Ausgabe 
11.11.1930
 
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Dienstag, V. November 1930

180. Jahrgang

Nr. 261 Erstes Blatt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen.

Das Riesenflugschiff Do X nach glatter Fahri in England gelandet.

London, 10.7lot>.16£ajr (WTB). Das Flugschiff Do X, das heute vormittag um 10 Llhr in Amsterdam ausgestiegen war, ist nach einer wegen eines Motorendesettes aus der Iuidersee notwendig gewordenen Fahrtunterbrechung um 11 llhr 45 Minuten erneut aufgestiegen und nach glatter Fahrt über die Nordsee um 15 llhr 32 Minuten im Flughafen Ealshot bei Portsmouth glatt gelandet.

Der erste Flugbericht.

An Bord DoX, Calshot, 10.Olob. 9Uhr. (Copyright Wolsfs telegr. Bureau) Alles ist an Bord. Holländische Marine kommt auf einem Schiff längsseits und spielt die deutsche und holländische Aationalhymne. 9.50 Uhr: Die Motoren werden angeworfen. 10 Uhr: Wir rollen auf die Zuider See hinaus, blauer Himmel und Sonnenschein. Die Motore müssen Warmlaufen. 10.30 Uhr: Pas­sieren Fort Pampus und Leuchtturm. Motor­boote begleiten uns. 10.46 Uhr: Start. An Bord 16 Mann Besatzung und 21 Passagiere, Totalgewicht 46 Tonnen. Seegana mittet Start­zeit 35 Sekunden. Steigen sehr rasch. Boe. Am Steuer beide Piloten. Dr. Dornier tm Kom­mandoraum. Lady Hatz hängt den Talismankater der Weltreise ans Fenster. Alles richtet sich ge­mütlich ein.

plötzlich Ueberraschimg. wir landen. Ein Oel- kühlerlräger ist gerissen, wird aber sofort repariert, während der Reparatur herrscht in der Bar Hochbetrieb. Neuer Start um 1128 Uhr. Startzeit 34 Sekunden.

3n 300 Meter Höhe über Amsterdam. 12.05 Uhr: Zündholzstadt Zaandam. Heber den Aord- seekanal zum Meer Durch diesige Schicht bricht Sonne. Unten grünes flaches Land nut unge- zählten Wasserrinnen. Wir fliegen über Dünen, die wie eine Wüste wirken. Links im Dunst liegt Haarlem. Immer noch Dünen. Hartmann singt an Bord. Alles in bester Stimmung. 12.25 Uhr: N o r dwei"k. Die Nordsee ist erreicht. Steuern 2,32 Grad, fliegen die Küste entlang. Scheve- ningen brnmt In Sich'.. Endlichdasweite, weite Meer, das sich fern am Horizont in Wolken verliert. Das Wasser zeigt eine grau­grüne schmutzige Farbe, von der weihe Wellen­köpfe sich abheben. 12.30 Uhr. Uebersliegen Haag, rechts Cumuluswolken toer'en Phantast.sche Schatten aufs Meer. Links große, grüne Ebene mit viel Besiedlung. Tausende von Menschen toinlen. Sirenen pfeifen. Uebersliegen Blurnen- tulturen. Hunderte von niedrigen Häusern mit in der Sonne glitzernden Glasdächern. Hoek van Holland. Immer der Küste entlang. Wetter sehr schön. Dr. Dornier unterhält sich in der Bar mit den Pressevertretern. Ueberall das gleiche Gefühl der Sicherheit und Bequemlichkeit. Die Motoren laufen gut.

wir entfernen uns von der Küste. Alles lehnt sich in die weichen Polster und freut sich an dem wundervollen Flug.

Um 13,20 Uhr: Zeebrügge. 2rnmer weiter der Küste entlang. Gute Fahrt. 175 Kilometer in der Stunde. 13.30 Uhr: Dünkirchen. Tau- sende von Menschen winken. Man kann die Be­geisterung vom Flugzeug aus erkennen. Flug­höhe 200 Meter. Weer sehr bewegt. An Bord ist es gemütlich wie in einer großen Stube. Man läuft hin und her, blickt da und dort zu den Bull­augen hinaus oder pendelt zwischen Bar und Kmhe. Cs ist wirklich vollkommen ruhig in der Luft. Eitel wacht mit seinen treuen Mechani­kern über die Motor«. Er lächelt zufrieden. Schildhauer steuert, Flugkapitän Merz sitzt daneben und nimmt sein Mittagessen. Kapitän Christiansen ist glücklich. 13.45 Uhr. Wir haben die Hälfte des Weges zurückgelegt. Ueber das grüne Meer begleitet uns der Schatten des Flugschisfes. Soeben kreuzt er einen Passagierdampfer. An Deck jubelt alles hinaus. Die Sirenen heulen. Schon vorbei. Der Dampfer wird kleiner und kleiner, ein Fünkchen, ein Nichts, das weile Meer.

Beide Ufer unsichtbar. Ls liegt um uns die riesige Wasserfläche, auf der die Sonne eine goldene Brücke baut. 14.10 Uhr: Die weihe Steilküste von England kommt in Sicht. Zehn Minuten später passieren wir Dover.

Es wird sehr neblig. Trotzdem wir nur 500 Meter von der Küste entfernt sind, ist diese nicht zu sehen. Ortstelegramm an den Reichsverkehrsminister: Haben Amster­dam, wo der Do X glänzende Aufnahme fand, wegen Nebels erst heule verlassen können, '^aifie­ren soeben Dover, sind auf dem Fluae nach Cal- shot. Ergebene Grüße Besatzung Do X. Es ist wieder klare Sonne, Küste ganz siach, wenig Häu­ser. 14.35 Uhr schneiden Landspitze von Dungeneß. Flughöhe 180 Meter. Sehr böig. Do X reagiert nur träge und langsam. Schreibmaschinen klap­pern. Journalisten machen ihre Berichte für Cal - shot fertig. 14.5OUHr Drig thon in 150 Meter Höhe passiert. Kilometerlanger Strand. Die Küste wird steinern. Senkrecht ins Meer fallende Kreide­felsen sehen aus, als ob ein Profil der Erde ge­schnitten wäre. 3m Abstand von 500 Meter längs der Küste weiter. Zwei Sportflugzeuge begleiten unS über Portsmouth. Riese und Zwerge. Großes zweimotoriges Wasserflugzeug kommt nebenhergef[ogen. Die Leute an Bord erhalten dadurch einen Begriff von der Größe des DoX

15.40Uhr: Calshot kommt in Dicht. Wir fliegen in die Ducht, deren Einfahrt durch drei Forts gesperrt ist. Passieren die Lotsenschule. DoX braucht keine Lotsen. Ein Wasserflugzeug kommt auf uns zu, ein zweites, drittes, viertes, bald sind es zehn,

bann fünfzehn. 16.10 Uhr: wir kreisen über der Flugstation Lalshot, Tausende von Menschen, Riesenschlangen von Autos am Strande. Noch eine elegante Kurve und Do X landet. Zur gleichen Zeit landen rechts und links je fünf Wasserflugzeuge. Ls sieht aus, als ob eine große Gans mit ihren Kücken zu Wasser geht.

Gute Absperrung. Das Polizeiboot läßt nieman­den heran. Zwei kleine Schaluppen kommen mit großen Do X-Fahnen längsseits. Zehn Minuten pater liegt das Flugschiff vor Anker. Wieder eine Etappe in reibungslosem Fluge ohne ge­ringste Störung hinter uns. Passagiere sind be­geistert. Allen tut es leid, daß der Flug zu Ende ist. Die Strecke AmsterdamSouthampton war in drei Stunden 51 Minuten zurück­gelegt. Durchschnittsgeschwindigkeit 175 Kilometer. Zoll- und Pahfragen schnell erledigt. Die Passa­giere gehen mit dem Motorboot nach Sout­hampton. Die Besatzung bleibt an Bord. Dann kommt die Nacht. W.r bleiben bis zum 13. hier. Am Mittwoch wird der Prinz von Wales an Bord erwartet. Nächste Etappe Bordeaux.

Gehobne Stimmung an Bord. Lady Drummond Hay berichtet über ihre Eindrücke.

C a l s h o t, 10. Nov. (Copyright Wolffs Tele­graphisches Bureau.) Lieber ihre Eindrücke an Bord des Do X berichtet eine der F.ugteil- nehmerinncn, Lady Drummond Hay, u. a.: "Wir erleben den Beginn einer neuen Aera im

Weltverkehr", sagte Dr. Dornier zu mir, als das riesige Flugzeug über die erregte See dahrn- jagte. Dr. Dornier gab zu, daß er sich glücklich fühle. Er bemerkte, die erste erfolgreiche Heber­querung der offenen See durch sein riesiges Flugboot betrachte er als ein Zeichen, daß sich der Traum seines Lebens verwirklichen werde. 3$ selbst'', berichtet Lady Drummond Hay weiter, ,mache die gleichen Empfindungen durch wie bei meinem ersten großen Zeppelinflug im 3ahre 1928. Die gleiche aehobene Stimmung herrscht auf der Kommandobrücke, in den Navi- galions- und Maschinenräumen, wie bei dem Zeppelin. Eine andere Aehnlichkeit ist das Ge­fühl äußerster Sicherheit und Be­quemlichkeit aus dem Passagierdeck. Es ist kaum eine Bewegung zu verspüren und der furchtbare Lärm der zwölf Motoren mit ihren 7500 Pserdekräften störte die Unterhaltung im Passagierraum keineswegs".

Ein anderer Flugteilnehmer Karl v. Wie­gand berichtet: Der Do X lag bei dem Fluge völlig ruhig in der Luft. Trotz eines Gegenwindes von 50 Stunde..iilometer. Dr. Dor­nier nimmt mit seiner Frau persönlich an dem Fluge nach Lissabon teil, um das Derhalten dieses Riesen der Lüfte, den sein Gehirn ersonnen hat, in praxi zu beobachten. Die Tatsache, daß Sta­tion zwei derartige riesige Flug- Maschinen bestellt hat, hat in 3 u g o - f la toi en 3nteref,e erregt, was sich in der An­wesenheit des Majors Krakow vom jugoslawi­schen Luftfahrtministerium äußert. Es war e i n schöner Flug bei angenehmem Wet­ter. Der Empfang des Do X durch die Engländer in Calshot war herzlich. Dr. Dornier und seine Gattin gingen abends als Gäste von Lady Stoay- thling nach London. Der Abflug nach Bordeaux dürste nicht vor Donnerstag erfolgen, da so viele Leute das neue Luftwunder zu besichtigen wünschen.

Die pretefentunuMtiion der MchMgienmg.

Erfolgreiche Verhandlungen mit dem Bäcker- und Metzgergewerbe.

preisfenmng für Backwaren.

Berlin, 10. Nov. (WTB.) Amtlich. 3m Reichsmini st erium für Ernährung und Landwirtschaft fanden in den letzten Tagen mehrfach Verhandlungen mit den Vertretern der Spitzenorganisation der Deutschen Bäcker- Innungen, dem Zweckoerband der Bäckermeister Groß-Berlin und der Ver­einigung der Brotfabrikanten Groß- Berlin statt, die am Montag zum Abschluß gebracht wurden. Die Vertreter des Bäckergewerbes und der Brotfabrikanten wiegen bei den Verhandlungen dar­auf hin, daß die Brotpreife sich fortlau­fend den Mehlpreisen angepaht hätten und daß die derzeitige Spanne zwischen beiden in der Hauptsache auf die Erhöhung der all­gemeinen Abgaben und Unkosten zurück- zusühren sei. Sie erklärten sich jedoch unter voller Würdigung der allgemeinen Notlage und mit Rück­sicht auf die von der Reichsreglerung zu ihrer Be­hebung und zur Senkung der össentlichen Abgaben und Lasten eingeleiteten bzw. in Aussicht genom­menen Maßnahmen zu folgenden Abma­chungen bereit:

1. Bäckergewerbe und Brotfabrikanten verpflichten sich, grundsätzlich der Forderung des Reichsminiske- riums für Ernährung und Landwirtschaft entspre­chend, das Brot in Zukunft einheitlich nach Gewicht zu verkaufen.

2. Anstelle des für die Zeit vom 3. bis 9. Novem­ber für Groß-Berlin maßgeblichen Tafel- gewichtes von 1225 Gramm für das Roggenbrot wird in Zukunft ein E i n h e i t s g e w i ch t von 1 2 5 0 Gramm für das Normalbrot treten.

3. Der Preis für das Normalbrot von 1250 Gramm wird bei gleichbleibender Qualität in Ber­lin ab 13. November von 50 Rpfg. auf 46 Rpfg. gesenkt.

Die Reichsregierung erkennt die Opferwilligkeit des Bäckergewerbes und der Brotfabrikanten, die darin zum Ausdruck kommt, daß die Preisspanne für das Normalbrot bei gleichzeitiger Er­höhung des Gewichtes gesenkt wird, voll und ganz an. Sie erwartet, daß nicht nur die ein­zelnen Bäcker und Brotfabrikanten den Verein­barungen ihrer Vertreter mit dem Reichsernährungs­ministerium vollauf Rechnung fragen, sondern daß auch die übrigen an der Brotversorgung beteiligten Gruppen sich der allgemeinen Preissenkung in einer weise anschliehen. daß sie für den einzelnen Ver­braucher fühlbar wird.

DieGermania", Zentralverband deutscher Bäckerinnungen, stellt fest, daß gegenwärtig noch keine Voraus­setzungen für eine Senkung des Brots gegeben sind, da die Lohnunkosten, so­ziale Lasten, Steuern, Werktarife und andere Llnkosten sogar erhöht worden sind; so sind die Mehls.reise in den kehlen Wochen um 3 Mk. je Doppelzentner und mehr gestiegen, was eine Verteuerung des Brotpreises um mehr als 2 Pf. je Kilogramm ausmacht. Das Däckerhandwerk er­klärt sich aber, dem Ernst der Wirtschaftslage Rechnung tragend, bereit, Vorleistungen zu machen, d. h. mit der Preissenkung voranzugehen unter der Do.ausfetzung, daß sich die Reicheregierung nachdrücklichst dafür ein­setzt, daß die die Trotpreisherstellung belasten­den Hnkosten, Löhne, Steuern, so­ziale La st en, Werktarife usw. ge­senkt werden. 3nsbesondere seht das Däcker- handtocr: als selbstverständlich voraus, daß die Reichsregierung sich mit allem Nachdruck gegen jede Preiserhöhung, insbesondere auf dem Mehlmarkt, wendet. Unter diesen Voraussetzungen erklären sich die im Zweck- ver^and der Bäckermeister Groß-Berlin zu- sanunengefchlossenen Bäckermeister bereit, bis auf auf weiteres den Brotpreis ao Donnerstag, den 13. November 1930, für das 2Vr-Pfund-Roggen­brot vn 0,50 auf 0,46 Mk. zu senken. Aus dieser Preissenkung in Groß-Berlin darf aber nicht die Folgerung gezogen werden, als ob allgemein i m R e i ch die Drotpreise gesenkt werden können. Es wird Ausgabe von Besprechungen zwischen dem Reichsernährungsministerium und dem Ger- mania-Deroand sein, die notwendigen Unter­schiede in der Preisgestaltung zu klären und die durch die Entwicklung jeweils notwendigen Trotpreisveränderungen scstzustellen.

Preissenkungsbesch des Deutschen F eischerverbandes.

Berlin, 10. Nov. (WTB. Amtlich.) 3m Rah­men der Preissenkungsaktion der Reichsregierung fanden in den letzten Tagen im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft wiederholt B e- sprechungen mit den Vertretern des Fleischergewerbe s statt. Hierbei wurde festgestellt, daß die Schweinefleischpreise im Monat Oktober gegenüber dem September d. 3. beträchtlichzurückgegangen snck> und daß die derzeitigen Preise für Schweinefleisch den Schweinemarktpreisen gefolgt und angepaßt sind. 3m Hinblick auf die un­günstigen wirtschaftlichen Verhältnisse hat der Deutsche Fleischerverband folgenden Entschluß gefaßt:

Das Fleischergewerbe erkennt an, daß in An­betracht der wirtschaftlichen Notlage ein all­gemeiner Preisabbau, auch für Le­bensmittel, burchgeführt werben muh. An bit verbanbsmitglieber wirb beshald bie Aufforbe- rung gerichtet, auf ber Grundlage bet Einkaufs­preise unter Berücksichtigung ber Steuern, Ge­bühren unb sonstigen Lasten, bie bas Fleischer­gewerbe zu tragen hat, scharf zu kalkulieren und bie Spanne für Schweinefleisch um 5 Rpf. je pf unb zu senken. Das Flei­schergewerbe gibt eine v o r l e i st u n g, blt nur eine begrenzte sein kann unb nur ausrecht- erhalten wirb, wenn bie van ber Reichsregierung auf ber ganzen Linie zugesaglen Abbau­maßnahmen sich schnellstens auswirken wer­ben, unb wenn bie Länber unb insbesondere auch bie G e m e i n b e n auf keinen Fall b l« hohen Abgaben unb C a ft en beibehalten, fonbetn im Gegenteil ebenfalls erheblich herab­sehen."

Die Reichsregierung begrüßt diesen Beschluß des Deutschen Fleischerverbandes, der dem Ernst der Zeitumstände Rechnung trägt. Sie erwartet, daß nicht nur die Ladenfleischer dieser Auffvrde- rung Folge leisten, sondern daß auch die übrigen! an der Fleischversorgung beteiligten Gruppen, darunter die Konsumvereine, sich dem Vorgehen; des Deutschen Fleischerverbandes anschliehen. Der Bezirksverein Berlin im Deutschen Fleischerner* band erklärt hierzu, daß er vom Dienstag, dem 11. November, dem Beschluß seines Reichsverban- des entsprechend, den Preis für Schweinefleisch um 5 Pf. je Pfund herabsetzt.

Die Senkung der Brot- und Fleischpreise in Gießen.

lieber bie Entwicklung der Brotpreife In Gießen im verlaufe ber letzten Monate wirb uns auf Anfrage von bem vorsihenben ber Gießener Bäckerinnung, Obermeister L o e b e t, folgenbes mit­geteilt: Der vierpfunblaib (2000 Gramm) Brot kostete Anfang August 85 Pf., Anfang Sep­tember 80 Pf^ Anfang Oktober 75 Pf., gegen- ro ä r H g 7 0 P s.; ber Zweipfunblaib (1000 Gramm) Brot kostete Anfang August 43 Pf., Anfang Sep­tember 40 Pf., Anfang Oktober 38 Pf., seit Anfang November 35 Pf. Zum vergleich weist Herr Loe- ber barauf hin, bah bas vierpfunbroggenbrot in Darmstabt heute noch 80 Ps., bas vierpsunbmisch- brot 92 Pf. (letzteres in Gießen 80 Pf.) kostet, bas gleiche Brot in Offenbach heute für 78 Pf. bzw. 88 Pf. verkauft wirb.

Heber die Fleischpreise in Gießen wird uns auf Anfrage von bem Geschäftsführer Boeck von ber Giehener Mehgerinnung folgenbes erklärt: Ls kostete bas Pfund Schweinefleisch Anfang August 1,10 bis 1,40 Mk., je nach Qualität, Anfang September 1,00 bis 1,40 Mk., seit Anfang Oktober 0,90 bis 1,20 Mk.; bas Pfunb Rinbfleisch An- fang August 1,30 bis 1,36 Mk., September Oktober 1,24 bis 1,30 Mk., seil Anfang November 1,20 bis 1,28 Mk.; bas Pfunb Kalbfleisch Anfang Au- qust 1,30 bis 1,36 Mk., seit Anfang September 1,24 bis 1,30 Mark.

3m Spiegel der Presse.

Berlin, II. Nov. (END.) Die Senkung bet Preise für Schweinefleisch und Brot wird nut in einem Teil der Berliner Morgenblätter be­sprochen. Die .Deutsche Allgemeine Zeitung" (volkspart.) und ber ^Börsen» Courier" (dem.) unterstreichen besonders die Tatsache, daß es sich um eine freiwillige Vereinbarung zwischen Gewerbe und Re­gierung handelt. Trotz aller Hemmungen unb Widerstände, so schreibt die -Deutsche Allgemeine Zeitung" ist man nach den Ereignissen ber letzten Tage zu sagen berechtigt, daß die 3dee de« Lohn - und Preisabbaues marschiert. Man soll auch nicht das Ausmaß kritisieren, son­dern es ist im Gegenteil höchste Zeit, daß man allgemein den Pfennig wieder ehren le rn t. Den Hauptvorteil von einer allgemeinen Verbilligung der Arbeitskraft und ber sonstigen wirtschaftlichen Leistungen im weitesten Sinne toerben diejenigen haben, die durch diese Maß­regeln in den Produktionsprozeß wie­der eingegliedert werden können. Der .Börsen-Courier" nennt die Senkung bet Gestehungskosten schon im Hinblick auf den Außenhandel eine wirtschaftliche Notwen­digkeit. Preissenkung sei ihre auf die Dauer un­ausbleibliche Folge, deren Eintritt durch Ver­ringerung ber Handelsspanne nur beschleunigt, nicht aber vor jeglicher Lohnminderung abge- toartet toerben könne. Die agrarische .De u t- sche Tageszeitung" und die deutschnatio- nale .Deutsch« Zeitung" sprechen von eine»