Ausgabe 
11.2.1930
 
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Abrüstung oder neue Schlachtschiffe? Ein amerikanischer Versuchsballon.

London, 11. Febr. (WTB. Funkspruch.) Der inoffiziell bekanntgewordene amerikanische Vor« schlag, wonach die Vereinigten Staaten nicht drei, sondern vier Schlachtschiffe abwracken und dafür ein dem neuen englischen Schlachtschiff Rodney" gleichwertiges Fahrzeug bauen wollen, steht neben der U-Bootfrage im Vorder­grund des Interesses.Times" weist darauf hin* daß der amerikanische Vorschlag in der am Don» nerstaa gegebene» Fassung den amerikanischen Schlachtschiffen bereits eine erhebliche Ueberlegenheit an schwerer Artil­lerie gegenüber den britischen Schlachtsch ffen geben würde, und sagt: Wenn aber Amerika außerdem noch ein neues Schlachtschiff bauen wollte, dann würde es allein an lözölligen Geschützen 33 gegenüber 18 britischen haben. In diesem Falle könnte kaum ernstlich von Pa­rität die Rede sein. Auch derDaily Herold" äußert große Besorgnis. Werde der amerikanische Vorschlag angenommen, dann werde die Konferenz chließlich nur der Beginn neuer Schlacht- chiffbauten sein. Daß der amerikanische Vor- ch!ag nur als Versuchsballon zu werten ist, cheint aus einer Washingtoner Meldung der Times" hervorzugehen, wonach die Beamten des Staatsdepartements erklären, daß ihnen nichts von einem Vorschlag der amerikanischen Delegation in London auf Bau eines neuen amerikanischen Schlachtschiffes vomRodney"-Typ bekannt sei. Ein solcher Vorschlag scheine auch nicht mit der Be- grenzungs. und Verminderungspolitik der Vereinig­ten Staaten in Einklang zu stehen.

Das Schankstättengejetz.

Berlin, 10. Febr. (Vdz.- Der Volkswirt­schaftliche Ausschuß des Reichstags, der am Samstag den § 1 des Gaststättengesetzes be­handelte und dabei die sog.Relation", nur eine Ga st statte auf 40 0 Einwohner, eingefügt hatte, erledigte am Montag einige weitere Paragraphen, ohne wesentliche Aende- rungen an ihnen vorzunehmen. Der § 2, der die Fälle aufzählt, in denen eine Konzession versagt werden soll, wurde dahin ergänzt, daß die Konzession auch zu versagen ist, wenn der Antragsteller wegen Verstoßes g gen die Vorschriften über die Beschäftigung von Arbeitern und Ange st eilten erheblich vorbestraft ist. In einer Entschließung wird die Reichsregierung ersucht, bei Erteilung von Kon- Zessionen diejenigen Personen zu bevorzugen, die aus dem Gastwirtsgewerbe hervor­gegangen find.

Oie Reform öed Versor ungörechts.

Der Aeichsbund der Kriegsbeschä­digten, Kriegsteilnehmer undKrie- gerhinterbliebenen hatte die ihm an­gehörenden Beisitzer des Reichsversorgungs- gcrichts und des Bayrischen Landesversorgungs­gerichts zu einer Aussprache nach Berlin ein­geladen. Fast die Hälfte der Laienrichter des Äeichsversorgung ' gerichts konnte dabei seine Er­fahrungen über die Spruchpraxis auf dem ver- sorgungsrech.lichen Gebiete austauschen, Mängel der Gesetzgebung, Gesehes'.exte und Verordnun­gen feststellen, das bisherige System des Ver­fahrens einer sachlichen und schöpferischen Kritik unterziehen und grundsätzlich Stellung zu den großen Zeit- und Streitfragen der Rechtsbildung, Rechtsschopfung und Recht.normung nehmen. Die Probleme der richterlichen Gewalt, der ver­sorgungsrechtlichen Medizin und des Einflusses der Mmisterialbureaulratie auf Rechtsgeftaltung, Rechtsauslegung und auf die Spruchpraxis fan­den auf der Konferenz ebenfalls lebhafte Er­örterung.

Ein Protest der Angestellten gegen das Zwangsdarrehen

D e r l l n, 10. Febr. (Privatmeldung.) Der heute zu einer gemeinsamen Tagung in Berlin versammelte Beirat und Derbandsvorstand des Zentralverbandes der Angestellten erhebt in einer Entschließung Einspruch gegen die angebliche Absicht des Reichsfinanzministeriums, das vor­aussichtliche Defizit der Reichsan st alt für Arbeitsvermittlung und Ar­beitslosenversicherung im Rechnungs­jahr 1930 aus den Zleberschüssen der Angestelltenversicherung und Inva­lidenversicherung in Form eines Zwangsdarlehens zu decken.

Neue Haftentlassungen in der Lombenoffäre.

Berlin, 10. Febr. (WB.) Das Landgericht I Berlin hatte für eine Reihe von Angeschuldigten die Verschonung mit der Untersuchungshaft gegen Sicherheitsleistung zugelassen. Nachdem^die Sicherheiten jetzt hinterlegt worden sind, sind die Landwirte Amandus V ick-Rönne und Becker- Rottorf und der Autovermieter Heinrich Wtborg aus der Haft entlassen worden. Dagegen ist die Haftentlassung des Kaufmannes Reeling- Mülheim ab gelehnt worden. Mithin sind nur nod) elf Angeschuldigte in Haft während ursprünglich über 60 Personen von der Polizei we­gen mutmaßlicher Beteiligung an den Bombenatten­taten verhaftet worden waren. Es stehen noch wei­tere Haftentlassungen bevor, wenn die aufgegebenen Sicherheiten gestellt sind.

Ein Trostpflaster.

Berlin. 11. Febr. Als Nachfolger des preußi­schen Unterrichtsministers G r i m m e auf dessen bis­herigen Posten als Vizepräsident des Pro- vinzialschulkollegiums ist der sozialdemo­kratische Landtagsabgeordnete König ausersehen, der gegenwärtig Leiter der Volksschulabteilung im Provinzialkollegium ist Wie erinnerlich, hatte die sozialdemokratische Landtagsfraktion zunächst König als ihren Kandidaten für das Amt des preußischen Unterrichtsmini st ers in Vorschlag gebracht, war damit aber auf den heftigen Widerspruch der beiden anderen Koalitionsparteien gestoßen.

Aus aller Welt.

Sampf im Berliner vrofchkengewerbe.

Im Berliner Kraltdrofchkengewerbe besteht seit kurzem ein tarifloser Zustand, da ein vom VchlichtunaSauSschuß gefällter Schiedsspruch von den Arbeitnehmern abgelehnt, die von den

Die Grüne Front an denÄeichsernährungsmjnister

Berlin, 10.'Febr. (Privat.) Die wachsende Not­lage der deutschen Landwirtschaft hat die Führer der Grünen Front, Brandes, Schiele, Hermes, Fehr, veranlaßt, in einem gemeinsamen Schreiben einen neuen Appell an den Reichsernäh­rungsmini ster zu richten. Einleitend betonen sie, daß die Hauptursache für die verhängnisvolle Entwicklung der letzten Wochen In der zeitlich verspäteten Durchführung und in der Unvollständigkeit der getroffenen Hilfsmaßnahmen liege. Der Brief wendet sich dann den für die einzelnen Gebiete dringlichsten Maßnahmen zu, deren weitere Hinausschiebung unter den gegenwärtigen Umständen weniger denn je verantwortet werden könnte.

In bezug auf Weizen wird gefordert, daß nicht vorzeitig eine Lockerung des Vermahlungszwanges eintrete und daß die Fortführung einer eingehenden Kontrolle ge­währleistet werde. Zur Behebung der Absatz- krise auf dem Roggenmarkt wird vor allem Drosselung der Maiseinfuhr, Maßnahmen zur M a g a z i n i e r u n a und Ex­portförderung gefordert. Zu den Verhand­lungen mit Polen wird betont, daß diese nur dann Wert hätten, wenn es gelänge, bis zum 10. Februar zu einem endgültigen Abkommen mit Polen zu gelangen, das die deutschen Inter­essen voll wahre. Neben der Erhöhung des Einfuhrscheinwertes für Roggen wird ferner Höherbewertung der Einfuhr­scheine für Braugerste und Hafer ge­fordert.

Zur Lage auf dem Rindermarkt betont das Schreiben, daß hier eine durchgreifende Abhilfe nur

durch Drosselung der überflüssigen Einfuhren möglich sei. Der Reichsernährungs­minister wird daher dringlich aufgesordert, endlich von den Vollmachten Gebrauch zu machen, die ihm der neuaeschaffene Paragraph 4 des Reichsvieh- seuchengejetzes in die Hand gibt. Ernste Bedenken spricht das Schreiben gegen das von der Reichs­regierung abgeschlossene Zusatzabkommen zum deutsch-finnischen Handelsvertrag aus. Die in diesem Abkommen vorgesehene weitgehende Bin­dung des Butterzolles und vor allem die vorgesehene Bindung der Unverhältnis mäßig niedrigen Käsezölle müßte zu einer Aushöhung des Butterzolles und zu einem Wirrwarr auf dem Gebiet der Milchwirtschaft füh­ren. Daher werden in dem Schreiben neue Ver­handlungen und im Falle der Erfolglosigkeit Kün­digung des deutsch-finnischen Handelsvertrages ge­fordert.

Das Schreiben schließt: Zum Schluß möchten wir unserer größten Besorgnis darüber Ausdruck geben, daß ein weiteres Geschehenlassen die leider fort­schreitende Radikalisierung in der Landwirtschaft fördert und es den besonne- nen Elementen immer mehr erschwert, sich diesen Tendenzen entgegenzustellen. Die weitere Verschär­fung der landwirtschaftlichen Lage müßte, ob die Wirtschaft es will ober nicht, schließlich dazu führen, daß monopolartige Regelungen mit Hilfe des Staates unvermeidlich werden, gegen die ge­rade Sie, Herr Minister, immer die stärksten grund­sätzlichsten Bedenken geäußert haben.

Mit vorzüglicher Hochachtung (gez.) Brandes, (gez.) Schiele, (geZ.) Hermes, (gez.) 'Fehr.

Der neue Kultusminister in Preußen.

Grimme stellt sichals Exponent einer Machtgruppe" vor. Fußtritt für Becker.

Berlin, 10. Febr. (Tel.-Un.) Im Hauptaus- schuß des Preußischen Landtages, der am Montag die Vorbereitung des Kultushaushalts begann, stellte sich der neue Kultusminister Grimme den Aus­schußmitgliedern vor. Er erklärte u. a., er lege mit Absicht kein ins einzelne gehendes Programm vor, sondern wolle lediglich s e i n e Grundeln fiel- l u n g befanntgeben. Minister Becker sei es auf die Bildung der Persönlichkeit angekommen: er habe aber eine grundlegende Tatsache nicht in Rechnung gestellt, daß nämlich heute die Persönlichkeit nur wirken könne als Exponent einer Machtgruppe. Die Geschichte frage nichl danach, ob dies dem Einzelnen behage oder nicht. Die Span­nung von Persönlichkeit und Partei müsse aufge­halten werden. Die politische Persönlichkeit könne heute nur solange, wirken, wie sie von einem Machtoerband getragen werde. Mario­nette oder Exponent einer Partei zu sein, sei wesent- sich zweierlei. Im Zeitalter der erwachten Massen habe die Persönlichkeit nicht ihre Bedeutung verlo- ren, doch sei es vorbei, mit dem auf sich gestellten Individualisten. Minister Becker sei in seinem Amte der letzte Repräsentant eines individualistischen Zeitalters gewesen. Darum habe der kürzliche Wechsel im Amte des preußischen Kultusministers symptomatische Bedeu- tung. Kultusminister Grimme betonte weiter, es sei ihm heute nicht möglich, die Arbeit seines Vor­gängers an dieser Stelle zu würdigen, doch möchte er gern eines unterstrichen haben: Becker habe die Gebildeten nicht für die Republik ge­winnen können! Wenn er, Grimme, die Erb­schaft Beckers mustere, so sehe er vieles grundsätzlich anders. Aber in einem werde die Aera Becker eine Fortsetzung erfahren, nämlich in der Beantwortung der Frage, daß uns Deutschen nur eine Wahl bleibt: Chaos oder Republik. Die Bezogenheit der Arbeit auf den wachgewordenen Kulturwillen der breiten Massen des Volkes, das fei der Sinn und die Akzentverschiebung, die hinter dem Wechsel im Kultusministerium liege. Zur Frage des evange­lischen Konkordats führte Grimme bann noch u.a. aus: Das preußische Kabinett habe sich ein­mütig auf den Boden der Landtagsentschließungen vom 3. Juni 1929 gestellt, in denen die Staatsre­gierung ersucht wird, in umittelbare Verhandlungen mit der evangelischen Kirche einzutreten. Unver­bindliche Vorbesprechungen hätten darauf stattgefunden, die zu einem vorläufigen Ab­schluß gelangt seien. Zunächst habe man sich über die Materie klar werde» und deshalb de» Fragen­komplex gründlich vorberaten und besprechen müs­sen. Er glaube, eine gewisse Abschlagszahlung auf seinen Willen zur Tat bereits gegeben zu haben, und hoffe, daß nunmehr möglichst bald der Vertrag zum Abschluß gebracht werde.

*

Wir wissen also jetzt, woran wir bei Herrn Dr. Grimme find. Hinter ihm steht die Sozial­demokratie, die ganz Preußen beherrscht und der sich alles zu beugen hat. Herr Grimme wird nicht gegen feine Partei Kulturpolitik treiben,

sondern sich getreu an das sozialdemokratische Programm halten. Lind das muß ihn unbedingt mit den Gegnern der sozialistischen Kulturpoli­tik in Konflikt bringen. 2m Ausschuß zeigte sich das auch schon, als der Zentrumsabgeordnete Lauscher in vorsichtiger Welse und in wohl­abgewogenen Worten den neuen Kultusminister darauf aufmerksam machte, daß er die großen christlichen Konfessionen ber verschiede­nen weltanschaulichen Gruppen im Sinne der Gerechtigkeit zu betreuen habe, weswegen es bedenklich sei, wenn er sich als Exponent einer Machtgruppe bezeichne. Warten wir also ab, wie er au arbeiten gedenkt. Lieber kurz oder lang wird sich ja dann zeigen, ob der neue Kultusminister der Gesamtheit oder nur der So­zialdemokratie dienen will.

Scharfe Kritik der preffe.

Schwerste

Befürchtungen über den neuen Kurs

Berlin, 11. Febr. (TL1. Funkspruch.) Der Widerspruch, den die Rede des neuen preußi­schen Llnterrichtsminiskers bei den Parteien des Landtages geufnden hat, kommt auch in den Stellungnahmen der Berliner Blätter zum Aus­druck. DieGermania" greift das Wort Dr. Grimmes von demExponenten einer Macht­gruppe" auf und betont, daß es nach ihrer Auffassung bei einem Minister die Vertre­tung ber Interessen im Rebenberuf nicht gebe. Der Minister und für den Kultus­minister gelte das doppelt müsse sich voll und ganz als Diener der Dolksgesamtheit fühlen und auswirken. DieD ö r s e n z e i - tung" sieht in der Rede den Ausdruck dafür, daß Dr. Grimme nicht Kultusminister im eigent­lichen Sinne des Wortes, sondern partei­politischer Minister und Exponent seiner sozialdemokratischen Machtgruppe sein wolle- Das Blatt weist auf die Taktlosigkeit hin, die darin bestanden habe, den Amtsvorganger öffentlich mit Geringschätzung zu be­handeln und sich selbst als Typ des neuen, natürlich besseren Zeitalters vorzustellen. Der Tag" schreibt, wenn derExponent einer Par­tei' den Wesensbestand deutscher Bildung auf­losen wolle, um die Vorherrschaft seiner Partei auf diesem Wege auch auf die Erziehung der deutschen Jugend, auf die Richtung der wissen­schaftlichen Arbeit auszubehnen, so könne man diesem Sturmlauf nur mit den schwersten Befürchtungen entgegensehen. Auch die D. A. 3. weist auf den merkwürdigen Ein­druck hin, den es machte, daß der neue Kultus­minister es für angängig gehalten hat, seinem Amtsvorgänger vor aller Oesfentlichkeit einen Fußtritt zu versehen, zumal er »och vor einem halben Jahre unter Prof. Decker im Ministerium selbst gearbeitet habe. Die erste Rede des neuen Kultusministers erwecke daher die schlimmsten Befürchtungen.

für den den

Zwölf Millionen

für den Umbau der Berliner Staatsoper.

Die Denkschrift ber Oberrechnungskammer die Rechnungsjahre 1924 bis 1926 gibt für Umbau ber Staatsoper Unter den Linden Betrag von 12 Millionen Mark bekannt.

Ein neue» Geständnis des Mörders Lutz.

Der Mörder Lutz, der in Leipzig den Schüler H n i b e k und die Schülerin Kirchhof er­mordet hat, hat bei feiner Lieberführung ppn Leipzig nach Hannover ein Geständnis abgelegt, wonach er noch ein drittes Verbrechen verübt hat. In Reustadt bei Hannover war am 26. April 1929 in ber Kabine einer Fluß- babeanstalt ein achtjähriges Mädchen namens Irmgard Stolle ermordet worden. Lutz bat nunmehr angegeben, daß er di« Tat in Reu­stadt zusammen mit einem Komplizen

ausgeführt habe, mit dem er damals in Rord- deutschland auf der Wanderung war. Dieser Kom­plize, ein gewisser Paul Wiese aus Berlin, ist inzwischen fest genommen und ebenfalls nach Hannover transportiert worden.

Die Kölner Ralionalfozialislische hochschulgruppe verboten.

In einer Versammlung des Rationalsozialisti- schen Studentenbundes in Köln hatte der Haupt­redner außergewöhnlich scharfe Angriffe gegen die politische Einstellung der Hochschulprofessoren ge­richtet- Es kam zwischen nationalsozialistischen und andersdenkenden Studenten zu heftigen Ausein­andersetzungen, wobei versucht wurde, die anders­denkenden Studenten aus dem Saal zu drängen. Rektor und Senat ber Universität Köln haben nunmehr bis Kölner Hochschulgruppe bes Ratio- nalsozialistischen Stubentenbundes bis zum Ab­schluß ber eingeleiteten Disziplinarverfahren vor­läufig verboten.

Die Trockenlegung ber Zuiber-See.

Bei den Zuider-Seewcrken wurden zwei große elektrische Pumpwerke, von denen das eine bei ber Zuider-See-Ortschaft Webemblik (Provinz Rordhollanb), baS anbete auf ber Insel Wieringen errichtet würbe, in Betrieb genommen. Hiermit hat nach jahre­langer Vorbereitung die Trockenlegung bet Zuioer-See, und zwar zunächst des sog. Wie - ringer Meeres, ihre» Anfang genommen. Das Wieringer Meer, das als erstes ber vier Trockenlegungsgebiete der jetzigen Zuiber-See entwässert werden soll, hat eine Oberfläche von rund 20 000 Hektar.

Arbeitgebern beantragte Derbinblichkeitserklä- rung aber vom Schlichter verweigert worden ist. Die Arbeitsgemeinschaft Berliner Kra chdroschken- vetbände hat ihre Mitglieder angehalten, mit den Fahrern neue Arbeitsbedingungen auf ber Grundlage des abgelehnten Schiedsspruches zu vereinbaren. Da die organisierten Droschken- chauffeure auf Grund der Anweisungen ber Ge­werkschaften die Anerkennung dieser neuen Be­dingungen verweigern, ist es in einigen Groß- betrieben zu umfangreichen Entlassungen gekommen, die in ihrer Wirkung Aussperrungen gleichkommen. Insgesamt sind bisher rund 3COO Fahret entlassen worden, das bedeutet, daß etwa 3000 Kraftdroschken in Berlin st i l l g e l e g t sind.

Der Rachfolger bes Kundus Pacelll.

Wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, ist als Nachfolger des zum Kardinal erhobene» Mon­signore Pacelli der apostolische Nuntius in Budapest, Monsignore Orsenigo, als Nuntius in Berlin ausersehen. Seine Ernennung steht, diesen Informationen zufolge, unmittelbar be­vor. Monsignore Cesare Orsenigo ist 1873 in Dlgi- nate (Oberitalien) geboren. Er ist seit Juni 1922 in Budapest tätig.

Drei Bergleute verschüttet.

In Hückelhoven (Kreis Erkelenz) wurden auf ber ZecheSofia Iatobi" durch Zubtuchgehen einer Strebe sechs Bergleute verschüt- t e t. Drei von ihnen konnte» nach angestreng­ten Bergungsarbeiten unversehrt geborgen werden. Der vierte teilte durch Klopfzeichen mit, daß er leicht verletzt sei. Das Rettungswerk wird unter Aufsicht der Bergwerksbehörden mit größtmöglicher Beschleunigung von zwei Seiten aus betrieben. Lieber das Schicksal des fünf­ten und des sechsten Bergmannes herrscht noch Llngewißheit.

Bon einer Lawine überrgscht.

Der deutsche Staatsangehörige Koch und ein 26jähriger Schweizer, beide in Lausanne wohnaft, unternahmen zusammen eine Skitour auf den Mol 6 son. Auf der Tour wurden sie von einer Lawine überrascht. Koch konnte sich herausarbeiten und Hilfe herbeiholen. Es gelang der Hilfskolonne, auch den Schweizer zu berge», doch blieben bei diesem alle Wiederbelebungs­versuche erfolglos.

Lehrstätten für Erwerbslose.

Einen interessanten Versuch zur Unterbrin­gung von Erwerbslosen wollen in Halle ge­meinsam die Reichsanstalt für Arbeitsvermitt­lung, der Hallesche Arbeitgeberverband und der Magistrat machen. Eie wollen Lehrstötten ein- richten, in denen Erwerbslose für be­stimmte technische Berufe, für die die Industrie nur schwer geschalte Arbeiter bekommt, ausgebildet werden. Die Mittel dazu geben die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und der Arbeitgeberverband. Der Magistrat stellt die Llnterrichtsräume.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der Dorüberzug der Störungen im Norden ge­winnt allmählich mehr südwärts an Ausdehnung. So dringt an der Rückseite des Baltikumtiefs maritime Luft bis noch Mitteleuropa vor und wirkt auf Tem­peraturen, sowie Witterunascharakter ein. Im nörd­lichen Deutschland haben die Temperaturen bereits den Gefrierpunkt überschritten. Vielfache Nebelbil­dung und Bewölkung treten auf. Im südlichen Deutschland dagegen oestimmt der Hochdruckeinfluß noch die Wetterlage, und, beeinflußt durch die bär­tige Schneedecke, hat sich der Frost weiter verschärft. München meldete heute morgen minus 20 Grad. Der Rückgang des Frostes fetzt sich weiter durch, fo daß auch für unfern Bezirk die Temperaturen langsam ansteigen. Außerdem sind ebenfalls Nebelbildung und Bewölkung zu erwarten. Der weitere Witte- rungsumfchlag ist wahrscheinlich, zumal mit der neuen südwestlichen Störung die Zufuhr milder ozeanischer Luft gegeben ist, welche den hohen Druck weiter abbaut.

Witterungsaussichten für Mitt­woch. Rückgang des Frostes, stellenweise nebelig, sonst wolkig mit Aufheiterung, meist trocken.

Witterungsaussichten für Don­nerstag. Langsamer weiterer Temperatur­anstieg meist nebeliges und wolkiges Wetter wahrsche nlich.

ßufttemperaturen am 10. Februar: mittags1,8 Grad Celsius, abends1,2 Grad: am 11. Februar: morgens 2,5 Grad. Maximum 2 Grad, Minimum 6,7 Grad. Erdtemeraturen in 10 cm Tiefe am 10. Februar: abends 0,1 Grad: am 11. Februar: mor­gens 0,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 7% Stunden.

Amtliche Mntersportnachrichten.

Vogelsberg. Hoherobskopf: Klar, minus 7 Grab, 16 Zentimeter Schnee, stellen­weise verharscht, meist Pulverschnee, Sportmög­lichkeit für Ski und Rodel sehr gut. -Her- chenhainer Höhe: Klar, minus 7 Grab, 20 Zentimeter Schnee, verharscht, Sportmöglich­keit für Ski unb Rodel sehr gut.

Taunus. Kleiner Sclbberg : Klar, mi­nus 7 Grad 13 Zentimeter Schnee, verharscht, Sportmögsichkeit für Ski unb Robel gut

Sauerland Winterberg : SV ar. minuS 5 Grab 12 Zentimeter Pulverschnee, Sportmög­lichkeit für Ski und Rodel gut.

Schwarzwald. Feldberg: Klar, minus 6 Grad, 94 an Pulverschnee, Sportmögsichkeit für Ski unb Rodel sehr aut.

Alpen. Garmisch-Partenkirchen: Klar, minus 14 Grad, 10 cm Pulverschnee, Sportmöglich' teil für Ski unb Rodel sehr gut

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