Ausgabe 
8.8.1930
 
Einzelbild herunterladen

entsprechende Herabsetzung der Landes- steuern eintreten lassen. Der Abgeordnete Werner (QiatfoflJ beantragt weiter, die wei­derechtlichen Bestimmungen Hessens auS dem Jahre 1899 zum Zwecke eines freieren und ausgedehnteren Hütebetriebes zu ändern. Außerdem verlangt er, daß der volle Aamen des Firmeninhabers zur Verhütung von Firmen­verschleierung angebracht wird und daß die Polt- -eiorgane auf die Einhaltung dieser Vorschrift strengstes Augenmerk richten.

Hilfsgelder für Reurode.

Berlin, 7. Aug. (Priv.-Tel.) 2m Preußi­schen Landtag ist eine Anfrage mehrerer Zen- trumSabgeordneter eingelaufen. Sie besaßt sich mit einem Beschluß des Kreistages von Reurode, den Opfern und Hinterbliebenen des Grubenunglücks, die für sie aus öffent­lichen und privaten Mitteln zusam­mengeflossenen Gelder nichtrestlos zur Ver­fügung zu stellen, sondern die Gelder teilweise zum Dau einer Kreiswasserleitung und zum Dau von Jugendheimen zu ver­wenden. Die Zentrumsabgeordneten fragen die Staatsregierung, ob sie dafür Sorge tragen will, daß diese Gelder ihren eigentlichen Zweckenzugeführtund nicht für par­teipolitische Zwecke verwandt wer­den. Der kommissarische Landrat des Kreises Reurode, der der Sozialdemokratischen Partei angehört, habe die Absicht, einen Teil der Gel­der für sozialistische Jugendheime auszugeben. Hier läge offenbar der Versuch vor, Gelder des Mitleids und der Mildtätigkeit für einseitige parteipolitische Zwecke zu verwen­den. Es ist anzunehmen, daß es nur dieser Zentrumsanfrage bedurfte, um die preußische Regierung zu veranlassen, dafür Sorge zu tra­gen, daß dem Landrat der Unterschied zwischen seinen dienstlichen Pflichten und seinen Partei- Wünschen mit entsprechender Deutlichkeit zu Ge- müte geführt wird.

Die Aenderung der Reichsversorgung der Kriegsbeschädigten und Krieger-

Hinterbliebenen.

B e r l i n. 7. Aug. (WTB.)" Nach der Verkündung der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zur Behebung finanzieller, wirtschaftlicher und sozialer Notstände vom 26. Juli 1930 (Reichsgesetzblatt I, Seite 311) hatten sich verschiedene Prcsseäußerungen mit der Frage ihrer Rechtsgültigkeit bescbäf- tigt. Soweit es sich um die im 3. Titel des 4. Ab­schnitts, Artikel 13, veröffentlichten Aenderun- gen der Reichsversorgung der Kriegs­beschädigten und K r i e g e r h i n t e r b l i e - denen handelt, hat das Oberste Gericht be­reits entschieden. Der 14. Senat des Reichsversor­gungsgerichts hat am 30. Juli 1930 in einer gründ- sätzlichen Entscheidung diese Vorschriften für rechts­gültig erklärt.

Major Pabst kehrt nach Oesterreich zurück.

Einigung zwischen Bundeskanzler Schober und den Heimwehrcn.

Wien, 7. August. (SeL-Hu.) Zwischen Bun­deskanzler Dr. Schober und den Delegier­ten der Heimwehrführung fand heut« nachmittag im Bundeskanzlerrat eine Be­sprechung statt, die über eine Stunde dauert«. Die Besprechung hat eine wesentliche Annähe­rung ergeben. Als wichtigstes Ergebnis ist festzustellen, daß die Aufhebung derAus- 'Weisung des Majors Pau st in aller­nächster Zeit erfolgen und daß Pabst ohne ört­liche Beschränkung seines Aufenthaltes nach Oe st erreich zurückkehren wird. Die aus­führliche Aussprache bezog sich auf das wei­tere politische Zusammenarbeiten zwischen der Heimwehr einerseits und der Regie­rung und der bürgerlichen Mehrheit anderer­seits. Auch die Frage der Haltung der Heim­wehr in den Wahlen und die Wahlreform wurde mit dem Bundeskanzler besprochen.

Ernste Lage in Hankau.

Britische Truppen greifen ein.

London, 7. Aug. (TU.) Eine Abteilung briti­scher Infanterie in Stärke von fünf Offizieren und 110 Mann hat sich am Mittwoch vonSchanghai nach Hankau begeben und wird dort der Be­satzung des KreuzersEumberland" beigegeben wer- den. Die Abteilung führt Maschinengewehre mit sich. Arn Freitag wird eine weitere Abteilung folgen. Drei Zerstörer der 24. Zerstörerflottille sind in Han- kau eingetroffen. Vier weitere Zerstörer sind unter­wegs. Die Entsendung der britischen Truppen ist dec erste Schritt einer ausländischen Intervention. Während die Lage in Tschang- llcha sich etwas gebessert hat, hat sich die Lage in Hankau e r he blich verschlimmert. Die aus- ländischen Mächte verfügen nun über sehr starke Streitkräfte, was darauf schließen läßt, daß sie be­reits in aller Kürze mit ernsten Ereignissen in Hankau rechnen. Im südlichen Teil der Provinz Anhwei wurden drei Dörfer von chinesischen Banditen z e r st ö r t. Die Bevölkerung hat sich dringend um Hilfe an die Nankingregierung ge­wandt. In London wird die weitere Entwicklung in China mit starker Besorgnis verfolgt. Die britischen Befehlshaber der Chinastationen haben weitgehende Vollmachten für den Schutz der britischen Untertanen erhalten.

Vor neuen Unruhen in Afghanistan.

Ernste Berorgnifse in Indien.

L o n d o n , 8. Auo. (WTB. Funkspruch.) Der Kor- refponbent derMorning Post" in Simla meldet: Es herrscht große Sorge, daß der A u f st a n d der Afridis an der Nordwestgrenze Britisch-Jndiens einen ernsten Umfang annehmen und nach Af­ghanistan übergreifen wird. Die Afridis, die gestern von 54 britischen Flugzeugen bombardiert worden sind, stehen nach den vor- liegenden Meldungen ImBundemitafghani- sch e n Stämmen nördlich von Kabul, die sich im Aufruhr gegen König Nadir befinden. In Kal­kutta liegen Nachrichten aus Peschawar vor, nach denen die Geschäfte in Kabul ruhen. Die Läden seien geschlossen, und in Indien bestellte Gütersendungen seien auf telegraphische Anweisung hin angehalten worden. König Nadir soll große

Deutschlands Tribute ein Hemmnis der weltwirtschaftlichen Gesundung.

Bericht der britischen Elektroindustrie. Oie richtige Erkenntnis, aber keine Folgerungen.

London, 7.Aug. (TU.) Die Vereinigung der britischen Llektroindustriellen veröffentlicht einen außerordentlich bemerkenswerten Bericht über die gegenwärtige weltwIri­sch a f t s l a g e. Die ordnungsmäßige Sicherung des Goldstandards, so heißt es in dem Bericht, werde durch die Zahlung der deutschen Tri­bute und durch die Schuldenleistungen an die vereinigten Staaten unmöglich gemacht. Line wirklich dauerhafte Wiederbe­lebung des Handels fei abhängig von der Ab­schaffung der Tribute und von der Wie­dervergebung von Anleihen durch die vereinigten Staaten und Frankreich in großem Ausmaß. Die Aufsaugung großer Mengen von Gold durch die vereinigten Staaten und Frankreich auf allen wichtigen Märkten der Welt, insbesondere aber in Südamerika und Im Fernen Osten habe dazu geführt, daß dem internationalen Markt die Mittel für die Wiederbelebung des Han­dels entzogen würden, vor 1932 könne kaum mit einer wirklich umfassenden Besserung gerechnet werden.

lieber die Lage in den wichtigsten Industrielän­dern heißt es dann weiter, daß sowohl In ben Ber­einigten Staaten, als auch In Deutsch­land die Wirtschaftskrise viel empfindlicher sei, als in Großbritannien. Der auf Deutschland be­zügliche Abschnitt laufet wörtlich:Deutschland be­findet sich wahrscheinlich in der am meisten kritischen Lage von allen drei Ländern. Die Reparationsschwierigkeiten sind ver­

stärkt worden durch die Abschaffung der Sochtie- ferungen und durch die Kommerzialisierung eines Teiles der deutschen Reparationsschuld. Ls ist nach wie vor richtig, daß die deutschen Reparationen nur durch eine bedeutende Kapital­einfuhr gedeckt werden können. Diese Kapital­einfuhr hat durch einen starken Reexport eine un­natürliche Belebung der Ausfuhr zur Folge, die entweder durch Deflation im 3nlanbe oder durch zwangsweise Herabsetzung der Preise erreicht wird ober letzten Lndes durch eine Substanzaus­fuhr Deutschlands an das Ausland erreicht wer­den kann. Die kürzlich erfolgte Herabsetzung der Preise der deutschen (Elfen- und Stahlindustrie und die Verminderung der Frachtsätze für Kohlen für Ausfuhrzwecke sind deutliche Beweise dafür, daß die deutsche Regierung den Wunsch hat, die Ausfuhr um jeden Preis zu steigern, eine Methode, die zu Rückwirkungen in anderen Län­dern und zur Verschärfung der Internationalen Wirtschaftslage führen muß."

Am Schluß wird die besondere Lage Groß­britanniens und der britischen Dominions be­handelt und festgestellt, daß sich die Hoffnungen der Anhänger der Goldtheorie nicht erfüllten. Der Goldstandard habe die englische Aktiva nicht ver­mehrt, sondern im Gegenteil zu einer Lähmung des Binnenmarktes und zu einer Verminde­rung der industriellen Wirksamkeit geführt. Die Alternative sei nun eine Belebung des heimischen Verbrauches und eine Beschneidung der Einfuhr.

Reisewetterdienst.

Garmisch-Partenkirchen. 10 Grad, kühle Nacht, Windstille, mäßiger Regen.

Westerland auf Sylt. 15 Grab, Westwind, halb bis ganz bebeckt.

Oie Wetterlage.

ißost"

'SeydlSfjord

Thorsnavi

iberdeen-

\

191

.Stil?

40 ©

ö wolkenlos. e netter 3 naiD oedeett »woixiaoedecm «Rege^ * Schnee graupeln «Heoei K0ewnter.@wmd5tHiL.Osd» leichter Osi Sy> massiger "SudSUdweji q stürmischer nordwe$> Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie veinen Stationen jtenenden Za* len geben die Temperatur an. Die Urnen veroindco Orte mit gleiche® *uf neercsniVeau umoertenneten Luftdruck

Schwierigkeiten haben, bie notwenbigen Geldmittel auszubringen, um seine Truppen zu bezahlen und in dem durch die inneren Kämpfe verarmten Lande die notwenbigen Reformen durchzuführen.

Rückkehr zweier Balkan-Könige.

Paris, 7. Aug. (WTB.) Nach Nachrichten aus Sofia rechnen gutunterrichtete politische Kreise mit ber bevorstehenden Rückkehr des ehemali­gen Königs Ferdinand. Die bulgarische Re­gierung habe von einem der Staaten der Kleinen Entente die Versicherung erhalten, daß Rumänien und Südslawien sich dem nicht widersetzen würden. - Andererseits ist auch das Gerücht im Umlauf, daß der ehemalige König von Griechenland auf Grund von Verhandlungen, die Veniselos in London geführt habe nach Athen zurückkehren und den griechischen Thron wieder besteigen werde.

Schiedsspruch für die mitteldeutsche Metallindustrie.

Berlin. 7. Aug. (WTB.) 3m Reichsarbeits­ministerium fanden abermals Verhandlungen vor dem Sonderschlichter für die mitteldeutsche Me­tallindustrie (Halle-Magdeburg-Anhalt) statt. Sie führten zur Fällung eines neuen Schiedsspruches, wonach, wenn der gleich« wirtschaftliche Nutzeffekt nicht durch Mehrein­stellung von Arbeitern erreicht werden kann, bis zu 50 Stunden in der Woche ge­arbeitet werden darf. Das alte Tleberarbeits- abkommen sah die 52stündige Arbeitszeit vor. Wie verlautet, wird der Metallarbeiterverband auch diesen Schiedsspruch ab lehn en. Die Er- klärungssrist läuft bis 12. August, 18 Ahr. Die Stellungnahme der Arbeitgeber ist noch nicht bekannt.

Aus aller Welt.

Goethe-Preis für Siegmund Freud.

Wie dieVoss. Ztg." erfährt, hat sich das Kuratorium der Goethe-Preis-Etif- tung in Frankfurt a. M. auf Professor Siegmund Freud in Wien, den bekannten Psychoanalytiker, als Preisträger dieses Jahres geeinigt. Der Goethe-Preis, der am 28. August jedes Jahres verliehen wird, beträgt 10 000Blk. und ist bisher an Stefan George, an den bekannten Theologen, Mediziner und Afrika­forscher Albert Schweitzer und den Kultur­philosophen Leopold Ziegler verliehen worden.

Schweres Flugzeugunglück an der schwedischen Küste.

Das Donnerstagnacht um 11 Ahr planmäßig in Stockholm zum Fluge nach Stral- suttd gestartete Postflugzeug D. 1826 ist an seinem Bestimmungsort nicht einge­troffen. Auf dieser Luftpostnachtlinie werden lediglich Post und Fracht, jedoch keine Passa­giere befördert. Die setzte Standortmeldung der mit Funkgerät ausgerüsteten Maschine Typ Junkers \V. 33 stammt aus dem Schärengebiet um 23.50 Uhr, der nächste Kontrollfunk wurde nicht mehr gemeldet. Bier schwedische Wasser­flugzeuge sowie mehrere schwedische Torpedo­boote beteiligten sich an den Rachforschungen. Das Flugzeug ist mittags bei Askö in der Rähe von Daldemarsvik in sinkendem Zustand aufgefunden worden. Die beiden 3nsassen, Flugkapitän W. Langanke und der Funktele­graphist Lindemann, sind wahrscheinlich während eines Landungsversuches auf hoher See ums Leben gekommen. Der Führer des schwe­dischen Flugzeuges S. Dack, Rielfen, dgs an der älnglücksbelle auf Wasser gegangen war, meldet, daß ein Schwimmer senkrecht aus dem Wasser geragt habe, das an dieser Stelle ungefähr 10 Meter tief sei. Infolgedessen mußten Tau­cher angeseht werden. Bon der Besatzung habe man nichts entdecken können, da das schwedische Suchflugzeug nicht in der Lage ge­wesen sei, das Wrack zu heben. Den anderen Schwimmer fanden Lotsen in der Rähe mit ein­gedrückter Spitze auf.

Die Trockenheit In Amerika.

Die ungeheure Hitze dauert in den mellten Gegenden der Vereinigten Staaten noch an. Tau­sende schlafen unter freiem Himmel in den Parks. Der Ackerbauminister Hyde, ber aus dem mittleren Westen nach Washington zurückkchrte, um mit bem Präsidenten Hoover über die Hilfsaktion zu beraten, erklärte, bie Lage sei zweifellos^ernst, jedoch nicht überall gleich. Wenn bald Regen fiele, könnte etwas Spätkorn gerettet werben unb in den Tiefebenen der betroffenen Staaten angebaut werben. Beamte

ber Wetterwarte in Washington erklärten, baß trotz vereinzelter Regenfälle kein Nachlassen ber Trockenheit zu erwarten sei. Im Ohiotale wirb bas Trinkwasser für brei Cents bie Gallone verkauft. Wenn auch bie Lage ber Lanbwirtschaft vom Probuktionsstandpunkt aus ge­feiten als sehr schlimm bezeichnet werben muß, so hat bie große Hitze eigenartigerweise auch Gutes gezeitigt, insofern nämlich, als bie Frage ber U e b e r e r 3 e u g u n g bes letzten Jahres jetzt auf rabikale Weise gelöst worben ist. Die großen Getreibe - unb Baumwollbe stände :vom vergangenen Jahre können jetzt verwertet werden. Was bie amerikanische Lanbwirtschaft mengenmäßig verliert, wirb zweifellos durch höhere Preise wieder einaebracht werden. Die Hausse auf der Chikagoer Wetzenbörse bedeutet umgerechnet auf die Gesamt­ernte eine Wertsteigerung von nicht weniger als 650 Millionen Dollar letroa 2760 Millionen Mark). In Neuyork wird befürchtet, daß sich auch eine Erhöhung der Milchpreise nicht vermeiden lassen wirb.

Ueberschtvemmungskalastrophe in Rogales.

Durch einen Wolkenbruch entstand eine Äeber- schwemmung in R o g a l e s (Arizona). Bisher sind vier Leichen geborgen worden. 40 Personen werden vermißt. Die tiefer gelegenen Straßen sind überflutet, zahlreiche Häuser wurden weg- gespült, darunter ein mexikanisches Hotel, in dem 16 Mexikaner übernachteten. Augenzeugen berichten, daß Säuglinge in ihren Wie­gen auf den Fluten trieben und die Hilferufe von Frauen das Rauschen der Wasser­massen übertönten, die die Einwohner In ihren Häusern im Schlafe überraschten.

Borkum macht sich selbständig.

Seit Jahren ist bie Insel Borkum durch die sog. Flaggenfrage beunruhigt. Diese Frage ist jetzt soweit behoben, als Borkum eine eigene Flagge erhalten hat. Sie ist in grüner Farbe gehalten unb mit einem weißen Kreuz durchschnitten. Die Gösch ist schwarzrotblau, unter ber sich ber Spruch befindet:Ruhig inmitten ber Wogen".

Großer Rlühlenbrand.

Die Schlüterschen Mühlenwerke in Langelohe bei Elmshorn sind bis auf bie Grundmauern nieder­gebrannt. Große Vorräte an Mehl unb (Betreibe wurden vernichtet. Der Schaden ist bedeutend. Erst gegen Abend war bas Feuer unter Kontrolle, und noch bis in bie Nacht waren bie Wehren mit Nach- löfcharbeiten beschäftigt. Der Branb ist barauf zurück- zuführen, baß bie Welle^im Exhaustor sich heiß gelaufen hatte, und die Funken durch den Schneckengang in die verschiede­nen Gebäude gejagt wurden. Der ganze Ge- bäudekomplex, ber mehrere brei- und vierstöckige Gebäude und Lagerhäuser umfaßt, bildete ein ein­ziges Feuermeer. Nur bie Kontorgebäude, das Ma­schinenhaus und die Autogaragen blieben unversehrt.

Die köpenickiade in Hindenburg.

Der falsche Oberstleutnant Jahn, der sich als einFreund des Hauses des Reichspräsidenten" vom Magistrat in Hindenburg empfangen lieh und später als der stellungsweise Arbeiter Jahn feftge- stellt wurde, ist wieder aus der Haft ent­lassen worden. Er erlitt im Gefängnis einen Nervenzusammenbruch, der wohl auf den Mißerfolg seines Unternehmens zurückzuführen ist. Die Absicht des ^Betruges konnte ihm nicht nachgewiesen wer­den, da nlemanb geschädigt worden ist. Politische Gründe spielen bei der Köpenickiade nicht mit. Es ergibt sich also, daß bie Behauptung Jahns, er sei lebiglid) nach Hindenburg gekommen, um hier eine neue Beschäftigung zu ftnben, als wahr zu unter- stellen ist.

Wettervoraussage.

Allgemeiner Druckanstieg über Europa hat die Rordmeerstörung weiter zur Auffüllung gebracht und das südwestliche Hoch verstärkt. Somit geht der Tiefdruckeinfluß allmählich zu Ende, während das sich immer mehr nach dem Festlande ver­lagernde Hoch die Vorherrschaft gewinnt. Wenn auch vorerst durch die immer noch bestehende ozeanische Luftzufuhr zeitweise noch Bewölkung aufkommt, so wird doch im Bereich des hohen Druckes weitere Beruhigung eintreten, so daß für einige Tage besseres Wetter zu erwarten ist, allerdings sind vorüberge^nde Gewitter­störungen nicht ausgeschlossen.

Aussichten für Samstag: Mehr auf- heiterndcs, etwas wärmeres und meist trockenes Wetter.

Aussichten fürSonntag: Meist heiter und trocken.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 8. August 1930. |

Zurück zum Pfennig!

Solange es uns gut gin<£ galt es weder als unschicklich noch unhonorig, in feiner Geldtasche Kupferstücke zu beherbergen. Man nannte diese Stücke Pfennige. Es ist vielleicht nicht unangD- messen, das ins Gedächtnis zurückzurufen. Wenn man für so winzige Bruchteile der alten Gold­krone auch nicht gerade Rittergüter oder Woh­nungseinrichtungen einhandeln konnte, einiges gab's doch für diese kleinen, nach unten abgerun­deten Spitzenbeträge. Dazu hielt sich hartnäckig ein Brauch, der als schöne, alte Volkssitte an- gesprochen werden konnte. Man scheute sich nicht, Pfennige zusammenzukrahen. Fünf Stücke gaben einen Sechser und aus fünf Zweipfennigern ließ sich sogar ein solider Groschen zusammenbauen. Dafür konnte man nun schon allerhand erwerben. Man spricht sogar davon, daß sich Sparpfennige zur ausgewachsenen Sparmark entwickelt hätten. Das klingt heute wie ein Märchen. Rur der ganz feine Mann hatte vielleicht, wie wir heute sagen würden, Hemmungen und empfand es als eine Zumutung, sich Pfennige herausgeben zu lassen. wenn's einer sah.

Seit der Inflation ist das Augenmaß für solche Kleinigkeiten verlorengegangen. Als die Mark fiel, konnte man mit seinem Kupfer allerdings herzlich wenig anfangen. Aber eines Tages wurde doch die Mark wieder auf feste Beine gestellt. Da hatte die gute, alte Pfennigzeit wiederkehren können. Es hieß aber, für einen Pfennig gäbe es nichts. Das mag so gewesen fein. Aber schließlich waren 12, 73 oder 148 Pfen­nige auch diskutable Beträge. Ratürlich, das gab's. Aber wer machte denn solche Geschichten? Pünktlich meldeten sich wieder die Hemmungen. Was nicht eine Rull oder höchstens eine Fünf am Ende hat, ist mit einem schweren Makel behaftet. Der Verkäufer rundet eben ab. Hoffentlich nach unten, wenn nicht anders, auch nach oben. Die Hauptsache ist die Rundung. Wir können es uns ja heute auch leisten, mit elegantes Handbewegung täglich ein paar mal auf Pfennige zu verzichten. Was spielt das schließlich für eine Rolle?! Die Hauptsache ist, daß wir feine Leute bleiben und uns nicht unsere Finger mit Kupfer beleidigen.

Zurück zum Pfennig! Man darf es gat nicht laut sagen. Eigentlich ein schofler Schlacht­ruf. Was kann das schon ausmachen? Höchste Zeit ist es zur Einkehr. Anders als durch Wie­dergewöhnung an den Pfennig geht's bestimmt nicht.Einem on dit zufolge" wird ernstlich an den Preisabbau gedacht. Es geht vielleicht nicht gleich um einen runden Groschen oder Sechser. Da soll nun mal das Publikum sich von feinem Abrundungskomplex trennen, nett und entgegen­kommend fein und sich einmal mit einerkrum­men Zahl" anfreunden. Es kommt auf den Ver­such an. 3n Wirklichkeit ist das viel wenige« schmerzhaft, als man glaubt. Roch immer gilt das Sprichwort: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert! Wie wäre es, wenn wir zu diesem Wort zurückkehren würden? Ehe die Rotverordnung der leeren Tasche das mit un­zarter Plötzlichkeit tut? Es geht uns vielleicht noch nicht dreckig genug.

Ein Vorschlag zur Güte: versuchen wir es ein­mal mit einer neuen, fast hätte ich geschrieben Partei. 3ch meine nur Blöde. Die Pfennig- m o de! Sie hat den Vorteil der Gemeinverständ­lichkeit. Sie ist auch nicht weiter kostspielig, abec ungeheuer erfolgreich. Wenn dann die Blöde ab­tritt, könnte sich, gegen die Verabredung, womög­lich eine Art Volkssitte daraus entwickeln. Dar­auf sollte man es ankommen lassen. Zurück zum Pfennig!

Oie Licher Störche.

3m Dilder-Aushängekasten an unserem Ge­schäftshaus bringen wir zwei photographische Aufnahmen von der Störche-Versamm- lungauf demDacheder Blarienstifts- kirche in Lich zur Schau. Die größere Auf­nahme von öieier Storchenparade wurde von gerb. Zimmer in Lich am Mittwochabend um 8.15 Uhr gemacht, die kleine Aufnahme erfolgte um 8.45 Uhr. Auf dem großen Bilde sieht man noch ein gewisses Durcheinander der zahlreichen Störche, da die Tiere zu diesem Zeitpunkt noch im Versammeln begriffen waren, während man auf dem kleineren und später aufgenommenen Bilde die fertig aufgestellte Rachtparade der