Lin stummer Diener der Bürgerschaft.
Jtunbflong durch die Gießener automatische Fernsprechanlage.
,A u t o s a b a g I" WaS ist daS? So werden viele fragen. Ein Wort, eine Bezeichnung, die sehr vielen fremd ist, felbst denjenigen, die damit täglich in unmittelbarer Verbindung stehen. „Autosabag", das Wort hat es in sich, heißt auf gut Deutsch' „Automatische Sein« sprechanlagcnbau-Desellschaft. Sih: Berlin Diese Gesellschaft hat, wie in vielen deutschen Städten, in denen mittlerweile der automatische Fcrnsprechbetrieb eingeführt wurde, auch in Oießen, im Telegraphenamtsgcbäude an der Bahnhofstraße, die
automatische Fernsprechanlage montiert.
3m März 1929 wurde mit den Arbeiten begonnen. Ende Juli wurde die Anlage, mit der man sich indessen längst vertraut gemocht hat, in Betrieb genommen. Die überaus umsang- reichcn Montagearbeiten konnten in 41/.- Monaten bewältigt werden. Ohne jede Storung arbeitete der komplizierte Apparat bis auf den heutigen Tag und er wird auch weiterhin als ein stummer und willfähriger Diener der Menschheit zur Seite stehen. Do, wo sonst menschliche Hand wirkte, füllt die Maschine den Platz aus. Die Maschine, sie gab bisher zu Klagen keinen Anlaß I
Eine Führung an der Seite des Fachmannes läßt den Laien einen Einblick gewinnen in die Eigenheiten, in den Ausbau des großen Apparats, läßt ihn aber zugleich die Unsumme geistiger Arbeit ahnen, derer es bedurfte, bis die Maschine zu der Vollkommenheit gedieh, die sie heute bereits aufzuweisen hat.
Wie funktioniert diese Anlage?
3m Kellergeschoß treffen, in verschiedenen starken Kabeln vereinigt, zusammengeführt aus den Straßenzügen bzw. Stadtteilen, Die Telephonleitungen der einzelnen Teilnehmer zusammen. Von hier aus sind die Kabel, aufgelöst in einzelne Leitungsdrähte, mit dem Hauptverteiler verbunden. Aach Aummcrn der Tcilneh- mer geordnet werden von hier aus die Drähte zum eigentlichen Wählapparat geführt. Zwischen dem Außenkabel und den Wähl- apparot befinden sich Sicherungen, die den empfindlichen Mechanismus vor jeder stärkeren Stromzufuhr schützen. Aimmt der Teilnehmer, der einen anderen Anschlußinhaber zu sprechen wünscht, in seinem Zimmer am Telephon den Hörer von der Gabel, so trifft der damit eingeschaltete Stromkreis über den Hauptverteiler hinweg auf den Dorwähler, der gewissermaßen das Anrusorgan darstellt. 3 m gleichen Augenblick ertönt das A m t s s r e i - zeichcn. Setzt nun der Anrufende die Aum- mernscheibe in Bewegung, so spielt sich solgender Vorgang ab: der Strom trifft über Hauptverteiler und über den Vorwähler hinweg auf den (automatisch vom Vorwähler gesuchten und vorbereiteten) 1. Gruppenwähler, der für die Tausenderwahl bestimmt ist. Re- laise setzen im gleichen Augenblick ein Kontaktstück auf elektromagnetischem Weg in Bewegung, der Kontaktarm strebt der gewählten Aum- mer entsprechend auf die dieser Rümmer analoge Stufe des in zehn Stufen, 0 bis 9 aufgeteilten Gruppenwählers. Mit diesem Vorgang ist zugleich die Verbindung zum 2. Gruppenwähler hergestellt. Dieser vermittelt die Hundertergruppen aus die gleiche Weise wie sein Vorgänger und stellt seinerseits zugleich die Berbtndung mit dem Leitungswähler her. Dieser ist ein Hebdrehwähler und hat zwei Funktionen zu erfüllen, nämlich die Vermitt
lung der Zehner und der E i n e r. Er ermittelt die Zehnerziffer (naturgemäß immer nur veranlaßt durch den an der Scheibe wählenden Teilnehmer) in der Form seiner Vorgänger durch die Hcbelbcw?gung, die Einer aber durch eine seitliche Drehbewegung, bis zu jenem Kvntalt^a ,n, der der gewählten Ziffer entspricht. Auf diese Weise ist die Aummer des gewählten Teilnehmers rekonstruiert worden, und die Verbindung hrrgestellt, der Stromkreis zwischen dem anrufenoen und dem angerufenen Teilnehmer ist geschlossen.
Ein ebenso einsacher wie sinnreicher R u s - apparat, der der Anlage als eine an sich aber selbständige Maschine angegliedert ist, übernimmt durch das Klingelzeichen die Tenachrichti- aung des Angerusenen von der hergestellten Verbindung. Der gleiche Apparat meldet durch den bekannten S u m m e r t o n dem rufenden Teilnehmer die besetzte Le tung an. Der ganze Vorgang spielt sich - wie ja aus Der kurzen Zeit die zur Herstellung einer Verbindung notwendig ist, ersichtlich - in seinen Einzelheiten In Bruchteilen von Sekunden ab.
3n unmittelbarer Verbindung mit dem Wählapparat steht für jeden Teilnehmer ein Zähler bereit, dec aber erst dann in Funktion tritt, wenn ein Gespräch tatsächlich zustande kam. Eine falsche begonnene Verbindung, die noch rechtzeitig bemerkt wird, bzw. bemerkt wird bevor der irrtümlich Angerusene den Hörer abhebt, zählt nicht.
Ter ganze Mechanismus ist an etwa drei Meter hohe Gerüste montiert. Der Hauptverteiler mit seinen vielen Einzelsichrrungen und seinem nur scheinbar sinnlosen Gewirr von Drähten bildet ein geschlossenes Ganzes. Die Dorwähler mit den Zählern sind jeweils zusammen mit den Leitungswählern verbunden, d e Gruppenwähler sind gesondert montiert.
insgesamt verfügt die Gießener automatische Jernfpredjanlage über 2400 Vorwähler als Anrufsorgane. von denen 1926 an Leitungen angeschloßen sind.
Gießen hat also 1928 Anschlüsse überhaupt. Zu den 2400 Dorwählern kommen außerdem noch 150 II. Dorwähler, die bei starkem Verkehr eine größere Auswahl unter den l. Gruppenwählern ermöglichen. Die Anlage verfügt weiter über 144 I. Gruppenwähler, über 144 II. Gruppenwähler und über 192 Leitungswähler, mit denen sich der Fernsprechbetrieb, gemäß der gemachten Er- fährungen, reibungslos durchführen läßt. 3m Falle von Störungen ist der Mechanismus durch Rücksicherungen, die sofort durch Klingel- oder Lichtsignal die Art der Störung anzeigen, geschützt.
Der Fernverkehr, der ja auch eine nicht unwesentliche Rolle spielt, wird nach wie vor durch Menschenhand getätigt.
Als Stromquelle steht das städtische Elektrizitätsnetz zur Verfügung. Gegen einen eventuellen Äusfall ist jedoch die Fernsprechanlage durch eine Akkumulatorenbatterie und einen mit einem Dhnamomotor gekuppelten Benzinmotor, der die Krafterzeugung übernehmen kann, gewappnet.
Die Stadt Gießen ist mit dieser Anlage in die Reihe jener Städte gerückt, die in zeitgemäßem Geiste ihren Bürgern dient. Zugleich stellt die Anlage eine Stütze in wirtschaftlichem Sinne dar, denn die Zeitersparnis, die durch die wesentlich raschere Herstellung der Fernsprechverbindung in Erscheinung tritt, wird jeder Geschäftsmann, besonders aber jener, der viel zu telephonieren hat, sehr zu schätzen wissen.
Oberheffen
Einigung zwischen Abwaffer- geschädigten und der „Hefrag".
• Vilbel, 10. Ott. Die Verhandlungen mit Werk „Ä e f r a g" in Wölfersheim wegen der Fische re ischä den durch Abwässer der Hefrag sind nunmehr zum Abschluß gekommen. In entgegenkommender und verständnisvoller Weise hat sich daS Werk, vertreten durch Ministerialrat W i n - disch, bereiterklärt, dem Abwasserkampfbund für daS Aiddagebiet zur Zahlung an die Geschädigten 6000 Ml. und 2000 Mk. für Fischeinsah zur Verfügung zu stellen. Wenn auch der Schaden damit nicht voll zur Abgeltung kommt, so lag es doch im 3nteresse der Parteien, die Sache durch gütliche Einigung zum Abschluß zu bringen. Die Zahlung der ersten Rate ist erfolgt, so daß die Geschädigten alsbald in den Besitz der Teilentschädigung kommen dürsten. Wesentlich beim Abschluß der Verhandlungen war die tatkräftige Mithilfe von Regierungsrat Dr. Mayer vom Kreisamt Friedberg.
Landkreis Gießen.
0 Holzheim. 10. Ott. Gestern nachmittag wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung unser allzusrüh verstorbener Bürgermeister Heinrich Wetz II. zu letzten Ruhe oestatlel Im Auftrage der Gemeinde, der Schule, der Landwirtschaftlichen Genossenschaft, der Israelitischen Gemeinde, des Kreisamtes, für den Kreisverein der Bürgermeister des Kreijes Gießen, für die Kreisgenoßen- schäft wurden stränze niedergelegt. Außerdem ehrten Turn- und Kriegerverein, der Iungdeutsche Orden und die Kriegsbeschädigten den Verstorbenen, ebenfalls durch Kranzniederlegung. Der Gesangverein „Harmonie" und die Schulkinder widmeten ihm Lieder als letzten Gruß. In der überfüllten Kirche gab Pfarrer Weber in einer eindrucksvollen Ge- dächtnisrede ein treffliches Bild des Wirkens und Wesens des Verschiedenen. Die Beisetzungsfeier offenbarte, welch hoher Wertfchätzung sich der Verewigte erfreute. Seit 1919 war er hier Bürger- meister, fein Amt bekleidete er in vorbildlicher Treue. Unter seiner Amtsführung wurde u. a. die Feldbereinigung vorgenommen, die Ortsstraßen in beste Ordnung gebracht, Rathaus und Schulhäuser instand gesetzt, ehemalige Wüstungen in Obstanlagen um- gestaltet und ein Gefallenendenkmal gesetzt
T A u s der nördlichen Wetterou, 10. Oft. Die Kartoffelernte, die In diesem Jahre sehr reichlich ausgefallen ist, kann als nahezu beendet betrachtet werden Die Preise liegen außer- ordentlich niedrig. Der Zentner Kartoffeln, wie sie der Acker bringt, wird mit 1,60 bis 1,75 Mark bezahlt. Ausgelesene Jndustrlekartoffeln kosten 2 bis 2,50 Mart - Für Fettschweine, die in großen Mengen angeboten sind, werden gegenwärtig 54 bis 55 Pf. pro Pfund Lebendgewicht bezahlte
s. Utphe, 10. Oft. Da in unserer Gemeinde keine eigenen Schafe mehr gehalten werben, ist seit kurzem wieder eine etwa 200 Tiere zählende Herde des Schafbesltzers F u l d in Hain- chen zum Weidegang zugelassen. Die Gemeinde erhält hierfür die Summe von 300 Mark für Herbst und Winter und versteigert den Pferch. Aach diesem besteht bei den hohen Preisen für künstliche Düngemittel sehr starke Rachfrage. Dieser Tage wurde der Pferch für eine Reihe von Rächten versteigert, wobei für die einzelne Rächt 1,50 bis 2 Mark geboten wurden. Außerdem muß der Steigerer den Schäfer am Tag verköstigen und dessen beiden Hunden das Futter stellen. Interessant ist die seit alten Zeiten hier noch bestehende Einrichtung einer Koppelweide, die die Gemarkungen Inheiden, TraiS-Horlosf, Utphe einschließlich des GutSgeländes, sowie die Gemarkung der ausgegangenen Ortschaft Feldheim umfaßt. Alle dret Gemeinden sind deshalb berechtigt, ihre Herden nicht nur in der eigenen Gemarkung weiden zu lassen, sondern innerhalb dieses ganzen Bezirks, dec von der Hungener bis zur Berstädter Gemarkungsgrenze reicht.
s. AusdemHorlofftal, 10. Oft. Zu einer Plage sind die im heurigen Herbst in ungeheuren Schwärmen austretenden Stare geworden. Taten sie sich seither an den einzeln hängenden Birnen und Zwetschen, die sie anpickten und herabwarfen, gütlich, so fallen sie jetzt über die Hausweintrauben her, die sehr reichlich tragen und jetzt reif werden. Wenn der Schaden nicht rechtzeitig bemerkt wird, ist in kurzer Zeit der ganze Traubenstock geplündert. Ebenso dauert die Mäuseplage unvermindert an, so daß viele Landwirte die Aussaat des Wintergetreides noch hinausschieben. An den Kartoffeln war bereits hier und da beträchtlicher Schaden durch Mäusescaß entstanden. Es steht jedoch ^u hoffen, daß die anhaltenden starken Regengüsse der letzten Zeit die Plage eindämmen werden, zumal man den Schädlingen mit allen möglichen Giften zu Leibe rückt. — Zur Zeit ist mqn mit dem Einbringen der Dickwurz beschäftigt, die in diesem Jahre eine Rekordernte geben, so daß der größte Teil mangels genügenden Kellerraumes im Feld eingemietet werden muß. Das ungewöhnlich starke Drckenwacl>stum ist außer den günstigen Witterungsverhältnissen Wohl auch dem Umstand zuzuschrelben, daß man im Laufe dieses Sommers ganz von dem sonst üblichen Beblättern der Dickwurz absehen konnte, da genügend anderes Grünsutier stets vorhanden war.
Kreis Brrvingen.
* Aidda , 9. Oft. Der Geslügelzucht- verein Aidda veranstaltet am 22. und 23. Aovember in der hiesigen Turnhalle eine Be- ziils-Geslügelausstellung. Als Preisrichter wurden die Herren Mogk, Echzell, und R ü b s a m e n, Gießen, gewonnen. Zu gleicher
Zeit findet eine Kaninchenausstellung statt.
Starkenburg.
WSA. Darmstadt, 11. Ott. In der letzten Aacht gegen 0.30 Ußr ereignete sich auf der Eber- städier Chaussee bei Darmstadt ein schwerer Motorradunfall. Der Elektrotechniker Sendelbach aus Darmstadt fuhr mit seiner Maschine auf den Anhänger eines stehenden Lastkraftwagens auf und wurde sofort getötet. Sein Beifahrer Steinmetz, ebenfalls aus Darmstadt, erlitt schwere Schädel- und innere Verletzungen. Er wurde in das städtische Krankenhaus transportiert. Anscheinend waren die beiden Motorradfahrer in angeheitertem Zustande.
preutzen.
Ai reis Wetzlar
0 Aus dem Kreise Wetzlar, 8. Okt. Die letzte Schweinezwischenzählung hatte im Kreise Wetzlar folgendes Ergebnis: Haushaltungen mit Schweinen 8479, unter 8 Wochen alte Ferkel 3914, 8 Wochen bis noch nicht lJ2 Jahr alte Schweine 10 738, 1/2 bis noch nicht 1 Jahr alte: a) Zuchteber 36, b) trächtige Zuchtsauen 231, c) nichtträchtige Zuchtsauen 207, d) übrige Schweine 10 152; 1 Jahr alte und ältere: a) Zuchteber 29, b) trächtige Zuchtsauen 430, c) nichtträchtige Zuchtsauen 432, d) übrige Schweine 383. Die Gesamtzahl der Schweine betrug 26 552.
ch Krofdorf, 10. Oft. Einen dreisten Schwindel verübte ein hiesiger Arbeiter, der in Aauborn bei Wetzlar durch die Ortsschelle befanntmachen ließ, daß er im Auftrage des Dreschrnaschinenbesihers Karl Wagner von hier die Gebühren für das Dreschen erheben wolle. Mit dem einkassierten Gelbe in Hohe von ungesähr 1 500 M k. verschwand er. Wie jetzt verlautet, ist er in Frankfurt verhaftet worden.
ch Gleiberg, 9. Okt. Die alte Kirche, die von jeher ein Anziehungspunkt für Fremde war, wird mehr und mehr reparaturbedürftig. Das Gebälk ist an verschiedenen Stellen morsch geworden, die Männerbühne darf wegen Einsturzgefahr nicht mehr benützt werden, durch die Lage am Felsen ist die Kirche stark der Feuchtigkeit ausgesetzt, so daß der innere Verputz infolge Schimmelbildung im Aussehen beeinträchtigt wird. Um größere Kosten zu vermeiden, wäre es nötig, daß für die Instandsetzung der Kirche bald die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt werden.
d" Dutenhofen 10. Okt. Auf die kürzliche Ausschreibung des Wasserleitungs- b a u e s unserer Gemeinde sind zwölf Angebote eingegangen. Die Ausführung der Arbeiten ist in vier Losen vorgesehen. Die Gemeindevertretung hat den Zuschlag an folgende Firmen erteilt: Los 1 an R.
erließ (Wetzlar) zu 60 686,40 Mark; Los 2 an
Joh. Mütter (Dutenhofen) zu 25 894,80 Mark: Los 3 an Ludwig Wagner (Krofdorf) zu 11 432,70 Mark unter der Bedingung, daß Wagner sich mit dem Unternehmer Hildebrandt zu Dutenhofen in die Ausführung der Arbeit teilt; Los 4 an Friedrich Bechth 0 1 d (Dutenhofen) für 2447,32 Mark. Die Unternehmer sind verpflichtet, in erster Linie Wohlfahrtserwerbslose und im übrigen bedürftige Arbeitslose zu beschäftigen. Mit den Arbeiten soll sofort begonnen werden.
Kreis Bieverikops.
XX R 0 dheim a. d. Bieber, 8. Oft. Hauptlehrer Helwig hierselvst ist mit Wirkung ab 1. Oktober zum Rektor ermannt worden. Lehrer Scheibe von Fellingshausen wurde, ebenfalls zum 1. Oktober, die Lehrerstell« in Treisberg (Taunus) übertragen. Schulamtsbewerber Heinrich Heinz aus Wiesbaden übernimmt die erledigte Stelle in Fellingshausen.
Spiclpkan der Hrnnrfnrtcr Theater.
Opernhaus. Sonntag, 12. Oft., von 11.30 bis 12.30: Gedenkfeier für Emil Claar; 19.30 bis 22.15: Fidelio. Montag, 13., 19.30 bis nach 22.30: Zar und Zimmermann. Dienstag, 14. Oft., 18.30 bis nach 23: Lohengrin. Mittwoch, 15., 19 bis 22.45: Der Rosenkavalier.""Donnerstag, 16., 19.30 bis nach 22: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Freitag, 17., 19.30 bis 22.30: Der Tenor der Herzogin. Samstag, 18., 19.30 bis nach 22: Das Land des Lächelns. Sonntag, 19., 15 bis 17.30: Geschlossene Vorstellung für Erwerbslose. Fra Diavolo; 19.30 bis nach 22: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Montag, 20., 19.30 bis gegen 22.30: Don Juan.
Schauspielhaus. Sonntag, 12. Oft., von .0 bis gegen 16.30 ilßr: Geschlossene Vorstellung für Erwerbslose: Tartüfs. 19.30 bis gegen 23: Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand. Montag, 13., 20 bis 22.15: Wiederaufnahme beantragt. Dienstag, 14. Oft., 19.30 bis gegen 23: Geschichte Gottfriedens von Der- lichingen mit der eisernen Hand. Mittwoch, 15., 20 bis gegen 22.30: Charleys Tante. Donnerstag, 16. 20 bis gegen 21.30: Tartüff. Freitag, 17., 20 bis gegen 22.30: Charleys Tante. Samstag, 18., 20 bis gegen 21.30:. Tartüff. Sonntag, 19., 16 bis gegen 17.30: Tartüff. 20 bis gegen 22.30: Charleys Tante. Montag, 20., 20 bis gegen 21.30: Tartüff.
Eingesandt.
An die Ortsfranfentaffe Gießen.
Die meisten Krankenkassen des hiesigen Bezirks haben auf Grund der Aotverordnung der Reichsregierung ihre Beiträge herabgesetzt. Es wird deshalb nicht verstanden, daß die Ortskrankenkasse Gießen noch feine Ermäßigung vorgenommen hat. Diese ist jetzt unbedingt zu fordern, nachdem eine weitere Erhöhung der Erwerbslosenbeiträge erfolgt ist. B.
Neues für den Büchertisch.
— E. O. B 0 lfmann: Revolution über Deutschland. (Broschiert 5 Mf., Ccinenb. 6,50 Mark.) Verlag Gerhard Staling, Oldenburg i. O. (309.) Das Buch darf den Anspruch erheben, die erste große Darstellung der Revolution vom wissenschaitlichen wie vom psychologischen Gesichtspunkt aus zu sein. Es ist schwer zu sagen, ob die Bedeutung des Buches mehr in der Klarstellung der äußeren Zusammenhänge odrr in der unerhört dcama'.i ch?n Gestaltung lieg'. Das Werk setzt die große Darstellung der deutschen Gegen- wartsgeschichte fort, die Deumelburg mit seinem „Sperrfeuer um Deutschland" begonnen hat. Wir erleben erschüttert die erste Stunde der Revolution auf Schil- ligrcebe am 31. Oktober 1918, den Leidensweg der alten Armee, den Untergang der Flotte bet Scapa Flow, den verzweifelten Kampf des Offizierkorps gegen die SoldatenrcUe und seine ungeheuren seelischen Anstrengungen, den Weg zur neuen Zeit zu finden. Wir begleiten die Freiwilligenkorps auf ihren Zügen im Baltikum und gegen Spartakus in Deutschland, sehen das Glück und Ende Eisners und den Zusammenbruch der Rätediktatur. Ties erschüttert uns die Tragödie von Versailles mit dem für Deutschland verhängnisvollen Wechselspiel der großen „Vier" Ofsizierkorps in den entscheidenden Tagen der Friedensverhandlungen, und schließlich taucht vor uns die Kapp-Verschwörung auf, als vielleicht notwendige letzte Auseinandersetzung unversöhnlicher Kräfte.
H. R. Berndorfs: „Diplomatische Unterwelt" (mit Wiedergabe von Geheimdokumenten im Anhang, Verlag Dieck & Co., Stuttgart, geheftet 5,50, gebunden 7,50 Mk.). — Dieses neue Buch zeigt auf Grund sonst streng verschlossener Quellen, was heute zwischen den Staaten wirklich gespielt wird. Die Menschen stehen überall aus dem Vulkan und wisien es nicht, und die Communiques der Staaten übernebeln alles. Berndorfs schreibt keine großen, gelehrten Wälzer, er erzählt wie bei einer Zigarette, was vorging, was im Staatenkampf vorgeschickte Männer und Frauen erlebten und wie sich dann die Waagschale der einzelnen Staaten schicksalsschwer hob und senkte. Aber er erzählt so, daß einem der Atem stockt. Die Unterwelt wirst die Völker gegeneinander.
— Christa Anita Brück: Schicksale hinter Schreib »nasch inen. 376 Seiten 8°. Kartoniert 3,50, Leinen 5,50 Mk. Sieben-Stäbe- Derlag, Berlin NW 6, 1930. (123.) — Ein neuartiger Versuch zur sozialen Reportage, die zweifellos auf persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen der Verfasserin beruht. Sie schildert eine Reihe verschiedenartiger Typen von (größtenteils weiblichen) Bureauangestellten, und zwar vom Lager etwa der Stenotypistin oder ©clretärm oder Disponentin aus gesehen, d. h. also mit scharfer Betonung der in jedem Geschäftsbetrieb sich ergebenden sozialen Gegensätze. Das Buch ist aufrichtig, sicher ungeschminkt und regt zum Rach- benten an; es kommt aus einer bisher literarisch oder soziologisch kaum erfaßten Sphäre und darf gerade in unserer Zeit Interesse beanspruchen, wo viele Tausende voir Frauen und Mädchen ihren Lebensberuf im Bureau und hinter Schreibmaschinen gefunden haben. Aur —: wir glauben, daß die Autorin mit ihren persönlichen Erlebnissen, die die Grundlage des Buches bilden, vom Pech verfolgt gewesen ist, und daß es deshalb bedenklich erscheint, ihre Schilderungen blindlings zu verallgemeinern; das dürste doch Wohl ein der durchschnittlichen Wirklichkeit nicht
ganz gerecht werdendes Bild ergeben. — Das Buch ist im übrigen nicht ungeschickt geschrieben; für eine spätere Auflage würden sich aber an manchen Stellen stilistische und drucktechnische Korrekturen empfehlen. —
Zeitschriften.
— Der K u n ft to a r t (Verlag G. D. W. Call- wey in München) eröffnet mit dem Oktoberheft 1930 feinen 44. Jahrgang. Wir empfehlen aus dem Inhalt vor allem einen Aussatz von Alver- des, der an die im vorigen Jahre zu früh verstorbene, sehr begabte Lyrikerin Maria Luise Weißmann erinnert; von ihr findet man schone Gedichte, die „Gartennovelle" aus dem Rachlaß und einen Essay über Bettina und Goethe. Aus dem Rußland-Roman „Zwischen Rot und Weiß" von E. E. Dwinger liest man einige ausgewählte Kapitel/ Recht lesenswert: die amerikanischen Glossen von Pelzet. Sehr gute Bilder; vor allem die vorzügliche Reproduktion der „Blauen Vase" von Cezanne, zwei ältere Stücke von Liebermann, Plastiken von Kolbe, Buchillustrationen des 19. Jahrhunderts (Dovö, Topffer, Rethel, Richter u. a.).
Das Oktoberheft der „Zeitwende". C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung München, bringt u. a.: „Durch Zerstören lerne Aufbauen". Erinnerungen aus dem bolschewistifchen Sibirien. Der Verfasser, Oskar Bruhns, war im Frühjahr 1919 als Pfarrer der evangelischen Gemeinde, später auch noch als Lehrer am Gymnasium zu Jekaterinburg im Ural tätig. Er erlebte dort die Vertreibung der „Weißen" und den Einzug der „Roten" und die Aufrichtung der bolschewistischen Staats- und Wirtschaftsordnung. In anschaulichen, erschreckenden Bildern zeigen seine Erlebnisse, wie die Bolschewisten besonders auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet nur den ersten Teil ihrer Parole „Durch Zerstören lerne Aufbauen" wahrzumachen vermochten. Das bedrohliche Anwachsen der kommunistischen Stimmen in Deutschland ist Anlaß genug, daß wir uns ernstlich mit derartigen Erfahrungen aus der Wirklichkeit des Kommunismus auseinandersehen. Geradezu als ein westliches Seitenstück kann man den Beitrag von Dr. Johannes Schaltenmann ansehen „Die ame- rikanische Winschaft am Scheidewege". Diese ist, befruchtet Don einer aufs Praktische gerichteten Wissenschaft, zu einer gewaltigen Blüte gelangt. Cs fehlt auch nicht an Versuchen zu sozialpolitischen Reubildungen, die sich mit den Worten Wirtschaftsdemokratie mit Gewinn- und Desih- beleiligung der Arbeitenden am Betriebe umschreiben lassen. Sie sind nicht theoretisch konstruiert, sondern praktisch erprobt und haben xum Teil durch Steigerung der Produktion und Rentabilität f\i> bewährt. Trotz dieser Ansätze zu Reuem trägt Amerika aber noch immer das Gepräge des rücksichtslosesten Mammonismus.
Z SHELL > AUTOOELE
SHELL AUTOOELE au» dem SHELL KABINETT. £uverUL»»ig, preuwwt ,u>u*bchaplidi!


