Dienstag, U. Mrz 1930
180. Jahrgang
Nr. 59 Erstes Blatt
Schluß der Aoungdeballe im Reichstag
Gefahr
Berlin. lb. März. (D. D. Z.) Die zweite Beratung der Voung-Gesehe wird fortgesetzt.
Abg. Schiele (Dnl.) erklärt, die einseitige Wirtlchaftspolitik und die Auslandverschuldung hätten dazu geführt, dah wir in den letzten sechs Jahren für 17 Milliarden Lebensmittel eingeführt hätten, obwohl davon mindestens zehn Milliarden auf der eigenen Scholle erzeugt werden konnten. Die Landwirtschaft sei am Ende ihrer Kraft. Das Bettovermögen der Dorkriegslandwirtschaft von 27 Milliarden sei auf 11 Milliarden ge-
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Dt Friedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Di H.THyriot; für den übrigen Teil Trust Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gienen
V erlin, 10. März. (OB Eigene Meldung.) Die beiden wesentlichsten Ereignisse der parlamen- larifchen Entwicklung des Montags find der Empfang de» Reichskanzlers beim Reichspräsidenten und die Verhandlungen zwischen den Fraktionen der Weimarer Koalition einschließlich der Bayern über ein neues Finoozprogramm. von anderer Seite ist behauptet worden, der Reichspräsident hätte dem Kanzler für deu Fall, dah die Parteien sich nicht über die Fi- nnnzfragen einigen würden, bereits die Ermächtigung zur Auflösung des Reichstags erteilt. Der Reichspräsident werde dann auch den Artikel 4 8 der R e i ch s v e r f o s s u n g heran- ziehen, von mahgebender Seite wird diese Darsiel, lung als eine Kombination bezeichnet. Richtig sei, dah zwischen dem Kanzler und dem Reichspräsidenten natürlich alle Möglichkeiten besprochen worden seien, die sich aus der augenblicklichen Lage ergeben können. Von irgendeiner Ermächtigung könne aber keine Rede fein-
Die Verhandlungen der Vertreter der Reichstags- froktloncn der Sozialdemokratie, des Zentrums, der Demokraten und tec Bayerischen Volkspartei währ- len bis gegen 23.30 Uhr. Heber ihr Ergebnis wird auf Grund einer Vereinbarung der Parteien zunächst Stillschweigen gewahrt, doch wird mitgeteilt, dah sie einen besriedigenden Verlauf genommen hätten. Es sickerte aber schon durch, dah die Lösung des Problems etwa in folgender Richtung liegen wird: Dem widerstand der Bayerischen Volkspartei gegen die B i e r ft e u e r soll dadurch Rechnung getragen werden, dah diese Steuer aus dem Reichsprogramm herausgenommen und den Ländern überlassen werden soll untor entsprechender Kürzung her Zuweisung an die Länder. Das würde praktisch darauf hinanslaufen. dah es den Bayern selbst überlass en bleibt, ob sie die bei ihnen besonders unpopuläre Biersteuer einführen oder den entsprechenden Betrag durch andere steuerliche Maßnahmen hereinholen wollen. Andererseits soll den wünschen der Sozialdemokraten und mancher Zentrumskreise entsprechend auf die Garantie von S 1 e u e r f e n k u n g e n zunächst verzichtet werden. Erwogen wird auch als Ausgleich für die fehlende Viersteuer die Zuweisung der ursprünglich den Ländern und Gemeinden zugedachten Mineralwasser st euer an das Reich. Um den noch verbleibenden ungedeckten Betrag ouszubringen, wurde, wie der „Vorwärts" meldet, erwogen, den e r ft e n Umsatz von Importwaren zu besteuern und die allgemeine Umsatzsteuer von 0,75 auf 0,80 v. h. zu erhöhen. Auch über den Gedanken eines Zuschlages zur Einkommen st euer ist laut „B. T. aufs neue verhandelt worden. Die Idee des einmaligen Zuschlags zur Einkommensteuer, die wieder aufgetauchl war, sand auch diesmal bei der Mehrheit keinen Anklang.
Das sind natürlich nur die Grundzüge des Deckungsprogramms, das die Parteien der Weimarer Koalition der Deutschen volkspartei vorlegen wollen. Lehnt die Volkspartei die Vorschläge der übrigen Parteien ab und vollzieht sie den Bruch mit ihnen dadurch, dah sie ihre Minister aus dem Kabinett zurückzieht, so ist damit noch keineswegs die Demis- sion der fetzigen Regierung gegeben. 3n diesem Falle wird vielmehr damit gerechnet, dah nach der Annahme des Poungplans, dem nach dem Finanzkonkordat der Weimarer Parteien ja auch Zentrum. Bayerische Volkspartei und Demokraten zustimmen würden, die Regierung versucht, die- s e s Weimarer F i n o n ; k o n k o r d a t im Reichstag durchzusehen. Ein versuch, der aussichtsreich erscheint, weil die Regierung dann sicherlich ein starkes Druckmittel in der Hand Hal mit der Drohung der Reichstagsauslösung. Gegen eine Reichstagsauslösung bestehen nämlich nicht nur bei den regierungstreuen Fraktionen starke Bedenken, zumal die Möglichkeit besteht, dah die Regierung nach der Auslösung ihre dringendsten finanzpolitischen Pläne unter Anwendung des Artikels 48 der Re 1 ch sve r faf fu n g durchsetzen könnte.
Die Prognose der Presse.
Noch starke Widerstände.
Berlin. 11. März. (TU.) Die Aussichten für die.Einigung der vier Regierungsparteien über das Finanzprogramm und für das Zustandekommen einer Regierung der Weimarer Koalition werden von den Berliner Blättern sehr verschieden beurteilt. Der „Vorwärts sagt über das Ergebnis der Besprechungen am Montag, dah man sich auf dem Wege zur Einigung befinde. Lieber die Haltung der Demokraten berichtet der „Börsen-Eourier“, dah sich
die Wirtschafts- und Zollpolitik, die von 1927 bis zum Amtsantritt der jetzigen Regierung geführt wurde. Der jetzigen Regierung blieb es Vorbehalten, im Interesse der Landwirtschaft entscheidende Aktionen aus dem Gebiete der Wirt- schafts- und Zollpolitik durchzusühren. Beim deutsch»polni s ch en Liquidations- a b k o m m e n lag uns vor allem am Schutz der deutschen Minderheit in Polen. Die Frage, ob das Abkommen eine Verfassungsänderung bedeutet, ist in einem Gutachten von den juristischen Sachverstänoigen des Reichssustiz- und des Reichsinnenministeriums verneint worden. Die Verbundenheit der Liquidations- abkommen mit dem Voungplan ergibt sich aus der Vereinbarung der Sachverständigen in Paris, dah frühere Lei st ungen nicht an« g er echnet werden sollen. Das war die Voraussetzung für die Festsetzung der Annuitäten. Diese in den Liquidationsabkommen verfügte Voraussetzung steht also nach dem Ergebnis der Pariser Sachverständigenverhand.ungen im engen Zusammenhang. Die Anrechnung des Wertes des an Polen abgetretenen Gebietes ist nach dem Ergebnis der Pariser Sachverständigen- konferenz unmög.ich.
Der Wert dieser Gebiete war von der Reparationskommission Polen angerechnet worden auf die alte Kapitalschuld. Unter diese Kapitaljchuld ist aber ein Sch 1 uhstrich gemacht worden durch die Vereinbarung der Pariser Sachoerständigenkonfe- renz. Diesen Teil der Sachverständigenvereinbarung hat Herr Schacht in seinem Memorandum weggelassen. (Lebhaftes hört! hört! bei den Regierungsparteien.) Daß das Abkommen im Interesse der deutschen Minderheiten in Polen liegt, ist uns von einem maßgebenden Vertreter vieler Minderheit bestätigt tootoen (Rufe rechts: „Wer ist das?"). Ich möchte den Rainen dieses Sejmabgeordneten lieber nicht nennen. Wir haben die bestimmte Zusicherung, dah die aus der polnischen Agrarreform befürchteten schädigenden Maßnahmen nicht eintreten werden. Der polnische Auhenminister hat in diesen Tagen erklärt, die polnische Regierung denke nicht daran, aus der Agrarreform eine Strafe zu machen, um mit ihrer Hilfe an Stelle der durch das Liquidationsabkommen gefallenen Möglichkeiten gegen den deutschen Besitz vorzugehen. (Abg. Stöhr (Rat.-Soz.): „Sind Eie ein polnischer Minister?" — Ordnungsruf des Präsidenten Löhe gegen Stöhr.) Wir verstehen die Sorge in den
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Das Finanzprogramm der Weimarer Koalition.
Zugeständnisse an Bayern und Sozialdemokraten. - Oie Steuersenkungspläne werden fallen gelüsten. - $ür die Deutsche Volkspartei unannehmbar. - Auch Widerstand bei den Demokraten.
auch für die Erledigung der Finanzaufgaben nichts mehr versprechen. Der gegenwärtige Zu- stand ist unerträglich geworden, und es würde e i n Gefühl der Erlösung durch den weitaus größten Teil des deutschen Volkes gehen, wenn jetzt Reichspräsident und Reichskanzler den Entschluß zum handeln fassen. Dos Volk erwartet die Tal!
Die Haltung der Bayerischen Volkspartei.
München, 10. März. (TU.) Die Bayerische Vollsparteikorrespondenz erwägt die Möglichkeit, dah das Finanzprogramm nicht zustande komme. Es sei dann ganz ausgeschlossen, dah das Zentrum zu den Vounggesehen ja sagen könne. Für die Bayerische Volkspartei würde unter solchen Umständen die Frage viel eher lauten, ob sie sich dann überhaupt noch mit ihrer schwierigen Haltung begnügen könne. (Gemeint ist die Stimmenthaltung.) Denn es sei sehr zu erwägen, ob es, rein auhenpolitisch gesehen, verantwortet werden könne, auch nur indirekt das Zustandekommen eincs R t fizicrungsvotums zu begünstigen, das auf so fürchterlich schwachen Fühen stehe. Die Parole der Sozialdemokraten: Ratifizierung um je- denPreis, ganz g eich, wiefie zustande komme, stelle, rein außcnpvlltisch betrachtet, eine nicht unbedenkliche Bescheidenheit dar. Wenn aber die Reichsregierung eine weitere Verzögerung nicht verantworten zu können glaube und sich auherstande sehe, mit mehr Erfolg als bishe. ihrer führenden Aufgaben zu begegnen, so wäre es vielleicht besser, jetzt die Kon- s e q u e n z z u z i e h e n , als in ein paar Wochen. Man solle es sich sehr überlegen, mit einem sich selb st dem Tode weihenden Kabinett eine politische Entscheidung, die Leben bringen soll, durchzusehen. Die Bayerische Volks- Partei ziehe das Risiko einer Verzögerung der Ratifizierung der Haager Gesetze einer Ratifizierung auf der schwankenden Grundlage ungeordneter oder nur scheinbar geordneter öffentlicher Finanzen vor. Die Verhandlungen der letzten Wochen hätten auch die Erkenntnis verstärkt, wie gering die Aussichten einer den deutschen Verhältnissen angemessenen sachlichen Finanzreform seien, solange so starkeRück- sichten auf die Sozialdemokratie genommen werden mühten.
ihre Zustimmung.
Abg. Graf zu Eulenburg (Dnl.) erklärt das deutsch-polnische Liquidationsabkommen für unannehmbar. Ganz unverständlich sei der Starrsinn, mit dem die Regierung an der lln- trennbarkeit dieses Abkommens von den übrigen Voung-Gesehen festhalte. Eine Befriedung im deutsch-polnischen Verhältnis werde durch das Abkommen nicht erreicht. Dr. Schacht habe mit vollem Recht gerügt, dah die Milliarden unberechnet geblieben sind, die Deutschland durch den Gebietsverlust an Polen geopfert hat. Der Protest der ostpreuhischen Wirtschaftsführer wird auch in den übrigen Ostprovinzen gebilligt.
Reichsauhenminister Or. CuriiuS:
Wie die deutschnationale Fraktion für die ganze Dawes-Politik von Anfang an die halbe Verantwortung trägt, so trägt sie — das weih der Abg. Schiele — auch die Verantwortung mit für
Ertcheini ioglid),au6ei Sonntags und Feiertag»
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beim Wirtschaftsflügel der Demokraten starker Wider st and gegen eine Beteiligung an einer Weimarer Koalition melde. Diese Angaben werden von der „ß. 21. Z." ergänzt, nach der von absolut zuverlässiger Seite verlautet, dah die Abgeordneten Fischer (Köln), Hummel und T a n tz e n hätten erkennen lassen, dah sie im Falle eines Beitritts der Demokraten zur Weimarer Koalition ihre Mandate niederlegen würden.
Gegen eine Beteiligung der Bayerischen Volkspartei an einer Weimarer Koalition bestehen in München beim Hauptvorstand der Partei sehr ernste Bedenk.'N. Dah bei den Besprechungen noch keine Einigung zustande kam, soll daraus zurüekzusühren fein, dah in den Abendstunden aus München die Nachricht eingetrosfen sei, dah der Parteivorsihende der Bayerischen Volkspartei, Scheffer, sich mit großer Deutlichkeit gegen die Bildung einer Weimarer Koalition ausgesprochen und eine Reise nach Berlin angetreten habe, um auf die Reichstagsfraktion der Bayerischen Volkspartei demgemäß einzuwirken. Die Aussichten für eine Verständigung mit der DVP. aus Grund eines Finanzprogramms der vier Parteien^ werden von der „Germania" nicht sehr günstig beurteilt. Die „D. 21. Z." zweifelt nicht daran, dah die Volkspartei angesichts des bevorstehenden Parteitages in Mannheim auf ihrem feierlichen Beschluß b e st eh e n bleibt.
Die „Kölnische Zeitung" fordert Auflösung des Reichstags.
Bon diesem Reichstag ist nichts Gutes mehr zu erwarten.
6 ö 1 n, 10. Mär,. (CJIB.) Die „kölnische Zeitung" schreibt zur parlamentarischen Lage u. 0.: Der Reichskanzler darf es keinesfalls daraf ankommen lassen, dah das Schicksal des Reuen Planes sich er st in der Abstimmung klärt, es muh vorher entschieden sein. Gelingt das nicht, so gibt es nur einen Ausweg: die Auflösung des Reichstags. Dann mag das Volk s e l b st urteilen und dafür Sorge tragen, dah seine Geschäfte künftig besser besorgt werden, wir halten die Auslösung pes Reichstags allerdings auch im Falle der Verabschiedung der Pounggesehe für notwendig; denn von diesem Reichstag können wir uns
Ostprovinzen, aber gerade wer diese Sorgen teilt, muß für das Abkommen eintreten. Biele dieser Sorgen werden durch das Abkommen weggeräumt. Was sonst zwischen uns und Polen steht, wird dadurch nicht aus der Welt geschafft. Gerade darum ist cs unverständlich, daß ostpreuhische Abgeordnete Gegner des Abkommens sind. Die deutsche Menschenbrücke im deutsch- polnischen Korridor und das deutsche Fundament in der abgetretenen Provinz Pofen bewahren Ostpreußen vor der Isolierung. Wenn Sie diese Drücke und dieses Fundament zerschlagen, ist Ostpreußen ganz isoliert. Wir aber wollen gegen Sie (nach rechts) diese Brücke erhalten und dafür sorgen, dah auf diesem Fundament die Brücke weiter steht. Darum mühten gerade die ostpreußischen Abgeordneten mit uns für das Abkommen eintreten. (Beifall bei den Regierungsparteien.)
Damit ist in der zweiten Beratung die Aussprache über die Vounggesehe beendet. Es wird die Vertagung der Abstimmung auf Dienstag beschlossen.
Es folgt der Bericht des Geschäftsordnungsausschusses, der die Genehmigung zur Strafverfolgung von sieben kommunistischen Abgeordneten teils wegen Hochverrats, teils wegen Beleidigung, weiter der nationalsozialistischen 2lbgeordneten Dr. Göbbels, "Bud) und Feder wegen Beleidigung und Religionsvergehens und zum Disziplinarverfahren gegen den Abgeordneten Berndt (Dn.). der wegen seines Verhaltens beim Volksbegehren als Schöneberger Bezirksbürgermeister diszipliniert werden soll und s e l b st um Aufhebung seiner Immunität x gebeten hatte.
Die Anträge des Geschäftsordnungsausschusses werden angenommen.
Dienstag: Die Abstimmung über die Vounggesehe in zweiter Beratung. Präsident Löbe bemerkt dazu, et reck)ne damit, daß die Abstimmung zwischen 16 und 17 Uhr vorgenommen werden könne. (Zuruf von den Kommunisten: „Ist bis dahin der Kuhhandel schon fertig?")
polnische Minverheiienpolitik.
Die Labotagc der deutschen Schule.
Kattowih. 11. März. (T.-U.) Der Maurer Peter P u s s 0 n , der Landwirt Josef S ch i w y , der Arbeiter Franz M e tz n e r und der Kutscher Viktor Hedwig, alle aus Ko- schentin, Kreis Lublinih, verbüßten seit dem 27. Februar in dem Gerichtsgefängnis in Tar- nowiy eine zweiwöchige Freiheitsstrafe als Opfer des Schulkampfes, der gegen die deutschen Minderheitenschulen in Ostoberschlesien in den letzten zwei Jahren seit dem Rc- gime des Wojwoden Graszinski besonders scharf geführt wird. Si§ hatten ihre Kinder in d i e deutsche M i n d e r h e i t e n s ch u l e in Koschentin angemeldet, die, obwohl 51 Kinder angemeldel waren, am 19. August 1927 aufgelöst wurde. Eine Anzahl Anmeldungen wurde, ohne Angabe von Gründen, als ungültig erklärt, so daß die Gesamtzahl der Schüler unter 40, der gesehlichenMin- destzahl, betrug. Von den Antragstellern wurden die vier genannten Täter von einem Woj- wodschaftsbeamten vernommen und vollständig gesetzwidrig über die Sprache der Kinder gefragt, obwohl bekanntlich die Erklärung der Erziehungsberechtigten genügt, dah er sich zur deutschen Minderheit bekennt. Die Protokolle, die der Woiwodschaftsbeamte ausgenommen hatte, wurden gefälscht und darin eine gegenteilige Erklärung ausgenommen. Die Erklärung der Erziehungsberechtigten wurde von der polnischen Behörde als mit der Wahrheit nicht vereinbar angesehen und ihnen ferner Beleidigung und Verleumdung des protokollierenden Beamten zugeschoben. Die Strafkammer des Bezirksgerichts in Tarnowih hat am 14. März 1929 sämtliche Angeklagten, obwohl sie glaubwürdig beteuerten, dah ihnen jede beleidigende Absicht ferngelegen habe, zu je zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Die gegen das Urteil eingereichte Revision sowie die Gnadengesuche blieben erfolglos und so muhten die vier Verurteilten ihre Freiheitsstrafe antreten, die sie zur Zeit noch verbüßen. Der Urteilsspruch hat die vier Deutschen, die bisher unbestraft sind, äußerst hart betroffen. Eine Bewährungsfrist, die sogar schlimmsten Verbrechern gewährt wird, ebenso die Umwandlung der Gefängnisstrafe in eine Geldstrafe wurde versagt.
Die Deuischenverfoigung inpolen
Ein Prozeß nach 7 Jahren. — Die gefährliche Gedenkmünze.
Berlin, 10. März. (Priv.-Tel.) Am kommenden Montag, 17. März, sollen endgültig die Hauptverhandlungen vor dem Bezirksgericht in Bromberg gegen zehn führende Persönlichkeiten des Deutschtums stattfinden. Die Danze Angelegenheit ist ein Musterbeispiel der polnischen Taktik gegenüber den Deutschen. Die Angeklagten sind fast alle Mitglieder des ehemaligen Deutschtumbundes in Bromberg, den die polnische Regierung bereit»
sunken. Ihr Anteil am Volkseinkommen betrage nur 5 v. H. Das durchschnittliche 3ahreseinkom» men des selbständigen Landwirtes und seiner mitarbcitenden Familienangehörigen sei vom Institut für Konjunkturforschung mit 500 Mark festgestellt worden, also nur die Hälste des Bezuges eines Arbeitslosen. 3m Osten sei die Rotlage der Landwirtschaft zu einer n a - tionalpolit ischen Gefahr geworden. 3m Westen wachse das Heer der Arbeitslosen, im Osten die Entvölkerung. Polen sei demgegenüber bestrebt, in planmäßiger Arbeit einen n a t i » onalbewuhten polnischen Bauernwall gegen das Deutschtum zu schaffen. Unter diesen Umständen sei das Polenabkommen vollkommen untragbar. Die bisherige Der- ständigungs» und Handelspolitik habe nicht den Weg zur nationalen Freiheit eröffnet. Seine Partei versage dieser Politik ihr Vertrauen und
GietzeimAiizeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vrrck imv Verlag: vrühl'sche Untverfitätr-Vuch- und Stelnörnderei TL taine in Gletzen. Schriftleltmig und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.


