Aus der Provinzialhauptstadt.
Dietzen, den 9 Juli 1930.
(Line Motte am Zensier.
QIn der großen Spiegelscheibe eines Restau- rants flatterte eine Motte. Ich sah ihr eine ganze Weile zu. Sie flatterte empor bis zum Rahmen, mühsam, sich an die glatte Fläche krampfhaft anklammernd und doch immer wieder abgleitend, so dah sie sich durch Flügelschlag helfen mutzte. Jedesmal, wenn sie abgeglitten war, stieß sie kräftig gegen die Scheibe, datz es einen vernehmbaren Laut gab. Das war gart) gewih keine Annehmlichkeit und noch weniger ein Vergnügen. Gesucht hat sie diese Kletterei auf keinen Fall. Da das Fenster etwas geöffnet war, wäre eS nur nötig gewesen, datz sie sich, am Rahmen angekommen, dort festklammerte, über ihn kletterte, und so wäre sie inS Freie gekommen, wohin sie wollte. Aber so oft sie am Rahmen angekommen war, flatterte sie um so kräftiger, ergriff nicht das Holz, das festen Halt geboten hätte, sondern lieh los, fiel ein Stück herab und begann ihre vergeblichen Bemühungen von neuem Sie Arbeitete sich müde, sie sank ganz nieder auf da- Fensterbrett, rastete ein Weilchen, begann dann wieder, bis sie müde war und kam nicht dahin, dah sie den schmalen Rahmen überkletterte. Mehr als einen Meter mühsamen Wegs legte sie immer und immer wieder zurück; diese zwei Zentimeter bewältigte sie nicht. Auf dieser gro- tzen Fläche der Glasscheibe suchte sie, vom Schein getäuscht, die Freiheits dort, wo di« Freiheit wirklich winkte, suchte sie sie nicht. Das täuschende Glas führte sie in die Irre; dem echten Holz, daS nichts vortäuschte, vertraute sie nicht. Oder täuschte auch der schmale Rahmen? Ia, er täuschte einen unübersteigbaren Abschluß vor und war doch nur eine Schranke, die es zu überwinden galt, um die Freiheit zu erlangen.
Ein unvernünftiges Tier! sagte ich mir. Cs ist doch wahrhaftig eine einfache Sache, die Freiheit zu erlangen. Dann aber überlegte ich, Ratürlich — mir, der ich weih, was Glas ist, der daS ganze Fenster überblickt, der weih, wo die Scheidewand des Glases endet, mir erscheint es als sehr leicht, an Stelle der Motte die Freiheit zu erlangen. Aber das Bemühen der Motte auf mich und meine Lebensformen angewandt, wie steht es da? Ist es so sicher, dah ich nicht genau so meinen Kopf an einer Glaswand Wundstoße, dah ich unsägliche Mühe anwende, um zu einer gewissen Freiheit zu gelangen, und di« kleine Schranke eines Rahmens als großes Hindernis ansehe, während es das einfachste und Ratürlichste meines Handelns wäre? Cs ist nicht unmöglich, daß einer, der einen größeren Umblick hat, mein Denken und Handeln als genau so töricht ansieht, wie ich das der Motte.
Und nicht nur das. Trifft es nicht im Grunde auch auf die ganze Menschheit zu? Wissen wir so genau, daß wir nicht genau so wie die Motte handeln? Daß wir uns an einer spiegelnden, täuschenden Scheibe den Kopf einrennen und den nahen, den offenen Weg zur Freiheit nicht finden? S.
Daten für Donnerstag, 10. Aul».
Sonnenaufgang 3.54 Uhr, Sonnenuntergang 20.15 Uhr. — Mondaufgang 20.49 Uhr, Monduntergang 2.46 Uhr
1509: der schweizerische Reformator Johannes Calvin in Novon geboren; — 1919: der Musikgelehrte Hugo Riemann in Leipzig gestorben.
Hornottzcn.
— Tageskalender sür Mittwoch. Romanisches Seminar der Universität: Französischer Theater- und Deklamationsabend, 20.15 Uhr, im Musiksaal des Realgymnasiums. — Rational- sozialistischer Deutscher Studentenbund: Oeffent- liche Versammlung, 20.30 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten. — DHD.: Monatsversammlung, 20.30 Uhr, Hotel Kohler. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Zigeunerrache" und „Tempi".
" Das Landeskartell Hessen des Deutschen Beamtenbundes, in dem mehr als 32 000 Reichs-, Staats- und Gemeindebeamte organisiert sind, hält seine zweite Hauptausschuhsitzung (8. Dertretertag) am Samstag, 1 2. 3 u I i, im „Dankettsaal" der Liedertafel zu Mainz ab. — Am Sonntag, 13. Iuli, nehmen dann sämtliche Vertreter an der großen Befreiungskundgebung der deutschen Beamtenschaft in der großen Stadthalle teil.
** Aenderung im Kraftpostfahrplan. In den Fahrplänen der Kraftposten im Oberpost- direktionsbezirk Darmstadt ist u. a folgende Aenderung eingetreten. Auf der Strecke Gießen—Wißmar ist im Fahrplanbild 4 im Aushangfahrplan (Bild 7 im Kraftpostführer) die Fahrt 6a zu streichen.
* Deutsches Turn- und Sportabzeichen. Am Sonntag, 13. Iuli, vormittags 10 Uhr, findet, wie man uns mitteilt, eine 2Tb- nahm« im Schwimmen für das Deutsche Tum- uno Sportabzeichen in der Müllerschen Badeanstalt statt. Di« Teilnahme ohne vorschriftsmäßiges Urkundenheft ist ausgeschlossen.
** Aerztlicher Fortbildungslehr. gang in Bad-Nauheim. Der siebte Fortbildungslehrgang der Bereinigung der Bad-Nauheimer Aerzte findet vom 2. bis 4. Oktober 1930 über Pathologie und Therapie der Zirkulationsstörungen statt. Es sind für jeden Tag eine Reihe interessanter Dorträge von namhaften deutschen und auswärtigen Medizinern vorgesehen. Die wissenschaftliche Arbeit des Lehrganges wird von Veranstaltungen der Bad- unb Kurverwaltung umrahmt.
” Tierschutz im Sommer. Um während der Sommermonate den Tieren das Dasein zu erleichtern, gibt es mancherlei zu beachten. Zum Beispiel sehe man Kanarien- und andere Käfig- vogel nicht der grellen Mittagssonne aus. Pferde und andere Zugtiere, die warten müssen, stelle man an einen schattigen Ort und gebe ihnen reichlich zu trinken. Zum Schuh vor quälenden Insekten, wie Bremsen, hilft dem Pferde eine Einreibung mit Bremsenöl. Man verwehre den gieren niemals, den Durst zu stillen und sorge dafür, daß alle Tiere, auch Geflügel und Kanin- chen,^ bet großer Hitze reines Trinkwasser zur Verfügung haben. Man läßt den Hund bei Radausflugen zu Hause. Den Kettenhund lasse Pian’ cr.£ großer Hitze, einige Stunden frei. Die ständig eingesperrten oder an die Kette gelegten Tiere sind für Krankheiten viel empfänglicher. Man sorge auch dafür, daß die Trinkgeschirre der Hunde am Tage mit frischem Wasser gefüllt und sauber gehalten werden. Man schütze die nützlichen Vogel, sie sind die besten Freunde des Landmanns, des Obstzüchters und des Forstwirts; wenn die jungen Vogel ausfliegen, dann
Oie Arbeitsmarktlage in Oberheffen.
Aus dem Zunt'Belicht des Arbeitsamtes Gießen.
Die Lag« des oberhefsischen Arbeitsmarktes hat im Monat Iuni d. 2. keine wesentliche Besserung erfahren, vielmehr ist eine gewisse Stagnation eingetreten. Die Fluktuation war überaus groß. An Zugängen kommen in der Berichtszeit 3033 Arbeitsuchende gegenüber 2741 des Vormonats in Betracht, somit liegt ein weiteres Anwachsen der Arbeitsuchenden vor. Die sich bauend) verschlechternden Beschäftigungsmöglichkeiten lassen den Schluß zu, daß die Zahl der Arbeitsuchenden vielleicht den Tiefstand erreicht haben. Die Absatzschwierigkeiten, die hauptsächlich in der Metallindustrie zu verzeichnen sind, lassen mit einem weiteren Zugang von Arbeitsuchenden rechnen. Mit einer Zunahme der Bautätigkeit ist nicht zu rechnen. Die Zahl der Arbeitsuchenden am Ende der Derichtszeit betrug 6446 gegenüber 7119 des Vormonats und 1614 des Vorjahres. Arbeitslosenunter- st ü tz u n g erhielten 4364 und Krisenunterst ü h u n g 646. Von den im Monat Iuni zugegangenen Unterstützungsempfängern wiesen 51,6 Prozent bis 39 Wochen, 12,2 Prozent bis 52 Wochen und 36,2 Prozent über 52 Wochen Anwartschaf tsxeiten nach. Der Prozentsatz von 36,2 beweist, daß im letzten Monat eine große Anzahl von Arbeitskräften zur Entlassung gebracht worden ist, di« in Dauerbeschäftigung stand Trotz der schlechten Marktlage konnten 1137 Arbeitsuchende vermittelt werden. 227 Unterstützungsempfänger wurden von ihrem früheren Arbeitgeber zurückgerufen. Aus den einzelnen Derufsgruppen ist wie folgt zu berichten.
In der Landwirtschaft sind durch die günstige Witterung die Auhenarbeiten erheblich fortgeschritten. Die Lage in der Forstwirtschaft ist unverändert geblieben. In der Derichtszeit konnten 409 Arbeitsuchende in der Landwirtschaft untergebracht werden. Die Arbeitsuchendenzahl betrug 194 gegenüber 209 des Vormonats.
Der Arbeitsmarkt im Bergbau neigt zu einer weiteren Verschlechterung. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 197 gegenüber 199 des Vormonats.
Die Arbeitslosenkurve hat in der Industrie der Steine und Erden kaum eine Senkung erfahren. Am Ende der Derichtszeit waren 821 Arbeitsuchende gegen 902 des Vormonates zu zählen.
Die Lage im Holzgewerbe ist sehr gedrückt. Die Sägewerke, die bislang gut beschäftigt waren, klagen über Absahmangel. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug am Ende der Derichtszeit 399 gegen 363 im Vormonat.
In der Metallindustrie hat sich die Marktlage ebenfalls verschlechtert. Am Ende der Derichtszeit wurden 1033 Arbeitsuchende gegen 1036 des Vormonats gezählt.
Die Marktlage im Rahrungs- und Ge - n u ß m i 11 e l g e w e r b e zeigte am Anfang der Derichtszeit eine gewisse Besserung, schlug ledoch am Ende der Berichtszeit in eine Verschlechterung um. Cs standen am Ende der Derichtszeit dem Arbeitsmarkt 161 Arbeitsuchend« gegen 168 des Vormonats zur Verfügung.
3m Bekleidungsgewerbe flauten die Deschästigungsmöglichkeiten ab. In der Schuhindustrie ist die Lage nach wie vor als schlecht zu bezeichnen. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 167 gegen 179 im Vormonat.
Im Baugewerbe hat sich die ungünstige Lage bis jetzt kaum geändert. Am Ende der Berichtszeit wurden 1080 Arbeitsuchende gegen 1285 des Vormonats gezählt.
Die Marktlage im G a st - und Schank- wirtschastsgewerbe kann als gut be- bezeichnet werden. Zur Zeit sind tüchtige männlich« und weibliche Fachkräfte gesucht. Die Arbeitsuchendenzahl betrug 33 gegen 33 im Vormonat.
Die Arbeitsmarktlage im Verkehrsgewerbe hat keine nennenswerte Veränderung erfahren. Am Ende der Berichtszeit waren 200 Arbeitsuchende gegenüber 194 des Vormonats verfügbar.
Auf dem Arbeitsmarkt der Lohnarbeit wechselnder Art boten sich nur geringe Unterbringungsmöglichkeiten. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 1378 gegenüber 1784 im Vormonat.
Oie Abteilung Berufsberatung weist im Monat Iuni 1930 125 Deratungsfälle (65 für männliche und 60 für weibliche Ratsuchende) auf, davon waren 93 Ratsuchende (43 männlich« und 50 weibliche) zu wiederholter Beratung erschienen. Unter den 32 Besuchern (22 männlichen und 10 weiblichen), die die Berufsberatung zum erstenmal in Anspruch nahmen, waren 18 Volksschüler und 7 Volksschülerinnen, 3 männliche und 3 weibliche Besucher hatten mittlere oder höhere Schulbildung.
Im Monat Iuni kamen 15 Lehrstellen (12 für Knaben und 3 für Mädchen) zur Anmeldung. 8 Knaben und 4 Mädchen konnten in Lehrstellen vermittelt werden. — Die Wirtschaftskrise macht sich auch auf dem Lehrstellenmarkt bemerkbar. Viele Arbeitgeber haben in diesem Iahre von der Einstellung eines Lehrlings abgesehen.
halte die Katzen im Haufe. Auch die Raubvögel, besonders Eulen, Turmfalken und Bussarde, sind als Mäusejäger sehr nützlich. Alle Raubvögel (mit Ausnahme von Habicht und Sperber) sind jetzt das ganze Iahr streng geschützt und dürfen nicht geschossen werden.
Große Strafkammer Gießen.
'Gießen, 4. Iuli.
Anfang Februar dieses Iahres wurde in Lollar ein von hier stammender Familienvater, der nach einer Deschäftstour sich auf dem Heimweg befand, von einem hinter ihm herkommenden Kraftwagen derart angefahren, dah er infolge der erlittenen schweren Verletzungen am nächsten Tage in der Klinik verstarb. Der Führer des Kraftwagens muhte sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Zunächst gab er an, von einem ihm entgegenkommenden Kraftwagen so stark geblendet worden zu fein, daß er die Fahrbahn nicht mehr habe überblicken können. Ein andermal behauptete er, der Verstorbene sei vorher gestolpert und zu Boden gefallen. Durch die erhobenen Beweise erwiesen sich aber die verschiedenen Darstellungen des Angeklagten als nicht den Tatsachen entsprechend, vielmehr ergab sich einwandfrei,' dah der Angeklagte sein Augenmerk gar nicht auf die vor ihm liegende Fahrbahn gerichtet und aus diesem Grund den Fußgänger vor sich nicht bemerkt hatte. Er hat daher in ganz grobfahrlässiger Weise den Zu- sammenstoh und den Tod eines Mitmenschen verschuldet. Das hiesige Schöffengericht hatte ihn wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Die von ihm zwecks Milderung des Urteils verfolgte Berufung hatte keinen Erfolg. Auch das Berufungsgericht kam zu dem gleichen Ergebnis und verwarf kosten- fällig die Berufung, da in solchen Fallen der Strafzweck durch Geldstrafen nicht zu erreichen sei, und durch Verhängung empfindlicher Strafen gegen derartige pflichtvergessene Kraftwagen- führer vorgegangen werden müsse
Strafkammer Gießen.
'Gießen, 4. Iuli.
Ein schon wiederholt vorbestrafter Betrüger, der sich als Direktor einer Reklamegesellschaft ausgab, suchte im vergangenen Iahre in größeren Badeorten, wie Bad-Rauheim, Bad Mergentheim, Baden-Baden und Kissingen alleinstehende, gewerbetreibende Frauen auf, die er in den meisten Fällen zur Erteilung von Reklameaufträgen zu überreden verstand. In der Regel gab er an, daß sein Unternehmen in neuzeitlicher Form Reklamen auf Seidenstoffblättern zusammenstelle, auf denen die betreffenden Firmen in Goldschrift aufgedruckt würden. Er verpflichtete sich dabei, die so in Form von Zeitungen zusammengestellten Mappen gegen einen Abonnementspreis von 30 Mk, in allen größeren Hotels und Kaffeehäusern aufzuhängen. Meist gelang es ihm auch, größere Teilbeträge sofort einzukassieren. Hierauf kam es ihm auch allein an. Seine Versprechungen loste er niemals ein. Das ganze Unternehmen bestand nur aus seiner Person. Das Amtsgericht Bad-Rauheim verurteilte ihn wegen fortgesetzten Betrugs zu vier Monaten Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft verfolgte gegen dieses Urteil Berufung, da die Strafe zu gering erschien. Die Berufung hatte Erfolg. Unter Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils wurde die Strafe auf a ch t Monate Gefängnis erhöht.
Gelegenllich des Friedberger Pferdemarktes nahm ein Landwirt eine neben einem Pferde liegende Pferdedecke an sich und verbarg sie in einem Sack mit Heu. Rachdem es der Polizei noch am gleichen Tage gelungen war, den Land
wirt ausfindig zu machen, behauptete er, die Decke sei versehentlich mit Heu in den Sack gesteckt worden, die Decke habe er gefunden, er habe sie nur aufheben wollen, bis der Verlierer ermittelt sei. Diesen Angaben schenkte das Amtsgericht Friedberg keinen Glauben. Wegen Rück- salldiebstahls wurde der Landwirt zu d r e i M o - n a t e n Gefängnis verurteilt. Seine Berufung hatte keinen Erfolg. Das Derufungs- ?ericht war der gleichen Meinung und verwarf ostenfällig die von dem Angeklagten eingelegte Berufung.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
-z- Lützellinden, 8. Iuli. Wie schon kürzlich an dieser Stell« kurz berichtet, beabsichtigt bie hiesige Gemeinde, ihr an der „Zechweide" gelegenes Wiesengelände, ferner die Gemeindewiesen an der „Suhrbach" durch eine systematische Kultivierung ertragsfähiger zu gestalten. Beide Geländeflächen leiden in erheblichem Umfang« an stauender Rässe, liefern saures Futter, und sind daher von sehr geringem Ruhwert, der im Verhältnis zu ihrer Gröhe kaum noch als solcher zu bezeichnen ist. Rach wiederholten Besichtigungen ourch Fachkommissionen und behördlich« Vertreter will die Gemeinde nun endlich eine Aenderung dieses wenig erfreulichen Zustandes herbeiführen. In der jüngsten Gemeinde- ratssihung wurde beschlossen, den Dorschlä gen des Leiters der Grünlandabteilung des landw. Vereins für Rheinpreuhen, Administrator Siebold aus Bonn, nachzukommen und die Ländereien trockenzulegen und für die Edelgrassaat vorzubereiten. Die Trockenlegung soll durch eine hier noch neue, in England gebräuchliche Methode, die sog. Maulwurfsdrainage erfolgen, die yinsichtlich der Anwendungsmöglichkeiten und Kostenersparnis wesentliche Vorteile bietet. Rach der Entwässerung wird das Land tief umgepflügt und einige Iahre landwirtschaftlich bebaut, woraus es dann erstklassiges Grünland abgeben soll. Don fachmännischer Seite wird die beste Ausnützung der kultivierten Ländereien in der Einrichtung von Iungviehweiden gesehen, welche, von einer noch zu bildenden Interessengemeinschaft hiesiger Landwirte verwaltet, der heimischen Viehzucht zu einem bemerkenswerten Aufschwung verhelfen dürften. Sämtlich« Drainie- rungsarbeiten werden unter der Aufsicht des Kreistiefbauamtes zu Wetzlar und des Land» mafchineninstitutes der landwirtschaftlichen Hochschule zu Bonn durch einen Unternehmer mittels motorischer Kraft ausgefübrt. Reben angemessenen Beihilfen werden der hiesigen Gemeinde auch Kapitalien zu verbilligtem Zinsfuß von der preußischen Regierung zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt. Durch den begrüßenswerten Beschluß der Gemeindevertretung werden insgesamt 80 Morgen Gemeindegelände in ertragreiche Wiesen um gewandelt.
A'rcie Marburg.
j l Marburg, 6. Iuli. Wie mitgeteilt wird, hat der Magistrat beschlossen, die Ueberschreitung der Kosten des Hallenschwimmbades in Hohe von 185 000 Mk. so zu regeln, dah 13 000 Mark aus weiteren Schenkungen, 113 000 Ult. aus vorhandenen Anleihemitteln und die restlichen 59 000 Wk. aus einet weiteren Anleihe bei der städtischen Sparkasse bestritten werden.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
' Das A m t s ve r k ü n d i g u n g s b l a t t Rr. 51 vorn 8. Iuli enthält: Die Einfuhr von Kirschensendungen nach Schottland. — Die Einrichtung und den Betrieb von Aufzügen. — Verzeichnis über Personen, die durch Einbürgerung im Auslande ihre deutsche Staatsangehö
rigkeit verloren Haven Tagung für gcschicht» liche Städtekunde. — Feldbereinigung in der Gemarkung Lauter. — Dienstnachrichten.
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(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem
Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Bewegliche Klage aus Dießen.
Wonach riecht es jetzt, wenn man die größte Lindenallee Gießens entlang promeniert? — (Rach Benzin, Benzol und Staub!)
Wie sehen die Grünflächen der Sudanlage aus? — (Gelb, denn sie werden nicht gesprengt!)
Was wird noch mehr nicht gesprengt? — (Die Straßen, weil man zwischen Wasserentnahme aus der Lahn und der Leitung die Wahl — nach Buridan — hat.)
Worauf wartet man, bis die abgestorbenen Bäume in der Plockstraße erseht werden? — (DiS die noch übrigen auch vertrocknet sind.)
Wann und wo ist in Gießen etwas los? — (In jeder Rächt von Samstag auf Sonntag von 3 Uhr ab Plockstraße Südanlage: Motorenwettgeknatter, gesangartiges Geschrei und ge- schreiartiger Gesang, Baumeln und Taumeln; Zutritt frei, ohne Polizei.)
(Sin Gießener Bürger.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Die Luftdruckoerteilung zeigt seit gestern wenig Aenderung. Das finnische Tief ist hartnäckig geblieben und hat uns an seiner Rückseite noch immer mit kühler Ozeanluft versorgt, so daß die Temperaturen noch in mäßigen Grenzen blieben und die Bewölkung heute morgen wieder ziemlich stark war. Die Störung scheint sich jedoch jetzt abzuflachen, so dah wir mehr in den Bereich hohen Druckes gelangen. Wenn sich auch bei der noch herrschenden Westluft vorübergehend noch Bewölkung zeigt, so wird doch späterhin der Himmel mehr ausheitern und die Temperaturen werden dann etwas ansteigen.
Wettervoraussage für Donnerstag: Bewölkung mit Aufheiterung abwechselnd, noch mäßig warm, meist trocken.
Luf ttemperatueren am 8. Iuli: mittags 19,4 Grad Celsius, abends 14 Grad: am 9. Iuli: morgen« 15 Grad. Maximum 20,5 Grad, Minimum 8,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 8. Iuli: abends 22,8 Grad: am 9. Iuli: morgens 18,4 Gr. Sonnenscheindauer: 7 Stunden.
Reisewetterdienst.
Garmisch-Partenkirchen. 12 Grad, gestern: vorherrschend kühl, Windstille: heute morgen: halb bis ganz bedeckt: gestern: meist trübe.
Baden-Baden. 18 Grad, gestern: der Iahreszeit angemessene Temperatur, Südwest- toinb; heute morgen: halb bis ganz bedeckt: gestern: meist trübe.
Westerland aus Sylt. 23 Grad, gestern warmer Tag, gestern meist trübe, heute morgen halb bis ganz bedeckt, gestern teils heiter, teilwolkig.
Verantwortlich für Lokales: 3- 23.: Or. Thyriot.
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3a,aber auf die neue bekömmliche Art-mit Kathreiner gemischt, ab JtiZtikathr einer /
- öer tt)ir6 dreimal so leicht veröaut'wie Milch, unö-----öer schmeckt
hunöerkmal besser/
Unsere ätilidienZeitsdiriften berichte! jetzt gerade über dieses aufsehenerregende Ergebnis der neuesten Ernährunasforsthuna.


