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Nr. 185 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)Samstag, 9. August 1950

Das britische Weltreich.

Außenpolitische Umschau.

Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin.

Das englische P a r l a m e n t ist bis zum 28. Oktober vertagt worden. Wie ist die Situa­tion für England, und das Labourkabinett und wie ist Englands Stellung zu Europa im Hinblick auf Genf und die vielen großen Fragen, die dort im September der Erörterung harren? Beginnen wir mit dem Außenpolitischen, so ist die Lage ganz allgemein bezeichnet durch den Flottenpakt, der in Amerika und England ratifiziert ist und dessen Ratifikation durch Japan auch außer Zweifel steht. Richt ganz kann der Kontinentaleuropäer sich klar machen, was dieser Flottenpakt bedeutet, besonders weil man ge- neiat ist, diese Bedeutung direkt zahlenmäßig und auch politisch für das Rüstungsproblem zu unterschätzen. Politisch genommen bedeutet er die Verständigung zwischen.Eng­land und Amerika in dem Sinne, daß es zwischen beiden keinen Krieg geben soll und darf und daß deshalb di« beiden sich auf eine Parität der Schiffsrüstungen in allen Schisfskategorien einlassen konnten. Damit hat England bie Position zwischen der Welt und Eu­ropa erhalten, die es aufgab, als es aus der sogenannten .glänzenden Isolierung" in die Poli­tik der Bündnisse einlenkte. Das ist im ganzen und großen gesehen doch ein recht fester Rahmen für die englische Außenpolitik in Europa und für das englische Weltreich draußen. Dessen Pro­bleme werben in den nächsten Monaten immer mehr in den Vordergrund treten, weil ja zwei ganz große Konferenzen über Reichsfragen statt­finden sollen: die eigentliche Reichskonferenz und die Konferenz über die indische Reform.

Für die erstere stellen die Wahlen in Kanada das Reichsproblem in einer beson­deren Form. Die Wahlen haben die bisherige liberale Mehrheit zerstört. Allein in Quebec, ihrem eigentlichen Sih«, haben die Liberalen von 61 Mandaten 20 verloren. Im ganzen gingen sie von l 19 auf 85 herunter, während d e Konser­vativen von 89 auf 137 gestiegen sind. Dement­sprechend hat der langjährige Premierminister Mackenzie King demissioniert und ist das neue Kabinett gebildet worden. Es ist nicht leicht, die Ursachen der Liberalen-Riederlagen abgesehen davon, daß sie eben sehr lange an der Herrschst waren genau zu bezeichnen Man kann so sagen, daß das Kabinett King ein Opfer der Wirtschaftskrise wurde, die von den Ber­einigten Staaten auch nach Kanada herüber­geschlagen ist. Schon King legte dem Parlament vor der Auflösung einen neuen Zolltarif vor, der gegen den ungeheuer hohen Zolltarif Amerikas gerichtet war. Aber man hielt ihm entgegen, daß bas nicht genüge, daß die Arbeitslosigkeit immer Jgrößer würde, und dagegen versprachen die Kon- ervativen ihre Mittel. Die bestehen aber auch in nichts anderem als im Schutzzoll. Ebenso war in der Reichszollfroge die Liberale Partei nicht sehr von den Konservativen unterschieden. Auch die Liberalen wollten der englischen Einfuhr Vorzugszölle gewähren. Aber die Konservativen, die natürlich das gleiche vertreten, längst vertre­ten haben, verlangen ihrerseits etwas dafüt, kom­men also mit der altbekannten Forderung, daß Vorzugszoll für englische Industrieeinfuhr mit sich bringen müsse Vorzugszoll für Lebensmittel­einfuhr aus Kanada, insbesondere auf kanadischen Weizen. Damit rührt aber die Reichszollbewe­gung an den allerempsindlichsten Punkt, die mit ihr notwendig cintretende Verteuerung der Lebensmittel der Masse in England. Man kann also sagen, daß die Lage in Kanada die Unklarheit, die über der Welt und ihrer Wirt­schaft liegt, reichlich teilt. Durch den amerikani­schen Zolltarif kommt Kanada in eine gegnerische Stellung zu Amerika, was im übrigen die engen Beziehungen der beiden Staaten zueinander nicht berührt. Was nun Kanada unter konservativem Regime auf der Reichskonserenz bedeuten wird, das muß sich erst zeigen. Ein klares Programm

Deutscher Triumph im Guroparuudflug.

Oben links Frl. Spooner (England), Vierte in der Gesamtwertung, Siegerin der schweren Klasse. Oben rechts: Notz, Dritter in der Gesamtwertung. Unten: P o ß, Zweiter in der Gesamtwertung. Rechts: Morczik, Sieger des Europarundflugs 1929, wurde auch diesmal Sieger in der gesamten Wertung.

hat man da,ür in Kanada noch nicht, und dabei ist für die ganzen Reichspläne eigentlich Kanada noch das Land, in dem die Verhältnisse für den Reichszollgedanken am günstigsten liegen.

Inzwischen ist in der indischen Frage die Zusammensetzung der Delegationen für die große Konferenz im Unterhaus erörtert worden, zum Teil in scharfer Form. An dieser Konferenz soll kein Mitglied der sog. Simon- Kommission beteiligt sein, auch der 'Ver­fasser des großen Berichtes, Sir John Simon selbst nicht. Macdonald will ganz frei sein. Er wollte auch die Kommission nicht aus den drei Parteien bilden, in der Sorge wohl, daß er damit Gegner hereinbekäme, die von vorn­herein gegen die indische Selbständigkeit sind. Aber die Opposition hat ihre Teilnahme ver­langt und wird daher in dieser ungemein wich­tigen Kommission vertreten sein, die Konserva­tiven durch Baldwin und Außen Chamber­lain, die Liberalen durch Lloyd George und Lord Reading. Inzwischen aber muß man sich bemühen mit der Vertretung In­diens selbst für diese große Konferenz in ein Verhältnis zu kommen. Sie hat den Simon- bericht als Grundlage abgelehnt, immer stärker wird die Programmforderung der völ­ligen Unabhängigkeit Indiens, die Eng­land unter keinen Umständen gewähren will. Daran hat auch der Dizekönig Lord Irwin kei­nen Zweifel gelassen, der nach wie vor die Linie einhält, in Ruhe die gefährlichen Bewegungen zu unterdrücken und Indien zu dem Stande eines Dominions emporzuführen. So ist diese An­gelegenheit in voller Vorbereitung und in der Schwebe. Wir lassen den Vertrag mit dem Irak und die sehr schwierige und- ungelöste ägyptische Frage beiseite. Die Hauptsache ist für Macdonald die Vorbereitung der beiden großen Konferenzen und die Vermeidung der Klippen, die für ihn innerpolitisch darin vorhanden sein können.

Er hat in der Innenpolitik das Berg­gesetz schließlich doch durchgeseht. Das Oberhaus hat sich mit dem Unterhaus in dem wesentlichsten Streitpunkt, der Arbeitszeit, auf das Kom­promiß geeinigt: der Z1/i-6tunZ>entag tritt erst im Dezember in Kraft. So ist diese wichtige Regelung der englischen Kohlenproduktion durch­geführt, und der Aufbau der rationalisierten Derkaufsorganisation beginnt. Auch sonst ist auf dem Gebiete der Wirtschasts- und Sozialpolitik manches geleistet worden. Aber das schlägt nicht au Buch gegenüber dem Gespenst der Arbeits­losigkeit, die auf zwei Millionen Arbeitslose gestiegen ist. Man hat allerlei versucht: im gan­zen ist aber die Labourregierung vor diesem Pro­blem ebenso ratlos, wie alle anderen Regierungen der Welt, die unter dieser Rot zu leiden habcm.

So wird auch diese Frage schon heute zur Wahlparole gemacht. Man rechnet mit Reu- wählen vor Jahresende ober zu Beginn des neuen Jahres. Ob dabei die indische Frage für die Konservativen und Liberalen viel bedeuten wird, ist zu bezweifeln. In der heutigen Wirt- schastsnot wird die Masse in England wenig Interesse an dieser oder jener Lösung der indi­schen Frage haben. Da trifft wohl Baldwins Voraussage zu. seine Parole: sozialistische oder konservative Regierung? Natürlich ist es leicht, damit der Arbeiterregierung, die die Arbeits­losigkeit nicht habe bekämpfen können, Schwie­rigkeiten au machen und Wähler abzujagen, im übrigen hätten auch weder die Konservativen noch die Liberalen die Lösung der Arbeitslosen­frage finden können. Werden die Konservativen aber gefragt, was sie zur Bekämpfung der Wirt­schaftsnot Vorschlägen, so werden sie natürlich immer stärker die Reichspolitik und die wirt­schaftliche Reichseinigung in den Vor­dergrund stellen.

Für die Weltreichskonferenz, die zu gleicher Zeit wie die Indienkonferenz stattfinden soll.

wird der Hauptprogrammpunkt die Frage fein, wie das englische Weltreich wirtschaftlich Ausammenzusassen fei. Bisher hatten sich diese Reichskonferenzen nur mit den politischen Reichs­fragen beschäftigt, jetzt aber drängt die W»et- schaftSfrage die Zusammenfassung des Reiches zu einer wirtschaftlichen Einheit derartig in den Vordergrund, daß auch die Weltreichskonferenz sich damit befassen muß. Ununterbrochen geht der Kreuzzug für einen Reichszollverein weiter. Die Partei Lord DeaverbrokS ist ja ge­rade auf diese Parole gegründet Die Konser­vative Partei wird schon aus Konkurrenz in der gleichen Richtung immer weiter getrieben. Die Liberale weiß nicht recht, wie sie sich verhalten soll. SinS ihrer bedeutendsten Mitglieder, der ehemalige Schatzkanzler und jetzige Bankier Mac Kenna, hat jenes Manifest der 14 Fcnanz- und Geschäftsleute der Londoner Eiw mitunter- Aeichnet, das sich für die Zollunion innerhalb des Weltreiches und für Schutzzölle auf jede Einfuhr ausländischer Waren ausgesprochen har. Unzweifelhaft ist die Empirebewegung in stärkstem Vordringen. Aber damit ist sie immer noch weit vom Erfolg. Auch wenn im englischen Volke selbst, d 6 in X-r Bevölkerung der britischen Inseln die Mehrheit dazu genügt sein würde, so ist die Frage noch längst nicht klar, wie die einzelnen großen Reichsteill drau­ßen sich verhalten werden.

Ist denn das britische Weltreich, so lautet Immer wieder die Frage, wirtschaftlich als eine Einheit so zu denken, daß man es in einen Zollverein zusammenfassen könnte? Das kann man ja nicht nur künstlich mit den Zollsätzen machen. Können Indien und Kanada, Australien und Südafrika, Reusceland und die andersn klei­neren Kolonien wirklich in sich fo zu einer wirt­schaftlichen Einheit gemacht werden, daß alle sozusagen natürlich-wirtschaftlichen Gesichtspunkte einfach beiseite geschoben werden könnten? Genug: Auch hier geht die Zeit des Freihandels und der bisherigen Handelspolitik zu Ende. Selbst der ge­schworene Freihändler Snowden ist für solche Reformgedanken in der Richtung gewonnen, daß die landwirtschaftlichen Preis« reguliert und fixiert würden, so etwa, daß man den Schuh der englischen Landwirtschaft mit einer Bevorzugung der Getreide ausführenden Dominions verbände und dgl. in. Auch auf diesem Gebiete hat der Krieg eine Revolution größten Stils für England mit sich gebracht, und daß diese, und wie diese dann auf Kontinentaleuropa wirken würde, das liegt ohne viel Worte auf der Hand.

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Es war schließlich sehr charakteristisch, daß in der Oberhausdebatte über die Anpassung des Völkerbunds st atuts an den Kel­logg p a k t Lord Robert Cecil gegenüber der Opposition zu größter Vorsicht gezwungen war. Immer wieder kommt der Angriff oder die Be­sorgnis, daß durch derartige Veränderungen die Verpflichtungen Englands über das Maß hinaus, das es nicht überschreiten will, ausgedehnt würden. Dieser Gesichtspunkt, seit den Locamoverträgen besonders nachdrücklich ausgesprochen, wird um so zentraler, je stärker das Weltreich sich mit sich selbst beschäftigt und auf der Grund­lage der Verständigung mit Amerika Plänen nachhängt, wie eben einer wirtschaftlichen Zu­sammenfassung, die zugleich ein Abschluß gegen Kontinentaleuropa sein würde Dann kommt Lord Robert Cecil, als der eigentliche Exponent der eng­lischen Völkerbundspolitik, einer darum mit Europa verbundenen englischen Außenpolitik, in das be­dränge. Denn damit verändert sich auch die Stellung Englands im Völkerbund uberha pt. Sn diesem wird es sich nur so weit engagieren, als es dafür von Amerika gedeckt wird.

Angesichts der ganzen Lage, wie sie ist, Inncn- und außenpolitisch, rechnen wir für die nächste Zeit also nicht auf eine aktive Politik Eng­lands im Völkerbunde und in Guropa. Cs ist zu sehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt und es hat durch Macdonalds Verständigung mit Hoover eine Sicherung gewonnen, die es ihm erlaubt, selbst größeren Verwicklungen in Europa gegenüber wenn nicht gleichgültig, so doch zurück­haltend und ohne Initiative dazustehen Das aber vermehrt wieder die eigentümlichen Schwie­

Ser Mann

und die neue Hausfrau.

Von Hans Hajek, Berlin.

Ein Mann, der sich mit hauswirtschaftlichen Dingen befaßt, ohne es durch seinen Berus zu müssen, darf gewiß sein, sich damit lächerlich zu machen, nicht nur bei den Männern, erst recht bei den Frauen. Dennvon der Wirt­schaft und der Küche verstehen die Männer nifcht". Aus Rache für diese Behinderung eines natürlichen Triebes, der Topfguckerei, hater" es fertig gebracht, die Arbeit der Frau an Haus und Herd zur inferioren Angelegenheit hinabzudrücken, um die sich ein ordentlicher Mann nicht kümmert: höchstens reiht er (bei guter Laune) seine Witze darüber oder er schimpft (bei schlechter). Bcidem fehlt das Sach­verständnis, also wird die Frau in ihrem Urteil bestärkt, daß sich der Mann nicht in Sachen mischen solle, die ihn nichts angehen. Daraus wieder vergleiche oben. Und so mit wenig Grazie und viel Standhaftigkeit ins Unendliche weiter.

Gründliche Historiker, besonders unter den Frauen (bei denen der Humor oft leider nur gering ausgebildet ist), werden mir cinwenden, daß die Abtrennung des Mannes von hauswirt­schaftlichen Dingen sich ganz anders vollzogen hab«. Aber mir liegt hier nichts an dem histori­schen. nur an dem psychologischen Sachverhalt: der ist richtig gesehen. Hinzuzufügen ist nur der traurige Hinweis, daß wir Deutschen eine lächer­liche Abneigung haben, anderes als berufliches Interesse an einer Sache ernsthaft anzuerken­nen. Weswegen es zwar Köche, Fensterputzer, Bohner, Wäschereibesitzer und Tellerwäscher oder gar Silberpuher männlichen Geschlechts ebenso gut geben darf wie Damenschneider und Innen­architekten, nicht aber einen Mann, der seiner Mutter oder seiner Frau bei der Arbeit im Hause hilft. Man (d. h. in diesem Fall:weib") hat uns dazu erzogen, mit den Händen in den Hosentaschen dabei zu stehen, wenn Mutter und Frau sich schinden, und ich kann nur sagen, wir haben das sehr gut ge­lernt. Ich mache (Gott sei's geklagt!) noch lange keine rühmliche Ausnahme: die Erziehung sitzt

zu fest und die Hosentaschen sind zu verführerisch. Ich weih wohl, daß der Zustand, den ich hier anleuchte, nicht überall gleich schlimm und trost­los ist: es wird allmählich besser, und zwar proportional der Einsicht, daß die haus- wirtschaftlich« Arbeit der Frau eigentlich auch ein Beruf, will sagen eine ernstzunehmende Lei­stung ist. Aber noch besteht im großen und gan­zen jener Mißstand weiter mit allen seinen bösen Folgen.

Deren sind mehrere. Zunächst lernt auch di« Frau leicht glauben, daß Haushalt und Küche eigentlich minderwertige, wenn schon vielleicht notwendige Beschäftigungen sind, und damit ver­liert sie selber die Lust. Je weiter sie in bis­her männliche Interessen- und Gedankenkreise hineinwächst, desto ärger wird es ihr, sich mit solchemZeug" plagen zu müssen. Ja, sie ist beinahe stolz, wenn sie möglichst wenig vom Haushalt und vom Kochen versteht. Bei der Hausfrau alten Stiles war es anders. Die hatte fich zwar die Ueberzeugung vom Wert ihres Tuns bewahrt, sie sand und findet bis zum heutigen Tage, daßdie Frau ins Haus gehöre". Dafür sperrte sie sich und ifjr Reich aber auch vollkommen gegen jede Neuerung ab, ja selbst gegen den Gedanken, dies und jenes sei anders zu machen. Ihre Verbindung mit der Außen­welt ging über den Mann, der aber verstand weder was von ihren Hausfrauensorgen, noch wollte und sollte er was davon hören. Also lebten in den Zeiten der noch ungestörten Haus­wirtschaft alter Art zwei Lebenskreise neben­einander her, durch eine dicke Mauer ehrwür­diger Vorurteile voneinander getrennt1 drau­ßen entwickelte sich Wirtschaft, Technik. Indu­strie nach immer erneuten Zielen, dachte aber nicht im Schlafe daran, welche Arbeitsfülle und welche Absatzgebiete in einer vernünftigen Er­neuerung der Hauswirtschaft lägen (die führen­den Köpfe der Wirtschaft, der Technik, der In­dustrie sind ja Männer!): ö rinnen verstockt die von jedem frischen Luftzug hermetisch ab­geschlossene Hauswirttchaft und Kochkunst zu einer Art Geheimwissenschaft, deren Rezepte an Kaffeeklatschen und Stopfabenden mit feierlichem Ernste weitergegeben wurden das Symbolum dieses Geheimdienstes war und ist das alte Koch­buch mit dem monotonen Refrain:Man nehme ..." Zugegeben, daß auch die konservative We­

sensart der Frau an diesen Rückständigkeiten ihr vollgemessen Teil hat: aber die eigentlichen Ursachen liegen dort nicht. Vielleicht ist es ganz gut, es auch einmal einen Mann aussprechen zu lassen, daß die Unerschütterlichkeit, mit der die Hausfrau alten Schlages ihre altertümlichen Wirtschaftsmethoden beibehielt und beibehält, keineswegs auf Unbegabtheit der Frau zu eige­nem Schaffen und Erfinden schließen läßt. Die wahre Ursache der allerdings unschöpferischen Haltung der Hausfrau von gestern ist ihre voll­kommene Absperrung, an der der Mann ebenso Schuld hat wie sie selber und vielleicht noch mehr: wozu noch kommt, daß die Frau technische Anregungen von außen auch schon deshalb nicht bekommey konnte, weil (wie ich schon ausgespro­chen habe) niemand ihre hauswirtschaftliche Ar­beit em ft nahm, nicht einmal der eigene Mann. Daß die beiden ersten Generationen der Frauen­bewegung, die kämpfende und die siegende, hier keine Aenderung schaffen konnten, ist selbstver- ständlich: sie stürmten ja in der Fährte des Mannes und waren froh, der Kochtöpfe ledig geworden zu sein. Erst als die brennendste un­ter den ökonomischen Frauenfragen der Gegen­wart, das Problem der Verbindung von Haus­frauen», Mutter- und Erwerbsberuf, vor aller Augen hintrat, als die hausfraulich« Arbeit in ihren persönlichen und volkswirtschaftlichen Ver­knüpfungen gesehen wurde, da entstand mit der Hausfrau neuen Stiles auch der neue Haushalt. Sch brauche nicht erst zu sagen, wie schöpferisch sich di« Frau hier erwiesen hat und wie stark ihre Anregungen waren, die sie der Technik, der Industrie schon in der verflossenen kurzen Zeit geben konnte.

Und der Mann? Ich glaube, daß die Frau jenes brennende Problem leichter und voll­kommener lösen wird, wenn sie den Mann mit­beteiligt Zunächst indem die neue Hausfrau ihn zum Hauskameraden erzieht (Denken Sie an die Hosentaschenil) Es wird gar nicht so furchtbar schwer sein, auch wenn das männliche Tier gerade erst hundsmüde und bär«nbrummig von der Arbeit gekommen ist. Verbünden Sie sich mit dem heut« vielberedetenKind im Wanne"! Dieses hat nämlich nicht nur einen natürlichen Hang zum Topsgucken, zum Hinund- herlausen und zur Verrichtung der unnützesten Handgriffe in Haus und Küche, also zum Spie­

len, es hat noch eine andere, wie Sie sehen wer­den, für den neuen Haushalt geradezu unbezahl­bare Eigenschaft. Der richtige Mann ist, von sei­ner eigenen und beruflichen, sportlichen, basteln­den Tätigkeit natürlich abgesehen, stinkfaul und ohne jeden Ehrgeiz. Das ist es ja gerade! rufen Sie entsetzt und empört. Eben! antworte ich. Ziehen Sie aus seinem Spieltrieb und Dewe- gungsdrang, aus Bastelei und kindischemHel­fenwollen" so viel Ruhen für den neuen Haus­halt, als Ihnen nur möglich ist: noch weit mehr Vorteil werden Sie (wenn er Ihr rechter Haus­kamerad ist, sonst nicht!!) von seiner Bequem­lichkeit haben. Die neue Frau ist heute ihrer Gesinnung nach noch viel zu wenig für Ratio­nalisierung und technische Verbesserung, weit sie findet, daß es ifjre Pflicht ist, sich für Wann und Kinder vollends aufzureiben. Der Mann, länger im Berufsleben erfahren, hat diesen fal­schen Ehrgeiz längst dahingegeben: er will, und wäre er noch so streberisch, mit möglichst wenig Anstrengung möglichst viel erreichen. Wenn er sich gar nicht um den Haushalt kümmert, ge­lingt ihm das großartig: er strapaziert bann höchstens seine Stimme, wenn das Essen chm nicht schmeckt oder toerrn. er beim Heim kommen in die Kehrichtschaufel tritt. Wenn Sie ihn zum Hauskameraden gemacht haben, wird er sein ge­schultesökonomisches Denken" (so nennt er es nämlich) i n I h r e n Dienst stellen. Vielleicht auch sein technisches, fein handwerkliches Können und fein chemisches Wissen! Natürlich werden Sie beide nicht immer gleicher Meinung sein, wie sollte es auch? Sie sind wahrscAinlich praktischer, er ist vielleicht kühner. Er wird aus seinem Schaden, Sie werden aus seinem Erfolg lernen. Und wenn gar nichts anderes dabei beraubtommen sollte (was ich bei beiderseitigem guten Willen und nicht anormaler Ungeschick­lichkeit kaum fürchten muß) eins ist Ihnen auf alle Fälle sicher: die gerechte Wertung Ihrer Hausfrauenarbeit und die Vertiefung der Kameradschaft. Bleibt nur die eine Frage, wie Sie ihn ernst dahin bringen, daß er (Hr Hauskamerad wird? Es gibt ein einziges, aber freilich unfehlbares Wittel: er muß Sie lieb haben und er muß immer ein kleines bißchen (nicht zu Diel! nur ein bißchen!) in Sie Der* liebt sein.