Staaten Rio Grande do Sul und Ulinas die hauptlebensmittellieferanten von Rio n^iro, von den Aufständischen kontrolliert
R e v o - Da die Geraes, de Ja-
Einzelhandel und Regierungsprogramm
Geras warfen Regierungsflugzeuge Bomben auf die Aufständischen. Die Aufständischen glauben zuversichtlich an einen Sieg. 80 000 Mann In- fanlerie. Kavallerie und Artillerie aus den Staaten Rio Grande do Sul, Santa Caterina und Parana sollen sich aus dem Marsche nach Rio de Janeiro befinden. Da die Lebensmittelknappheit in Rio de Janeiro sich bereits empfindlich bemerkbar macht, hat sich die Regierung veranlaßt gesehen, die gesamten Vorräte zu beschlagnahmen und den verkauf selbst in die Hand zu nehmen. Diese Maßnahme erwies sich als um so notwendiger, als die Spekulanten die Lage aus- zunuhen drohten. Die Regierung hat eigene Verkaufs st eilen bereits eingerichtet.
1500 Millionen Dollars zu steigern. In derselben Zeit haben die amerikanischen Kapitalisten ihre brasilianischen Anlagen von 50 Millionen Dollars auf eine halbe Milliarde Dollars erhöht. Das Vordringen des amerikanischen Kapitalisten ist also gewaltig, aber vorläufig haben die lgankees doch er st ein Drittel der Werte in der Hand, über die die Engländer noch immer verfügen. Die Amerikaner kontrollieren den Bergbau: aber in die Herrschaft über die chemische Industrie müssen sie sich schon
Links oben: Blick auf die „Kaffeestadt" Sao Paulo. — Links unten: Das Bundesparlamentsgebäude in wo bt Janeiro. — Rechts: Dr. P r e st e s, der neugewählte Präsident Brasiliens, gegen den sich der Aufstand richtet.
zur Regierung hielten. Dieser Optimismus der amtlichen kreise in Rio de Janeiro steht aber im Gegensatz zu anderen Berichten. Insbesondere soll der Staat pernambuco zu den lutionären übergegangen sein.
. werden, verspricht die Lage für die Hauptstadt bedrohlich zu werden. 3m Staate Bahia sollen verlustreiche kämpfe zwischen den Aufständischen und Regie- rungstruppen stattgefunden haben. Die Zahl der Toten und Verwundeten soll hoch sein. In Arenias
langte. Die Hoffnung des (5>eneral8, daß ihn die Kommunisten daraufhin unterstützen würden, erfüllten sich nicht, und er wurde nun sowohl von Kommunisten wie von Liberalen angegriffen. Darauf folgte ein zweites Manifest, das den General noch stärker als vorher an die Seite der Kommunisten führte, und es wurde eine Liga revolutionärer Aktivisten gegründet.
Die Parteikämpfe in Brasilien hätten nicht unbedingt zum Bürgerkrieg führen müssen, wenn die wirtschaftliche Lage besser geblieben wäre. Aber der Arbeiter verdient heute kaum vier Mark täglich, und es ist in Rio de Ianeiro nicht möglich, ein Zimmer für weniger als 50 Mark im Monat zu mieten. Dabei werden die Arbeiter, die wenigstens diese vier Mark verdienen, beneidet von dem Heer der Erwerbslosen, das es auch in Brasilien gibt. Der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes ist . -5r5 assee-Erzeugung, und man weih, wir rrrtisch es seit langer Zeit auf dem Kaffeemarkt ausfieht In einer solchen Lage ein Zusam- menschluh weiter kleinbürgerlicher und proletarischer Kreise unter einem halbtommunistischen Ge- netal — das konnten weder die ausländischen Kapitalisten noch die einheimischen Bürger ruhig mit ansehen I Unb in diesen Vorgängen muh man die Wurzel der brasilianischen Revolution sehen, die durch die erregte ötftrrmung in ganz Südamerika genährt worden ist. Rationale ur> ökonomische Ursachen vermischen sich. Aber d e Kräfte sind so zersplittert und die Lösung d t Probleme ist so schwierig, dah man wohl den Ausgangspunkt der Ereignisse finden, ihren Abschluß jedoch nicht Vorhersagen kann.
Ungeklärte Lage.
Widersprechende Kampfberichte.
Reuyork. 7. Oft (1DIB.) wie „Associated Preß" aus Montevideo meldet, planen die Führer der Aufständischen in Brasilien, die Armeen des Staates Rio Grande do Sul zu teilen. Ein Teil soll gegen Sao Paulo entsandt wer- den, ein zweiter gegen Rio de Janeiro, während der erste Teil Sao Paulo angreift, soll der andere, falls dies notwendig ist, Verstärkungen aus anderen Staaten abwarlen, ehe er zum Angriff auf Rio de Janeiro schreitet. Radiotelegramme von der Front kündigen die Ankunft der Auf. ständischen an der Grenze des Staates Sao Paulo an. Aus Rivera eingetroffene Meldungen behaupten, daß,ein Bataillon des 16. Infanterieregiments in Sao Paulo rebelliert habe. Aus Rio Branco wird gemeldet, dah sich die ganze Garnison der Stadt Jaguaro den Aufslän- dischen angeschloffen habe.
Die brasilianische Regierung teilte mit, dah die Revolution in den Staaten para und Parana ohne Blulvergiehen unterdrückt werde. Lin Teil der Marine sei nach den Südhäfen, ein anderer nach pernambuco in Sec gegangen. Ls fei gewih, dah bie ganze Flotte die Regierung unter ft u (je und dah Zehntausende der im Gebiet von Rio de Janeiro befindlichen Truppen treu
mit den Engländern teilen, und in der Eisen- und Stahlproduktion sowie in den Textilkonzer- nen arbeitet ausschließlich englisches Kapital. Diese Wirtschaltsmacht der Engländer ist die Basis, auf der sich die politische Macht des Präsidenten Prestes erhebt.
Der Partei des Iulio Prestes steht die Liberale Allianz gegenüber, der man nach- sagt, daß sie die Interessen der Rord- amerikaner vertritt. Ihr Führer ist Antonio Carlos, der bei den Wahlen mit Prestes in einen aussichtslosen Wettbewerb trat. Wie weit der Kampf zwischen den Parteigängern des englischen und des amerikanischen Kapitals gediehen ist, geht daraus hervor, daß man den Anhängern des Präsidenten Prestes sogar politische Morde vorwirft. Aber noch eine dritte Mach: kämpft um die Herrschaft in Brasilien. Die revolutionären Bewegungen in diesem Land haben ja niemals aufgehörl. Es gab Aufstände in den Iahren 1922 und 1923, und im Iahre 1924 mußten eine Anzahl Revolutionäre nach Argentinien flüchten. Das Oberhaupt dieser Aufrührer
Oer neue Kurs in Braunschweig.
. Braunschweig, 6. OH. (TU.) Die Land- lvgSsraktion der bürgerlichen Einheitsliste beabsichtigt die Einbringung eines Initiativgeseh- entwurses, der die Aufhebung des braun- fchweigifchen Ministerpensionsge- vorsieht. Die Minister in Braunschweig sollen in Zukunft keine Pension mej) t bekommen, sondern lediglich ein auf die Höchstdauer eines Iahres beschränktes Ueber- gangsaeld das ihnen die Rückkehr in ihren bürgerlichen Beruf erleichtern soll.
Ser Sank des Reichspräsidenten.
Berlin, 7.Oki. (1BIB.) Der Herr Heid^räH- ben« gibt bekannt: Auch in diesem Jahre sind mir ans allen Teilen des Reiches sowie von Deutschen aus dem Auslande zahllose Glückwünsche zu meinem Geburtslage zugegangen, die meinem alten Herzen aufrichtig wohlgelan haben. Da mir eine Linzelbeantwortung unmöglich ist, bitte ich alle, die meiner freundlich «edacht haben, auf diesem Wege meinen herzlichen Dank entgegenzunehmen.
Revolution im Kaffeeland.
Der Bürgerkrieg in Brasilien. — England und die USA. im Kampf um die wirtschaftliche Macht.
Julio P r e st e s, das neue Staasoberhaupt, hat fdinell Karriere gemacht. Er ist ein großgewachsener Mann, energisch, freundlich, ein Volksredner, der mit einem weichen Organ sein Portugiesisch scharf akzentuiert, eine Persönlichkeit, die Eindruck machen kann. Er gehört zur konservativen Partei und hat es mit erstaunlicher Geschicklichkeit in verhältnis- mäßig kurzer Zeit zuwege gebracht, Präsident des Bundes st aates Sao Paulo zu wer- J*n- D?rt schlug er im vergangenen Jahre Wirt- chaftskampfe der Arbeiter unbarmherzig nieder und perrte streikende Drucker in die Zuchthäuser Seine Wahl zum Präsidenten war darauf zurückzuführen, daß d i e e n g l i s ch e n Unternehmer in Bra- 1 diesen Mann verlassen konnten Das
englische Kapital hatte vor dem Krieg in Brasilien fnapp 1200 Millionen Dollars angelegt, und es ist bts jetzt nicht gelungen, diese Summe bis auf
Katholische Kirche und Nationalsozialismus.
Eine Erklärung des Bischofs von Mainz.
Berlin, 7. Ott. (TU.) Auf Anfrage eines hessischen nationalsozialistischen Blattes wurde vom Bischöflichen Ordinariat in Mainz bestätigt, daß der Bischof von Mainz über die Haltung der Katholiken gegenüber der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei folgende Anweisung an die Geistlichen seiner Diözese gegeben hat:
1. Jedem Katholiken ist es verboten, eingeschriebenes Mitglied der Hitlerpartei zu sein.
2. Jedem Mitglied der Hitlerpartei sei nicht gestattet, in korporativer Zusammensetzung an Beerdigungen oder sonstigen Veranstaltungen teilzunehmen.
3. Solange ein Katholik eingeschriebenes Mitglied der Hitler-Partei sei, solle er nicht zu den Sakramenten zugelassen werden.
Es helßt weiter, daß es insbesondere der $ 24 des nationalsozialistischen Programms sei, den keiil Äa n
Klauben in wichtigen Punkten zu verleugnen. Der tz 24 des nationalsozialistischen Programms besagt in seinem ersten Teil, dah die Rationalsozialisten die Freiheit aller reli- giosen Bekenntnisse im Staat fordern, soweit sie nicht dessen Bestand ge- Jap r den. Der Bischof fragt, welche religiösen -oekenntnisse den Staat gefährden könnten und verweist im Zusammenhang mit einer Erklärung des nationalsozialistischen Abgeordneten Feder darauf hin, daß hierbei auchdiekatholische Religion verstanden würde. Zu dem zweiten Leil des § 24 des nationalsozialistischen Programms, der die Freiheit aller religiösen Be- veiintnisse im Staat fordert, soweit sie nicht gegen das S i 11 l ichke i t s - und Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen würden, entgegnet der Mainzer Bischof.
Ls ist bezeichnend, daß weder die Umwälzungen in Bolivien, Peru, Chile und Ecuador noch sogar der Umschwung in Argentinien die Weltbörsen'in Aufregung versetzt hobem während diesmal b e i derRevolution in Brasilien auf der Londoner Börse alle südamerikanischen Wertpapiere beträchtlich gesunken, die Kaffeebörsen in der ganzen Welt in Schrecken geraten und die südamerikanischen Währungen beträchtlich entwertet worden sind. Man muß damit rechnen, daß der Bürgerkrieg in Brasi- Hen lange dauern wird — dieses Land bedeckt
stehenden Funken zur Explosion gebracht worden seien.
In Londoner Fachkreisen neigt man zu der Auffassung, daß durch den Umbau und die Verlängerung des Luftschiffes um 24 Fuß die gesamte Konstruktton des Schiffes geschwächt worden ist. Diese Ansicht war schon während des Baues von Kapitän Burney schriftlich und mündlich vertreten worden . In einem Buch ..Die Welt, die Luft und die Zukunft" hat er das Einknicken des „R. 38“ über dem Humber- fluh im Jahre 1921 und das Unglück dev „Shenandoah" näher untersucht und eingehend bei dem Bau des „R. 100“ auf einer hinreichenden Stabilität des Luftschiffes bestanden. Dieses Luftschiff hat sich bei dem Sturm in Kanada bewährt.
Durch den Umbau war der „R101" in seiner Stabilität, Steuerfähigkeit und seiner Geschwindigkeit beeinträchttgt. Weiterhin wird die Möglichkeit erörtert, daß durch die Formveränderung des „R101" die Widerstandsfähigkeit gegen Ansammlung von Wasser und Feuchtigkeit an der Hülle gelitten hat. Die ursprüngliche Form gestattete leichten Abfluß des Reaenwassers. Man hatte auch beim Start beobachtet, daß das Schiff nur pr« n i g Auftrieb hatte. Während gewöhnlich ein Luft- schiff beim Loswersi-n vom Landungsmast etwa 60 Meter in die Hdl)e geht, erreichte der „R 101* knapp eine Höhe von 20 Meter. Die Belastung war anscheinend hoch und übertraf vielleicht die Leistungsfähigkeit des Schiffes. Sollte nach einem plötzlichen verttkalen Windwirbel der „R 101" nach unten gezoaen worden fein, so würden die genannten Umstände schon allein erklären, warum er nicht rechtzeitig genug wieder hoch kam und warum riiöglicherweise in diesen kritischen Augenblicken ein» oder mehrere Spanten durch stark« Beanspruchung Schaden erlitten haben könnten. Eine Störung am Hohen st euer konnte die Lage verschärft haben. Angesichts dieser Umstände findet die Theo- rie von der Erzeugung eines Brandes durch Kurz- | schloß hier wenig Glauben. Auch der Gedanke, daß Zigarrenreste das Schiff in Brand gefetzt haben könnten, wird als äußerst unwahrscheinlich eb- gelehnt.
Ein Beileidstelegramm der NGOAp.
München 7. OH. (Sil.) An da« englische Luftfahrtministerium ist von der RSDAP. daS folgende Telegramm abgegangen: Im Ramen der RSDAP. und ihre« Führers Adolf Hitler sowie des Rationalsv- zialistischen Luftfahrtverein« übermittele ich zu dem schweren Verluste unsere aufrichtige Anteilnahme.
Gez. Hermann Göring, M. d. R., letzter Kommandeur de« IagdgeschwaderS Richthofen.
Karte Brasiliens mit der Provinz Rio Grande do Sul, von der aus die revolutionären
Umtriebe ihren Anfang nahmen.
war der General Luis Carlos Prestes, der nicht mit dem Präsidenten Julio Prestes verwechselt werden darf. Dieser General ist aus der lieberalen Partei hervorgegangen und hat sich als Führer der bürgerlichen Revolution im Kleinbürgertum, in der kleinen Tauernschaft und bei großen Teilen des Prole- tariats viele Sympathien errungen. Seine Persönlichkeit ist geeignet, auf große Teile des brasilianischen Volkes Eindruck zu machen. Rachdem er im Iahre 1924 aus Brasilien geflohen war, leitete er von Argentinien aus die revolutionäre Bewegung und schuf sich eine illegale Organi- sation, die das ganze Land durchzieht. Im letzten Jahr hat nun der Ramensvetter des neuen Präsidenten eine heftige Schwenkung nach links vollzogen und versucht, sich mit den brasilianischen Kommunisten anzufreunden. Im Mai erschien ein Manifest des Generals, mit bem er für die Ziele der Weltliga gegen Imperialismus eintrat, sich gleichmäßig gegen das englische und amerikanische Kapital wandte, eine Regierung der Arbeiter und Bauern forderte und die Sozialisierung desTodens sowie t erllnter- nehmen im Besitz ausländischer Kapitalisten ver-
Berlin, 7. Ott. (TU.) Der Sßerroaltungsaus- __ ..
ausschuß der Hauvtgemeinschaft des Deutschen Ein- einc »lache, die nur um ein Viertel kleiner als zelhandels hat sich mit dem Regierungsprogramm Europa ist! Und man muß ferner im Auge behal- befaßt und einstimmig folgende Entschließung an- len, daß :i m H i n t e r g r u n d der streitenden bra- genommen: Die Hauptgemeinschaft des Deutschen stlianischen Parteien zwei Großmächte stehen, Einzelhandels verkennt nicht, daß das von der Oie heute überall in der Welt mißtrauisch darüber Reichsregierung vorgelegte Finanzprogramm nur machen, dah ihren Volkswirtschaften Absatzmärkte teilweise den aus der Wirtschaftskrise sich er- erhalten oder neue Gebiete erobert werden. In gebenden dringenden Forderungen der Wirtschaft $b>na, in den britischen Dominions und ganz be- entspricht. Trotzdem begrüßt sie die Vorlage sonders kampfbereit in Südamerika streiten e n g = dieses Programms, da sie hofft und erwartet, daß lische und amerikanische Unterneh- dadurch die Grundlage für eine Sonic- mcr um die Vorherrschaft, und am Horizont, vor- rung der Kassen läge nicht nur im Reich son- läufig zum Glück noch in weiter Ferne und in ver- dem auch in den Ländern und Gemeinden ermög- schwommenen Umrissen, zeichnet sich das Gespenst licht, zugleich die Grundlage für eine durchgrei- eines neuen Weltkonfliktes ab.
L<rns*,?h1^3„7(flO„t„,n,8e,d,«,,eu “ni,,bam!1 Der Überwiegende Teil des brasilianischen r ® ü) der nationalen Arbeit als not» I Volkes, der in biefem Streit Partei erareift deulstben V°ottek wirttnm^ Wirtschaftsaufstiegs des ist sich wahrscheinlich der Tragw^te seiner Ent^ deutschen Volkes wirksam gefordert w.rd. feblüffe nicht bewußt. Die Revolution richtet sich
, zunächst gegen einen Präsidenten, der noch gar
«ein (Vrrtebniä in ist. Im Iahre 1926 wurde
3WII in OaaneiL Washington Luis Peira de Souza zum Präsi-
Dresden, 7. Okt. (WTB.) In der heutigen Renten gewählt, und im Mai dieses Iahres Landtagssitzung stand d i e W a h l d e s M i n i st e r- sanden Reuwahlen statt, aus denen Iulio Präsidenten auf der Tagesordnung Nach zwei- Prestes als Sieger hervorging. Aber erst im stündiger Aussprache wurde in die Abstimmung ein- kommenden Rovember soll der neue Präsident getreten. Es wurden insgesamt 96 Stimmen abge- die Regierung übernehmen, und gegen diese geben. Für den von den Deutschnationalen vorge- Möglichkeit hat sich das brasilianische Volk schlagenen früheren Wirtschaftsminister Dr. Krug erhoben. Das ist nach europäischen Begriffen von Nidda wurden 46 Stimmen aller bür- unverständlich, man fragt sich, warum die Bra- gerlichen Parteien einschließlich der Natio- I filianer einen Mann zum Staatsoberhaupt ge- nalsozialisten, jedoch mit Ausnahme der De- macht haben, den sie nicht leiden können. Aber mokraten und Volksnationalen abge- I brasilianische Wahlen sind so eigenartig, daß geben. Auf Lipinski entfielen 32 Stimmen der niemand in Südamerika behaupten wird, aus Sozialdemokraten, auf Renner 13 Stimmen der I i&nen könne öie Volksmeinung erkannt Kommunisten, auf den Minister des Innern Rich- werden. Der Deutsche Adolf Fiebig, ein guter ter 5 Stimmen der Demokraten und Volksnatio- Kenner Brasiliens, schildert in einem feiner nalen. Da niemand die absolute Mehrheit von 49 Bücher, wie es bei den Wahlen zugeht. Ein
Stimmen erreicht hat, ist die Wahl e r g e b n i s l o s Bekannter erzählte ihm: „Ich bin schon seit
cn' .X m v «. 3af)rcn bei keiner Wahl gewesen, aber g e -
21ls zweiter Punkt der Tagesordnung wurden der wählt habe ich immer. Rattirlich für die
- -ä'-fische Unb ber kommunistische Antrag Regierung. Vor einigen Iahren lebte ich
auf Auflösung des Landtags behandelt. In einer Kolonie auf der anderen Seite des Nach mehr als zweistündiaer Debatte kam es zur Flusses. Am Wahltag war starker Regen ge- Abstlmmung. Für die Auflösung stimmten die 13 fallen. Ich fuhr eher als die anderen zur Kommunisten, die 13 Nationalsozialisten (ein natio- Wahl und kam gerade noch über das Walser, nalfozlalistischer Abgeordneter war von der Sitzung Die Kolonisten, die später abfuhren, konnten ausgeschlossen worden) und die 4 Deutschnationalen, nicht mehr durch. Als ich gewählt hatte, fragte
10 Wittschaftsparteiler enthielten sich der der Beamte, ob denn die anderen nicht kämen, «summe. Die übrigen 55 Abgeordneten sprachen sich Ich verneinte das, und darauf sagte der Beamte: gegen bte Anträge aus. Die Anträge find damit «Alle müssen wählen: (Die bekommen für abgelehnt. | jeden Ramen, den Sie schreiben, zwei Mil
reis." Ich nahm die Feder, legte sie mitunter em wenig anders in die Hand, damit die Schrift nicht gar zu gleichmäßig wurde, und schrieb die Ramen aller Rachbarn. Das Geld habe ich bann mit dem Beamten zusammen verkneipt." — So sehen die brasiliamschen Wahlergebnisse bann auch ausl Die Regierung kann jedem Kandidaten zum Sieg verhelfen, unb ber Präsident Washington Luis hat sich selbst seinen Rachfolger ausgesucht, von dem von vornherein fest- stand, daß er gewählt werden würde.
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