sichtigen und daher etwa- langsamen Wechseln der 5. Platz belegt. Sicherer Sieger des Laufs war der Berliner Sportklub, dessen Farben Leute wie Troßbach, Mahlitz und Weih vertraten.
Einen aufregenden Kampf gab es in der 4 X 2 - Runden st affe l. Die Gießener waren hier allerdings zu wenig Kuroenspezialisten, um in die Spitzengruppe, die von Stuttgarter Kickers, D. S. E. und S. C. 80 Frankfurt gebildet wurde, gelangen zu können. Dennoch belegten sie einen guten Mittelplatz.
Bei den Einzelkonkurrenzen mußte Schäfer dein Einladungskugelstoßen infolge plötzlicher Erkrankung fernbleiben. Koch hielt sich bei den 3000-Einladung zuerst ganz schön bei, war aber nachher dem von Heloer, Görth und Diekmann angeschlagenen mörderischen Tempo nicht gewachsen 3n den 800-Meter-Dorläufen qualifizierten sich die 1900et PeterS I. und Bepperling für das Finale. Ersterer trat jedoch mit Rücksicht auf die noch zu laufende Staffel nicht im Endlauf an: Depperling kam infolge seiner Indisposition überhaupt nicht in Fahrt und stoppte gegen Schluß hin ab. Eine der heißest umstrittenen Wettbewerbe waren die 60 Meter offen. Den lSOO-Sprintern fehlte hier noch die absolute Schnelligkeit, um entscheidend eingreifen zu können. Geist wies eine recht gute Form auf, hatte aber das Pech, im Dorlauf von zwei Endlaufteilnehmern knapp auf den dritten Platz verwiesen zu werden. — Eine freudige LIeberraschung bermtete im 60-Meter- Laus für Frauen — ursprünglich war eine Beteiligung nicht vorgesehen — Frl. Dora R i ck e l den 1900ern. Bei sehr zahlreicher Beteiligung belegte die Gießenerin nach erfolgreichem Dor- und Zwischenlauf den 6. Platz. Siegerin des Laufs war Frl. Dollinger, l. F. C. Dürnberg, dicht gefolgt von Frl.Haux und Lorenz, Eintracht Frankfurt.
V.f.B. Leichtathletik.
Das Sportfest des Süddeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes in der Frankfurter Festhalle hatte eine erstklassige Besetzung in allen Konkurrenzen zu verzeichnen. Es nimmt daher nicht wunder, wenn es den D.f.B.ern nicht gelang. sich erfolgreich durchzusehen. Trohalledem ist aber ihr Abschneiden in den Dorkämpfen als gut zu bezeichnen.
3m 60-Meter-Lauf offen konnten die Sprinter Koch und Stang recht gut gefallen, während S i e b e l s etwas abfiel. Koch Halle schlechten Start: der äußerst scharfe Dorlauf sah ihn jedoch als knappen Dritten hinter erstklassigen Läufern. Koch, der ein intensives Hallentraining hinter sich hat, dürfte in der kom» n.mden Saison seine vorjährigen Leistungen bedeutend verbessern. Stang kam mit dem deutschen Zehnkampfmeister und Iapanfahrer Weih und dem Berliner D i e s i n g in den Dorlauf. Rach verunglücktem Start lief Stang wider Erwarten auf der Strecke ausgezeichnet. 3n einem derartig besetzten Rennen dritter im Dorlauf zu werden, bedeutet immerhin ein Ersolg.
3m 800-Meter-Lauf offen überraschte der kleine, sehr leicht laufende Henns. Bei größerer Erfahrung hatte er sicher Erfolg gehabt. Er ließ manchen älteren und besseren Läufer hinter sich. G. Müller enttäuschte stark. Er führte drei Runden in schönem Stil, hatte sich aber anscheinend zu sehr verausgabt, denn er fiel schnell zurück, und gab schließlich auf.
Waren auch Erfolge nicht beschiedeg, so gab das Auftreten der D.f.B.er doch zu berechtigten Hoffnungen Anlaß. Das intensiv durchgeführte Hallentraining macht sich bemerkbar.
Spielvei-einigunq 1900 Gießen.
Spicloereinigung 1900 Gießen — Offenbacher Kickers 2:2 (0:2).
ö. Der gute Ruf einer tüchtigen Mannschaft, der den Offenbacher Gästen vorausging, hatte mehr denn 800 Zuschauer noch dem Sportplatz gelockt. Die Gäste fanden sich mit dem harten Boden des 1900 Sportvlatzes anscheinend nicht so recht ab, was deutlich in der Ballbehandlung zu Tag« trat. Dabei trafen die K ckers in den Gießenern auf einen Gegner, der von Anfang bis zum Schluß zähesten Widerstand leistete und während des schnellen und fairen
Ringens zum größten Teil gleichwerllge Leistungen aufbrachte. — Die Kickers hatten mit wenigen Ausnahmen eine ausgeruhte, frische Mannschaft im Spiel. Bei den Gießenern mußte man im letzten Moment den guten Mittelläufer Langsdorf ersetzen. Katz vertrat ihn zur vollsten Zufriedenheit. Alle waren mit Feuereifer bei der Sache. Nur die Außenstürmer hatten keinen besonders guten Tag. Hätte der Sturm vor der Pause mehr Einheit und geschlosseneres Handeln vor dem Offenbacher Tor gezeigt, so wären die Süddeutschen höchstwahrscheinlich um eine Niederlage nicht herumgekommcn. 1900 hatte seinen besten Mannschaftsteil in der nimmer- müden Läuferreihe, die die Gäste nicht richtig zur Entfaltung kommen ließ. Dazu zeigt Hohmann in der Verteidigung von Spiel $u Spiel bessere Leistungen. Der Torhüter zeigte wieder sehr gute Leistungen, er hielt unter anderem «inen Handelfmeter. — Der Spielverlauf: Der Anstoß Offenbachs kommt nicht weit, und gleich kann der Platzverein das Treffen in die Spielhälfte der Gäste verlegen, deren Hintermannschaft aber auf dem Posten ist. Schnell wechseln die Situationen, abwechselnd kommen beide Tore in Gefahr. Bei einem weiten Strafstoß auf das Gießener Tor verläßt der Hüter es zu früh und kann den hohen Ball nicht erreichen, der vom Stopf eines Offenbachers ins leere Tor springt. Nach schöner Kombination und Dallher«ingabe durch den Rechtsaußen wird zum zweiten Offenbacher Treffer unhaltbar eingeschossen. Der Gast kommt bis zur Pause zu keinem weiteren Treffer. Nach der Pause beginnen die Gießener mit forschen Angriffen. Der Gast tritt bis zum Schluß zirka 15 Eckbälle, wovon aber nicht ein einziger zum Erfolg führt, da die Hintermannschaft 1900s vorzüglich abdeckt. In der Mitte der zweiten Spielhälfte kommt Gießen zum ersten Gegentreffer. Ein Angriff des linken Flügels endet mit einer schönen Flanke des Halblinken vor dos Kicksrstor. Heilmann täuscht geschickt und Zeiler köpft prächtig ein. Die Einheimischen machen nun große Anstrengungen um zum Ausgleich zu kommen. Der Halblinke steht plötzlich allein vor dem Offen- bocher Tor. Den scharfen Flachschuß meistert aber der sehr gute Gästehüter hervorragend. Bei einem erneuten Angriff der Gießener wehrt ein Offen- bocher den Flankenball mit der Hand ins Feld zurück. Der dafür verhängte Elfmeter wird von Adelberger verwandelt. Offenbach legt jetzt mächtig los, kann aber trotz aller Bemühungen das unentschiedene Resultat nicht korrigieren, obwohl — gemeßen an den Torchancen — ein knapper Sieg der Gäste nicht unverdient gewesen wäre. — Die Gießener können mit Recht stolz sein auf diesen Erfolg. Konnten doch die Offenbacher Kickers in den letzten Der- bandsspielen fast mit derselben Mannschaft, wie am Sonntag, den Fußballsportverein Frankfurt schla- gen und der Eintracht, dem voraussichtlichen Süddeutschen Meister, ein ehrenvolles Unentschieden abringen.
Die Ligareserve-Mannschaft kehrte von Hermannstein mit einer Riederlage (2:7) zurück, da ein großer Tell der Spieler zu Hause geblieben war und die als Ersatz eingestellten Spieler den Anforderungen nicht mehr gewachsen waren, da dieser vorher in der drit- t e n Mannschaft gegen die z w e i t e E l f Hermannsteins schon mitgewirkt hatten. Diese Begegnung sah die Gießener mit 5:0 Toren siegreich.
Die 4.Mannschaft 1900s gewann am Sonntag ihr Derband'.spiel in Daubringen kampflos 3m darauffolgenden Gesellschaftsspiel gegen Daubringen Z erste Mannschaft unterlagen die Gießener mit 3:6 Toren.
Rach durchweg überlegenem Spiel fertigte die 1.3 u g e n d in Lollar die dortige 1. Jugend im Pflichtspiel mit 5:1 ab. 3n der ersten Halbzeit führten die Blouweihen ein schöne 3, flaches Spiel vor, das ihnen vier Tore einbrachte. Rach- dem sie sich in der zweiten Halbzeit das hohe Spiel von Lollar ausorängen ließen, war es mit dem überlegenen Spiel vorbei. Lollar konnte jetzt sogar für kurze Zeit das Kommando übernehmen. Beide Parteien erzielten noch ein Tor.
2. 3ugend: Auf eigenem Platze gewann sie das Pflichtspiel gegen die verstärkte 2.3ugend des Sportvereins Riedergirmes mit 2:0, so daß sie in dieser Spielserie bis jetzt ungeschlagen dasteht. Die erste Halbzeit zeigte ausgeglichenes Spiel, ohne besondere Leistungen.
Lediglich der Eifer brachte den 1900ern in der zweiten Halbzeit den Sieg.
1. Schüler: Der Gegner waren die 1. Schüler vom Lokalverein D. f. D. 1900 war fast das ganze Spiel hindurch tonangebend, konnte aber in der ersten Spielhälfte keine Tore erzielen. Die zweite Halbzeit brachte ihnen dann drei schöne Tore, während D. f. 2. leer ausging.
V. f. B.
Ockershaufen — V. f. 23. 3:1.
F. V. Ockershausen Gruppenmelster.
Die Ligamannschaft verlor auch das Rückspiel gegen F. D. Ockershausen und damit endgültig die Aussicht auf die Gruppen- meisterschast, die sich Ockershausen somit gesichert hat. Das Treffen, das mit einem 3:1-Sieg der Platzmannschaft endete, erbracht« erneut den Beweis, daß D. f. D. rein spielerisch recht gute Leistungen zu zeigen vermag, daß ihm aber zur Zeit fast jegliche Fähigkeit fehlt, zählbare Erfolge zu erzielen. Der Sturm trägt seine Angriffe in ansprechender, flacher Kombination vor, die jedoch anstatt mit wuchtigem Schuß aufs Tor abgeschlossen, im Strafraum des Gegners bis zur äleberkombination getrieben wird. Gerade am Sonntag trat dieser Mangel besonders stark in Erscheinung. Ein Teil Schuld daran trägt aber auch die Läuferreihe, die viel zu sehr defensiv spielt, sich meist auch zu weit hinten aufhält und eine Lücke zwischen sich und dem Sturm läßt, anstatt den Angriff zu forcieren. Ganz im Gegensatz hierzu hatte der Gegner sein Spiel auf Erfolg eingestellt- Zwar war sein Zuspiel nicht ganz so präzis wie das der D. f. B.- Elf, dafür führte er aber seine Aktionen bedeutend schneller und vor allem viel wuchtiger durch. Er gewann das Spiel insofern verdient, als seine Stürmer aus allen Lagen zu schießen und Tore zu erzielen vermochten. Der Spielverlauf war kurz folgender: Beide Mannschaften sind anfangs reichlich nervös und zeigen nichts befonderes. Gießen findet sich zuerst und führt ein unerwartet gutes Spiel vor. Seine Angriffe werden von der Läuferreihe planvoll auf- gebaut, vom Sturm in tadelloser Kombination vorgetragen und bringen das Tor der Platzrlf ein über das anderemal in Gefahr. Deren verstärkte Verteidigung wehrt mit Geschick, jedoch auch oft reichlich hart, jedenfalls aber erfolgreich ab. Ockershausen wartet mit Gegenangriffen auf, die aber fast ausschließlich durchbruchsähnlichen Charakter Habern Rach einer halben Stunde Spielzeit gelingt es ihr, durch überraschenden Schutz in Führung zu gehen. 3m selben Maße, in dem bisher Gießen überlegen war, ist es jetzt Ockershausen. Bis zur Pause verpassen beide Mannschaften noch einige Torgelelenljeiten. Am Resultat wird nichts geändert. Rach dem Wechsel verschärft Gießen das Tempo und zeigt sich leicht überlegen: fein Drängen ist jedoch erfolglos. Ein offensichtlicher 3rrtum des Schiedsrichters verhilft Ockershausen 15 Minuten nach Wiederbeginn zum zweiten Erfolg. Gießen ist hierdurch sichtlich deprimiert und läßt stark nach. Ockershausen kommt mehr und mehr auf und erhöht das Resultat wenig später auf 3:0, damit seinen Sieg sicherstellend. Trotzdem rafft sich V. f. B. nochmals auf und versucht, unter allen Umständen das Resultat zu verbessern, was ihm auch etwa zehn Minuten vor Schluß gelingt. Es bieten sich ihm noch einige günstige Torchancen, die aber ausgelassen werden. Es bleibt beim Endergebnis von 3:1 für Ockershausen, dem Gruppen- mcister der Saison 1929'30, dessen vorzüglicher Gesamtleistung man Anerlennung zollen muh.
Zweite und dritte Mannschaft waren bei der ersten bzw. zweiten des Sportvereins Cappel bei Marburg zu Gast und verloren ihre Spiele knapp mit 1:2 bzw. 2:3.
Das angcsagie Spiel der vierten Mannschaft gegen Raubor ns zweite kam infolge Absage der V. f. B.er nicht zum Austrag.
Die erste 3ugendmannschaft errang einen prächtigen Erfolg, indem sie die gleiche des Sportvereins Wetzlar auf eigenem Platz mit 3: 2 schlug. 3hr Sieg ist um so höher zu bewerten, als dies die erste Riederlage der spielstarken Wetzlarer in der diesjährigen Pflichtspielserie ist.
Die zweite erwartete die erste Jugend Rieder-Weisels vergeblich zum Pflichttreffen und blieb daher ohne Spiel.
In der ersten Jugend des V. f. R. Butzbach hatte die dritte D. f. 2. - 3 u g e n d einen körperlich stark überlegenen Gegner, gegen den sie trotzdem ein anerkennenswerte- 1:1 erzwang.
Handball der Gp.-Dg. 1900.
1900 I — Iv. Allendorf a.d. Lda. 1 5:3 (2:0). 1900 1. Jugend — Io. Allendorf <l d. Lda. 1. Jugend 11:1.
ö. Die in den Rückspielen gegen die AD.-T.- Leute erzielten Ergebnisse entsprechen den Erwartungen unö stehen im gleichen Verhältnis zu den in den Vortrcffen zustandegekommenen Resultaten. 1900’6 Aktive hätten allerdings überzeugender gewinnen müssen. In der Fünferreihe machte sich das Fehlen des Rechtsaußen und Mittelstürmers stark bemerkbar.
Die Jugend setzte ihren Siegeszug fort und schickte ihren Gegner mit 11:1 für Gießen nach Hause.
Handball im Labn-Oünsberg-Gau.
To. Dorlar I — Tv. wieseck I 2:4 (0:1).
Wieseck trat zu diesem Spiel nur mit acht Mann an und brachte «3 trotzdem fertig, Dorlar klar mit zwei Toren Unterschied zu schlagen. Rachdem sich beide Mannschaften von Spielbeginn an lange vergebens abgemüht hatten, gelang Wieseck kurz vor der Pause der Führungstreffer, dem Dorlar trotz der bedeutend besseren Chancen nichts entgegensetzen konnte. Rach der Halbzeit erhöhte Wieseck auf 2:0, dem Dorlar anschließend da? erste Tor entgegensetzte. Es entspann sich nun ein äußerst harter Kampf um den Sieg, den Wieseck durch zwei weitere Tore, denen Dorlar nur ein zweites entgegensetzen konnte, sicherstellte.
Handball der 2. Komp.,IS 3. JL
2. Komp. 15. 3nf.'2tegL — Moosheim (Worms) 3:3 (1:1).
Die 2. Kompanie hatte am Sonntag eine spielstarke Mannschaft aus dem besetzten Gebiet verpflichtet und damit keinen schlechten Griff getan. MonLheim ist in ihrem Vezirk als äußerst starke Mannschaft bekannt, und nur durch Spielerausfall kam sie in den Endspielen um den verdienten ersten Platz. — Mit dem Anpftff entwickelte sich ein flottes Spiel. Monsheim fand sich sofort mit den Plahverhältnissen zurecht und konnte das Spiel vorerst überlegen führen. Durch einen prächtigen Wurf des sehr guten Mittelstürmers übernahmen die Gäste die Führung. Durch dieses Tor aufgemuntert, zeigte nun die Kompanie- Mannschaft ihr gewohntes Kombinationsspiel. Der Kampf wurde ausgeglichener. Kurz vor Halbzeit gelang es dem Rechtsaußen der Platzmannschaft, den Halbzeitstand (1:1) herzustellen. Gleich nach Angriff der zweiten Halbzeit legte die Militärmannschaft mächtig los und erreichte nach einiger Zeit 3:1 zu ihren Gunsten. Monsheim ging dann zu forschen Angriffen über und tonnte bis Schlußpfiff den Ausgleich Herstellen. — Das Spiel stand unter der vorzüglichen Leitung des Unparteiischen, Ie n t sch, 2. f. 2., Gießen.
Waldlausmeisterschast des I. Bataillons 15.3nf Reg menis.
Am Samstagvormittag wurde die Waldlauf- Meisterschaft innerhalb des hiesigen Bataillons aus« getragen. Zehn Mannschaften zu je 6 Mann hatten zu diesem Wettbewerb gemeldet. Die 5000 Meter lange Strecke führte vom höchsten Punkt des Triebs in Richtung Wieseck, dann die Wiesen an der Wieseck entlang, im Bogen nach rechts durch die Sandgrube, auer durch den Wald, durch das Grabenfystcm am Eulenkopf vorüber, über einzelne Hürden auf dem Trieb, durch den Philofovhenwald, in einem Links- bogen an der Liebigshöye vorbei und am Sportplatz der Sp. Bgg. 1900 entlang zum Ziel auf dem.' Trieb.
Dom Start weg wurde ein scharfes Tempo von den für die DivisionsMeisterschaft trainierten Läufern norgclegt, das die Masse der Läufer allerdings nur kurze Zeit durchhallen konnte. Schon nach 1000 Meter sonderte sich eine Spitze ab, die sich dauernd
Vorfrühling.
Von Siegfried von Vegesack.
An meinem Fenster trommelt ein Schmetterling, ein ganz gewöhnlicher rostbrauner Fuchs. Weih Gott, wie er in mein Zimmer gekommen ist, in dem doch nur staubige 2ücher stehen, — der kleine stachlige Kaktus auf dem Fensterbrett wird ihn kaum angelockt haben. Aber er ist da, nun schon drei Tage, spreizt die braun-schwarz gefleckten Flügel, zittert matt und selig in der schon stärker werdenden Mittagsonne, fliegt auf, klopft stürmisch an die harte Glasscheibe und sinkt betäubt, wenn das lockende Licht sich neigt, in die dünne Wullgardine. Abends faltet er wie betend die Flügel und fällt in tiefen regungslosen Schlaf.
Seitdem der Schmetterling da ist, fühle ich, daß es Frühling wird. Roch liegt Schnee auf den 2ergen, die kahlen Aeste der Bäume sind von weißem Rauhreif überzogen, und trittst du aus dem Haus, steigt dir der Atem wie Rauch aus dem Munde.
Aber der Schnee ist schon glasig und tömig geworden, er liegt wie Glassplitter auf dem Weg, hier und da hat die Sonne schon dunkle Flecken hineingesressen, braune Erde schimmert durch, die schwarzen Kämme des Sturzackers brechen aus der durchlöcherten weihen Decke hervor. Lind lautlos stäubt der Rauhreif von den Zweigen, es tropft von den Bäumen und Dächern, kleine Wasser gurgeln in den Gräben, und wo noch dünnes Eis darüber liegt, bilden sich milchig weihe Luftblasen, in die man, einem unwiderstehlichen Drang aus Knabenjahren folgend, hinein« ‘treten muß, um die eingeschlossene Luft vom EiS zu befreien.
Auch sonst gehen bemerkenswerte Dinge vor sich. Da sind zum Beispiel die Hühner. Obgleich eigentlich noch nichts zum scharren da ist, wandeln sie doch schon mit starren Augen suchend umher, sonnen sich, strecken die steifen Beine aus und legen sogar Eier. Die jungen Hähne, soweit sie nicht im Herbst geschlachtet sind, üben sich im Krähen. Es tönt zwar noch ein wenig heiser, — die Luft ist rauh, man muh die Stimme schonen, - aber immerhin: «S Hingt männlich, hoffnungsfroh, und die Hennen plustern ertoar- tung.woll ihr Gefieder.
In den warmen feuchten Stallen dämmern noch die Kühe, kauend und wiederkäuend im Winterschlaf. Wenn aber die kleine Luke zum
Ausmisten geöffnet wird, ein grelles, viereckiges Stück Sonne in das Dunkel fällt und ein frischer Luftzug, der noch schmelzendem Schnee und auf- geweichter Erde riecht, die mahlenden Mäuler trifft, dann straffen sich die eingefallenen Rücken, die Ketten klirren und hier und da stampft ein Huf ungeduldig auf dem steinernen Boden. Mona Lisa aber, unsere Prachtkuh, schlägt sich mit dem Schweif an die gewölbten Flanken und zeigt stolz das pralle Euter. Bald kommt ihre Stunde. Und wenn Mona Lisa kalbt, dann muß es Frühling werden, denn sie richtet es immer so schlau ein, damit das Kälbchen nicht so lang im Stall zu stehen braucht.
Unö heute hat der Postbote einen Brief gebracht, einen richtigen Frühlingsbrief von der kleinen Tochter, die in der Stadt zur DHule geht:
.,O Papa, es ist so schon, das ganze Leben! Am selben Tage bin ich gegangen und habe mir die Geige geholt. Ich war so glücklich und bins auch noch. Sie ist so orange und Ijat einen so schönen Ton, so stark und wenn man will so leise. Das Glück kam auf einmal, finde ich. Und die weihen Mäuse habe ich so gern. So schrecklich gern. Wenn sie im Aermel herumkriechen. Das Weibchen beißt ein bißchen. Ich glaub, sie bekommt Kinder. Das ist fein. Die Kaktusse haben sich auf achtundfünfzig vermehrt. Ein Goldtisch schuppt sich. Die Mäuse stinken etwas, aber nicht sehr. Legen die Hühner Sier? Sind wieder Häschen angekommen '< Frißt Plüschnase Und hat Mona schon ein Kälbchen? Roch dreiundvierzig Tage, dann kannst du glaub ich auf den Bahnhof kommen! Viel, viel Kuß deine Bella, die ganz glücklich ift“
Während ich dieses lese, ist die Mittagsonne an mein Fenster vorgedrungen, der Schmetterling hat sich wieder belebt und trommelt verzweifelt mit den Flügeln an der Glasscheibe. Er steht die Wiese flimmern und blitzen und glaubt, daß daS Gräser und Blumen sind, — waS weih ein Schmetterling von Schnee? Und ich kann eS ihm nicht erklären. Für ihn bin ich der grausame Gefängniswärter, der ihn seiner Freiheit beraubt. Was soll ich tun? Sein verfrühtes Leben um einige Wochen staubiger Zimmerluft verlängern, ihn langsam dahinstecyen lassen, bis er vor Sehnsucht und Hunger stirbt, - oder ihm die Freiheit gönnen, den kurzen berauschenden Flug in die Sonne, unö öen schnellen Tod auf dem eisigen Schnee?
Ich öffne daS Fenster. Roch sttzt er da, auf der Leiste, spreizt die Flügel, bebt, ein Zittern geht durch den kleinen schmalen Körper. Aber dann
wirft er sich in die Luft, taumelt trunken in das flimmernde Licht, sinkt, flattert auf, sinkt, bäumt sich noch einmal selig auf und fällt dann langsam immer tiefer, tiefer.
Ein Meer Weiher Blüten lockt. Aber sie duften nicht. Unö als er enölich matt auf sie niedersinkt, ist fein kurzes Leben beschlossen. Aber vielleicht war es reicher und schöner als das seiner klügeren Geschwister, die noch vorsichtig eingepuppt auf den wirklichen Frühling warten.
Meine Mutier.
Von Nikolaus Schwarzkopf.
Meine Mutter starb in ihrem siebzigsten Jahr. Wie ein Kind lag sie auf dem Totenbett, verklärt, das Heine Antlitz über die Maßen beruhigt und heiter, sechzehnjährig schier, die Oberlippe ein klein wenig nach links verzerrt. Wie oft habe ich diese Oberlippe zittern und beben und verhalten schwingen sehen, wenn die zarte Seele erregt war! Was haben diese Lippen Küsse verschleudert an die vier Kinder! Was haben diese Lippen Lust und Freude ausgestromt in tausend Liedern: Der Vater stak voller Lieder, die Mutter stak voller Lieder, und wir Kinder hüpften mit der Mutter auf dem dunklen, breiten Daß des Vaters umher und waren lauter Lust und Fröhlichkeit! Wir standen bei kaltem Acgen- toetter auf dem Acker und fangen: wir sprangen mit den Geißen auf den Wiesen umher unö fangen. Wir lagen am Sonntagmorgen im Bett und fangen, unö draußen in der Küche sang die Mutter mit. Die Mutter saß den ganzen Tag über die Nähmaschine gebeugt, aber wenn ihre Kinder bei ihr waren, so wurde sie nicht müde. Oft war das Gestampf dieser alten Maschine der Takt zu meinem Wiegenlied, und heute, wenn aus dem Gestampf meiner Schreibmaschine manchmal ein Singen anhebt, fo weih ich, wer insgeheim mitfingL Wie konnten diese Lippen beten! Diese Lippen ehrten den lieben Gott nicht, ohne daß sie vom Herzen wären beauftragt gewesen, nicht, ohne daß das Herz mitgebetet Hätte! Wie haben diese verhüllten Augen oft vor Müdigkeit geflimmert hinter der blauen Schutzbrille der letzten Jahre! Und w:e fröhlich sahen sie ehedem in die Welt! 3m Lichte dieser Augen habe ich mein Leben begonnen, und fie waren das erste Licht, das ich mit Bewußtsein sah. In diesem Licht hab ich mein Angesicht gebadet, hab ich Öen ersten Schritt getan, den ersten Vers ge
dichtet. Dieses Lichtes wegen bin ich von weither aus der Fremde gekommen, als mein erstes Buch erschienen war. als ich mir ein Weib genommen, als mein Söhnlein kaum geboren war. Aus Liebe zu diesem blauen Licht hab ich nadj Jahren wieder die Hände gefaltet, und oft, wenn ich bereit war. Schlimmes zu tun, ist dieses Licht über meinen Blicken aufgegangen und hat mich bewahrt. Dieses Licht hat mir in allen Fährnissen des Lebens geleuchtet.
Wie haben diese verwelkten Hände, die da vom letzten Gebet noch wie erquickt gefaltet sind, mühselig und beladen den Tag unö die Stunde erfaßt, den nötigen Unterhalt schaffen helfen! Sonderlich, wenn die Menschen ein Fest feiern wollten, mußten sie wochenlang zuvor für den Putz der Weiber sorgen, unö wenn das Fest dann kam, waren sie müde unö konnten nicht teilnehmen. Diese Hänöe haben Firlefanz genäht, Öen Garten gegraben, den Stall gemistet, haben das Korn mit der Sichel geschnitten, haben gedroschen, gemahlen. gebacken, haben gewaschen waS zur Kinderstube gehört, und haben einen kranken Mann gepflegt durch viele Jahre. Diese Hände haben Briefe geschrieben in alle Telle der Erde unö haben mit Heinen unö großen Leidenschaften unö Fceudenschaften der Menschen sich herum- geschlagen. Der Schimmer aber, der über diesen Briefen liegt, ist heilig.
Ich konnte nicht weinen an dem Totenbett. Ich zeigte voller Stolz allen, die da kamen, das himmlische Angesicht, und ich hätte schier lachen mögen vor Freude. Das Lichtlein war abgebrannt, der Altar aber strahlte weiter. Das Irdische dieses Angesichts glich dem Bildnis, das Dürer von seiner Mutter hinterlassen, die sieben^ mal vom Aussatz befallen war, das Himmlische dem einer Bleistiftskizze meines Landsmannes Memling. tal den hl. Tenedikl da stell n soll. Ick weih, in welcher Zucht dieser Erdenstaub feint Form sich schuf, feine irdische und seine himmlische, und jetzt, da er, von der Seele verlassen so entirdischt, so verhimmlischt vor mir tag. wai es mir, meine Mutter habe etwas Heiligmähiges an sich gehabt. Wohl weiß ich, daß viele Kinder so von ujrer Mutter denken möchten, wohl weiß ich. daß meine Mutter ihre Kreise getreulich erfüllt hat und als reife Frucht zur Erde zurück- siel, von der sie genommen. Aber es scheint mir, daß sie mit ihrem schwachen Körper Leistungen vollbracht hat. die über das Maß ihrer Kraft gegangen sind. Wahrlich, ich fühle etwas in mir schwingen, was ich noch nicht in Worte fassen kann ...


