Ausgabe 
9.10.1930
 
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Wetzlar hat, wird von jetzt ab Sonntags einige Minuten an der vorgenannten Haltestelle war­ten, um etwaige, mit der Dahn von Wißmar oder Launsbach ankommende Fahrgäste nach Giehen mitnehnien zu können. Wer also jetzt Sonntags von Wißmar oder Launsbach nach Giehen will, und den Postkraftwagen um 12 Uhr (Launsbach ab 12.10 Uhr) noch nicht benutzen kann, hat kurz vor 13 Uhr Fahrgelegenheit mit der Dahn bis Krofdorf-Gleiberg, von da mit dem Postauto nach Gießen. 'Werktags fährt um 13 illjr ab Wißmar, 13.10 Uf>r ab Launsbach, ein Pestauto direkt von Wißmar über Lausbach nach Gießen.

" Evangelisch-kirchliche Persona­lien. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Edwin M a r g u t h zu Södel die evan­gelische Pfarrstelle zu Södel, Dekanat Hungen, übertragen und Pfarrer Lic. Karl Jäger zu Leihgestern auf sein Nachsuchen und unter An­erkennung seiner treuen Dienste mit Wirkung vom 16. Dezember 1930 von der Verwaltung der evangelischen Pfarrstelle zu Leihgestern, De­kanat Gießen, entbunden. Aus dem Dienst der Hessischen Landeskirche entlassen wurden auf ihr Rachsuchen die Pfarrer Friedrich v. d. Au zu Erbach und Richard Zihmann zu Hahn­heim mit Wirkung vom 16. Oktober 1930.

** Der Wilden Frau Gestühl. Etwa zwanzig Minuten von dem Dorfe Blofeld im Kreise Büdingen entfernt liegt im Dauernheimer Gemcindewald, hinter Fichten versteckt, die alt­germanische GerichtsstätteDec Wilden Frau Gestühl". Die Rich'.erbank, ein riesiger Basalt­block, zeigt drei Vertiefungen, dicht daneben lie­gen noch etwas kleinere Basaltblrcke. Der Platz, bis vor mehreren Jahren noch durch Büsche sehr verwachsen, ist jetzt einigermaßen von dem Gestrüppe befreit: eine Linde hat das Forstamt Bingenheim dort anpflanzen lassen, auch eine Lasel in der Mitte einer breiten, durch eine größere Fichtcnheege hindurchziehenden Schneise soll dem mit dem Orte nicht bekannten Fremden den Weg zeigen. Rur einige Schritte seitwärts und man steht an der historischen Stätte. Leid c müssen viele Wanderer wieder vor dem Walde umlehren, da sie ohne Führer die Stätte nicht finden. Es wäre mit wenig Kosten und Mühe verknüpft, eine Markierung von den Dörfern Blofeld ldos von der Bahnstation Reichelsheim in knapp einer Wegstunde) und Danernheim «das vorder Station Ranstadt in einer kurzen hallen Stunde zu erreichen ist) zu schaffen. Vielleicht nimmt sich der Vogelberger Höhen- Club oder der Oberhessische Geschichtsverein die­ser Sach? einmal an; denn schon mancher Zweig­verein des 9^^ wollte den Platz besuchen, konnte ihn aber nicht finden und mußte um« kehren. Auch für etwas Sitzgelegenheit mühte gesorgt werden; bietet doch die freiliegende Höhe eine prächtige Fernsicht nach dem tief davor­liegenden Riddatale, den bewaldeten Vorhöhen des Vozelsberges und dem heimatlichen Gebirge.

Oberheffen.

Oie Abwickelung

beim Laubacher Vorschußverein.

ü Laubach, 7. Ott. Am Sonntagnachmittag fand imSolmser Hof" die zweite Mitglie­derversammlung des Vorschuß-Der- e i n s L a u b a ch unter dem Vorsitz des neu- gewählten Direktors Henze statt. Zunächst wurde bekanntgegeben, daß die erforderliche (ein­fache) Mehrheit der Gläubiger, dar­unter auch die Landesgenossenschaftsbank in Darmstadt, mit der entsprechenden Mehrheit des Einlagekapitals ihre schriftliche Zustimmung zu dem Vergleichsvorschlag gegeben habe. Hiernach werden bei voller Befriedigung der Gläubiger die Einlagen bei Zahlung eines Zinsfußes, der 1 Prozent über dem jeweiligen Reichsbankdiskontsatz steht, erst nach drei 3ahren zurückgezahlt. Durch diesen Beschluß der Gläu- bigermehrheit sahen sich die Genossenschaftsmit­glieder veranlaßt, den Geschäftsanteil

Ausflug nach London.

Don Hans Georg Fellmann.

Die Propeller sind angedreht, rotieren lang­sam, dann immer schneller, bis der Leib des dreimvtorigen Fokkers vor Ungeduld bebt wie das Rennpferd vor dem Start. Dann, ehe man sich noch recht versieht, sitzt man in der Kabina und erlebt, indes die Maschine über die Gras­fläche rast, wieder jene fiebrige Spannung, die man stets in den Sekunden fühlt, bevor der Riesenvogel den Erdboden verläßt. Dann siehst du plötzlich und unmerklich das Grün unter dir weggleiten, Bäume, Häuser, Bäche schwinden da­hin und kaum, daß du dich einigermaßen in der Gegend orientiert hast, winkt die bekannte Land­schaft schon weit hinter dir. Einige Minuten spä­ter schon glitzert das silberne Band des Rheins; zwölr Minuten nach dem Start steht der Apparat aui dem Düsseldorfer Flugplatz. Es ist, als habe er einen kleinen Anlauf genommen, um seine Kräfte zu probieren. Kurze Zeit nur, und wir sind wieder oben. Ein Pennäler fliegt mit un- bis Köln; er verwendet seine 15 Mark für ein herrliches Viertelstunden-Vergnügen. Und dann geht es noch zweimal herunter und wieder her­auf in Köln und in Brüssel, wo die Maschine gewechselt wird. Hier wird es lebendig in der Kabine. Sie ist vollbesetzt, und man spürt inter­nationale Luft. Rach etwas mehr als zwei Stun­den setzt die brave Maschine unS sanft auf dem Londoner Flugplatz in Croydon ab, diel zu früh, wie uns dünkt, um bas Herrliche dieser Fahrt ganz ausschöpfen zu können. Belgien, Ostende, ständische Küste, der Kanal, Subengland eine Fülle zauberischer, stets wechselnder Bilder aus der 150-Meter-Perspektive. Etwas, das sich nicht beschreiben, nur erleben läßt!

Wie war das doch? Dor einer Reihe von Stun­den noch sah man daheim am Frühstückstisch und ist nun, just zur Mittagszeit, in einem frem­den Land, das uns immer ein wenig fern ge­legen ist. Das Zubringerauto führt nach einer sehr langen Fahrt durch den Südwesten, wo noch die Elektrische fährt, mitten in die Stadt die die größte der Welt ist. Und nun stehst du am Haymarket, einige Minuten vom Picadilly Circus, wo, wie es heißt, das Herz der Welt im Verkehr am lautesten schlägt. Du kannst noch nicht begreifen, brauchst erst Ruhe und Samm­lung, um die jagenden Bilder der letzten Stunden in dir zu ordnen, winkst einem Chauffeur .. c

Gesetzt den Fall, es ist Sonntag mittag, wenn du ankommst. Du wirst dein Hotel aufsuchen, denn du kannst heute nicht viel anfangen. Ganz London ist draußen, in den Parks, in der Heide,

Oer Sternhimmel im Oktober.

Nachdruck verboten.

Sonnenaufgang von 6.00 bis 6.55 Uhr. Sonnenuntergang von 17.35 bis 16.30 Uhr.

Lichtgestalten des Mondes: Vollmond am 7. um 20 Uhr, letztes Viertel am 15. um 6 Uhr, erstes Viertel am 29. um 10 Uhr.

mfk. Es wird Herbst, am Himmel nicht weniger als auf der Erde; denn noch sind die Uebcrreste

des Widders rücken, denn in ihnen liegt heute der Frühlingspunlt; aber das war vor 3000 Fahren anders, und die damalige Festlegung hat sich bis heute erhalten.

Von den Wandelsternen ist der Merkur vom 7. bis 9. am Morgenhimmel verhältnis- mäßig günstig zu sehen. Diese Einschränkung ist bei ihm nötig, denn selbst wenn alles gut geht,

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des Sommers nicht verschwunden, und schon machen sich die Anzeichen des kommenden Win­ters bemerkbar; Arctur und Wega, die eigent­lichen Beherrscher des Sommerhimmels, stehen im Westen, der Arctur nur noch in den frühen Abendstunden. 3m Osten dagegen ziehen zumal gegen Ende des Monats die Winterstern­bilder herauf. Der Orion und die Zwillinge sind dann von Vz22 Uhr an zu sehen.

Den Hauptteil des Himmels nehmen ein: die Andromeda und der Pegasus, der Widder ein ziemlich unscheinbares Sternbild, das aber von alters her den Reigen der zwölf Tierkreis­bilder beginnt und darunter die Fische, die ihn beschließen. Hätte man die Einteilung heute vorzunehmen, so würden die Fische an die Stelle

Der die 24 Stundenzahlen von Mitter­nacht bis Mitternacht eines Tages ent­haltende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind fest­stehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil gewissermaßen dem Zei­ger der Himmelsuhr in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmille sicht­baren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo- nalsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Be­obachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hin­eingedreht. Für je 5 Tage vor der Mo- M nalsmitte ist der gerade Pfeil Vs Stunde Merkur y"rüAer, für je 5 Tage nach der Monats- Venus mitte */i Stunde später zu stellen. Man Mars vergleiche die nächste Monatskarte. Der _ Mond nimmt die gezeichneten Stellun- UPl er gen ein, wenn er die angedeutete Licht- '^Saturn gestalt zeigt.

sieht man ihn nur bei schon heller Morgendäm­merung und ziemlich tief am Horizont, so daß er einem nicht besonders geübten Beobachter kaum auffallen wird. Die Venus erstrahlt zwar wegen ihrer großen Erdnähe zunächst noch in hellem Glanz, steht aber schon sehr tief und ver­schwindet dann schnell. Der Saturn ist zwar noch sichtbar, doch auch nicht auffallend. Aber immer herrlicher kommen die großen äußeren Planeten, der Mars und der 3 u p i t e r, her­auf, die in den nächsten Monaten ihren höchsten Glanz entfalten werden.

Die Mondfinsternis am 7. ist kaum, die voll­ständige Sonnenfinsternis am 21. bei uns über­haupt nicht zu sehen. Küstermann.

jedes Genossen von 200 Mark auf 8 00 Mark zu erhöhen, um hierdurch den bestehenden Fehlbetrag zu decken und vor allem das Fort­bestehen der Kasse zu sichern. Zwecks Durchfüh­rung des beabsichtigten Vergleichsverfahrens ist demnächst nochmals eine Gläubigerversammlung erforderlich. Eine längere Debatte löste die Frage der Verantwortlichkeit der seithe­rigen Vorstands- und Aufsichts­ratsmitglieder aus. Diese hatten sich in einem besonderen Schreiben an die Versammlung bereit erklärt, zur Deckung des Fehlbetrages eine freiwillige Zuwendung von 20500 Mark unter der Bedingung zu machen, daß ihnen Entlastung erteilt werde. Die Versammlung verlangte unter Ablehnung dieses Angebotes mindestens 35 000 Mark. Da eine Einigung nicht zustande kam, wurde von der Versammlung be­schlossen, die seitherigen Mitglieder der K a ssenverwaltung für jeden durch ihr Verschulden entstandenen Schaden im Klagewege ersatzplich- tig zu machen. Ein aus vier Mitgliedern be­stehender Untersuchungsausschuß wird an Hand der von ihm zu Lasten des Vorstands- und Auf-

zum Weekend im Süden. Der große Verkehr kommt erst wieder in den späten Rachmittags­stunden, da Millionen Menschen nach Hause stre­ben. Die Wahl des Hotels richtet sich nach deinem Geldbeutel, der sich nun auf eine ganz andere Berechnung einstellen muh. Du wirst natürlich Savoy oder Carlton oder Cecil ver­meiden; das ist eine Angelegenheit für Ameri­kaner, die für Logis (ohne Frühstück) 80 bis 200 Mark bezahlen können. Du wirst ein kleines Hotel in einem verkehrsabgelegenen Bezirk im Nordwesten oder in Kensington beziehen, wo du ein Zimmer für 10 bis 15 Mark erhältst. Du wirst frühzeitig genug gewahr, daß London ein teures Pflaster ist, auf dem die Entschlüsse doppelt vorsichtig gefaßt werden müssen. Aber schließlich kann auch hier jeder finden, was er braucht und für feine Verhältnisse nötig hat.

London i,. eine Weltstadt, aber sie verlockt nicht zum Amüsement wie Paris und Berlin. Und das ist der zweite Eindruck: Du bist hier auf einem bürgerlich soliden, fast sachlich nüchternen Boden, dem jede Verlockung fehlt. Man merkt es auf Schritt und Tritt, auf den Straßen, in den Lokalen, an den Lebensgewohnheiten der Menschen, die das Home, sweet home zu einem Lebensgrundsah gemacht haben. Das Londoner Nachtleben ist unbedeutend und beschränkt sich auf wenige Lokale, wo es unheimlich teuer, und auf einige Nachtklubs, wo es recht langweilig ist. Zwischen 23 und 24 Uhr konzentriert sich ein bunter und interessanter Strahen-Nachtver- kehr um Picadilly Circus und Leicester Square. Sonst aber schläft die Stadt um diese Zeit, und an ihren Derkehrszentren merkst du zu dieser Stunde, wenn in deutschen Mittelstädten noch lebhafter Betrieb ist, von dem Tagesgewimmel nicht einen Hauch mehr. Was soll man auch draußen tun? Dis 22 Uhr hat man in einem reizlosen shop Tee getrunken, mit dem der Tag beginnt und endet (das Kaffeetrinken gibst du nach einmaligem Versuch in dieser Stadt auf); ober du hast im Palast des Cornerhouse bei Ctjonä das ist der Aschinger von London bas Potpourri der Musik aus vier Etagen auf bein musikalisches Gemüt wirken lassen. Du hast die Wahl zwischen den ungezählten Kinos und einem der 30 Theater, welche auch in den toten Monaten August und September geöffnet finö. 3n einem der Cinemas im Alhambra kannst du dir, noch bevor er in Deutschland gelaufen ist, den Kriegsfilm3m Westen nichts Neues" nach dem Remarque-Buch ansehen, der da drüben mächttg eingeschlagen ist. 3m Theater herrscht leichte Sommerware; aber trotzdem im Parkett und Rang große ToUette und Frack. Man nimmt Hut und Mantel mit in den Raum

sichtsrats festgestellten Verfehlungen die Klage einleiten.

Mit dem Amt des Rechners bzw. des Kon- t r o 11 eu r s wurden bis zur Neuwahl die Mit­glieder Hohmann und Schumann betraut, da die hierfür ursprünglich in Aussicht genomme­nen Herren aus verschiedenen Gründen an der Annahme dieser Aemler verhindert sind.

Gemeinderai in Büdingen.

!! CBüö in gen, 8. Oft. 3n der jüngsten Ge­meinderatssitzung beschäftigte man sich mit der Zinsforderung der Landwirt­schafts- und Gewerbetasse Büdin­gen für eine Kreditvermittlung. Die Stadt Büdingen hatte vor einiger Zeit die Bürgschaft für die von der Hessischen Landesbank gegebe­nen Notstandskredite für die Landwirtschaft über­nommen. Die Kaffe hatte diese Kredite vermit­telt und forderte nun Zwischenzinsen für nicht rechtzeitig geleistete Rückzahlung der Kapitalien. Es handelt sich um einen Betrag von 700800 Mark. Der Gemeinderat lehnte das Ansinnen I der Landwirtschasts- und Gewerbekasse ab. Da­gegen konnte der Gemeinderat einem Antrag

legt beides unter seinen Sih und holt es am Schluß, wenn dasGod save the King ver­klungen ist, wieder hervor.

Der Abend in London also bietet nicht gerade viel Möglichkeiten. Dafür hält dich der Tag um so mehr gefangen. Am besten: Du nimmst ein 2luto und läßt sich für 5 Mark kreuz und quer durch die Riesenstadt fahren, durch die Oxford- und Regents-Street zum St. James Palast und zum Königsschloß, zum Hyde Park Corner an dem daran gelegenen Park vorbei, durch das Regie- rungs- und Diplomatenviertel, durch die Zei- tungsstrahe, die Fleet Street, in die City, zu St. Pauls Cathedra! und Westminster. Viel billi­ger tut das der rote Autobus, etwa die Linie 11, die dich für 30 Pfennige zwischen Victoria- und Liverpool-Street an den Hauptsehenswürdigkeiten vorbeifährt. So erlebst du am besten die gewaltige Große des Verkehrs, den Bobbie, der vorbildliche Schutzmann, überlegen dirigiert. Willst du ganz schnell von einem Ende der Stadt in das andere gelangen, benutze, wenn du den Eingang zwischen den Häusern gefunden, die Metro, die Unter­grundbahn, oder die tubes, die Röhrenbahn, die noch tiefer liegt und an mehreren Stellen auch unter die Themse führt.

3m Londoner Programm fehlt natürlich nicht der Tower, das Parlament, das Britische Mu­seum, die reiche Fülle der Galerien; auch den prachtvollen Zoo soll man sich nicht entgehen lassen. 3m übrigen nimmt man das Leben, wie es sich in seiner Eigenart und Vielfalt sich dem Auge bietet. Besucht die monumentalen Waren­häuser, wie etwa Selfridge in der Oxford Street; dicht dabei liegt, unauffällig, die reichste Straße der Stadt und vielleicht des Kontinents, die Bond Street, wo die exquisitesten internationalen Geschäfte und vor allem die Perlen- und Edel­steinhändler ihren Sih haben. Speist einmal in einem italienischen, bann in einem ungarischen, ein andermal in einem deutschen Restaurant bei Appenrodt in der Oxford- ober bei Schmidt in der Charlotte-Street und versucht es des Spaßes halber auch einmal im Chinesenviertel mit der chinesischen Kost. Vortrefflich find die englischen Spezialitäten, wie Roastbeef und Steaks, auch soll keiner versäumen, bei Sweetings ober Scott Fisch zu essen. Ganz ausgezeichnet sinb die Süß­speisen. Aber vier Mark mutzt du schon anlegen, wenn du gesättigt aufstehen willst. Und nach kurzer Zeit schon wirst bu fest stellen, daß die Preise für die Lebenshaltung viel, viel hoher liegen als in Deutschland, wo man nach englischen Begriffen fast umsonst wohnt, die Dienstmädchen mit einem Trinkgeld abgefertigt und Gas wie Elektrizität nahezu geschenkt erhält.

Der Engländer fällt dir durch seine ruhige, selbstverständliche und, wenn du ihn erst einmal

der Provinzialdirektion Oberhessen ^sprechen, der die Eigentumsübertragung von Stratzengelände an Provinzialstratzen-Ortsdurch» führten forderte. Ferner wurde beschlossen, von einer weiteren Verfolgung der Beschwerde ge­gen das Kulturbauamt wegen der Fassung der Pferdsbachquelle Abstand zu nehmen. Dem Ge­such des Kraftwagenbesihers Köhler auf Zu- schußleistung zur 3 n b e t r i e b n a b m e der Autolinie BüdingenAltwie­de r m u s wurde unter der Voraussetzung statt- gegeben, daß auch die anderen interessierten Gemeinden einen Zuschuß leisten.

Landkreis Gießen.

8 Alten-Buseck, 8. Okt. Die diesjährige O b st e r n t e in unserer Gemeinde war, wie fast überall in der Umgegend, äufjerjt gering, so daß nicht nur die Winteroorräte an Pflückobst sehr fnapp bemessen sind, sondern auch die hier in guten Obstjahren sehr stark betriebene Apfelweinherstellung infolge Mangels an Fall- und Kleinäpfeln fast gänzlich unterbleiben mußte. Die Preise für Aepfel bewegten sich zwllchen 25 und 30 Mark, für Birnen etroa 20 bis 25 Mark. Dagegen ergab die nunmehr ziemlich beendete Kartoffelernte außer­ordentlich hohe Er träge,, so daß die für beste Speisekartoffel geforderten Preise unter drei Mark pro Zentner liegen.

'Harbach, 8. Okt. Am Sonntag, 12. Oktober, feiert der älteste Einwohner unseres Ortes, Peter Hartmann, seinen 9 0. GeburtS- t a g. Der 3ubUar war bis zu seinem 80. Lebens­jahr als Polizeidiener, sowie als Kirchendiener tätig und bekleidete beide Aemter 40 3ahre I<mg. Der 90jährige feierte zusammen mit seiner Gemahlin nicht nur die goldene, sondern auch die diamantene Hochzeit.

+ Grünberg, 8. Ott. Auch hier ist die Obsternte in diesem 3ahre gering aus­gefallen. Die Versteigerung des Gemein^obstes ergab bei hohen Preisen nur den Betrag von 348 Mark, im Vorjahr betrug der Erlös bei durchschnittlich niedrigen Preisen 1169 Mark. An einzelnen Plätzen der gemeindlichen Obstpflcm- zungen war überhaupt nichts zu versteigern: etwas Behang hatten die Bäume auf der als Diehmarkt dienenden Lehmkaute, nur ein Baum­stück an der Beltershainer Straße wies mehrere gut vollhängende Bäume mit Aepseln auf. Von den Provinzialstraßen zeigte die Beltershainer Straße, soweit sie die Grünberger Gemarkung durchzieht, etwas Behang mit Obst, während die andern Straßen außer einigen Bäumen mit Dirnen nur geringe Mengen Aepfel aufzuwei­sen hatten. Die Preise waren durchschnittlich hoch. Der Vorsteher des hiesigen Postamtes, Post­meister Theis, wurde zum Oberpostin­spektor befördert und mit Wirkung vom 15. Oktober nach Darmstadt versetzt. Hier haben die Metzger seit dieser Woche den Preis für Schweinefleisch herabgesetzt, so daß das Pfund Schweinefleisch jetzt nur noch 1 Mark kostet, anstatt vorher 1,20 Mark. Auch die Wurstpreise sind um durchschnittlich 20 Pf. pro Pfund ermäßigt worden.

Kreis Schotten.

' Freienfeen, 8. Okt. Der 79 3ahre alte Postagent und Landwirt Ferdinand 3mmelt von hier stürzte, als er sich mit einem bollbela« denen Wagen mit Dickwurz auf der Heimfahrt vom Felde befand, so unglücklich von dem Wagen, daß er überfahren und auf der Stelle getötet wurde.

Dodenhausen II, 8. Okt. Unsere Ein­wohner erhoben in einer Versammlung Pro­test gegen die Absicht der Oberpostdirektion Darmstadt, die Po st st recke Mücke-Boben- hausen zu verkraften. Begründet wurde der Protest mit dem Hinweis auf den Wegfall des Zuschusses, durch den bisher ein täglich zwei­maliger Personen- und Klein-Güterverkehr er­möglicht wurde. Durch den Fortfall dieses Zu- schusses würde unserer ohnehin schon an Ver­kehrsmitteln armen Gegend das einzige Verbin-

kennst, humorvolle Art angenehm auf. Tagsüber auf der Straße wirkt er sachlich, korrekt. Der Typ des Dandy tritt nicht in die Erscheinung, eher eine gewisse saloppe Art, die sich imflannel, der grauen Hose des Engländers (möglichst ohne Bügelfalten!), am deutlichsten ausdrückt. Auch die Dame auf der Straße ist keine Erscheinung, welche die Blicke auf sich lenkt. Sie trägt sich betont ein­fach. Tweedstoffe sind die große Mode. Abends aber, im Theater, bei den dinners, den Garten­festen spielt das große Kleid der Dame, der Frack des Herrn eine viel wesentlichere Rolle als bei uns. Das Gesellschaftskleid ist wieder gleich­mäßig lang und reicht bis zu den Knöcheln.

Es ist nicht leicht, sich in die Seele dieses Landes und seiner Bewohner hineinzudenken. Sie ist einfach und unkompliziert und trotz des aus­geprägten Sinnes für Realitäten recht konservativ. Es gibt kein Volk in Europa, bei dem sich das Leben des 3ahres so standardisiert, nach so fest- gelegten Gesetzen und Gewohnheiten abwickelt wie bei diesem. 3n dieses Bild hinein gehören auch menschliche Züge von bezeichnender Gülttgkeit für den englischen Charakter. Auf der Oxford- Street erlebte ich einen kleinen, unscheinbaren Vorgang: 3n vier- bis fünffach gestaffelter Reihe stehen auf den Armwink des Policemans die Wagen, Autobusse, Motorräder. Ein Wink gibt den Weg frei, und alle Vehikel setzen sich wieder in Bewegung. Da erspäht Bobbies Auge, wie eine ältere Frau einen langsam wegfahrenden Autobus noch zu erreichen sucht. Sofort geht der weihe Arm des Polizisten erneut in die Höhe, im Nu steht die rollende Mauer der 60, 70 Wagen, und die Frau kann ihren Bus besteigen. Viel mehr als an dem grandiosen äußeren Bild der Stadt wird man an solchen unbedeutenden Einzel­bildern seinen Gesamteindruck von einer Reise nach London formen müssen.

Oochschulnachrichien.

Dem Privatdozenten für bürgerliches, Handels- und internationales Privatrecht an der Universität Frankfurt a. M, Gerichts- assessor Dr. Ernst E. Hirsch ist vorn Preußi­schen Kultusminister für das Wintersemester 1930/31 in der rechts- und staatswissenschaft- lichen Fakultät der Universität Göttingen die Vertretung des für die gleiche Zeit beur­laubten ord. Professors Dr. Herbert Meyer über­tragen worden. Dr. Hirsch, dessen Sondergebiet Wechselrecht ist, stammt aus Friedberg (Hessen). Er besuchte die Universitäten in Frankfurt, Mün­chen und Gießen sowie die Akademie für 3n- temotionales Recht im Haag.