiger ausgewählten Chöre. Mächtig erklangen unter der tüchtigen Führung des Chorleiters, Lehrer I l g e, Butzbach, im feiertäglichen Morgen die Akkorde des deutschen Liedes. Sie zeigten wieder, daß der Verein fein geschult ist und vermöge seines guten Stimmenmaterials große Schwierigkeiten der Kompositionen meistern kann.
G Hungen, 11. Iuni. Mit Beginn dieses Monats trat Gendarmeriemeister G. Bein- Hoff von Hier in den Ruhestand. 40 Iahre hat er im Dienste der Landespolizei gestanden. Seine erste dienstliche Verwendung sand er in Heppenheim. Rachdem er noch vorübergehend in Badenheim stationiert war, hat er hier 15 Iahre als Stationsführer seines Amtes gewaltet. Trotz seiner strengen Dienstauffassung war er ob seines leutseligen Wesens bei der Bevölkerung der zu seinem Dienstbezirk gehörenden Ortschaften all
gemein beliebt. Herr Deinhvff gedenkt auch nach seiner Ruhestandsversetzung hier wohnhaft zu bleiben.
# Langd, 11. Iuni. Dem Milchfuhrmann Fritz von hier wurden auf der Fahrt von Hungen nach hier ein Betrag von 1 7 0 0 Mark gestohlen, den er von der Molkereigenossenschaft Hungen zur Auszahlung an die Milchliefe- ranten erhalten hatte. Die Gendarmerie Hungen hat zwei in schwerem Verdacht stehende Personen von hier verhaftet und ins Gefängnis nach Gießen gebracht.
* Lang-Göns, 11. Iuni. Am Sonntag, 22. Iuni, feiert hier der evang.-kirchliche Posaune n ch o r den Tag seines 40 jährigen Bestehens. Die Feier beginnt mit einem Vorabend für geladene Gäste im evangelischen Gemeindehaus. Am nächsten Morgen ist Choralblasen auf dem Kirchplatz. Im Gottesdienst, in freou Pfarrer Walde ck-Darmstadt predigen wird, singt die Gemeinde mit Männerchor, gemischtem Chor und Posaunenbegleitung zum erstenmal das „Te- deum". Rachmittags beginnt dann das alle zwei Iahre wiederkehrende Missionsfest unter den Linden des Kirchplahes. Prediger sind Pfarrer Kornmann -Rodheim a. d. H. und Missionar Beckmann von der Goßnermission. Die Gemeinde wird den Gästen ihre gastlichen Häuser öffnen.
Kreis Büdingen.
y. Bad Salzhausen, 10. Iuni. Dieser Tage waren 3 0 Iahre verflossen, seitdem Obergärtner Becker hier seinen Dienst antrat. Während dieser Zeit hat er nicht nur seine Berufspflichten stets gewissenhaft erfüllt, sondern sich auch durch die sorgfältige Verwaltung der hiesigen meteorologischen Station und durch die phänologischen Beobachtungen große Verdienste erworben. Die meisten Gewächse im hiesigen Park und in den Anlagen hat er mit Ramenschildchen versehen und dadurch manchem Pflanzenfreund eine Freude bereitet. Auch um den Vogelschutz ist er schon jahrelang eifrig bemüht. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Obergärtner Becker von der Hessischen Landwirtschaftskammer die bronzene Medaille für treue Dienste verliehen und sie ihm von Badedirektor Dr. Meyer überreicht.
Kreis Schotten.
(^Gedern, 11. Iuni. An den beiden Pfingst- feiertagen weilte eine Abteilung des Turnvereins Großen-Linden (DT.) als Gast des hiesigen Turnvereins in unserem Städtchen. Am ersten Feiertage wurde eine gemeinsame Götz- wanderung durchgeführt, an der sich auch der hiesige Musikverein beteiligte und die einen sehr harmonischen Verlauf nahm. Die Großen-Linde- ner Turner waren abends bei Rentamtssekretäc Reinh. Diehl zu Gaste, der sich um das Zustandekommen der Veranstaltung besonders verdient gemacht hatte. Rach einem kleinen Mor- genspaziergang in unsere Umgebung fand am Rachmittag des zweiten Feiertages auf dem geräumigen Sportplatz des Turnvereins ein großes Schauturnen • statt, welches von der Großen-Lindener Musterriege und einigen einheimischen Turnern vorgeführt wurde und eine große Zuschauermenge herbeigelockt hatte. Die vorgeführten Leistungen waren vorbildlich. Das Publikum sparte nicht mit wohlverdientem Beifall. Im Anschluß an das Schauturnen wurde ein Handballfreundschaftsspiel der beiden ersten Mannschaften von Mtv. Oberrad und Gedern ausgetragen, das mit 3:2 für die Gäste endete. Als Vertreter des 1. Vorsitzenden sprach Lehrer Häusel den Dank des Tv. Gedern an den Gastverein für sein bereitwilliges Mitwirken beim Schauturnen aus. Dr. Römer (Großen-Linden) dankte in herzlichen Worten für die freundliche Aufnahme und wünschte, daß die Beziehungen der beiden Turnvereine zueinander von bleiben-^ dem Werte sein möchten.
•*- Rudingshain, 11.Iuni. Die Bepflanzung der Provinzial st raße Rudingshain — Poppen st ruth mit Apfelbäumen hat sich als ein Fehlschlag erwiesen. Es zeigt sich, daß die schon groß gewachsenen Bäume im Absterben begriffen sind. Diele sind bereits eingegangen, die anderen zeigen nur noch schwache Lebenszeichen und werden folgen. Wie der Versuch Herchenhains, Apfelbäume im Dorfbereich anzupflanzen, kläglich scheitern mußte, so dürfte auch das Eingehen öiefer Apfelbaumanlage den Rachweis erbringen, daß in einer Höhenlage von 500 Meter im Vogelsberg kein Apfelbaum mehr gedeiht. Es dürste sich empfehlen, in Gebirgsgegenden auf die süßfruchtige Eberesche zurückzugreifen, die eine erfrischende und wohlschmeckende Frucht liefert, die zu Kompott, Gelee und Obstwein verwendet werden kann.
§ Vom Vogelsberg, 10. Iuni. Ziemlich allgemein hat man jetzt in den tiefer gelegenen Orten unseres Gebirges mit dem ersten Schnitt der Wiesen angefangen. Dank der sehr günstigen Witterung im Mai steht das Gras überall vorzüglich und verspricht eine treffliche Heuernte. Vereinzelt wurde selbst in den höheren Lagen, bis hin zur 500-Meter-Grenze, schon mit dem Schnitt begonnen. Seit Iahren hat man mit der Heuernte nicht derartig früh anfangen können, wie es in diesem Iahr, hauptsächlich infolge des milden Winters, zur Freude des Landmannes möglich ist.
Kreis Alsfeld.
=er. Homberg, 11. Iuni. Gestern, am letzten Pfingstfeiertage, fand hier der Warme Markt, ein Krämer- und Schweinemarkt, statt. In der Tat war es auch sehr warm, und der Markt war wegen der im Gange befindlichen Heuernte nicht fleißig besucht. Auf dem Krämermarkt waren nur einzelne Stände aufgebaut. Der Schweinemarkt war mit 248 Ferkeln befahren. Es kosteten sechs bis acht Wochen alte Ferkel 29 bis 35 Mark, acht bis zehn Wochen alte . 35 bis 40 Mark und zehn bis dreizehn Wochen alte Tiere 40 bis 55 Mark. Da die Landwirte am Heu vollauf zu tun haben, war der Markt bald geräumt. — Wie alljährlich, fand gestern auch die Generalversammlung des Spar- und V o r s ch u ß v e r e i n s Homberg e. G. ry. b. H., im Helmschen Saale statt. Da die Geschäftslage in jeder Beziehung günstig zu nennen ist, konnte den Mitgliedern auf ihren Geschäftsanteil 9 Prozent Zinsen und außerdem 3 Mark Tagegeld ausbezahlt werden.
PIX AVON
Ska/vnfiotrn/, dicuXet 30 /ß.


