„Kann Ihnen mein Dank und meine ungetrübte Erinnerung an Sie nicht genügen?"
„Warst du schon einmal hungrig. Konstanze? — Nein, du warst immer satt, siehst du!" Er keuchte und sein trockener Husten durchschüttelte den schmächtigen Körper des Kranken.
Shr Haupt sank auf die Brust. Gin Mondstrahl legte sich auf ihr Gesicht, glitt über ihr schwarzes Haar. Es mutete an, als schwebe ein Heiligenschein über ihrem Haupt.
„So willst du ihn sterben lassen?" Diese Frage klang hart und grausam und war ohne jede Menschlichkeit.
Wieder kam dieses schreiende „Nein!" von ihren Lippen.
Sie sank zu Boden. Sie lag vor ihm auf den Knien.
„Genügt Ihnen auch das noch nicht?"
Die Liebe zu einem Manne zwang die herrliche, stolze königliche Konstanze auf die Knie.
Sie rang die Hände und hob sie zu ihm auf.
„Warum quälen Sie mich so?"
Mit jäher Bewegung beugte er sich zu ihr nieder und hob die Gebrochene auf.
Sie zitterte. Sie dachte nichts mehr als: „Peter!
— Peter! — Peter!" Alles andere versank.
Peter! — Peter! — Peter!
War er nicht bei ihr? — Er war da und umfing sie —
Dann folgte eine leere, öde Stelle in ihrem Denken und Empfinden.
Eine Stunde kam und ging. Das Licht deS Mondes wanderte durchs Zimmer.
Endlich hob Konstanze den Kopf. Die war allein.
Sn dem schwachen Licht sah sie zwei kleine weiße Flecke schimmern, die zu ihren Füßen lagen. Ganz mechanisch bückte sie sich und hob etwas auf.
Lange Zeit starrte sie regungslos auf die beiöen Papierfetzen. Es war die zerrissene Schuldverschreibung.
11.
Daran, wie Konstanze die nächste Zeit überlebte, konnte sie sich später nie mehr erinnern.
Gin gewaltiges Erstaunen blieb' nach diesen Ereignissen zurück, wie es möglich war, bah man weiterlebte, daß der Organismus „Mensch" nicht zerbarst vor Scham und Verzweiflung.
Anfänglich erschien es Konstanze als etwas Unmögliches, nun noch vor Peter hinzutreten, seinen Blick auszuhalten und Gleichgültigkeit zu zeigen.
Aber sie hatte sich ihr Recht an Peter erkauft mit schworen Opfern, aber die Opfer waren gebracht. Sie wollte das Licbeswerk zu Ende führen. wollte wenigstens versuchen, Peter aus den Klauen seiner unseligen Leidenschaft zu befreien. /
(Fortsetzung folgt.)
Großdeutsche Pfingsten.
Oie Hessen auf -er Lubiläumstagung -es BOA.
Ln öen Tagen vom 6. bis 11. Sunt fand tn Salzburg die Pfingsttagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland statt. Sie war diesmal besonders wichtig, weil mit ihr das 5 0. S u - biläum der Schutzvereinsarbeit verbunden war. Wir geben im folgenden unseren Lesern aus der Fülle der Veranstaltungen einige Stimmungsbilder, die der Sonderberichterstatter des Landesverbandes Hessen des DDA^, Dr. Götz, Darmstadt, uns zur Verfügung stellte. D. Red.
Die Hinfahrt.
Das verhältnismäßig kleine Hessen stellt seit Jahren einen großen Prozentsatz der Teilnehmer an dieser Volksdeutschen Heerschau. Der Gedanke
Kuratus F. H. M i t t e r e r, der Gründer des Deutschen Schulvereins, der als erster Pionierarbeit für das Auslandsdcutschtuin leistete.
Chiemgauer Alpen, der Spiegel des stimmungsvollen Chiemsees glänzt herüber, und um 10.15 Uhr abends sind wir in der Feststadt Salzburg. Sn langem Zuge rückt die Sugend in ihre vorbereiteten Quartiere, und auch die Erwachsenen suchen bald die Ruhe, nachhaltig gezwungen durch die unbarmherzig gehandhabte „Sperrstunde".
Salzburger Auftakt.
Die mit ihren zahllosen Kirchtürmen, mit ihrer ragenden Feste in das breite Talbecken der Salzach zwischen hochragende Gipfel eingebettete Stadt Salzburg empfängt ihre Gäste in strahlendem Sonnenschein. Die mit Flaggen geschmückte Stadt Mozarts klingt und musiziert von den Marsch- und Wanderliedern der einrückenden, von dem blauen VDA.-Wimpel über-
Gesandter a. D. Frhr. v. d. B u s s ch e, Haddenhausen, der jetzige Vorsitzende des VDA.
der Volksverbundenheit aller Deutschen ohne Rücksicht auf zufällige politische Grenzen hat gerade in unserem Lande besonders tief Wurzel geschlagen: Alljährlich rollt aus Hessen ein Son Verzug, gefüllt mit erwartungsfroher, begeisterter Sugend nach dem Tagungsort. Direktor Hüthwohl, Grünberg, leitet zusammen mit Dr. Scheuring, Darmstadt, und Bank» beamten Philipps, Friedberg, unterstützt von vielen Unterführern, diese Fahrt in mustergültiger Weise. lieber 800 Sugendliche und Erwachsene bestiegen am vergangenen Freitag den hessischen Sonderzug, der von Gießen nach Süden abfuhr und sich in Butzbach, Bad- Rauheim, Friedberg, Frankfurt, Darmstadt, Bensheim, Hevpenheim füllte. Sonnenschein lag über dem deutschen Lande, das wir durchfuhren, iunt) Sonnenschein war in den Herzen der Fahrt- teilnchmer, der sich kundgab in srolxem Lied -und brausendem Heilrus. Bruchsal mit seinem Rokokoschloß fliegt vorbei, in dem mächtig auf- - tretendem Stuttgart ist Erfrischungshalt, dann schnaubt dec Zug die Geislinger Steige hinaus auf die Höhen des Sura, unö im Fluge geht's hinab zur Donau, wo die Filigranspitze des Ulmer Münsters uns grüßt. Rastlos geht's weiter. Die Fuggerstadt Augsburg wird durchfahren, München ist erreicht, und nun geht's durch die Abenddämmerung den Bergen zu. Sm Abendrot türmen sich bald die Dergriesen der
wehten Sugend, die in Schulen und Fabrikräumen ihre Unterkunft findet. Ueberall auf den Straßen sieht man die bunten Festabzeichen, hört man den Heilgruß. Die ganze Mannigfaltigkeit deutscher Mundarten aus Rord und Süd, Ost und West, klingt mit den Stimmen der Ausländsdeutschen zu einer Symphonie der Volksdeutschen Gemeinschaft zusammen. Dieses Sich- finden, Sichkennen-, Sichverstehenlernen, das Hören von gegenseitigem' Erleben, das Sehen der verschiedenartigen Volkstypen und der aus alledem erwachsende Wille, mit der gesamtdeutschen Doltsgemeinschast Ernst zu machen und in Opferbereitschaft füreinander einzustehen, ist der Sinn dieser deutschen Pfingsttagung.
Von den Behörden und Ministerien aus dem Reiche und aus Oesterreich, von zahlreichen Länderregierungen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Männern aller Parteirichtungen, Vertretern der Kirchen, großen Organisationen verschiedenster Art sind zahllose Glückwunschtele- grainme eingelaufen, zahlreiche Vertreter erschienen. Das Glückwunschtelegramm des Reichspräsidenten von Hindenburg enthält eine warme Anerkennung der Volksschutzarbeit, einen herzlichen Wunsch für weitere Erfolge.
Der Psingftfamstag begann mit einer Sitzung des Hauptausschusses, in welcher die Vertreter aller auslandsdeutschen Gebiete über ihre Lage und die Ereignisse des letzten Sahres
Bericht erstatteten. Diese Sitzung stand unter der Leitung des Vorsitzenden Freiherrn von dem Bussche-HaddenHausen.
Oie Zubiläumshauptversammfung fand am Samstagnachmittag im großen Saal des Festspielhauses statt und stand unter der Leitung des 1. Vorsitzenden, der die vielen Begrüßungen, die dem VDA. zu seiner Subiläums- tagung dargcboten wurden, entgegennebmen konnte. Der geschäftsführende Vorsitzende, Admiral Seebohm, verlas vor der Erstattung des Geschästsberichts die zahlreichen Glückwünsche, die zur Subiläumstagung eingingen, darunter solche des Reichspräsidenten, Reichskanzlers und zahlreicher Reichsminister. Der Geschäftsbericht gab ein eindrucksvolles Bild von der mannigfachen Verzweigung der Arbeit des Vereins. Das Schwergewicht lag in den letzten Sahren, der Ausdehnung des Vereins entsprechend, im Ausbau der Frauengruppen und der Gruppen in den ländlichen Gebieten. Den Schluß der Aussprache über den Geschäftsbericht bildete eine ermunternde Ansprache von Reichsminister a. D. Dr. Külz, der dem Verein wünschte, daß er unbeirrt, trotz aller Angriffe von rechts und links, seine hohe und heilige Aufgabe weiter zu erfüllen suche. Von fünf Städten aus dem Rheinland (Aachen, Köln, Koblenz, Mainz, Trier) waren Einladungen zur nächsten Pfingsttagung ergangen. Der Vorstand wird die endgültige Wahl des Tagungsortes zu treffen haben. Sedenfalls wird das befreite Rheinland im Sahre 1931 den VDA. auf freiem deutschen Boden begrüßen können.
Oie übrigen Tagungen des Samstag.
Den ganzen Tag über maß sich die Sugend auf dem Ronntaler Sportplatz Berchtoldsgründe im Sportwettkampf. — Am Rachmittag fand der Presseempfang durch den VDA. im Hotel Bristol statt. Chefredakteur Dr. Hoe - 6 er, Köln, leitete' ihn. Starken Eindruck machten die Ausführungen von Professor Auhagen, der über die grauenhafte Vernichtungskatastrophe sprach, die' jetzt im bolschewistischen Rußland über 1,2 Millionen deutscher Volksgenossen hereingebrochen ist. Direktor Dr. Barta, Wien, einer der besten Kenner der Schutzvereinsarbeit, bot in gedankenreichen Worten die geschichtliche Entwicklung der Schulvereinsarbeit in Oesterreich. Uebcr die Geschichte der VDA.-Bewegung im Reich sprach Dr. Bell, Kassel, der mit Dr. Barta zusammen das Standardwerk über die „Geschichte der Schutzarbeit am deutschen Volke" versaßt hat. Professor Steinacker (früher Ofen-Pest) ergänzte Bells Ausführungen aus seinen Lebenserfahrungen. — Den Begrüßungsabend der Studenten leitete Professor Dr. Günther, Snnsbruck. Direktor T r e u t, Reuyork, hielt eine zündende Ansprache an die akademische Sugend, während Dr. UII* mann, Berlin, über das zeitgemäße Thema „Von der Schutzarbeit zum Volksdeutschen Gedanken" sprach.
Oie Jubiläumsfeier im Festspielhaus.
Den Psingstsamstag krönte die Feier des 5 0. Subiläums der Schutzarbe it, die in dem mächtigen Theatersaal des Festspielhauses stattfand. Rach einem einleitenden Orgelspiel zogen die VDA.-Banner unter dem Schmettern der Fanfaren ein, zahlreiche Subiläumsspenden wurden überreicht, ebenso Auszeichnungen an drei Männer verliehen, die 50 .Sahre lang in der Schuhvereinsarbeit stehen. Der Salzburger Sängerbund sang, das klangstarke Schulvereinsorchester Salzburgs spielte: besonderen Beifall sanden die Volkslieder einer Volkskunstgruppe aus Mähren. Sn das musikalische Programm hinein, waren die zahlreichen Ansprachen verteilt, denen das überfüllte Haus andächtig lauschte. Begrüßungsworte sprach der Landeshauptmann von Salzburg, Dr. R e h r l, der Oberbürger
meister, Hosrat Q t t, bet beul^che Gesandte von Wien, Graf Lerchenfeld. Besonders eindrucksvoll war der Gruß des Fürster^bischofs Dr. Rieder, des legatus natus des Apostolischen Stuhles und Primas von Deutschland. Die Festrede „50 Sahre Schutzarbeit" hielt Professor Dr. Eibl von der Universität Wien, der in tiefgründigen, teils geschichts- und rechtsphilosophischen Ausführungen von hohem Niveau die Forderungen des reinen Rechts darstellte, die das deutsche Volk sich zu eigen machen und die auch unsere ehemaligen Gegner letzten Endes davon überzeugen mühten, daß auch sie nur Vorteil aus einem Durchbruch dieses reinen Rechtes haben könnten. Unter den vielen Glückwünschen, die zum Teil in längeren programmatischen Ausführungen ausgesprochen wurden, seien die des früheren 1. Vorsitzenden des VDA., Staatssekretärs a. D. v. H i n tz e, des Sektionsrates Dr. Berka, Wien, des Senators Dr. Muth, Temesvar, für die europäischen Minderheiten, und des Generaldirektors Hayn, Bue. nos Aires, für die Ueberseedeutfchen, hervorge- hoben. Admiral Seebohm wurde durch Aeber- reichung einer Dankesadresse seitens der Volkskunstgruppen besonders geehrt. Das Deutschlandlied mit Orchesterbegleitung schloß eindrucksvoll die erhebende Festfeier ab.
Kirche un- Schule.
Entschließung der Friedberger Konferenz.
Die Hessische Evangelische Vereinigung (Friedberger Konferenz) hielt in Frankfurt ihre Hauptversammlung, deren eigentliches Verhandlungsthema die aktuelle Frage des Zusammenschlusses der Landeskirchen von Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Hessen-Rassau und Frankfurt bildete. Die mehr grundsätzliche Seite der Frage erörterte Universitätsprofessor v. Cordier, Gießen, während Landeskirchenrat v. W a i tz , Darmstadt, Vorschläge einer praktischen Lösung bot. Wie aus der sich anschließenden regen Aussprache hervorging, besteht innerhalb der Vereinigung der lebhafte Wunsch, über die theoretische Erörterung der Frage hinauszukommen und einen gangbaren Weg zu der Schaffung eines geeinten großen Kirchengebildes zu finden, das mit größerer Stoßkraft und Wirtschaftlichkeit die brennenden Gegenwartsaufgaben auf kirchlichem Gebiete in Angriff nehmen kann. Der Ertrag der Vorträge und der Aussprache wurde in folgender Entschließung zusam- mengefaht:
„Die Hauptversammlung der Hessischen Evangelischen Vereinigung (Friedberger Konferenz) sieht in der Schaffung einer einheitlichen grohhessi- schen Kirche das Ziel der zu erstrebenden kirchlichen Entwicklung. Um dieses wertvollen Zieles willen glaubt sie den in Frage kommenden Landeskirchen weitgehende Opfer zumuten zu können. Sie begrüßt die Weiterführung der Verhandlungen durch synodale Vertreter und beauftragt ihre eigenen Abgeordneten, im hessischen Landeskirchentag und in dem Dereinigungsausschuh ebenso entschieden alle Bestrebungen zu unterstützen, die diesem Ziele bienen, wie etwaige Lösungen abzulehnen, die die Schaffung eines einheitlichen Kirchengebildes erschweren können."
Iahresfest des evangelischen Rettungshauses zu Arnsburg
T Kloster Arnsburg, 11. Suni. Wie all- jährlich, so hatten sich auch dieses Sahr wieder tausende von Menschen eingefunden, um dem Sahresfest des ev. Rettungshauses, das am Pfingstdienstag begangen wurde, beizuwohnen. Wenn auch das schöne Heuwetter viele an der Teilnahme abgehalten haben mag, so ist die Zahl der Besucher in den Klostermauern mit 2000 eher zu niedrig als zu hoch angesetzt. Auch Glieder des fürstlichen Hauses von Solms- Hohensolms-Lich und des gräflichen Hauses von
Konstanze.
Vornan von Marl Heinz Voigt.
Urheber-Rechtsschutz Derlag Oskar Meister, Werdari
34 Fortsetzung Nachdruck verboten
Konstanze sprach nichts. Sie saß da und starrte aus die blutlosen Lippen des Sprechenden. Sie verstand nichts, als bad eine Er hat gespielt! Rach langem erst erfaßte sie das Weitere.
„Das Geld ist binnen achtundvierzig Stunden zahlbar. Morgen ist es also bereits fällig."
„Das ist doch ich bitte Sie. erklären Sie mir was wird geschehen?"
Sie schrie auf. ES war ein Schrer der Verzweiflung. Plötzlich griff fic mit einer jähen Bewegung nach Kurt Helbings Arm. Sie hielt sich Dort fest, als drohe fle in einem grundlosen Wasser zu versinten.
„Sagen Sie cs mir“, rief sie und taumelte auf ihren Stuhl zurück. „Schonen Sie mich nicht! - Cs ist bereits geschehen!?" Kurt Helbing schüttelte den Kops.
„Sch habe Peter mit Gewalt vor einer Torheit bewahren müssen."
„Aber während Sie hier sind..."
Er hob die Hand und unterbrach ihre Rede. „Sch habe ihm versprochen, zu versuchen, das Geld herbelzuschafsen."
Sie atmete aus.
„Weih er, daß Sie bei mir sind?"
„Rein! Er würde vor Scham zugrunde gehen. Er sprach die ganze Zeit von Sijnen. Er tobte wider sich selbst. Er war nahe am Srrfinn."
„Er sprach von mir? Er bereut es?" Die Frage klang rührend zärtlich und nun weinte Kon- stanze. Die Anwesenheit Kurt Helblngs versank in ein bleiernes Vergessen.
Der Bildhauer ging langsam zum Fenster. Er schaute in den Abend hinaus. Fern am Horizont über den Bäumen war ein letztes Verglühen des TageS. Srgendwo blitzten Lichter aus. „Vielleicht ist das der letzte Abend meines sehnsüchtigen Lebens", dachie er. „Vielleicht ist dieser versinkende Tag der letzte, dessen sterbende Glut meine Augen sehen."
(g£ war seltsam Diese Stunde am Fenster des Zimmers der Frau, öle er liebte, wie er keine Frau je in feinem Leben geliebt, war angefüllt mit Scheldegeöanten, mit Gedanken des Lobes, dessen Flügel er über sich rauschen hörte. Vielleicht war es die Gewlßheii. daß er nun bald Abschied nehmen müsse von der Frau, der sein ganzes Sehnen gehörte, um in einem fremden Lande seine letzten Kranthelisiahre zu verbringen. Vielleicht war es das Anglück des Freundes, vielleicht war es auch der Anblick dieser ge
beugten Frau, der ihm die Gedanken an Sterben und irdische Vergänglichkeit vor seine Seele rief.
Rur ganz kurze Zelt hatte Konftanzes Weinen gedauert. Run war sie ganz gefaßt. Aber sie fühlte, daß sie zerbrochen war. weil er. der Geliebte, den sie zu retten gehofft, gescheitert war an den Klippen seiner Leidenschaft. Run muhte er sterben! Es gab keine andere Möglichkeit.
Wie sollte Peter die Summe beschossen?
Das Zimmer lag beinahe ganz im Dunkeln. Rur die Amrisse der beiden Menschen zeichneten sich silhouettenhast scharf gegen das etwas hellere Fenster ab.
Konstanzc war zu matt, um Licht zu machen. Sie hätte Licht jetzt auch als schmerzhast cmp- sunden. — Lange Zeit schwiegen die beiden. Aus dem Dämmer klang schließlich Konftanzes hoffnungslose Frage: „Was soll geschehen?
Wie verschüttet diese wenigen Worten Hangen und wie ohne jede Zuversicht!
Äurl Helbing griff mit einer scheuen Bewegung in seine Tasche. Er zeigte ihr ein Blatt Papier.
„Zwanzigtausend Mark habe ich bereits bezahlt."
Konstanze machte eine jähe Bewegung. Sie haschte nach seiner Hand. Kurt Helbing hatte nod) Zeit, die nächste Bewegung Konstantes abzuwehren. Sie hatte den Scheitel bereits über seine Hand gebeugt.
Demütig stand sie da unö glich in dem Licht Öes Mondes, das jetzt durch das Zimmer kroch, einer übermenschlich großen Traumgestalt.
„Wie soll id) Shnen das danken?" fragte fic leise unö es klang beinahe ängftlid). — „Es ist gewiß alles, was Sie für ihn tun können, aber .."
War es nun öie Rahe dieser geliebten Frau in dem einsamen nächtlichen Zimmer, war es die Berührung ihrer Hand oder war es mehr, wgr es etwas, das in ihm gebieterisch verlangte, diese Frau zu besitzen? — Einer lei! — Es geschah etwas gänzlid) Anerwartetes. Er brach vor Konstanze in die Knie, er griff nach ihrem Kleid und glitt, da fic erschrocken unö gänzlich außer Fassung, zurückwich, mit öem Gesicht zu ihren Füßen nieder. Es sah aus, als wolle er den Saum ihres Kleides küssen. Er hob die Hände zu ihr empor unö es schien, als seien nun ihre Rollen vertauscht, als sei er öcr Bittende geworden, der Demütige, der um nichts anderes bittet, als um das, was ihm das Größte, Dc- gehrenswerteste erschien.
„Konstanzc Sie wissen — Sie haben es stets gewußt, daß ich Sie liebe, wie keine auf dieser Welt."
Run grub er sein Gesicht in die Falten ihres Rockes, unö stammelte Worte, die Konstanzc nicht verstand, die sie nur ahnte.
Schließlich sprang er aus. Er ergriff den Schuldschein PctcrS unö schwenkte ihn In der Luft.
„Diesen Schein schasfc ich aus öer Welt. — Auch feine übrige Schuld. — Er soll sich nicht töten. — Er soll leben — leben unö glücklich fein, mit dir, Konstanze, wenn nur ich ein einziges Mal glücklich fein darf. — Sch bin ein todgeweihter Mensch, Konstanze. Welche Freuden wird mir das Leben noch bringen? — Kann ich das Andenken an dich, an einen einzigen Brosamen öcr Liebe mit dir, Konstanze, mit ins Grab nehmen, so will ich gern sterben. — Es ist öie letzte GnaÖc, die ich vom Dasein erflehe."
Wie ein Sinnloser hatte er öie Worte hervor- gestoßen. Die waren öie letzten flehenöen Forderungen an Öas Leben.
Konstanze stanö wie ein scheues Tier in einen Winkel gebrückt und starrte mit großen verwunderten Augen auf den Mann vor ihr. Es war ihr, als hätte sie diesen Menschen noch nie im Leben gesehen, als wäre er in diesem Augenblick erst in ihr Leben getreten, so gänzlich verändert erschien er ihr. And Kurt Helbing wußte in dieser Sekunde, daß sein Dasein mit dieser Frau siel oder stieg. All sein Tiefstes, das er für diese Frau empfand, brach sich in jener Stunde Bahn und drang aus feiner Seele hervor cm die Oberfläche des Bewußtseins.
Er küßte ihre Hände unö die zarten Finger. Sie rührte sich nicht.
„Sie können ihn retten!"
„Sch will!"
Sie nickte: „Der Preis bin ich!"
„Sch liebe dich, Konstanze, Konstanze!"
Sie hatte die Augen geschlossen unö hörte im Geiste Peters Stimme. Sie sah ihn malen und mit dieser Vorstellung vermischte sich eine andere: Sie sah ihn leblos daliegen mit einer Schußwunde. Sie sah sich selbst in seinem Atelier. Gottbegnadete Werke hingen da. Gottbegnadet, ja, er war auserwählt. Er mußte leben — leben — leben. Wenn er sich vernichtete, so war sie sck)uld, sic, die ihn liebte. „Opfere dich, Kon- stanze!" rief eine Stimme im Snncren. „Du gebietest über sein Leben und über seinen Tod." — Eine andere Stimme rief: „Wenn du dich opferst, so hintcrgehst du ihn! — Rein! Du hintergehst ihn nicht, denn du liebst den anderen nicht."
Konstanze! Konstanzc!
Der Kampf mit den zwei Stimmen war kurz. Er währte sekundenlang nur, aber noch nie hatte Konstanze so schwer gekämpft.
„Morgen schon werde ich München verlassen", hörte sie Kurt Hclbings sichende Stinrme. „Sic werden mich nie mehr Wiedersehen. Peter aber wird leben unö wird schassen. — Durch öich, Konstanze."
„Seien Sic ein Mensch!" schrie sie unö es Hang wie öcr Schrei eines weidwunden Tieres. „Helfen Sie ihm — auch ohne den Preis."
„Sch kann dich nur so erringen, Konstanze."
SolmJ der
Feier £ tEe H seines * :S
Ders über^ ncr h"t chor Do ineindeg Feier.
3n 1 lapelle die ®a dem Kinder ihre 3J stolt. fi Ml" Öen; ‘a Heran öe allen, d> tun* lehme st
Vie
Die 1 Arbeit«! 16. bis 2 Mte d gang । emvsang« nicht gcm Jerichtsa Zulva<i 15000 gc suchenden 31. Mai 1 550 900, chauplm fügbaren Mai bc 268900 der noch lung ode 263101 ierschied der Mi aus bei.
heufl
3u de digung nahmt« Äorddeut farnttonnc trag von per Jam Ultimo IS für Zinse, famtfumm den für lagen ift < zusammen gung fall Lloyd er lichiiich Lloyd ui Umstand Pag-Av' investier in sein finden.
Stoei' die bei fchasten die gen oen Ja i. Bremer 3n der1 ©laubige auch die Daraus Dollar c
Durch strven b< bchg un d'e Mi b?l den Weit vo
Dortig TeuUtz. »M1929 Mie 8,
-ZL
r
«Iti ne|t, hy
8» 2 {"Bart1
L„
4g


