Helene Chlodwigs Schuld und Sühne.
Roman von 3- Schneider-Foersil.
Llrheber-Rechtfchuh durch Verlag Oskar Meister. Werdau L Sa.
10. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Vorläufig liebte sie Franke! Liebte ihn noch heißer, noch sinnlicher, als es je der Fall gewesen war. Vicht einmal Umberto — das Weinglas, welches neben ihrem Teller stand, klirrte auf dem Tisch und ließ einen häßlichen, braunen Fleck auf dem weißen Tuch erscheinen, der sich gierig weiterfraH.
»Was ist gewesen, Helene?"
»Sie sehen doch — mein Glas!" stieß sie erregt hervor.
»Sonst nichts?" sagte er, büdte sich nach seiner Serviette und tupfte damit über die nasse Fläche.
Das Mädchen erschien, nahm Gedeck und Damast hinweg und ersetzte es durch neues.
Draußen hatte es zu regnen aufgehört. Es tropfte nur mehr ganz leise. Wenn ein Windstoß durch das Blattwerk fuhr, rieselte es wie aus Brausen auf den ungeschnittenen Rasen. Das breite Astwerk eines Birnbaumes wippte leise an Me Fenster. Dann fuhr die schöne Frau zusammen und warf einen erschrockenen Blick nach den Scheiben, über welchen die Vorhänge zusammengezogen waren, da sie die grellen Blitze, welche vor einer Viertelstunde niedergezuckt waren, nicht sehen wollte.
Averson erhob sich und öffnete die Türe, welche ins Freie ging. Ein Strom köstlicher frischer Luft teilte die Schwüle des Raumes. »Wollen wir noch eine kleine Promenade machen?" fragte er nach dem Stuhl zurück, in welchem Helene sah.
»Jetzt? Die Wege sind nah."
»Würden Sie etwas dagegen haben und sehr böse sein, wenn ich allein ging?"
Sie stand schon auf den Füßen und kam zur Türe. »Ich begleite Sie. Es ist unleidlich dumpf im Hause. Martha muß mir nur noch schnell meine Lleberschuhe bringen. Haben Sie noch eine Minute Geduld, lieber Averson."
Er stand auf der breiten Veranda, deren Stufen in den Garten hinabführten, verspürte, wie sich eine Hand durch seinen Arm schob und ein Kopf an seine Schulter lehnte. Aber er wandte das Gesicht nicht, sondern hielt es geradeaus gerichtet, als suche er drüben am Saum der Berge etwas, das er nicht finden konnte.
Als er den Weg nach dem Wald einschlug, hielt ihn Helene zurück. »Es ist zu naß, Averson.
• Hier haben wir doch wenigstens Kies unter den Füßen." Sie zeigte nach den verschlungenen Wegen, die den Garten durchkreuzten und zog ihn mit sich fort.
Etwas schmerzhaft Gequältes stand in seinem Gesichte, das sie in der herrschenden Dämmerung nicht zu sehen vermochte. »Wenn hier erst Kinder durch Hecken und Zäune tollen, liebe Helene, wie bitter hart wird das für mich sein, wenn ich nur von der Ferne dabei zusehen und mich an Ihrem Glücke freuen darf."
»Wir werden keine Kinder bekommen", stieß sie hervor.
»Das kann unmöglich Ihr Ernst sein, Helene.*
»Doch! — Ich will keine Vachkvmmenschaft! Wenn ich einmal tot bin, soll es zu Ende fein. Ich will die Gewißheit haben, daß ich niemand zurücklasse, wenn ich die Augen zumache."
.lind Ihr Mann?"
Der Frauenarm zuckte in dem seinen, so daß er ihn fester an sich drückte.
»Wie meinten Sie das, lieber Averson?" Ihre Stimme war unsicher, verängstigt.
»Es wäre ja möglich, daß Dr. Franke Sie überlebt", erklärte er ruhig.
.Ach so
Averson vernahm das Aufatmen, das ihre Brust hob, und suchte mit grübelnden Augen durch das Dunkel. Gab es noch irgendeine Möglichkeit, sie vor dem Abgrund zurückzuhalten, ehe er sie zerschmettert in denselben stürzen sah? Er liebte sie ehrlich, lind doch war in so mancher Stunde eine gewisse Verbissenheit in seiner Vei- cprng, die ihn immer wieder nach Mitteln sinnen lieh, sie Franke dennoch abzujagen und als sein Weib heimzuführen. In Stunden ruhiger lleber- legenheit siegte dann immer wieder das Gute in ihm und band feine Hände, daß sie nicht Schurkenarbeit leisteten.
Die Wege waren in der Tat sehr naß und ungeachtet des Kieses machten sich da und dort häßliche Pfützen breit. Man brach also den Spaziergang ab und ging ins Haus zurück. Helene klagte über große Müdigkeit. Averson, der seinen Wagen erst für den anderen Tag bestellt hatte, bekam eines der Gastzimmer zugewiesen und verabschiedete sich vor der Türe ihres Schlafzimmers mit einem Handkuß. »Schlafen Sie Wohl, Helene, und haben Sie gute Träume."
Ohne ihn anzusehen, ging sie in ihr Zimmer.
Er öffnete die Türe zu dem feinen und sog gierig die kühle Luft ein, welche durch die beiden großen Fenster hereinkam. An eines derselben tretend, nahm er seine Zeitung heraus und steckte sich eine Zigarre an.
Plötzlich nahm er die Zigarre von den Lippen und hielt sie unter das Sims gedrückt. »Also doch!" Er hatte es beinahe erwartet.
Unten kreischte ein Schlüssel. Man hörte, wie et vorsichtig leise in den Hals des Schlosses geschoben und gedreht wurde. Aber es machte in der Stille der Rächt doch ein gewisses Geräusch. Eine Gestalt, um deren Kopf ein schwarzer Schal geschlungen war, betrat den Kiesweg, hob das Gesicht und sah nach feinem Fenster herauf.
Er war durch die Vorhänge gedeckt und spähte durch deren maschiges Gewebe nach der schlanken Frau, die jetzt leichtfüßig $ur Gartentüre lief, sie aufschloß und nicht mehr in den Riegel drückte. Weit offen blieb sie stehen, als fürchte das Weib, das jetzt dem Walde zuhehte, es könnte dadurch eine Minute Zeit verlorengehen.
Averson warf seine Zigarre in den Tviletten- eimer und knöpfte Im Hinausgehen den Rock mit fliegenden Fingern zu. Die Treppe knirschte verräterisch, als er mit drei Sprüngen hinunter- turnte. Merkwürdig, daß man mit fünfzig Jahren noch solche Gelenkigkeit entwickeln konnte.
Er nahm den gleichen Weg, den die Diva gelaufen war und verschwand nach fünf Minuten In dem Streifen Waldes, der den steilen Hang verbrämte.
Die Regengüsse, welche kurz zuvor niedergegangen waren, hatten das Wildwasser, welches sonst manierlich in seinem Bette dahingurgelte, zu einem reißenden Sturzbach anschwellen lassen, der seine Wasser donnernd zutal schickte. Der Steg, welcher ihn überquerte, zitterte unter der Wucht des Anpralls, welcher an feinen Holzpfeilern rüttelte.
Averson fühlte Instinktiv, daß ert auf dem rechten Wege war, als er die Richtung dahinnahm. Er sah Helene Chlodwig über das Geländer geneigt, nach der Tiefe starrend, aus der ohrenbetäubendes Brausen tönte und weißer Gischt herauflechzte. Durch einen Baumstamm gedeckt, beobachtete er ihr Tun.
Sie stand eine Weile mit bewegungslosen Füßen und reglos vorgebeugtem Oberkörper. Dann ging sie die schmale Drücke zurück und stieg das Geröll, welches den Waldbach säumte, hinab.
Ab und zu kollerte ein Stein. Dann blieb sie stehen, lauschte nach der Hohe, setzte wieder Fuß um Fuß und tastete sich weiter.
Averson hatte die Stiesel abgestreift und folgte ihr, immer zwischen den Bäumen Deckung suchend. Zuweilen mußte er stehenbleiben, wenn sie, den Kopf nach rückwärts wendend, in" die Rächt lauschte. Plötzlich sah er sie niederknien und sich über das gischtende Wasser neigen. Einer ihrer Arme streckte sich weit vor.
Er hielt den Schrei der Angst zurück, als es den Anschein hatte, sie würde von den springenden Wellen mit fortgerissen. Dann sah er, wie sie etwas von einem Stein zu lösen suchte und
im Bestreben, es koszureißen, nach hinken falb» melte.
Es schien ein Gewandfetzen zu sein. Als sie wieder auf den Füßen stand, hob sie das Stück in die Höhe und besah es in dem Zwielicht, das aus dem Streifen Himmels fiel, der über dem Wasser dahinlief.
Ganze Bäche Wassers rannen davon herab. Es weit von sich haltend, begann sie es auszuwringen und ballte es dann auf einen Knäuel zusammen. Averson sah, wie das geliebte Wesen fror, hörte ein Wimmern des Jammers und der Angst und wagte kaum zu atmen. Jeder ihrer Bewegungen folgend, gewahrte er, tote sie sich mühte, einen Stein zur Seite zu rollen. Mehr als einmal setzte sie an, stemmte ihre ganze Kraft dagegen und hatte keinen Erfolg als den, daß der Stein ins Rollen kam und sich donnernd ins Wasser schnellte, wo er sich aufspritzend überschlug.
Er konnte den Ausdruck ihres Gesichtes nicht erkennen. Aber ihre ganze Haltung drückte Schrecken und Bestürzung aus. Dann barg sie den Gewandfetzen unter ihrem Mantel, horchte, blieb eine Weile unschlüssig stehen und kletterte dann das Geröll hinauf. ~ ---
Er wartete, bis sie den Steg überquert hatte und trat erst aus dem Schatten der Bäume, als er sie den Weg nach Rottach-Berghof hinüberlaufen sah.
»Arme Helene!" Würde sie mit dieser Last auf dem Gewissen ein dauerndes Glück in Dr. Frankes Armen finden? Wie er sie kannte, war das ausgefchlossen. Sie war keine überempfindliche Ratur, aber doch auch wiederum nicht so leicht veranlagt, eine Schuld, wie diese, mit einem kurzen Striche abzutun. Die Folgen würden sich zeigen. Lieber kurz oder lang würde das Gewissen einsetzen — und bann?
Sollte er sprechen oder schwelgen? — Womit war ihr mehr gedient? — Vielleicht gab es noch einen Weg, der Rettung verhieß und dem Höhepunkt des Dramas die Spitze brach. Für den Moment war in seinem Gehirn eine einzige Wirrnis." Er sah nur den Abgrund, in den dis geliebte Frau über kurz oder lang stürzen muhte, und streckte die Hand aus, als müsse er sie jetzt schon davor zurückreißen.
Durch eine der rückwärts liegenden Türen gelangte er zehn Minuten später ins Haus. Fröstelnd stieg er die Treppe nach seinem Zimmer hinauf und drückte die Türe leise Hinte« sich ins Schloß. Bald nach ihm kam auch Helene nach oben .gegangen. Die Klinke ihrer Schlafstube schnappte mit hellem Knacken ein.
Dann war Ruhe.
(Fortsetzung folgt.)
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7. Per Straßenkostenbeitrags- Konto...................... 25665.87
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Sonstige Einnahmen........... 3021.00
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Mitgliederbewegung im Jahr 1989.
1. Die Mitgliederzahl betrug Ende des Jahres 1928 ............................ 792
Zugang tm Jahre 1929............................ 49
841
Abgang tm Jahre 1929............................ 36
Mitgliederbestand am Schlüsse des Jahres 1929.............................. 805
2. Das Mitgliederguthaben betrug Ende des Jahres 1928*............ 72 541.89 SL.41
Das Mttgltederguthaben beträgt Ende des Jahres 1929 ........... 83 988.12 „
3. Die Haftsumme der Genossen betrug Ende des Jahres 1928....... 182 000.00 51*41
Die Haftsumme der Genossen beträgt Ende deö Jahres 1929....... 191 200.00 „
Gießen, den 31. Juli 1930.
Der Vorstand:
Fourier. Wölfer. Hamann. Müller.
Mann. Allendörser. Benk.
<5itttobutts »uv ovdentlicben Hauptversammlung
am Samstag, Sv. Sept., abends 8*/« Uhr, im Saal des GewerkschastshaufeS. Tagesordnung:
1. Geschäftsbericht.
2. Genehmigung der Jahresrechnung und Bilanz für 1929.
3. Vertilgung über den Reingewinn aus 1929.
4. Bericht der RechnungSPrüfungskommission.
5. Entlastung des Vorstandes und Aufsichtsrates. 6259V
6. Wahlen in den Vorstand und Aufsichtsrat.
7. Abänderung des § 27 der Satzung.
8. Verschiedenes.
Gießen, den 8. September 1930. Ter Vorstand und AnffichtSrat.
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