die wirtschaftliche Vernunft treten zu lassen und Deutschland von Reparationslasten, unter denen es zusammenzubrechen droht, zu befreien, wenn man Wert darauf legt, es als Damm gegen die rote Flut des Bolschewismus intakt zu erhalten. Stresemann, der einst selber in Genf die Minderheitenfrage als eines der für die Zukunft des Völkerbundes entscheidenden Probleme aufgerollt hat, hätte es, von anderen Unterlassungen oder Fehlgriffen ganz zu schweigen, gewiß nicht versäumt, sich dem koirzentrischen Angriff der Minderheitengegner unter Führung Driands zu stellen und dem anmaßenden Hohn des Franzosen auf der Stelle die richtige Antwort zu geben. In der gleichen Linie liegt es auch, daß das Sanierungsprogramm der Reichsregierung mit einigen Andeutungen über das große außenpolitische Ziel der so große Opfer von allen Volksschichten heischenden innerpolitischen Reformen hinweggeht. Warum wurde nicht gesagt, daß wir, solange nicht unser öffentlicher Haushalt in Ordnung gebracht ist, große Auslandkredite brauchen, und daß diese ständige Abhängigkeit von ausländischen Geldgebern ein Hindernis für uns ist, in unserer Außenpolitik die energische Sprache zu führen, die notwendig ist, um unsere Interessen durchzusetzen? Warum wurde nicht ausgeführt, daß wir nicht eher mit Aussicht auf Erfolg eine Revision des Voungplans fordern können, bis wir das von Parier Gilberts Berichten einseitig unterrichtete Ausland davon überzeugt haben, daß wir taten, was in unserer Macht stand, zur Sanierung unserer Staatsfinanzen?
Man hat gegen unsere Vorkriegspolitik in der Aera Bülow und Bethmann Hollweg oft und mit Recht eingewandt, daß wir „am mißverstandenen Bismarck" laboriert hätten. Es scheint fast, daß nun der Bureaukratie des Auswärtigen Amts „dermihverstandene Stresemann" allzutief in den Knochen steckt, und daß es erst eines kräftigen Durchzugs bedarf, um aus der Wilhelmstrahe die Gespenster zu verscheuchen, die der einst Stresemann stets gegenwärtigen Erkenntnis im Wege stehen, daß auch die Stimme des eigenen Volkes, zumal, wenn sie sich so elementar und unzweideutig kundtut, wie am 14. September, ein wertvolles Moment ist. das man mit Ruhen in sein außenpolitisches Kalkül einstellen kaum Dem Reichskanzler möge jedoch die Welle der Enttäuschung und des Unwillens, die sich gegen den Leiter der deutschen Außenpolitik geltend macht, eine erneute Warnung sein, nicht die psychologischen Imponderabilien zu unterschätzen, die in sturmbewegten Zeiten, wie den unsrigen, eine besondere Bedeutung gewinnen. Er kann für fein Kabinett Belastungen personeller Art nicht gebrauchen und er muh stets dessen eingedenk bleiben, daß der entschiedene Reformwille des Volkes sein fester Bundesgen o s s e ist, wenn er sein Sanierungswerk gegen einen arbeitsunfähigen oder sich der Mitarbeit versagenden Reichstag durchsetzen muh.
Oer Lleberbrückungskredit.
Die Verhandlungen mit einem amerikanischen Bankentonsortium abgeschlossen.
Berlin, 10. Oft. (ERD.) Der Lieber- brückungskredit für das Reich, der von einem Konsortium unter Führung des amerikanischen Bankhauses Lee, Higginson & Co. gewährt wird, ist perfekt geworden, wenn er auch noch nicht formell unterzeichnet ist. Der Kredit beläuft sich auf 12 5 Millionen Dollar. Die Verzinsung beträgt 4,75 Prozent, dazu kom nt 1,25 Prozent Provision p. a. Die Laufzeit in z->ei Jahre, jedoch hat das Reich das Recht, in der Zwischenzeit zu jedem halbjährlichen Termin z u - rückzuzahlen, und zwar auch teilweise. Voraussetzung für den Kredit ist die vom Parlament zu beschließende Bildung eines Tilgungsfonds nach früherem Muster.
Gehaltskürzung für die Behördenangesteltien.
Kündigung der Einzelverträge
Berlin, 10. Okt. (ERB.) Wie wir erfahren, wird als Folge der Kürzung der Deamtenbezüge auch eine Minderung der Dien st b e - züge der unter den Angestelltentarifvertrag fallenden Reichsange st ellten^ erfolgen. In dem bezüglichen Erlah des Reichsfmanzministers vom 4. Oktober an die Reichsbehörden wird zur fristgerechten Kündigung der laufenden Einzelverträge sämtlicher bei der Reichsverwaltung beschäftigten Angestellten aufgefordert. Diese vorforguche Kündigung, die zum 31.März 1931 erfolgen solle, bezweckt den Abschluß neuer Einzelverträge, die eine Kürzung der Dienstbezüge mit Ausnahme der Kinderzuschläge um6 Prozent vorsehen: über den Abschluß wird zu gegebener Zeit noch besondere Mitteilung durch das Reichsbesoldungsblatt ergehen. Die geplante Maßnahme wird auch gegenüber den an der Reichsgrenze beschäftigten Angestellten, auch wenn ihr dienstlicher Wohnsitz im Auslande liegt, sowie gegenüber allen sonstigen im Auslande beschäftigten Angestellten durchgeführt werden. Von der geplanten Kürzung der Dienstbezüge werden unmittelbar betroffen 30 000 Reichsangestellte: die der Reichsbahn und der Reichspost sind in diese Zohlen nicht eingerechnet. Im Fall, daß Lander und Gemeinden sich dem Vorgehen des Reiches anschließen, werden 300 000 Personen derselben Kürzung ihres Einkommens unterworfen, die für die Beamten vorgesehen ist.
Nationalsozialismus und Katholische Kirche.
Anfragen an den Bischof von ^iainz.
München, 10. Okt. (TLl.s Zu der Stellung- nähme des Bischofs von Mainz gegen den Rationalsozialismus schreibt am Freitag der „VölkischeBeobachte r", daß von der Seite des nationalsozialistischen Abgeordneten Gottfried Feder eine endgültige Stellungnahme erfolgen wird. Im „Völkischen Beobachter" veröffentlicht ein ungenannter katholischer G e i st l i che r drei Anfragen, in denen es u. a. heißt: Ist es dem bischöflichen Ordinariat von Mainz bekannt, daß sich unter den Mitgliedern der RSDAP. auch eine größere Anzahl katholischer Priester befindet? Welche „Verfügungen" gedenkt ein bischöfliches Ordinariat von Mainz gegen jene Priester zu treffen, die als nationalsozialistisch gesinnte Seelsorger nach trie vor mit besonder Liebe ihr Amt seelsorglich zu betreuen sich
Gegen Kapitalflucht und MWastspessimiSmus.
($.n Warnruf Louis Hagens. - Wiederherstellung des Vertrauen«.
Berlin, 11.Okt. (ERB.) Der Vorsitzende der Kölner Industrie- und Handelskammer Bankier Louis Hagen wandte sich in der Vollsitzung der Handelskammer in scharfen Worten gegen übertriebenen Wirtschaftspessimismus und gegen die Kapitalflucht. Die deutsche Wirtschasi, sagte er, stimmt den Reformplänen der Regierung zu, um wenigstens für eine gewisse Zeit eine Beruhigung zu erreichen. Dennoch herrscht augenblicklich in Deutschland eine allgemeine Kopflosigkeit. Die Kapitalflucht nimmt ein verderbliches Ausmaß an, obwohl nach dem Dafürhalten vieler besonnener Leute irgendein Zweifel an der deutschen Währung ein absoluter Unfinq ist. Die deutsche Währung i st und bleibt fest, und die Reichsbank hat genügend Mittel zur Verfügung, ein Unheil abzuwehren, von dem die ganze Welt
betroffen würde. Wir müssen das Vertrauen wieder h e r st e l l e n , das in den letzten Wochen abhanden gekommen ist. Zur Kapitalflucht liegt nicht die gering st e Veranlassung vor. Die deutsche Wirtschaft, der Handel und das Bankwesen sind auf soliden Fundamenten aufgebaut. Es ist nichts geschehen, was den Glauben an die deutsche Wirtschaft in der Weise erschüttern kann, wie es in der letzten Zeit geschehen ist. Wenn es so weitergeht, werden Katastrophen hervorgerufen, unter denen die ganze Welt leiden wird. Wir müssen dafür sorgen, daß die Achtung, die die deutsche Wirtschaft auch im Ausland seit Dezennien gefunden hat, erhalten bleibt. Ohne das ausländische Vertrauen und ohne ausländischen Kredit kann die deutsche Wirtschaft nicht fortbestehen und ist ein Aufbau nicht möglich.
Kein litauischer Wahiersolg in Memel.
Was sagt der Völkerbund zum Woribruch Kownos?
Ruhiger Verlaus der Wahlen.
Keine Mandalsverfchicbung zu erwarten.
Memel, 10. Oft. (WTB.) Die Wahlen zum Memelländischen Landtag sind nach den bisher vorliegenden Meldungen überall ohne Zwischenfälle verlaufen. Das Hauptinteresse im gegenwärtigen Wahlkampf dreht sich darum, wie die neu aufgestellte Wirtschaftspartei, deren Hauptgegnerin die Me me l l ä n d i sch e V o l f s p o r t e i ist, bei diesen Wahlen abschneiden wird. Rach den aus einzelnen Stimmbezirken Memels vorliegenden Ergebnissen hat die Wirtschaftspartei den 10. bzw. 15. Teil der Stimmen Är Volkspartei errungen, so daß im günstigsten Falle die Wirtschaftspartei ein bis zwei Abgeordnete in den neuen Landtag schicken dürfte. Im großen und ganzen dürften sich bei den einzelnen Parteien keine Mandatsverschiebungen ergeben. Alle Parteien werden durch die größere Wahlbeteiligung einen Stimmenzuwachs zu verzeichnen haben.
In Memel-Stadt wurden insgesamt 14 585 Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung betrug80bis85Prozent, verschiedentlich sogar 90 Prozent. Von den abgegebenen Stimmen erhielten die Memelländische Dolkspartei 7964 Stimmen, die neu au^aestellte Wirtschaftspartei 833, die Sozialdemokrate. 2990, die Kommunisten 1665, die Litauische Dolkspartei 634 Stimmen: die Rational-Litauischen Splitterparteien haben nur wenige Stimmen erhalten. Vom Lande liegen erst Einzelergebnisse vor, die einen abschließenden Meberbhd noch nicht gestatten. Man nimmt indessen an, daß die Landwirtschaftspar- t e i, die bisher zehn Abgeordnete hatte, in gleicher Stärke in den neuen Landtag einziehen wird. Die Memelländische Dolkspartei, die ebenfalls zShn Mandate hatte, wird vielleicht acht bis neun Mandate im neuen Landtag erhalten. Die Sozialdemokraten (bisher drei Mandate), haben an Stimmenzahl zugenommen, während die Kommunisten (bisher zwei Mandate) Stimmenverluste erlitten haben. Soweit sich übersehen läßt, haben die Rational-Li- tau er trotz des großen Zuzugs keinen Gewinn zu verzeichnen. Sie hatten im alten Landtag insgesamt vier Sitze inne. Die neu aufgestellte Wirtschafts Partei wird, wenn sie vom Lande keinen Stimmenzugang erhält, wohl kein Mandat erhalten. Ern endgültiges Ergebnis ist vor Samstagnachmittag nicht zu erwarten.
Unter Zensur.
Wie die Pressefreiheit in Memel aussah.
Berlin, 10. Okt. (TU.) Wie Litauen die Auf. Hebung der Pressezensur während des Wahlkampfes im Memelgebiet eingehalten hat, zeigt ein Blick in die memelländischen Zeitungen. In der „Memelländischen Rundschau" heißt es in einem Wahlartikel: „Endlich kann auch ein freies Wort gesprochen worden. Der Kriegszustand im Memelgebiet, der jetzt vier Jahre andauert, ist eine Maßnahme." Was für eine Maßnahme der Kriegszustand ist, nämlich eine völlig ungerecht- fertigte, das dürfte nicht gesagt wer- den, das hat der Kriegszensor trotz des litauischen Versprechens in Genf aus dem oben angeführten Satz herausgestrichen. Auf diese Weise wer- den auch die Wahlreden der Kandidaten der memelländischen Mehrheitsparteien „bearbei- t e t", so daß oft d i e unsinnigsten Entstel- lungen herauskommen. So heißt es: „Hoffentlich kann jetzt den Memelländern die Wahrheit gesagt werden und es kann ihnen vorgehalten werden, worauf es jetzt, bei dieser Wahl, in letzter Stunde ankommt." Es folgt eine Zensurlücke, da der litauische Zensor die Wahrheit offenbar nicht vertragen kann. Ganz besonders hat es die litauische Zensur auf die Reden der memelländischen Abge
ordneten, die in Genf die Memelbeschwerde vertreten haben, abgesehen. Dagegen dürfen sich die litauischen Propagandaredner in den Wahlversammlungen in hämischen und herabsetzenden Bemerkungen über das Genfer Ergebnis und die offenbare Ohnmacht Deutschlands, Sjtauen zur Durchführung der Genfer Abmachungen zu zwingen, ergehen.
Deutscher Protest in Genf.
Eine zynische Antwort Litauens an den Völkerbund.
K o w n o , 10. Oft. (WTB.) Die Litauische Telegraphenagentur meldet: Heute hat der General- sekretär des Völkerbundes Sir Eric Drummond dem litauischen Außenminister Dr. Zaunius folgendes Telegramm gesandt: Ich beehre mich, Ihnen informationshalber folgendes aus Berlin eingetroffene Telegramm zu über- senden, das ich bereits dem Berichterstatter des Völkerbundes H a m b r o übersandt habe:
Der deutsche Außenminister Eurtlus hat am 30. September den Völkerbundsrat über die von der litauischen Regierung gemachten Versprechungen hinsichtlich der am 10. Oktober in Memel stattfindenden Wahlen informiert. 3m Hinblick auf die Versprechungen der litauischen Regierung hat der Rat beschlossen, vorläufig hie Beschwerde des Memelgebiets nicht zu behandeln. 3ch bedauere aber, Sie informieren zu muffen, daß, trotzdem bereits mehr als eine Woche feit dieser Zeit verstrichen ist, die litauische Regierung ihr Versprechen nicht erfüllt hat. Der Bestand der Wahlkommission wurde zwar geändert, aber s o spat, daß die wahlkommission erst am Donnerstagabend eine Zusammenkunft abhalten konnte. Der Bestand des Direktoriums de» Rlemelgebiete» blieb b i s fetzt unverändert, und die Pressezensur blieb auch in Geltung. Das Ziel der Genfer Vereinbarungen, freie Wahlen zu gewähren, konnte also nicht erreicht wer- den, da die Wahlen bereits am Freitag stattfanden. 3d) halte es deshalb für meine Pflicht, Sie darüber zu informieren und gleichzeitig zu ersuchen, über den Stand der Dinge dem Berichterstatter zu berichten.
Die litauische Regierung hat am Freitag telegraphisch ihre Antwort nach Genf abge- sandt. In dieser Antwort stellt Litauen die Behauptung auf, daß alle in Genf getroffenen Abmachungen erfüllt worden seien. Die litauische Regierung scheut sogar nicht davor zurück, Protest gegen die angeblich ungerechtfertigten deutschen Dorwürfe zu erheben. Tatsache ist, wie die zahlreichen Zensurlücken in den memelländischen Blättern beweisen, daß die Zensur, wie dies vereinbart worden war, nicht nur nicht aufgehoben, sondern in den letzten Tagen vor der Wahl zum memelländischen Landtag noch verschärft worden ist. Die Umbildung des Memeler Landesdirektoriums ist so spät erfolgt, daß auch hier unzweifelhaft eine Verletzung der Vereinbarungen vorliegt. Da die memelländischen Landtagswahlen unter schärfstem litauischen Terror stattgefunden haben, so fällt die Umbildung der Wahlkommission, die übrigens auch erst nach vielen Schwierigkeiten erfolgt ist, kaum noch ins Gewicht und von einer Erfüllung der litauischen Verpflichtungen kann nicht die Rede sein. Man kann gespannt fein, wie der Völkerbund auf die so offenbar unwahren Behauptungen der litauischen Regierung reagieren wird.
erkühnen? Es ist Tatsache, daß ein bekannter deutscher Bi-schof nicht minder bekannten Priestern seiner Diözese die Mitgliedichaft bei der RSDAP. nicht nur nicht verboten, sondern erklärt hat, die Entscheidung hierüber dem Gewissen des einzelnen überlassen zu wollen. Im übrigen heißt es in den Anfragen, daß in den Reihen nationalsozialistisch gesinnter katholischer Priester Bestrebungen im Gange seien, zum Zusammenschluß zwecks Abwehr von Angriffen und Verleumdungen solcher Art, wie sie in dem Erlaß des Mainzer Domkapitels zum Ausdruck kämen.
Keine Begnadigung der Reichstvehroffiziere.
Berlin, 10. Oft. (TU. Drahtmeldung.) Amt - l i ch wird mitgeteilt: Der Reichspräsident hat das von einem Verteidiger der drei vorn Reichsgericht verurteilten Reichswehroffiziere an ihn gerichtete, in der presse veröffentlichte Gesuch um Begnadigung mit der Begründung abschlägig beschieden, daß die Notwendigkeit gerade in politisch bewegter Zelt dienstliche Zucht und Unterordnung in der Reichswehr unerfdjüttert aufrechtzuerhalten, die gnadenweise Aushebung des Urteils und — wenigstens zur Zeit — auch eine Milderung der Strafe nicht z u i ä h t.
Der neue Kurs in Braunschweig.
Entfernung eines sozialdemokratischen Gcschichtsletzrbnchs.
Braunschweig, 10. Okt. (TU.) Der neue nationalsozialistische Kultusminister Dr. Franzen hat die vom bisherigen sozialdemokratischen Kultusminister Sievers für den Geschichtsunterricht bestimmten „Geschichtsbilder", aus denen die großen ©ereilten der deutschen Vergangenheit gestrichen waren und denen von führenden Männern des Deutschen Lehrer-Vereins vorgeworfen wurde, daß sie eine Fälschung der Geschichte bedeuteten, ab sofort für den Schulgebrauch verboten. Don der katholischen Lehrerschaft war bereits unter Sievers erreicht worden, daß sie aus den katholischen Dolksschulen Braunschweigs zurückgezogen wurden. In dem Franzenschen Erlah heißt, es: Aus der Geschichte des Stammlandes soll jedes Kind die Liebe zu seiner engeren Heimat, aus den Leistungen des deutschen Volkes und den Taten seiner großen Männer ein starkes deutsches Ratronalgesühl gewinnen. An der geschichtlichen Erkenntnis deutschen Wesens und Werdens muß besonders in den gegenwärtigen und kommenden Rotzeiten der Wille zur nationalen Selbstbehauptung des Volkes und das Be
wußtsein der sozialen Verantwortlichkeit gegenüber der deutschen Volksgemeinschaft erweckt und festgegründet werden. Ohne die nachhaltige Pflege des deutschen Volkstums sind die in Artikel 148 Absatz 1 der Reichsverfassung geforderten Bestrebungen im Geiste der Völker- Versöhnung unzulänglich.
Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie.
Lohnkürzungen um 8 oder 6 Prozent.
Berlin, 10. Okt. In der Lohnstreitigkeit der Berliner Metallindustrie hat die Schlichterkammer unter Vorsitz des Vortragenden Rats Dr. Völkers folgenden Schiedsspruch gefällt: Die bisherigen Tarifmindestlöhne der Arbeiter über 18 Jahre werden in allen Lohnklassen um 8 Prozent, der jugendlichen Arbeiter unter 18 Jahren und der Arbeiterinnen um 6 Prozent gekürzt. Die Akkordberechnungsgrundlagen ändern sich in gleichem Ausmaße. Den Parteien wird von der Schlichterkammer empfohlen, zu prüfen, ob und in welchem Umfange durch Kürzung der Arbeitszeit Wiedereinstellung von Arbeitslosen bewirkt werden kann. Soweit der bisherige Bestand an Arbeitskräften nicht aufrechterhalten werden kann, wird den Arbeitgebern empfohlen, durch ArbeitsstreckungEnt- lassungen größeren Ausmaßes zu vermeiden. Frist der Erklärung: 18. Oktober.
Bei der Verkündung des Schiedsspruches führte 1 der Vorsitzende aus: Die Schlichterkammer ist überzeugt, daß eine Lohnsenkung erforderlich ist, um die Gestehungskosten der Wirtschaft zu senken, um damit der immer, mehr um sich greifenden Arbeitslosigkeit zu steuern. Es ist sozialpolitisch richtiger, die Löhne, die in Zeiten eines guten Ganges der Geschäfte festgesetzt sind, zu senken, als durch Festhalten an dem bisherigen Lohnniveau die Krise zu verschärfen und weitere Arbeitskräfte der Arbeitslosigkeit, anheimfallen zu lassen. Bei. dem Ausmaß des Lohnabbaues konnte dem Antrag der Arbeitgeber nicht entsprochen werden, weil sich der Lohnabbau in sozialpolitisch erträglichen Grenzen halten muh. Die Frage der Arbeitszeitverkürzung ist von der Schlichterkammer eingehend geprüft worden. Die Schlichterkammer muhte sich insoweit auf eine Empfehlung an die Parteien beschränken, weil die Arbeitszeitbestiyimungen zur Zeit un- gekündigt weiterlaufen.
Die Sprengung der Sfaalspartei
Die Jungdeutscheu verlassen auch die Reichstagsfraktion
Berlin, 10. Oktober. (TU.) Die sechs der Volksnationalen Reichsvere.nigung angehörenden Reichstagsabgeordneten haben an den Vorsitzenden der Fraktion der Deutschen Staatspartei einen Brief gerichtet, in dem es heißt:
Nachdem vom Reichsaktionsausschuh der Antrag der Volksnationalen, die Partei auf föderativer Grundlage und damit die Reichstagsfraktion zu erhalten, a b g e l e h n t worden ist, und nachdem- Herr Minister Dr. Höpker-Aschoff in einer Pressekonferenz erklärt hat, daß der3ungdeutfche Orden durch feine Mitwirkung an der Staatspartei sich nur mit Hilfe der demokratifchen Organisationen größeren Einfluß und größere Macht habe verfchaffen wollen, sehen wir uns zu unferem Bedauern genötigt, unseren Austritt aus der Fraktion der Staatspariei anzumelden. Eine Teilnahme an der Fraktionsfihung am Montag dürfte sich unter diesen Umständen erübrigen, und wir bitten, von einer Einladung Abstand zu nehmen.
Wie die TU. weiter erfährt, werden die jungdeutschen Abgeordneten sich keiner anberen Fraktion an sch ließen: also selbständig bleiben. Damit ist der Reichstag um zwei Splittergruppen unter Fraktro ns starke reich e r. Die volksnationalen Abgeordneten wollen unter sich bleiben. Sie sind sich wahrscheinlich im klaren darüber, daß sie geschlossen von keiner anderen Fraktion ausgenommen werden. Die Besprechungen einiger ihrer Vertreter mit der Fraktion des Christlich-sozialen Dolksdienstes haben sich zerschlagen, weil von der Seite des Dolksdienstes darauf hingewiesen wurde, daß in dieser Fraktion kein Raum für die jungdeutsche Sonderpolitik gegen das Reichswehrministerium ist. Was die Demokraten machen werden, ist noch völlig ungewiß. Ein Zusammenschluß fraktioneller Art mit der Deutschen Dolkspartei kommt einstweilen nicht in Frage, so lange für die Dolkspartei nicht auch die Möglichkeit gegeben ist, diese mittel- parteiliche Front gleichzeitig weiter nach rechts auszudehnen.
Der bürgerliche Sieg in Finnland.
Die Wahlen zum finnischen Reichstag, deren Ergebnis sich infolge der schlechten Verbindungen erst nach mehr als einer Woche übersehen läßt, scheinen nun doch gegenüber dem ersten Eindruck eine Lleberraschung zu bringen. Die Sozialdemokraten hat en bestimmt damit gerechnet, daß es ihnen unter Zuzug der kommunistischen Stimmen gelingen wurde, mindestens ein Drittel der Reichstagssitze zu bekommen und dadurch die antikommuni st i- sche Lappogesehgebung, die zur Annahme einer qualifizierten Mehrheit bedarf, zu verhindern. Die Kommunisten, denen die Aufstellung eigener Kandidaten unmöglich war, haben auch aus taktischen Gründen die Parole für die Sozialisten ausgegeben. Infolge des allgemeinen Stimmungsumschwungs, den die Lappo- bewegung gebracht hat, ist aber doch offenbar eine s o starke Verschiebung unter den Wählerschichten eingetreten, daß die llnter- stühung nicht ausreichte. So ist es gekommen, daß die Sozialdemokraten nicht, wie sie ursprünglich ausgerechnet hatten, die Zahl ihrer Mandate von 59 auf 71 steigern konnten — womit das Drittel gegen eine Verfassungsänderung erreicht worden wäre — sondern nur auf höchstens 67, wahrscheinlich sogar nur 66 Sitze kommen. Der ganze Rest der 23 Sitze, die die Kommunisten bisher innehatten, geht auf die bürgerlichen Parteien über, hauptsächlich auf die eigentliche Lappo- Partei, bie ihre Fraktionsstärke verdreifacht und von 14 auf 42 steigt. Die Annahme der Lappogesetze, die auf eine Ausrottung des Kommunismus hinarbeiten, ist also gesichert


