Einzelbild herunterladen

Industriestaaten. 3n den überseeischen Ländern, so Australien, erwartet man eine Besse­rung von einer internationalen Preis- st a b i l i s i e r u n g, in anderen, wie den Ber­einigten Staaten, von einer Herabsetzung der Getreideanbaufläche. Die euro­päischen Sachverständigen empfehlen den über­seeischen Getreideproduzenten eine teilweise 11 in­st e l l u n g ihrer Landwirtschaft auf Viehzucht und andere landwirtschaftliche Er­zeugnisse und weisen darauf hin, daß die Auf­nahmefähigkeit Europas gegenüber der überseeischen Getrcideübecproduktion immer nur eine seh r beschränkte bleiben wird, do auch die Industriestaaten ihre eigene Landwirtschaft brauchen und kaufkräftig erhalten müssen.

Man darf annehmen, daß in dem Schlußbericht auch der Forderung des deutschen Vertreters Dr. Hermes besondere Beachtung geschenkt wird. Dieser sieht in der straffen genossen­schaftlichen Organisierung von Pro­duktion und Absatz landwirtschaftlicher Produkte auf den einzelnen nationalen Märkten eine notwendige und wichtige Boraussehung für eine spätere internationale Verständigung. Diese von Dr. Hermes bereits wiederholt vertretene Auffassung hat sich auch die Wirtschaftskonferenz von 1927 zu eigen gemacht.

Die Streichungen im Marineetat.

Einsparungen bei den Ersatzbauten.

Berlin, 9. Jan. Wie der Demokratische-Zei­tungsdienst mitteilt, hat die Marineleitung für das Jahr 1930 als ersten Teilbetrag für denDaueinesPanzerkreuzersö, der mitErsah Lothringen" bezeichnet wird, einen Betrag von 8Millionen Mark angeforderk. Dieser Betrag ist aber bereits bei den ersten Beratungen innerhalb des Reichsressorts ge­strichen worden, und es kann kaum angenommen werden, daß die Marineleitung nunmehr, nach­dem das Schuldentilgungsgeseh weitere Ein­sparungen am Reichshaushalt nötig gemacht hat, die Forderung erneut vorbringen wird. Für das Panzerschiff AErsatz Preußen" waren von der Marinclcitung für das Jahr 1930 11 Millionen Mark angefordert, davon sind aber auch nur 9 Millionen Mark bewilligt worden. Das ist die gleiche Summe, die im Vorjahr für die Bauperiode des Jahres 1929 zur Verfügung stand. Die Anforderungen für den Dau des KreuzersLeipzig" belaufen sich für 1930 auf 7 Millionen Mark. Die innerhalb des Reichsrcssorts beim Marineetat vorgenom­menen Streichungen haben bisher ins­gesamt einen Betrag von 39 Millio­nen Mart ergeben. Die D. A. Z. bezeichnet die Darstellung der Demokratischen Korrespon­denz als unzutreffend. Da der ganze Etat noch nicht fertig aufgestellt sei, schwebten auch über die Anforderungen der Marineleitung noch Verhandlungen, die in keiner Weise ab­geschlossen seien.

Die produktive

Erwerbslosenfürsorge.

Keine Aussicht auf Erleichterung für die Arbeitslosenversicherung

Berlin, 9. Jan. (Prio.-Tel.) Alle Erwägungen über Pläne, mit denen auf dem Wege über ein Arbeitsbeschaffungsprogramm und über die produktive Erwerbslosenfürsorge der schwere Stand der Arbeitslosenversicherung sinnvoll erleich­tert werden könnte, scheinen nach dem bis­herigen Stand der Verhandlungen an der F i ° n.o n z f r a g e zu scheitern. Das Reichsarbeits­ministerium steht im Zusammenhang mit dem Nachtragshaushalt und dem Etat von 1930 mit dem Reichsfinanzmini st erium bereits seit eini­ger Zeit in schwierigen und langwierigen Verhand­lungen. aber wie mir von gut unterrichteter Seite hören, macht sich, besonders seit dem Ministerwechsel, noch mehr als vorher energischer Wider­stand geltend. So ist das Reichsarbeitsministerium gezwungen, selbst die produktive Er­werb s l o s e n f ü r s o r g e auf ein Mindestmaß einzuschränken. Auf ihrem Hauptarbeitsgebiet, der Durchführung von Landarbeiterwoh­nungen, kann nur das allernotwendigste gelei­stet werden, d. h. die begonnenen Bauten werden, soweit es ihre Erhaltung bedingt, zuende geführt, aber zunächst keinerlei neue Pläne in Angriff genommen. Der Druck des Finanzmini- stermms macht sich besonders stark geltend, da auch hier über die vorgesehenen Ctatsmittel von runb 100 Millionen hinaus das Arbeitsministe- rium Rachforderungen für 1929 stellen muhte. An eine Erleichterung der Lage der Ar­beitslosenversicherung, auf die man in verschie­denen Kreisen gehofft hatte durch eine wesentliche Erweiterung des AicheitsbeschaffungsprogrammeS, ist also leider einstweilen nicht zu denken.

Oie Politik im Rathause.

Gegen die Lah , lcgung derSelbstvcrwaltrmg in Berlin.

Berlin, 8. Jan. (WTB.) Zur Sicher­stellung der Arbeitsfähigkeit der Selbstverwaltung finden im Rathause, seitdem am Dienstag die Stadtverordnetenver­sammlung wieder aufflog, sehr ernste Bespre­chungen statt, die von der DVP. eingelei­tet sind. Bisher hat, wie jetzt bekannt wird, eme Fühlungnahme mit den Demokraten und Sozialdemokraten, dem Zentrum und der W irisch astsp artet stottgesunden. Auch mit den Deutschnationalen soll über die Zukunst des Stadtparlaments beraten wer­den. Anlaß zu dem Vorgehen der Mittelparteien bietet die Tatsache, daß der O b e r p r ä s i de n t in einer nicht mißzuverstehenden Weise sich da­hin ausgesprochen haben soll, daß die maß­losen politischen Kämpfe im Roten Hause, die in letzter Zeit jede sachliche Arbeit vernichtet haben, die Aufsichts­behörden zu neuen einschneidenden Maßnahmen veranlassen würden, wenn nicht in Kürze die Stadtverordnetenversammlung selbst für die Herstellung geordneter Zustände Sorge trägt. Die Geschäftsordnung wird vor­aussichtlich außerordentlich verschärft werden Man wünscht, dem Stadtparlament eine Ge­schäftsordnung nach dem Mu st er des Reichstages zu geben und randalierende Elemente auf acht bi» zehn eventuell auf eine größere Zahl von Sitzungen auszuschlie- ßen. Damit verbunden soll auch der Entzug der Diäten und der sonstigen Bergünstigun-

Oie Hochzeitsfeier in Rom.

Oie Trauung des italienischen Kronprinzenpaares. Besuch im Vatikan.

Rom, 8. Jan. (TU. Funkspruch.) Die Trauung des italienischen Kronprinzen mit der Prinzessin Mario Joss von Belgien wurde am Mittwoch vor­mittag in der Paulinischen Kapelle des Q u i r i n a l 5 von dem päpstlichen Legaten, Starbinal Maffi, Erzbischof von Pisa, mit besonders feier­lichem Zeremoniell vollzogen. Der Trauung wohn ten außer den Eltern sämtliche geladenen Fürstlich­keiten, Mussolini, die Chefs der ausländischen Missionen, Die Ritter und Damen des Annunziaten- ordens, eine Vertretung des Malteserritterordens, ferner Bürgermeister Max von Brüssel, General Petain, als Vertreter des Präsidenten der fran- wsischen Republik, ferner Vertreter der Könige von Albanien und Aegypten, sowie die obersten Hof­chargen in Galauniform bei. Die Kapelle war für die Hochzeit mit dunkelrotem Samt ausgeschlagen und mit kostbaren Gobelins geschmückt.

Gegen 10 Uhr näherte sichderHochzeitszug der Paulinischen Kapelle, voran der Zeremonien­meister des italienischen Königspaares und das Ge­folge sämtlicher fürstlichen Gäste. Dann folgten die Ritter des Annunzia trn erbens und der Pala st präfektdesQuirinals. Die Braut wurde von ihrem Vater geführt. Der Kronprinz hatte seinen Arm der italienischen Königin geboten. König Viktor Emanuel führte die Königin von Bel­gien. Dann folgten die übrigen Fürstlichkeiten und zum Schluß die Hofdamen. Kardinal Maffi erwartete den Hochzeitszug in der Kapelle, umgeben von sei­nem geistlichen Gefolge. Nachdem die Hochzeitsteil­nehmer ihre Plätze eingenommen hatten, kniete das Brautpaar vor dem Altar nieder. Die Trauzeugen, zwei italienische und zwei belgische Prinzen, hielten während der Zeremonie über das Brautpaar einen Schleier. Als der Kardinal die Frage an das Braut­paar richtete, ob sie einander angehören wollen, wandten sich beide dem Protokoll gemäß zunächst an ihre Eltern und gaben erst, nach deren Zustim­mung ihr Jawort. Darauf verlas der Kardinal die Artikel des italienischen Ehegesetzes. Eine Stille Messe folgte.

Die Hochzeitsgesellschaft begab sich bann nach dem königlichen Schloß. Das Kronprinzenpaar trat auf den Balkon Ijerauö, während eine große Menschenmenge ihnen Kundgebungen darbrachte.

Dis Braut trug ein kostbares Gewand aus weißem Spiegelsamt und einem hermelinbesetzten Umhang mit einer sieben Meter langen Schleppe. Im Diadem war ein langer Spihenschleier be­festigt. Das Kleid der KöniginvonStalien wies kostbare Goldstickereien und Perlen auf champagnerfarbenem Grunde auf. Ihr Gold­brokatumhang hatte eine fünf Meter lange Schleppe. Die königlichen Prinzessinnen und die Ehrendamen trugen gleichfalls kostbare Umhänge und Spitzenschleier. Besonders wertvoll ist der rote Umhang der Prinzessin Mafalda von Hessen, der sich seit Jahrhunderten im Besitz des Hauses Hessen befindet. Die Könige und Prinzen und die übrigen männlichen Teil­nehmer der Hochzeit waren in Uniform ober Frack mit Ordensbändern erschienen. Kronprinz Rupprecht von Bayern, der in Feld- marschalluniform erschienen war, führte im Hoch­zeitszug die Herzogin Karl Theodor in Bayern, die Großmutter der Braut, deren lange Schleppe von zwei diensttuenden Edelleuten gehalten wurde.

_ Im St. Johannissaal des Ouirinals nahm der Senatspräsibent Tittoni in der Eigenschaft als Standesbeamter die Eintragung der EheschUcßuna in bas Zivilstandesregifter vor. Das Paar begab sich hierauf zum Vatikan, uni dem Papst einen Be­such abzustatten. Das Paar war von den höchsten Würdenträgern ihres neuen Hofstaats begleitet. Dem Gefolge hatte sich bas italienische Botschafter- paar beim päpstlichen Stuhl angeschlossen. Die Kraftwagen des Kronprinzen und seines Gefolges fuhren über den geräumten Petersplatz gleich bis zum Damasus-Hof durch, wo die Gäste von den päpstlichen Würdenträgern begrüßt wurden. Die Privataudienz beim Papst fand nach dem gleichen Zeremoniell statt, wie der kürzlich erfolgte Besuch des Kronprinzen und seiner Schwester. An die Audienz schloß sich der Besuch des jungen Paares beim Kardinalstaatssekretär Ga sparri und in der Peters-Basilika an. Kardinal Gasparri stattete in Begleitung des apostolischen Nuntius Sorgen- cjni Duca den Gegenbesuchs im Quirin al ab, wohin der Kronprinz aus der Villa Savoya gezogen ist.

gen fein. Auch der Polizeischuh des Rat­hauses soll in wesentlich schärferer Form durch­geführt werden als bisher.

Tleueinteilung der hessischen Kreise.

Forderungen des RcichSsParkommissars.

Darmstadt, 8. San. (WTB.) Durch den scharfen Widerspruch, mit dem sich der Schot- tener Kreistag gegen eine etwa geplante Aufhebung des Kreises Schotten ge­wandt hat, ist das aflgemetne Snteteffe erneut auf die Aenderung der KreiSeinteilung in Hessen gelenkt worden. Wie wir hären, wirb diese Frage an zuständiger Stelle bereits seit längerem erörtert, und es ist erklärlich, daß jetzt angesichts der dringenden allgemeinen Sparmaßnahmen auch hier zur Ent­lastung derSteuerzahler alles geschieht, was im Bereiche des Möglichen gelegen ist. Rach Meinung von sachkundiger Seite soll allerdings die mit der Aufhebung von Kreisäm­tern verbundene finanzielle Erleichterung nicht so hoch fein, wie zum Teil in der Bevölkerung geglaubt wird. Dem Vernehmen nach beschäftigen sich die jetzigen Erwägungen mit der Absicht einer wesentlichen Verminderung der Kreise. Rach den Forderungen des Sparkommissars S ä - misch sollen bekanntlich von den jetzt vorhan­denen 18 Kreisen insgesamt sogar sieben a 6 g e 6 a u t werden. Bis zum Abschluß der Erörterungen dürfte allerdings wohl noch einige Zeit vergehen, insbesondere dürfte die endgül­tige Feststellung große Schwierigkeiten machen, in welchen 'Kreisen der einzelnen Provinzen die größte Erleichterung für die Verwaltung erzielt wird. Für Rheinhessen wird das günstigste Ergebnis in der Aufteilung der Kreise Oppenheim und Bingen er­wartet.

Thüringens Finanznot.

Der Reichssparkommissar empfiehlt Veräußerung von Staatseigentum.

Berlin, 9. San. (Priv.-Tel.^ Thüringen be­findet sich feit Sahren in ernsten finanziellen Schwierigkeiten. Seine Landesfchuld hat sich auf 120 Millionen Mark erhöht, wovon nicht weniger al« 55 Millionen schwebende Schulden barfteUeii. Die Llrsache dieser enormen Verschuldung liegt in der verfehlten Finanzpolitik frü­herer Regierungen, die namentlich der Aus­gabefreudigkeit der Parteien nicht den erforderlichem Widerstand leisteten, der not­wendig gewesen war, um die Finanzen in Ord­nung zu halten.

©eU 1927 ist nun der Sparkommissar ein ständiger Gast der thüringischen Regierung. Er hat mit seinen Gehilfen sehr gründlich die getarnte Staatsverwaltung untersucht und das Ergebnis seiner Arbeit jetzt in einer umfang­reichen Denkschrift der Oeffentlichkeit über- geben. Obwohl er einschneidende Spar­maßnahmen vorgeschlagen hat, ist es ihm nicht gelungen, namentlich einen Weg für die Beseitigung des chronischen Defizits im Haus­halt zu zeigen. Dennoch ist es interessant, daß er die Veräußerung von Kalikuxen im Werte von dreißig Millionen Mark fordert, die sich im Besitze des thüringischen Staates befinden. Außerdem hat er eine ganze Reihe von Staatsgrund stücken namhaft gemacht, die einen Wert von acht Millionen darstellen und ebenfalls abgestoßen werden müßten Ob aber öicfe beiden Objekte zusanrmen 38 Millionen marf einhrmaen werden, ist sehr die Frage da natürlich die Ääujer versuchen werden, die finan­zielle Rotlage Thüringens auszunutzen und die Greife zu drücken

Inzwischen haben sich die innerpolitischen Ver­hältnisse Thüringens wesentlich geändert. Sn der neuen Regierung werden auch die Ratio- nalsozialisten maßgebenden Einfluß be­sitzen! in der Hauptsache wird es aber Aufgabe der gesamten Aechten sein, Thüringen aus seiner finanziellen Rotlage wieder herauszuführen. Das ist nur möglich, wenn ganz erhebliche Opfer gebracht werden und wenn man nicht nur im kommenden, sondern in einer ganzen Reihe von Haushaltsjahren zu gewaltigen Ein­sparungen schreitet.

Ein neuer Vorstoß zur Versaffungsresorm in Oesterreich.

Seipel fordert WirtfchaftSkammer und Bundesrat.

Wien. 8. San. (WB.) Der Obmann der Ehristlich-^Sozialen Partei, Bundeskanzler a. D. Dr. Seipel, hat der Ehristlich-Soziccken Dundesparteileitung eine Reihe von Vorschlägen für die Arbeit der Christlich-Sozialen Partei im neuen Sahr unterbreitet und insbesondere die Frage des Länder- und StänderateS eingehend erörtert. Er persönlich, so führte Dr. Seipel aus, habe immer abgeraten, den Stände­rat in der Verfassung einzusichren, solange er nur auf dem Papier bleiben müsse. Die Christ­lich-Sozialen hätten aber trotzdem aus ihrer treuen Gefolgschaft für die Regierung Schobers heraus dafür gestimmt. Run aber mühten die Parteien für die nächsten Wahlen, die für das Frühjahr 1931 zu erwarten seien, Unklarheiten besonders in dieser Frage vermeiden. Seiner An­sicht nach sei nach dem Vorbild der früheren provisorischen Rationalversammlung ein provi­sorischer Ständerat, eine Wirtschaftskam­mer zu schaffen. Diese Wirtschaftskammer würde einerseits Vorschläge für die Zusammensetzung der künftigen endgültigen Wirtschastskammer auszu- arbeiten haben, andererseits aber volles Ge­setz g ebu n g s r e ch t besitzen, und zwar die Priorität in allen wirtschaftlichen Gesetzen, während die Priorität in politischen und kulturellen Angelegenheiten dem Rationalrat bliebe, ihn den Ländern die Einspruchsmöglich­keit zu wahren, soll das Kollegium der Landeshauptmänner in einen Staatsrat oder Bundesrat verwan­delt werden, der mit Mehrheitsbeschluß jedes Gesetz zu nochmaliger Behandlung in die Kam­mern rückversveisen könnte. Die ausschließ­liche Zuständigkeit des Rationalrats in Budget- fachen müßte unberührt bleiben-

Die Erklärungen Dr. Seipels wurden in allen Parteilagern eifrig besprochen. Bei den Grohden tschen und beim Landbund horte man Stimmen der Verwunderung, daß Dr. Seipel gerade im jetzigen Zei tpunkt die Frage aufrollt und damit die Absicht zu er­kennen gibt, die angekündigte zweite Etappe der Berfassungsreform sofort in Angriff zu nehmen, obwohl das Arbeitsprogramm, mit welchem die parlamentarische Tätigkeit des Sahres 1930 ein­geleitet werden sollte, die Lösung der praktischen Wirtschaftsfragen vorgesehen hatte. Andererseits wolle man die Rotwendigkeit, auch über dieses Problem zu sprechen, nicht verkennen. Sn ch r i st - lich-sozialen Kreisen wird dem gegen­über erklärt, Dr. Seipel habe mit seiner Attion nur seine Pflicht als Parteimann erfüllt, inner­halb der Partei die Grundlagen zu einer allge­meinen Beratung zu schassen, um über die Schaf­fung des Ständerates, seine Zusammensetzung und seine Kompetenz eine einheitliche Einstellung der Partei herbeizuführen. Sn der Tat sei auch heute kein Beschluß gefaßt worden, sondern öS sei nunmehr den Anterorganisationen der Partei an- heimgegeben, sich mit der Frage der Wirtschafts­kammer oder des Ständerates zu befassen. Sm sozialdemokratischen Lager verhält man sich den Absichten Dr. Seipels gegenüber ebenso ablehnend, wie dies bei der Beratung Der Verfassungsnovelle im Rationalrat der Fall war. Die Sozialdemokraten betrachten die Wrrtschafts- kammer oder den Ständerat als eine in den Rah­men der Gesetzgebung nicht hineinvaflende un­demokratische Einrichtung.

Aus aller Welt.

Disziplinarverfahren gegen einen Berliner Stabfrat

In dem von dem Berliner Bezirksamt Lichtenberg angestrengten Disziplinär, verfahren gegen den Stadtrat, Regierungs- baumeifter a. D. Max Preindl, hat der Ober- Präsident den Genannten nunmehr des Amtes enthoben. Der Beamte, der Dezernent des Bau- amtes des Bezirkes Lichtenberg war, hat wider besseres Wissen die Ueberschreitung der B a u k o st e n für das im Februar 1928 eröffnete Hallenbad Lichtenberg dem Bezirksamt falsch g e - meldet. Während nämlich die Ueberschreitung der Baukosten in Wirklichkeit 223 000 Mark betrug, hat Preindl diesen Betrag um 57 000Dlarl niedriger angegeben. Um diese Täuschung der städtischen Verwaltung *u verschleiern, wurden einfach Rechnungen in Höhe von 57 000 Mark zurück- gehalten und nicht beglichen. Preindl Hai auch den Stadtoberarchitekten des Bezirkes zur Teilnahme an dieser Täuschung verleitet. Beide haben dann versucht, die fehlende Summe von 57 000 Mark durch Ueberschreibung auf neue Bauprojekte wieder einzuholen. O7> Stadtrat Preindl die falschen Angaben über die Bau- überschreitung gemacht hat, um sich eigene Vorteile zu verschaffen, muß erst durch das Disziplinarver­fahren geklärt werden.

Aufklärung eines Mordes nach zehn Jahren.

Die Ehefrau des Kastellans des damaligen Oberlhzeums in der Schillerstraße in Erfurt, Karl Flemming, hat der Polizei Anzeige er­stattet, daß ihr Mann im Suni 1920 Die 57jährige Frau Albine Lenzner, die bei der Familie Flem­ming wohnte, im Keller der Schule mit einer Kohlenschaufel ers chlagen, die Leiche zerstückelt und in einem eisernen Jüll- ofen verbrannt habe. Flemming wurde fest- genommen und hat die Tat eingestanden.

Ruhestörung aus Wißbegierde.

Sm Reuyorker Museum für natur­wissenschaftliche Forschung war ein« Vorlesung über die Einstein-Theorie an- gesetzt. Wehr als 4000 Personen versuch­ten, Zutritt zu der Vorlesung zu finden. Da der Türhüter nicht alle zulassen konnte, stürmte die Menge den Hörsaal. Diele Personen wurden niedergetrampelt, und das eiserne Tor­gitter eingedrückt- Die Polizei muhte alarmiert werden und die Ordnung wieder Herstellen. Po­lizeibeamte bezeichneten den Vorfall als die erste Ruhestörung in Reuyork aus reiner Wissbegierde.

Tagung der demokrattschen Studenten.

Der Reichsbund deutscher demo­kratischer Studenten hält in Berlin feinen Reichsvertretertag ab. Die Tagung wurde tm demokratischen Klub m Anwetenheit von Delegierten von zwanzig Hochschulen eröffnet. Sn feinen Begrüßungsworten betonte der Vor­sitzende, daß der Reichsbund sich jetzt wieder in aufsteigender Entwicklung befinde. Seit dem letzten Vertretertag seien die Gruppen Rostock, G i e tz e n und Nürnberg neu hinzutzekommen. Mit der Demokratischen Partei und mit den Sungbemofraten bestehe eine FreundschaftS- und Arbeitsgemeinschaft. Auf die Eröffnungsrede folgten Geschäfts-, Kassen- und Gruppenberichte sowie Besprechungen organisatorischer Fragen.

Oie Weiterlage.

Ptittvzocht

layen.

H051

Mord'

.Nordöyan.

Tnors!

15

/vagenf.

icnf

2^> Oslo

Owoixenios oneitei. ®nai» »cdecM.» *oiKig. ocdecxi

Sehnte a Oraoptin. o ntoci K ü<wittar.(§)wiodsiille.o st» «tthtef Ost eassigv Südsüdwest S stürmischer wordwtsfc öte Meae fliegen mit dem winde. Pie oo den Stationen stenenden leo geben die Temperatur an. Die Linien vciDmde» QrU mit gleichen! wl ntercimveiv umatr*ctin«U» LulUruct

Wettervoraussage.

Die Wetterlage wird ferner durch die Zufuhr ozeanischer Luftmassen bestimmt, die mit dem Dorbeiziehen der Fallgebiete im Rorden nach dem Festlande gelangen. Dabei sind die Tempe­raturen leichten Schwankungen unterworfen, än­dern sich aber im Vergleich zu den letzten Tagen nur wenig.

Wettervoraussage für Freitag. Roch stellenweise nebelig, sonst wolkig mit vor­übergehender Aufheiterung, ohne stärkere Tem­peraturänderung, vereinzelt geringe Rieder­schläge.

Witterungsaussichten für Sams­tag. CEBcntg Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 8. Sanuar: mittags 0,4 ©rab Eelsius, abends 0,7 Grad; am 9. Sanuar morgens: 1,4 Grab. Maximum 1,3 Grad, Mini- mm 0,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 Zenti­meter Tiefe am 8. Sanuar: abends 1,9 Grad: am 9. Sanuar: morgens 1 Grad Celsius.

Amtliche Wintersportnachrichten.

Schwarzwald. Feldberg: Schneetreiben, minus 1 Grgd, 25 Zentimeter Schnee, gekörnt.

und Rodel gut.

Rlven Garmisch-Partenkirchen: Bewölkt. 6 Grad, 10 Zentimeter Schnee ver­harscht, eii und Rodet vtechig.