Turnen, Sport und Spiel.
30 Zahre Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. 3n den Augusttagen des wahres 1900 wurde durch junge sportbegeisterte Gießener der Grundstock zur heutigen Spielvereinigung 1900 gelegt $>eute ist die Spielvereinigung 1900 Diesten einer der ältesten und gröhten Vereine des Westdeutschen Spielverbandes, wie auch des Deutschen Fustballbundes Annähernd 600 Mitglieder, in der Mehrzahl Aktive, treiben in den einzelnen Abteilungen des Vereins ihren Sport Sieben Fußball und Handball kommen Gymnastik und Leichtathletik für Frauen und Männer in bedeutender Weise zum SBort Tennis- und Hokey- sport ruhen zur Zeit im Verein. Unbekannt durfte es aber bei der Mehrzahl der Gießener Bevölkerung sein, dah auch der jetzige „Gießener Schwtmmverein" früher eine Unterabteilung 1900s war
Die Satzungen der Sprelveremtgung 1900 schreiben als Hauptziel die _ Ertüchtigung der Jugend durch sportliche Betätigung vor. Entsprechend diesem Grundsatz leistet der Verein sportliche Breitenarbeit, wie sie ihresgleichen suchen dürfte Zehn Fußballmannschaften, drei Handballmannschaften und weit über 100 Leichtathleten und Frauenwettkämpferinnen, insgesamt etwa 300 aktive Sportsleute, vertreten fast jeden Sonntag den Verein im sportlichen Wettstreit
Jubiläumsspiele am 10. August.
Als Gegner für die L i g a m a n n s ch a f t wurde der Verein für Leibesübungen Aeu-Bsenburg gewonnen. Die Südhessen spielen einen bewundernswerten Fußball! nicht umsonst nennt man die Gäste im süddeutschen Derbandsgebiet die Mainfürther". Ihr technisch feingeschliffener, flacher Kombinationsfust- ball läßt sie mit dem Meister dieser Spielweise, der Spielvereinigung Fürth, fast auf eine Stufe stellen. Dah die Gäste süddeutsche Extraklasse repräsentieren, ergibt sich ohne weiteres daraus, dah der VfL. Oteu^fenburg 1927, 1928, 1929 und 1930 Teilnehmer an den Endspielen um die Süddeutsche Meisterschaft war. Ihre grohe Spielstärke dokumentierten die Bsenburger gegen Schluß der letzten Saison in zwei eindrucksvollen Siegen, und zwar über den bekannten Fuhballsportverein Frankfurt mit 4:1, und über Rot-Weih Frankfurt mit 4:2 Treffern. — Für den Iubiläumsverein wird die Aufgabe sehr schwer sein, gegen einen solchen Gegner mit zermürbendem Kombinationsspiel erfolgreich durchzustehen. Eine Niederlage ist wohl unvermeidlich, nur um deren Höhe läht sich streiten. Man rechnet bestimmt damit, dah sich die Blauweisten ehrenvoll aus der Afsäre ziehen Werden. 1900 wird mit einer etwas veränderten Mannschaftsaufstellung erscheinen.
Dem Ligaspiel voraus geht der
Aufmarsch der Aktiven.
Da mit dem 10. August die Fuhballsaison 1930/31 beginnt, treten auch die unteren Mannschaften der Spielvereinigung 1900 auf den Plan Morgens beginnen die Gesellschaftsspiele. Die 4. Els hat die 2. Mannschaft von Hermannstein zum Gegner, die 3. Mannschaft spielt gegen Weilburgs 1. Elf, die Ligareserve gegen Hermannsteins 1. Mannschaft. Bei den 1900ern sind Schack aus Amerika und Erb aus Groh- Auheim wieder zurückgekehrt. Außerdem sind mehrere neue Spieler, sowie frühere Jugendliche Anzugekommen.
Auch die Einigung zwischen Turnen und Sport wird dokumentiert durch ein Handballspiel der Jugendmannschaften
Mtv. Gießen — 1900 Gießen.
1900 wird letztmalig in alter Aufstellung antreten. Der Ausgang des Spiels ist offen.
In der Woche vom 11. bis 16. August veranstaltet die Spielvereinigung 1900 eine
Wirble ins Leben!
Roman von Anna Fink.
Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau. S.-A.
16 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Der kleine untersetzte Herr befand sich augenscheinlich in groher Erregung. Während er mit dem Wirt das Frühstück besprach, lieh er lange Seremiaben dazwischen vom Stapel. Etwa folgen- dermaßen:
„Herr Wirt, die Eier dreieinhalb Minuten, bitte keine Setunbe weniger oder mehr. Ich bin äußerst empfindlich in bezug auf Eier. Gott bewahre mich, daß mir das hier in diesem gottverlassenen Aest passieren muh! Den Tee, Herr Wirt, zehn Minuten ziehen Ach du lieber himmlischer Vater, kapiert dies Rindvieh doch nicht 1 — Aber ich meine ja gar nicht Sie, Derehrtester, ich meine ja meinen Chauffeur, der mit dem Wagen nicht zurechtkommt. — Ein Omelett? Weshalb nichtI O Gott, o Gott, ich geschlagener Mann! 3a, auch ein bißchen kalten Braten, wenn Sie's haben. — Das überleb ich ja nicht!" Erschöpft hielt der lebhafte Herr inne und goß auf einmal ein Glas Landwein hinunter.
Der Wirt, ganz erschüttert von den Anforderungen, die an ihn gestellt wurden, war schleunigst verschwunden.
Reginald hörte belustigt dem eigenartigen Monolog zu.
Der Fremde merkte das bald und wandte sich an ihn.
„Gestatten, mein Herr, Baron Griffinger", sagte er höflich in seinem stark österreichisch gefärbten Akzent, indem er sich erhob und verbeugte. Reginald nannte gleichfalls seinen Ramen.
„Denken Sie, Herr Contius, was mir passiert ist: 3ch bin auf einer großen Geschäftsreise hier draußen in Deutschland, komme von Hamburg und will wieder heim nach Graz. Da spielt mir dieser Himmelhund von Wagen einen derartigen Streich, daß er mir hier gerad im Dorf weg- bleibt. Mein Chauffeur — er kann was - sucht und sucht und findet nist. Er schaut schon zwei ©tunben unb hat noch keine Ahnung. Oh, es ist zum Verzweifeln! Daheim warten sie auf mich. Ich habe eine große Aufsichtsratssitzung heut abenb. Unb steck hier so fest!" schloß ber Verzweifelte melancholisch unb schaute schwermütig in sein leeres Weinglas.
Jubiläums-Sportwoche.
Fußball- und Handballpokalspiele wechseln täglich ab. 3m Fußball beteiligen sich der Sportverein Alsfeld, der Sportverein Wetzlar, der VfB. Gießen und die Spielvereinigung 1900 Gießen 3m Handball haben die beiden Gießener Turnvereine, 1846 unb Mtv., bie Batl.-Mann- schaft Gießen, ber Polizeisportverein Butzbach unb bie Spielvereinigung 1900 Gießen zugesagt.
Am Verfassungstag treffen sich R. 3. R. 15 — 1 9 0 0 im Hanbball unb Alsfeld - Wetzlar im Fußball Ein Spiel ber „Alten Herren" Wetzlar gegen 1900 vervollstänbigt bas Programm. — 3m Hanbball muh man der gut eingespielten Elf der Reichswehr ein Plus gegenüber den
1900em zusprechen. Der Ausgang im Fußball- tresfen ist nicht vorauszusagen. Die beiden Mannschaften stellen gute Kampfmannschaften mit solidem Können.
Am Dienstagabend kämpft in der Handball- vorrunde Polizei Butzbach — Tv. 18 4 6 Gießen. 1846 trifft dabei auf den Favoriten des Turniers, sollte aber in der Lage sein, die Butzbacher zur Herausgabe ihres ganzen Könnens zu zwingen.
Der Männerturnverein Gi eßen zog in ber Dorrunbe bas Freilos und tritt erst am Donnerstag in bie Schluhspiele ein.
Mittwoch kommt es in der Fuhballvorrunbe zu einem Lokaltreffen B. f. B. gegen 1 900.
Me Weltmeisterschaften ber Studenten.
Deutschland Gejamtsieaer im Schwimmen.
Bei den internationalen Meisterschaften der Studenten in Darmstadt wurden am gestrigen Donnerstag die Schwimmwettkämpfe abgeschlossen. Deutschland gewann mit der Mannschaft Weigmann, Ohlwein unb Watrin in 3:45,8 Min bie 3x100-Meter- La gen- staffel vor Oesterreich, Ungarn, 3talien unb Englanb. Die 3taliener tarnen bann durch Gam - bi zu einem weiteren Sieg im 1500-Meter- Freistilschwimmen mit 21:53,8 Min. Baci- galupo (3talien), Feh er (Ungarn), Roig (Frankreich», Wernitz (Deutschland) und Unterberger (Oesterreich) landeten auf den Plätzen. 3m Gesa m t k 1 a s s e m e n t ber Schwimmwett- kämpfe ergab sich bamit folgenbes Bild. 1. Deutschland 82 P., 2. 3taüen 54 P., 3. Ungarn 50 P., 4 Oesterreich 19 P.. 5. England 17 P., 6 Frankreich HP.
3m Wasserball kämpften Frankreich und Belgien um den vierten Platz. Belgien war feinem Gegner leicht überlegen und führte bereits bei der Pause mit 3:0 Treffern. Ein weiteres Tor nach dem Seitenwechsel ergab einen 4:0- Eieg ber Belgier, bie damit auf ber 4. Stelle vor Frankreich rangieren.
Leichtathletische Wettkämpfe.
Gestern erschien auch die Leichtathletik auf dem Programm. 3n der Hauptsache gab es Vorentscheidungen, doch fielen bei den Damen bereits im 100-Meter-Lauf und im Kugelstoßen ber Herren Entscheibungen. Bei den Herren qualifizierten sich Eid racher und Salz über 100 Meter zusammen mit je einem Oesterreicher, 3apaner und Ungarn für das Finale. Ueber 1 10-Meter-Hürden konnten sich die Deutschen nicht durchsetzen, zumal der ehemalige deutsche Meister Steinhardt (Karlsruhe) nicht startete. 3nder4x 100 -Meter-Staffel gewann die deutsche Vertretung mit Salz, Metzner Eldracher und Körnig ihren Vorlauf ganz sicher. Die Vorläufe zur Olympischen Staffel fielen aus, da nur sechs Mannschaften, nämlich Deutschland, Frankreich, 3ta- lien, Oesterreich, England und 3apan am Start erschienen, bie alle am Endlaus teilnehmen. 3m Kugelstoßen blieb ber Ungar Darany mit 15,21 Meter Sieger vor bem Deutschen Sievert mit 14,52 Meter. Der 100 - Meter - Laus ber Damen sah die Berlinerin Braumül- ler mit 13,1 Sekunden erfolgreich.
Ungarn siegt im Säbelfechten.
Unter der ausgezeichneten Leitung von Erwin C a s m i r gelangten am Donnerstag die Säoel- gefechte zur Durchführung Man sah wiederum sehr flotte unb interessante Kämpfe, bei benen, wie erwartet, bie Ungarn führenb waren. So lautete benn auch bas Endergebnis:
l.Hehs (Ungarn) 5 Siege, 25 Treffer: 2. Fiala (Ungarn) 4 Siege, 23 Treffer, 3. Göszy (Ungarn) 4 Siege, 26 Treffer, 4. Gabrielli (3talien) 4 Siege, 27 Treffer: 5. Trillhase (Deutschland) 4 Siege, 28 Treffer: 6 Zaumichieli (3talien) 4 Siege, 30
Treffer: 7. Mayer (Deutschland) 3 Siege, 28 Treffer: 8. Kolbinger (Deutschland) 0 Siege, 35 Treffer.
Rugbykampf Spanien — Frankreich 0:69 (0:25).
Der Rugbykampf zwischen Spanien und Frankreich, der im Frankfurter Stadion ausgetragen wurde, sah die Franzosen ihrem Gegner um Klassen überlegen. Bereits bei der Pause hatten die Franzosen einen Vorsprung von 25:0 Punkten, der sich dann im weiteren Verlauf des stark einseitigen Spiels auf 69:0 Punkte erhöhte. Protest der Heidelberger Studentenschaft. Sie beteiligt sich nicht an den Schlußseierlich-
keilen der Olympiade.
WSR. Heidelberg, 7. Aug. Der Vorstand ber Heibelberger Studentenschaft hat folgende Entschließung gefaßt: „Bei den internationalen Weltmeisterschaften der C. 3. E. in Darmstadt ist den Sudetendeutfchen der Start unter deutscher Flagge durch die Sportkommission der C. 3. E. untersagt worden. Die Meldungen des Kreises 10 der D. St. (Sudetendeutschland) sind daraufhin zurückgezogen worden. Die D. St. hat mitgeteilt, dah sie sich lediglich wegen ihrer Verpflichtung als Gastgeber weiteren Maßnahmen vorläufig enthalte. Die Schluhfeierlichkeiten der Weltmeister- f(haften sollen am Montag, 11. August, in Heidelberg stattfinden. Die Tatsache, dgß gewisse Ausländer es heute in Deutschland wagen können, als Gäste auf deutschem Boden Deutsche von sportlichen Wettkämpfen rücksichtslos auszuschlie- ßen, veranlaßt die Heidelberger Studentenschaft zu schärfsten Maßnahmen. Sie sieht in diesem Darmstädter Skandal eine grobe Verletzung des grohdeutschen Prinzips, die wesentlichste Grundlage einer Zusammenarbeit deutscher Studentenschaften mit der C. 3. E. Aus diesem Grunde lehnt die Heidelberger Studentenschaft auf das entschiedenste a b, sich in irgendeiner Weise an den Schluhfeierlichkeiten der internationalen Weltmeisterschaften der Studenten am 11. August zu beteiligen.“
Schießsport der Studenten.
3n dem Aufsatz vom 1. August wurde von einem Po st Wettkampf der Universi- t ä t Rostock berichtet, an dem sich auch unsere Landesuniversität beteiligte.
Die Ergebnisse dieses Wettkampfes liegen nunmehr vor. Gemeldet hatten sich insgesamt 10 Hochschulen mit 151 Schützen. Beteiligt haben sich später 118 Schützen, die eine Durchschnittsring- gahl von 7,8 erreichten. Unter Berücksichtigung ber erzielten Gesamtergebnisse würbe vom Wett- kampsgericht beschlossen, Diplome als Anerkennung für besonders gute Leistungen an bie- jenigen Schützen zu verleihen, bie eine „10“ als Mindestdurchschnitt, d. h. ein Trefferbild von 100 Ringen und darüber erschossen haben. Dieser Forderung »wurde von 18 Schützen genügt, die
Deutscher Gtudenten-Welt- meister im Turmspringen.
IMS
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HerrnannZiegler (Universität Berlin), der auf der Akademischen Olympiade in Darmstadt den Sieg errang und Akademischer Weltmeister wurde.
sämtlich ein Diplom erhielten. Die drei besten Schützen konnten außerdem je durch einen vom A. f. L. ber Lanbesuniversität Rostock gestifteten Ehrenpreis ausgezeichnet werben. Es fielen an Diplomen unb Ehrenpreises an bie Gießener Teilnehmer 2 Ehrenpreise unb 5 Diplome, und zwar
Kuba (Germania) 110 Ringe, 2.Preis, (bester Schütze 112 Ringe).
3 ade i (Silvania) 110 Ringe, 3. Preis.
Pier (Germania) 103 Ringe, 10. Preis.
Koch (Freistbt.) 101 Ringe, 14. Preis.
Kleinbömer (Silvania) 101 Ringe, 18. Pr.
Die übrigen Schützen belegten folgenbe Plätze: Merke (Freistbt.) 99 Ringe, 19. Platz.
Böhm (Hubertia) 97 Ringe, 20. Platz.
Hendeh (Hassia) 94 Ringe, 24. Platz.
Petri (Germania) 90 Ringe, 33. Platz.
B e t h ä u s e r (Freistbt.) ,90 Ringe, 34. Platz.
Becker (Freistbt.) 88 Ringe, 40. Platz.
Reeh (Wingolf) 84 Ringe, 51. Platz.
Wolf (Hafsia) 82 Ringe, 59. Platz.
Damit placieren sich sämtliche Gießener Schützen in ber oberen Hälfte, ein sehr zufrieben- stellenbes Ergebnis.
Großer deutscher Erfolg beim Europa-Rundflug.
Der 3nternationale Curopa-Rund- flug 1 9 30 wurde am Mittwoch beendet. Von den 60 Teilnehmern konnten nur 35 den 7560 Kilometer langen Flug beenden. Erst in den technischen Wettbewerben fiel die Entscheidung. Das Ergebnis ist in diesem 3ahre besonders erfreulich für den Organisator Deutschland, denn auf den ersten drei Plätzen befinden sich deutsche Flieger. Fritz Morzik konnte seinen Sieg aus bem Vorjahre wiederholen unb damit den Wanderpreis für Deutschland zum zweiten Male gewinnen. Mit 427 Punkten ging er auf feiner leichten
Plötzlich fuhr er, wie von ber Tarantel gestochen, hoch, eilte ans Fenster, riß es auf unb schrie hinaus: „Otto, hast's gefunben?"
„Rein, Herr BaronI" war bie Antwort.
„Hör' mal, liegt's vielleicht an ben Ventilen?" fragte ber Baron eifrig.
„Leiber nicht, Herr Baron", klang's zurück.
Mit einem steinerweichenben Seufzer knallte ber Baron bas Fenster zu unb setzte sich ganz gebrochen nieber.
„Wenn Sie gestatten, Herr Baron, sehe ich selbst mal nach Ihrem Wagen" bot Reginald liebenswürdig seine Hilfe an. „3ch bin Ingenieur und verstehe einiges von Autos."
Der Baron überschüttete Reginald förmlich mit Dankesbezeugungen.
„Warten wir erst mal ab, ob es mir auch gelingen wird, den Fehler zu finden", wehrte Reginald den Eifrigen ab.
„3ch wüßte ja nicht, was ich tun sollte, um Ihnen zu danken", beteuerte der lebhafte kleine Herr.
Contius ging hinaus und sah dem Chauffeur eine Weile zu. Als der sich aber anschickte, den ganzen Motor auszubauen, sagte er: „Lassen Sie mich mal ran. 3ch habe den Eindruck, Sie machen sich da ganz überflüssige Arbeit. Hat der Wagen Batteriezündung?“
Der Chauffeur bejahte und überließ Reginald gern das Feld seiner Tätigkeit.
Baron Griffinger hatte unterdessen fein Frühstück in Angriff genommen. Die Eier waren in der Hitze des Gefechts zu weich geblieben, der Braten machte einen reichlich zähen Eindruck, aber das aufgeregte Gemüt beruhigt sich immerhin wieder etwas beim Essen.
Reginald hatte den Fehler gefunden. Es war eine an sich harmlose Sache, aber, wenn man nicht dahinter kam, doch sehr unangenehm.
Er drückte auf den Anlasser, und der Motor sprang an, dah es eine Pracht war.
Der Baron hätte sich um ein Haar mit einem großen Bissen so verschluckt, daß er fast erstickt wäre, so geriet er in Ekstase, als er den Motor laufen hörte.
Er eilte vors Haus und renkte Reginald beinahe die Hand aus bem Gelenk, so begeistert war er.
„Sie sinb einmal ein ganzer Kerl!" rief er gerührt. „Was war denn nur an dem Teufelswaaen los?"
Reginalb erklärte. „Es war weiter nichts als ein Wackelkontakt im Innern des Relaiskastens. Sehr einfach unb leicht zu beheben, wenn man
sich auskennt. Ich habe selber einmal am einem Benzwagen sechs Stunben gesucht, unb zumSchlutz war's basselbe wie hier. Da hätten wir Glück gehabt, baß es nichts Schlimmeres war!"
„3a, ber Herr versteht was", pflichtete Otto ehrerbietig bei.
„3ch möchte mich ja zu gern erkenntlich zeigen, wenn ich nur wüßte tote ?“
Reginalb mußte lächeln. „Herr Baron, über biefen Fall möchte ich brirmen noch mit Ihnen sprechen. 3ch hätte schon eine Ditte."
„Hoffentlich ist sie nicht gar zu bescheiben", rief ber Baron und zog Reginald mit sich ins Haus
Die beiden setzten sich bann zusammen an ben runben Tisch.
„Also — nun sagen Sie, womit ich Ihnen gefällig sein kann", brängte ber Baron.
„Herr Baron", begann Reginalb zögernb, „wäre es nicht unbescheiben, wenn ich Sie bäte, mich mitzunehmen?“
„Aber natürlich, selbstverstänblich, mit tausend Freuden!“ war die begeisterte Antwort. „3st das schon alles?"
„3a", sagte Reginald, „ich möchte gern nach Oesterreich."
„Etwa gar nach der Stadt, woher ich komme?" fragte der Baron eifrig.
„Weshalb nicht?" durchfuhr es Reginald. „Rur fort von hier."
And laut sagte er: „3ch wäre Ihnen freilich sehr verbunden, wenn ich so weit mitfahren dürfte I"
„Aber gern, gern", rief ber andere. „Sie haben mich aus einer schauderhaften Situation gerettet, und ich freue mich, in Ihrer Gesellschaft bie nächsten Stunben zu verbringen."
So bezahlte Reginalb seine Zeche unb fuhr mit Baron Griffinger nach Oesterreich.
Er hatte gerabe noch eine Reichsmark in feinem Besitz.
*
Der Conte Giarbino Malfieri hatte schlechte Laune. Es war aber auch eine miserable Rächt zum Fahren. Der Mond war durch große schwarze Wolken verdeckt, es regnete, und ein starker Wind trug nicht zur Erhöhung der Behaglichkeit bei.
„Ein schauderhaftes Land, dies Deutschland!" dachte er bei sich. „3ch will froh sein, wenn ich erst bie Alpen hinter mir habe!" Unb fröstelnd schlug er den Kragen seiner schweren Lederjacke hoch.
Der Wagen — es war ein Lancia — lag
prachtvoll auf der Chaussee, und der Conte fuhr auch wirklich trotz Rächt, Dunkelheit und Regen, kein schlechtes Tempo, das er auch in ben Kurven kaum nerminberte.
Gerabe ging er toteber mit elegantem Schwung in eine Kurve... ba gab es jenen eigenartigen Knall, ber bem Automobilisten anzeigt, baß ein Mantel mal toieber hinüber ist.
Der Wagen geriet in leichtes Schleudern. Die Straße war sehr schmutzig und fiel außerdem steil ab, so dah der Conte alle Hände voll zu tun hatte, um den Wagen wieder zum Stehen zu bringen. Da er ein geschickter Rennfahrer war, gelang es ihm in kurzer Zeit. Er lenkte ben Wagen auf bie rechte Straßenseite unb stoppte ihn. Das rechte Hinterrab hatte baran glauben müssen.
Fluchenb besah ber Conte das Unglück und machte sich sofort daran, das Rad auszuwechseln.
Er war gerade dabei, das Reserverad wieder aufzumontieren und die Schrauben aufzuziehen, als ein tiefer Seufzer ihn zusammenfahren ließ.
Es hatte geklungen, als ob ein Mensch recht aus Herzensgrund geseufzt habe.
Wie aber sollte in dieser Rächt, bet diesem Wetter und zu dieser späten Stunde — es war zwei Uhr nachts - ein menschliches Wesen in diese Einsamkeit kommen?
Der Conte schaute sich um, konnte jedoch nichts erkennen. Plötzlich aber schien es ihm, als bewege sich dicht vor ihm eine Gestalt. Er ließ das Licht seiner Taschenlampe öaraul fallen, wahrend et mit der rechten Hand nach dem Browning fuhr. Man konnte nicht wissen - er befand sich doch im Lande der deutschen Barbaren.
Wer aber beschreibt sein Erstaunen, als das ungewisse Licht auf das Gesicht einer Frau fiel, der die Kleider vom Regen geradezu am Körper klebten. Der Conte war so sprachlos, daß er sich überhaupt nicht rühren konnte.
Die Frau kam auf ihn zu, hob beschwörend die Hände unb sagte flehentlich „Um Gottes willen, nehmen Sie mich mit, nehmen Sie mich mit!"
3eht erst sah er, baß bie Frau noch jung war unb ein sehr schönes Gesicht hatte, wenn es auch blaß war unb wie erstarrt schien.
„Che bellal“ flüsterte er anbächtig unb stand vollkommen versunken da.
„Ditte, bitte - nur fort!“ drängte bie Fremde.
Run kam Leben in ihn.
Er verstand etwas Deutsch und hatte jedenfalls so viel begriffen, daß sie von ihm mitgenommen werden wollte.
(Fortsetzung folgt.)
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