Ausgabe 
10.5.1930
 
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betrag von 110 Millionen durch Verdoppe­lung der Grundsteuer aufzubringen. Ge­gen diesen Vorschlag bestehen im Zentrum die stärksten Bedenken. Dort hält man eine Erhöhung der Hauszins st euer für einen besseren Äusloeg. Die Zentrumswünsche gehen dahin, daß die Grundsteuer nur insoweit erhöht werden soll, als sie auf Mietsräume a b g e w o l z t werden kann. Don der Steuer­erhöhung frei bleiben sollen also etwa Wohn- und Werksräume, die der Hausbesitzer selbst benutzt, und Eigenheime bis zu einem bestimmten Wert. Wenn die Anregung des Zentrums auf Erhöhung der HausAinssteuer ohne Erfolg bleibt, wie zrr erwarten ist, dann soll vorgeschlagen werden, auf anderem Wege durch Streichungen im Etat die notwendigen Mittel einzubrin­gen. Freitagnachmittag wird das Zentrum seine Stellung au dem Deckungsproblem in einem De- schluft festlegen. Wenn zwischen den Koalitions­parteien eine Einigung erfolgt, wird voraussicht­lich ein Initiativantrag dieser P 'ien cinge- bracht werden, der sodann nach kurz: Beratung im Plenum dem Hauptausschuh überwiesen wer­den wird.

Oie G p Ll >n London.

Unbotmätzige BotschaftSbcamte sollen nach Moskau berufen werden.

London, 9. Mai. (WLB.)Daily Mail" veröffentlicht in großer Aufmachung einen Be­richt, wonach Spione der G. P. U- in Lon­don eingetroffen seien. Vicht nur eine be­trächtliche Anzahl von Mitgliedern des Stabes der Sowjetbot^chaft und anderer Sowjetämter in London werde vielleicht abberusen werden, son­dern der Botschafter Sokolnikoff selbst stehe in Gefahr, dazu gezwungen zu werden, die Ab­ordnung der G. P. U. nach Moskau zu begleiten. Anscheinend werde ihm Oppor­tunismus vorgeworfen. Sokolnikoff soll vor eini­gen Tagen die Sowjetjournalisten in London gebeten haben, davon abzusehen, die britische Re­gierung und insbesondere einzelne Minister an­zugreifen, bis die jetzt erörterten Verträge ratifiziert worden seien. Der Botschafter habe Dieses Ersuchen bei einer Zusammenkunft der Botsch-afts-,, Zelle" gestellt und die Korresponden­ten hätten dagegen laut Einspruch erho­ben, ebenso wie gegen das Ersuchen des Bot­schafters, in Berichten über den Streik in der Bradforder Textilindustrie und über die Lage in Indien gemäßigt zu sein. LautDaily Mail" scheine kein Zweifel zu bestehen, dah we­nigstens ein halbes Dutzend Beamter einschlieh- lich zweier Botschaftssekretäre entschlossen seien, sich jedem 2l b b e r uf u n g s b e f e h l zu widersetzen und entsprechend dem Vor­gehen des vormaligen Geschäftsträgers in Paris Dessedowski in England zu bleiben. Oie LI «ruhen «n (Scholapur

Schwere Strafenkämpfe zwischen Indern und Polizei

Puna, 9. Mai (IDIB.) Rach den neuesten Mit­teilungen begannen die Unruhen in Scholapur durch die Weigerung zweier Spinnereien, den hartal (Trauertag) zu beachten der wegen der Verhaftung Gandhis angefeht war. Eine große Menschenmenge, die aus anderen Spin­nereien zusammenströmte, . rderle die Einstellung der Arbeit. Aus die Weigerung hin kam es zu Ge­walttätigkeiten. Vie Anhänger Gandhis drohten, die beiden Spinnereien in Brand zu stecken und setzten der Polizei widerstand ent­gegen. Später kamen Freiwillige aus der indischen Rationalbewegung in die Stadt, um die P a l m - bäume zu fällen. Rach Ankunft der Disirikts- behörde bewarf die überreizte Menschenmenge die Polizei zwei Stunden lang mit Steinen, wie rasend ergriff die Menge einen Eingeborenen-Polizisten und verbrannte ihn bei lebendigem Leibe. Danach wurden zwei andere Polizisten in grausamer weise getötet. Fünf Polizisten wurden geblendet und In einen Brunnen ge­worfen.

(Reuter.) Rach den letzten Berichten ist die Lage befriedigend. Polizei in Lastautomobilen patrouilliert durch die Straften, und an strategischen Punkten sind Truppenableilungen ausgestellt. Der Distrikts- oorsteher ist der Meinung, daft die Ordnung jetzt endgültig wieder hergestellt ist. Man glaubt, daft es bei den Unruhen mindestens20 Toteund 10 0 verletzte gegeben hat.

lieber dem Gebiet des Hadschi von Tarangzai, dem Führer der mit Gant hi sympatisierenden Moham­medaner an der afghanisch-indischen Grenze, ist ein Geschwader von 40 englischen Flug­zeugen erschienen. Man hofft, durch diese Demon­stration auf die Stämme, die sich seit den Unruhen von Peschawar in ®ärunr befinden, beruhigend eingewirkt zu haben.

Äeueiommuniftische Unruhen InAorwegen

K o p e n h a g e n, 9. Mai. (TU.) Wie aus Oslo berichtet wird, ist es am Donnerstag in Gjövik unter Leitung eines kommunistischen Rechts­anwaltes, zu neuen Unruhen gekommen. Fünf­hundert Konununisten versuchten, das G e f ä n g- nis zu stürmen und den verhafteten kommunisti­schen Führer zu befreien. Polizei trieb die Menge zurück. Darauf zog sie vor bte Redaktion einer bürgerlichen Zeitung. Die Kommunisten zwangen die Polizei, einen Verhafteten wieder freizu- lassen. Ein Mehrheitssozialist, der die Aufwiegler zur Vernunft bringen wollte, wurde von der Menge zu Boden geschlagen. Aus Oslo sind mehrere Lastkraftwagen mit Polizei in dem Anruhegebiet eingetroffen. Sie haben die meisten Floßstationen beseht, so daß die Flößerei, die am Mittwoch wieder in Gang gekommen war, erneut eingestellt worden ist. Ein ehe­maliger norwegischer Fliegeroffizier ist der Or­ganisator der kommunistischen Llnruhen in diesem Gebiet.

Deutscher Marmebesuch in Venedig.

In Venedig sind unter den üblichen Salut­schüssen die deutschen SchisseSchlesien" und Hessen" eingetroffen und in der Kleinen Ducht von St. Mareo vor Anker gegangen. Konterad­miral Förster hat an Bord derSchlesien" die Admiralsflagge gehißt und stattete in Be­gleitung seines Stabes dem Admiral F i o r e s i, Kommandanten der Dchiffsbasis von Venedig, unb später dem Kardinal-Erzbischof Lafon­taine sowie dem Präfekten Biacheggi und

Gegen die amerikanische HoWichzolpMik.

Europa plant eine Gegenaktion. - Auswirtungen auf dem Ledermarkt.

Berlin, 9. Mai. Die tiefe Beunruhigung über die neueste Entwicklung der amerikanischen Zoll­politik zieht immer weitere kreise. Aus allen am handel mit den vereinigten Staaten beteiligten Landern kommen Rachrichten über heftige Pro­teste gegen die drohenden amerika­nischen Schutzzölle. Abgesehen von Deutsch­land mehren sich in Frankreich, England und Bel­gien, Italien, Holland, der Schweiz und Tschecho- stowakei die Erklärungen, daft man nicht gewillt sei, die Schutzzölle untätig hinzunehmen. Bekannt­lich Hal das Repräsentantenhaus mit 240 gegen 151 Stimmen diejenigen Teile der Zolltarifnovelle an­genommen, über die eine Einigung der Delegierten beider Häuser des Kongresses erzielt werden konnte. Das sind insgesamt 1200 von 2000 strittigen Posi­tionen. Heber die restlichen Positionen und einige grundsätzliche Fragen hat eine Einigung bisher nicht stattgefunden. Roch ist es also Zeit, daft die Ame­rikaner es sich überlegen, ob sie aufter der Ver­teuerung der Lebenshaltung, die auf über 1 Milliarde Dollar berechnet wird, auch noch die europäische Gegenaktion in Kauf neh­men wollen, die sich bereits ankündigt und fraglos auf den verschiedensten Gebieten eintreten wird, falls nicht eine Aenderung sich durchsetzen sollte.

Die amerikanische Leder- und Schuh- Industrie, die unter günstigen^produktionsbe-

bingungen arbeitet, überaus entwickelt und technisch glänzend ausgerüstet ist, soll beispielsweise durch Einfuhrzölle von 15 bis 30 v.h. vom wert geschützt werden, obgleich die Einfuhr von Leder- und Schuhwaren im Verhältnis zur amerikanischen Produktion sehr gering ist und von der Ausfuhr weit übertroffen wird. Die Angriffspunkte einer Gegenaktion der europäischen Staaten auf dem Gebiete der Lederwirtschast sind klar vorgezeichnet. Die vereinigten Staaten be­ziehen einen nicht unbedeutenden Teil der impor­tierten Rohware aus Europa, so etwa 30 v. h der von Amerika importierten Kalbfelle aus Frank­reich, Deutschland und Italien und etwa die halste des amerikanischen Lederex­ports wird auf dem europäischen Markt ab gesetzt. Jede Maftnahme, die die häute- und Felleausfuhr nach Heberfee mit Ausfuhrzöllen be­legt, oder die Einfuhr amerikanischen Leders durch Heraufsetzung der Einfuhrzölle erschwert, würde die amerikanische Wirtschaft fühlbar treffen. 3m allge­meinen ist zu sagen, daft die Entwicklung einer handelspolitk, die ihr heil in gewaltsamer Absper­rung sucht, die" öffentliche Meinung in Europa sehr stark und zwar gegen den Bezug und ver­brauch amerikanischer Güter beeinflussen würde.

Italiens Politik im Haag und in London.

Minister Grandi in der römischen Kammer. Gegen das französische Sicherhetlsphantom.

R o m, 9. Mai. (WTB.) Minister des Aus­wärtigen G r a n d i hielt in der Kammer eine längere Rede, in der er sich mit der Haager Kon­ferenz und der Londoner Konferenz beschäftigte. Er erklärte u. a.: Was Italien betrifft, so hält der Reue Plan nicht nur das Gleichgewicht zwischen den Zahlungen und den Einnahmen aufrecht, die aus dem Krieg entstanden sind, er schasst auch einen Lieberschuß zugunsten der italienischen Finanzen. Das Pro­blem der Rheinlandräumung ist mit demjenigen der Reparationen unweigerlich verbunden. Die größte Schwierigkeit bestand in der K o n t r o lI e der entmilitarisierten Zone. Italien war immer der Meinung, daß es möglich sei, in dem System der Loearnoabkommen die Clemente der gewünschten Lösung zu finden. Die Schwierig­keiten wegen der entmilitarisierten Zone sollen von den durch den Vertrag von Locarno ins Leben gerufenen Ausschüssen gelost werden. Das neue Abkommen ist in dieser Weise eine Wieder­holung der Bestimmungen von Locarno.

Durch die im Haag erfolgte Regelung der Ost­reparationen ist Oesterreich vonjeder Re­parationsverpflichtung befreit und kann so alle seine fininziellen und wirtschaftlichen Mittel für das Werk seines inneren Wieder­aufbaues verwenden. Die größten Schwierig­keiten, die dem Sachverständigenausschuß ent­gegentraten, bezogen sich auf die ungari­schen Reparationen. Ungarn erhält nun seine finanzielle Souveränität vollständig zurück und wird von den Ketten und den Verpflichtun­gen des Vertrages von Trianon befreit, wäh­rend die Optantenfrage keine Streitfrage mehr ist. Italien kann nicht dem Grundsatz zustimmen, nach dem bei der Durchführung der Verträge die ungerechte Trennung zwischen Sie­gern und Besiegten beibehalten werden muß. Wenn man will, daß die Verträge solange wie möglich in Geltung bleiben, mutz man sie allmählich und im gerechten Sinne den neuen Bedürfnifsen und der neuen Wirklichkeit an­passen.

Grcmdi ging dann auf die Londoner Kon­ferenz ein und sagte: Das In Versailles und besonders durch Artikel 8 der Döl'.erbundssahung aufgeworfene Problem der Abrüstung ist eine von den Sieger ft aalen übernom­mene Verpflichtung, die auf ihre Ver­wirklichung noch wartet Italien ist bereit, die Verpflichtungen, die ihm die Friedensverträge auferlegen, zu erfüllen Italien war die erste der eingeladenen Mächte, die ihre Bereitwillig­keit zur Teilnahme an den Londoner Verhand­lungen mifteilte. Diese Annahme war ohne

Vorbehalte. Italien war bereit, für die Grenze seiner Rüstungen zur See die niedrigste Zahl anzunehmen, wenn keine andere Kontinentalmachteine größere Zahl verlangte. Es bot Frankreich an, diese Zahl zu bestimmen. Die französische Regie­rung lehnte ab, auf diesen Grundlagen zu verhandeln. Italien ist bereit, die unterbrochenen Besprechungen wieder aufzunehmen, damit für Europa eine neue Periode der Wohlfahrt be­ginnt Die Sicherheit, dieser nebelhafte Be­griff, den man in Genf allzu sehr miß­braucht hat, soll nicht eine neue Mythe zur Rechtfertigung der Rüstungen sein. Wir sollten endlich uns auf den Boden der Wirklichkeit stellen und durch gerechte Abkommen zur gegenseitigen Herabsetzung der Rüstungen das (j('~nfeiti<T~ Vertrauen schaffen, das den Dölker- frteben verbürgt

cstne pariser Besorechung

Briand unterrichtet Henderson über die

Ilottenverhandlungen mit Italien.

Paris, 10. Mai. (TL1.) Der englische Autzen- minister Henderson, der seine Reise zur Genfer Dölkerbundratstagung in Paris unter­brochen hat, um sich mit Briand über die im Vordergrund stehenden politischen Fragen auszu­sprechen, war am Freitagnachmittag Gast Dri- ands. Rach einer französischen Darstellung unter­hielten sich die beiden Außenminister zunächst über die Fragen, die die bevorstehende Völker- bundsratstagung betreffen. Das Gespräch habe sich dann der Frage der Flotten- st ungen zugewandt. Briand habe Henderson über den Stand der auf der Londoner Flotten- konserenz vorgeschlagenen französisch-ita­lienischen Besprechungen unterrichtet. Briand habe feststellen müssen, daß diese Ver­handlungen noch keine wesentlichen Fort­schritte gezeitigt hätten, daß er aber demnächst in Gens Gelegenheit zu haben hoffe, von Scialoja genaue Auskunft über die italienischen Pläne zu erhalten. Briand habe auf das Bestimmteste ver­sichert, daß ihm an einer möglichst schnellen Wiederaufnahme der Besprechungen sehr gelegen sei. Mit den von Briand zu der Frage eines europäischen Wirtschaftsbundes ge­äußerten Ideen habe sich Henderson ein- verstanden erklärt und Briand seine besten Wünsche ausgesprochen. Die Linierhaltung sei mit einem Meinungsaustausch über die die Auf­legung der Doungobligationen berührenden Fra­gen beschlossen worden.

dem Bürgermeister Graf Zarzi einen Besuch ab. Abends fand im Fenice-Theater ein Gala­konzert zu Ehren der deutschen Schiffe statt, - die Samstag der Feier der faschistischen Musterung aus dem Marcus°Plah beiwohnen werden.

Aus aller Welt.

Grofter Erdrutsch ir. einem Kalibergwerk.

Am 8. Mai mittags erfolgte unerwartet ein hef­tiger Laugeneinbruch auf Schacht I des Kali­bergwerks Vienenburg der Preußischen Bergwerks- und Hütten-A.-G. Gegen Abend erreichte die Lauge die tieferen Baue. In der Gegend des Schachtes I am Harlyberge ist durch einen Erdrutsch e i n grundloser Graben entstanden. Als ein mit fünf Personen besetzte Automobil der Werkinspek- tion vom Schacht zurückkam, sah der Führer plötz­lich vor sich einen Abgrund und nur feiner Geistesgegenwart ist es zu danken, daß der Wagen zum Halten kam. Die Fahrgäste konnten aussteigen und noch auf festen Boden entkommen. Der Wagen liegt teils verschüttet am Grund des Trichters. An mehreren Stellen zeigt der Bahnkörper R i s s e u n d R u t s che. Die Schienen schweben in der Luft. Auch die Landstraße nach Braunschweig zeigt Risse im P f l a st e r. Welchen Umfang die Katastrophe noch annehmen wird, läßt sich noch nicht übersehen. Die Direktionsgebäude des Werks wer­den jetzt geräumt, da mit einer weiteren Ausdeh- nung des Erdrutsches gerechnet werden muft.

Das Ersaufen des Kaliwerks Vienenburg hat die darüberliegende, dem Güterverkehr dienende Eisenbahn st recke Vienenburg Grauhof in Mitleidenschaft gezogen. Der Bahndamm ist infolge Trichterbildung eingestürzt. Auch die Strecke Goslar Halberstadt ist zwi­schen dem Personenbahnhof und dem Derschiebe- bahnhof Vienenburg gefährdet. Durchgehende Personenzüge werden über Heudeber -Danstedt- Bad Harzburg, Güterzüge über Börssum um- geleitet.

Das Wasser in den Kalischächten ist bis Sams- tagfrüh nicht mehr gestiegen. Man nimmt an, dap Der Wasserembruch aogedämmt worden ist, und zwar vermutlich durch die Tonschichten, die sich selbst an gefährliche Stellen verlagert und weitere Wassermaiien abgeriegelt haben. Auch die Kraterbildung ist anscheinend zum Abschluß gekommen. Rur am Harlyberge sind wohl noch einige Erdrutsche zu erwarten.

Lynchjustiz in Texas.

Hunderte von Personen unternahmen einen wütenden Angriff auf das Gerichtsgebäude von Grayson County in Texas, um einen Reger z u lynchen, der des Angriffes auf eine weiße brau beschuldigt war. Einige Waldhüter und die Lokalpolizei schlugen den ersten Angriff zu­rück. Darauf goß die Menge in das Erdgeschoß des Gebäudes etwa 50 Liter Gasolin und entzündete es, nachdem sie vergeblich versucht hatte, das Gebäude mit Dynamit zu sprengen. Die Verteidiger des Gefängnisses, die die An­weisung hatten, nicht in die Menge hineinzu­feuern, benutzten z.erst Tränengas und gaben dann Schüsse in die Luft ab, ehe die Menge die Oberhand gewann. Die Flammen züngelten bis unter das Bureau des Staats­anwalts empor, wo der Reger sicherheitshalber in die Gewölbe eingeschlossen war. Die durch Zulauf aus den Rachbarorten rasch anwachsende Menge durch schnitt der zur Löschung des Brandes herbeigerufenen Feuer­wehr die Schläuche und das Gerichtsgebäude war bald ein einziges Flammenmeer. Während dieser Vorgänge war die Landstraße mit Automobilen voller Neugierigen, die aus der Umgebung herbeigeeilt waren, angefüllt. Kurz nach 3 Llhr nachmittags war daS Gerichts­gebäude so gut wie zerstört. Der Reger ist in dem brennenden Gebäude umS Leben gekommen.

Gustav Girisemann.

Am 10. Mai hätte Gustav Stresemann seinen 52. Geburtstag feiern können, wenn ihn nicht der Tod allzu früh von der Bühne des Lebens ab­berufen hätte. Trotzdem sind wir aber ver­pflichtet, gerade an diesem Tage jenes Mannes zu gedenken, der Deutschland seiner Freiheit und Unabhängigkeit entgegenführte. Die Krönung seines Werkes konnte er allerdings nicht erleben, und wenn in einigen Wochen die Freiheits­glocken am Rhein läuten werden, dann bedeutet dies auch die Erfüllung jener großen Ausgabe, die sich Gustav Stresemann gestellt hatte. ES ist deshalb Pflicht des deutschen Volkes, dem Aufrufe jener Männer Folge zu leisten, die am Tage der Befreiungsfeier im beftei'en Gebiet für Gustav Stresemann einen Gedenkstein errichten wollen.

Briand, Soldat de la paix europdenne, a d£pos$ cette couronne sur le cercueil de son fräre darmes diese Worte standen auf den Schleifen des Kran­zes, den Briand am Grabe Stresemanns nieder­legen lieft. Diese Worte sind mehr denn ein Symbol. Sie sind das Charakteristikum einer Zeitepoche, an deren Entwicklung Gustav Strese­mann den größten Anteil hatte. Die kurzlebige Zeit der Gegenwart macht manches allzu rasch vergessen: doch gerade deshalb ist es notwendig, an seinem Geburtstage feiner Person und seiner Wirksamkeit zu gedenken. Dr. Stresemann hat auf der Haager Konferenz 1929 wenige Wochen vor seinem Tode den Titel erworben, der 1872 dem französischen Präsidenten Thiers verliehen wurde: Befreier des Territoriums. Darüber hinaus ist er aber der Vorkämpfer des neuen geeinten Europa gewesen.Ich lehne es ab", so erklärte Stresemann einmal,die wirt­schaftliche Vereinigung der europäischen Staaten als eine Utopie anzusehen." Auf dem Wege, auf dem er Deutschland zur Freiheit und Einheit führen wollte, sah er das übernationale Werden Europas, das er visionär erschaut hat. Doch er vergaß dabei niemals, wie sich jedes große geschichtliche Ereignis seine eigenen Gesetze schafft, und wie töricht es wäre, aus der Analogie von Schlagworten, wie etwa desjenigen von den Vereinigten Staaten" auf eine Analogie der Form schlieften zu wollen, in der sich das große Werden vollziehen wird.

Stresemann, der Europäer, wird deshalb vor einer künftigen Zeit, die seine Gedanken ver­wirklicht sieht, als einer der Großen bestehen, denen die Zukunft vor ihren Mitmenschen er­schlossen war, und die den Weg gewiesen haben. Die Gestalt Stresemanns ist eine geschichtliche. Es wird noch einiger Zeit bedürfen, um sie in ihrer Gesamtheit, in all ihren Auswirkungen begreifen zu können. Um so mehr ist es aber unsere Pflicht, die Gedanken dieses Mannes, die über unsere Zeit hinausgehen, verstehen zu lernen, um selber unserer Zeit gerecht werden zu können. Am 10. Mai 1878 ist Gustav Stresemann geboren worden. Sein 52. Geburtstag, den er in diesen Tagen erlebt hätte, wäre für ihn fraglos zum Gipfelpunkt feines Lebens geworden. Wir, die wir die Segnungen seiner Arbeit genießen kön­nen, wollen deshalb mit Dankbarkeit seines Schaf­fens gedenken, das allein dem Kampf um die Freiheit und den Fortschritt seines Vaterlandes galt.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

®in Ausläufer des konstanten Rordmeerwirbcls ist südlich vorgedrungen und hat über West­deutschland und Rordfrankreich ein ausgedehntes Regengebiet erzeugt. Somit wird erneute Unbe­ständigkeit der Wetterlage eingeleitet. An der Rückseite des TiesauMufers dringen wieder ozea­nische Luftmassen vor, die den unfreundlichen Witterungscharakter aufrechterhalten. Wenn auch vorübergehend Aufheiterung eintritt, so wird doch im allgemeinen Bewölkung vorherrschen, wobei auch vereinzelte Regenschauer niedergehen. An der Westküste Irlands haben die Winde nach Süden hin zurückgedreht, was auf das Heran­nahen einer neuen Störung hindeutet. Die Wech­selhaftigkeit des Wetters dauert also fort.

Wettervorhersage für Sonntag: Wei­terhin kühles, wechselnd wolkiges Wetter mit oor* übergehender Aufheiterung, vereinzelt noch leichte Schauer.

Wettervorhersage für Montag: Im- mer noch unbeständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 9. Mai: mittags 10 Grad ®c^f,u9- odends 5,9 Grad; am 10. Mai: morgens 7 Grad. Maximum 10,7 Grad, Minimum 4,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Mai: abends 10,2 Grad: am 10. Mai: morgens 8,2 Grad. Niederschläge 0,2 mm. Sonnenscheindauer fünf Stunden.