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9.1.1930
 
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in Latein unh Griechisch

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Nr. 7 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, Y.Zanuar 1950

für die französische Kammer gemacht hat, sich auch kein Bild über die diesen Ertragnissen zugrunde lie­gende Politik des Kohle,,Verkaufs in Frankreich machen kann, sa ist cs doch zweifellos, daß auf die Dauer jede Privatgesellschaft pleite gehen müßte, die die Saargruben mit der ungeheuren Last von 300 Millionen Mark an Kapital übernehmen müßte.

Also ein Geschäft kann der Gedanke der Inter­nationalisierung der Kohlengruben niemals und für niemand bei seiner Durchführung werden, wohl aber eine Pleite allerersten Ranges. Warum aber ist von den Franzosen dieser Gedanke überhaupt erst in die Debatte geworfen worden, wenn man sich klar dar­über sein muß und sicher ist, daß er in sich unaus­führbar, weil unlogisch ist? Offenbar verbirgt sich hinter ihm irgend etwas anderes, worüber heute nur Vermutungen angestellt werden können, die bei der jetzigen Verhandlungslage besser nicht ausge­sprochen werden. Ein berechtigtes Interesse des fran­zösischen Volkes ist cs dagegen, bei dem Kohlen­mangel Frankreichs und dem Kohlenüberschuß Deutschlands und angesichts der günstigen Lage des Saarkohlengebietes zu den französischen Stätten gro­ßen Verbrauches, daß die deutsche Regierung oder die zukünftigen Besitzer der Kohlengruben sich zu verständigen Kohlen Verkäufen an Frankreich zur Deckung des Kohlende- darfes auch aus dem Saargebiet bc- r e i t f i n d e n lassen. Auch Deutschland hat ein leb­haftes Interesse daran, Kohlen aus dem Saargebiet nach Frankreich zu liefern und dafür Eisenerze ein­zutauschen, von denen Frankreich w--.t über seinen eigenen Bedarf hinaus ungeheure Mengen besitzt.

Daß dieser Austausch im naturgemäßen Interesse beider Völker liegt, ist so selbstverständlich, daß darüber überhaupt nicht zu reden wäre, wenn nicht die Kriegsfolgen mit ihrer Verblendung der Völker

gegenüber dem, was verständig ist, diesem Aus­tausch entgegen gestanden hätten. Wenn nun im Haag ein Strich, und zwar ein endgült ger unter den Krieg gezogen werden soll und der Saldo, der wie bei allen schlechten Geschäften auf der vor- kehrten Seite der Bilanz auch hier steht, zu einer allmähligen Liquidierung vorgetragen wird und wenn an diese Liquidierung des Krieges auch eilte solche des französischen Saarabenteuers sich an= schließt, dann soll auch alles, was vernünftig ist, in wirtschaftlicher Hinsicht zwischen dem Saargebiet und Frankreich lebendig bleiben. Das ist in erster Linie einAustausch derGüter, und zwar nicht bloß des Erzes und der Kohle, sondern auch der son­stigen Erzeugnisse, ein Austausch, der durchaus int Interesse eines freundnachbarlichen Verhältnisses liegt. An einem solch freundnachbarlichen Verhältnis sind aber sicher nicht nur wir int Saargebiet, son­dern auch bestimmt im gleichen Maße die Elsaß- Lothringer und darüber hinaus die Ost- fr a n z o s e n im stärksten Maße aus wirtschaftlichen und aus Gründen der Nachbarschaft auf das stärkste interessiert. Es ist für jedermann ein höchst ungemütliches Gefühl, einen Nachbarn neben sich wohnen zu haben, mit bent man sich auf Hauen und Stechen steht. Es ist sehr viel angeneh­mer, wenn man dagegen mit ihm freundschaftlich verkehren kann und wenn alte oder neuere Streitig­keiten ein für allemal begraben werden. Für diese Form der Nachbarschaft haben die Elsaß-Lothringer aber ganz bestimmt genau soviel Bedürfnis wie wir im Saargebiet. Deshalb auch dort die Hoffnung, daß das ganze ziemlich törichte Saarunternehmen des Versailler Vertrages baldigst liquidiert werde. Hoffen wir, daß diese Liquidierung noch in die» s e m Jahre zur Tatsache wird.

Die Gaargruben.

Worum es bei den Gaarverhandlungen geht.

Don Kommerzienrat Dr. h. c. Hermann Röchling, Völklingen, Mitglied des Landesrates des Saargebietes.

Nirgendwo, selbst in Frankreich nicht mehr, wird angenommen, daß im Saargebiet eine A b ft t m - nt u n g zugunsten Frankreichs oder der Völker­bundsregierung zu erzielen ist. Wenn hierüber ab­solut keine Meinungsverschiedenheit mehr zwischen Deutschland und Frankreich besteht, so ist dies e i n 4 weifelloser Erfolg der einheitlichen Haltung der Saarbevölkerung den Franzosen und der Völker- bundsregierung gegenüber. Die Haltung war die einer dauernd gleichmäßigen und einheitlichen A b * leb nun g. Hinsichtlich der Saargruben geht die Haltung aller politischen Faktoren und der ge­samten öffentlichen Meinung dahin, daß die Gruben an ihre früheren Besitzer, Preußen und Bayern, zurückgegeben werden sollen. Die Saarbevölkerung legt den allergrößten Wert darauf, daß diese beiden Staaten die Gruben künf­tig wieder betreiben, da sie durch ihre weitsichtige und kluge Arbeiter- und Siedlungspolitik ganz we­sentlich dazu beigetragen haben, daß die außer­ordentlich Heimattreue Saarbevölkerung selbst dem allmächtig erscheinenden französischen Bergfiskus gegenüber hinsichtlich der immer wieder versuchten separatistischen Bestrebungen erfolgreich Widerstand leisten konnte. Die Erkenntnis, wieviel die Saarbe­völkerung in ihrem Abwehrkampfe der rund hun­dertjährigen Politik des preußischen Staates zu ver­danken hat, ist ein tieferer Grund, weshalb die ge­samte Saarbevölkerung die Rückkehr derGru- b e tt zu dieser Verwaltung fordert eine Forderung, die von uns für fo wichtig gehalten wird, daß mir lieber auf d i e vorzeitige Rück- qliederung verzichten würden, ehe wir diese Forderung aufgeben.

Nun ist in neuerer Zeit das ebenso unlogische wie auch nom französischen Standpunkt aus unverständ­liche Projekt aufgetaucht, die Saargruben in eine ganze Anzahl internationaler Gesell­schaften aufzu lösen, bei denen Deutsche und Franzosen beteiligt werden sollen. Die Begründung, die diesem Projekt von französischer Seite angehängt wird, daß auf diesem Wege eine deutsch.fran- ; ösischc Zusammenarbeit im Saarge» biet anaedahnt werde, die zu-einer Verständi­gung zwischen den beiden Völkern sichren könne, ist deshalb unlogisch, weil nach dem Versailler Der- frage, der uns Deutschen doch wirklich nicht günstig ist, die Saargruben im Jahre 1935 sowieso von Deutschland z u r ü ck g e k a u f t werden können. Also unter der Firma einer deutsch-französischen Ver­ständigung möchte man Deutschland noch schiech- t c r stellen, als es unter dem Versailler Vertrag stobt. Dafür bedanken wir uns.

Aber auch vom Standpunkt der Saarindu- ff r i c , die die größte Kohlenverbraucherin der Saar­gruben ist, hat der Vorschlag keinen Reiz. Wie dock der R ü ck k a u f s p r e i s der Saargruben sein wird, ist heute nocht nicht oorauszusehen. Dieser Rückkaufspreis fpielt zwischen Deutschland und Frankreich eine Rollo insofern, als Deutschland ihn an Frankreich bezahlen muß und ihm daher die Höhe der Rückkaufspreises nicht gleichgültig ist. Nicht aber spielt der Preis eine Rolle zwischen dem Deutschen Reich und den Staaten Preußen und Bayern; denn das Deutsche Reich hat die Vorbesitzer ohne E n t schädigungenteignet mit der Erklärung, daß die Vorbesitzer ihre Gruben wieder erhalten würden, sobald das Reich wieder in den Besitz derselben käme. Wenn aber die Kohlengruben in die Hände von Dritten kommen, also nicht Preußen und Bayern, so würden doch diese ßänber Anspruch auf den Erlöspreis an das Reich zu stellen haben. Wird hierdurch schon praktisch eine deutsche Unmöglichkeit für diesen Weg geschaffen, so ist es bestimmt nicht denkbar, daß der französische Staat diesen inter­nationalen Gesellschaften die Saargruben zu einem wesentlich billigeren Preise verkaufen würde, wie sie in seiner eigenen Bilanz stehen; und in der Bilanz der französischen Grubenverwaltung stehen

die Saargruben Ende 1928 mit 295 804 924,40 Mark zu Buche; denn ein Verkauf an private Gesellschaf­ten ist im Versailler Vertrag nicht vorgesehen. Es müßte also ein freihändiger Verkauf statt- finden, für den die Preisfestsetzung durch ein Schiedsgericht nicht gilt, wie sie bei einem even­tuellen Rückkauf durch das Reich als Schutz gegen eine mögliche Ueberfpannung der Kaufpreisforde­rungen seitens Frankreichs vorgesehen ist. Rechnen wir mit rund 300 Millionen Mark, so beträgt der Zinsendienst, den die eventuellen privaten Gesell­schaften sich doch bestimmt für das Kapital rechnen müssen, ehe ein Gewinn beginnt, bei 8 v. H. bereits 24 Millionen Mark im Jahr, also 2 Mark auf die Tonne Kohlenabsatz. Man suche ein Kohlenindustrie­gebiet, bei dem nach Abzug der Abschreibungen, die der französische Staat mit weiteren 11 Millionen = nochmals beinahe 1 Mark je Tonne ansetzt, 2 Mark je Tonne an Zinsen herausgewirtschaftet werden können. Ich weiß kein Steinkohlengebiet, bei dem etwas ähnliches im Durchschnitt zutrifft. Die Bilan­zen, die der französische Staat über die Saarkohlen­gruben veröffentlicht hat, weisen für die

Jahre 1926 6,25 franz. Fr. - 1,04 Mk. Gewinn

1927 3,35 = 0,55 1928 4,45 = 0,75

je Tonne abaesetzter Kohlen aus. Wenn man aus dem Bericht, den der französische Deputierte Charlot

Hessische Landwirischafiliche Woche.

Oie 7!oL der Landwirtschaft. - Eine Ansprache des Wirtschastsministers Korell.

MSN. Darmstadt. 8. San. Die in diesem Sahre wegen der schwierigen Lage der Landwirt­schaft nur auf drei Tage berechnete 2 5. Land­wirtschaftliche Woche begann heute vor­mittag im Rummelbräu in Anwesenheit des Ministers für Arbeit und Wirtschaft Korell, zahlreicher Vertreter der zuständigen Ministe* rialftelten, der staatlichen Verwa tungen und interessierten beruflichen und wissenschaftlichen Organisationen und Aemter, sowie der übrigen Wirtschastsgruppen Hessens. Daneben sind Reichsminister a. D. Dr. V e cke r ° Hessen und zahlreiche Landtagsabgeordnete aus allen Frak­tionen erschienen.

LandwirffchastskammerpräsideniHensel begrüßte die Chvengäste und dankte den zahl­reichen Landwirten für ihr unvermindertes Sn* teressc an der Vertiefung ihres Verufswissens gerade in der heutigen Rotzeit. Die im Vor­jahr ausgesprochene Hoffnung, das Sahr 1929 möge eine Besserung der Lage bringen und alle berufenen Stellen möchten zur gemeinsamen Herstellung einer bescheidenen Rentabilität sich zusammenfinden, habe sich nicht erfüllt. Den Füh­rern derGrünen Front" gebühre Dank für ihr gemeinschaftliches Handeln.

Die Rat poche fast an alle Türen der Bauern-, Pächter und Grohgrundbesiherhäufer, allen gehe es sehr schlecht, viele stunden vor dem Bankerott ober vor der Vertreibung von ererbtem Boden.

Die vom Reichstag verabschiedete Agrarvor­lage und die Handelsverträge könnten höchstens als eine erste Rate der Forderungen der Landwirtschaft angesehen werden. Die Ver­wickelung und Verabschiedung der Zollvor­lage mit der schweren Finanzkrise des Reiches, die zur Demission Dr. Hilferdings führte, war für die Gestaltung der Hilfe zugunsten der Landwirtschaft nicht günstig. Wichtige Erzeugnisse, wie Obst, Gemüse und Wein, sind unberücksichtigt gelassen. Der Vorwurf, die deutsche Lanbwirt-

schäft sei nicht genügend genossenschaftlich or­ganisiert. sei nur zum Teil gerechtfertigt. Hol­land, Dänemark und Schweden hätten ebenfalls zum Teil Sahrzehnte dazu gebraucht. Die Land­wirtschaft schreite den Zeitverhältnissen entspre­chend weiter, wenn sie nicht durch verkehrte ge­setzgeberische Maßnahmen in den Abgrund ge­stürzt werde. An der Kaufkraft der Landwirt­schaft seien Sndustrie, viele gewerbliche Berufe, die Mehrzahl der Handwerker und gerade die gesamte Arbeiterschaft aufs lebhafteste interessiert. Bauernnot sei Volksnot. und diese zu beheben sei nur möglich durch vermehrten Ver­brauch deutscher Erzeugnisse, insbeson­dere Brot. Fleisch, Gemüse, Obst, Milch und Milchprodukte, Eier und Weine. Bei aller an sich notwendigen Steigerung unserer industriellen Ausfuhr dürfe der innere Markt nicht weiter geschwächt werden.

Die Stärkung der Kaufkraft der Landwirtschaft bedeute sofort eine Hebung der allgemeinen Kaufkraft und Intensivierung der industriellen Produktion.

Was hier Dänemark zeige, gelte auch für Deutsch­land. Möge man baS im Sahre 1930 an allen zuständigen Stellen in Deutschland beherzigen und zu neuen Taten schreiten, ohne Rücksicht auf alle programmatischen Richtlinien und einseitige Sn* ter essen bestimmter Kreise. Wohl biete die innen* und außenpolitische Lage Haager Konferenz ein sehr trübes Bild, aber die Landwirte dürften die Hoffnung nicht aufgeben, daß es im Sahre 1930 in wirtschaftlicher Beziehung besser werde. Minister für Arbeit und Wirtschaft Korell schloß sich dem Wunsche, 1930 möge für die Landwirtschaft, die deutsche Volkswirtschaft und für die politische Stellung Deutschlands in der Welt ein glücklicheres Sahr werden als 1929, namens der Staatsregierung aus das wärmste an. Der Minister erklärte dann u.a.: Sch fühle mich, das wissen auch die Landwirte, soweit

sie politisch andere Wege gehen als ich, immer wohl, wenn ich in landwirtschaftlichen Vor* samlungen unter Dauern oder unter Bauern­söhnen sein kann. Das ist nicht ein ästhetisches Wohlbehagen, sondern rührt daher, daß mein Fleisch und Blut vom Lande stammt, und weil mein Kopf erkennt, daß auf dem Lande im Bauernhaus die ewige Quelle der Erneuerung deutschen Volkstums liegt. Sch wünsche vor allen Dingen, daß wir auf der Bahn des Schutzes deutscher Produkte, insbesondere der Spezialprodukte, weiterkommen. Welch ein Elend z. B. in Rheinhessen, wo der Wein unver­käuflich liegt. Alle Maßnahmen, die hier er­wogen und auch von mir für später, nach dem ersten Abstich, ins Auge gefaßt worden sind, haben da, wo sie wie in der Pfalz durch­geführt worden sind, zu keinem Erfolg geführt.

Wir müssen in dem Schuhe unsere» Weine», unserer Äiehprodukte, unseres Obstes und Ge­müses unbedingt weiterkommen durch zoll- politische Maßnahmen (Braoo!) wie durch organisatorische Maßnahmen im Inland.

Sch habe mir niemals den Vorwurf zu eigen gemacht, daß es auf dem Gebiet der Genossen* schaftsorganisation zu langsam gehe. Sch weiß, daß die dänische Landwirtschaft von 1864 bis 1888 gekämpft hat, um eine bessere Organisation der bäuerlichen Wirtschaft zu erreichen. Was wir in Deutschland daraus zu lernen und zu tun haben, ist hinter geschützten Mau­ern unsere Organisation und Bil­dung zu vermehren. Wenn auch unsere Bauern arm geworden sind, so sollen sie doch nicht ärmer werden an Berufsbildung. Die landwirtschaftliche Bildung müssen wir, wo im­mer möglich und so stark wie möglich zu ver­tiefen suchen, damit, wenn die Sonne für die Landwirtschaft wieder aufgeht, unsere Söhne bäurliche Führer in den Genossenschaften, in der Düngung und im Llbsah sein können. Bei dieser Gelegenheit erbitte ich aber auch Shr

Berliner Premieren.

Berlin, Januar 1930.

Das Ereignis heißt augenblicklich wieder einmal: Pallenberg. Und, um es gleich zu sagen, der Begeisterungssturm, der ihn jeden Abend im Deutschen Künstlertheater umtobt, ist voll­auf berechtigt. Der alte Zauberkünstler hat wieder eine Rolle, in der er sich nach Belieben ergehen und austoben darf. Franz Molnar, der sie ihm zu liefern hatte, beschränkte sich denn auch in feiner KomödieEins, zwei, drei" auf diese Aufgabe und vertraute das Schicksal des Spiels Pallenberg allein an, bei dem er es in treuester Pflege wußte. Was an Ereignissen und Personen um ihn herumschwebt, sind Stichwortträger und illustrierende Schemen; Die Handlung selbst ist ganz Nebensache geworden und so ärmlich und für Komödienverhältnisse un­glaubhaft, daß man sich scheuen muß, sie zu berich- icn. Also: Pallenberg hier der Bankmagnat Nor- riion hatte in seiner Fomllie das amerikanische Millionärstöchterlein Lydia zur Obhut, die er den Eltern, die in einer Stunde hier eirttreffen, natür- .lich unversehrt an Geist und Körper abliefern möchte, denn aus einer solchen Verbindung wittert er einen gewaltigen Trust. Leider gesteht ihni Lydia im letz- ten Augenblick, daß sie sich schon mit einem Chauf­feur verheiratet habe und sich bereits Mutter fühle; Norrison stürzt aus allen Himmeln, ermannt sich aber und macht sich daran, den primitiven Taxi­fahrer zu einem millionenwürdigen Schwiegersohn umzuarbeiten. Pallenberg arbeitet also, er hat nur eine Stunde Zeit auf der Bühne dauert das Spiel auch nicht viel länger aber diese eine Stunde, während deren er nicht von der Szene kommt, ist eine der köstlichsten Pallenbergiaden, die er je dargestellt hat. Er ist heute, von einer weißen Mähne umwallt, ganz ohne groteske Maske, dafür zuckt ihm die verwegene Spaßmacherei in allen Fingerspitzen. Es wäre interessant, zu wißen, wie viel oder wie wenig Text ihm Molnar mitgab, und was er im weiteren Verlauf der Abende noch hin- zutun wird, da schon die ersten Aufführungen auf weiten Strecken ganz sein persönliches Gepräge tru­gen. Er konzentriert in dieser einen Stunde seine ganze Energie darauf, aus einem Chauffeur und Kommunisten einen Kapitalisten und Gentleman zu machen, das ist unendlich komisch, er drückt auf seine sämtlichen Klingeln, bringt alle Fernsprecher durch­einander und läßt das Personal seiner Bank tanzen und springen. Der Gipfel ist offenbar, wenn er am

Schluß, um mit St. Moritz möglichst schnelle 'Teler fonverbindung zu bekommen, anfängt, schweizerisch zu sprechen:Grüos Gott, wie ist das Wetterli?" Hinter dieser Groteske, dem Bajazzotum der Worte aber erscheint sozusagen die metaphysische Bedeu­tung dieser Ralle, die eben doch nur ein großer Komiker von Pallenbergs Format herausarbeiten kann: eine traurige Satire auf daseinszweidrei"- Tempo dieser Zeit und auf den Irrsinn ihrer Ur­teile und Wertungen; so erhebt Pallenberg das Molnarsche Spiel unversehens zu einem symboli­schen Spiegel. Hinter ihm versinkt denn auch alles; Gustav Hartungs Regie beschränkt sich darauf, die einzelnen Gestalten des Stücks zu prononzieren und angemessen zu gruppieren.

Glücklicher war Molnär in demSouper", das der Pallenbergkomik als Ouvertüre oorangeht. Ein großer Unternehmer Jakob Siebt te hat seine auserlesenen Freunde zu einem Abendessen ver­sammelt, bei dem es hoch hergeht: der Hausherr wird in vielen Reden gefeiert und ist eben selbst dabei, sich des Tages zu erinnern es war am 1. April an dem er vor fünfzig Jahren mittellos in diese Stadt kam, da tritt ein Kriminalbeamter ein, um den Gastgeber zu verhalten. Natürlich fal­len jetzt alle Freunde von ihm ab. Ja, es zeigt sich, daß sie alle auf irgendeine dunkle und üble Art Spießgesellen voneinander sind: es erscheint der un­ergründliche Sumpf der Sklareks und Genossen. Auf dem Höhepunkt dieser Enthüllungen, und da es doch einmal ein Ende haben muß, entschleiert sich der Kriminalbeamte und erscheint als ein Vetter aus der Provinz, der sich mit seinen Verwandten diesen Aprilscherz erlaubt hat.Ja, die Leute in der Pro­vinz haben noch Humor", bemerkt Rosa V a l e t t i. Hernach haben sich die also Entdeckten wieder auf einer gewissen gesellschaftlichen Basis zusammen- zufinden. Heinz Hilpert hat die Szene sehr hübsch und ansprechend inszeniert. Sie dürfte fraglos überall ihr Glück machen.

*

Curt Götz stellt sich im K o m ö d i e n h a u s mit einem neuen Lustspiel vor, das etwas umständlich Der Lügner u n d d i e Nonn e" heißt, und es ist wiederum selbstverständlich, daß seine Frau Va­lerie von Martens darin die Nonne Angela, Götz aber einige andere Rollen spielt, hier sind es drei. Zunächst stellt er sich dem Publikum in einem Vorspiel als sächsischer Dichter vor, verhöhnt das politifche Zeittheater und kündet ein neues Stück

an, das nun beginnt, aber leider weder im Mol- närfchen Einszweidrei-Tempo dahertollt, noch nach einer früheren Götz-Methode die Konflikte mit einer Hokuspokus"-Gcste löst. Offenbar aber auch das wird nicht ganz klar geht es Götz um die Paro­die gewisser zeitferner Klostergeschichten. Nach einem müde dahingehenden zweiten Akt gelingt Götz der dritte, in dem er selbst als alter Kardinal erscheint, um vor einem geistlichen Gericht die verworrene Lage zu klären. Hier maltet ein feiner und geist­voller Dialog, weniger durch seinen Inhalt als durch die Vollendung wirksam, mit der Götz seine eigenen Aphorismen vorträgt und hinlegt. Das Ganze en­det damit, daß der Theaterspaß der Doppelrolle nicht weiter getrieben werden kann und der Vor­hang unter lebhaftem Beifall fällt. G. B.

Berliner Zniendanienkrije.

Die Laufbahn des Berliner Staatstheater- Sntendanten Leopold Sehn er scheint, nach den in den letzten Tagen aus Berlin gekommenen Meldungen, ihrem Ende entgegenzugehen, zwar läuft sein Vertrag noch bis 1934, doch soll er in den nächsten Sahren nur noch Regier^ führen, während die Derwaltungsgeschäfte bis zur end­gültigen Lösung einer noch zu wählenden.Persön­lichkeit übertragen werden sollen.

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Der unmittelbare Anlaß hierzu liegt in den beiden mißglückten Silvesteraufführungen an den von Seßner geleiteten Bühnen (Schiller-Theater und Staatliches Schauspielhaus); der Sntenbant hat aber, wie man weiß, schon seit Sahren mit Schwierigkeiten und Widerständen zu kämpfen ge­habt, und es ist festzustellen, daß die Angriffe gegen ihn keineswegs immer von sachlich-künst­lerischen Erwägungen geleitet waren, sondern in vielen Fällen leider einer persönlichen und politischen Gegnerschaft entsprangen.

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Allerbings sind, besonders in den ersten Sahren von Sehners Berliner Tätigkeit, mit Grund auch künstlerische Einwände gegen ihn erhoben worden; man erinnert sich vielleicht noch seinerTell"- Snszenierung, die damals zu weitreichenden, prinzipieUen Auseinandersetzungen Anlaß gab.

Man muh sich in dieser otunbe aber doch Wohl in erster Linie an die hervorragenden positiven Werte erinnern, die Seßner geschaffen hat; man muß etwa an die Aufführungen von »Wallenstein", »Richard Hl.", »Rapoleon",

Hannibal" undMarquis von Keith" unter seiner Regie denken. Und man muß sich darüber klar sein, daß Seßner auch heute noch zu den großen, schöpferischen Regisseuren gehört: ein Mann von Format, ein Lehrer und Anreger der jüngeren Generation, wie es, außer Reinhardt, nur wenige gibt.

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Seßner war zuerst Spielleiter in Hamburg, dann einige Sahre Direktor des Reuen Schau­spielhauses in Königsberg; von dort wurde er im Sahre 1919 als Sntenbant an die Berliner Staatlichen Bühnen berufen.

Sein endgültiges Ausscheiden würde in jedem Fall einen schweren Verlust für das gesamte Berliner Theaterwesen bedeuten, das heute ton­angebend ist in Deutschland und wohl auch über Deutschland hinaus.y

Hochschulnachrichten.

Der Ministerialrat Dr. Paul Klingelhöfer in der Hochschulabteilung des Preußischen Ministe­riums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ist von der medizinischen Fakultät cer Universität Marburg wegen seiner Verdienste um ihre In­stitute und Kliniken zum Ehrendoktor ernannt wor­den. Professor Dr. Erik Wolf in Rostock hat den Ruf auf den Lehrstuhl für Straf- und Prozeß­recht an der Universität Kiel als Nachfolger von Eberhard Schmidt angenommen und bereits seine Ernennung zum ordentlichen Professor in der Kieler rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät erhallen. Ernannt wurde der ord. Professor Dr. Arnold E u ck e n von der Technischen Hochschule in Breslau zum ordentlichen Professor der physikalischen Chemie in Göttingen als Nachfolger von G. Tammann. Dem ord. Professor Dr. Philipp Br oemse r, Direktor des Physiologischen Instituts an der Uni­versität Basel ist iie nachgesuchte Entlassung aus seinem Amte unter Verdankung der geleisteten Dienste bewilligt worden. Dr. Broemser (geboren zu Rüdesheim a. Rh.) folgt einem Rufe nach Heidel- b e r g, wo er den durch das Ableben des Professors A. Pütter erledigten Lehrstuhl der Physiologie über­nimmt. Der Gelehrte, der seit vier Jahren als Nach­folger von R. Metzner in Basel lehrt, gehörte früher dem Lehrkörper der Universität München an.

Sn der Philosophischen Fakultät der Universität S n n s b r u ck ist ber a. o. Professor Dr. Sosef L i n b n e r zum ordentlichen Professor der Chemie ernannt worden.