Ausgabe 
9.1.1930
 
Einzelbild herunterladen

Verständnis fstr folgendes: Die hesstscheRe- g i e r u n g hat schwere Monate vor sich infolge unumgänglicher Sparmaßnahmen. Durch die Rede von Präsident Hensel ist be­reits einmal durchgeklungen die

Herabsetzung der öffentlichen Verwaltungsaus­gaben.

Diese Aufgabe wird die hessische Regierung in einem sehr scharfen Kampf in den nächsten Mo­naten zu leisten haben. Wir tun es nicht aus Wollust, sondern notgedrungen. Aber die Be­fürchtung braucht bei Ihnen nicht zu bestehen, wie sie kürzlich einer Ihrer Führer mir gegen­über ausdrückte, die ganze Sparaktion werde doch wohl nur auf dem Rücken des Dorfes und des flachen Landes ausgetragen werden. Wenn Sie in zwei bis drei Wochen die von uns ins Auge gefaßten Sparmaßnahmen lesen, wer­den Sie merken, daß wir an sehr wichtige und bedeutende städtische Einrich­tungen ebenfalls die Sparhand ge­legt haben. Es braucht nicht jedem alles zu gefallen, was wir sparen wollen, ober es braucht auch nicht jedem alles zu mißfallen. Wo wir an­fangen, heißt es: Spart doch da oder dort, aber geht bei uns vorüber. Meine Herren, so geht das nicht. Wir haben alles gründlich überdacht, wir haben es gewissermaßen

kontingentiert tyif Stadt und Land, für die ctiijclnen Stände.

Aber wir müssen auch vom Lande Sparopser verlangen. Die Landwirtschaft hat seit langem schon sehr stark den Ruf nach Sparmaßnahmen erhoben. In diesein Kampfe um die Einsparungen in den öffentlichen Ausgaben erbittet jetzt die hessische Regierung Ihre Hilfe und Ihr Ver­ständnis. Der Minister schloß mit der Hoff­nung auf eine Besserung der allgemeinen volks­wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse im deutschen Vaterland und fand lebhaften Beifall der Anwesenden.

Prof. Dr. Sessous-Gietzen,

Direktor des Landwirtschaftlichen Instituts der Landesuniversität Gießen, hielt nunmehr den ersten Vortrag über das Thema:Neuere Fragen im Pflanzenbau". Der Vortra­gende berichtete über die von seinem Institut ausgeführten Versuche. Sie erstrecken sich auf Bodenbearbeitung und ihren Einfluß aus die physikalischen, chemischen und biologischen Ver­hältnisse des Bodens. den Einfluß des Klimas, auf Ausbildung der Kulturpflanzen. die Er­mittelung zweckmäßigster Saatweiten, bzw. -men­gen je nach Saatzeit, auf Grünlandsfragen und Sortenprüfungen u. a. Prof. Sessous wies aus

den engen Zusammenhang hin zwischen Witte­rung und Pflanzenwachstum. dessen ^Inkenntnis oft erhebliche Fehler in der Auswahl der Kulturart, der Pflanzenart und -forte, ja der Düngung bedingten. Sehr beachtlich waren seine Hinweise auf den Rachteil, den die Unsitte des Schneidens der Saatkartoffeln zur Folge hat, insbesondere hinsichtlich der Möglichkeit, mit dem Messer Krankheiten zu übertragen. Auch der bis zum 8. Jahre durchgeführte Abbauversuch zeigte mehr als viel Worte es vermögen, die Rot­wendigkeit, häufig mit dem Saatgut zu wechseln Es läßt sich nicht bezweifeln, daß die Qualität der Arbeit seit dem Kriege schlechter geworden ist. Selbstverständlich ist, daß man den Arbeit­nehmer an der Mehrernte interessieren muß, und zwar am zweckmäßigsten durch Prämienlohn. Mit der Beschreibung der umfangreichen Grün­landversuch« und der Ergebnisse der Luzerne- und Maissortenprüfungen, bei denen sich die deutschen Sorten als hervorragend überlegen gegenüber den ausländischen erwiesen haben, schloß der Vor­tragende seine sehr interessanten Ausführungen.

Oberlandwirtschasisrat Tekonomierat

Keifer

von der Preußischen Hauvtlandwirtschaftskam- mer-Berlin sprach bann überble Möglich­keiten zur Gesundung der gesamten Milchwirtschaft", die eines der schwierig­sten Probleme der landwirtschast'ichen Betriebs­und Absatzorganisation sei. Der Wert der Milch­erzeugung als laufende Einnahme für den Land­wirt fei außerordentlich beträchtlich, und um die Milch kümmerten sich neben Polizei, Wissenschaft, Regierung und Parteien natürlich besonders die Verbraucher. Ein Pfennig Preiserhöhung be­deute eine Mehrbelastung von einer viertel Milliarde Mark. Richt außer acht lassen dürfe man bei der Preisgestaltung für die Milch und ihre Rcbenprodukte die Gestaltung im Ausland. Die Preisspanne von 14 Pfennig zwischen Erzeuger- und Verbrau­cherpreis. wie in Hessen, sei allerdings un­geheuerlich. Der Redner betonte die Wich­tigkeit von geeigneter Zuchtwahl der Milchtiere, ihre Haltung und Fütterung. Rotwendig sei da­neben die Stabilität in der Milchlieferung an den Handel und die Molkereien, die Kontingen­tierung in Frisch-- und Werksmilch, den Eigen­schaften der Milch angepaßte Behandlung vom Melken bis zur Ablieferung. Anpassung an die Wünsche des Publikums und Durchorganisation eines intensiveren Verbrauches in den Städten.

An die Vorträge schloss sich eine sehr angeregte Aussprache an.

Tagung der Hess. Landwirtschaftlichen . x Genossenschaften.

WSN. Darmstadt, 8. Jan. Im Rahmen der Hessischen Landwirtschaftlichen Woche tagten am Mittwochnachmittag im überfüllten Gartensaal des Städtischen Saalbaues die Delegierten des Ber- bandes der Hessischen Landwirtschaft­lichen Genossenschaften und seiner Zen­tralstellen.

Verbandsdirektor Berg

ging nach der Begrüßung der Ehrengäste in seinem Aer bandsbericht insbesondere auf die Vor­gänge bei der Zusammenlegung der Ge­nossenschaften im Rhe'in-Main-Ge- biet und Nassau-Wetzlar ein. Durch die per­sönliche Verbindung in den leitenden Stellen sei jede Konkurrenz unter den beiden großen Genossen­schaftsverbänden nunmehr ausgeschaltet, und eine Arbeit von Jahren werde ob 1. Februar d. I. wohl beträchtliche Vorteile für die Landwirtschaft bringen. Das Zusammengehen habe gewiß auch Verzichte auf

manches Liebgewordene gebracht, aber im Inter­esse der großen Idee mußte das geopfert werden. Nach der Einigung in den Spitzen müßte nun auch in der einzelnen Gemeinde, wo zwei Genossenschasts- richtungen bestanden, die Zusammenlegung erfolgen, Schritt für Schritt, damit endlich durch das ganze Land über alle Parteien und Konfessionen hinaus die

Einheilsgenossenschaft aller Bauern

erstehe. Mit der völligen Verschmelzung gewisser Teile von Starkenburg und Rheinhessen werde noch eine Frist von ein bis zwei Jahren notwendig fein.

Oie Berichte und Vorträge.

Anschließend behandelte der Generalsekretär Dr. Strub grundsätzliche genossenschaftliche Fragen, während Direktor Straßburger die Waren­bewegung der Zentrale in Bezug auf Ab­satz der einzelnen landwirtschaftlichen Erzeugnisse darlegte. Der Gesamtumsatz der Zentrale betrug im

Der Traum vom Slitt.

Vornan von E Lovett und M. v. Weißenthurn.

Copyright by Marie Brügmann, München.

E Fortsetzung. Na..)druck verboten.

Als Doris jetzt den Rand des zugefrorenen Sees erreichte, fand sie die glänzende Spiegel­fläche leer. Das Ganze war eine künstliche Än- lage, die sich halbmondförmig m das Gehölz hin­ein fortsetzte. Durch dieses Gehölz waren ver­schiedene Pfade gebahnt, deren Ausgänge Doris genau kannte. Sie betrat einen davon und war bald hinter dem dichten Gehölz verschwunden. Kaum war sie einige Schritte gegangen, als sie nahe Stimmen vernahm. Einer Biegung des Pfades folgend, sah sie jetzt zwei Personen in derselben Richtung dahinschreiten, wie sie selbst. Eine davon war Frau von Rechten, die andere war zu ihrer großen Aeberraschung ein ihr völlig fremder Mann von großer Gestalt, der einen viel zu weiten, sehr abgeschabten braunen Lieberzieher mit hochgeschlagenem Kragen trug, dazu einen braunen Schlapphut. tief in die Stirn gedrückt. Die ganze Erscheinung machte den Eindruck eines Landstreichers, wie Doris sie zuweilen bettelnd auf der Straße traf und stets ein wenig fürchtete. Sie hätte auch diesen Mann für einen Bettler ge­halten. wäre er nicht so nahe und mit selbstbewuß­ter Haltung an der Seite der hocheleganten Dame einhergeschritten. Sie schienen in eifrigstem Ge­spräch, und nichts deutete darauf hin, daß sie vor seiner Gegenwart zurückschreckte oder von ihm be­freit zu sein wünschte.

Plötzlich standen beide still und es schien, als ob sie umtehren wollten, und Doris schlüpfte schnell beifeit: in ein kleines Sommerhaus, das sich ganz in der Rähe befand. Sich dahinter nie­derkauernd. suchte sie sich den Blicken des sonder­baren Paares zu entziehen.

In primitivster Weise aus rohen Fichtenstäm­men zusammengefügt, waren die Zwischenräume in den Wänden des Sommerhäuschens mit trockenen Farrenkräutern und Weidenruten durchflochten. Im Innern stand an einer Seitenwand eine plump aussehend«, hölzerne Bank.

Als Doris sich hinter diesem kleinen Bau zu verstecken suchte, geschah es in der Absicht, eine Begegnung mit Frau von Rechten und deren seltsamen Begleiter zu vermeiden. Sobald sie vor­über waren, wollte sie sich ohne Zögern an das entfernteste Ende des Sees begeben, wo sie Kurt und Fräulein von Rechten bestinunt vermutete da sie das Gleiten von Schlittschuhen aus dem Eise deutlich vernahm.

Wie unangenehm überrascht war fie aber, als sie sah. daß das ungleiche Paar seine Schritte auf das Sommerhaus zulenkte und dort ein

trat. Beide ließen sich nebeneinander auf die Bank nieder.

Jetzt war sie gezwungen, auf ihrem Platz zu bleiben, obwohl es ihr widerstrebte, hier die verborgene Lauscherin zu spielen. Sie mußte wohl oder übel mcht nur jedes Work mitanhören, was gesprochen wurde, sondern konnte auch die beiden da vor sich auf der Bank sitzen sehen, da die Rückwand der kleinen Laub« viele spalten und Ritzen aufwies.

Doris blickte sich hllflos nach allen Seiten um vielleicht konnte He dieser unangenehmen Situation doch noch entfliehen aber nein, dicht hinter ihr hinderte sie ein Drahtzaun am Da­vonschleichen, und rechts oder links von der Laube konnte sie nicht entschlüpfen, ohne von Frau von Rechten gesehen zu werden, die sich ihre Gegen­wart möglicherweise so auslegen konnte, als wolle Doris ihr absichtlich nachspüren.

So blieb ihr nichts weiter übrig, als geduldig auszuharren und das Weitere abzuwarten.

Der Mann an Frau von Rechtens Selle, der die mittleren Jahre überschritten zu haben schien, hatte einen unangenehmen, verschlagenen Gesichts- ausdruck. Quer über die Wange lief eine tiefe Aarbe. nur tellweise von den kurzen Stoppeln eines dunklen Bartes verdeckt. Den Hut hatte er so tief wie möglich heruntergezogen, so daß nur wenig von dem Kopfhaar sichtbar blieb. Rach feinem abgetragenen Anzug zu schließen, mußte er sich in sehr armseligen Verhältnissen befinden, doch sah er trotzdem nicht wie ein ge­wöhnlicher Mensch aus: auch seine Ausdrucks­weise war die eines gebildeten Mannes. Er war in eifmgem Gespräch mit Frau von Rechten. Als er die Laube betrat, schien er ihr heftige Vorstel-lungen zu machen. Doris sah an ihrem sonst so gleichmäßig heiteren Gesicht, daß sie sich in zorniger Aufregung befand.

öd sage um des Himmels teilten schnell, was bu verlangst, und entferne dich dann sofort!" waren die ersten Worte, die Doris jetzt aus ihrem Munde vernahm. »Du riskierst ja das Schlimmste durch deine unvorsichtige, geradezu wahnsinnige Handlungsweise. Wie konntest du es wagen, mir hierher zu folgen? Wachst du das iroch einmal, werde ich meine Freunde veranlassen, polizeiliche Hilfe gegen dich in Anspruch zu nehmen."

Es ist nicht schwer, mit solchen Redensarten zu prahlen, und mir zu drohen", entgegnete er mll twhnischem Lächeln.Aber du weißt recht gut. daß ich dir gegenüber im Rechte bin."

.-J5d) Kugne es. daß du ein Recht besitzt. inKb und Sabine zum Ertragen deiner schrecklichen Gegenwart zu zwingen, netzt, wo wir mit geach­teten. hochgestellten Menschen verkehren."

..Warum hast du mich zu diesem Schritt ge-' trieben? Warum gabst du mir keine Antwort auf meinen letzten Briefs Warum schicktest du

Jahre 1929 21,6 MM. Mark, hat sich also gegenüber dem Vorjahr um 1 Mill. Mark erhöht. Bezüglich des Gurkenoertriebs riet er den Landwitten, stall großer Senfgurken dem Geschmack des Publikums entspre­chend kleinere Gurkenarten zu züchten. Die Orts­genossenschaften müßten noch mehr als bisher Dünge­mittel und Sämereien durch die Zentrale beziehen.

Zum Schluß sprach Direktor Dr. Winkler- Kramer über das genossenschaftliche Geldgeschäft, dessen Prinzip allein Sicherheit und vor allem Liquidität fein müsse. Trotz SO Millionen Mart Spareinlagen sei man in Hessen noch nicht zur Eigenversorgung zu er­träglichen Zinssätzen für die Landwirtschaft ge­kommen. Die Zentrale werde mehr zu einer Ausgleichsstelle werden müssen. Die Grundlagen des genossenschaftlichen Kreditwesens in Hessen feien gesund.

An die Referate schloß sich eine längere De­batte. insbesondere über die Absatzregelung und die Zusammenlegung der beiden Genossenschasts- richtungen. an:

Die Tagung der Grimlandwirte.

Gleichzeitig tagte im Rummelbräu der Ver­ein zur Förderung der Grünland- wirtschaft in Hessen und Rachbar. gebieten. Rach Erledigung der Vereinsange­legenhellen sprach Oherlandwirtschaftsrat Meiß­ner, Karlsruhe, über: ..Tagesfragen auf dem Gebiete des mobernen Acker- futterbaues". Anschließend tagten dieS i l o- i n t e r e s s e n t e n. Hier wurde über die Ergeb­nisse der in den einzelnen hessischen Siloringen geleisteten Arbeit Bericht erstattet, aus dem sich ergab, daß die guten Erfahrungen der Silo­futterbereitung auch in Hessen mehr und mehr Anerkennung finden.

Roch 5 Millionen Sklaven.

Der Sllavenhandel ist so alt wie der Acker­bau, und alle Völker des Erdballs haben einmal Sklaven gehalten. Aus der uralten Sitte, alle kriegsgefangenen Männer und Frauen zu toten, kling man später dazu über, die Gefangenen als Sklaven, als Unfreie, als Leibeigene zu halten und ihre Arbeitskraft zu nützen. Die Sllaverei hat bei allen Völkern ständebildend gewirkt und im Laufe der Zeit den Adel geschaffen, und die Sklaven hatten das bessere Dasein bei primi­tiven Völkern, während sie um so schlechter ge­halten wurden, je besser die wirtschaftlichen Ver­hältnisse des Volkes wurden, dem sie bienen muhten. Die Juden waren gemäß dem Mosaischen Gesetz die ersten Gegner der Sklaverei, wäh­rend Plato und Aristoteles das Halten von Leibeigenen für wirtschaftlich notwendig in jedem Sinne erachteten.

In Rom lebten zur Kaiserzeit allein bei den reichen Familien rund 20 000 Sklaven. Rom blieb auch im Mittelalter der große Sllavenmarkt des Südens, während in Frankreich Lyon sich hierzu ausbildete. Die letzten »Sklaven scheinen in Deutschland Mitte des 13. Jahrhunderts ge­lebt zu haben, dagegen gab es in Spanien 1570 noch viele Sklaven. Im Balkan fand man die Sklaverei noch hundert Jahre später stark verbreitet. Während weiße Menschen als Sklaven später nicht ober kaum noch vorkamen, führten die Portugiesen seit Entdeckung der Westküste Afrikas die Regersttavsrei ein, der sich Engländer. Franzosen und Bel­gier später anschlosfen. 1713 erhielten die Eng­länder das Recht, innerhalb von 30 Jahren nicht weniger als 144000 Negersklaven in ihre ame­rikanischen Kolonien einzuführen. Als 1621 die erste Baumwolle in Amerika gebaut wurde, blühte auch drüben der Sklavenhandel mächtig auf, aber bereits nach 200 Jahren nahm die Zahl der Reger derart überhand, daß man sie kurzerhand wieder auszuführen beschloß, und so entstand in Afrika die Negerrepublil Liberia.

mir das Geld nicht, das ich von dir ver­langte?"

Durch wen hast du meinen hiesigen Auf­enthalt erfahren?" fragte sie kurz.

Da huschte ein schlaues Lächeln über sein Gesicht und mit lebhafter Betonung ant­wortete er.

Meine teure Klotilde, ich bin vielleicht ein Schurke, aber ein Rarr bin ich nicht. Denkst 'M gar nicht an Rosalie?"

Was? Diese Schlange? So hat sie mich also verraten?! Ich dachte nicht, daß du sie auf- finden würdest."

Sie hat mich ausgesucht, die treue Seele. Als fic durch einen Zufall erfuhr, daß ich... wieder sichtbar war, kam sie zu mir.

»Mit der Absicht also, dir alle meine Schritte <ju verraten? Warum habe ich diese Elende je­mals in mein Vertrauen gezogen?"

»Das weih ich wirklich nicht, meine Liebe: ich fann dir nur sagen, daß ich durch sie folgendes erfuhr: Frau urR» Fräulein von Rechten leben als Gäste auf großen Landfitzen vornehmer Leute, tragen kostbare Toiletten und geben Geld in Hülle und Fülle aus. ilnb ich? Sieh mich an? Alles, was ich l>esihe, trage ich auf dem Leibe. Prächtige Sachen, nicht wahr?"

Bei den letzten Worten hielt er einen Zipfel seines alten, abgetragenen üleberziehers in die Höhe.

»Sie verschaffte ihn mir aus Mitleid mit ihrem armen, früheren Herrn, bet ein altes Flanellhemd und einen Papierkragen tragen muß und seine Kleidung nicht wechseln kann, mag es schneien ober regnen. Dagegen ihr..."

Die Stimme des Mannes klang plötzlich dro­hend. und mit zornfuntelnden Blicken schaute er auf die elegante Gestalt an seiner Seite, die in einen mit Pelz besetzten Samtmantel gehüllt war.

Ihr kleidet euch in Samt und Seide und lebt alle Tage wie die Götter! Gib mir bas Geld, bas ich schon schriftlich von dir verlangte.' Gib mir das Geld, sage ich dir ..."

Frau von Rechten, das sah man, war eine tapfere Natur, denn sie schrie weder auf. noch rief fie um Hilfe. Sie -wurde aber blaß, in der Weise, wie Doris es schon einmal gesehen hatte, und warf einen Blick unbeschreiblichen Hasses auf, den schäbigen Mann.

..Mein Gott, mein Gott!" rief sie bitter klagend, mit aufgehobenen Händen.Womit habe ich es verdient, an einen solchen Schurken gefesselt zu fein?

Streiche dich nur nicht gar zu sehr heraus und gib mir nicht so zarte Beinamen, sondern, wenn du mich koswerden willst, so rücke gefälligst die zweitausend Wart heraus. Die ich haben muh."

..Wo in aller Welt soll ich diese Summe her- nehmcn? Wann hätte ich je in meinem Leben zweitausend Mark zu meiner Verfügung gehabt?"

Der Bürgerkrieg zwischen den Südstaaten imb Rordstacllen in Amerika ist bekanntlich Darauf zurückzuführen, daß man im Rorden die Sllaven für frei erklärte, während der Süden auf die billigen Kräfte nicht verzichten zu können glaubte Der ganze Baumwollhandel spielt sich bekanntlich im Süden der Union ab. Doch der Süden verlor den Krieg, und 1862 konnte Abraham Lin­coln allen Sklaven ihren Freibrief überreichen. Damals gab es allein in den Südstaaten vier Millionen schwarzer Sllaven. Die Zustände der damaligen Zeit werden in Dem berühmten Buch »Onkel Toms Hütte" geschildert.

Brasilien hob die Sklaverei erst 1888 auf, und heute gibt es Sklaven nur noch in Afrika und Westasien. Im Jahre 1909 errechnete man Die schwarze Bevölkerung Afrikas auf 200 Millionen, wovon 70 Millionen in Leibeigen­schaft lebten. Alle Regervölker halten sich, auch heute noch, Sllaven, und es ist ober scheint un­möglich, ihnen das abgewöhnen zu wollen, früher blühte der Sklavenhandel am meisten an der Westküste zwischen dem Volta und Rigofluß, so daß man den Landstrich Sllavrnküste nannte, wie er auch haute noch heißt. In Kanada liegt der Sllavensce. der ebenfalls vom blühenden Handel mit Menschen seinen Ramen tragt. Der Völker­bund beschäftigt sich feit seinem Bestehen mit diesen Zuständen, doch hat er noch.nicht viel oder fast gar nichts aus richten können. Die Hauptgebiete für den Sllavenhandel und die Sklaverei der Jetztzeit sind Abessinien, Marokko, Liberia, Tripolis, die Sahara, China und Klein­asien. Die wesentlichen Plätze, in denen Mättste für Menschenhandel abgehalten werden, sind El Dir ko, Tais (östlich von Mekka), Midi und Hejaz. wo die Sklaven des Sudan jede Woche einmal Sur Schau gestellt werden. Rach den Angaben des Völlerbundes soll es augenblicklich noch rund 5 Millio nen Sklaven geben, im Laufe eines Jahres werden mehr als 500 000 Menschen, verkauft und gekauft. Die Preise be­wegen sich von 20 Dollar für alte Leute, schwäch­liche Männer und Frauen, bis zu 200 Dollar für starke Männer und junge Mädchen.

Oberheffen.

Die Bautätigkeit in Lauterbach im Jahre 1929.

* Lauterbach 7. Jam Im abgelaufenert Zähre 1929 war die Bautätigkeit in Lauterbach teieb er ziemlich rege. An öffentlichen Gebäuden wurde in erster Linie der Neubau der Bez i r k s s p a r ka s se in der Bahnhofstraße fertiggestellt und bezogen. Reben den Bureau- unb *S£affenräumen sind in diesem Gebäude noch drei Wohnungen enthalten. Fer­ner wurde durch die Stadt das frühere Frei- herrlich Riedeselsche SchloßEich Hof" ange­kauft unb zu einem Krankenhaus um gebaut Aeben dem neuen Krankenhaus wurde noch eine Isolierbaracke für ansteckende Krankheiten er­richtet. Das Krankenhaus Eichhof liegt auf einer Anhöhe inmitten eines dreißig Morgen großen Parkes mit angrenzendem Wald. Man genießt von hier aus einen wunderbaren Blick auf die Stadt und die nähere -Umgebung. Von privater Seite wurden zwölf neue Wohnhäuser erbau! bzw. bezugsfertig hergestellt. In dieser Zahl sind zwei Doppelhäuser enthalten. Durch den Reichsfiskus wurde ein Wohnhaus für den Amtsvorsteher des Finairzamtes erbaut Außer­dem wurden noch, vier Häuser im Rohbau fertig- gestellt, und zwar ein Einfamilienhaus, ein Zwei-, ein Drei- und ein Sechssamilienhaus. Ferner wurden noch zahlreiche Umbauten, Auf­stockungen auf Wohnhäuser, Ladenum- und -ein* bauten, sowie einige Werkstättenneubauten und Fassadenänderungen vorgenommen. Die Stadt Lauterbach lieh das alte Krankenhaus in­nerhalb der Sstadt zu elf Wohnungen umbauen. Insgesamt wurden 36 neue Wohnungen

»Du lügst wie gewöhnlich. Hast du doch, so alt bu bist, noch niemals die Wahrheit gesprochen. Bin ich ein Schurke nun gut! Wer aber hat mich dazu gemacht, als du selbst! Hast du mir übrigens nicht auch zugeschworen, daß du mich unterstützen wolltest, wenn ich deine Wege nicht kreuzen würde. Run, ich habe dir zehn Jahre lang den Willen getan" ein höhnisches Lächeln zuckte um seinen Mund, «weil i ch nicht anders konnte: seitdem sind aber schon weitere zwei Jahre vergangen, in denen ich vergeblich auf deine Llnterstützungen gewartet habe. Schon längst wäre ich dir wieder nahe gekommen, hätte ich dich nur unter diesem neuen Namen, den du dir aus mir unbekannten Gründen zugelegt hast, finden kön­nen. Aber du siehst, meine liebe Frau von Rech­ten, schließlich habe ich dich doch gefunden, unb bin nicht gesonnen, dich abermals entschlüpfen zu lassen, bevor du mir die Mittel gegeben hast, an­ständig leben zu Tünnen.

Frau von Rechten schwieg und blickte stumm vor sich nieder. Sie schien eifrig nachzudenken. Endlich blickte fie auf und sagte:

..Ich will ganz offen sein! Geld faim ich dir nicht geben, da ich selbst keines besitze. Ich habe kaum das QUIcmötigftc. um mein anb Sabines Leben zu fristen. Die Kleider, die wir tragen, muhte ich bis jetzt schuldig bleiben: ich habe überhaupt Schulden über Schulden. Rosalie gegenüber, die jetzt ein Atelier für Damen- schneiderei besitzt, belaufen sich meine Rechnun­gen schon längst auf dreistellige Zahlen. Wäre das nicht, hätte ich die falsche Katze schon längst obgefchüttelt: aber ich mutz diese Sachen haben für mich selbst, wie auch für Sabine. Das ist das Allemotwendigste: denn wir müssen elegant auf­treten. Zunr Glück habe ich aber nun die besten Aussichten, alle meine Schulden binnen kurzem zu bezahlen. Sobald es so weit ist. will ich auch dir Geld zukommen lassen, soviel ich kann, jeden­falls genug, um ein neues Leben zu beginnen. Das wird aber nur dann geschehen, wenn du mir versprichst, mich nicht länger zu verfolgen, sondern dich jetzt gleich zu entfernen und geduldig zu warten, bis ich imstande bin. etwas für dich zu tun. Auch darfst du mir weder schreiben, noch uns nachreisen."

.Ilnb wann ungefähr kann ich das Geld be­kommen?"

Sobald wir hier mit unserer Angelegenheit im reinen find", antwortete sie ruhig und fügte schnell hinzu:Allem Anschein nach kann das nur noch wenige Tage dauern, denn der junge ^>cht.os;herr ist rasend in Sabine verliebt und wird ihr gewiß bald seinen Antrag machen. Sollte dieser aber nur die leiseste Kenntnis von deinem Daiein erhalten, dann, mein Freund, wären alle unsere Berechnungen unnütz und die Heirat hättest du für immer unmöglich gemacht"

(Fortsetzung folgt.)