entsprechende Herabsetzung der Landes- steuern eintreten lassen. — Der Abgeordnete Werner (QiatfoflJ beantragt weiter, die weiderechtlichen Bestimmungen Hessens auS dem Jahre 1899 zum Zwecke eines freieren und ausgedehnteren Hütebetriebes zu ändern. Außerdem verlangt er, daß der volle Aamen des Firmeninhabers zur Verhütung von Firmenverschleierung angebracht wird und daß die Polt- -eiorgane auf die Einhaltung dieser Vorschrift strengstes Augenmerk richten.
Hilfsgelder für Reurode.
Berlin, 7. Aug. (Priv.-Tel.) 2m Preußischen Landtag ist eine Anfrage mehrerer Zen- trumSabgeordneter eingelaufen. Sie besaßt sich mit einem Beschluß des Kreistages von Reurode, den Opfern und Hinterbliebenen des Grubenunglücks, die für sie aus öffentlichen und privaten Mitteln zusammengeflossenen Gelder nichtrestlos zur Verfügung zu stellen, sondern die Gelder teilweise zum Dau einer Kreiswasserleitung und zum Dau von Jugendheimen zu verwenden. Die Zentrumsabgeordneten fragen die Staatsregierung, ob sie dafür Sorge tragen will, daß diese Gelder ihren eigentlichen Zweckenzugeführtund nicht für parteipolitische Zwecke verwandt werden. Der kommissarische Landrat des Kreises Reurode, der der Sozialdemokratischen Partei angehört, habe die Absicht, einen Teil der Gelder für sozialistische Jugendheime auszugeben. Hier läge offenbar der Versuch vor, Gelder des Mitleids und der Mildtätigkeit für einseitige parteipolitische Zwecke zu verwenden. Es ist anzunehmen, daß es nur dieser Zentrumsanfrage bedurfte, um die preußische Regierung zu veranlassen, dafür Sorge zu tragen, daß dem Landrat der Unterschied zwischen seinen dienstlichen Pflichten und seinen Partei- Wünschen mit entsprechender Deutlichkeit zu Ge- müte geführt wird.
Die Aenderung der Reichsversorgung der Kriegsbeschädigten und Krieger-
Hinterbliebenen.
B e r l i n. 7. Aug. (WTB.)" Nach der Verkündung der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zur Behebung finanzieller, wirtschaftlicher und sozialer Notstände vom 26. Juli 1930 (Reichsgesetzblatt I, Seite 311) hatten sich verschiedene Prcsseäußerungen mit der Frage ihrer Rechtsgültigkeit bescbäf- tigt. Soweit es sich um die im 3. Titel des 4. Abschnitts, Artikel 1—3, veröffentlichten Aenderun- gen der Reichsversorgung der Kriegsbeschädigten und K r i e g e r h i n t e r b l i e - denen handelt, hat das Oberste Gericht bereits entschieden. Der 14. Senat des Reichsversorgungsgerichts hat am 30. Juli 1930 in einer gründ- sätzlichen Entscheidung diese Vorschriften für rechtsgültig erklärt.
Major Pabst kehrt nach Oesterreich zurück.
Einigung zwischen Bundeskanzler Schober und den Heimwehrcn.
Wien, 7. August. (SeL-Hu.) Zwischen Bundeskanzler Dr. Schober und den Delegierten der Heimwehrführung fand heut« nachmittag im Bundeskanzlerrat eine Besprechung statt, die über eine Stunde dauert«. Die Besprechung hat eine wesentliche Annäherung ergeben. Als wichtigstes Ergebnis ist festzustellen, daß die Aufhebung derAus- 'Weisung des Majors Pau st in allernächster Zeit erfolgen und daß Pabst ohne örtliche Beschränkung seines Aufenthaltes nach Oe st erreich zurückkehren wird. Die ausführliche Aussprache bezog sich auf das weitere politische Zusammenarbeiten zwischen der Heimwehr einerseits und der Regierung und der bürgerlichen Mehrheit andererseits. Auch die Frage der Haltung der Heimwehr in den Wahlen und die Wahlreform wurde mit dem Bundeskanzler besprochen.
Ernste Lage in Hankau.
Britische Truppen greifen ein.
London, 7. Aug. (TU.) Eine Abteilung britischer Infanterie in Stärke von fünf Offizieren und 110 Mann hat sich am Mittwoch vonSchanghai nach Hankau begeben und wird dort der Besatzung des Kreuzers „Eumberland" beigegeben wer- den. Die Abteilung führt Maschinengewehre mit sich. Arn Freitag wird eine weitere Abteilung folgen. Drei Zerstörer der 24. Zerstörerflottille sind in Han- kau eingetroffen. Vier weitere Zerstörer sind unterwegs. Die Entsendung der britischen Truppen ist dec erste Schritt einer ausländischen Intervention. Während die Lage in Tschang- llcha sich etwas gebessert hat, hat sich die Lage in Hankau e r he blich verschlimmert. Die aus- ländischen Mächte verfügen nun über sehr starke Streitkräfte, was darauf schließen läßt, daß sie bereits in aller Kürze mit ernsten Ereignissen in Hankau rechnen. Im südlichen Teil der Provinz Anhwei wurden drei Dörfer von chinesischen Banditen z e r st ö r t. Die Bevölkerung hat sich dringend um Hilfe an die Nankingregierung gewandt. In London wird die weitere Entwicklung in China mit starker Besorgnis verfolgt. Die britischen Befehlshaber der Chinastationen haben weitgehende Vollmachten für den Schutz der britischen Untertanen erhalten.
Vor neuen Unruhen in Afghanistan.
Ernste Berorgnifse in Indien.
L o n d o n , 8. Auo. (WTB. Funkspruch.) Der Kor- refponbent der „Morning Post" in Simla meldet: Es herrscht große Sorge, daß der A u f st a n d der Afridis an der Nordwestgrenze Britisch-Jndiens einen ernsten Umfang annehmen und nach Afghanistan übergreifen wird. Die Afridis, die gestern von 54 britischen Flugzeugen bombardiert worden sind, stehen nach den vor- liegenden Meldungen ImBundemitafghani- sch e n Stämmen nördlich von Kabul, die sich im Aufruhr gegen König Nadir befinden. — In Kalkutta liegen Nachrichten aus Peschawar vor, nach denen die Geschäfte in Kabul ruhen. Die Läden seien geschlossen, und in Indien bestellte Gütersendungen seien auf telegraphische Anweisung hin angehalten worden. König Nadir soll große
Deutschlands Tribute ein Hemmnis der weltwirtschaftlichen Gesundung.
Bericht der britischen Elektroindustrie. — Oie richtige Erkenntnis, aber keine Folgerungen.
London, 7.Aug. (TU.) Die Vereinigung der britischen Llektroindustriellen veröffentlicht einen außerordentlich bemerkenswerten Bericht über die gegenwärtige weltwIrisch a f t s l a g e. Die ordnungsmäßige Sicherung des Goldstandards, so heißt es in dem Bericht, werde durch die Zahlung der deutschen Tribute und durch die Schuldenleistungen an die vereinigten Staaten unmöglich gemacht. Line wirklich dauerhafte Wiederbelebung des Handels fei abhängig von der Abschaffung der Tribute und von der Wiedervergebung von Anleihen durch die vereinigten Staaten und Frankreich in großem Ausmaß. Die Aufsaugung großer Mengen von Gold durch die vereinigten Staaten und Frankreich auf allen wichtigen Märkten der Welt, insbesondere aber in Südamerika und Im Fernen Osten habe dazu geführt, daß dem internationalen Markt die Mittel für die Wiederbelebung des Handels entzogen würden, vor 1932 könne kaum mit einer wirklich umfassenden Besserung gerechnet werden.
lieber die Lage in den wichtigsten Industrieländern heißt es dann weiter, daß sowohl In ben Bereinigten Staaten, als auch In Deutschland die Wirtschaftskrise viel empfindlicher sei, als in Großbritannien. Der auf Deutschland bezügliche Abschnitt laufet wörtlich: „Deutschland befindet sich wahrscheinlich in der am meisten kritischen Lage von allen drei Ländern. Die Reparationsschwierigkeiten sind ver
stärkt worden durch die Abschaffung der Sochtie- ferungen und durch die Kommerzialisierung eines Teiles der deutschen Reparationsschuld. Ls ist nach wie vor richtig, daß die deutschen Reparationen nur durch eine bedeutende Kapitaleinfuhr gedeckt werden können. Diese Kapitaleinfuhr hat durch einen starken Reexport eine unnatürliche Belebung der Ausfuhr zur Folge, die entweder durch Deflation im 3nlanbe oder durch zwangsweise Herabsetzung der Preise erreicht wird ober letzten Lndes durch eine Substanzausfuhr Deutschlands an das Ausland erreicht werden kann. Die kürzlich erfolgte Herabsetzung der Preise der deutschen (Elfen- und Stahlindustrie und die Verminderung der Frachtsätze für Kohlen für Ausfuhrzwecke sind deutliche Beweise dafür, daß die deutsche Regierung den Wunsch hat, die Ausfuhr um jeden Preis zu steigern, eine Methode, die zu Rückwirkungen in anderen Ländern und zur Verschärfung der Internationalen Wirtschaftslage führen muß."
Am Schluß wird die besondere Lage Großbritanniens und der britischen Dominions behandelt und festgestellt, daß sich die Hoffnungen der Anhänger der Goldtheorie nicht erfüllten. Der Goldstandard habe die englische Aktiva nicht vermehrt, sondern im Gegenteil zu einer Lähmung des Binnenmarktes und zu einer Verminderung der industriellen Wirksamkeit geführt. Die Alternative sei nun eine Belebung des heimischen Verbrauches und eine Beschneidung der Einfuhr.
Reisewetterdienst.
Garmisch-Partenkirchen. 10 Grad, kühle Nacht, Windstille, mäßiger Regen.
Westerland auf Sylt. 15 Grab, Westwind, halb bis ganz bebeckt.
Oie Wetterlage.
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Schwierigkeiten haben, bie notwenbigen Geldmittel auszubringen, um seine Truppen zu bezahlen und in dem durch die inneren Kämpfe verarmten Lande die notwenbigen Reformen durchzuführen.
Rückkehr zweier Balkan-Könige.
Paris, 7. Aug. (WTB.) Nach Nachrichten aus Sofia rechnen gutunterrichtete politische Kreise mit ber bevorstehenden Rückkehr des ehemaligen Königs Ferdinand. Die bulgarische Regierung habe von einem der Staaten der Kleinen Entente die Versicherung erhalten, daß Rumänien und Südslawien sich dem nicht widersetzen würden. —- Andererseits ist auch das Gerücht im Umlauf, daß der ehemalige König von Griechenland auf Grund von Verhandlungen, die Veniselos in London geführt habe nach Athen zurückkehren und den griechischen Thron wieder besteigen werde.
Schiedsspruch für die mitteldeutsche Metallindustrie.
Berlin. 7. Aug. (WTB.) 3m Reichsarbeitsministerium fanden abermals Verhandlungen vor dem Sonderschlichter für die mitteldeutsche Metallindustrie (Halle-Magdeburg-Anhalt) statt. Sie führten zur Fällung eines neuen Schiedsspruches, wonach, wenn der gleich« wirtschaftliche Nutzeffekt nicht durch Mehreinstellung von Arbeitern erreicht werden kann, bis zu 50 Stunden in der Woche gearbeitet werden darf. Das alte Tleberarbeits- abkommen sah die 52stündige Arbeitszeit vor. Wie verlautet, wird der Metallarbeiterverband auch diesen Schiedsspruch ab lehn en. Die Er- klärungssrist läuft bis 12. August, 18 Ahr. Die Stellungnahme der Arbeitgeber ist noch nicht bekannt.
Aus aller Welt.
Goethe-Preis für Siegmund Freud.
Wie die „Voss. Ztg." erfährt, hat sich das Kuratorium der Goethe-Preis-Etif- tung in Frankfurt a. M. auf Professor Siegmund Freud in Wien, den bekannten Psychoanalytiker, als Preisträger dieses Jahres geeinigt. Der Goethe-Preis, der am 28. August jedes Jahres verliehen wird, beträgt 10 000Blk. und ist bisher an Stefan George, an den bekannten Theologen, Mediziner und Afrikaforscher Albert Schweitzer und den Kulturphilosophen Leopold Ziegler verliehen worden.
Schweres Flugzeugunglück an der schwedischen Küste.
Das Donnerstagnacht um 11 Ahr planmäßig in Stockholm zum Fluge nach Stral- suttd gestartete Postflugzeug D. 1826 ist an seinem Bestimmungsort nicht eingetroffen. Auf dieser Luftpostnachtlinie werden lediglich Post und Fracht, jedoch keine Passagiere befördert. Die setzte Standortmeldung der mit Funkgerät ausgerüsteten Maschine Typ Junkers \V. 33 stammt aus dem Schärengebiet um 23.50 Uhr, der nächste Kontrollfunk wurde nicht mehr gemeldet. Bier schwedische Wasserflugzeuge sowie mehrere schwedische Torpedoboote beteiligten sich an den Rachforschungen. Das Flugzeug ist mittags bei Askö in der Rähe von Daldemarsvik in sinkendem Zustand aufgefunden worden. Die beiden 3nsassen, Flugkapitän W. Langanke und der Funktelegraphist Lindemann, sind wahrscheinlich während eines Landungsversuches auf hoher See ums Leben gekommen. Der Führer des schwedischen Flugzeuges S. Dack, Rielfen, dgs an der älnglücksbelle auf Wasser gegangen war, meldet, daß ein Schwimmer senkrecht aus dem Wasser geragt habe, das an dieser Stelle ungefähr 10 Meter tief sei. Infolgedessen mußten Taucher angeseht werden. Bon der Besatzung habe man nichts entdecken können, da das schwedische Suchflugzeug nicht in der Lage gewesen sei, das Wrack zu heben. Den anderen Schwimmer fanden Lotsen in der Rähe mit eingedrückter Spitze auf.
Die Trockenheit In Amerika.
Die ungeheure Hitze dauert in den mellten Gegenden der Vereinigten Staaten noch an. Tausende schlafen unter freiem Himmel in den Parks. Der Ackerbauminister Hyde, ber aus dem mittleren Westen nach Washington zurückkchrte, um mit bem Präsidenten Hoover über die Hilfsaktion zu beraten, erklärte, bie Lage sei zweifellos^ernst, jedoch nicht überall gleich. Wenn bald Regen fiele, könnte etwas Spätkorn gerettet werben unb in den Tiefebenen der betroffenen Staaten angebaut werben. Beamte
ber Wetterwarte in Washington erklärten, baß trotz vereinzelter Regenfälle kein Nachlassen ber Trockenheit zu erwarten sei. Im Ohiotale wirb bas Trinkwasser für brei Cents bie Gallone verkauft. Wenn auch bie Lage ber Lanbwirtschaft vom Probuktionsstandpunkt aus gefeiten als sehr schlimm bezeichnet werben muß, so hat bie große Hitze eigenartigerweise auch Gutes gezeitigt, insofern nämlich, als bie Frage ber U e b e r e r 3 e u g u n g bes letzten Jahres jetzt auf rabikale Weise gelöst worben ist. Die großen Getreibe - unb Baumwollbe stände :vom vergangenen Jahre können jetzt verwertet werden. Was bie amerikanische Lanbwirtschaft mengenmäßig verliert, wirb zweifellos durch höhere Preise wieder einaebracht werden. Die Hausse auf der Chikagoer Wetzenbörse bedeutet umgerechnet auf die Gesamternte eine Wertsteigerung von nicht weniger als 650 Millionen Dollar letroa 2760 Millionen Mark). In Neuyork wird befürchtet, daß sich auch eine Erhöhung der Milchpreise nicht vermeiden lassen wirb.
Ueberschtvemmungskalastrophe in Rogales.
Durch einen Wolkenbruch entstand eine Äeber- schwemmung in R o g a l e s (Arizona). Bisher sind vier Leichen geborgen worden. 40 Personen werden vermißt. Die tiefer gelegenen Straßen sind überflutet, zahlreiche Häuser wurden weg- gespült, darunter ein mexikanisches Hotel, in dem 16 Mexikaner übernachteten. Augenzeugen berichten, daß Säuglinge in ihren Wiegen auf den Fluten trieben und die Hilferufe von Frauen das Rauschen der Wassermassen übertönten, die die Einwohner In ihren Häusern im Schlafe überraschten.
Borkum macht sich selbständig.
Seit Jahren ist bie Insel Borkum durch die sog. Flaggenfrage beunruhigt. Diese Frage ist jetzt soweit behoben, als Borkum eine eigene Flagge erhalten hat. Sie ist in grüner Farbe gehalten unb mit einem weißen Kreuz durchschnitten. Die Gösch ist schwarzrotblau, unter ber sich ber Spruch befindet: „Ruhig inmitten ber Wogen".
Großer Rlühlenbrand.
Die Schlüterschen Mühlenwerke in Langelohe bei Elmshorn sind bis auf bie Grundmauern niedergebrannt. Große Vorräte an Mehl unb (Betreibe wurden vernichtet. Der Schaden ist bedeutend. Erst gegen Abend war bas Feuer unter Kontrolle, und noch bis in bie Nacht waren bie Wehren mit Nach- löfcharbeiten beschäftigt. Der Branb ist barauf zurück- zuführen, baß bie Welle^im Exhaustor sich heiß gelaufen hatte, und die Funken durch den Schneckengang in die verschiedenen Gebäude gejagt wurden. Der ganze Ge- bäudekomplex, ber mehrere brei- und vierstöckige Gebäude und Lagerhäuser umfaßt, bildete ein einziges Feuermeer. Nur bie Kontorgebäude, das Maschinenhaus und die Autogaragen blieben unversehrt.
Die köpenickiade in Hindenburg.
Der falsche Oberstleutnant Jahn, der sich als ein „Freund des Hauses des Reichspräsidenten" vom Magistrat in Hindenburg empfangen lieh und später als der stellungsweise Arbeiter Jahn feftge- stellt wurde, ist wieder aus der Haft entlassen worden. Er erlitt im Gefängnis einen Nervenzusammenbruch, der wohl auf den Mißerfolg seines Unternehmens zurückzuführen ist. Die Absicht des ^Betruges konnte ihm nicht nachgewiesen werden, da nlemanb geschädigt worden ist. Politische Gründe spielen bei der Köpenickiade nicht mit. Es ergibt sich also, daß bie Behauptung Jahns, er sei lebiglid) nach Hindenburg gekommen, um hier eine neue Beschäftigung zu ftnben, als wahr zu unter- stellen ist.
Wettervoraussage.
Allgemeiner Druckanstieg über Europa hat die Rordmeerstörung weiter zur Auffüllung gebracht und das südwestliche Hoch verstärkt. Somit geht der Tiefdruckeinfluß allmählich zu Ende, während das sich immer mehr nach dem Festlande verlagernde Hoch die Vorherrschaft gewinnt. Wenn auch vorerst durch die immer noch bestehende ozeanische Luftzufuhr zeitweise noch Bewölkung aufkommt, so wird doch im Bereich des hohen Druckes weitere Beruhigung eintreten, so daß für einige Tage besseres Wetter zu erwarten ist, allerdings sind vorüberge^nde Gewitterstörungen nicht ausgeschlossen.
Aussichten für Samstag: Mehr auf- heiterndcs, etwas wärmeres und meist trockenes Wetter.
Aussichten fürSonntag: Meist heiter und trocken.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 8. August 1930. |
Zurück zum Pfennig!
Solange es uns gut gin<£ galt es weder als unschicklich noch unhonorig, in feiner Geldtasche Kupferstücke zu beherbergen. Man nannte diese Stücke Pfennige. Es ist vielleicht nicht unangD- messen, das ins Gedächtnis zurückzurufen. Wenn man für so winzige Bruchteile der alten Goldkrone auch nicht gerade Rittergüter oder Wohnungseinrichtungen einhandeln konnte, einiges gab's doch für diese kleinen, nach unten abgerundeten Spitzenbeträge. Dazu hielt sich hartnäckig ein Brauch, der als schöne, alte Volkssitte an- gesprochen werden konnte. Man scheute sich nicht, Pfennige zusammenzukrahen. Fünf Stücke gaben einen Sechser und aus fünf Zweipfennigern ließ sich sogar ein solider Groschen zusammenbauen. Dafür konnte man nun schon allerhand erwerben. Man spricht sogar davon, daß sich Sparpfennige zur ausgewachsenen Sparmark entwickelt hätten. Das klingt heute wie ein Märchen. Rur der ganz feine Mann hatte vielleicht, wie wir heute sagen würden, Hemmungen und empfand es als eine Zumutung, sich Pfennige herausgeben zu lassen. — wenn's einer sah.
Seit der Inflation ist das Augenmaß für solche Kleinigkeiten verlorengegangen. Als die Mark fiel, konnte man mit seinem Kupfer allerdings herzlich wenig anfangen. Aber eines Tages wurde doch die Mark wieder auf feste Beine gestellt. Da hatte die gute, alte Pfennigzeit wiederkehren können. Es hieß aber, für einen Pfennig gäbe es nichts. Das mag so gewesen fein. Aber schließlich waren 12, 73 oder 148 Pfennige auch diskutable Beträge. Ratürlich, das gab's. Aber wer machte denn solche Geschichten? Pünktlich meldeten sich wieder die Hemmungen. Was nicht eine Rull oder höchstens eine Fünf am Ende hat, ist mit einem schweren Makel behaftet. Der Verkäufer rundet eben ab. Hoffentlich nach unten, wenn nicht anders, auch nach oben. Die Hauptsache ist die Rundung. Wir können es uns ja heute auch leisten, mit elegantes Handbewegung täglich ein paar mal auf Pfennige zu verzichten. Was spielt das schließlich für eine Rolle?! Die Hauptsache ist, daß wir feine Leute bleiben und uns nicht unsere Finger mit Kupfer beleidigen.
Zurück zum Pfennig! Man darf es gat nicht laut sagen. Eigentlich ein schofler Schlachtruf. Was kann das schon ausmachen? Höchste Zeit ist es zur Einkehr. Anders als durch Wiedergewöhnung an den Pfennig geht's bestimmt nicht. „Einem on dit zufolge" wird ernstlich an den Preisabbau gedacht. Es geht vielleicht nicht gleich um einen runden Groschen oder Sechser. Da soll nun mal das Publikum sich von feinem Abrundungskomplex trennen, nett und entgegenkommend fein und sich einmal mit einer „krummen Zahl" anfreunden. Es kommt auf den Versuch an. 3n Wirklichkeit ist das viel wenige« schmerzhaft, als man glaubt. Roch immer gilt das Sprichwort: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert! Wie wäre es, wenn wir zu diesem Wort zurückkehren würden? Ehe die Rotverordnung der leeren Tasche das mit unzarter Plötzlichkeit tut? Es geht uns vielleicht noch nicht dreckig genug.
Ein Vorschlag zur Güte: versuchen wir es einmal mit einer neuen, fast hätte ich geschrieben — Partei. 3ch meine nur Blöde. Die Pfennig- m o de! Sie hat den Vorteil der Gemeinverständlichkeit. Sie ist auch nicht weiter kostspielig, abec ungeheuer erfolgreich. Wenn dann die Blöde abtritt, könnte sich, gegen die Verabredung, womöglich eine Art Volkssitte daraus entwickeln. Darauf sollte man es ankommen lassen. Zurück zum Pfennig!
Oie Licher Störche.
3m Dilder-Aushängekasten an unserem Geschäftshaus bringen wir zwei photographische Aufnahmen von der Störche-Versamm- lungauf demDacheder Blarienstifts- kirche in Lich zur Schau. Die größere Aufnahme von öieier Storchenparade wurde von gerb. Zimmer in Lich am Mittwochabend um 8.15 Uhr gemacht, die kleine Aufnahme erfolgte um 8.45 Uhr. Auf dem großen Bilde sieht man noch ein gewisses Durcheinander der zahlreichen Störche, da die Tiere zu diesem Zeitpunkt noch im Versammeln begriffen waren, während man auf dem kleineren und später aufgenommenen Bilde die fertig aufgestellte Rachtparade der


