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Der Erweiterungsbau des Deutschen Museums.
Richtfest für das neue Studiengebäude. - Ehrungen für Oskar von Miller.
Das HunderinMionen-Oefizit im preußischen Haushalt.
Verdoppelung der Grundvermögenssteuer?
mit einem Hagel von Steinen beworfen. Ein Beamter wurde von dem Mob durch die Straßen verfolgt. Truppen und Panzerwagen wurden daraufhin eingesetzt. 3m Laufe der Kämpfe wurden insgesamt 300 Personen verletzt. Die Unruhen begannen, als Arbeiter den Versuch machten, vor einem Re- qicrungsgebäude Streikposten aufzustellen. Der Stellvertreter des Polizeichefs wurde gleich- fals von der Menge angegriffen, aber durch Polizeiverstärkungen befreit. Später wurden drei
des Hillschen Postreformplans veranstaltete das englische Schatzamt 1839 einen Wettbewerb für Markenentwürfe. Zur Ausführung bestimmt wurde schließlich derjenige eines gewissen Ch. H e a t h, der den Kopf der jugendlichen Königin von der Seite zeigte und nach einer Erinnerungsmedaille gezeichnet war. Llebrigcns lehnten sich die ersten englischen Briefmarken ziemlich stark an rohe, in Wasserfarben entworfene Skizzen an, die Hill selbst dem Schatzamt vorgelegt hatte. 3n drucktechnischer Beziehung nahmen die ersten Marken, die in schönem Kupferstich ausgeführt waren, gleich einen bemerkenswert hohen künstlerischen Rang ein. Um nicht ungerecht zu sein, soll noch erwähnt werden, daß später auch -ein Oesterreicher, der Buchhalter L. Ko schier in Wien, hinsichtlich der ersten aufklebbaren Freimarke Anspruch auf die Vaterschaft erhob. Rach damaligen Feststellungen der Leipziger Oberpostdirektion schien wirklich der Beweis erbracht, daß Kaschier bereits im Jahre 1836 der österreichischen Regierung einen Plan vorgelegt hat, demzufolge das Briefporto nicht mehr in barem Geld, sondern durch Verwendung von Freimarken bezahlt werden sollte. Jedenfalls ist sein Vorschlag damals nicht verwirklicht worden — Erfinderschicksal.
Die indische Freiheitsbewegung. Kundgebungen in Bombay —Straßen- kämpfe in Delhi.
Bombay, 7. Mai. (WTB.) Der vormalige Präsident der gesetzgebenden Versammlung, Patel, traf heute aus Kalkutta hier ein. Eine große Menschenmenge bereitete ihm einen be- geisterten Empfang und überreichte ihm Blumen und Früchte. 3n einer Ansprache an die Menge erklärte er, in einem freien Land (gemeint ist Englaikd) erhalte der Sprecher des Parlaments eine Pension von 5000 Pfund jähr- lich und die Peerswürde, während in 3ndien der Sprecher, wenn er zurücktrete, seine Pension vielleicht im Gefängnis finde. Patel ermahnte seine Zuhörer, sich vorläufig passiv zu verhalten und dann das Programm durchzuführen, das auf der Tagung des Arbeits- xmsschusses des Kongresses in einigen Tagen fest- Lcseht werden wird. Die Menge zerstreute sich hierauf ohne Zwischenfall. Patel erklärte später in einer Unterredung, er halte den Boykott der britischen Waren im allgemeinen und aller ausländischen Tuche im besonderen für wichtiger als jeden anderen Teil des Programmes des Rationalkongresses. Er fügte hinzu, der Arbeitsausschuß des Kongresses trete am Montag in Allahabad zusammen, um das Programm für die Zukunft zu erörtern. Er werde dem Arbeitsausschuß bestimmte Vorschläge unterbreiten.
Ueber die gestrigen Vorgänge in Delhi wird von der britischen Verwaltung in Eimla eine amtliche Erklärung verkündigt, in der es heißt: Eine Abteilung Polizei, die auf einem Lastkraftwagen befördert wurde, geriet in eine große Menschenmenge. Sie wurde
Postsendungen wurden hier zum erstenmal Freimachungszwang und Einheitsporto eingesührt. Angeblich auf die Anregung einer Herzogin von Longueville hin — was aber nicht feststeht — wurden zum Preise von 1 Sou besondere Papierstreifen verkauft, mit dem Vordruck „Port paye“ (Porto bezahlt), also eine Bescheinigung über die erfolgte Vorauszahlung des Portos, wie sie auch unsere heutige Briefmarke darstellt. Diese Ausweise, die äußerlich etwa den jetzt gebräuchlichen Streifbändern entsprachen, mußten mit dem Datum ausgefüllt und dann um die betreffende Driefsendung herumgelegt oder sonstwie an ihr befestigt werden, nach der Vorschrift jedoch so, daß sie von den Beamten leicht entfernt werden konnten. Wer auf eine Antwort Wert legte, konnte gleich noch eins dieser „Billets de port paye“ — wie man sie damals nannte — beifügen. ähnlich wie wir es noch heute mit Freiumschlag oder Antwortkarte tun. Ob diese Post- scheine auch eine Wertangabe selbst enthielten, ist bis heute nicht bekannt geworden. Jedenfalls handelt es sich hier aber um die ersten Franko- zeichen, von denen die Philatelie zu melden weih.
Während in den ersten 3ahren die Marken umständlich mit der Schere vom ganzen Bogen abgeschnitten werden muhten, ging man in England von 1854 ab endlich zur Herstellung gezähnter Postwertzeichen über. Man bediente sich dazu einer Durchlochungsmaschine, die der 3r- länder Henry Archer zusammen mit anderen erfunden hatte und die nach verschiedenen Ver- bcsserungen vom englischen Schatzamt für 4000 PPlud Sterling angekauft wurde. Heute hat die „schwarze Viktoria", die erste aller Briefmarken, einen Sammelwcrt von etwa 5 Mk. für das gestempelte und von 50 bis 60 Mk. für das ungebrauchte Stück. Mit Recht wird sie von den Sammlern als interessantes kleines Dokument der postalischen Weltgeschichte geschätzt.
Wie so viele Erfindungen hat auch die Drief- marke chre Vorläufer gehabt. Die Geschichte der ältesten bekannten Postwertzeichen reicht bis in die Zeit Ludwigs XIV. von Frankreich zurück. 3.m ^öre 1653 hatte ein Herr von VSlayer oder Dalayer vom König das alleinige Recht erhalten^ zwecks Reform der alten Pariser ,aIlen Stadtteilen Briefkasten cm- zuvringen und eine Art Hauptpostamt einzurich-
Berlin, 7.Mai. (WTB.) Der Herr Reichspräsident hat dem Schöpfer und Leiter des Deutschen Museums, Exzellenz Gehei 3ng. Oskar von Miller, Mi
seinem 75. Geburtstage den Adlerschild dc- Reiches verliehen und ihm nachstehendes Schreiben zugehen lassen:
„Ew. Exzellenz zu Ihrem 75. Geburtstage meine herzlichsten Glückwünsche ouszusprechen, ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis. 3n einem arbeitsvollen Leben haben Sie der deutschen Wirtschaft und Technik wertvolle Dienste geleistet und Ihre Arbeitskraft und 3nitia- tive bis in die Gegenwart hinein in den Dienst! öffentlicher 3nteressen gestellt. Die Arbeit Ihres Lebens haben Sie gekrönt durch die Schöpfung des Deutschen Museums, dessen weiterer Ausbau durch die In diesen Tagen erfolgte Vollendung des Studienbaues wiederum Ihr besonderes Verdienst ist. Dem Danke des deutschen Volkes möchte ich Ausdruck geben, indem ich Ihnen die Höch st e Ehrung zuerkenne, die die Deutsche Republik verleiht, den A d l e r s ch i l d, der auf der BorLerseite das Symbol des Reiches und auf der Rückseite dis Widmung „Dem Schöpfer des Deutschen Museums" trägt. Diese Ehrung soll Ihnen ein Zeichen dafür sein, dah mit mir das Vaterland Ihres Geburtstages gedenkt. Mit den besten Grüßen und den aufrichtigsten Wünschen für Ihr weiteres Wirken und Schaffen bin ich Ew. Exzellenz sehr ergebener
(gez.): von Hindenburg." .
Ehrenbürger von München.
München, 7. Mai. (TU.) Die Stadt München hat Geheimrat von Miller anläßlich seines 75. Geburtstages das Ehrenbürgerrecht verliehen. Oberbürgermeister Dr. S ch a r n a g l und Bürgermeister Dr. K i f n e r überreichten ihm die von Frau Simons geschaffene Ehrenbürger-Urkunde, die folgenden Wortlaut hat: „Der Stadtrat München hat in seiner Gesamtsitzung vom 4. Februar 1930 beschlossen, Exzellenz Herrn Geheimen Baurat Dr. Oskar von Miller, dem Schöpfer des Deutschen Museums, aus Anlaß des 75. Geburtsfestes und der Heberichtfeier für den Bibliotheksbau des Deutschen Museums in Anerkennung der großen Verdienste um das Ansehen und die Bedeutung der Stadt München in allen gebildeten Kreisen der Welt und in dankbarer Würdigung der in seltener Familientradition stets bekundeten Förderung der Interessen Münchens das Ehrenbürgerrecht der Stadt München zu verleihen. Hierüber diese Urkunde."
Der großzügigen Reform der Pariser Stadt- post durch Velayer war jedoch nur eine kurze Lebensdauer beschieden; denn schon 1662 erhielt der Pariser Kaufmann Presdeseigle die Genehmigung zur Einrichtung einer Stadtbriefbeförderung, ohne dah irgendeine Kunde von der Verwendung besonderer Wertzeichen auf uns gekommen wäre. Das erste Postinstitut, von dem uns das Aussehen seiner Freimachungszeichen bekannt ist, war die Londoner S t a d t p o st, die 1680 von dem früheren Zollbeamten William Dockwra gegründet wurde. In diesem Fall erhielten die Briefe, für die das Porto im voraus entrichtet war, einen dreieckigen Stempel mit der Inschrift „Penny Post paid“ und mit einem Buchstaben, der das Aufgabepostamt kennzeichnete. Daneben wurden Heinere herzförmige Stempel mit der Stundenangabe gesetzt. Diese Londoner Stadtpost bestand ununterbrochen 160 Jahre lang bis zu der erwähnten Reform des gesamten englischen Postwesens von 1840 durch Sir Rowtand Hill, den Schöpfer der eigentlichen Briefmarke.
Die praktische Bedeutung der neuartigen Freimachungsart wurde bald allgemein erkannt, und schon in den nächsten Jahren folgten andere Post- verwaltungen dem englischen Beispiel. In Sydney wurden 1841 Marken ohne Wertangabe, aber mit Frankaturkraft verausgabt: im gleichen 3ahr
tauchten in den Vereinigten Staaten die ersten Stadtpostmarken auf: 1843 erschienen in den Kantonen Zürich und Genf die heute so wertvollen Kantonalmarken, in demselben Jahr die sog. „Ochsenaugen", die berühmten ersten Postwertzeichen Brasiliens: die vielgenannten seltenen Mauritius entstanden 1847. Am 1. Rovember 1849 brachte Bayern die ersten Briefmarken in Verkehr, 1850 folgte Preußen, und die anderen altdeutschen Staaten schlossen sich in kurzen Abständen an.
In den 90er Jahren, seitdem der Stammbaum der Briefmarke gepflanzt wurde, hat sich ihre Familie erstaunlich vermehrt und Über den ganzen postalisch erschlossenen Erdball ausgebreitet. Während etwa 25 Jahre nach Einführung des Postwertzeichens im ganzen rund 1500 verschiedene seiner Gattung erschienen waren, verzeichnen die Kataloge der Sammler heute etwa 6 6 000 verschiedene Marken! Dabei sind freilich alle Unterschiede in den Zeichnungen, Farben, Zähnungen, Aufdrucken usw. mitgezählt. Die drucktechnische Ausführung wurde nach den teilweise primitiven Anfängen immer vollendeter; heute bedient man sich der modernsten Reproduktionsverfahren und zieht erste Künstler zur Mitarbeit heran, so daß man in unseren Tagen vielfach von der Briefmarke als kleinem Kunstwerk sprechen kann und sie mit Recht als die kulturelle Visitenkarte der Völker bezeichnet.
Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dah das Driefmarkensammeln sich einer immer mehr zunehmenden Beliebtheit in fast der ganzen Welt erfreut und wohl als der volkstümlichste Sammelzweig gelten darf. Der Kenner weiß, daß es kein umfassenderes und einprägsameres Anschauungsmaterial für Geschichte und Geo- graphie, Weltkenntnis und Raturkunde, Volks- wirtschaft, Währungswesen und viele andere Gebiete gibt als die Briefmarke. Und zu dieser ideellen Seite kommt die materielle: schon manche Markmsammlung hat sich später als gutver- zmsliche Kapitalanlage erwiesen. Insbesondere aber wissen überall die Postbehörden die Aus- wirkung teefer Liebhaberei in ihren Etats zu schätzen. Hat man doch in den Hauptstädten 6 Lander besondere Sammlerschalter eingerichtet, die auch briefliche Bestellungen auS-
Nowland Hill hätte es sich vor fSum träumen lassen, daß man einst die Briefmarken begeistert der Post abkaufen, abwjKttn Dienst« iwfilt nicht fconfptujjm
Wagen mit Polizei angegriffen. Die beiden ersten konnten sich durchschlagen, der dritte Wagen wurde von der Qlienge umzingelt. Ein Versuch, die eingesd)lossenen Polizisten zu befreien, mißlang, worauf eine starke Polizeiabteilung Schüsse auf die Menge abgab. Auf Seiten der Polizei waren sechs Verletzte zu verzeichnen. Wieviel Tote sich unter den mit 300 Personen bezifferten Verluste auf indischer Seite befinden, wird im amtlichen Bericht nicht angegeben.
Kommunistenunruhen in Norwegen.
Kopenhagen, 7. Mai. (T.-U.) Rach Meldungen aus Oslo kam es am Dienstag in einem Rebental des Gudbrandstales zu ernsten Zusammenstößen zwischen kommunistischen Arbeitern und arbeitswilligen Holzfällern und Flößern. Die Kommunisten gingen auf die Arbeitswilligen mit Aexten und Beilen los. Dabei wurden mehrere Arbeitswillige schwer verwundet. Einer von ihnen derart, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Ein Radfahrer, der entsandt wurde, um Polizei herbeizuholen, wurde von den Kommunisten gefangengenommen, deren Zahl allmählich auf 400 stieg. Alle Werkzeuge, Beile und Stemmeisen wurden in den Fluß geworfen, so daß die Arbeit niedergelegt werden mußte. Schließlich kam Polizei herbei und verhaftete den kommunistischen Anfichrer, der in das Amts- gefängnis nach Gjöfik eingeliefert wurde. Vor dem Gefängnis kam es zu großen Aufläufen. Die Arbeitswilligen ertlären, dah es augenblicklich lebensgefährlich sei, in der Gegend des Gudbrandstales zu arbeiten. Dem Wunsche, Militär aus Oslo und anderen Garnisonen nach dem Unruhegebiet zu entsenden, ist von der Regierung bisher nicht Folge geleistet worden, dagegen sind größere Polizeistreifen aus verschiedenen Städten, darunter auch aus Oslo, in das Unruhegebiet entsandt worden.
Unter dramatischen Umständen wurden mehrere der Arbeiterführer verhaftet. Die Poll- zei hofft, Herr der Lage zu inerten. Sie hat bas Gebiet, um das sich der Streit abspielte, beseht. „Aftenposten" verlangt, daß die Kassen ter Arteiterverbänte sofort beschlagnahmt werden, da sie in Rorwegen einen Terror ausüb-
Ium 90. Geburtstag der Briefmarke.
Von M. Büttner.
Die kleine Iubllarin, die in diesen Tagen das ehrwürdige Alter von neunzig Jahren erreicht hat, erfüllt einen doppelten und eigentlich recht gegensätzlichen Daseinszweck: sie bildet ein zwar winziges, aber wichtiges und von jedermann gebrauchtes Verkehrswerkzeug und andererseits den gesuchten romantischen Gegenstand einer weltumspannenden und oft leidenschaftlichen Liebhaberei. Den Ruhm, von allen Ländern zuerst die Briefmarke in ihrer noch heute gebräuchlichen Praktischen Form geschaffen und eingeführt zu haben, darf England für sich in Anspruch nehmen: Als erstes aufklebbares Postwertzeichen ist die schwarze 1-Penny-Marke mit dem bekann- ° Idealisierten Kopf der Königin Viktoria am 6. Mai 1840 zur Ausgabe gelangt, womit eine ungeahnte Entwicklung dieses kleinen Hilfs- mittels im Weltverkehr angebahnt war. Als Vater des Gedankens gilt Sir Rowland Hill der früher Schullehrer war und nach Annahme und Durchführung feiner berühmten Postreform- Vorschläge hoher Postbeamter wurde. Es erregte allgemeines Aufsehen, als er 1837 energisch für tee Verbilligung, Einheitlichkeit und Voraus- ^ezahlung des Portos eintrat und im Zusammen- Jang damit die Verwendung gestempelter Briefbogen und Umschläge und etwas später auch gummierter Briefmarken vorschlug. Sein Haupt- x n ^^"ng des sog. Penny-Porto- d b. Lines Portosatzes von 1 Penny !h»r^iiRCrerAm bis zu einer halben Unze
Gramm innerhalb ganz Großbritanniens. Das Pennh-Porto gelangte schließlich zur Ein- fuhrung, und im Mai 1840 wurden die ersten ■ C^.v)lchläge und Briefbogen mit eingedruckten Wertzeichen verausgabt Als Row- land Hill 1864 in Öen Ruhestand verseht Worte
Würdigung seiner Verdienste um das Postwesen eine Rationalgabe von 20 000 $funD Sterling. Er starb 1879 aks Vie^ndachtzig- lahriger und Wurde in der Westminsterabtei bei- gesetzt: 1882 wurde vor der Londoner Börse sein Denkmal enthüllt.
Die Erfindung ter Marke selbst wird dem Schotten James Chalmers zugeschrieben der ^on 1834 die ersten Entwürfe in seiner eigenen Druckerei anfertigen Netz, sich aber damit prak-
fage vielleicht nicht zuviel wenn man die Ansicht vertrete, daß einer der Hauptpunkte ihrer Unterredung die Frage der b u n d e s st a a t l i ch e n Organisation Europas sein werde, die Briand im September v.J. In Genf selbst aufgeworfen habe, und die er in einem demnächst an alle europäischen Regierungen zu versendenden Fragebogen im einzelnen behandeln werde.
Vier Billiarden für Ausrüstung.
Amerikanische Folgerungen aus der Londoner Flottcnkonferenz.
Berlin, 8. Mai. (Priv.-Tel.) Diesmal ist es nicht Frankreich, das weitere Milliarden in (einen Verteidigungsapparat hineinsteckcn will, vielmehr sind es d i e Vereinigten Staaten, die sich mit der Absicht tragen, das Londoner Flottenabkom- men zu benutzen, um ein Bauprogramm durchzuführen, das zunächst nichtwenigeralseine Milliarde Dollar oder 4,2 Milliarden Goldmark verschlingen soll. Ein entsprechender Antrag des Präsidenten der Finanzkommission des Repräsentantenhauses liegt schon vor. Ob er angenommen wird oder nicht, ist im Augenblick von untergeordneter Bedeutung. Viel wichtiger ist die Tatsad)e, daß das Londoner Abkommen in Wirklichkeit nicht der Rüstungsbeschränkung dient, sondern der Aufrüstung zur See Tür und Tor öffnet. Italien hat ja auch nicht gezögert, sofort eine ganze Reihe von Neubauten auf Stapel zu legen, jetzt folgt Amerika, das sich die Gleichstellung mit England erkämpft hat. Gleichstellung im Sinne der Londoner Konferenz sollte nun aber nicht in Auf- rüsten auf amerikanischer, sondern ein allmähliches Herausziehen älterer Schiffe auf englischer Seite bedeuten, um auf diese Weise beide Flotten gleich stark zu machen. In Amerika will man iedoch den an» deren W e g gehen und nun vier Milliarden Goldmark in ein Rüstungsprogramm stecken, dessen Verwirklichung alle bisherigen Abmachungen über den Haufen rennen und sämtliche Staaten zu einem neuen We11rüsten aufstacheln muß. Wenn wir uns vor Augen halten, daß sich die amerikanische Industrie in einer schweren Krise befindet, und in Amerika rund 6 Millionen Menschen arbeitslos sind, dann ist es gar nicht so ausgeschlossen, daß dieses Programm dieZustimmung des Parlaments findet, weil es der Wirtschaft Erleichterung bringt und darüber hinaus auch zum Londoner Flottenabkommen nicht in Widerspruch steht, so grotesk das auch klingt.
München, 7. Mai. Im Deutschen Museum sand heute die 19. Sitzung des Ausschusses des Deutschen Museums statt, die im Zeichen des Richtfestes des inzwischen im Rohbau fertig- gestellten Studiengebäudes des Deutschen Museums und des 75. Geburtstages des Schöpfers Oskar von Miller steht. Oskar von Miller gab eingehende Darlegungen über Einzelheiten des Studienbaues des Deutschen Museums. Aeichsminister Dr. Wirth überbrachte die herzlichsten Glückwünsche des Reichspräsidenten und der Reichsregierung. Anter lebhafter Zustimmung der Versammlung verlas Generaldirektor D ö g - le r den Text eines Huldigungstelegrammes an den Reichspräsidenten. Zum Schluß überreichte Mimsterpräsitent Dr. Held dem Jubilar einen prachtvoll ausge.ührten Silberpvkal. Das Schlußwort sprach Kultusminister Goldenberger, der als bayrischer Anterrichtsminister und zugleich in seiner Eigenschaft als Ehrenpräsident des Deutschen Museums all den Stellen dankte, die im abgelaufenen Jahr am weiteren Ausbau des Museums so erfolgreich mitwirkten.
Heute nachmittag versammelten sich im Kongreßsaale, an dessen Stirnseite die Danner in den Reichs-, Landes- und Stadtfarben grüßten, und
Berlin, 7. Mai. (VDZ.) Im Preußischen Landtag wird zur Zeit die Frage erörtert, wie man den Fehlbetrag im neuen Haushalt für 1 9 3 0 decken soll. Der Finanzminister drängt auf baldige Klärung. Für Donnerstagabend ist deshalb eine interfraktionelle Sitzung in Aussicht genommen. Vorher wollen die Regierungsparteien in ihren einzelnen Fraktions- sihungen noch über die Möglichkeiten zur Lösung dieser schwierigen Frage beraten, Ursprünglich war im preußischen Haushalt ein Fehlbetrag von 88 Millionen in Ansatz gebracht worden. Als im Reichstage ter Antrag Lipinski (Soz.) angenommen wurde, ter die Länder verpflichtet, di« Rückflüsse aus der Hauszinssteuer für den Wohnungsbau zu verwenden, erhöhte sich Preußens Fehlbetrag um 12 Millionen. Denn mit diesem Betrage hatte man aus den Rückflüssen der Hauszinssteuerhypotheken schon für den Staatsbedarf gerechnet. Der Fehlbetrag erhöhte sich um weitere 14 Millionen, mit denen ter Grenzfonds ausgestattet werten soll. Schließlich kommen noch drei Millionen Ausgaben hinzu, die d e r L a n d- tag über die Etatansähe hinaus beschlossen hat. Insgesamt erhöht sich das Defizit also auf 117 Millionen, während man vorn Reich bei der Gesamtberechnung ter Ueber- weisungssteuern nur ein ONehr von 7 Millionen erwartet. Zu decken bleibt also ein Fehl- trag von 110 Millionen.
Die Deckungsfrage bietet außerordentliche Schwierigkeiten, da man sich schwer dazu entschließen kann, die R e a l st e u e r n zu erhöhen.
Wie der Demokratische Zeitungsdienst mitteilt, ist in Verhandlungen der preußischen Regierungsparteien in den letzten Tagen der Gedanke,
den tatsächlichen Fehlbetrag von 110 Millionen Mark durch eine Erhöhung der Hauszinssteuer abzudecken, fallen gelassen und ter Vorschlag einer Verdoppelung der Grundvermögens st euer erörtert worden. Der Demokratische Zeitungsdienst fügt hinzu, daß infolge der Umlegung der Grund st euer auf die Mieter dabei im allgemeinen mit einer Steigerung der Friedensmiete um 4 Prozent zu rechnen und der Kreis derer, die diese neue Belastung zu tragen haben, möglichst weit gezogen fein würde.
Keine Auflösung des preußischen Landtags.
Berlin, 7. Mai. (D.D. Z.) Im Preußischen Landtag wurde der Antrag der Wirtschaftspartei aus Auflösung des Landtags mit 260 Stimmen ter Deutsch- nationalen, Sozialdemokraten, Demokraten und des Zentrums gegen 98 Stimmen abgel ehnt.
Die teutschnattonale Landtagsfraktion, die gegen den Antrag ter Wirtschaftspartei auf Auflösung des Preußischen Landtages gestimmt hat, hat sich, wie die „T.-U." hört, bei ihrer Haltung von folgenden Erwägungen leiten lassen: Die Deutschnationalen sind der Ansicht, daß, wenn eS in Preußen zu einem Wahlkampf kommt, dieser um die Erneuerung Preußens geführt werten müsfe. Da im gegenwärtigen Augenblick aber die Reichs ange- legenheiten im Vordergrund des Interesses stünden, würde ein Wahlkampf heute nicht um preußische, sondern eben um Reichs angelegen- heiten geführt werten. Das erscheint ter deutschnationalen Landtagsfraktion nicht angezeigt.
dessen Wände Birkengrün schmückte, nahezu 2000 Personen, das Präsidium und der Vorstand des Deutschen Museums, die Gäste aus dem ganzen Reich und die Veranstalter der Feier, die Arbeiterschaft, zu dem Richtfest für den Studienbau. Oskar von Miller gab nochmals ein Bild von der Entstehungsgeschichte ter neuen Museumsbauten, zollte allen Behörden, ter Industrie und jenen, die mit Geist und Hand das Werk bis heute förderten und schufen, Anerkennung und Dank. Die Welt müsse in dem Deutschen Museum deutsche Schaffenskraft und deutsche Begeisterung erkennen, die in öen allerschwierigsten Zeiten dieses Kulturwerk schaffen konnten, das der ganzen Welt zum Vorbild und Wohle gereiche.
Der Adlerschild für Oskar von Miller.
Ein Glückwunschschreiben Hindenburgs.


