Ausgabe 
11.3.1930
 
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im Jahre 1923 auf Grund eines recht nichtigen und seltsamen Vorwandes aufgelöst hat. Die Polen haben nach dem Kriege in den früher deutschen Ge­bieten die alten vaterländischen Verbände verboten, und deren Organisationen wurden dann auch tat­sächlich aufgelöst. Nun hotte aber der Kyffhäu - s e r b u n d eine Gedenkmünze herausgegeben, die alle ehemaligen Mitglieder erhalten sollten. Der Deutschtumsbund in Bromberg über­nahm die Vermittlung für. die Verteilung die­ser Gedenkmünzen in seinem Rayon und aus die­ser völlig harmlosen Angelegenheit haben die Polen die angebliche Aufstellung verbotener Organisationen konstruiert und den Deutsch­tumsbund aufgelöst. Anscheinend hat aber auch den polnischen zuständigen Stellen das ihnen vor­liegende Material zu einem Verfahren gegen die Führer des Deutschtumbundes bisher nicht genügt, denn erst setzt, nachdem der eigentliche Vorgang sieben Jahre zurückliegt, kommt es zur gerichtlichen Durchführung der Anklage Dor rund zwei Mo­naten wurden einiae der bekanntesten Mitglieder aus dem Vorstand des ehemaligen Deutschtumbun­des verhaftet, mußten aber dann nach einiger Zeit wieder freigelassen werden. Das Vorgehen der polnischen zuständigen Stellen mit ihrer siebenjähri­gen Verschleppungstaktik, mit Verhaftungen, Haus­suchungen usw widerspricht zweifellos dem Sinn einer loyalen Minderheitenpolitik, aber die Polen brauchten augenscheinlich Zeit, um eineSchuld" der angeklagten Deutschen künstlich konstru- ieren zu können Es ist wohl kein Zufall, daß der Deutschtums-Prozeß gerade unter einer Regierung Bartels nun doch noch zustande gekommen ist, denn noch im Mai 1928 hat der Führer der deut­schen Fraktion im polnischen Sejm eine Erklärung abgegeben, in der er feststellt, daß kaum ein anderer polnischer Premierminister sich jemals so von chau­vinistischen Strömungen habe treiben lassen, wie j)err Bartels. Die gegen das Deutschtum gerich­teten Strömungen seien unter seiner Regierung b e sonders gestützt worden, was sich in der Be­schränkung aller Rechtsgarantien ausgewirkt habe.

Oie Not der Landwirtschaft.

Rapide zunehmende Zwangs' Versteigerungen.

Berlin, 10. März. (QVB.) Die seit der In­flation anhaltende dauernd steigende Unrenta­bilität der deutschen Landwirtschaft hat zu einer ständigen Erhöhung der Zahl und des Um­fanges der Zwangsversteigerungen land- und forstwirtschaftlicher Betriebe und Grundstücke ge­führt. Insgesamt stieg die Zahl der Zwangs- der st eigerungen von landwirtschaft­lichen Grundstücken jeder Größe von 525 im Jahre 1924/25 auf 2367 Grundstücke im Jahre 1928/29. Der Fläche nach stieg in derselben Zeit die Ziffer von 2172 auf 50 432 Hektar. Aus einer vorn Landbund aufgestellten Uebersicht über die Entwickelung der Zahl und der Fläche der durch­geführten Zwangsversteigerungen land- und forst- wirtschafllicher Grundstücke geht zwar hervor, daß die Gesamtziffer seit dem Jahre 1926/27 bis 1928/29 leicht gesunken ist. Dieses Absinken ist aber auf die Abnahme der Versteigerungen in den allerkleinsten Betrieben von unter 2 Hektar zurückzuführen. Dagegen ist die Zahl der Zwangs­versteigerungen der landwirtschaftlichen Betriebe über 2 Hektar ständig stark angestiegen. Auch im laufenden Rechnungsjahr wird nach den aufgestellten Berechnungen mit einem weite­ren scharfen An st eigen gerechnet werden müssen. Am ausgeprägtesten ist das Ansteigen der Zwangsversteigerungsziffern in den mit­telbäuerlichen Betrieben von 5 bis 50 Hektar. Roch wesentlich stärker als die Zahl der Zwangsversteigerungen ist die Gesamt­fläche der zwangsversteigerten land- und forst­wirtschaftlichen Grundstücke gestiegen. Hier ist die Steigerung am stärksten bei den Betrieben über 100 Hektar. Auffallend hoch ist die Fläche der in der ersten Hälfte des laufenden JahreS versteigerten landwirtschaftlichen Grundstücke: Im 1. Halbjahr 1929/30 wurde nahezu der Umfang der zwangsversteigerten Grundstücke über 200 Hektar des ganzen Jahres 1928/29 mit 48 048 Hektar erreicht.

Oie Beisetzung des Großadmirals von Tirpih. München. 10.März. (LU.) Bei herrlichem Wetter fand am Montagmittag im Münchener Waldfriedhof unter großer Be eiligung die Bei­ss hungsfeier für Großadmiral von Tirpitz statt. Rachdem der Sarg im Kraft­wagen von Ebenhausen her in die Rähe des Waldfriedhoses gebracht worden war, wurde er von einer militärischen Leichenparade unter der Führung des Generalmajors S t e p p u h n , des Jnfanterieführers des Aeichswehrtreises VII, zum Waldfriedhof gebracht. Hinter dem Sarg folgten die nächsten Familienangehörigen sowie der Be­fehlshaber des Wehrkreises VII, Generalleutnant Leeb. Inzwischen hatten sich um einen gegenüber der Kapelle des Waldfriedhofes aufgebauten Katafalk, der von einer großen Anzahl herrlicher Kranzspenden umgeben war, die Teilnehmer der Trauerfeier versammelt. Man sah u. a. den ehe­maligen Kronprinzen Rupprecht von Bayern, den Prinzen Adalbert von Preußen als Ver­treter des Kaisers, die Minister Stütze! und G ü r t n e r als Vertreter der bayerischen Regie­rung, Generaloberst Graf von Dothmer, den früheren Reichsinnenminister v. K e u d e l l, Admiral von Trotha, den Reichstagsabge- ordneten Schulz-Dromberg und die beiden Bürgermeister der Stadt München. Zu beiden Seiten des Katafalks hatten sich zahlreiche Mili­tär- und Marinevereine, die vaterländischen Ver­bände und Studentenkorps mit ihren Fahnen ausgestellt. Der mit der Kriegsflagge bedeckte lorbcerbekränzte Ebenholzsarg, aus dem Ad­miralshut und Degen lagen, wurde von der La­fette aus den Katafalk gehoben, während sich die Fahnen senkten und zu beiden Seiten des Kata­falks Marineoffiziere und Stahlhelmsührer die Ehrenwache übernahmen.

Pfarrer O. T r a u b hielt sodann die Trauer­rede. in der er darauf hinwies, daß Sinn und In­halt deS Lebens des Verstorbenen die Wacht für Deutschlands Ehre gewesen sei. Er habe in der Flotte das Rüstzeug gebaut für den Kampf sei­nes Volkes. Der Seemann sei emporgewachsen zum Staatsmann. Er hinterlasse dem deutschen Volke und besonders der deutschen Jugend die Mahnung: Seid männlich und stark. Rach dem Gebet des Geistlichen hielt Admiral v. Trotha die GE'ächtnisrede. Das Leben des Großadmi­rals sei voll ernster Opferbereitschaft für ein freie-, große- Deutschland gewesen. Er habe die

Die Nachfolge Schachts.

Oie Kandidatur Luther.

Die Reichsregierung hat dafür gesorgt, daß die Reuwahl des Reichsbankpräsidenten im Eil- z u g t e m p o erfolgt. Eigentlich wäre es doch naheliegend gewesen, die paar Tage abzuwarten, bis das Reichsbankgeseh in seiner veränderten Fassung vom Reichstag verabschiedet war und bald darauf ratifiziert wurde, dann hätte man es nicht mehr notig gehabt, die ausländi­schen Mitglieder des Generalrates zu be­mühen, die Reuwahl wäre eine rein deutsche An­gelegenheit gewesen. Aber Herr Dr. Schacht ist in der Wilhelmstrahe so unbeliebt, daß man ihn lieber heute als morgen ent­fernen möchte, er könnte sich ja den Fall auch noch anders überlegen, also wird das Eisen geschmiedet, solange es heiß ist. Und die ganze Reuwahl vollzieht sich in einer Ueberstürzung. die sich später einmal bitter rächen kann. Aller­dings, der Propagandaapparat der Reichsregie­rung, der sonst recht schwerfällig ist, arbeitet diesmal erfolgreich, die Kandidatur Dr. Luthers ist gestartet und auch schon so weit gefördert, daß die erforderlichen sechs deutschen Stimmen für ihn gesichert sind. Auch die auslän­dischen Mitglieder sind antelegraphiert worden, so daß mit einer an Gewißheit grenzenden Wahr­scheinlichkeit Herr Dr. Luther, falls er nicht etwa selbst noch Schwierigkeiten machen sollte, das Rennen machen wird.

Er ist, wir sagten es schon, der Kandidat der Reichsregierung, die für ihre Ein­

stellung anführt, daß der Reichsbantpräsident auch als Mitglied der Reparationsbank inter­nationales Ansehen braucht, und daß Herr Dr. Luther als einer der Väter der Rentenmark dar­über verfüge. Das ist gewiß richtig. Wer aber boshaft ist. kann doch vielleicht annehmen, daß der Grund sehr viel tiefer liegt: Herr Dr. Luther hat in der letzten Zeit eine starke politische Betriebsamkeit an den Tag gelegt, er wird genannt als eine der Persönlichkeiten, die in Frage kommen könnten, falls das Kabinett Müller ausgewirtschaftet hat. Was liegt also näher, als ihn aus der politischen Ebene zu entfernen und als Reichsbantpräsident gewissermaßen k a l t z u st e l l e n. Wobei freilich eine künftige Reichsregierung ihr blaues Wunder erleben kann, denn wie wir Herrn Dr. Luther kennen, wird er mindestens ebenso eifersüchtig über feine Stellung wachen wie Herr Dr. Schacht. Daß er für das Amt selbst alle Voraussetzungen mitbringt, ist zweifellos. Er hat in seiner bis­herigen Tätigkeit als Finanzminister und Kanzler bewiesen, daß es ihm an Zähigkeit, Zielbewußt­sein und Tatkraft nicht fehlt. In seinem Ramen liegt die Gewähr dafür, daß die Reichsbank ihre Stellung behaupten wird, daß sie auch inter­national ihre Aufgabe erfüllen wird. Allerdings, auch Dr. Luther wird, was wir für keinen Fehler halten, oft genug a l s unbequemer Mah n e r auf treten, um gerade vorn Standpunkt der Reichsbank aus nicht nur die Sanierung der Finanzen, sondern auch die Reichs­reform in Fluß zu bringen.

Ablehnung der französischen Gicherheiis- iorderungen in London.

London, ll.MSrz. (WTB Funkspruch.) Die Bemühungen Briands um neue politische Garan­tien sind, wie sich aus der presse ergibt, an dem w iderstand Englands und Amerikas gescheitert.Times" sagt: Die britische Regie­rung ist nach wie vor entschieden gegen ein M ittelmecrlocarno. Es wird jetzt versucht werden, einen Ausgleichsvorschlag zu fin- den. Es verlautet, daß Briand an eine Vereinba­rung denkt, durch die die politische Frage einer späteren Konferenz Vorbehalten würde, die auf diplomatischem Wege vorzubereiten wäre. In diesem Falle würden die Zahlen des französi­schen Bauprogramms unverändert bleiben, aber spater entschieden vermindert werden, wenn eine Frankreich befriedigende Sicherheitsoereinba- rung zustande käme.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" schreibt: Briand hat eingesehen, daß weder Amerika noch England bereit sind, irgendwelche neuen Abmachungen zu schließen, die sie eventuell

zu kriegerischen Maßnahmen verpflichten könnten.

Der französische Korrespondent desDaily Tele­graph" betrachtet die französisch-amerikanischen Be­sprechungen über eine politische Garantie für Frank­reich als beendet. Auch im verlaufe seiner Be­sprechungen mit Macdonald dürste der französische Außenminster festgestellt haben, daß in absehbarer Zeit keine Entwickelung in der von ihm gewünschten Richtung zu erwarten ist. vom Standpunkte Briand aus liege das Schwergewicht des ganzen Problems der Organisierung des Friedens in der ameri­kanischen Haltung gegenüber der Frage der Freiheit der Meere. Solange Amerika seinen Anspruch, zu Kriegszeiten ungestört handel auch mit Angreifernationen zu treiben, nicht ausgegeben habe, würden wohl die Sanktionsbestimmungen der völ- kerbundssahung nur a u f dem Papier stehen. Infolgedessen werde kein regionaler Pakt gegensei­tigen Beistandes zur Durchführung von Sanktionen abgeschlosien werden.

Flotte ausgebaut, die im Weltkriege auch die stärkste Seemacht der Welt zum Erbeben ge­bracht habe. Im Auftrage des Reichswehrmini­sters, des Chefs der Heeresleitung, und der baye­rischen Reichswehrdivision widmete deren Füh­rer, Generalleutnant L e e b, dem Großadmiral Kranzspenden. Unter dem Trauersalut des Mili­tärs wurde dann der mit prächtigen Kranzspen­den geschmückte Sarg in das Grab gesenkt.

Der ungarische R e i ch s ve r w e s e r Ad­miral H o r t h y , richtete an den Ches der Ma­rineleitung folgendes Telegramm:Mit tiefem Bedauern vernahm ich die traurige Rachricht vom Hinscheiden Seiner Exzellenz des Groß­admirals von Tirpih. Mit ihm ist nicht nur der Schöpfer der heldenhaften deut­schen Flotte, sondern auch eines der Vor­bilder des Seeoffizierkorps der gewesenen österreichisch » ungarischen Kriegs­marine dahingegangen. Ich bitte, mein tief­empfundenes Beileid entgegenzunehmen und der gesamten deutschen Reichsmarine zu verdol­metschen. gez. H o r t h Y."

Minister von Vrettenbach t.

Hannover, 10. März. (WTB.) Kurz vor Voll­endung seines 80. Lebensjahres ist heute früh in Bückeburg (£n. von Breitenbach, früherer preußischer Staatsminister und Minister der öffentlichen Arbeiten, gestorben

Staatsminister Dr. Paul von Breitenbach wurde 1850 in Danzig geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und kurzer Tätigkeit im preu­ßischen Justizdienst trat er 1878 in den Eisenbahn­verwaltungsdienst. 1897 wurde Dr. Breitenbach Präsident der Direktion Mainz, 1903 wurde ihm die Eisenbahndirektion Köln übertragen. 1906 wurde er zum Mintster der öffentli­chen Arbeiten, zu dessen Wirkungskreis auch die Eisenbahnen gehörten, ernannt. 1909 wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben. Dr von Brei­tenbach, der sich um die Entwickelung des Eisenbahn­wesens hervorragend verdient gemacht hat, war in den letzten Jahren seiner Tätigkeit auch Vize­präsident des preußischen Staatsmi- n i st e r i u m s. Don diesem Amte wurde er am 9 November 1917 unter Verleihung des Ordens vom Schwarzen Adler entbunden. Schon einig« Wochen vor dem Umsturz hatte Exz. v. Breitenbach seinen Rücktritt auch als Eisenbahnminister einge- reicht, der dann mit der Bildung des ersten preu- ßischen Revolutionskabinetts erfolgte.

Mißglückter Hungermarsch von Leipzig nach Dresden.

Leipzig, 10. März. (WTB.) Die Kommunistische Partei hatte für gestern einen .Hungermarsch" von Leipzig nach Dreden angeordnet. Als sich in der Nähe von Park Meusdorf etwa 80 Teilnehmer versammelten, erschien in einem Auto ein Kom­mando der Polizei, das den Zug auflöste und 38 Mann fest nahm, die nach Leipzig in das Polizeipräsidium gebracht wurden. Ein Teil der zer- sprengten Zugteilnehmer sammelte sich wieder in der Nähe von Liebertwolkwitz und marschierte von dort nach Groh-Pösna. Dort wurde der Zug wie­derum von der Polizei aufgelöst. 5 Per­sonen wurden fettgenommen. Jrn Apollotheater sand gestern nachmittag anläßlich der internationalen Frauentagung eine kommunistische Versammlung

statt, nach deren Abschluß die Teilnehmer einen Zug 3U bilden versuchten, der jedoch sehr bald von dem Ueberfallkommando a u f g e l ö st wurde. Auch ein Versuch, vor der Versammlung einen Umzug durch die Weststraße zu veranstalten, wurde von der Poli­zei vereitelt, die einige Verhaftungen vornahm.

Verschärfung der Lage in Indien.

London, 10. März. (TU.) Die Lage in Indien hat sich inzwischen weiter verschärft. Gegen den Bürgermeister von ^Kalkutta ist ein H a s t b c fehl wegen verräterischer Tätigkeit ergangen, da er in verschiedenen Massenver­sammlungen gesprochen hat. In Bombay haben die Führer des Akali-Stammes Gandhi davon verständigt, daß sie ihm 5000 Mann aus ihren Reihen zur Verfügung stellen wollen. 3n Bom­bay find 26 mit der Durchführung der Propa­ganda Beauftragte verhaftet worden. Im Gebiet von Titaghur sind etwa 20 00? Arbeiter der Baumwollspinnereien in den Streik getreten.

Der Sonderkorrespondent desDaily Expreß" in Qabarmati, dem Sitz der Schule Ghandis, meldet, daß 22 Bewohner der Schule Ghandis an Pocken erkrankt und drei von ihnen bereits gestorben seien. Gegenwärtig richte eine Pockenepidemie im ganzen Bezirk von Bombay große Verheerungen an. Ghandi habe sich aber durch diese Wendung in seinen Plänen nicht be­irren las'en. Er erklärte, wenn er 70 Lakhs Ru­pien (10,5 Millionen Mark) aufbringen könnte, und wenn seine Freiwilligen seinen Weisungen folgen würden, dann könnte er versprechen, daß Indien beinahe ohne Zeitverlust Swaraj (Home- rule) erhalten werde. Er gab diese Erklärung nach der Gebetsstunde ab und fügte hinzu, die erste Gruppe der Freiwilligen werde aus 70 Bewohnern seines Hauptquartiers in Sabarmati bestehen. Unter seiner Führung würden diese 70 Freiwilligen denMarsch nachder Küste antreten, um Salz aus dem Meere zu gewinnen, um dem Salzmonopol der Regierung ein Ende zu machen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichspräsident empfing den Reichskanzler zum Vortrag über die po­litische Lage. Ferner nahm der Reichspräsident einen gemeinsamen Vortrag des Reichsministers des Auswärtigen, Dr. C u r t i u s , des Reichs» Ministers für Ernährung und Landwirtschaft. Dr. Dietrich, und des deutschen Gesandten in Warschau, Rauscher, über den deutsch-polni­schen Handelsvertrag entgegen.

Der Reichspräsident hat dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika anläßlich des Hinscheidens des früheren Präsidenten Taft tele­graphisch sein Beileid ausgedrückt.

Der Reichspräsident empfing aus Anlaß der in Berlin tagenden Generalsynode der Evangelischen Landeskirche der Alt- preußischen Provinzen Mitglieder der Ge­neralsynode, unter ihnen die Generalsuperintenden- ten der östlichen Provinzen.

Der Reichspräsident empfing die von dem chinesischen Gesandten begleitete t^ine- fische Marinekommission, die hier zu einem mehrwöchigen Besuch in Deutschland ein­getroffen ist. e

Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat, wie lautD. 21. Z." in politischen Kreisen verlautet, dem Reichspräsidenten zur Begrün­dung seines Rücktritts ein längeres Schrei­ben zugehen lassen, in dem er seine Auffassung über die politische Lage, insbesondere über die Aussichten der Rcparationspolitik niedergelegt hat.

Aus aller Welt.

Explosionsunglück auf dem Uebungsplah Ohrdruf.

Auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes fanden zwei Soldaten des zur Zell hier weilenden AusbildunasbataillonsMarbura einen Blindgänger. Als sie sich unvorsichtigerweife und entgegen den Vorschriften damit zu schaffen mach­ten, explodierte der Blindgänger. Don den beiden Soldaten wurde der eine aus der Stelle g e tötet. Der andere erlitt schwere Verletzungen und wurde ins Ohrdrufer Krankenhaus gebracht.

31 Tote beim Absturz eines Förderkorbes.

In der bei Johannisburg gelegenen Erowen- zeche riß das Seil eines Förderkorbes, wodurch, dieser 500 Meter in d i e Tiefe stürzte. Die in dem Korb gerade beförderten 28 ein­geborenen Bergarbeiter wurden sämtlich ge­tötet. Durch das Seil des fallenden Korbes wurde die Tür eines zweiten, mit ihm in Ver­bindung stehenden Fördcrkorbes aufgerifsen, wo­durch drei europäische Ingenieure heraussielen und aus 300 Meter tödlich auf dem Zechengrand verunglückten.

lieber hundert Kinder lebendig b erb rannt

Eine ent etz'.iche Explosionskatastrophe, die den Tod von 104 Kindern verursachte, hat sich in der koreanischen Hafenstadt F u s e n er­eignet. Als gelegentlich des 25. Jahrestages des Sieges von Mukden in der Dersammlungshalle der Chinkai-Marinestation eine Kinofe st Vor­stellung vor Kindern im Gange war, ex­plodierte plötzlich unter ungeheurer Flammen­entwicklung ein zu Beleuchtungszwecken dienen­der Behälter mit Raphthagas und setzte den Zuschauerraum sofort in Brand. Rur 25 Kinder konnten unversehrt gerettet werden. Mehr hundert Kinder verbrannten bei lebendigem Leibe.

30 Tote bei einer Lisenbahnkatastrophe in Brasilien.

In der Rähe des Kurortes Therezopolis im Staate Rio de Janeiro entgleiste ein Eisen­bahnzug und stürzte infolge Versagens der Bremse in eine 1 7 5 Weter tiefe Schlucht. Bis jetzt sind 30 Tote und 15 Ver­letzte gezählt bei deren Bergung sich erschüt­ternde Szenen abspielten.

Zum Tode verurkellt

Im Prozeß gegen den wegen Mordes angeklag- ten 31jährigen landwirtschaftlichen Arbeiter Willy Schuemann aus Horst erkannte das Gericht in Flensbura auf Todesstrafe und fünf Jahre Zucht­haus. Schuemann hatte am 5. Januar auf dem Wege von Horst nach Hennstedt an einem jungen Mäochen ein Sittlichkeitsoerbrechen ver­sucht. Aus Furcht vor Entdeckung und Bestrafung drückte er den Kopf feines Opfers in einen Wasser­graben und führte so den Erstickungstod des Mädchens herbei. Schuemann leugnete zunächst, ge­stand dann aber die Tat ein. Schuemann ist bereits mehrfach wegen sittlicher Delikte vorbestraft.

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Die Wetterlage steht unter dem Einfluß der nördlichen Störungen. Bereits im Laufe des gestrigen Tages traten unter zunehmender Er­wärmung und Eintrübung verbreitete Rieder- schläge auf. Dem Warmluftvorschud folgte sehr rasch der Kaltlufteinbruch, welcher erneuten Tem- pcraturrückgang und unbeständiges Wetter mit sich brachte. Er wird sich vorläufig weiter aus­wirken und das unruhige Wetter fortbestehen lassen. Die Temperaturen sinken nqch und dürf­ten nachts bis unter den Gefrierpunkt zu liegen kommen. Auch tagsüber bleibt es rauh, sowie Schauer treten auf.

Wettervoraussage für Mittwoch. Wechselhaftes Wetter mit Schauern, teils als Regen, teils als Schnee, vielfach leichter Rächt- frost, auch tagsüber rauh.

Lufttemperaturen am 10. März: mittags 14,3 Grad Celsius, abends 7,4 Grad: am 11. Mär§: mor­gens 1,4 Grad. Maximum 14,6 Grad, Minimum 1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. März: abends 6,1 Grad: am 11. Mörz, morgens 3,2 Grad Celsius. Niederschlag 2,4 mm. Son- nenscheindauer 4f Stunden.