ober gar Brötchen. Die Form toar uns wohl die Hauptsache. Hrtfere Gedanken flogen bann schon weiter; denn in einigen Wochen kam der Riko- laus. Da gab es einen Mann aus Lebkuchenteig, mit aufgctlebtem bunten Kopf und dem bekannten Säckchen auf dem Rücken. Wenn erst einmal Leb- kuchengeruch das Zimmer erfüllte, konnte ja das schönste Fest, das Weihnachtsfest nicht mehr fern sein. —
Richt für jeden ist der Martinstag ein Freuden- tag; denn aus den Dörfern müssen jetzt die Pachtgelder und Zinsen bezahlt werden. 3n den Städten und größeren Gemeinden hat man schon allgemein den 1. Oktober zu diesem „Einnahmetao" erklärt. Auf dem Lande aber wird erst bezahlt, wenn die gesamte Ernte eingebracht ist. Das wird, besonders auch in diesem Jahre, manche schlaflose Rächt geben. Wohl auch vor vielen hundert Fahren, als noch der „Zehnte" abgeliefert werden muhte, darunter, wie üblich, die Martins- gans, war das ein harter Tag. Die schönste Gans aber behielt man sicherlich für sich selber.
Run ist der Martinstag nicht mehr der gefürchtete „Zehntetag", die Abgaben werden fürsorglich auf das ganje Fahr verteilt, damit wir nicht zu übermütig werden. Die Martinsgcvns soll uns aber bleiben. w.
tlnser neuer Roman.
Fn der morgigen Ausgabe des Gießener Anzeigers werden wir mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romans beginnen; wir bringen das jüngste Werk einer im Fn- und Auslande sehr geschätzten Erzählerin, die zu den erfolgreichsten Autorinnen der Gegenwart gehört, und deren ungemein spannende Romane in zahlreichen führenden Zeitungen und Zeitschriften, sowie in Buchausgaben schon Millionen von Lesern erfreuten. Unfer neuer Roman heißt:
„Oer Dreizehnte" von Anny von pantmys,
deren in unserer „Fllustrierten" erschienener Roman „Durch fremde Schuld!" sich eines auher- ordentlichen Erfolges zu erfreuen hatte. 2m Mittelpunkt des neuen Romans steht die unter seltsamen Umständen erfolgte verbrecherische Tat des „Dreizehnten", eines Unbekannten in der Maske eines Clowns, am Rosenmontag, Un- begreiflich erscheint alles — aber unentmutigt sucht der Held der Erzählung nach Spuren, um den Unbekannten zu finden, bis ihm nach Fahren die überraschende Aufklärung gelingt, die seine Rachforschungen belohnt.
Dcr Roman ist indessen kein Kriminalroman im üblichen Sinne. Die Erzählerin hat zwei nicht alltägliche Liebesgeschichten sehr reizvoll in die Geschehnisse verwoben, welche die vortreffliche, liebenswürdige Erzählungsgabe der vielaelesenen Autorin im besten Lichte zeigen. — Wkr hoffen unseren Lesern mit diesem außerordentlich spannenden Roman eine besondere Freude zu machen.
Konzert des Mandolinen
und Gitarrenvereins „Neapolita".
Obgleich Mandoline und Gitarre keine typisch deutschen Instrumente sind, hat sich ihre Verwendung bei uns in den letzten Jahren mehr und mehr eingebürgert. Es gibt heute in Deutschland eine ganze Reihe von Vereinen, die das Spielen der Mandoline und der Gitarre regelmäßig pflegen und gelegentlich in Orchesterkonzerten an die Oesfentlich- keit treten. Tritt die Mandoline als Soloinstrument auf, so ist ihr Ton nicht sehr tragfähig und voll und neigt zu metallisch-hartem Klang. Wird sie da- '■ gegen chorisch, d. h. also in einem Orchester verwen- _ bet, so ist man erstaunt, welche Klangwirkungen sich hierbei erzielen lassen. Daß es dabei auf sehr präzises Zusammenspiel und reine Intonation jedes Spielers ankommt, ist selbstverständlich. Gitarren und Lauten, gelegentlich auch ein Balalaika, dienen in solchem Orchester in der Hauptsache zur Vertretung
der Bässe und Mittelstimmen.
Am vergangenen Sonntag hatten wir Gelegenheit, das Mandolinen- und Gitarren- O r ch e st er des Vereins „N e a p o l i t a", der in jedem Jahr mit einem Konzert an die Oesfentlich- feit tritt, zu hören. Eine interessante, geschickt zusammengestellte Dortragssolge bot vorzüglichen Ein- blick in die Verwendungsmöglichkeiten des Orchesters. Die verschiedensten Werke, am Schluß sogar ein Straußscher Walzer, wurden in gutem Zusammenspiel, technisch sehr sicher zu Gehör gebracht und bewiesen die erfreulichen Leistungen des Vereins, der sich unter seinem tüchtigen Leiter Hans Sonntag- Gießen immer mehr entwickelt und dessen Musizierfreudigkeit sich unschwer erkennen ließ.
' Eine besondere Note bekam die Veranstaltung durch das Auftreten einer Gitarre-Solistin: Frl. Luise Walker (Wien), die in geradezu ver- bläffender Weise eine technische Fertigkeit und Sicher- heit auf ihrem Instrument bewies, die von Stück zu Stück mehr in Erstaunen setzte. Aber auch in musikalischer Beziehung war ihr Spiel durchaus auf der Höhe, so daß es eine reine Freude war, ihr zuzuhören. War der Beifall schon nach der ersten solistischen Darbietung sehr stark, so steigerte er sich am Schluß noch mehr, und Frl. Walker mußte eine Zugabe spenden.
Auch die Leistungen des Orchesters, das feinem Führer, Herrn Sonntag, den Erfolg des sehr gut besuchten Konzerts zu verdanken hat, wurden mit lebhaftem, verdienten Beifall bedacht.
Gictzcner Wochcnmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 160 Pf. (Kochbutter von 130 Pf. an), Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 8 bis 10 (pro Zentner 4 Mk),
Weißkraut 5 bis 6 (pro Zentner 3 Mk.),
Rotkraut 8 bis 10 (pro Zentner 5 Mk.),
gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 5 bis 6. Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kartoffeln 3,5 bis 4 (pro Ztr. 2.20 bis 2,50 Mk.). Kürbis 8 bis 10, Aepfel 25 bis 40, Vi.nen 20 Li 3 40, Dörrobst 30 bis 35, Rüsse 40 bis 60, Honig 40 bis 50, junge Hähne ICO bis 110, Suppenhühner 100 bis 110, Gänse 100 bis 110 pro Pfund; Tauben 50 bis 70, Eier 16, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Salatgurken 20 bis 30, Endivien 10 bis 15. Oberkohlrabi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 pro Stück; Radieschen 10 bis 15 Pfennig pro Bund.
Vornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: „Geschäft mit Amerika", 20 bis 22 Ufrr. — GDA.: Karlchens Heiterer Abend, 20 UI>r, in der Reuen Aula. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ..Komm zu mir zum Rendezvous'. — Astoria-Lichtspiele: ..Die Herrin der Luft" und „Das brennende Schiff".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: j,eute, 20 Uhr, erstmalige Wiederholung des mit großem Erfolg aufgeführten Lust- fpieles: „Geschäft mit Amerika" unter der Spielleitung von Karl 23 o l cf. Bei seiner Erstaufführung fand das Lustspiel allgemeine Zustimmung. — Freitag Erstaufführung von Schillers Trauerspiel „Äa- bale und Liebe".
— Der G oethe-Dund teilt uns mit: Am Sonntagvormittag findet die erste Deranstaltung in dem vom Stadttheater und dem Goethe-Bund gemeinsam für diesen Winter wieder vorgesehenen KammersPielzhklus statt. Zur Aufführung kommt ein Dühnenspiel des bekannten fränkischen Dichters Fulius Maria Becker: „Der Drückengeist". Ein Märchen, ein Spiel von Liebe und Tod. Die Darbietungen des KammersPielzhklus haben sich von Fahr zu Fahr einer größeren Anteilnahme unserer Bürgerschaft erfreuen können, so daß wohl auch dieses Fahr die Veranstaltungen wieder starkes Fntercsse finden dürften. (Siehe gestrige Anzeige.)
— Die Gießener Ortsgruppe für deutscheFrauenkulturzigtam Mittwoch im (Safe Amend eine Ausstellung rumä.üicher Stickereien, Blusen, Decken, Kinderkleidchrn u. a.m. Die Arbeiten, von Deutchrumäninnen ausgeführt, sind käuflich zu erwerben. Außerdem stellt Fräulein Kranz, Butzbach, graphisch? und kunstgewerbliche Arbeiten aus. (Räheres in der heutigen Anzeige, )
** Preußisch-Süddeutsche Klassenlotterie. Die Erneuerung der Lose zur 2. Klasse muß planmäßig spätestens bis zum 14. November, 18 Uhr, bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie-Einnahme geschehen.
E i n Autounfall ereignete sich gestern Äcn 17 und 18 Uhr auf der Landstraße en Lehnheim und Stangenrod. Dort war in einer Kurve ein aus Hungen stammendes und mit vier Personen besetztes Mietauto gegen einen Daum gefahren, wobei der Kraftwagen so erheblich beschädigt wurde, daß er abgeschleppt werden mußte. Von den vier Insassen blieben zwei unverletzt, während ein dritter erhebliche Wunden am Kopfe davontrug und der Chauffeur leichtere Verletzungen im Gesicht erlitt. Ein vorbeikommender Kraftfahrer aus Gießen brachte mit seinem Lieferauto den aus zahlreichen Kopfwunden stark blutenden Mann schleunigst nach Grünberg, wo ihm ärztliche Hilfe zuteil wurde. Dcr Verletzte stammt aus Steinheim bei Hungen. " Metallbildhauer Küchler hatte am Samstag und Sonntag im Hotel Prinz Carl eine Ausstellung seiner Arbeiten veranstaltet, die zahlreichen Besuch sand. Die Ausstellung verdiente auch alle Beachtung. Der Künstler stellte Ringe. Gürtelschnallen. Dosen, Droschen, einen Reliquienschrein, Schalen und noch manches andere zur Schau, Dinge, die in ihrer Art durchweg den selbständig Schaffenden verrieten. Die meisten der Schmuckgegenstände waren in Silber getrieben, sehr sorgfältig und mit viel handwerklichem Geschick hergestellt. Zugleich bewiesen die Gegenstände neben einer sicheren ornamentalen Gestaltung bei größter Einfachheit einen Reichtum der Ideen, der angenehm überraschte. Verschiedene Arbeiten, in Emaille ausgeführt oder durch Emailleeinlagen dezent in der Farbwirkung gehoben, legten Zeugnis ab von starker eigener Prägung und viel Kultur; besonders bemerkenswert waren einige geschnittene Steine. Erfreulich war cs, zu hören, daß das Fnteresse für gute kunstgewerbliche Arbeit in der letzten Zeit stärker in Erscheinung trat.
** Gemeinde-Abend der Lukas - Gern e i n d e. Am Sonntagabend sprach vor zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern im Saale der Lukas- gemeinde Reichsbahnamtmann Dörr über „Das Reisen in alter Zeit". Der Redner griff weit zurück, zeigte besonders die Entwicklung des Verkehrswesens in Deutschland und erinnerte an das Aufkommen der Kutschen im Mittelalter und an die Streitigkeiten, die die Einführung dieser Fahrzeuge in Deutschland zwischen den einzelnen Ständen im Gefolge hatte. Bestanden doch zu jener Zeit Vorschriften darüber, mit wieviel Pferden der Ritter, der Freiherr, der Graf, der Fürst oder Reichsgraf seine Kutsche bespannen durfte. Der Vortragende vergaß auch nicht, die Wegeoerhältniss^ der damaligen Zeit in den Kreis seiner Betrachtungen zu ziehen, Wegeverhältnisse, die den Gemeindeobersten der damaligen Zeit viel mehr Kopfschmerzen verursacht haben mochten, denn heute — von den Reisenden, den Pferdehaltern, den unmittelbar Beteiligten ganz zu schweigen. Interessante Einzelheiten aus der Zeit der ersten Chaise, des Landauers, der ersten Postwagen, wußte der Redner sehr lebendig und humorvoll darzustellen; wozu noch eine Menge chronistisches Material schlaglichtartig die Verhältnisse in früheren Zeiten klarlegte. Der Redner ging zum Schluß kurz auf die Eisenbahn und besonders auf die Entwicklung des Gießener Bahnwesens ein und fand mit feinen Ausführungen den lebhaften Beifall der Versammlung. Der Abend brachte außerdem
noch einige gesangliche Darbietungen. Perlen der deutschen Liedkunst, verständnisvoll wiedergegeben, bereiteten den Zuhörern einen hohen Genuß. Um die gesanglichen Darbietungen machten sich die Damen Toni Otto, Hilde Wohlfahrt, Gretel W ö l k e r , Martha Neuling, Frau Herta Meyer und Frau Zondervon verdient. Frau Dr. Fischer am Klavier war eine sichere Begleiterin. Der Abend nahm einen sehr guten Verlauf.
•• ,„Ma h a< — Auf den Inseln der tausend Wunder." Unter diesem Titel l ef in einer Frühvorstellung am Sonntag im Lichtspielhaus. Bahnhofstraße, ein Kulturfilm, der durch seine Eigenart jedermann zu gesteigerter Aufmerksamkeit veranlaßte. Fn sehr guten und künstlerisch gesehenen Bildern erstand vor den Zuschauern die Schönheit der Fnseln Fava und Bali. Aus dem modernen und seltsam vermischten Trubel der Stadt Batavia auf Fava heraus wird dcr Beschauer durch diese Bilder in den Urwald geführt, sieht neue Siedlungen entstehen, be- merkt überrascht die beispiellose Fruchtbarkeit des tropischen Urwaldes und die kochenden Schlammseen der vulkanischen Fnsel^Man hatte weiter Gelegenheit, die geschickten Händtz-der Ia- vancrinnen am Webstuhl bei der Kunst des Batikens zu bewundern und nebenbei einen Ueberblick über Tabak- und Zuckerbau zu gewinnen. Zu dem eindrucksvollsten, was der Film zu geben vermochte, gehörten aber die Bilder > von den Eruptionen des Krakatau, jenes Vulkans im Meer, der unablässig große Mengen Lava turmhoch in die Luft schleudert und dem Beschauer in solchen Augenblicken einen grandiosen Anblick bietet. In den letzten Akten spiegelt sich die wundersame Fnsel Bali im Filmbild, dcr uns so grotesk anmutende religiöse- Ritus der Eingeborenen ersteht vor dem Auge des Zuschauns in seinen typischsten Formen. Prozessionen der Hindus. Verbrennungsfeierlichkeiten und noch manches andere geben dem Film das Gepräge des Außerordentlichen.
"DieSchützengesellschast l929 feierte am Samstagabend in dem schön dekorierten Saale der „Liebigshöhe" ihr 4. Stiftungsfest. Der Vorsitzende, Kaufmann Gvndner, gab in seiner Begrüßungsansprache einen ku zen Ueberblick über die Tätigkeit der Gesellschaft, um gleichzeitig auf die guten Erfolge in schießsportlicher Hinsicht hin- zuweilen. Der musikalische Teil des Abends wurde von der Ka'Mle Weller-Eißbrvd bestritten, die mit ihren Darbietungen reichen Beifall fand. Auch der Quartettverein Gießen unter Leitung von Musiklehrer Leib erfreute durch den Vortrag mehrerer Lieder. Die Fugendgruppe d?S Marine- Vereins entbot dem festgebenden Verein durch Flaggenzeichen herzliche Glückwünsche zum Stiftungsfest. außerdem wartete sie mit zwei Pyramiden. einem lebenden Bild und einem schönen Einakter „Fidele Seeleute" auf. Sehr gut war auch der von Mitgliedern des Radfahrer-Vereins von 1885 gefahrene Ler-Schmuckreigen. Allgemeine Bewunderung fand das 2er-Kunstfahren der Gebrüder V o n - ® i f f (Radllub Germania). Den Abschluß der Veranstaltung bildete Ball.
•* Der Dienenzüchterverein Gießen und Umgegend hielt am Sonntag im „Tannhäuser" seine übliche Monatsversammlung ab. Rach Worten der Begrüßung gab der Obmann des Vereins, Herr Bodenbender. verschiedene geschäftliche Mitteilungen bekannt, von denen u. a. zu erwähnen ist, daß der Vertrag mit der Gothaischen Hastpflichtverficherungsgesellschaft mit dem 31. Dezember d. 2. abläuft und von diesem Termin ab der Haffpflichtschuh der Mitglieder von dem Versicherungsvercin des Deutschen 2m- kerbundes übernommen wird. Den Höhepunkt der Tagung bildete ein Vortrag von Dr. Freuden- st e i n vom Zoologischen Fnstitut Marburg über „Fmkerei in England". Reicher Beifall lohnte die klaren und instruktiven Ausführungen. Rach kurzer Aussprache konnte der Vorsitzende mit Dan- kesworten an den Redner die Versammlung schließen.
SrnWUto-eMomiin
Roman von Hans Friedrich.
Urheber-Rcchtss^utz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
(Schluß.)
2n der Hütte war Weißkugl der erste, der feine Sprache Wieders and.
„Run hat dos Kahenviech doch noch Unglück gebracht!" Ratürlich, es konnte auch gar nicht anders fein. Rur schade, daP es akkurat die Trude erwischt hatte!
Strobl kam nach etlichen Minuten kreuzlahm durch die Tür gehumpelt. Sein Gesicht hatte'alle Farbe verloren. Leise seufzend sank er auf einen Stuhl.
„Ru is nix aus der guaten Kameradschaft g'worden", sagte der Cellist und dachte an den Eröffnungsmarsch damals im Kaffeehaus, als sie „Alte Kameraden" mit Schneid und Schwung spielten.
Er machte sich daran, sein 2nftrument in den Kasten zu legen und den Bogen am Halter zu befestigen.
Schwaihofer wagte einen Blick durch die Tür. Als er niemand mehr draußen gewahrte, kehrte er zurück.
„Rix da, Weißkugl! Wird net eing'packt! Weiter geht's!" rief er mit einem 2uchzer.
Er goß die Gläser randvoll, kommandierte: »Ex!"
Sogar Strobl ließ sich nichts anmerken, beteiligte sich in einer Art Galgenhumor.
»Was nützt es zu trauern und den Kopf hängen zu lassen?" rief ihm der Hüttenbesiher auf munternd zu. „Futsch is futsch und hin is hin!"
Weißkugl faßte als einziger die Geschichte ernster auf. Gr war schon immer bibelfest und hatte auch jetzt ein Sprüchlein bei der Hand: „Wer ein Weib ansiehet, ihrer zu begehren, der hat im Herzen schon die Ehe mit ihr gebrochen."
„Halts Maul, altes Waschweib!" fauchte ihn der Gereizte an.
Weißkugl nahm die Geige wieder aus dem Kasten, und während er den Bogenbezug mit Kolophonium bearbeitete, bewegten sich seine blassen Lippen, indem er unhörbar leise sagte: „Der FranU is so viel ein boshaftiger Mensch, dem dreht Der Teuxl noch's G'nack um!“ Es war kein Wunsch — das hätte der Gutmütige nicht fertig gebracht — nein, nur eine Befürchtung.
2a, und dann ging die Hatz erst richtig an!
Das war ein Singen und Klingen in der Hüfte, daß die regentrüben Scheiben flirrten! Man gab sich Mühe, die innere Leere durch lauten Uebermut zu ersetzen. Zwischendurch kochte Weih-
fugl, der von allen der Vernünftigste blieb, „a Schalele Kaffee."
„Da trinkt!" drängte er seinen Festgenossen das braune Gebräu auf. „Könnf's brauchen, Wenns net mit Rachtbeginn 's Delirium haben wollt!" Und sie tranken alles, was er ihnen vorletzte.
24.
Man saß zu viert an einem reservierten Tisch beim QLbenbeffen. Eine tief innerliche Fröhlichkeit würzte das Mahl.
„Wir mußten erst die weite Fahrt ins Hochgebirge machen, um uns alle wiederzufinden!" lachte Peter Hansen, fein Glas hebend.
Von dem Erlebnis auf dem Berge wurde nicht mehr gesprochen. Keiner wußte, daß die blonde Frau, die rechtzeitig aus der Hütte geflohen war. 2rma Hansen hieß.
Gertrud und Erdmute fanden schnell den erforderlichen Kontakt. Das Freundschaftsverhältnis dehnte sich auch auf sie aus.
„Und du. Trude, willst kontraktbrüchig werden?" Mit diesen Worten rührte Heinz an die nächste Zukunft.
Seine Frau nickte gleichgültig.
„Für die Kapelle trägt Strobl die Verantwortung. Es wird ihm nicht schwerfallen, beizeiten eine Ersatzkraft aufzutreiben. Ich habe mein Honorar vorsichtigerweise erst gestern abgehoben und büße nichts ein.“
„Ahnung?" lächelte Heinz.
Sie neigte stumm den Kopf.
„2ch war mir von Anfang an klar darüber, daß Franz Strobl nicht zur Kameradschaft taugte..
So urgemütlich und fidel war es noch nie in der „Post" des Herrn Riml. Und so gut schmeckte der Tiroler „Reathel" seit langem nicht. Frohsinn steckt an. Das merkte vor allem Heinz Gutenberg. Verstohlen griff er nach der Hand seiner Frau, preßte sie, glaubte den Schlag ihres Herzens zu spüren.
„Wie gut, daß du gekommen bist!" lobte er beglückt.
Sie sah ihm in die Augen, bekannte: „Es war ein Martyrium für unS beide."
Er nickte zustimmend.
„2a, und doch war diese Trennung heilsam. Erst in der gerne, Im Losgelöstsein merkt man, wie sehr einen das Gefühl Der Zusammengehörigkeit verbindet."
„2st doch ein gescheiter Mann, dieser Dr. Berger", lobte Trude. „Denn ohne seinen Vorschlag wären wir beide nie auf diesen Gedanken gekommen."
War es Zufall, war es Fügung, daß jetzt wie auf ein geheimes Stichwort auf beiden Seiten von Heinz' Abenteuer auf dem Grieskofel erzählt wurde?
Mute sprach flüsternd auf ihren Vater ein, den sie draußen im Flur abgefangen hatte.
„2ch habe Herrn Gutenberg zweihundert Schilling geborgt. Er ha/tte sein Geld bei einer Hochtour, die wir gemeinsam unternahmen, verloren und stand mittellos da. 2hm ganz allein hast du den Auftrag von Riml zu verdanken. Er hat so geschickt für unsere Motoren geworben und Schwaihofer aus dem Felde geschlagen, daß ich es nur für recht und billig halte, wenn du--“
Hansen fiel feiner Tochter spontan ins Wort: „Donnerwetter, solch ein patenter Kerl ist er?“ Und lachend: „Ich dachte immer, Romanschreiber seien zu nichts nutze."
Rach kurzem Rachdenken zwinkerte er Mute: mit den Augen zu.
„Laß mich nur machen, Kleines. Der Mann verdient seine Provision besser als unser Vertreter."
Als sie den Speisesaal wieder betraten, warnte Mute ihren Vater noch schnell: „Aber bitte geschickt anfangen I Er ist in Geldsachen sehr feinfühlig."
Hansen lachte beschwichtigend.
Mittlerweile hatte auch Heinz Frau Trude von seinem Mißgeschick erzählt.
„Ich Pechvogel hätte bis zum Eintreffen neu angeforderten Vorschusses nur mit Salz und Brot vorlieb nehmen müssen. Da sprang Mute hilfreich ein. Ich stehe tief in ihrer Schuld."
Trude sagte nur das eine Wort: „Pracht- mädel!" Es kam ihr aus dem Herzen.
Und dann — Peter Hansen hatte den besten Spezialwein aus Rimls Keller anfahren lassen — nahm der Motorenindustrielle den Schriftsteller beiseite, steckte ihm rasch ein paar Geldscheine zu.
„Rehmen Sie, und meinen herzlichsten Dank dazu. Wie ich erfuhr, haben Sie sich um den Auftrag Riml stark bemüht. Run drängt es mich, Ihnen erkenntlich zu sein. Zweihundert Schilling haben Sie von meiner Tochter. Hier haben Sie die Quittung zurück. Die Sache betrachten wir als erledigt. Dreimal soviel haben Sie jetzt erhalten als Provision für Ihre gütige Vermittlung."
Er schüttelte ihm dankbar die Hand. Gutenberg war ganz verblüfft.
„Wer hat Ihnen Denn gesagt, daß ich den Auftrag--“
„Riml!" fiel ihm Hansen schnell und geistesgegenwärtig ins Wort.
Da bedankte sich Gutenberg und ging freudestrahlend zu seiner Frau an den Tisch. 3a, wenn Riml selber es sagte, Dann muhte es wohl seine Richtigkeit haben.
RachDem das Wiedersehen ausgiebig begossen worden war und Mitternacht heranrückte, erhob sich Mute, reichte allen Die Hand zum Abschied.
„Ich fahre morgen mit Dem Rad los. Vater
benützt Den Zug. Er wird natürlich etwas eher daheim sein, als ich."
„Gin liebes Menschenkllrd!" sagte Trude, der Enteilenden nachblickend.
Gleich Darauf verabschiedete sich auch Peter Hansen. Er war ehrlich müDe.
„Die FreunDschaft mit Mute war mir Gewinn“, pflichtete Gutenberg bei. „Wenn wir heimkommen, wirst Du meinen Brief finden, Den ich Dir von der Haimrachalp aus geschrieben habe ..."
TruDe lächelte, streichelte verstohlen die Hand ihres Gatten.
„Mein Mann hat wieder einmal fabelhaftes Glück gehabt."
Und er fügte mit schelmischem Blick hinzu: „Wie immer!“
Dann gingen sie, dicht aneinandergeschmiegt, wie ein ganz junges Liebespaar, an Der Ache entlang, über Die Holzbrücke nach dem Hause an Der Windachschlucht. Ueber Dem Röderkogel glänzte in strahlenDer Helle die Venus. —
* * *
Drei Tage später unterbrachen sie auf der Heimreise in Garmisch die Fahrt, saßen ein Stündchen mit Dr. Berger und Frau zusammen.
„Gott sei Dank, daß ich Sie beide wiederseh'I“ lachte Der Gönner des Dichters, und man merkte es ihm an, daß ihm wirklich ein Stein Dom Herzen fiel
„Sie glaubten gewiß, Herr Doktor, daß ich mit auf irgendeinem Ferner den Hals gebrochen hätte", forschte Gutenberg.
„Rein — Schlimmeres ..." Dann schwieg sich Der Verlagsdirektor aus. Seine Befürchtung, das Glück Der jungen Eheleute könne durch Die Trennung in Scherben gehen, war ein Trugschluß.
Gutenberg erzählte. Von Dem Erleben der Personenkette, die Schicksal und eigener Wille zusammengefügt und wieder gelöst hatte.
Frau Dr. Berger hatte leuchtende Augen, als sie einen Zwischenruf anbrachte: „Sie tapfere, kleine Frau!" Ihr Blick streichelte Trude.
Rachdem Gutenberg geendet hatte, entstand ein kleines Schweigen.
Dann griff Dr. Berger zum Glase, sagte befriedigt: „So, mein lieber Gutenberg, nun setzen Sie sich hin und schreiben dies alles in Roman- form nieder. Ueberschrift: „Drei Menschen — ein Roman!" Wie Sie das machen, ist Ihre Sache. Mittlerweile haben Sie die nötige Distanz zu Den Ereignissen erlangt, die zur künstlerischen Gestaltung nottoenDig ist. Das wird ein Stück Geben, wie wir es brauchen. Und wenn Sie Dabei nicht ein Hoheslied auf die Treue Ihrer Frau schreiben, werfe ich Sie zum Tempel hinaus!"
Und der Dichter schloß: „Mit Leib und Seele haben wir diesen Roman erlebt, und mit Herzblut will ich ihn schreiben!"
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