Ausgabe 
8.5.1930
 
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Der Erweiterungsbau des Deutschen Museums.

Richtfest für das neue Studiengebäude. - Ehrungen für Oskar von Miller.

Das HunderinMionen-Oefizit im preußischen Haushalt.

Verdoppelung der Grundvermögenssteuer?

mit einem Hagel von Steinen be­worfen. Ein Beamter wurde von dem Mob durch die Straßen verfolgt. Truppen und Panzerwagen wurden daraufhin eingesetzt. 3m Laufe der Kämpfe wurden insgesamt 300 Per­sonen verletzt. Die Unruhen begannen, als Ar­beiter den Versuch machten, vor einem Re- qicrungsgebäude Streikposten aufzustellen. Der Stellvertreter des Polizeichefs wurde gleich- fals von der Menge angegriffen, aber durch Po­lizeiverstärkungen befreit. Später wurden drei

des Hillschen Postreformplans veranstaltete das englische Schatzamt 1839 einen Wettbewerb für Markenentwürfe. Zur Ausführung bestimmt wurde schließlich derjenige eines gewissen Ch. H e a t h, der den Kopf der jugendlichen Königin von der Seite zeigte und nach einer Erinnerungs­medaille gezeichnet war. Llebrigcns lehnten sich die ersten englischen Briefmarken ziemlich stark an rohe, in Wasserfarben entworfene Skizzen an, die Hill selbst dem Schatzamt vorgelegt hatte. 3n drucktechnischer Beziehung nahmen die ersten Marken, die in schönem Kupferstich ausgeführt waren, gleich einen bemerkenswert hohen künst­lerischen Rang ein. Um nicht ungerecht zu sein, soll noch erwähnt werden, daß später auch -ein Oesterreicher, der Buchhalter L. Ko schier in Wien, hinsichtlich der ersten aufklebbaren Frei­marke Anspruch auf die Vaterschaft erhob. Rach damaligen Feststellungen der Leipziger Ober­postdirektion schien wirklich der Beweis erbracht, daß Kaschier bereits im Jahre 1836 der öster­reichischen Regierung einen Plan vorgelegt hat, demzufolge das Briefporto nicht mehr in barem Geld, sondern durch Verwendung von Freimarken bezahlt werden sollte. Jedenfalls ist sein Vor­schlag damals nicht verwirklicht worden Er­finderschicksal.

Die indische Freiheitsbewegung. Kundgebungen in BombayStraßen- kämpfe in Delhi.

Bombay, 7. Mai. (WTB.) Der vormalige Präsident der gesetzgebenden Versammlung, Pa­tel, traf heute aus Kalkutta hier ein. Eine große Menschenmenge bereitete ihm einen be- geisterten Empfang und überreichte ihm Blumen und Früchte. 3n einer Ansprache an die Menge erklärte er, in einem freien Land (gemeint ist Englaikd) erhalte der Sprecher des Parlaments eine Pension von 5000 Pfund jähr- lich und die Peerswürde, während in 3ndien der Sprecher, wenn er zurücktrete, seine Pension vielleicht im Gefängnis finde. Patel ermahnte seine Zuhörer, sich vorläufig passiv zu verhalten und dann das Programm durch­zuführen, das auf der Tagung des Arbeits- xmsschusses des Kongresses in einigen Tagen fest- Lcseht werden wird. Die Menge zerstreute sich hierauf ohne Zwischenfall. Patel erklärte später in einer Unterredung, er halte den Boykott der britischen Waren im allgemeinen und aller ausländischen Tuche im besonderen für wich­tiger als jeden anderen Teil des Programmes des Rationalkongresses. Er fügte hinzu, der Ar­beitsausschuß des Kongresses trete am Montag in Allahabad zusammen, um das Programm für die Zukunft zu erörtern. Er werde dem Arbeits­ausschuß bestimmte Vorschläge unterbreiten.

Ueber die gestrigen Vorgänge in Delhi wird von der britischen Verwaltung in Eimla eine amtliche Erklärung verkündigt, in der es heißt: Eine Abteilung Polizei, die auf einem Lastkraftwagen befördert wurde, geriet in eine große Menschenmenge. Sie wurde

Postsendungen wurden hier zum erstenmal Frei­machungszwang und Einheitsporto eingesührt. Angeblich auf die Anregung einer Herzogin von Longueville hin was aber nicht feststeht wurden zum Preise von 1 Sou besondere Papier­streifen verkauft, mit dem VordruckPort paye (Porto bezahlt), also eine Bescheinigung über die erfolgte Vorauszahlung des Portos, wie sie auch unsere heutige Briefmarke darstellt. Diese Aus­weise, die äußerlich etwa den jetzt gebräuchlichen Streifbändern entsprachen, mußten mit dem Da­tum ausgefüllt und dann um die betreffende Driefsendung herumgelegt oder sonstwie an ihr befestigt werden, nach der Vorschrift jedoch so, daß sie von den Beamten leicht entfernt werden konnten. Wer auf eine Antwort Wert legte, konnte gleich noch eins dieserBillets de port paye wie man sie damals nannte beifü­gen. ähnlich wie wir es noch heute mit Freium­schlag oder Antwortkarte tun. Ob diese Post- scheine auch eine Wertangabe selbst enthielten, ist bis heute nicht bekannt geworden. Jedenfalls handelt es sich hier aber um die ersten Franko- zeichen, von denen die Philatelie zu melden weih.

Während in den ersten 3ahren die Marken umständlich mit der Schere vom ganzen Bogen abgeschnitten werden muhten, ging man in Eng­land von 1854 ab endlich zur Herstellung ge­zähnter Postwertzeichen über. Man bediente sich dazu einer Durchlochungsmaschine, die der 3r- länder Henry Archer zusammen mit anderen erfunden hatte und die nach verschiedenen Ver- bcsserungen vom englischen Schatzamt für 4000 PPlud Sterling angekauft wurde. Heute hat die schwarze Viktoria", die erste aller Briefmarken, einen Sammelwcrt von etwa 5 Mk. für das ge­stempelte und von 50 bis 60 Mk. für das un­gebrauchte Stück. Mit Recht wird sie von den Sammlern als interessantes kleines Dokument der postalischen Weltgeschichte geschätzt.

Wie so viele Erfindungen hat auch die Drief- marke chre Vorläufer gehabt. Die Geschichte der ältesten bekannten Postwertzeichen reicht bis in die Zeit Ludwigs XIV. von Frankreich zurück. 3.m ^öre 1653 hatte ein Herr von VSlayer oder Dalayer vom König das alleinige Recht er­halten^ zwecks Reform der alten Pariser ,aIlen Stadtteilen Briefkasten cm- zuvringen und eine Art Hauptpostamt einzurich-

Berlin, 7.Mai. (WTB.) Der Herr Reichs­präsident hat dem Schöpfer und Leiter des Deutschen Museums, Exzellenz Gehei 3ng. Oskar von Miller, Mi

seinem 75. Geburtstage den Adlerschild dc- Reiches verliehen und ihm nachstehendes Schreiben zugehen lassen:

Ew. Exzellenz zu Ihrem 75. Geburtstage meine herzlichsten Glückwünsche ouszusprechen, ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis. 3n einem arbeits­vollen Leben haben Sie der deutschen Wirt­schaft und Technik wertvolle Dienste geleistet und Ihre Arbeitskraft und 3nitia- tive bis in die Gegenwart hinein in den Dienst! öffentlicher 3nteressen gestellt. Die Arbeit Ihres Lebens haben Sie gekrönt durch die Schöp­fung des Deutschen Museums, dessen weiterer Ausbau durch die In diesen Tagen er­folgte Vollendung des Studienbaues wiederum Ihr besonderes Verdienst ist. Dem Danke des deutschen Volkes möchte ich Ausdruck geben, in­dem ich Ihnen die Höch st e Ehrung zuer­kenne, die die Deutsche Republik verleiht, den A d l e r s ch i l d, der auf der BorLerseite das Symbol des Reiches und auf der Rückseite dis WidmungDem Schöpfer des Deutschen Mu­seums" trägt. Diese Ehrung soll Ihnen ein Zei­chen dafür sein, dah mit mir das Vaterland Ihres Geburtstages gedenkt. Mit den besten Grüßen und den aufrichtigsten Wünschen für Ihr weiteres Wirken und Schaffen bin ich Ew. Exzellenz sehr ergebener

(gez.): von Hindenburg." .

Ehrenbürger von München.

München, 7. Mai. (TU.) Die Stadt München hat Geheimrat von Miller anläßlich seines 75. Geburtstages das Ehrenbürgerrecht verliehen. Oberbürgermeister Dr. S ch a r n a g l und Bürgermeister Dr. K i f n e r überreichten ihm die von Frau Simons geschaffene Ehrenbürger-Urkunde, die folgenden Wortlaut hat:Der Stadtrat München hat in seiner Gesamtsitzung vom 4. Februar 1930 beschlossen, Exzellenz Herrn Geheimen Baurat Dr. Oskar von Miller, dem Schöpfer des Deut­schen Museums, aus Anlaß des 75. Geburts­festes und der Heberichtfeier für den Bibliotheksbau des Deutschen Museums in Anerkennung der großen Verdienste um das Ansehen und die Bedeutung der Stadt München in allen gebildeten Kreisen der Welt und in dankbarer Würdigung der in seltener Fami­lientradition stets bekundeten Förderung der Inter­essen Münchens das Ehrenbürgerrecht der Stadt München zu verleihen. Hierüber diese Urkunde."

Der großzügigen Reform der Pariser Stadt- post durch Velayer war jedoch nur eine kurze Lebensdauer beschieden; denn schon 1662 erhielt der Pariser Kaufmann Presdeseigle die Ge­nehmigung zur Einrichtung einer Stadtbriefbeför­derung, ohne dah irgendeine Kunde von der Ver­wendung besonderer Wertzeichen auf uns gekom­men wäre. Das erste Postinstitut, von dem uns das Aussehen seiner Freimachungszeichen bekannt ist, war die Londoner S t a d t p o st, die 1680 von dem früheren Zollbeamten William Dockwra gegründet wurde. In diesem Fall erhielten die Briefe, für die das Porto im voraus entrichtet war, einen dreieckigen Stempel mit der InschriftPenny Post paid und mit einem Buch­staben, der das Aufgabepostamt kennzeichnete. Daneben wurden Heinere herzförmige Stempel mit der Stundenangabe gesetzt. Diese Londoner Stadtpost bestand ununterbrochen 160 Jahre lang bis zu der erwähnten Reform des gesamten eng­lischen Postwesens von 1840 durch Sir Rowtand Hill, den Schöpfer der eigentlichen Briefmarke.

Die praktische Bedeutung der neuartigen Frei­machungsart wurde bald allgemein erkannt, und schon in den nächsten Jahren folgten andere Post- verwaltungen dem englischen Beispiel. In Syd­ney wurden 1841 Marken ohne Wertangabe, aber mit Frankaturkraft verausgabt: im gleichen 3ahr

tauchten in den Vereinigten Staaten die ersten Stadtpostmarken auf: 1843 erschienen in den Kantonen Zürich und Genf die heute so wertvol­len Kantonalmarken, in demselben Jahr die sog. Ochsenaugen", die berühmten ersten Postwert­zeichen Brasiliens: die vielgenannten seltenen Mauritius entstanden 1847. Am 1. Rovember 1849 brachte Bayern die ersten Briefmarken in Verkehr, 1850 folgte Preußen, und die anderen altdeutschen Staaten schlossen sich in kurzen Ab­ständen an.

In den 90er Jahren, seitdem der Stammbaum der Briefmarke gepflanzt wurde, hat sich ihre Familie erstaunlich vermehrt und Über den gan­zen postalisch erschlossenen Erdball ausgebreitet. Während etwa 25 Jahre nach Einführung des Postwertzeichens im ganzen rund 1500 verschie­dene seiner Gattung erschienen waren, verzeichnen die Kataloge der Sammler heute etwa 6 6 000 verschiedene Marken! Dabei sind frei­lich alle Unterschiede in den Zeichnungen, Far­ben, Zähnungen, Aufdrucken usw. mitgezählt. Die drucktechnische Ausführung wurde nach den teil­weise primitiven Anfängen immer vollendeter; heute bedient man sich der modernsten Repro­duktionsverfahren und zieht erste Künstler zur Mitarbeit heran, so daß man in unseren Tagen vielfach von der Briefmarke als kleinem Kunst­werk sprechen kann und sie mit Recht als die kulturelle Visitenkarte der Völker bezeichnet.

Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dah das Driefmarkensammeln sich einer immer mehr zunehmenden Beliebtheit in fast der ganzen Welt erfreut und wohl als der volkstümlichste Sammelzweig gelten darf. Der Kenner weiß, daß es kein umfassenderes und einprägsameres Anschauungsmaterial für Geschichte und Geo- graphie, Weltkenntnis und Raturkunde, Volks- wirtschaft, Währungswesen und viele andere Ge­biete gibt als die Briefmarke. Und zu dieser ideellen Seite kommt die materielle: schon manche Markmsammlung hat sich später als gutver- zmsliche Kapitalanlage erwiesen. Insbesondere aber wissen überall die Postbehörden die Aus- wirkung teefer Liebhaberei in ihren Etats zu schätzen. Hat man doch in den Hauptstädten 6 Lander besondere Sammlerschalter ein­gerichtet, die auch briefliche Bestellungen auS-

Nowland Hill hätte es sich vor fSum träumen lassen, daß man einst die Briefmarken begeistert der Post abkaufen, abwjKttn Dienst« iwfilt nicht fconfptujjm

Wagen mit Polizei angegriffen. Die beiden ersten konnten sich durchschlagen, der dritte Wa­gen wurde von der Qlienge umzingelt. Ein Ver­such, die eingesd)lossenen Polizisten zu befreien, mißlang, worauf eine starke Polizeiabteilung Schüsse auf die Menge abgab. Auf Sei­ten der Polizei waren sechs Verletzte zu ver­zeichnen. Wieviel Tote sich unter den mit 300 Personen bezifferten Verluste auf indischer Seite befinden, wird im amtlichen Bericht nicht an­gegeben.

Kommunistenunruhen in Norwegen.

Kopenhagen, 7. Mai. (T.-U.) Rach Mel­dungen aus Oslo kam es am Dienstag in einem Rebental des Gudbrandstales zu ernsten Zusam­menstößen zwischen kommunistischen Arbeitern und arbeitswilligen Holzfällern und Flößern. Die Kommunisten gingen auf die Arbeitswilligen mit Aexten und Beilen los. Dabei wurden mehrere Arbeitswillige schwer verwundet. Einer von ihnen derart, daß an seinem Aufkommen ge­zweifelt wird. Ein Radfahrer, der entsandt wurde, um Polizei herbeizuholen, wurde von den Kommunisten gefangengenommen, deren Zahl allmählich auf 400 stieg. Alle Werkzeuge, Beile und Stemmeisen wurden in den Fluß geworfen, so daß die Arbeit niedergelegt werden mußte. Schließlich kam Polizei herbei und verhaftete den kommunistischen Anfichrer, der in das Amts- gefängnis nach Gjöfik eingeliefert wurde. Vor dem Gefängnis kam es zu großen Aufläufen. Die Arbeitswilligen ertlären, dah es augenblick­lich lebensgefährlich sei, in der Gegend des Gudbrandstales zu arbeiten. Dem Wunsche, Militär aus Oslo und anderen Garnisonen nach dem Unruhegebiet zu entsenden, ist von der Regierung bisher nicht Folge geleistet worden, dagegen sind größere Polizeistreifen aus ver­schiedenen Städten, darunter auch aus Oslo, in das Unruhegebiet entsandt worden.

Unter dramatischen Umständen wurden meh­rere der Arbeiterführer verhaftet. Die Poll- zei hofft, Herr der Lage zu inerten. Sie hat bas Gebiet, um das sich der Streit abspielte, beseht.Aftenposten" verlangt, daß die Kassen ter Arteiterverbänte sofort beschlagnahmt wer­den, da sie in Rorwegen einen Terror ausüb-

Ium 90. Geburtstag der Briefmarke.

Von M. Büttner.

Die kleine Iubllarin, die in diesen Tagen das ehrwürdige Alter von neunzig Jahren erreicht hat, erfüllt einen doppelten und eigentlich recht gegensätzlichen Daseinszweck: sie bildet ein zwar winziges, aber wichtiges und von jedermann gebrauchtes Verkehrswerkzeug und andererseits den gesuchten romantischen Gegenstand einer weltumspannenden und oft leidenschaftlichen Lieb­haberei. Den Ruhm, von allen Ländern zuerst die Briefmarke in ihrer noch heute gebräuchlichen Praktischen Form geschaffen und eingeführt zu haben, darf England für sich in Anspruch nehmen: Als erstes aufklebbares Postwertzeichen ist die schwarze 1-Penny-Marke mit dem bekann- ° Idealisierten Kopf der Königin Viktoria am 6. Mai 1840 zur Ausgabe gelangt, womit eine ungeahnte Entwicklung dieses kleinen Hilfs- mittels im Weltverkehr angebahnt war. Als Vater des Gedankens gilt Sir Rowland Hill der früher Schullehrer war und nach Annahme und Durchführung feiner berühmten Postreform- Vorschläge hoher Postbeamter wurde. Es erregte allgemeines Aufsehen, als er 1837 energisch für tee Verbilligung, Einheitlichkeit und Voraus- ^ezahlung des Portos eintrat und im Zusammen- Jang damit die Verwendung gestempelter Brief­bogen und Umschläge und etwas später auch gummierter Briefmarken vorschlug. Sein Haupt- x n ^^"ng des sog. Penny-Porto- d b. Lines Portosatzes von 1 Penny !h»r^iiRCrerAm bis zu einer halben Unze

Gramm innerhalb ganz Großbritanniens. Das Pennh-Porto gelangte schließlich zur Ein- fuhrung, und im Mai 1840 wurden die ersten C^.v)lchläge und Briefbogen mit eingedruckten Wertzeichen verausgabt Als Row- land Hill 1864 in Öen Ruhestand verseht Worte

Würdigung seiner Verdienste um das Postwesen eine Rationalgabe von 20 000 $funD Sterling. Er starb 1879 aks Vie^ndachtzig- lahriger und Wurde in der Westminsterabtei bei- gesetzt: 1882 wurde vor der Londoner Börse sein Denkmal enthüllt.

Die Erfindung ter Marke selbst wird dem Schotten James Chalmers zugeschrieben der ^on 1834 die ersten Entwürfe in seiner eigenen Druckerei anfertigen Netz, sich aber damit prak-

fage vielleicht nicht zuviel wenn man die Ansicht vertrete, daß einer der Hauptpunkte ihrer Unter­redung die Frage der b u n d e s st a a t l i ch e n Or­ganisation Europas sein werde, die Briand im September v.J. In Genf selbst aufgeworfen habe, und die er in einem demnächst an alle europäischen Regierungen zu versendenden Fragebogen im einzelnen behandeln werde.

Vier Billiarden für Ausrüstung.

Amerikanische Folgerungen aus der Londoner Flottcnkonferenz.

Berlin, 8. Mai. (Priv.-Tel.) Diesmal ist es nicht Frankreich, das weitere Milliarden in (einen Verteidigungsapparat hineinsteckcn will, vielmehr sind es d i e Vereinigten Staaten, die sich mit der Absicht tragen, das Londoner Flottenabkom- men zu benutzen, um ein Bauprogramm durch­zuführen, das zunächst nichtwenigeralseine Milliarde Dollar oder 4,2 Milliarden Gold­mark verschlingen soll. Ein entsprechender Antrag des Präsidenten der Finanzkommission des Reprä­sentantenhauses liegt schon vor. Ob er angenommen wird oder nicht, ist im Augenblick von untergeord­neter Bedeutung. Viel wichtiger ist die Tatsad)e, daß das Londoner Abkommen in Wirklichkeit nicht der Rüstungsbeschränkung dient, sondern der Auf­rüstung zur See Tür und Tor öffnet. Ita­lien hat ja auch nicht gezögert, sofort eine ganze Reihe von Neubauten auf Stapel zu legen, jetzt folgt Amerika, das sich die Gleichstellung mit England erkämpft hat. Gleichstellung im Sinne der Londoner Konferenz sollte nun aber nicht in Auf- rüsten auf amerikanischer, sondern ein allmähliches Herausziehen älterer Schiffe auf englischer Seite be­deuten, um auf diese Weise beide Flotten gleich stark zu machen. In Amerika will man iedoch den an» deren W e g gehen und nun vier Milliarden Gold­mark in ein Rüstungsprogramm stecken, dessen Ver­wirklichung alle bisherigen Abmachungen über den Haufen rennen und sämtliche Staaten zu einem neuen We11rüsten aufstacheln muß. Wenn wir uns vor Augen halten, daß sich die amerikanische Industrie in einer schweren Krise befindet, und in Amerika rund 6 Millionen Menschen arbeitslos sind, dann ist es gar nicht so ausgeschlossen, daß dieses Programm dieZustimmung des Parla­ments findet, weil es der Wirtschaft Erleichterung bringt und darüber hinaus auch zum Londoner Flottenabkommen nicht in Widerspruch steht, so grotesk das auch klingt.

München, 7. Mai. Im Deutschen Museum sand heute die 19. Sitzung des Ausschusses des Deutschen Museums statt, die im Zeichen des Richtfestes des inzwischen im Rohbau fertig- gestellten Studiengebäudes des Deutschen Museums und des 75. Geburtstages des Schöp­fers Oskar von Miller steht. Oskar von Miller gab eingehende Darlegungen über Einzel­heiten des Studienbaues des Deutschen Museums. Aeichsminister Dr. Wirth überbrachte die herz­lichsten Glückwünsche des Reichspräsidenten und der Reichsregierung. Anter lebhafter Zustimmung der Versammlung verlas Generaldirektor D ö g - le r den Text eines Huldigungstelegrammes an den Reichspräsidenten. Zum Schluß überreichte Mimsterpräsitent Dr. Held dem Jubilar einen prachtvoll ausge.ührten Silberpvkal. Das Schluß­wort sprach Kultusminister Goldenberger, der als bayrischer Anterrichtsminister und zugleich in seiner Eigenschaft als Ehrenpräsident des Deutschen Museums all den Stellen dankte, die im abgelaufenen Jahr am weiteren Ausbau des Museums so erfolgreich mitwirkten.

Heute nachmittag versammelten sich im Kon­greßsaale, an dessen Stirnseite die Danner in den Reichs-, Landes- und Stadtfarben grüßten, und

Berlin, 7. Mai. (VDZ.) Im Preußischen Landtag wird zur Zeit die Frage erörtert, wie man den Fehlbetrag im neuen Haus­halt für 1 9 3 0 decken soll. Der Finanzminister drängt auf baldige Klärung. Für Donnerstag­abend ist deshalb eine interfraktionelle Sitzung in Aussicht genommen. Vorher wollen die Re­gierungsparteien in ihren einzelnen Fraktions- sihungen noch über die Möglichkeiten zur Lösung dieser schwierigen Frage beraten, Ursprünglich war im preußischen Haushalt ein Fehlbetrag von 88 Millionen in Ansatz gebracht worden. Als im Reichstage ter Antrag Lipinski (Soz.) an­genommen wurde, ter die Länder verpflichtet, di« Rückflüsse aus der Hauszins­steuer für den Wohnungsbau zu ver­wenden, erhöhte sich Preußens Fehlbetrag um 12 Millionen. Denn mit diesem Betrage hatte man aus den Rückflüssen der Hauszinssteuer­hypotheken schon für den Staatsbedarf gerechnet. Der Fehlbetrag erhöhte sich um wei­tere 14 Millionen, mit denen ter Grenzfonds ausgestattet werten soll. Schließlich kommen noch drei Millionen Ausgaben hinzu, die d e r L a n d- tag über die Etatansähe hinaus be­schlossen hat. Insgesamt erhöht sich das Defi­zit also auf 117 Millionen, während man vorn Reich bei der Gesamtberechnung ter Ueber- weisungssteuern nur ein ONehr von 7 Millionen erwartet. Zu decken bleibt also ein Fehl- trag von 110 Millionen.

Die Deckungsfrage bietet außerordentliche Schwierigkeiten, da man sich schwer dazu ent­schließen kann, die R e a l st e u e r n zu erhöhen.

Wie der Demokratische Zeitungsdienst mitteilt, ist in Verhandlungen der preußischen Regie­rungsparteien in den letzten Tagen der Gedanke,

den tatsächlichen Fehlbetrag von 110 Millionen Mark durch eine Erhöhung der Haus­zinssteuer abzudecken, fallen gelassen und ter Vorschlag einer Verdoppelung der Grundvermögens st euer erörtert worden. Der Demokratische Zeitungsdienst fügt hinzu, daß infolge der Umlegung der Grund st euer auf die Mieter dabei im allgemeinen mit einer Steigerung der Friedensmiete um 4 Prozent zu rechnen und der Kreis derer, die diese neue Belastung zu tragen haben, möglichst weit gezogen fein würde.

Keine Auflösung des preußischen Landtags.

Berlin, 7. Mai. (D.D. Z.) Im Preußischen Landtag wurde der Antrag der Wirt­schaftspartei aus Auflösung des Landtags mit 260 Stimmen ter Deutsch- nationalen, Sozialdemokraten, Demokraten und des Zentrums gegen 98 Stimmen abgel ehnt.

Die teutschnattonale Landtagsfraktion, die ge­gen den Antrag ter Wirtschaftspartei auf Auf­lösung des Preußischen Landtages gestimmt hat, hat sich, wie dieT.-U." hört, bei ihrer Hal­tung von folgenden Erwägungen leiten lassen: Die Deutschnationalen sind der Ansicht, daß, wenn eS in Preußen zu einem Wahlkampf kommt, dieser um die Erneuerung Preu­ßens geführt werten müsfe. Da im gegen­wärtigen Augenblick aber die Reichs ange- legenheiten im Vordergrund des Interesses stün­den, würde ein Wahlkampf heute nicht um preußische, sondern eben um Reichs angelegen- heiten geführt werten. Das erscheint ter deutsch­nationalen Landtagsfraktion nicht angezeigt.

dessen Wände Birkengrün schmückte, nahezu 2000 Personen, das Präsidium und der Vorstand des Deutschen Museums, die Gäste aus dem ganzen Reich und die Veranstalter der Feier, die Ar­beiterschaft, zu dem Richtfest für den Studienbau. Oskar von Miller gab nochmals ein Bild von der Entstehungsgeschichte ter neuen Museumsbauten, zollte allen Be­hörden, ter Industrie und jenen, die mit Geist und Hand das Werk bis heute förderten und schufen, Anerkennung und Dank. Die Welt müsse in dem Deutschen Museum deutsche Schaffens­kraft und deutsche Begeisterung erkennen, die in öen allerschwierigsten Zeiten dieses Kulturwerk schaffen konnten, das der ganzen Welt zum Vor­bild und Wohle gereiche.

Der Adlerschild für Oskar von Miller.

Ein Glückwunschschreiben Hindenburgs.