Ausgabe 
9.7.1930
 
Einzelbild herunterladen

lainentarischen Kreisen nimmt man an, daß der Reichsrat über einen Antrag Sr. Moldenhauers ver­handeln wird, ihn nach dem alten Minister- Pensionsgesetz zu pensionieren. Nach diesem Gesetz würde Moldenhauer in den Genuß einer höheren Pension kommen, als nach dem neuen von ihm als Reichsfinanzminister ge- machten Minislerpensionsgesetz. Das neue Gesetz sieht vor, daß die Minister, die zur Zeit seiner Ver­kündung im Amte sind, auf eigenen Wunsch auch nach dem alten Gesetz pensioniert wer­den können. Die Pension Moldenhauers nach dem alten Gesetz würde etwa 29 500 Mark im Jahre betragen.

polensWaffe:derGchulabbau

Deutsche Schnlnot in Posen und

Pommerellen.

Berlin, 8.3uli. (Priv.-Tel.) Obwohl die polnische Verfassung in Artikel 110, der dem Artikel 8 des Minderheitenschuhvertrages ent­spricht, den polnischen Bürgern, die zu natio­nalen, konfessionellen und sprachlichen Min­derheiten gehören, in gleicher Weise wie den anderen Bürgern das Recht zur Grün­dung von Schulen und anderen Erziehungs­anstalten auf ihre eigenen Kosten sowie zum freien Gebrauch ihrer Sprache aus­drücklich zusichert, zeigt die Entwicklung des deut­schen Schulwesens in Posen und Pommerellen, daß diese schönen Satze der Verfassung nur theoretische aber keine praktische Bedeutung haben. Seit 1924 hat sich ständig die Zahl der deutschen Schulen in den beiden Ge­bieten vermindert. Rach einer Aufstellung imPosener Tageblatt" sind zum 1. Dezember 1929 von 35119 deutschen Kindern insgesamt 15 825 gezwungen, in polnische Schulen zu gehen, von denen 11 455 Kinder überhaupt ohne deutschen Llnterricht in den pol­nischen Schulen bleiben. Dor fünf Zähren waren die Verhältnisse noch wesentlich günstiger. 1924 bis 1925 sind in Posen und Pommerellen 70,2 Prozent der deutschen Kinder auch in deutschen Ünterrichtsbetrieben, aber von da an sinkt ihr Anteil beständig, während umgekehrt der Pro­zentsatz der deutschen Kinder in polnischen Schu­len zunimmt, so daß hier nicht etwa ein ein­facher Bevölkerungsrückgang für die Verschlechte­rung in Frage kommt. Diesen Zahlen entspricht ein Rückgang an deutschen Schulen.

Innerhalb von fünf Jahren sind 274 deutsche öffentliche älnterrichtsbetriebe in Posen und Pommerellen eingegangen. Im Jahre 1926/27 hat das Deutschtum hier allein 93 Schu­len verloren uni> 1929/30 werden 37 gebucht. Der Zuwachs ist diesem Schulabbau gegenüber ver­schwindend gering. Besonders ungünstig sind die Verhältnisse in Pommerellen. Dort sind innerhalb dreier Jahre 65 öffentliche deutsch­sprachliche Schulen eingegangen, die normaler Weise durch ebensoviele private Schulen hätten ersetzt werden müssen. Tatsächlich gibt es in Pommerellen aber nur vier private Volksschulen aus dem Jahre 1924. Seit dieser Zeit ist jede Reugründung, um die frischen Lücken auszufüllen, unmöglich, da die Schulbehörden alle nur er­denkbaren Schwierigkeiten machen. Im gesamten ehemaligen preußischen Teilgebiet zählt man gegenwärtig überhaupt nur 84 private Volksschulen, denen ein Verlust von 274 -Schulen seit 1924 gegenübersteht, so daß die .deutschen Kinder zum Besuch der polni­schen Schulen gezwungen werden. Allein im Laufe eines Jahres von 1928/29 auf 1929/30 sind in dem betreffenden Gebiet 41 deutsche Lehrer entlassen oder an polnische Schulen verseht worden. Die Zahlen sind ernst genug, und es scheint an der Zeit zu sein, daß zwischen Polen und Deutschland wo ständig neue pol­nische Schulen entstehen eine gewisse Gegen­seitigkeit hergestellt wird.

Krisenstimmung in England.

Schwierige Lage für das Kabinett Macdonald.

London, 8. Juli. (WTB.) Die Blätter geben in Besprechungen der innerpolitischen Lage der Ansicht Ausdruck, daß die Regierung sich in einer sehr schwierigen Lage befinde. Bei der Fortsetzung der Debatte über die Finanz­vorlage werden die Liberalen eine Ab­änderung einbringen, wonach Handelsgesell­schaften von der Besteuerung chrer Gewinne befreit werden sollen, wenn diese Gewinne zum Ausbau der Betriebsanlagen verwendet werden. Die Konservativen haben ihre ganze Mann­schaft mobil gemacht. Wenn es zur Annahme des Antrages kommen sollte, würde diese nach den Erklärungen des Haupteinpeitschers der Arbeiter­partei -um Sturz des Kabinetts Mac­donald führen. Die zweite Schwierigkeit der Regierung hängt mit der Kohlenvorlage zusammen, die mit einer vom Oberhaus vorge­nommenen Abänderung im Hinterhaus zur Be­ratung kommen soll. Diese Abänderung, die sich auf die Arbeitszeit in den Kohlengruben bezieht, soll für die Bergleute alle zwei Wochen einen Verlust des Lohnes für einen Arbeitstag bedeuten und ist für die Regierung daher un­annehmbar. Infolgedessen wird mit der Zu­rückziehung der ganzen Vorlage gerechnet, Da das Oberhaus entschlossen zu sein schÄnt, auf der Abänderung zu bestehen. Hinzu kämen noch die Schwierigkeiten in Indien und die Angriffe, die aus Kreisen der Arbeiterpartei selbst gegen die Ar b ei t s l o senpo li t i k der Regierung und die von ihr geplanten Kriegs- schcffneubauten gerichtet werden.Daily Mail" meint, Reuwahlen im Rovember seien so gut wie sicher. DieTimes" sagt: Es ist kein Wunder, daß sich gestern abend Mitglieder aller Parteien fragten, wie lange die Regierung an* gesichts dieser Schwierigkeiten noch imstande sein werde, chr Schiff über Wasser zu halten.

Das RentnerversorgurrgSgeseh.

Berlin, 8. Juli. (TU.) Der Deutsche Rentnerverband teilt mit: Tageszeitungen brachten unlängst eine Rotiz darüber, daß der Reichsarbeitsminister im Reichstag die Vorlage eines Rentnerversorgunsgesetzes a 6 g e I ebn t habe. Tatsächlich hat Dr. Stegerwald erklärt, das letzte Wort in dieser Frage sei noch nicht ge­sprochen. Außerdem hat aber der Haushalts- ausschuh einen vom Plenum am 1. Juli 1930 an» .genommenen Beschluß gefaßt, worin die Reichs­regierung aufgefordert wird, den Entwurf eines solchen Gesetzes vorzulegen. Damit wurde der vom Reichstag am 19. Februar 1929 schon einmal

gefaßte Beschluß erneut bestätigt. Weiter­hin ist für die Rentner von Bedeutung, daß gleichzeitig ein Antrag angenommen wurde, welcher fordert, daß die bisher den Fürsorge­verbänden überwiesenen Fürsorgemittel des Reiches (im vorigen Jahre 35 Millionen, im laufenden Jahr 40 Millionen) nunmehrz u unmittelbaren Beihilfen an die Kleinrentner verwendet werden sollen". Verstaatlichung der thüringischen Polizei

Berlin, 9. Juli. (ERB.) Die thüringische Polizeiverstaatlichung ist, nachdem der Landtag am vorigen Samstag den Rachtragsetat für die Polizei bewilligt hat, mit dem 8. Juli in Kraft getreten. Die staatlichen Polizeidirektoren haben die neu errichteten Polizeiämter in sechs Städten bereits übernommen, darunter die beiden Rationalsozialisten das Poli­zeiamt in Weimar. Der bisherige Weimarer Polizeileiter wurde in den Warte st and verseht. Die Entscheidung des Staats- gerichtshofcs in dem Streit zwischen dem Reich und Thüringen wegen der nationalsoziali­stischen Polizeileiter und der damit zusammen­hängenden S perre der Polizeizuschüsse wird für den 11. Juli erwartet.

Ein preußisches Sparprogramm.

Berlin, 8. Juli. (ERB.) Entsprechend den vom preußischen Landtage angenommenen Anträge, der verschärfte Sparmaßnahmen fordert, bereitet die preußische Staatsregierung ein großes Sparpro­gramm vor, das im Herbst dem Parlament als Ge­setzentwurf vorgelegt werden soll. Wie verlautet, sieht das Programm u. a. die Aushebung von rund 10 0 Amtsgerichten und einigen Land­gerichten vor. Außerdem sollen etwa 5 0 Land­kreise und drei Regierungspräsidien a u f g e h o - b e n werden.

Aushebung des Stahlhelmverbotes im Rheinland.

Berlin, 8.Juli. (ERB.) Wie dieDAZ." meldet, besteht Aussicht, daß das Verbot der Landesverbände Rheinland und Westfalen-Indu­striegebiet des Stahlhelms aufgehoben wird. Die Aufhebung des Verbotes soll in den nächsten Tagen, und zwar nochvor demDeginnder amtlichen Rheindlandbefreiungs- feiern erfolgen.

Mlidats-Mwiltschast in den deutschen Kolonien

Mit jener Heberheblichkeit, die sich die Mitglie­der des einstigen Feindbundes nach der Beendi­gung des Krieges glaubten leisten zu können, er­klärte man vor der Welt, Deutschland sei nicht in der Lage, Kolonien zu verwalten. Hnb nahm daraus für sich den erwünschten Anlaß, die deut­schen Kolonien unter dem Vorwand von Man­datserteilungen sich selbst zuzuweisen. So standen eines Tages die bisher von deutschen Verwaltungsmännern betrauten Bewohner der Kolonien unter der Fuchtel der Mächte, die von sich glaubten, sie hätten die Kunst der Verwal­tung von Kolonien in Erbpacht genommen. Aller­dings wurde ihnen die eine Verpflichtung auf­erlegt, wenigstens vor der Mandatskom­mission des Völkerbundes hin und wie­der Bericht über ihre Arbeit zu er­statten. Dort kann also von Zeit zu Zeit darüber etwas vernommen werden, wie sich die Reu­regelung bewährt. Aber und das muß schon eigenartig berühren diese Sitzungen der Man­datskommission gehen fast stets unter dem Ausschluß der interessierten Oef - fentlichkeit vor sich: man liebt keine Zu­hörer. Trotzdem sickert genug durch, um in großen Zügen über das Herrschaftssystem unserer Tage Bescheid zu wissen.

Aus allen unseren ehemaligen Kolonien kom­men Mitteilungen über die Mißwirtschaft, die durch die neuen Herren getrieben wird. Deutsch-Ostafrika ist dank der englischen Derwaltungskünste wieder da angelangt, wo es sich bei dem Erwerb durch Deutschland befand: die von Deutschland bekämpfte Zwangsar­beit und die zwangsweise Rekrutierung wird wieder ganz offiziell betrieben. Daneben gehen

die bekannten englischen Bestrebungen auf Ver­einigung des Mandatslandes mit dem beach- barten britischen ilganba: ein offensichtlich plan­mäßig vorbereiteter Raub, der sogar schon im englischen Parlament als etwas zu Billigendes besprochen wurde. In Reu-Guinea, das jetzt dem Dominion Australien untersteht, geht man darauf aus, den deutschen Ansiedlern Schwie­rigkeiten zu machen, um ihnen langsam den Besitz zu verleiden.

In Kamerun und Deutsch-Südwest- a f r i k a lieh man die Dinge gehen, wie sie waren, so daß allmählich der Verfall aller Werte, wie sie von Deutschland einmal geschaffen wor­den sind, eintritt. Und dazu bringt man die Einwohner in schwere gesundheitliche Gefähr­dung durch die mangelhafte Bekämpfung der Schlafkrankheit. Das trifft übrigens auch für das von Frankreich als Mandat übernommene Togo zu, auch dort grassiert jetzt die Schlaf­krankheit in einem Maße, wie sie während der Zeit der deutschen Verwaltung niemals möglich war. Ja, die tüchtigen Kolonisatoren bekommen es sogar fertig, die Mitarbeit der deutschen Forscher und Wissenschaftler auf dem Gebiete der Bekämpfung der Schlafkrankheiten geflissent­lich auszuschalten, obwohl man weih, daß ihre Arbeit für den dunklen Erdteil von grohem Segen war. Alle Rachlässigkeiten und Böswil­ligkeiten wirken sich in einem schweren wirt­schaftlichen Riedergang aus, der zu denken gibt. Die Mandatsmächte mühten allein dadurch eigentlich zum Rachdenken veranlaßt werden, ob die viel gelästerte deutsche Kolonial­politik nicht doch musterhaft war. Aber das Prestige muh erhalten bleiben!

Aus aller Well.

^Graf Zeppelin"' zur Nordlandfahrt gestartet.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" stieg Dienstag nacht 12.05 Uhr zu seiner Nordlandfahrt auf. An Dord befindet sich u. a. auch Knut Eckener, der seit seiner Amerikareise zum ersten Male wieder mit dem Luftschiff fliegt. Bemerkenswert ist, daß am 8 Juli der Geburtstag des Gras Zeppe- l i n war, und daß am 8. Juli 1910 Graf Zeppelin mit dem DampferMainz" eine Reise nach Spitzbergen unternahm, um dort mit einem Fesselballon die meteorologischen Verhältnisse des Nordkaps zu studieren. Zu der Nordlandfahrt, an der 20 Personen teilnehmen, ist das Luftschiff vorn Schweizerischen Automobilklub ge­chartert worden. Das Luftschiff wird von Fried­richshafen in gerader Linie KursaufdieSüd. we ft spitze Norwegens nehmen und dann die norwegische Küste entlang bis zur Stadt 5) a tu­rn e r f e ft und zum Nordkap fliegen. Ob von dort aus eventuell noch Spitzbergen ein Besuch abgestattet werden wird, hängt von den Wetter- Verhältnissen ab. Eine bestimmte diesbezügliche Zu- sage hat die Fahrtleitung nicht gegeben. Die Dauer der Fahrt wird auf drei Tage berechnet. Die Führung hat Dr. Eckener. Unter den Passagieren befindet sich auch der bekannte Afrikafliegcr M i t telholzer aus Zürich. Das Luftschiff führt Brennstoff für eine ununterbrochene Fahrt von 4Vi bis 5 Tagen mit sich. Aus dem Rückflug wird entweder die ganze Route wie beim Hinflüge, ober über Schweden und Finnland geflogen werden. Die Landung dürfte Freitagabend oder Samstag früh erfolgen. Das Luftschiff hat auf seiner Nordland- reise am Mittwoch kurz nach 5 Uhr Köln und gegen Uhr Düsseldorf passiert.

Protestaktion her Lübecker Elternschaft

Die Erklärungen des Reichsgesundheitsamtes über die Schuld an dem Lübecker Säuglingssterben hat bei den Lübecker Eltern Erregung aus- gelöst. Die Elternschaft vertritt die Meinung, daß gegen die Schuldigen nicht mit der er­forderlichen Objektivität vorgegangen worden fei. Auf Einladung eines Berliner Aus­schusses werden im Laufe der nächsten Woche Vertreter der Lübecker Elternschaft in einer Be­sprechung in Berlin neues Material ge­gen die Lübecker Gesundheitsbehör­den bekanntgeben. Man macht den Gesundheits­behörden den Vorwurf, daß sie über das wirk­liche Befinden der erkrankten Kinder allzu optimistische Berichte herausgegeben ha­ben. Hm die restlose Aufklärung und Verfolgung der Verantwortlichen zu erreichen, soll auch das Innenministerium angerufen werden.

Sturm auf ein Trierer Separatistenlokal.

Trier, 8. Juli. Vor dem im Westen von Trier gelegenen Gasthaus Zepp, einem Hause, das früher ein bekanntes DeickehrSlokal für Besatzungsangehörige und Separatisten war, sammelte sich gestern abend eine größere Men­schenmenge an, die Miene machte, das Gasthaus zu sturmen. Der Polizei gelang es, zunächst die tobende Menge zurückzubalten. Als sie sich aber oem Verlangen nach Auslieferung der Familie Zepp widersetzte, wurde sie von der

rasenden Menge einfach überrannt. Diese stürmte in das Haus, zerschlug Türen und Fenster und warf die Möbel teilweise aus dem Fenster in die am Hause üorbei- fliehende Mosel. Zepp hatte sich mit seiner Familie so verbarrikadiert, daß man nicht an ihn herankommen konnte. Die Menschenmenge war vor allem dadurch aufgepeitscht worden, daß vor dem Eintreffen der Polizei mehrere Schüsse aus dem Hause gefallen waren, die indessen niemand getroffen hatten.

Zuchthaus für ehemalige Separatisten.

Der ehemalige Privatsekretär des Separatisten­führers Dr. Sorten, Kaufmann Georg Holler aus Biebrich, sowie der Ingenieur Pfeifer, ebenfalls aus Biebrich, hatten sich vor dem Zweiten Strafsenat des Oberlandesge­richts Darmstadt in nichtöffentlicher Ver­handlung wegen Verrats militärischer Geheimnisse zu verantworten. Das Urteil lautete gegen Holler auf vier Jahre Zucht­haus, zehn Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht, gegen Pfeifer auf zwei Jahre Gefängnis und Stellung unter Polizeiaufsicht. Die beiden An­geklagten waren geständig.

Rheinhuldigungsfahrt der Deutschen Burschenschaft.

Im Anschluß an die Kampfspiele der Deutschen Burschenschaft im Frankfurter Stadion machten die Teilnehmer sowie eine erhebliche Anzahl Alter Herren eine Huldigungsfahrt an. den Rhein. Der mit etwa 1200 Teilnehmern besetzte Dampfer, von dem die Farben der Burschen­schaften aller deutschen Universitätsstädte wehten, wurde in Mainz bestiegen und setzte die Teil- nehmer in Rüdesheim ab, von wo sie sich zum Riederwalddenkmal begaben. Vom Sockel des Denkmals aus sprach zunächst im Ramen der Burschenschafter der befreiten Rheinlande Dr. Herzog (Teutonia, Karlsruhe), der die Frei­gabe der Rheinlande von fremder Besatzung als den Sieg einer Geistesschlacht feierte, aber auch darauf yinwies, daß es nur ein Zwischen- fieg sei, da das Ziel eines freien Staates im Hinblick auf die Fesselungen, die uns noch auf» erlegt sind, erst erreicht werden müßte. Für das Saargebiet sprach Dr. Z i r f I e r (Rhenania, München) aus Saarbrücken. So sehr das Saar- volk die Befreiung vom fremden Joche herbei­sehne, so wolle _e8 doch nicht, daß über die bis­herigen Zugeständnisse hinaus eine vorzeitige Befreiung durch erneute Opfer erstrebt toerbe. Der Kampf an der Saar muh und wird ge­wonnen werden, da es sich um einen Kampf um Ehre, Freiheit und Vaterland handele. Die 'Feier klang aus mit dem Burschenschafterlied. Dann bestiegen die Festteilnehmer in Aßmannshausen wieder das Schiff, das sie bis nach Braubach und wieder zurück nach Mainz führte.

Aufklärung einer Mordtat.

Der am 19. Februar an dem Bergwerksdirek- tvr Kramer aus Rachterstedt bei Magdeburg verübte Mord scheint vor der Aufklärung zu stehen. Direktor Kramer wurde, wie erinnerlich, nachts vor seinem Haus durch einen Sch uh aus der Dunkelheit getötet, und es gelang nicht, den Täter zu ermitteln. Am Montag erschien nun d i e Frau d es Heil­gehilfen Koch aus Hoym bei der Gruben­

direktion in Rachterstedt und gab an, daß ihr Ehemann den Mord an Direktor Kramer begangen habe. Koch war bis zum Jahre 1929 als Heilgehilfe und Bademeister auf der Zech e beschäftigt gewesen und wegen Llnregelmähigkeiten von Kramer ent­lassen worden. Die Frau, die Wohl ein un­ruhiges Gewissen und Familienstreitigkeiten zu ihrem Schritt veranlaht haben, hat ihre Anga­ben vor dem Richter wiederholt. Otto Koch wurde fest genommen und dem Ge­fängnis in Halberstadt zugeführt. Bisher be­streitet er die Tat. Die Ermittlungen der Kri­minalpolizei haben gegen Koch schwer belasten­des Material zutage gefördert. Die Ehefrau des Derhafteten gab bei ihrem Verhör an, daß ihr Mann die Waffe nach der Tat in einen Müh lengraben geworfen habe. Der Mühlengraben wurde abgelassen und man fand öie Waffe, ein Militärgewehr, Mo­dell 98, an der bezeichneten Stelle Vor7

hohe Zuchthausstrafen im Prozeß Meußdörfer in Bayreuth.

In Bayreuth begann vor dem Schwurgericht der Prozeß gegen die beiden Arbeiter Schu­berth und Popp aus Kulmbach, denen zur Last gelegt wird, in der Rächt zum 4. Rovember 1929 in die Billa Meußdörfer in Kulmbach eingedrungen zu sein mit der Absicht, dort Gegenstände zu entwenden und den Kommerzienrat Meußdörfer zu entführen. Bei diesem Einbruch haben die beiden Angeklagten die Frau Kommerzienrat Meußdörfer bei dem Versuch, sie zu knebeln und zu fesseln, gewürgt. Frau Meußdörfer ist bald darauf an den Folgen der Mißhand­lung g e ft o r b e n. Nach eingebenden Verhandlungen fällt das Gericht folgendes Urteil: Die beiden Arbeiter Friedrich Schuberth und Heinrich Popp sind schuldig je eines in Mittäterschaft aus- geführten Versuchs eines Verbrechensdesbe- sonders schweren Raubes. Schuberth wird zu sechs Jahren Zuchthaus, Popp zu vier Jahren sechs Monaten Zuchthaus ver­urteilt. Beide haben die Kosten zu tragen. Wegen der Niedrigkeit der Gesinnung, der das Verbrechen ent­sprang, wird auf fünf Jahre Ehrverlust er­kannt und wegen der Gemeingefährlichkeit auf Zu­lässigkeit der Polizeiaufsicht. In der Begrün­dung wird u.a. folgendes ausgeführt: Die beiden Angeklagten haben nach Ueberzeugung des Gerichts in bewußtem und gewolltem Zusam­menwirken gehandelt. Es sei sehr wohl möglich, daß die Absicht von Schuberth zunächst auf das Ziel gerichtet war, die Herrschaft über Kommerzienrat Meußdörfer zu erlangen, ihn zu verschleppen und dadurch Lösegeld zu erpressen. Aber ebenso gewiß sei, daß beide Angeklagte vorsorglich sich auch darüber geeinigt hatten, das Haushaltungs­geld der Frau Meußdörfer wegzunehmen, wenn sie ihre sonstigen Pläne nicht verwirklichen könnten. Diese Wegnahme ist nicht gelungen aus dem von den Willen der beiden Angeklagten unabhän­gigen Umständen, daß sie kein Geld vorfan­den. Das ist gemeinschaftlich ausgeführter versuchter Raub. Bei diesem Versuch wurde auch e i n M e n s ch getötet. Die Drohungen haben den Tod nicht nachweisbar verursacht, wohl aber die Gewalt mit ihren Folgen. Ob nach der Mißhandlung der Frau M. sich noch irgend jemand an der Frau vergriffen hat, ist in keiner Weise feststellbar.

Auf einem ungesicherten Bahnübergang überfahren.

Ein mit 16 Personen besetzter Kraftwagen wurde von einem aus Lehnin (Mark) kommenden Zuge der Lehniner Kleinbahn kurz von Grohkreutz auf einem ungesicherten Bahnübergang überfahren. Der Wagen wurde etwa 15 Meter mitgeschleppt. Eine Per­son wurde tödlich verletzt, während drei andere anscheinend schwere, und mehrere In­sassen leichte Verletzungen erlitten.

verhängnisvolle» Spiel mit einer Handgranate.

In Halle nahm ein elfjähriger Schüler eine Handgranate, die er im Bauschutt gefunden hatte, nach Hause und machte sich dort in der Rähe des Ofens damit zu schaffen. Plötzlich explodierte die Granate und riß dem Jungen die Kinnlade und die linke Hand weg. Er war sofort t o t. Die im Nebenzimmer weilende Mutter wurde an der Schulter schwer verletzt, ein jüngeres Kind an den Händen.

Wegen einer Streichholzschachtel zum Mörder geworden.

Zwischen einem 42 Jahre alten Arbeiter und einem bei ihm als Kostgänger wohnenden 65jährt- gen Invaliden kam es in Wanne wegen einer Streichholzschachtel zu einer heftigen Auseinander­setzung. Der Invalide griff im Verlaufe der Streitig- keit z u einem dolchartigen Messer und brachte dem Arbeiter so schwere Verletzun­gen bei, daß er bald darauf ft a r b. Der Täter wurde verhaftet. Der Erstochene hinterläßt 5 un­versorgte Kinder.

Schwerer Linbruch-diebstahl in einem Karlsbader Hotel.

In dem bekannten Karlsbader Hotel3m* perial" wurde ein schwerer Einbruchsdiebstahl verübt, bei dem Schmuckgegenstände im Werte von über 400 000 Mark ge­stohlen wurden. Der Dieb war in die Hotel­zimmer der in Karlsbad zur Kur weilenden Ame­rikanerin Frau Hyman aus Chikago eingestiegen und hat eine Perlenh alske t te mit 96 echten Perlen, einen Platinring mit großen Diamanten und einen Ring mit kleineren Brillanten gestohlen. Die Polizei hat bereits die Behörden der Rachbarländer verständigt, da man annimmt, daß der Täter, der ebenfalls im Hotel gewohnt hat, über die Grenze flüchten wird.

Ein germanisches Reitergrab entdeckt.

Bei der Erforschung von Grabstätten aus der Völkerwanderungszeit wurde in Celakowitz bei Drandeis in Böhmen ein germanisches Reiter­grab entdeckt, ein Fund, der, wie Fachleute er­klären, für Mitteleuropa eine Seltenheit darstellt. Es handelt sich um das Grab eines germanischen Kriegers zu Pferde. Das in 31/, Meter Tiefe bloßgelegte Skelett des Germanen und das seines Schlachtrosses sind vorzüg­lich erhalten. Ferner wurden aus den bis­her aufgedeckten 17 Gräbern außerordentlich wert­volle Dronce- und Goldarbeiten, Schnallen und Spangen mit typisch germanischer Gravierung geborgen.

Der Vesuv in Tätigkeit.

Der Vesuv ist seit Montag morgen in eruptiver Tätigkeit. Der Ausbruch erinnert in seiner Art an den vorn Jahre 1927. Da die Lavaströme nur ge­ringen Umfang annehmen, glaubt man, daß feine Gefahr für die zunächst liegenden Ortschaften besteht.