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rigfeitcn, in denen die deutsche Politik gegenüber den bekannten Fragen einer sog. inter­nationalen Friedensorganisation steckt, wie sie in Genf immer erörtert werden und wie sie Briands Paneuropaplan nur in einer anderen Aufmachung wieder im französischen Sinne vorgeschlagen hat!

Weniger Sensation, mehr Verantwortungsgefühl.

Das Ende der Ferien wird stets mit gemischten Gefühlen ausgenommen. Man hat sich so schön an das Bummeln gewöhnt und soll nun wieder in den mehr oder minder großen Zwang der Schule zurück. Die Sommerfcrien sind doch für alle Schulkinder das Ziel ihrer Wünsche und Sehn­süchte. Wenn man sie vor sich hat, wollen ste schier kein Ende nehmen, aber wenn erst die Hälfte vorbei ist, dann geht es mit Riesen­schritten auf das Ende zu.

Das ist für einen kleineren Zeitabschnitt genau so wie für einen großen und wie für gas ganze Leben. Diesmal sind vielleicht für manchen die Ferien nicht so schön gewesen wie sonst, denn mit dem Reisen ist es immer schwieriger geworden, und die Bäder und Kurorte und Sommerfrischen stöhnen in diesem Jahre Stein und Bein über kurzen und ungenügenden Besuch. Es wäre ja auch eih Wunder, wenn sich die Un­gunst der allgemeinen wirtschaftlichen Lage nicht gerade hier am meisten bemerkbar machte.

Dieser Tage sind auch aus dem Auslände jene Schülertransporte nach Deutschland zurückgekehrt, die jetzt alljährlich in den Ferien das Vaterland verlassen, damit eine größere Anzahl von Schü­lern die Gelegenheit zur Erlernung der fremden Sprache erhält. Diesmal haben die deutschen Schüler bei ihrer Rückkehr die neu gewonnenen französischen Freunde mitgebracht, die nunmehr ihre Ferien bei uns verleben werden. Diese Schüleraustausche sind, wenn sie richtig gehand­habt werden, sicher ein Segen, denn es schadet den Heranwachsenden Menschen nicht, wenn sie frühzeitig den Blick erweitern und ins Ausland hineinschauen. Manche Borurteile gegenüber fremden Böllern, die aus Dummheit und Bor­eingenommenheit gezüchtet werden, verschwinden im persönlichen Berkehr schnell. Wer selbst einmal Austauschschüler gewesen ist, der weiß die Vor­züge dieser Einrichtung zu schätzen.

Aber es scheint doch so, als ob man sich zur Verwirllichung dieses Äeles jetzt nicht immer ganz einwandfreier Methoden bedient. Es braucht ja nicht so zu fein, wie früher, daß sich der Aus­tausch ganz auf privater Grundlage abspielt, aber jetzt wird davon doch Wohl in Der Oeffent- lichkeit beider Länder zu viel hergemacht. Die Empfänge, die für diese Schüler hüben und drüben stattfinden, scheinen doch manchmal des Guten etwas zu viel zu sein. Es kann gewiß für Heranwachsende und eindrucksfähige Menschen eine Erinnerung fürs Leben sein, wenn sie in Paris in den Räumen des Außenministeriums oder in Berlin im Rathaus empfangen und bewirtet wer­den. Aber ob es bei dieser Gelegenheit erforder­lich ist, ihnen eine Mahlzeit mit sämtlichen er­lesenen Genüssen der französischen Küche vorzu­sehen, ist eine andere Frage. Hier hat man viel­leicht doch die Grenzen nicht ganz gewahrt. Es ist überhaupt der Zug unserer Zeit, daß bei allen Tagungen von Vereinen, bei Kongressen usw. immer ein zu reichliches Maß von of- lentlicherRepräsentation erfolgt. Man sollte sich in diesen Dingen einen etwas be­scheideneren Rahmen schaffen, nicht nur zum Ruhen der öffentlichen Kassen, die etwas mehr Sparsamkeit wirklich gebrauchen könnten, sondern *<nich zum Behagen derer, die sich bei solchen Ge­legenheiten nicht gern von einer Fete in die andere, von einer Besichtigung zur anderen schleppen lassen. Trotzdem wünschen wir gerade auch den französischen und sonstigen ausländischen Schülern, die in Deutschland ihre Ferien ver­bringen, daß sie einen recht tiefen Einblick in das wirkliche deutsche Volksleben bekommen, das sich auf öffentlichen Veranstaltungen nicht immer von seiner besten und tiefsten Seite her darbietet.

Es ist natürlich für Eltern immer ein Wagnis, thre Kinder allein ins Ausland reisen zu lassen. Wenn schon trotz best organisierter Aufsicht im Lande bei Schülertranspoiten immer wieder etwas passiert, wieviel besorgter müssen die Eltern fein, ihre Kinder allein ins Ausland reifen zu lassen. Welchen Gefahren oft Kinder ausgesetzt sind, dafür ist eine Rotiz lehrreich, die Dieser Tage durch die Blätter ging. Da ist vor vielen Jahren in Stuttgart ein zweijähriger Knabe von Zigeunern verschleppt worden. Trotz aller polizeilichen Nachforschungen konnten die Eltern ihr Kind nicht wiederbekommen. Jetzt, nach drei­zehn Jahren, ist es gelungen, den Jungen zu identifizieren. Selbstverständlich hat sich sofort eine geschäftstüchtige Propaganda seiner bemäch­tigt und er hat nun, nach berühmten Mustern, seine Memoiren veröffentlicht. Sicherlich hat er auf seiner Wanderschaft mit den Zigeunern mancherlei Interessantes erlebt. Aber tut man diesem Jungen wirllich einen Gefallen damit, wenn man ihn jetzt so in das Rampenlicht der breitesten Oesfentlichkeit zerrt? Gerade für ihn wäre es doch in erster Linie erforderlich, ihn auf den richtigen und ordentlichen Lebensweg zu bringen.

Es ist aber immer dasselbe, vb es sich um blinde Passagiere auf demGraf Zeppelin" oder ob es sich um Schönheitsköniginnen handelt. Das Unheil, das hier immer wieder angerichtet wird, läßt sich sicherlich nicht statistisch erfassen, es ist aber zweifellos vorhanden, und es sollte die Mission der verantwortungsbewußten Oeffent- lichkeit fein, dafür Sorge zu tragen, daß gerade solche extravaganten Fälle und Menschenschicksale wieder in das richtige Gleise kommen. Denn wir haben doch an Entwurzelten in Deutschland mehr als genug. Die Ansicherheit aller wirtschaftlichen Verhältnisse verführt gerade junge Menschen sehr leicht dazu, Extravaganzen zu suchen und sich um eine Sensation zu bemühen, weil sie irgendwo einmal gelesen haben, daß ein Lehrling plötzlich dadurch reich geworden ist. Es fehlt vielfach in diesen Dingen der nötige Emst und Das Ver­antwortungsgefühl für das Schicksal des einzelnen. Man zerrt Menschen aus geschäft­lichen Gründen in das Licht der Oesfentlichkeit und läßt sie nachher geblendet und direktionslos stehen. Rur den Wenigsten ist es gegeben, sich durch eigene Tüchtigkeit und durch den inneren | Fonds den sie besitzen, dann noch in einem harten Leben zurechtzufinden.

Deutschland und Amerika.

Von Professor Nicholas Murray Buttcr, Rektors der Columbia-Universität, Neuyorl, und Präsidenten der Carnegie-Friedensstistung.

In dem Volkscharakter der Vereinigten Staa­ten sind die verschiedensten nationalen Cha­raktereigenschaften zu einem Ausdruck verschmol­zen. In ihm paaren sich der Geschäftssinn des Engländers, der Sparsamkeitstrieb des Italie­ners, das Pflichtgefühl des Schotten und der heitere Sinn des Iren. Der Einfluß des deut­schen Volkscharakters tritt vor allem in der Zähigkeit des Amerikaners, in seinem ausge­prägten Organisationstalent und in seinem trotz allen nüchternen Geschäftssinnes doch tief ein­gewurzelten Idealismus zutage. Das deutsche Element begegnet uns in den H. S. A. nicht nur in der aufstrebenden Mittelklasse, sondern auch in den führenden QI amen der amerikanischen Hoch­finanz. Es hat einen starken Einfluß auf die Modelung des amerikanischen Volkscharakters ausgeübt und ihm viele Züge aufgedrückt.

Cs darf uns daher wohl kaum wundernehmen, daß ein gewisses instinktives Verständnis zwischen beiden Rationen besteht. Dieses Ver­ständnis besitzt aber auch noch tiefere Gründe. In den letzten hundert Jahren haben viele bedeutende Amerikaner Deutschland besucht, um an deutschen Hochschulen zu stu­dieren. Inschriften an manchen Häusern deut­scher Aniversitätsstädte legen hiervon ein be­redtes Zeugnis ab. Die geistige Saat, welche die Führer der deutschen Wissenschaft von ihren Kathedern aus in die Herzen jener amerikani­schen Gäste Deutschlands ausstreuten, schlug tiefe Wurzeln und reifte zur Ernte, als jene Hörer später als Politiker, Geschäftsleute usw. in das öffentliche Leben traten. Am die Jahrhundert­wende ließ der Strom amerikanischer Besucher Deutschlands etwas nach, um dann im Welt­kriege fast ganz zu versiegen. Heute ist dieses Stadium glücklicherweise überwunden: beide Län­der sind bestrebt, die kulturellen Beziehungen zueinander in jeder Beziehung zu pflegen, wobei sie in glücklicher Weise von der Regierung, halböffentlichen Körperschaften und hochherzigen Privatpersonen unterstützt werden. Die deutsche Sprache wird wieder in den amerikanischen Schulen in weitgehendem Maße gelehrt und auch die amerikanischen Universitäten bemühen sich, mehr und mehr zu wichtigen Stätten einerdeutsch­amerikanischen Kulturverständigung zu werden.

Im vorigen Jahre konnte ich an unserer Co- lumbia-Aniversität ein deutsches Haus ein- weihen, das ein Zentrum für das Studium deutscher Kultur in Amerika bildet, aber auch allen Deutschen, die Amerika besuchen, Aufschluß über wissenschaftliche Fragen, soweit sie Amerika betreffen, geben soll. Das deutsche Haus bildet

darüber hinaus aber auch ein Glied in der Kette internationaler Verständigungsmahnahmen, die von der Carnegie-Friedensstif­tung eingeleitet wurden. Diesem Ziele dienen auch die verschiedenen Carnegie-Lehrstühle in einer ganzen Anzahl wissenschaftlicher Zentren der Welt so u. a. an der Berliner Hochschule ür Politik sowie eine ganze Reihe von wissen- chaftlichen Klubs und Instituten. Im bergan- jenen Jahre wurde u. a. einer Anzahl europäi- cher Journalisten eine Studienreise nach den A. S. A. ermöglicht. An einem Unternehmen der­selben Art nahmen in diesem Jahre auch deutsche Presseleute teil. Der Einfluß dieser Stu­dienreisen auf die Denkart dieser fähigen jungen Journalisten und somit auf die Presse ihrer Länder wird hoffentlich nicht gering fein und sich später in segensreicher Weise auswirken. Der von der Kulturmenschheit beschrittene Weg einer ehrlichen Friedenssicherung verlangt von un5 allen eine neue Denkweise, die auf dem Willen eines gegenseitigen Verständnisses der Rationen zueinander fußt. Bisher wurde wohl von Sicherheitsmaßnahmen, Rüstungsparitäten usw. viel geredet, aber zu wenig von gegen­seitigem Vertrauen.

Der gegenseitigen kulturellen Annäherung zwi­schen Deutschland und Amerika dienen auch die verschiedenen künstlerischen, literarischen und wissenschaftlichen Bestrebungen. Die Wander­ausstellungen des Carnegie-Institutes zu Pittsburg haben hier viel zur Popularisierung deutscher Kunst beigetragen. In der amerika­nischen Literatur finden moderne deutsche Auto­ren starke Beachtung. Auch die Gastspiele deutscher Schauspieler sind in der Regel wertvolle Ereignisse im amerikanischen Kunst- leben. Die Tourneen deutscher Sänger und Sän­gerinnen in der Metropolitan-Oper und die Gastspiele hervorragender deut­scher Dirigenten in den großen Konzert­sälen, wie der Carnegie- und der Aeolian-Hall, haben das Verständnis deutscher Musik gehoben. Der Film mit seinen vielen Ausstrahlungen leistet gleichfalls wertvolle Dienste: ihm stehen in Zukunft wahrscheinlich noch weit größere Aus­drucksmöglichkeiten zur Verfügung.

Das gegenseitige Verständnis zwischen beiden Völkern fördert auch der zunehmende Reise­verkehr. Die Verbesserungen des deutschen Verkehrswesens, der Ausbau des Flugwesens usw. sanden in den A. S. QI. lebhafte Anerken­nung. Die Rekordfahrten der vorzüglichen neuen deullchen Schnelldampfer ..Bremen" und..Europa" lösten begeisterte Bewunderung aus. Der Tou­

ristenverkehr zwischen beiden Ländern wird übrl< gens auch von amerikanischer Seite durch Ver­billigung des Reiseverkehrs gefördert. Durch die zunehmenden Besuche ihrer Landsleute lernen die beiden Rationen einander kennen und ver­stehen.

Meine Betrachtung wäre nicht vollständig, wollte ich nicht auch der weitgehenden wirt­schaftlichen Bindungen gedenken, die zwischen beiden Ländern bestehen. Deutschlands Lieferun­gen an Erzeugnissen der elektrotechnischen In­dustrie, in solchen der Textil- und Papierindustrie spielen eine ebenso wichtige Rolle im amerikani­schen Wirtschaftsleben wie die Lieferungen der A. S. A. an Getreide, Kupfer, Erdöl und anderen Rohstoffen in der deutschen Wirtschaft. Deutsch- land das weih Amerika ist der wirtschaft­liche Angelpunkt Konllnentaleuropas, und Europa ist immer noch Amerikas bester Abnehmer.

Das gegenseitige Verständnis zwischen beiden Ländern wird sich im Laufe der Jahre weiter vertiefen. Es wird zu einer höchst wertvollen Zusammenarbeit führen. Die Menschheit braucht diese Zusammenarbeit, steht sie doch vor einer Fülle von Problemen, deren Lösung nur auf dem friedlichen Wege einer Äulturgemeiufdjaft mög­lich ist. Ansere Zeit verlangt neben dek"Kultur- gemeinschaft einzelner Rationen die höhere Ein­heit der Kulturmenschheit, die nur im Geiste frei­williger Zusammenarbeit aufgebaut werden kann. Roch tönt uns der mißtönende Lärm politischer Auseinandersetzungen unter den Rationen ent­gegen; aber auch die Friedenssehnsucht der Menschheit ist stärker geworden. Sie heißt eS fördern. Wie für jeden Fortschritt der Mensch­heit müssen wir um die Verwirllichung dieser Sehnsucht ringen. Den Weg zur Erreichung des Zieles hat uns Deutschlands großer Philosoph Immanuel Kant gewiesen, dessen SchriftZum ewigen Frieden" heute bereits zu einem be­deutenden Teile den Inhalt unserer praktischen Politik ausmacht. Die Idee des Pariser Paktes, den Krieg als Mittel für die Lösung internatio­naler Streitfälle zu verurteilen und auf ihn als Werkzeug nationaler Politik zu ihren gegen­seitigen Beziehungen zu verzichten, findet sich in jener Schrift Kants angedeutet, während das von ihm entworfene Bild des internationalen Föderativstaates im Völkerbund seinen Grundriß gefunden hat.

Festnahme einer internationalen Falschspielerbande.

WSR. Frankfurt a. QU., 8. Aug. Eine in­ternationale Falschspieler band e, die besonders in großen Badeorten seit Jahren ihr Anwesen trieb, konnte endlich in einem benach­barten Badeort unschädlich gemacht werden. Die Polizeibeamten, die die Effekten der Spieler durchsuchten, fanden ganze Pakete mit ge­fälschten Karten. Die Spieler bedienten sich in zahlreichen Fällen der Mithilfe der m den Lokalen tätigen Oberkellner, die an den Ge­winnen beteiligt wurden. Wenn der Oberkellner ein neues Spiel Karten für das Spiel holen mußte, vertauschte er rasch die echten Pakete mit solchen, die gezinkte Karten enthielten. Ein Hotel­kellner, den die Bande gleichsalls zu den Be­trügereien verleiten wollte, lehnte das ab und gab der Polizei einen Wink. Als Hauptanführer der hochelegant auftretenden Bande wurden zu­nächst die beidenKaufleute" Blühmel unb Warncke festgenommen, weitere sieben Mit­glieder wurden wenige Tage später verhaftet: und nach Berlin zur Aburteilung übergeführt. Mehrere Personen sind geflohen.

Taschendiebe in rheinischen v-Zügen.

WEN. Mainz, 8. Aug. DemMainzer Anz." zufolge werden die internationalen O-Z ü g e auf den Rhein st recken seit Wochen von einer Bande internationaler Taschendiebe heimgesucht. Bei den zuständigen Reichsbahndirek­tionen laufen täglich Verlustanzeigen von Brief- und Geldtaschen mit oft sehr hohen Beträgen ein. Trotz des schärfsten lleberwachungsdienstes konnte man die Diebe noch nicht fassen, da sie mit größter Vorsicht zu Werke gehen. ______________

Wirble ins Leben!

Roman von Anna Fink.

Arheber-Rechtsschuh durch Qkriag Oskar Meister, Werdau, 6.-QL

17. Fortsetzung. Rachdruck verboten

Der Klang ihrer Stimme ergriff ihn. Ohne zu fragen, weshalb und wieso, ohne weitere Am- stände ergriff er ihre Hand und drückte einen feurigen Kuß darauf. Dann hob er die Frau in den Wagen neben den Führersitz. Sorglich um­hüllte er die Zitternde mit einer warmen Decke, verpackte rasch sein Handwerkszeug, schwang sich neben sie in den Wagen, lieh den Motor an­springen, und wie ein Pfeil schoß der Wagen los, seinem Äam.en alle Ehre machend.

Schweigend verblieben sie etwa eine Stunde.

Dann hielt er das Schweigen nicht mehr aus und fragte sanft in feinem wenig gebrochenen Deutsch, die neben ihm Sitzende:Wohin wün­schen Sie gefahren zu fein, Signora?"

Wohin fahren Sie, mein Herr?" war die Gegenfrage.

Wohin Sie befehlen, Signora!" erftärte er überzeugt.

Ich möchte wissen, wohin Sie jetzt fahren wollten", sagte die Fremde neben ihm.

O, Signora, ich fahre in meine Heimat, nach Italien. Wollen Sie mitkommen? Ich habe ein Schloß in der Rähe von Frascati. Oh, la bella Italia!" schloß er begeistert.

Horen Sie", sagte die Frau an seiner Seite nach einigen Augenblicken, in denen sie ange­strengt über etwas nachgedacht zu haben schien, nehmen Sie mich nach Italien mit. Ich will nach Italien. Wollten Sie das tun? Sie erweisen . mir damit einen großen Gefallen!"

Aber gern, gern!" rief der Conte entzückt. Sie sind eine schöne Frau, und für eine schöne Frau tue ich alles, alles!"

And wieder wollte er einen Kuß auf die Hand der Frau drücken.

Sie entzog sie ihm rasch und sagte:Bitte, keine Komplimente. Ich mag das nicht."

O, wie schade!" bedauerte der Conte.Das ist verkehrt. Einer schonen Frau muß man sagen, daß sie ist schön, wenn sie es wirllich ist."

Gr fuhr mit noch mehr Feuer und Schwung als zuvor, aber trotzdem nicht ohne Vorsicht.

Plötzlich sagte er schuldbewußt wie ein Junge, der etwas DumrneS gemacht hat: »Ich habe ver­

gessen, mich vorzustellen: Conte Giardino Mal- fieri. Verzeihen Sie sehr!"

Die Fremde neigte leicht den Kops.Meinen Ramen mochte ich Ihnen lieber etwas späten sagen, obgleich Sie das natürlich leicht falsch deuten tonnen.

Aber bitte sehr", sagte er mit vollendeter Höflichkeit.Sie sind eine schöne und junge Si­gnora und wollen nach Italien. Das genügt doch. Im übrigen verfügen Sie ganz über mich."

Wieder herrschte eine Weile Schweigen zwi­schen den beiden, dann fragte der Conte behut­sam:Verzeihung, darf ich Ihren Vornamen wissen, damit ich ©ie anreden kann? Es ist nicht böse gemeint.

Die Fremde mußte lächeln.Run gut: Ich heiße Barbara."

Ah welch schöner Rame!" rief der Conte hingerissen.Signora Barbara!"

And er begann mit seinem weichen Bariton ein altes italienisches Volkslied zu fingen, das schwermütig im Regen berflang, während der Wagen leicht zitternd dahinsauste.

Ich hasse sonst dieses deutsche OBetter, be­gann der Conte nach einer Weile wieder,aber heute bin ich ihm dankbar, weil es mir den Genuß verschafft, eine schöne Deutsche mitneh- men zu dürfen."

Herr Graf!" sagte Barbara in vorwurfs­vollem Tone.

Der Conte überhorte es und sprudelte weiter hervor:es gibt viele schone, blonde Frauen in Deutschland, aber sie sind oft kühl wie das QBetter. Es ist auch eine Kunst, sich Schmeiche­leien über seine Schönheit sagen zu lassen, Si­gnora Barbara!"

Ich weiß nicht", sagte sie abweisend.

Der Graf ließ sich in seiner guten Laune, in die ihn seine geheimnisvolle Begleiterin ver­setzt hatte, nicht stören.

Barbara zog die Decke noch enger um sich und warf einen kurzen Blick auf den Grafen. Der schien noch jung zu sein und hatte, soweit es in der Dunkelheit erkennbar war, ein fast klassisches Romerprofil. Er sah gut aus: gespannt, voller Konzentration saß er am Steuer und ließ den Wagen durch die Rächt dahinschießen. Q3ei Bar­bara machte sich eine bleierne Müdigkeit geltend, und bald schlief sie ein.

Plötzlich fuhr sie auf. Im ersten Augenblick konnte sie sich kaum zurechtfinden.

Da llang die Stimme des Grafen an ihr Ohr: Haben Sie ein wenig geschlafen, Signora Bar­

bara? Es tut mir leib, daß Sie es nicht.bequemer haben."

Wo sind wir jetzig fragte Barbara.

Wir befinden uns kurz vor der italienischen Grenze", war seine Antwort.

3a, sind wir denn schon in Oesterreich?" wun­derte sich Barbara.

Gewiß", gab er zur Antwort.Sie haben lange geschla^n, Signora!"

Aber", fragte sie wieder,hat man denn an der Grenze keine Schwierigkeiten gemacht, Conte?"

QTber nein! war die Entgegnung.Erstens nimmt man's zwischen Oesterreich und Deutschland nicht so genau, und zweitens kennt man mich, und drittens tut so etwas" er machte mit einer Hand die Bewegung des Geldzählensimmer feine Wirkung."

Rach einer Pause sagte er nachdenklich:An der italienischen Grenze wird es etwas schwerer sein, Signora. Man ist da nicht mehr so groß­zügig wie in früheren Jahren. Wir müssen sehen, wie wir das machen. Sie haben gar keine Pa­piere bei sich, Signora Baroara?"

Doch, meinen Führerschein!" sagte sie.

Was, Signora, Sie fahren auch?" rief er überrascht und fügte bewundernd hinzu:Die deutschen Frauen sind sehr intelligent."

Er hätte wohl gern noch mehr über seine seltene Begleiterin erfahren, aber Barbara machte unwillkürlich eine so abwehrende Gebärde mit den Händen, daß er sie nach nichts Räherem fragen mochte.

Er versank wieder In tiefes Sinnen darüber, wie er Barbara ohne weitere Behelligung über die Grenze bringen könnte.

Hören Sie", rief er nach einer Weile.Wir werden es so machen: Sie haben eine ähnliche Gestalt wie meine jüngere Schwester, die mich zuweilen begleitet. Geben Sie mir Ihren Führer­schein, ich lege ihn in meinen Pah hinein. So muh es gehen. Im übrigen tun Sie, als ob Sie ganz fest schliefen. Ich werd's schon machen."

Barbara erklärte sich einverstanden.

Sie fuhren rascher weiter.

Rach einer Weile rief der Conte:Jetzt bitte fest schlafen, Signora! Ich sehe die Lichter der Grenzwache!"

Barbaras Herz fing an zu klopfen. Wenn der Streich nicht gluckte? Man würde sie zurück- behalten. Sie hatte nur wenig Geld bei sich. Was sollte dann au8 ihr werden?Rur um keinen Preis wieder nach Hause zurückkehren.

alles, alles sonst nur das nicht!" dachte sie schaudernd. t

Sie markierte festen Schlaf, denn der Wagen hielt. Carabinieri trat an das Auto heran.

Run, wie geht's, alter Freund Guiseppe? fragte der Conte auf italienisch einen derselben, den er gut zu kennen schien, und bot ihm eine Zigarre an.

Der antwortete irgend etwas darauf und bat um die Papiere.

Ich komme wieder mit meiner Schwester. Die Arme ist todmüde, das schlechte Wetter greift sie so an. Sie hat sich in Deutschland eine schreckliche Erkältung geholt", plauderte der Conte in liebenswürdigstem Ton.

Während er dem Carabinieri seinen Pah gründlich und den Führerschein seinerSchwe­ster" nur sehr flüchtig unter die Olafe hielt, er­kundigte er sich sehr eifrig, was denn die schöne Marietta mache, und ob sie gegen ihren Verehrer immer noch so spröde fei.

Der Carabinieri gab den Pah wieder zurück und wollte gerade noch den Führerschein Bar­baras etwas genauer studieren, als der Graf un­geduldig rief:Mein lieber Freund, toir muffen eilen. Meine Schwester holt sich den Tod bet diesem Wetter. Madonna, du kennst sie doch. Er zog ihm ohne Amftände das Papter aus den Händen und klopfte ihm lachend auf die Schulter. A reviderci!" rief er. Oloanti, abanti! And der Wagen fchoh davon und verschwand m der ^Madonna mia!" sagte der Carabinieri zu sei­nem Kameraden.Der Conte Malfiert ist fjeut aber luftig. Ich. glaube, er hat etwas zu viel getrunken. Was glaubst du?"

Kann schon sein", brummte der. Er war etn Sizilianer, und das nahkalte QBetter beijagte ihm ganz und gar nicht. Denn ein richtiger Süd­italiener scheut den Regen wie eine Katze und geht am liebsten nicht aus dem Hause.

Das hätten wir geschafft!" rief der Graf vergnügt.Erwachen Sie, Signora, wir sind außer Gefahr!"

Barbara öffnete die Augen und hob vorsichtig den Kopf.

Wird man nicht wieder nach meinen Papieren fragen, wenn ich in Italien bin? fragte fte ängstlich.

Rein, Signora", beruhigte fte der Graf lachend.Es wird niemand wieder danach fra­gen. Die Hauptsache ist, daß Sie erst einmal im Lande sind!"

(Fortsetzung folgt)

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