Unlautere Darlehensgeschäfte vor Gericht.
Großer Betrugsprozeß vor dem Gießener Schöffengericht. - 80 Zeugen zur Vernehmung.
* Gießen, 7. Rov. Heute begann vor dem Erweiterten Schöffengericht die Harcptverhandlung «gegen den Kaufmann Albert Wacker von Wieseck wegen Betrugs. Mit Rücksicht auf die umfangreiche Beweisaufnahme (es sollen etwa 80 Zeugen hier vernommen und die Aussage von etwa ebensoviel auswärts vernommenen Zeugen und die gesamte Korrespondenz usw. verlesen werden) sind ein Hilfsrichter und ein Hilfsschoffe zugezogen worden.
Wacker wird des fortgesetzten Betrugs beschuldigt. Er soll als Vertreter einer Wiener Firma Pavelec und als Inhaber der von ihm gegründeten Kreditschuhvereinigung „Kreveawa"
Darlehnssuchende um ihre Beiträge geschädigt haben. Wacker bestreitet jede Schuld. Er sei 1928 Vertreter, dann Zentralleiter und schließlich Reichsleiter der Firma Pavelec geworden. Er Hütte den Angaben in deren Prospekten usw. getraut. Erst 1929 habe er gemerkt, daß es mit Pavelec doch nicht richtig sei. Er sei dann aus- geschieden und habe die „Ä r e D e a to a“ gegründet. Deren Geschäftsführung sei durchaus ein
wandfrei gewesen. Wacker übergibt eine Aufstellung, wonach während der sieben Monate des Bestehens der „Kreveawa" 1 2000 M k. (Sin- nahmen ju verzeichnen sind, darunter 3500 Mk. noch nicht gezahlte Mitgliedsbeiträge.
von diesen Geldern haben Darlehnssuchende 900 Mark erhalten — wacker 3800 Mark für seine Geschäftsführung.
Der Rest wurde für Inserat- und Drucksachen, Bücher usw. ausgegeben. In seinen Prospekten sprach allerdings Wacker davon, daß die „Kreveawa" ehrenamtlich verwaltet werde. Eine Fülle Llnrichtigkeiten ähnlicher Ratur sind in den Prospekten enthalten, die dann teilweise verlesen wurden. Sie alle lassen deutlich erkennen, daß oer Zweck beider Firmen war, möglichst viele Mitglieder und damit deren Beiträge zu bekommen. Ehe diese „gemeinnützigen" Institute für ihre Kunden tätig wurden, muhten erst die Beiträge (60 Mk. für ein Jahr mindestens) gezahlt werden. Aber dann bekamen die Geld- suchenkxn mit ganz wenigen Ausnahmen-n i ch t s.
Wir werden demnächst über die Beweisaufnahme und das Urteil berichten.
Eifrige Verkehrswerbung in Lich.
* Lich, 7. Rov. Der hiesige Verkehrs- und Verschönerungs-Verein hielt heute abend unter Leitung des Vorsitzenden. Bürgermeister Geil, im Park-Hotel seine Hauptversammlung ab. Das groß? Interesse unserer Bürgerschaft an der Arbeit des Vereins kam in außerordentlich starkem Besuch zum Ausdruck. Da der Verkehrs- und Verschönerungs- Verein nach längerer Ruhezeit erst vor einigen Monaten zu neuem Schaffen wieder erweckt worden war, war zwecks Wiederanknüpfung guter Arbeitsbeziehungen zwischen Lich und dem Verkehrsbund Obcrheffen Redakteur Dlumschein von Gießen als Vertreter des Vorstandes des Verkehrsbundes Oberhessen anwesend.
Bürgermeister Geil begrüßte die stattliche Versammlung unter Hinweis auf die Wichtigkeit der Arbeit des Vereins. Sodann hieß er den Vertreter des Derkehrsbundes Oberhessen willkommen mit dem Wunsche, daß zwischen dem Der- kehrsbund Oberhefen und dem 'Verkehrs- und Verschönerungsverem Lich immer eine fruchtbare, gemeinsame Arbeit bestehen möchte. Den gleichen Wunsch, mit der Versicherung des besten Willens zu regster Mitarbeit, brachte der Vertreter des Verkeyrsbundes Oberhessen zum Ausdruck.
Hierauf erstattete der Geschäftsführer des Verkehrs- und Verschönerungsoereins, Lehrer Hild, den
Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes
während der fünf Monate feit dem Wiederaufleben des Vereins. Die Darlegungen des Berichterstatters zeugten von ungemein reger Arbeit der leitenden Herren des Vereins, die auf Grund ihres bisherigen gemeinnützigen Schaffens berechtigten Anspruch auf allseitige Unterstützung ihrer Arbeit erheben können. U. a. wurde in dem Bericht zur Kenntnis gebracht, daß der Verein an den schönsten Stellen der Stadt Ruhebänke aufgestellt hat und die bisherigen, soweit erforderlich, erneuern ließ; bei dieser Gelegenheit wurde auch der dringende Wunsch um Schonung dieser gemeinnützigen Einrichtungen ausgesprochen, eine Bitte und Ermahnung, die besonders an die Jugend gerichtet wurde. Weiter wurde von einer Verschönerung am Denkmal berichtet, der weitere Arbeit in gleicher Richtung folgen soll. Auf dem Gebiete der Verkehrswerbung brachte der Vorstand zunächst in kleiner Auflage einen Führer durch Lich her- aus, der demnächst in größerer Stückzahl hergestellt und für den Besuch in unserer Stadt werben soll. Sodann wurde Kenntnis gegeben von der Schaffung eines Mitteilungsblattes, das einer engeren Verbindung der Arbeit des Dereinsoorstandes mit den Mitgliedern und der Bürgerschaft dienen soll. Im weiteren Verlaufe des Berichtes brachte der Vorstand zur Kenntnis, daß er sich um die Schaffung von Sonntagsfahrkarten der Reichsbahn auf der Strecke Frankfurt — L t ch bemüht hat, daß er sich für die Einrichtung einer Jugendherberge in Lich einsetzt, hinsichtlich der vom Verkehrsbund Oberhessen geplanten Herausgabe einer Reliefkarte von Oberhessen Wünsche geltend macht, an der Schaffung
der großen Autostraße (H a f r a b a) mit bestimmten Forderungen im Interesse der Stadt Lich interessiert ist und auch hinsichtlich der Errichtung von Autobuslinien nach und von Lich aus, gegenwärtig in erster Linie im Zusammenhang mit der bevorstehenden Verkraftung der Landpost, starke Aktivität entwickelt.
An den beifällig aufgenommenen Tätigkeitsbericht schloß sich eine
rege Aussprache
an, an der sich Oberbahnhofsoorsteher Berg, Bürgermeister Geil, Lehrer H i l d, Kaufmann Hahn, Herr Busch und der Vertreter des Verkehrsbundes Oberhessen beteiligten. Bei dieser Erörterung wurde eine ganze Reihe wichtiger Verkehrsfragen unserer Stadt eingehend behandelt. Man beschäftigte sich u. a. mit der Butzbach-Licher Dahn, mit den Kraftpo st plänen der Reichspost, der Haltung der Reichsbahn gegenüber den Licher Wünschen hinsichtlich der Sonntagöfahrkar- te n, wobei lebhaft bedauert wurde, daß die Reichsbahndirektion Frankfurt die Schaffung von Sonntagsfahrkarten Frankfurt — Lich zunächst ab» gelehnt und sich nur zur Schaffung von Sonntagsfahrkarten Lich — Frankfurt bereit erklärt hat. Weiter wurde eingehend über die Frage der Ausgestaltung des Po st dien st es von Lich aus nach den Nachbarorten beraten, ferner die Einrichtung von öffentlicher Fern- sprechgelegenheit durch Aufstellung von Fernsprechhäuschen in den Straßen unserer Stadt gefordert, weiter auch geltend gemacht, daß die Oberpostdirektion Darmstadt alles tun müsse, um den Wirkungsbereich des mit erheblichen Kosten geschaffenen neuen Licher Postamtes aus- jubauen. Man war sich auch allseitig einig in der Erkenntnis, daß für die Verkehrswerbung im Interesse unserer Stadt weiterhin rege gearbeitet werden muß. Als Ergebnis der gründlichen Aussprache konnte der Vereinsvorstand eine große Anzahl von Anregungen für seine Arbeit und die Versicherung allseitiger Bereitschaft zur Unterstützung seiner Tätigkeit verbuchen..
Sodann wurde über das Ergebnis der Rechnungsführung und den von dem Verein veranstalteten
Blumenschmuckwettbewerb
berichtet, wobei eine Anzahl Mitglieder für hervorragende Stiftungen bei der Schmückung ihrer Häuser und Wohnungen mit Blumen durch ansehnliche Preise ausgezeichnet wurden.
Der Vereinsbeitrag, der sich früher auf 5 Mark pro Jahr belief, wurde auf 1 Mark jährlich festgesetzt, um jedem Einwohner der Stadt die Möglichkeit zu geben, unter tragbaren finanziellen Bedingungen die Mitgliedschaft im Verein zu erwerben.
Ein besonderer Höhepunkt der Versammlung war die Auszeichnung des um unsere Stadt und um den Verkehrs- und Verschönerungsverein sehr verdienten Lehrers Jakob Schneider durch e i n ft t m • mige Ernennung zum Ehrenmitglied des Vereins.
Reger Gedankenaustausch hielt die Mitglieder nach Schluß der Versammlung noch längere Zeit beisammen.
einigten Staaten aufzutreten. Darum aber ist in diesem Staate eine natürliche und starke Frci- heitsbewegung vorhanden, ein Haß gegen Rordamerika und gegen eigene Politiker, die die Verbindung mit Amerika fördern. Das vermehrt überdies auch erneut die Schwierigkeiten Englands. Denn nicht nur die Werte Rordamerikas in Südamerika sind ungeheuer, sondern auch die Englands. Dabei muh man sich in Rordamerika w:e in England sagen, daß man zu einem guten Teile selbst an die'er Gefährdung seiner Interessen schuld ist, die allmählich fast auf ganz Südamerika übergegrifsen hat. Denn katastrophal traten damit die Folgen des Krieges hervor, die auch für Südamerika nicht günstig gewesen find.
liniere Gegner haben diese Staaten zur Rohstofflieferung, zur Lieferung von Kriegsmaterial usw. gegen Deutschland herangezogen. Daran haben zunächst diese südamerikanischen Staaten verdient. Aber jetzt zeigt sich, daß ihnen das nicht zum Segen geworden ist, denn auch sie sind in die weltwirtschaftliche Krise als eine Folge der Kriegserschütterung hineingezogen worden. Sollten derartige Erscheinungen nicht dazu veranlassen, in einer wirklich entschlossenen internationalen Zusammenarbeit über den Völkerbund. in dem auch zahlreiche südamerikanische Staaten sind, oder auf anderen Wegen die wirtschaftliche Rot zu beheben und den politischen Frieden zu sichern? Zeigt sich nicht bald an jeder Ecke, daß dieser ungeheure Krieg auch- nicht entfernt für die Sieger ein Erfolg, ein Geschäft gewesen ist? Daß sie schließlich doch alle nur geholfen haben, eine Machtstellung Frankreichs in Europa Herstellen zu Helsen, eines Frankreich, das heute durch seine politische Starrheit und die Art seiner Äachkriegs- politik die Abrüstung und alle verwandten Fragen lähmt, den Frieden nicht fördert, und das durch seine Goldpolitik ebenso die wirtschaftliche und finanzielle Ordnung in der Welt auf hält, ja stört?
Aus Oer Provmzialbauptstadt.
Gießen, den 8. November 1930.
Anweisungen zum Schlachten.
Der Gießener Tierschutz-Verein, Weserstrahe 4, teilt uns mit:
Man betäube nach Möglichkeit jedes Tier vor dem Schlachten. Ist das unmöglich, so lasse man nach dem Schnitt den Kopf des Tieres nicht herabhängen, denn so lange warmes Blut im Gehirn ist, lebt und fühlt das Tier. Bei auf- gerichtetem Kopf stirbt es rascher. Deshalb trage man das Geflügel nicht mit herabhängendem Kopf zum Schlachten. Alle Werkzeuge müssen scharf sein.
Hühner aller Art und Puten betäubt man durch kräftigen Kopfschlag und schneidet, oder schlägt ihnen dann den Kopf ab. Gänsen und Enten durchsticht man nach der Betäubung mit spitzem Messer den ersten Halswirbel hinten. Bloßer Kehlschnitt und das Hineinstechen in den Schnabel ist grausam. Fische betäubt man durch kräftigen Schlag auf den Kopf und durchschneidet dann die Wirbelsäule hinter dem Kopf. Das Ab» schuppen des lebenden Fisches ist grausam, ebenso der Transport von Fischen ohne Wasser, wobei das Tier schreckliche Atemnot leidet. Kaninchen betäubt man durch einen wuchtigen Schlag mit einem schweren Stück Holz hinter die Ohren und durchschneidet dann die Halsadern.
Bei Hausschlachtung von größeren Tieren sorge man für rasche gründliche Betäubung und lasse nach dem Schlachten mit aufgerichtetem Kopse ausbluten.
Schlachtungen sind keine Schauspiele für Kinder. Der Anblick des vergewaltigten Tieres erregt in Kindern mitleidiges Grausen, oder hartherziges Vergnügen. Beides schadet dem Kind. Man schlachte auch nicht bei der Tötung von mehreren Tieren eines vor den Augen des andern, sondern erspare ihnen die Todesang st.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 160, Kochbutter von 130 an, Matte 30 bis 35, Weißkraut 5 bis 6, Wirsing, Rotkraut, gelbe und rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Unter-Kohlrabi 5 bis 6, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 3,5 bis 4, Aepfel 25 bis 50, Dirnen 20 bis 40, Dörrobst 30 bis 35, Nüsse 40 bis 60, Honig 40 bis 50, junge Hähne, Suppenhühner und Gänse 100 bis 110 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 50 bis 70, Eier 16, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Salatgurlen 20 bis 30, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück; Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund; Kartoffeln 2,20 bis 2,50, Weißkraut 3, Wirsing 4, Rotkraut 5 Mark der Zentner.
Vornotizen.
— Tageskalender für Samstag. Schühengesellschaft 1926: 4. Stiftungsfest, 20.30 Tlhr, auf der „Liebigshöhe". — Altersvereinigung 1877/1927: Versammlung, 20 älhr, Kohler, Wcstanlage. — Kavallerie-Verein Gießen: Monatsversammlung, 20.30 Uhr, im ..Hessischen Hof". — Kriegerverein Gießen: Monatsversammlung, im Schühenhaus. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Liebe und Champagner". — Astoria- Lichtspiele: „Robert und Bertram".
— Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: „Schinderhannes", 14 bis 17 Uhr und 18 bis 21 Uhr. — Lukasgemeinde: Familienabend, 20 Uhr, im Lukassaal. - Mandolinen» und Gttarrenverein „Reapolita": Konzert. 16.30 üljr, in der Reuen Aula der Universität. — Großes Militär-Konzert, 20.15 Uhr, im Cafe Leib. — Cvang. Stadtmission: Iahressest, 15 Uhr und 20 Uhr, Löberstraße. — Bienenzüchter Gießen und Umg.: Versammlung, 15 Uhr, bei Kraft. — Verein für deutsche Schäferhunde: Besprechung 9.30 Uhr, im Hotel Hopfeld. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Kulturfilm - Frühvorstellung
„Maha; auf den Inseln der 1000 Wunder'' 11.15 Uhr; abends „Liebe und Champagner" — Astoria-Lichtspiele: „Robert und Bertram" (mit Harry Liedtke).
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen 18 Uhr im Rahmen der sonntäglichen Fremdendorstellung Carl Zuck- mayers Dolksstück: „Schinderhannes" unter der Regie von Intendant Dr. P r a s ch. — Montag im Mittwoch-Abonnement Gastspiel der Konrad- Dreher-Truppe mit dem Volksstück: „Der wunder» tätige Antonius". — Dienstag erstmalige Wieder» hvlung des mit Erfolg auf genommenen Lustspiels:
„Geschäft mit Amerika" unter der Spielleitung von Karl V o I cf. — Am Freitag Erstaufführung von Schillers Trauerspiel „Kabale und Liebe" unter der Spielleitung von Walter Bäuerle.
— Oberhess. Gcschichtsverein. Man schreibt uns: Den ersten Vortrag dieses Winters wird am Montag, 10. Rovember, Herr Geh. Kirchenrat Prof. D. Krüger über „Die Endä- monisten" halten. Es handelt sich um eine unter dem Druck der französischen Revolution zusammengetretene Gelehrten- und Literatengesellschaft, über deren Pläne und Wege der Vortragende an Hand bisher unbekannter Akten neues Licht zu verbreiten vermag. Im Vordergrund stehen zwei Perfönlichteiten: der Gießener Regierungsdirektor von Grolman und der Darmstädter Oberhofprediger Starck. Dem Vortrag geht die diesjährige Mitgliederversammlung voraus; Ort: Hörsaal 54 des Vorlesungsgebäudes. (Vgl. die Anzeige am 3. Rovember.)
— Gemeindefeier der Markus- gemeinde. Man schreibt uns: Wie alljährlich, findet auch am morgigen Sonntag Wiede» Gemeindefeier und Verkaufstag der Markus-- gemeinbe in der Turnhalle statt. Cs wirken mit der Verein für christliche Musik, die Kinder der Kinderkirche und die Mädchenvereinigung. Tie Handarbeiten, welche zum Verkauf geboten werden, sind von dem Frauenverein hergestellt, ihr Erlös ist für die soziale Hilfe in der Gemeinde bestimmt. (Siehe heutige Anzeige.)
— Deutschnationale Volkspartei. Man schreibt uns: Am Mittwoch, 12. November, 20% Uhr, hält Frau Reichstagsabgeordnete Annagrete Lehmann im „Postkeller" einen öffentlichen Vortrag über: „Warum bekämpfen wir das gegenwärtige Regierungssystem?" (Siehe heutige Anzeige.)
= Förderer des Tierschutzes In Oberhessen. Der Tierschutzverein für Hessen 1 hot in feiner Hauptversammlung in Heppenheim
beschlossen, an 61 um den Tierschutz besonders verdiente Polizeiaufsichtsbeamte und an 53 treue Tierpfleger Drplome und Anerkennungsprämien als Auszeichnung überreichen zu lassen. Zu den Ausgezeichneten gehören die Tierschuhförderer in Oberhessen: Polizeiaufsichtspersonal: die Gendarmerie-Hauptwachtincister Scharmarn (Gießen), Schalter (Lich), F.scher (Vilbel), Wei° bett (Homberg), Großmann Büdingen), Riesling (Friedberg), Dreher (Bad-Rauheim), Haber (Rockenberg), die Gendarmeriemeister Schneider (Homberg), Günther (Groß-Karben), Wenzel (Vilbel), Braun (Laubach), Rumpf (Ulrichstein), die Polizei-Hauptwachtmeister Kögel, Kühl, Kramer, Pietsch, Kohn, Haubncr, Zimmer (Gießen), Schmidt (Bad-Rauheim), die Polizei-Oberwacht- meister Kurt Schäfer (Gießen), Rapp (Bad-Rau- beim). Für treue Tierpflege wurden ausgezeichnet: Cornelius Müller (Gießen), Heinrich Balser und Gustav Erb (Großen-Buseck), Johannes Geisel II. (Leusel), Margarethe Haber- rnehl (Altenburg), Konrad Scheer (Gleimenhain), Otto Werner (Litzberg), H. Euler V., Ioh. Petri, Adam Beyer (Vonhausen), Fr. Münch, H. Gillmann, Fritz Papendick, W. Fromm (Bad-Rau- heim), Hermann Horn (Lauterbach), Katharine Boß (Engelrod), Ernst Ktieschewski (Gedern). Für besondere Verdienste erhielt Lehrer t. R. Artz (Bindsachsen), der 50 Jahre Ortsvertreter ist, eine besondere Urkunde.
** Unterhaltungsnachmittag. Auf besondere Anregung hin hat sich die Volkshochschule entschlossen, im Lause des Winters eine Reihe von Unterhaltungsnachmittagen zu veranstalten, die unentgeltlich jedermann Gelegenheit geben sollen, sich einige Stunden von den grauen Gedanken des unausgefüllten Tages freizumachen. Gestern nachmittag fanden sich im Singsaal des Realgymnasiums sehr viele gfreunbe der Volkshochschule und eine große Reihe jüngerer Leute ein. Zwar konnte das Programm, das für diesen
Rachmittag vorgesehen und veröffentlicht war, nicht völlig zur Durchführung gelangen, da Herr Hegar, der Leiter der Volkshoch chule, erkrankt war. So wurde denn eine Stunde mit musikalischen Darbietungen ausgefüllt, für die sich Frau Wolfs, Frl. Behersdors, Frau Dr. Fischer und Herr Beyersdorf zur Verfügung gestellt hatten. Eine Dachsche Kantate, Lieder von Mendelssohn, schöne beläimie Volkslieder, von Frau Wolff außerordentlich lebendig gelungen, waren wohl geeignet, den Zweck zu erfüllen, dem sie vorher bestimmt waren. Die Darbietungen fanden lebhaften Beifall.
** Denkmalsweihe in Darmstadt. Am Sonntag, 16. November, findet in Darmstadt die Weihe eines Gefallenendenkmals der Großh. Hessischen Train-Abteilung Nr. 18 und ihrer Feld-Formationen statt. Mit der Weihe ist am Samstag die Veranstaltung eines Begrüßungsabends für auswärtige Kameraden verbunden; am Sonntag um 11.45 Uhr findet der eigentliche Festakt statt; um 15 Uhr vereinigt eine Wiedersehensfeier die ehemaligen Angehörigen der Trainabteilung.
** Bezirks-Lehrerverekn Gießen- Land. In der jüngsten Versammüitzg, die am Samstag im Hotel Kobel stattfand, gedachte der Vorsitzende zunächst in warmen Worten des an demselben Tage verstorbenen Mitgliedes Heinrich Jäger, Lehrer in Mendorf (Lahn). Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen hielt Lehrer D r. M i - ch e l, Wieseck, einen Vortrag über „Heimatkunde auf der Oberstufe der Volksschulen". In klarer, abwägender Weise legte Dr. Michel die Gründe bar, warum wir auch in unfern Oberklassen unsere Heimatgemeinde und ihre Umgebung, ihre Beziehungen zu den Nachbargemeinden und Arbeitsplätzen, vor allem auch ihre geschichtliche Entwicklung näher kennenlernen müssen. Es gilt nicht nur, die Kinder auf der Unterstufe in die nähere Heimat einzuführen, sondern viel wichtiger ist es, den älteren Kindern ihre Heimat lieb und vertraut zu machen. Zu den besten Hilfsmitteln, die hier in Frage kommen, gehören unstreitig die Umgebungskarten größerer Städte und Dörfer (1:25 000), herausgegeben vom hessischen Landesvermessungsamt. Anhand dieser Karten können unzählige Erkenntnisse gewonnen werden. An Beispielen zeigte der Vortragende, mit welchem Eifer und welcher Sorgfalt die Schüler von Oberklassen diese Karten nach verschiedenen Seiten hin ausarbeiten und verwerten. Daß nebenher noch Gemarkungsgänge, und Rückblicke in die Geschichte unserer Gemeinden ergänzend hinzutreten, wurde ebenfalls erwähnt. An den mit viel Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine sehr rege Aussprache an. Zugleich wurde von neuem der Plan erörtert, für den Kreis Gießen eine Arbeitsgemeinschaft der Heimatfreunde zu gründen. Er wird wohl im Jahre 1931 Wirklichkeit werden.
* „M i I a I, der Grönlandjäge r". Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband vereinigte am Donnerstagabend seine Mitglieder und Freunde zu einem Filmabend im Cafe Leib, der einen sehr guten Besuch auszuweisen hatte. Zur Ausführung gelangte ein Film „Wllak, der Grönlandfahrec", der in sehr feinen Bildern die Mühen, Gefahren und Entbehrungen einer Forschungsfahrt nach Rordgrönland toiet) ergab, dessen besonderer Wert aber darin bestand, daß' er an tatsächliche Geschehnisse anknüpft und auf Grund von Tagebuchaufzeichnungen in feiner Handlung rekonstruiert wurde. Hervorragende Raturaufnahmen aus dem nördlichen Eismeer, von der ernsten, erhabenen und doch so kalten Pracht des Rordlandes, die sehr eindrucksvolle Schilderung der Fahrt über tausend Kilometer Eis und Schnee zeichnen den Fllm vor manchem anderen aus. Die Bilder aus dem Leben bet Eskimos gefielen besonders gut; Milaks aufopferndes Wesen gab der Handlung die menschliche Crundnote.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
X Wieseck, 8. Rov. Der erste evangelische Gemeindeabend brachte in einer Lichtbildstunde 48 Bilder über Doktor Martin Lu ther nach Radierungen von Gustav König (1808 bis 1869). Der Ortsgeistliche gab die Erläuterungen. Vorher erfreute sich die sehr zahlreich versammelte Schuljugend an den schönen Bildern.
* Leihgestern, 7.Noo. Der hiesige Landwirtschaftliche Konsumverein I ist dazu übergegangen, bas 4 Pfund-Brot, bas bisher hier 70 Pf. unb zum Teil noch mehr kostete, für 60 Pf. zu verkaufen. Der Preisabbau wird allgemein begrüßt. — Kürzlich fand hier eine Versammlung der Milchproduzenten statt. Die Preisspanne zwischen Erzeuger, unb Hänblerpreis würbe als zu hoch erachtet. In ber hiesigen Milcherzeugerschaft besteht ber Wille, unter Umstänben ebenfalls — bem Beispiel anberer Lanbwirte folgend — direkt an die Verbraucher zu liefern.
OHolzheim,7. Rov. Hier wurde durch Vermittlung des Ortsgeistlichen Pfarrer Schmidt eine Sammlung zugunsten der Rheinischen M i s s io n durchgeführt. Cs wurden insgesamt etwa 150 Zentner Kartoffeln aufgebracht, die mit der Bahn nach Barmen gesandt wurden. Die Spender stellten die Säcke und brachten auch das Geld für die Fracht auf.
af. Langsdorf, 7. Rov. Am Mittwochabend wurde auf Veranlassung des Landesvereins für Innere Mission in der hiesigen Kirche der F i l m „Wunder der Schöpfung" gezeigt. Er machte bekannt mit den Geheimnissen der Sternenwelt und ihrer Erforschung zu allen Zeiten; er zeigte den Mond als Trabanten der Erde, die Wärme- und Lebensspenderin Sonne und ihre Einwirkung auf die übrigen Himmelskörper. Im vorletzten Teil des Films, der besonders phantastisch ist, fährt ein Raketenluftschiff ins Weltall. Der Begriff Unendlichkeit soll dadurch versinnbildlicht werden. Im letzten Teil wird der vermutliche Untergang der Welt erschütternd vor Augen geführt. Der Reinertrag der Veranstaltung soll für ein neu zu errichtendes Krüppe lheim in Rieder-Ramstadt verwandt werden. — Vor einiger Zeit wurden in unserer Gemarkung etwa 70 Zentner schwere Betonmaste angefahren, auf denen nachher Querträger, ebenfalls aus Beton, befestigt wurden. Das Ueberlanb- toert Oberhessen plant eine neue Leitung nach L i ch. Zur Zeit sind Arbeiter damit beschäfllgt, die massiven Gestelle, für die ein beträchtlicher Erdaushub nötig war, aufzurichten und durch Detonmassen zu befestigen. Wenn die Maste auch nach Möglichkeit an den Wegrand oder in Ackerfurchen zu stehen kommen, so bedeuten sie für den anliegenden Landwirt immerhin ein Hindernis.
£ Queckborn, 7. Rov. Rach 32jähriger Dienstzeit legte unsere HandarbeitSlehverin» Frau


